Das Kind des Teufels-Kapitel 1-24-23 seitig.

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Berumburerin
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Das Kind des Teufels-Kapitel 1-24-23 seitig.

von Berumburerin (29.06.2010, 13:58)
Titel: Das Kind des Teufels-Kapitel 1-24-23 seitig.
Autor: Gabriele Mumm



Der Autor über das Buch:

Fortsetzung von "Bunte Schmetterlinge in der Nacht"-Die ersten 24 Kapitel. Sorry, daß meine Geschichte zweimal vorkommt, ich wollte eine längere Leseprobe einstellen..

Klappentext:

10 Jahre sind seit der dramatischen Entführung von Francesca vergangen. Ihr jüngster Sohn Stefanus hat ein mysteriöses und eigenartiges Verhalten und macht seiner Umwelt das Leben sprichwörtlich zur Hölle. Noch bevor die Mandinis erahnen können, dass er der Sohn des Psychopathen Mikele ist, nimmt das Schicksal seinen Lauf, Stefanus treibt sein Unwerk und zerstört das Leben der Mandinis.

Inhalt:

Bunte Schmetterlinge in der Nacht 2-Die Brut des Teufels…

Die Brut des Teufels,
Sie wuchs in ihr heran,
Die Brut des Teufels,
Das Kind einer Mutter,
Die es beschützen möchte
Und über alle Grenzen
Hinaus liebt.
Die Brut des Teufels…


Kapitel 1

Donner und Blitze warfen in dieser Nacht kalte Schatten über den kleinen Dorffriedhof. Ein schwarzer Rabe setzte sich krächzend auf den von Fäulnis und Moder umgebenen Boden eines Grabes, das Grab eines Mörders. Aus der Finsternis ist der gellende Schrei einer Frau zu hören, ein Kind wurde geboren, die Brut des Teufels.


Kapitel 2

Heiligabend 2010-Die Zeit danach

Der rötliche Schein der untergehenden Sonne lässt die reine weiße Schneepracht vor dem kleinen Bauernhaus der Mandinis in eine wohlige Abendstimmung versinken. Francesca und Rocko, die in geraumer Zeit ihr drittes Kind erwarten, sitzen Arm in Arm auf ihrer alten braunen Ledercouch und lassen es sich neben dem Kaminfeuer mit einer heißen Tasse Tee gut gehen. Die Italienerin schaut aus dem Fenster und verfolgt mit Interesse das lustige Spiel der Schneeflocken, die seit einigen Stunden unaufhaltsam vom Himmel fallen. “Endlich mal eine weiße Weihnacht, Schatz!” Francesca blickt ihrem Mann mit vielversprechenden Blicken in die Augen. “Wo ist Stefanus?” “Der ist mit seinen Freunden Schlittenfahren, Toni und Kiara kommen erst in guten 3 Stunden!” gibt die junge Frau mit einem Glitzern in den Augen zur Antwort. Sie weiß, dass Rocko sie nicht umsonst nach ihrem jüngsten Sohn gefragt hat und freut sich auf das was nun kommen mag. Mit einem Satz springt der drahtige Italiener abrupt von der Couch auf und hebt seine hochschwangere Frau mit Leichtigkeit empor, dann trägt er Francesca bis zum wohlig weichen weißen Lammfellteppich, welcher vor dem Kaminfeuer liegt und setzt sie behutsam auf diesen nieder. “Meine geliebte Frau!” Rocko kniet sich vor Francesca und seine Hand streichelt zärtlich über ihren bereits kugelrunden Bauch. “Ups, Rocko, die kleine Maria hat mich getreten!” Francesca lächelt glückselig und gibt ihrem Mann einen langen auffordernden Kuss. Mit sanften Griff stößt dieser sie rücklings auf den Teppich und streift ihr mit seinem Zeigefinger hauchzart unter ihren engen kurzen Seidenrock über die Spalte ihres feucht gewordenen Venushügels, die sich unter dem hautengen Slip der Italienerin abzeichnet. Francesca beginnt wie eine auflodernde Flamme begierig Feuer zu fangen, sie genießt das prickelnde Kribbeln zwischen ihren Beinen und ihr wird schwindlig vor Lust. “Rocko, nimm mich!” flüstert sie ihrem Mann nun zärtlich ins Ohr. Das lässt sich der Vollblutitaliener nicht zweimal sagen. “Ich hatte nichts anderes vor, meine Süße!” Nachdem er sich so schnell wie er nur kann von seiner Kleidung befreit hat, streift Rocko seiner Frau mit gekonntem Griff ihren Slip über die Schenkel, so dass diese splitterfasernackt vor ihm liegt. Dann dringt der junge Mann trotz seiner unermesslichen Lust auf seine hübsche Frau, sanft und behutsam in diese ein, er weiß, dass Francesca in der Schwangerschaft mit viel Rücksichtnahme zu behandeln ist. Die leichten Stöße des Italieners lassen Francesca beben vor Lust, sie bekommt das Gefühl, ihr Unterleib bestehe aus vielen kleinen Wellen, die sich allmählich in eine reißende explosionsartige Flut entwickeln. Das Liebespaar nähert sich immer wieder mit lustvollen Schreien einem Höhepunkt nach dem anderen zu und vergisst darüber die Zeit. “Rocko, ich liebe dich so sehr!” haucht Francesca ihrem Mann nun voller Hingabe und Erfüllung ins Ohr. Der völlig ausgepowerte Rocko schaut auf seine Armbanduhr. “Schatz, gleich kommen die Kinder!” Es ist bereits 19 Uhr und in einer halben Stunde würde ihr erster Sohn Toni mit seiner Verlobten Kiara zum Weihnachtsfest kommen. Langsam und behäbig erhebt sich die hochschwangere Frau von ihrem Lammfellteppich und schaut aus dem Fenster. Das Schneetreiben scheint kein Ende nehmen zu wollen und die Italienerin bekommt eine schiere Vorfreude auf das bevorstehende Weihnachtsfest mit ihrer Familie.

