rauhreif

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hugo-wolff
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Re:

von hugo-wolff (23.08.2014, 03:14)
Hallo Gerda, Du schreibst:

Hallo hugo - du glaubst , dass sich bei dem Gedicht ein Sinn (!) bei etwas gutem Willen (!) erschließen lasse. Oje, ein glatter VERRISS! Plumps - Ich versinke in glatte Lyrikerin- Unbedeutenheit! - Meine Gedichte bleiben in der Schublade!


Jetzt muß ich mich doch noch einmal melden, weil ich das so nicht stehen lasssen kann! Wer bin ich denn, daß ich so eine Reaktion auslöse?

Wenn Du meine Postings in diesem Thread richtig liest, wirst Du feststellen, daß ich überhaupt nichts zu Deinem Gedicht gesagt habe - es ging mir stets nur um das ominöse unverstandene Wort und die Freiheit des Wortes in der Lyrik überhaupt. Zu Deinem Werk habe ich absichtlich keinen Kommentar abgegeben - dies erschien mir unpassend, nachdem Herr Scherm sich bereits gemeldet hatte.

Den "guten Willen" habe ich beim Leser eingefordert und gleichzeitig darauf hingewiesen, daß es nicht die Aufgabe des Dichters ist, in einem PS unter sein Werk zu schreiben: "Lieber Leser, damit meine ich dies und das und so weiter..."

Wenn ich Kritik an Deinem Gedicht geäußert hätte, wäre das an ganz anderer Stelle gewesen, und sie wäre winzig klein ausgefallen. Vergiß es.

Und laß den Unsinn, wegen einer Fehlinterpretation Deine Gedichte nun wieder in eine Schublade zu stecken und mich als Auslöser dafür zu bezeichnen. Und womöglich auch noch "vergrätzt" zu sein *zwinker*

Damit verabschiede ich mich.

Hugo

(der mal auf Norderney gelebt hat
und das Meer sehr oft vermißt)

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Torsten Buchheit
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Re:

von Torsten Buchheit (23.08.2014, 11:20)
Das Wort "vergrenzt" gibt es durchaus, wie eine kleine Suche bei Tante Google ergibt:

http://books.google.de/books?id=mFVO_if ... zt&f=false

Wie Gerd schon völlig richtig vermutet hat, wird "vergrenzen" im Sinne von "mit Grenzen versehen" verwendet.

Ich hoffe, ich habe jetzt keinen vergrätzt. :wink: angle:
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Klonschaf
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Re:

von Klonschaf (23.08.2014, 13:02)
@Torsten

Also ich hab das Wort auch so assoziativ in ein Amtstubendeutsch, bzw. irgendeinen technischen Bereich oder so was eingeordnet, daher hab ich in meinem vorigen Kommentar geschrieben, das Wort passt von der Klasse/Sphäre nicht ins Gedicht.

... dass es das Wort tatsächlich gibt und so in der Art im Gebrauch war, hätte ich aber nicht gedacht!

Allerdings ist es wahrscheinlich so selten und so in Vergessenheit, dass mans als Neuschöpfung durchgehen lassen kann!

:D

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mtg
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Re: rauhreif

von mtg (26.08.2014, 08:28)
Vielen Dank für die Erklärung, was »vergrenzt« bedeutet bzw. in welchem Sinne man es benutzt. Nun stellt sich mir aber eine weitere Verständnisfrage.

Ich verstehe das im Gedicht »rauhreif« dargestellte Bild so, dass es um Trauer, um Distanz, um Unerreichbarkeit bzw Unantastbarkeit geht. Ich zitiere das Gedicht mal hier, damit nicht unnötig gescrollt werden muss.

buehne44 hat geschrieben:
rauhreif

wortkarg in starrer schönheit
bist du unantastbar
baumbild

sanft geneigt trauernd
im augenblick verfangen
bist du entrückt
schilf
langmähnig verharrend

der atem stockt
bizarre stummheit
vergrenzt alle nähe


Wenn bizarre Schönheit alle Nähe vergrenzt – also die Grenzen der Nähe enger zieht ... dann bedeutet das doch mehr Nähe und damit das Gegenteil der ansonsten getroffenen Aussagen, nämlich etwas Schönes oder Wärme, nicht wahr? Oder verstehe ich wieder etwas falsch? Ich würde es gerne (richtig) verstehen ... auch wenn Lyrikern ja (wie zitiert wurde) die Auffassung nachgesagt wird, der Leser müsse nichts verstehen ...