Kapitel 3

Das Läuten an der Haustüre weckt Francesca aus ihren Gedanken. “Das werden Kiara und Toni sein, Rocko, machst du bitte auf!” Die Italienerin ist damit beschäftigt, die Weihnachtsgans in den Ofen zu schieben und hat in der Küche noch einen Haufen Arbeit vor sich. Sie horcht auf, als sie laute Stimmen von dem Flur her hört, Rocko unterhält sich aufgeregt mit dem Vater eines Schulkameraden von Stefanus. “Ich werde mir meinen Sohn mal ordentlich vorknöpfen, damit so etwas nicht mehr vorkommt, frohe Weihnachten!” verabschiedet sich der beschämte Italiener von seinem Nachbarn und schreit Stefanus mit geballter Wut im Bauch an. Francesca ahnt nichts Gutes, lässt ihre Küchenarbeit liegen und macht sich schnell auf den Weg in die Diele, um ihrem Sohn Schutz zu geben. “Warum hast du den kleinen Hubertus geschlagen bis seine Nase geblutet hat, du hast Mama und mir versprochen, damit aufzuhören, guck mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede, ich bin dein Vater!” Rocko steht vor seinem Sohn uns schüttelt diesen auf heftigste Art und Weise. “Er hat mir einen Schneeball ins Auge geworfen, er hatte es verdient!” verteidigt sich Stefanus jetzt mit Tränen in den Augen und tritt seinen Vater kräftig vor sein Schienbein. Francesca wird es angst und bange um Stefanus und sie ergreift Partei für ihren Sohn. “Rocko, sei doch nicht so streng mit ihm, Kinder raufen sich ab und zu mal und dabei kann dann eben so was passieren, das kennst du doch noch von Toni als er so alt war wie Stefanus.” Der wütende Italiener dreht sich mit schmerzverzerrtem Gesicht zu seiner Frau um und macht eine abwehrende Handbewegung. “Toni war ein normales Kind, er hat auf mein Wort gehört, Stefanus dagegen braucht eine strengere Erziehung und deswegen kriegt er auch jetzt das, was er schon seit Wochen verdient hat, eine ordentliche Tracht!” Francesca wird es mulmig in der Magengegend, sie weiß, mit ihrem Mann ist in diesem Punkt überhaupt nicht zu spaßen und so stellt sich die Italienerin zwischen diesem und ihrem Sohn. “Rocko, lass Stefanus in Ruhe, er ist noch so klein und schwach und er wird es bestimmt auch nicht wieder tun!” Von seiner Mutter ermutigt gefühlt, beißt der kleine Junge seinem Vater nun in den Finger und löst sich aus dessen Umklammerung. Das ist zu viel für den resoluten Italiener. Blitzschnell packt er seinen Sohn und trägt diesen unter seinen starken Armen hinauf auf sein Zimmer unterm Dach. Francesca macht sich nun arge Gedanken, sie weiß zwar, dass Rocko Stefanus noch nie ernsthaft geschlagen hat, aber da dieser die Geduld seines Vaters in den letzten Wochen immer wieder auf eine harte Probe stellte, ahnt sie Schlimmes. Schnell schleicht sie die Stufen der Holztreppe hinauf und horcht an der Zimmertür. “Du kleiner Teufel, jetzt wird dir mal gezeigt, wer hier das Sagen hat!” “Aua, aua, Mama!” Francesca dreht sich der Magen um als sie die Schreie ihres Sohnes hinter der Tür wahrnimmt und rennt schnell auf die Toilette, da sie sich übergeben muss. Eine ganze Weile bleibt sie in dem kleinen Bad und genießt das Alleinsein. Ein Klopfen an der Türe weckt die hochschwangere Frau aus ihren Gedanken. “Liebes, was ist?” Rocko steht mit hochrotem Kopf und besorgtem Blick vor seiner Frau als diese die Türe langsam öffnet. “Kleines, ich weiß, dass du es nicht magst, wenn ich so mit Stefanus umgehe, aber er ist nicht wie ein normales Kind, er ist jähzornig, brutal und gemein und hat keinerlei Achtung vor Erwachsenen, ich möchte gar nicht wissen, was er sich noch alles einfallen lassen würde, wenn ihm nicht endlich mal jemand Einhalt gebietet!” “Was hast du mit ihm gemacht?” Rocko streichelt seiner entsetzten Frau über ihr langes glänzendes schwarzes Haar. “Ihn übers Knie gelegt und ihm ordentlich den Hintern versohlt! Mensch Franzi, er stirbt doch nicht daran, ich wusste mir wirklich nicht mehr anders zu helfen, hoffentlich merkt er sich jetzt endlich mal, dass es so nicht weitergeht!” Rocko setzt sich ins Wohnzimmer auf seinen alten Sessel und öffnet eine Flasche Bier, welche Francesca jeden Abend für ihn auf den großen Mahagonitisch bereitstellt. Der Italiener macht einen verlegenen Eindruck und schämt sich dafür, dass er an Heiligabend ein solch großes Donnerwetter vor den Augen seiner Frau loslassen musste, aber seine Nerven hielten die ständigen Frechheiten und Anfeindungen von seinem Sohn einfach nicht mehr aus, er fand einfach keinen Zugang zu Stefanus, da dieser ihn überhaupt nicht akzeptierte, der kleine Italienerjunge war seinem Vater oftmals fremd und Rocko hatte in diesen Momenten das Gefühl, dass dieser nicht sein eigen Fleisch und Blut sein konnte. Francesca bemerkt die Anspannung ihres Mannes und geht mit offenen Armen auf ihn zu. “Schatz, gleich kommen die Kinder und dann feiern wir den Heiligen Abend, es soll doch ein schöner Abend werden!” Rockos Augen funkeln seine Frau dankbar an, Francesca konnte vieles schnell vergessen und verzeihen und das war auch ein Grund dafür, dass ihre Ehe so reibungslos gut funktionierte. “Ja, mein bunter Schmetterling, lass uns den Abend jetzt endlich mal genießen!” seufzt der Italiener in sich hinein und nimmt Francesca in seine Arme. Mit Bewunderung schaut das italienische Liebespaar aus dem Fenster und betrachtet die weiße Schneelandschaft.

Kapitel 4

“Hallo, mein kleiner Schatz!” Vorsichtig öffnet Francesca die knarrende Holztüre des Dachbodenzimmers und findet ihren Sohn wimmernd und bäuchlings liegend in seinem Bett vor. “Mama, Mama, Papa hat mich ganz feste gehauen, er hat gar nicht mehr aufgehört und jetzt tut mir mein ganzer Popo weh!” Mit sorgenvoller Miene streichelt Francesca ihrem kleinen Sohn über sein braunes Haar. Sie liebt Stefanus über alles und das Gefühl lässt sie nicht los, ihren Sohn beschützen zu müssen und besonders gut auf ihn Acht zu geben, weil dieser mit seiner kindlichen Starrsinnigkeit und Boshaftigkeit schon so manchen an seine Grenzen gestoßen hat. “Mein Zwerg, wir gehen jetzt runter ins Wohnzimmer, Kiara und Toni sind da, wir wollen jetzt Heiligabend feiern!” Der kleine Italienerjunge schaut seine Mutter mit verzweifeltem Blick an. “Ach, die blöde Kiara, immer nur ist Toni mit ihr zusammen, für mich hat er gar keine Zeit mehr, Toni ist mein Bruder!” Francesca klopft ihrem Sohn aufmunternd auf die Schulter. “Komm jetzt, der Weihnachtsmann war auch schon da und er hat dir was mitgebracht!” Stefanus Blick hellt sich auf, schnell springt er von seinem Bett auf und folgt seiner Mutter die Holztreppe hinunter in das warme Wohnzimmer, in dessen Mitte ein riesengroßer, mit vielen Lichterkugeln geschmückter Tannenbaum steht und in dem es nach einer leckeren Weihnachtsgans riecht.

“Ja, wen haben wir denn da, mein kleiner Stefanus!” Der inzwischen 20 jährige Toni erhebt sich von seinem Stuhl im Wohnzimmer und streckt seinem kleinen Bruder die Arme entgegen als er diesen mit Francesca durch die große Holztüre kommen sieht. Freudestrahlend läuft Stefanus seinem großen Bruder in die Arme. Die beiden haben sich eine kleine Ewigkeit nicht mehr gesehen. Da Toni Medizin studiert und zusätzlich sein Praktikum in einem Krankenhaus absolvieren muss, hat er keine Zeit mehr für Familienbesuche, zumal er mit seiner 20 jährigen Verlobten Kiara in eine weitentfernte größere Stadt gezogen ist. Toni drückt Stefanus feste an sich und es hat den Anschein, als wolle er seinen kleinen Bruder nicht mehr loslassen, so sehr hat er diesen vermisst. “Frohe Weihnachten, kleiner Mann!” Kiara, ein hübsches, junges Mädchen, streckt Stefanus ihre kleine Hand entgegen, doch dieser tritt vehement einen Schritt zurück, wendet sich von ihr ab und setzt sich auf seinen Stuhl. Rocko, der das Verhalten seines Sohnes mit angesehen hat, ist empört. “Stefanus!” Mit traurigem Blick erhebt sich der Junge nun trotzig von seinem Hocker und gibt der entsetzt dreinschauenden kleinen Italienerin nun doch die Hand. “Frohe Weihnacht, Kiara!” Als die junge Frau den kleinen Italienerjungen jedoch umarmen möchte, weicht Stefanus erneut aus und wirft ihr einen bitterbösen Blick zu. Zum Glück seines jüngsten Sohnes, ist Rocko emsig damit beschäftigt, die gut durchgebratene Weihnachtsgans anzuschneiden und hat deswegen von seinem ungeratenen Verhalten nichts mitbekommen. “Frohe Weihnachten alle miteinander!” frohlautet Francesca und schaut ihre Familie mit Glanz in den Augen an. Alle lassen sich das gute Essen schmecken und sind mit Ausnahme von Stefanus sehr zufrieden. Romantischer Kerzenschein und das lodernde warme Kaminfeuer brennt auch in den Herzen der Familie Mandini.

Kapitel 5

Es ist bereits Mitternacht, Francesca sitzt mit ihrem Sohn Toni und dessen ihr sehr sympathischen und ebenfalls schwangeren Verlobten Kiara auf der Couch, sie genießt bei leiser Weihnachtsmusik den Ausklang des Heiligen Abends. Rocko ist früh zu Bett gegangen, ihm ist die Auseinandersetzung mit Stefanus auf den Magen geschlagen. Dieser ist am späten Abend nur mit sehr viel Durchsetzungskraft von Seiten seines Vaters mit großem Widerwillen schlafen gegangen. Francesca ist froh, sich endlich einmal in Ruhe mit Toni und Kiara unterhalten zu können, da Stefanus den ganzen Abend mit lautem Getöse seine Weihnachtsgeschenke vorgeführt hat. Die Italienerin vermisst ihren ältesten Sohn manchmal sehr, aber da sie weiß, dass dieser mit seinem Beruf und seiner Verlobten sehr glücklich ist, ist auch sie zufrieden. “Na, Kiara, noch ein Schlückchen Rotwein?” Francesca lächelt das junge Mädchen an. “Nein, danke, das ist dem Kleinen im Bauch zu viel!” “In welchem Monat bist du jetzt eigentlich?” Kiara streichelt voller Stolz über ihr Kleid, ein sich klein abzeichnendes Bäuchlein ist bereits zu sehen. “Anfang des Vierten, es dauert leider noch eine ganze Weile bis zur Geburt, aber mein Junge wird ein echtes Sommerkind!” Toni drückt seine Verlobte liebevoll an sich. “Mutter, am liebsten wäre es ihr, das Baby wäre jetzt schon in ihren Armen!” Die beiden Frauen blicken sich voller Vorfreude auf ihre Babys in die Augen. “Bei mir ist es in einem Monat so weit, der Arzt sagt, es kann auch schon früher losgehen, ich bin jetzt in der sogenannten heißen Phase!” Francesca schüttet sich zufrieden ein weiteres Glas Rotwein ein und merkt, dass sie langsam müde wird. “So, Kinder, ich gehe jetzt zu Rocko ins Bett, morgen ist ein neuer Tag!” Behäbig erhebt sich die Italienerin von dem großen Sofa und gibt Toni und ihrer zukünftigen Schwiegertochter einen Kuss auf die Wange. “Bis morgen und schlaft schön!” Die beiden Verliebten genießen eine ganze Zeit lang ruhig und besonnen die romantische Weihnachtsmusik, dann beginnen sie auf der weichen Couch mit einander zu kuscheln. “Du, Schatz, ich möchte ins Bett, kommst du auch, da können wir dann weitermachen!” Verheißungsvoll schaut Toni dem Italienermädchen, welches in ihrem engen schwarzen Seidenkleid äußerst verführerisch aussieht, in die Augen. “Ich hüpf nur noch mal kurz in die geile Sauna deiner Eltern, dann komme ich auch und dann…!” Mit frechem und anmutigem Blick blinzelt die junge Frau ihrem Liebsten ins Gesicht.