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ANOUK_F.
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Re:

von ANOUK_F. (26.08.2014, 09:32)
Hallo
ich verfolge nun seit Tagen die Diskussion um das leidige Wort "vergrenzt". Eine Antwort auf mtg's Frage kann ich natürlich nicht geben, das kann wohl nur Bühne 44 selber.
Ich möchte an dieser Stelle lediglich mal zum Besten geben , wie das Wort "vergrenzt" auf mich persönlich wirkt:
Also, "vergrenzen" hat mich neulich, beim ersten Lesen, spontan an "verminen" erinnert.
Mir erscheint es so, als würde die entrückte, fast unwirkliche Schönheit der in Winterruhe befindlichen Vegetation nach außen eben NICHTS an Wärme oder Nähe abgeben, sondern sich vielmehr komplett zurückziehen. Was die Nautr ja de facto auch tut: kein Saftfluss mehr, usw.

Die "bizarre Schönheit vergrenzt alle Nähe" schließt also Nähe komplett aus (so meine Interpretation) . Während im Sommer das Rauschen der Blätter einlädt, im Schatten unter dem Baum eine Rast zu machen, oder das langmähnige Schilf uns im Wind über den Arm streicht, verharrt es nun starr und "vergrenzt alle Nähe" in seiner (von der Betrachterin mutmaßlich so empfundenen) übernatürlichen Schönheit.
So, nun würde mich natürlich auch Bühne44's eigene Aussage dazu interessieren!

lG,
Anouk

Yuuri
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Re:

von Yuuri (26.08.2014, 14:43)
Ohayo!
Ich mag auch mal. Der Japaner hat kein Schimmer was das Wort bedeutet!
Aber wen ich lese sehe ich folgendes.
Eine Wiese die mit Raureif überzogen ist. Und ich sehe Grenzen die verschwimmen wie eine Naht.
Oder eben wie kleine Straßen kleine Insekten die durch das Tal wandern.
Oder es erinnert mich an eine Flicken decke. ;)
Mir ist nicht alles egal, ach ist mir egal.
http://www.bod.de/buch/yuuri-matsumoto/ ... 26224.html

Bardioc
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Re:

von Bardioc (26.08.2014, 15:41)
Ich habe das als Metapher für eine unerfüllte Liebe gesehen.

bizarre stummheit
vergrenzt alle nähe


Die ''bizarre stummheit'' des erwünschten Geliebten setzt einer möglichen Nähe zu dieser Person Grenzen.

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mtg
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Re:

von mtg (26.08.2014, 17:21)
Bardioc hat geschrieben:
Ich habe das als Metapher für eine unerfüllte Liebe gesehen.

bizarre stummheit
vergrenzt alle nähe


Die ''bizarre stummheit'' des erwünschten Geliebten setzt einer möglichen Nähe zu dieser Person Grenzen.

Danke! Das klingt schlüssig.

Bardioc
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Re:

von Bardioc (26.08.2014, 18:45)
mtg hat geschrieben:
Bardioc hat geschrieben:
Ich habe das als Metapher für eine unerfüllte Liebe gesehen.

bizarre stummheit
vergrenzt alle nähe


Die ''bizarre stummheit'' des erwünschten Geliebten setzt einer möglichen Nähe zu dieser Person Grenzen.

Danke! Das klingt schlüssig.

Das ist naheliegend. Natürlich kann man das Ganze auch rein auf die Natur beziehen,
das würde auch Sinn machen. Ich habe es aber von Anfang an als Metapher interpretiert und mich gewundert, warum die Leute soviel -- und soviel Unlogisches -- in das ''vergrenzt''
reininterpretiert haben. Es zeigt jedenfalls das Talent der Autorin, wenn man es zwanglos auf zwei verschidene Arten interpretieren kann.

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mtg
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Re:

von mtg (26.08.2014, 22:12)
Bardioc hat geschrieben:
mich gewundert, warum die Leute soviel -- und soviel Unlogisches -- in das ''vergrenzt'' reininterpretiert haben.

Ich habe ja nichts hineininterpretiert - ich kannte schlicht das Wort nicht. Und der Duden auch nicht. Dass Torsten es in einem einzigen Zusammenhang gefunden hat, bedeutet ja auch nicht, dass es im allgemeinen Sprachgebrauch ist. Nur, dass die Interpretation, die Gerd von der sprachlichen Seite her gegeben hat, tatsächlich stimmte.