Toni erhebt sich von dem Sofa und geht die knarrende Holztreppe hinauf in das alte Zimmer auf dem Dachboden, welches genau gegenüber dem Raum seines kleinen Bruders Stefanus liegt. Vom vielen Rotwein angetrunken, übersieht der junge Mann eine Stufe der alten Treppe und stürzt. “Hast du dir wehgetan, Schatz?” “Nein, nein, ist nur ein kleiner Kratzer am Bein!” schreit Toni, bereits wieder auf der Treppe stehend, hinunter zu Kiara, die im Flur abwartet und gleich die Sauna benutzen möchte. “Beeil dich, Kleines, ich hab Sehnsucht nach dir!” Toni taumelt voll Vorfreude auf seine Verlobte, in sein altes Kinderzimmer hinein. Stefanus ist durch den Krach seines großen Bruders wach geworden und kann nicht mehr einschlafen. Der kleine Junge schleicht die Treppe zum Flur hinunter und sein Blick fällt auf die verschlossene Tür der Sauna. Stefanus stellt sich auf die Zehenspitzen und schaut durch das Fenster der Sauna, da er ein melodisches Singen wahrzunehmen vermag. Dem Italienerjungen wird es abwechselnd heiß und kalt als er die splitternackte schwangere Kiara auf einem Hocker sitzen sieht, seine Wut auf die Verlobte seines geliebten Bruders steigt in diesem Moment ins schier Unermessliche und da diese ihm in seinen Augen Toni weggenommen hat, will sich Stefanus nun an dem jungen Mädchen rächen. “So, du olle Kuh, verbrenne doch!” murmelt der Junge mit hasserfülltem Blick in sich hinein während er auf den kleinen roten Knopf, welcher bewirkt, dass die Sauna von innen her nicht mehr zu öffnen ist, drückt und dann mit langsamen leisen Schritten die Stufen zum Dachboden hinauf schleicht. Sein lautstarkes Schnarchen dringt nur wenige Augenblicke später aus seinem Zimmer und der leichte Schneefall in Italien hat sich in ein verheerendes Schneegewitter verwandelt.

Kapitel 6

“Sempre, sempre, sempre, sempre tout…!” Kiara singt voller Lebensfreude das italienische Liebeslied, ihren persönlichen Lieblingssong. Die junge Frau liebt das wohlige Gefühl beim Schwitzen in der Sauna und genießt die Wärme noch eine ganze Zeit lang während sie gemütlich auf einem kleinen Holzschemel sitzt und die Schweißperlen, welche an ihrer jungen frischen Haut entlang gleiten, lächelnd betrachtet. “So, jetzt ist es genug!” sagt das Mädchen resolut zu sich selbst und erhebt sich schnell von ihrem Hocker, ihr Arzt hatte Kiara allzu lange Saunabesuche untersagt und deswegen will sie nichts riskieren. “Was ist das? Mein Gott, das Schloss klemmt!” Mit angsterfülltem Gesicht klopft Kiara heftig gegen die verschlossene Türe, in der Hoffnung, dass sich diese öffnet, jedoch ohne Erfolg. Die Hitze wird für das schwangere Mädchen immer unerträglicher, Kiara bekommt Angst um das werdende Leben, welches sie seit 3 Monaten in sich trägt. Sie beginnt nun aus Leibeskräften um Hilfe zu rufen, doch keiner aus der Familie nimmt ihre Schreie wahr. Der kleinen Italienerin wird es schwarz vor ihren Augen, arge Kreislaufprobleme machen ihr zu schaffen. “Bitte lass meinem Baby nichts passieren!” betet die verzweifelte Frau zu Gott, dann schlägt sie bewusstlos auf den holzigen harten Boden der Sauna auf.

Toni, der bereits eingeschlafen war und wie aus einer inneren Eingebung heraus, plötzlich erwacht, wirft einen Blick auf die Bettseite von Kiara, welche leer ist. Der junge Mann schaut müde auf seine Armbanduhr, es ist 5 Minuten nach Eins. Langsam erhebt sich der Italiener daraufhin aus seiner Sitzposition, er würde nach seiner Verlobten schauen gehen. “Bestimmt war sie so müde, dass sie auf der Couch eingeschlafen ist!” murmelt Toni in sich hinein und steigt vorsichtig die Stufen der alten Holztreppe hinunter. Er wundert sich darüber, dass die Türe der Sauna verschlossen ist und wirft einen Blick in diese hinein. “Oh mein Gott, Kiara!” Geistesgegenwärtig drückt Toni auf den kleinen rot leuchtenden Knopf an der Saunatür und öffnet diese mit ganzer Kraft. Der entsetzte Mann hebt den leblos wirkenden kleinen Körper seiner Verlobten aus einer riesigen Blutlache empor und trägt Kiara ins Wohnzimmer, dort legt er sie auf die alte Ledercouch. “Hilfe, hilfe, Vater, Mutter, Kiara ist tot!” Rocko ist der erste, der die verzweifelten Schreie seines Sohnes wahrnimmt. “Franzi, wach auf, da schreit Toni, du, da ist was passiert!” Schlaftrunken öffnet Francesca die Augen und gähnt. Dann hört auch sie das Rufen von ihrem ältesten Sohn. Schnell springt Rocko aus seinem Bett und rennt ins Wohnzimmer, Francesca läuft ihrem Mann barfuss hinterher, die Italienerin schlägt die Hände vor ihr Gesicht als sie Kiara blutüberströmt auf dem alten Sofa liegen sieht. Rocko, der über dem verletzten Mädchen kniet, schlägt Kiara mehrfach ins Gesicht, so dass diese aus ihrer leichten Bewusstlosigkeit erwacht. “Mein Baby, ich habe bestimmt mein Baby verloren!” “Alles wird gut, Hauptsache du lebst!” Toni hält mit zittrigen Händen und schneeweißem Gesicht die Hand seiner Verlobten. “Der Krankenwagen ist schon unterwegs!” Francesca beobachtet mit Tränen in den Augen ihre zukünftige Schwiegertochter, welche unter einem großen Schock zu stehen vermag. “Ich bin schuld, ich bin schuld, ich durfte nicht in die Sauna!” stottert diese und lässt sich nicht mal durch die zusprechenden Worte von Toni beruhigen.

Stefanus, welcher durch den Krach im Wohnzimmer wach geworden ist, schleicht sich leise in den Flur, um den Worten seiner Familie zu lauschen. “Hoffentlich stirbt sie, dann ist Toni wieder für mich alleine da!” flüstert der Junge und beobachtet aus der Dachbodenluke, wie Kiara auf einer Trage liegend in den Krankenwagen geschoben wird. Zufrieden legt sich Stefanus in sein Bett und lauscht dem Klang der Sirene des Notarztwagens. Mit einem boshaft zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht, schläft der kleine Italiener selig ein, das Schneien hat aufgehört und die nächtliche Landschaft von Italien schlummert in ihrem weißen Glanz.

Kapitel 7

“Ich bin schuld, dass mein Baby gestorben ist, ich bin schuld…” Wie in Trance und ohne ihre Umwelt wahrzunehmen, stammelt Kiara diese Worte fortwährend vor sich hin und starrt ohne Anteilnahme an die hohe Decke des Zimmers im Krankenhaus. “Es war doch noch gar kein richtiges Baby, du warst doch erst im dritten Monat, wir werden irgendwann ein neues Baby haben!” versucht Toni seine Verlobte mit tränenüberströmten Gesicht zu trösten. Zärtlich streichelt er die Hand von Kiara. “Lass mich jetzt bitte allein, ich brauche Ruhe!” fordert das junge Mädchen ihren Freund auf und dreht sich demonstrativ auf die Seite. “Gut, dann gehe ich jetzt, ich hole dich morgen früh aus dem Krankenhaus ab, schlaf gut, Kleines!” Mit langsamen und schweren Schritten verlässt Toni das Zimmer, nun ist Kiara mit sich und ihren Gedanken alleine. Sie denkt an ihr totes Baby und weint bittere Tränen in das große weiße Kissen neben sich. Dann gerät die junge Frau erneut in einen Zustand der inneren Leere. “Ich bin schuld…” stottert sie und fällt erschöpft in einen tiefen Schlaf.

Toni läuft mit wehmütigem Blick an dem großen Fenster des Säuglingszimmers vorbei. Sein Blick fällt auf ein Neugeborenes, das friedlich schlafend in seinem Körbchen liegt. “So wäre auch unser Baby geworden!” denkt der verzweifelte junge Mann so bei sich und wischt sich eine dicke Träne vom Gesicht, dann rennt er schnurstracks den kahlen Flur des Krankenhauses hinunter. Er braucht frische Luft um wieder einigermaßen klar denken zu können, die Fehlgeburt seiner Verlobten hat ihm mehr zu schaffen gemacht als er sich eingestehen möchte.



Kapitel 8

“Na, was ist mit Kiara?” Aufgeregt steht Francesca vor der geöffneten Türe ihres Bauernhauses. “Mutter, lass mich doch erst einmal reinkommen!” sagt Toni zu seiner Mutter und setzt einen traurigen Blick auf. Der junge Mann läuft an Francesca vorbei zum Wohnzimmer, hinüber zu Rocko, welcher auf seinem großen Ledersessel sitzt und Kamillentee trinkt. “Kiara hat das Baby verloren!” Toni setzt sich weinend auf die Couch, Francesca und Rocko schauen sich mit wehmütigen Blicken von der Seite an, keiner der beiden wagt in diesem Moment, etwas zu sagen. “Ihr geht es soweit wieder besser, morgen früh kann ich sie aus dem Krankenhaus abholen, sagt der Arzt!” bricht Toni nun das eisige Schweigen. “Gott sei Dank geht es ihr gut!” antwortet Francesca erleichtert, die hochschwangere Italienerin hält sich die Hände vor ihr Gesicht, auch sie kann ihre Tränen nicht länger zurückhalten. Rocko schlägt mit eiskalter Miene auf die Lehne des Sessels. “Das Glück der Mandinis, ein Baby verlieren, Mama und ich haben auch die kleine Maria nicht bekommen und dann war 1 Jahr später Stefanus da und bald…” “Rocko, sei still!” Francesca blinzelt ihren Mann mit giftigem Blick ins Gesicht. “Er kann so unsensibel sein!” denkt die geschockte Italienerin in diesem Moment. “So, es ist 4 Uhr in der Früh, komm Franzi, lass uns schlafen gehen, ich bin so kaputt!” Francesca gibt ihrem Sohn einen Kuss auf die Wange und folgt Rocko ins Heubettzimmer. Sie weiß aus eigener Erfahrung nur allzu gut, dass ihr Sohn seinen Schmerz, den er in diesem Moment empfindet, nur mit sich allein ausmachen kann, da halfen keine tröstenden Wort.

Toni, welcher nun allein im großen Wohnzimmer sitzt, zündet sich eine Kerze an und trinkt ein Glas Bier. “Julian hättest du heißen sollen, jetzt lebe im Himmel in Frieden, kleiner Engel!” sagt der erschöpfte junge Mann im Angesicht der lodernden Flamme und schläft kurz darauf auf der großen Couch in einen unruhigen Schlaf, das Leuchten der Kerze wird durch einen scharfen Windzug, der durch das geöffnete Fenster weht, erloschen.

Kapitel 9

Es ist 6 Uhr in der Frühe, als Kiara erwacht. Das Schreien der Babys auf der ihrem Zimmer genau gegenüberliegenden Säuglingsstation verursacht Kiara depressive Verstimmungen. Sie erinnert sich an ihre Fehlgeburt und hält sich laut weinend die Ohren zu. “Entschuldigen sie, brauchen sie vielleicht Hilfe?” Die Tür des Zimmers ist geöffnet und eine große dunkelhaarige Frau mit einem kleinen Säugling auf dem Arm steht vor dem Bett von Kiara. “Ich bin Loretta, und das ist mein Baby Sascha, er ist gestern geboren worden!” Die Italienerin beobachtet Loretta und deren Säugling aus den Augenwinkeln heraus. “Ich hatte gestern eine Fehlgeburt und möchte ihr Baby nicht sehen, bitte gehen sie!” “Oh, das tut mir leid!” Missmutig verlässt Loretta das Zimmer. Kiara atmet erleichtert auf, der Anblick von dem kleinen Sascha schnürte ihr innerlich das Herz zu. “Frühstück!” Eine kleine untersetzte Schwester betritt das Zimmer und serviert der Italienerin das Essen. “Kopf hoch, Kleine, du wirst bestimmt schnell wieder schwanger!” muntert die freundliche Schwester das verstörte Mädchen auf und verlässt mit zügigen Schritten den Raum. “Ich will aber jetzt ein Baby!” denkt die verzweifelte junge Frau so bei sich und schlürft mit Genuss eine Tasse Kaffee. Kiara hat eine Idee wie sie sich den Traum von einem Neugeborenen sofort erfüllen konnte: Sie würde das Baby von Loretta aus dem Krankenhaus mitnehmen und dann mit Sascha in einem gemieteten Ferienhaus am See wohnen. Geld hat sie noch für einen Monat, dann würde sie weitersehen. Toni ist der Italienerin in diesem Augenblick egal, ihr einziger Gedanke gilt dem kleinen Sascha.