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Klonschaf
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Re:

von Klonschaf (27.08.2014, 09:13)
@bardioc

Nähe ist nicht nur räumlich zu verstehen, sondern auch in jeder küchenpsychologischen Phrase ein gern gesehener Gast, daher war die von dir erwähnte Zweideutigkeit sowieso meine erste Lesart; "vergrenzt Nähe" konnte ich mir im Kontext nur erklären als: Nähe zurückweisen, ausschließen, verhindern. Und tatsächlich klingt "vergrenzt Nähe" besser als:

- schließt Nähe aus (na ja)
- verhindert Nähe (geht so)
- weist Nähe ab (ach ne, lass mal)
- wehrt Nähe ab (auch nicht)
- setzt Nähe Grenzen (hoppla)
- weist Nähe in die Schranken (ächz)

Verbklammern gehen in Lyrik halt nicht wirklich, also flugs ein passendes Synonym gebastelt; leider folgt die Wortschöpfung "vergrenzen" in dem Zusammenhang keiner nachvollziehbaren Sprachlogik, daher bleibt's für mich leeres Klanggeklingel.

Sonst aber finde ich das Gedicht gut, sagte ich ja schon.

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ANOUK_F.
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Re:

von ANOUK_F. (28.08.2014, 07:24)
@ Klonschaf

Wie wäre es denn mit "verwehrt alle Nähe" ?

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Klonschaf
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Re:

von Klonschaf (28.08.2014, 08:19)
@ANOUK_F

... "verwehrt" finde ich besser, jedenfalls das geringere Übel, und ist ehrlicher.

Hm, irgendwie hab ich eh ein schlechtes Gewissen, weil ich hier so viel meinen Senf dazugegeben hab (und anfangs noch den falschen Ton getroffen), ich bin ja auch nicht die letztgültige Instanz in Lyrik, aber die Sache mit "vergrenzt", na ja, sonderbare Sache.

Aber ich muss sagen, ich leg denselben Maßstab an mich selbst an, vorgestern hab ich mein Romandingens von mittlerweile sechzig Seiten unwiderruflich gelöscht, nachdem ich vier Jahre intensivst dran gefeilt und gemacht und getan hab und ... irgendwie ... was soll ich sagen: es ist und bleibt halt doch nur Gelaber, wenn ich der Sache mal schonungslos auf den Grund gehe. Das kann weg, auch wenns mir bisschen weh tut. cheezygrin :D

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Re:

von ANOUK_F. (28.08.2014, 08:45)
@ Klonschaf

Unwiderruflih gelöscht? Klar tut das weh. Sicher, es muss nicht alles veröffentlicht werden. Ich persönlich hätte es in einer Schublade aufgehoben und es mit dem nötigen Abstand einige Monate später noch mal überarbeitet. Naja, aber jeder hat seine eigene Vorgehensweise. Dann betrachte es wenigstens als Übung. Jeder Text macht einen besser!
Weiterhin frohes Schaffen!!!! cheezygrin
Anouk

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Re:

von Bardioc (28.08.2014, 08:45)
Klonschaf hat geschrieben:
@ANOUK_F

... "verwehrt" finde ich besser, jedenfalls das geringere Übel.

Hm, irgendwie hab ich eh ein schlechtes Gewissen, weil ich hier so viel meinen Senf dazugegeben hab (und anfangs noch den falschen Ton getroffen), ich bin ja auch nicht die letztgültige Instanz in Sachen Lyrik, aber die Sache mit "vergrenzt", na ja, sonderbare Sache.

Das Wort ''vergrenzt'' war mir auch neu, seine Bedeutung ergibt sich aber aus den Bedeutungen seiner Teile.

Aber ich muss sagen, ich leg denselben Maßstab an mich selbst an, vorgestern hab ich mein Romandingens von mittlerweile sechzig Seiten unwiderruflich gelöscht, nachdem ich vier Jahre intensivst dran gefeilt und gemacht und getan hab und ... irgendwie ... was soll ich sagen: es ist und bleibt halt doch nur Gelaber, wenn ich der Sache mal schonungslos auf den Grund gehe. Das kann weg, auch wenns mir bisschen weh tut. cheezygrin :D

Ist es denn so einfach, einen Text, an dem man vier Jahre gearbeitet hat, ''unwiderruflich'' zu löschen? Ich meine jetzt nicht ev. mentale Schwierigkeiten, sondern die vielen Sicherheitskopien, die Du hoffentlich gemacht hast.

Ich frage mich sowieso, warum man heute überhaupt etwas löscht, insbesondere wenn es Texte sind. Die Kapazität moderner Speichermedien ist so groß, daß man alles einfach stehenlassen könnte. Und ev. braucht man's ja doch einmal wieder, und sei es nur eine besonders gute Formulierung und nicht den ganzen Text.

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