Kapitel 10

Es ist am späten Abend als sich Kiara aus ihrem Zimmer schleicht, die Stationsschwestern sind alle emsig beim Mau Mau Spielen und einige Patienten sitzen im Fernsehraum und schauen sich gebannt einen spannenden Krimi an. Das junge Mädchen nähert sich mit leisen Schritten dem Säuglingszimmer. Schnell erkennt sie Sascha wieder und muss schmunzeln als sie sieht wie friedlich das Baby von Loretta in seinem kleinen Bettchen schläft. Kiara hebt den Säugling vorsichtig hoch und hüllt ihn in eine Decke ein. Aus angst, dass Sascha aufwachen könnte, geht sie sehr behutsam mit ihm um. Dann verlässt die Italienerin schnell das Zimmer und läuft den Gang des Krankenhauses hinunter, in der Hoffnung, dass keine der Schwestern sie bemerkt. “Frau Morsi, Frau Kiara Morsi!” Eine große schlanke Schwester beobachtet Kiara und läuft ihr hinterher. Doch bevor sie das junge Mädchen erreichen kann, springt diese in den Fahrstuhl, um ins Erdgeschoss zu gelangen. Dort angekommen, läuft Kiara wie vom Blitz getroffen aus dem Aufzug und rennt in die Richtung der großen geöffneten Eingangstüre des Krankenhauses, um das pompöse Gebäude zu verlassen. “Taxi, Taxi! Das Mädchen winkt schnell ein heranfahrendes Taxi zu sich und steigt nervös in dieses ein. “Schnell, fahren sie, fahren sie zur Ferienhaussiedlung!” gibt sie dem alten Fahrer Anweisung und atmet erleichtert auf, als dieser mit quietschenden Reifen losfährt.

Kapitel 11

“Irgendwie war Kiara heute so komisch, wollte einen Tag länger als sie musste im Krankenhaus bleiben!” bemerkt Toni am Abendbrottisch der Familie Mandini. “Wieso komisch, sie hat die Fehlgeburt gut verkraftet und ist voller neuen Mut, lass sie sich doch noch etwas erholen, das ist doch gut!” Francesca blickt in die traurigen Augen ihres ältesten Sohnes und übersieht dabei, wie Stefanus ihr eine Grimasse schneidet. Ihm ist es gar nicht recht gewesen, dass Kiara sein Attentat so gut überstanden hat und nun auf dem Weg der Genesung ist. Das Telefon klingelt. “Oh mein Gott, ja, wir kommen sofort!” Rocko legt den Hörer des alten antiken Telefons mit zittrigen Händen auf die Gabel und sieht Toni mit leidvollem Blick ins Gesicht. “Kiara ist aus dem Krankenhaus abgehauen, sie hat eines der Babys von der Neugeborenenstation mitgenommen!” “Nein! Toni schlägt die Hände über den Kopf zusammen und stößt voller Verzweiflung mit dem Kopf auf die Tischkante auf. Francesca schließt ihn mit Tränen in den Augen und einer kalkweißen Miene in ihre Arme. “Alles wird wieder gut, Toni, glaub mir, alles wird gut!” Stefanus schleicht sich leise hinauf auf sein Dachbodenzimmer und legt sich mit zufriedener Miene auf sein Bett. “Ha, ha, Kiara ist weg und hat ein Baby gestohlen, nun kommt sie ins Gefängnis und Toni ist nur noch für mich da, ha, ha.” Siegessicher klatscht sich der kleine Italienerjunge in die Hände und schaut zum Fenster. Ein eisiger Schneesturm fegt ums Haus und Stefanus schlummert selbstzufrieden ein.

Kapitel 12

“So, da wären wir, sie frischgebackene Mutter, hier ist die Ferienhaussiedlung, sagen sie mal, haben sie kein Zuhause?” Der alte Taxifahrer mustert Kiara mit einem misstrauischem Blick, diese gibt ihm schweigend das Geld und steigt mit dem kleinen Sascha auf dem Arm schnell aus dem Taxi aus. Der Fahrer des Wagens schüttelt verständnislos mit dem Kopf und zuckt mit den Schultern. “Die jungen Leute von heute, noch nicht erwachsen, aber schon ein Kind haben, die Kleine hatte ja gar kein Gepäck dabei, komisch, aber was solls, soll ja nicht meine Sorge sein.” Kiara schaut sich in der Siedlung, die umgeben von kleinen weißen Bungalows ist, um und macht sich auf den Weg zur Rezeption. “Hallo, ich hätte gern ein kleines Bungalow für mich und mein Baby!” sagt das junge Mädchen mit zaghafter Stimme zu einer großen dicken schwarzhaarigen Italienerin. “Das Häuschen auf der rechten Seite, direkt am See, gehört ihnen, wenn sie mir die Miete dafür für eine Woche im voraus bezahlen und das wären genau 500 Euro.” Mit freundlicher Miene lächelt die Mitarbeiterin der Feriensiedlung die geschockte Kiara an. “500 Euro ist viel Geld, ich habe nur 400!” “Okay, dann können sie nur 5 Tage bleiben, ist auch in Ordnung!” Mit zittrigen Händen reicht Kiara der resoluten Italienerin das Geld. “Ein süßes Baby haben sie, wie heißt es denn?” “Sascha!” antwortet die nervöse Italienerin schnell, lässt sich von der Rezeptionsdame den Schlüssel für das Bungalow übergeben und läuft schlagartig zur Tür hinaus. “Irgendetwas stimmt nicht mit dem Mädchen!” murmelt die Frau am Empfang und schaut Kiara mit fragendem Blick hinterher.

Kapitel 13

“Was hast du denn, mein kleiner Schatz, du kannst doch nicht immer nur schreien, ich hab dir doch so leckere Babynahrung aus dem Supermarkt mitgebracht, Hunger kannst du doch keinen mehr haben!” Kiara sitzt auf einer bunten Couch im Bungalow und hält den kleinen Sascha in ihren Armen. Für sie macht es in diesem Moment keinen Unterschied mehr, dass dieser nicht ihr eigenes Kind ist, die Hauptsache für sie ist es, dass ihre Sehnsucht nach einem Baby gestillt wurde. Kiara schaut aus dem Fenster vom Wohnzimmer direkt auf den zugefrorenen See, die Sonne scheint ihr ins Gesicht und sie schließt ihre Augen. Das junge Mädchen denkt an ihre Zukunft mit Sascha und beginnt zu träumen. Sie legt ihre Hand auf seine Stirn und erschrickt. “Mein Gott, Sascha, du hast ja hohes Fieber, du glühst ja wie ein Feuer!” Der Italienerin wird klar, dass sie so schnell wie möglich mit dem Säugling
einen Arzt aufsuchen muss und sie fängt hilflos an zu weinen.

Kapitel 14

Nachdem sich das junge Mädchen wieder einigermaßen beruhigt hat, greift sie in ihre Handtasche, um nach ihrem Portemonnaie zu suchen, doch Kiara kann es nicht finden. “Scheiße, ich hab meinen Geldbeutel verloren, womit soll ich denn jetzt den Arzt für Sascha bezahlen?” Verzweifelt fasst sich die Italienerin an die Stirn, sie würde nun Schritt für Schritt vorgehen müssen, das ist Kiara nun bewusst geworden. Angespannt setzt sich die Italienerin auf die Couch, um nachzudenken. “Ich werde erst mal versuchen, das Fieber auf eigene Faust runterzukriegen!” denkt das verzweifelte Mädchen laut und läuft ins Bad, um dem schreienden und vor Temperatur glühenden Sascha kühle Wadenwickel zu machen.

Kapitel 15

“Sie hatte das Baby von Loretta auf dem Arm gehabt und floh förmlich vor mir aus dem Krankenhaus, wissen sie, dass sich ihre Verlobte jetzt strafbar gemacht hat, Fehlgeburt hin oder her, so etwas darf man nicht tun!” Die Schwester des Krankenhauses sieht Toni mit giftigem Blick ins Gesicht, so dass sich dieser von ihr abwendet. Der junge Italiener beobachtet die ängstlich dreinschauende Loretta, er hat Mitleid mit ihr als er die große Frau mit geknickter Körperhaltung den Gang hinunter gehen sieht und erwartet nichts Verheißungsvolles als die Italienerin mit langsamen Schritten auf ihn zuschreitet. “Warum musste diese Frau das tun? Sascha ist mein Baby und wenn ihm etwas zustößt, bringe ich sie um!” Mit stampfenden Schritten wendet sich Loretta von dem erschrocken dreinschauenden Toni ab. Die dicke Schwester des Krankenhauses hält ihre zittrige Hand und nimmt die junge Frau Trost spendend in ihre Arme. “Die Polizei wird das Mädchen finden und dann hast du dein Baby wieder, glaub mir, alles wird gut, es liegt in Gottes Hand.” “Ihr Wort in Gottes Ohren! Sie hätten besser aufpassen müssen!” Mit wütendem Gesichtsausdruck löst sich Loretta aus der Umklammerung der Schwester und läuft den kahlen Gang hinunter, um in ihr Zimmer zu gelangen, die junge Frau ist mit den Nerven am Ende und möchte nur noch allein sein. “Ich würde ihre Verlobte mal ordentlich übers Knie legen, wenn die Polizei sie gefunden hat!” schreit die Schwester Toni laut in die Ohren und macht sich auf den Weg in die nächste Station, um ihre Arbeit wieder zu verrichten. “Wenn es damit getan wäre!” denkt Toni und kratzt verzweifelt ein Stück Kalk aus der dreckigen und morösen Wand des Krankenhauses ab.

Kapitel 16

“Oh mein Gott, ich weiß nicht mehr, was ich machen soll, bitte, lieber Gott, hilf mir!” Das Fieber des kleinen Sascha will und will nicht runtergehen und so legt sich Kiara neben dem Säugling und faltet verzweifelt ihre Hände, all ihre Versuche, die Temperatur des Babys auf ein normales Maß zu bringen, waren gescheitert, stattdessen hat die Italienerin das Gefühl, dass diese nun noch weiter steigt, da die Stirn von Sascha ihrer Meinung nach so heiß wie ein glühendes Feuer ist.

Kapitel 17

“Die 20 jährige Kiara hat heute Abend aus der Klinik einen Säugling entführt, die Frau ist 1.65 groß, hat schwarze Haare und ist sehr schlank. Wer Kiara gesehen hat, möge sich bitte bei der Polizei melden!” Die Dame an der Rezeption des Ferienparks erschrickt, ihr wird klar, dass das junge Mädchen, dem sie vor einigen Stunden den Schlüssel für das Bungalow übergeben hat, die gesuchte Frau ist. “Mist, schon gleich Mitternacht, dann ruf ich mal eben bei der Polizei an, ans Bettgehen ist wohl in den nächsten Stunden nicht zu denken, immer etwas Neues.” Die Angestellte des Parks wählt die Nummer der nächsten Polizeistation und macht ein bedrücktes Gesicht. “Ja, hallo, Leah Zachari am Telefon, ich glaube, ich weiß wo sich das junge Mädchen mit dem Säugling aufhält, kommen sie zur Rezeption ins Ferienhausgebiet del mare.”

Kapitel 18

“Ich kann nicht mehr, ich habe solch eine Wut auf Kiara!” Toni schlägt mit der geballten Faust auf den harten Mahagonitisch im Wohnzimmer seiner Eltern und setzt sich dann mit bedrückter Miene auf die alte Ledercouch. Francesca beugt sich voller Sorge zu ihrem Sohn hinunter und streichelt ihm sanft über die Wange. “Ach Toni, Kiara wird schnell merken, dass sie zu weit gegangen ist und dann kommt sie von selbst zurück, glaube mir, du wirst sehen!” Das Telefon klingelt und Rocko springt von seinem Sessel auf, er nimmt den Hörer voller Anspannung im Blick ab. Sein Gesichtsausdruck beginnt sich im Laufe des Gesprächs zu entspannen. “Gott sei Dank, ja, wir kommen sofort dorthin, ciao!” Francesca steht erwartungsvoll hinter ihrem Mann. “Was ist, haben sie Kiara gefunden?” “Sie ist in einem Ferienhaus bei “del mare”, sag Toni und Stefanus bescheid, wir fahren jetzt sofort dorthin!” Francesca faltet die Hände. “Lieber Gott, lass alles gut ausgehen, du hast den Mandinis bislang immer geholfen, bitte auch dieses Mal! Rocko, das Baby hat einen kleinen Salto in meinem Bauch gemacht, das ist ein gutes Zeichen!” Rocko drückt Francesca einen liebevollen Kuss auf die Stirn und wünscht sich, dass dieser Tag gut enden möge.

Kapitel 19

“Hallo, können Sie mir bitte helfen, mein Baby ist krank!” Die Rezeptionsdame erschrickt, als sie Kiara mit dem Säugling zur Tür hereinkommen sieht. “Ihr Baby ist das sicher nicht, junge Dame, sie bleiben jetzt hier und wir beide warten auf die Polizei, die habe ich nämlich schon gerufen!” Die große Frau vom Ferienpark hält die zitternde Kiara an den Schultern fest und sieht ihr mit einem strafenden Blick in die Augen. Das verstörte Mädchen fängt an zu weinen und bricht vor ihren Augen zusammen. “Ich hatte gestern eine Fehlgeburt, ich will mein Baby wiederhaben!” “Oh, mein Gott, das wusste ich nicht, du arme Kleine, aber da kann man doch nicht einfach ein Baby stehlen, dafür kannst du in den Knast wandern, weißt du was, ich werde der Polizei sagen, dass du dich bei mir gestellt hast, dann drücken die Bullen bestimmt ein Auge zu!” Kiara blickt die Rezeptionistin perplex an. “Ich will mein Baby wiederhaben!” “Du hast bestimmt einen Hormonmangel durch die Fehlgeburt erlitten, bist ja ganz von Sinnen, du arme Kleine!” Lautes Quietschen von einem heranfahrenden Auto weckt Kiara aus ihrer inneren Starre, sie reicht den Säugling der Mitarbeiterin des Ferienparks. “Kiara, Kiara, was machst du denn für Sachen!” Toni springt schimpfend aus dem Wagen und stellt sich in kämpferischer Haltung vor seine Verlobte. “So, was hast du dir dabei gedacht?” Kiara dreht nervös ihren Kopf zur Seite, um Toni nicht ansehen zu müssen. Der Rest der Familie Mandini tritt in das Rezeptionsgebäude. Das ist zu viel für die junge Italienerin, wie vom Blitz getroffen läuft sie durch die geöffnete Tür in Richtung des großen Sees. Dort angekommen setzt sie sich völlig außer Atem an das Ufer und starrt mit leerem Blick auf das zugefrorene Gewässer. Toni folgt seiner Verlobten. “Ich werde dich verlassen, du bist ja irre!” Der junge Italiener steht nun direkt hinter Kiara und rüttelt an deren Schulter. Kiara dreht ihren Kopf zu Toni, ihre Augen funkeln ihn zornig an. “Ja, mach Schluss und lass mich in Ruhe, im Knast ist es sowieso aufregender als bei dir, du Langeweiler!” Toni erschrickt über die Worte von Kiara. “Eine Tracht Prügel hättest du verdient, ich will dich nie mehr wiedersehen!” Mit einem Satz springt der Italiener aus der Hocke sitzend vom Boden auf und rennt davon. Wenig später ist nur noch das laute Aufheulen seines alten Lancia zu hören.

Kapitel 20

“Hey, Kiara, wir haben dich überall gesucht, Toni ist einfach abgefahren!” Francesca beugt sich über die weinende Kiara, welche immer noch hilflos am Ufer des Sees sitzt. “Kind, du holst dir ja eine Erkältung, komm, steh auf!” “Komme ich jetzt ins Gefängnis?” Kiara blickt mit ängstlichen Augen hoch in das zuversichtlich lächelnde Gesicht von Francesca. “Kleines, wir haben der Polizei alles erklärt, die Frau vom Empfang hat ausgesagt, dass du dich ihr freiwillig gestellt hättest und da haben die Polizisten Gnade vor Recht ergehen lassen, den Säugling mitgenommen und sind wieder abgefahren, Kiara, wie konntest du nur so etwas Dummes tun!” Wütend stampft das Italienermädchen mit dem Fuß auf den gefrorenen Sandboden. “Ja, ja, fang du auch noch an, hackt nur alle auf mir rum!” Mit Mühe und Not kann Francesca ihre baldige Schwiegertochter dazu überreden, mit der gesamten Familie Mandini in einem Taxi zum Bauernhaus zu fahren.
“Was machst du denn hier?” Eine Woge der Erleichterung macht sich in Toni breit, als er die Türe öffnet und Kiara sieht. “Wir lassen die beiden jetzt lieber allein, geh ins Bett, Stefanus!” Lächelnd knipst Francesca das Licht im Schlafzimmer an, sie ist froh, endlich zur Ruhe kommen zu dürfen. Es ist bereits 3 Uhr in der Frühe und der Tag war anstrengend gewesen. “Rocko, komm ins Bett!” Mit einem Satz springt der Italiener in das Heubett und schließt seine Frau in seine Arme. “Alles wird am Ende doch gut!” seufzt Rocko selbstzufrieden in sich hinein und sein lautstarkes Schnarchen übertönt die Auseinandersetzung zwischen Toni und Kiara.
“Du hättest mich davon abhalten können, in die Sauna zu gehen, du hast nichts übrig gehabt für unser Kind, du vermisst es nicht einmal!” Mit giftigem Blick greift Kiara zu einer leeren Bierflasche, welche auf dem Mahagonitisch im Wohnzimmer steht und wirft diese Toni vor die Füße. Dieser kann sich mit einem Sprung zur Seite davor bewahren, ernsthaft verletzt zu werden. “So, du Irre, ich wollte dir noch eine Chance geben, nun ist es für immer aus!” “Du warst ein miserabler Liebhaber, Tonilein, ich lass mir jetzt ein Kind von Enrico machen!” schreit Kiara in ironischem Tonfall. Das hätte das junge Mädchen nicht sagen dürfen, Enrico ist seit Kindertagen Tonis Erzfeind und ein miserabler Liebhaber wollte er auch nicht sein. Voller Wut packt er Kiara und schleppt das schreiende Mädchen hinaus aus dem Bauernhaus, in die alte Scheune. “So, jetzt zeig ich dir mal, was für ein miserabler Liebhaber ich doch bin!” Mit gekränktem Stolz zerreißt Toni die Bluse seiner Verlobten. Das junge Mädchen beginnt sich mit Händen und Füßen zu wehren und tritt Toni in den Bauch. Der junge Mann hält sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an den Hüften fest. “So, nun ist es genug, du Biest!” Verzweifelt wirft Toni seine Verlobte ins Heu und legt sie über einen großen Heuballen. Dann packt er das verstörte Mädchen fest am Genick und lässt voller Wut seine Handfläche mit einem harten Schlag auf das Hinterteil von Kiara knallen, welches sofort schmerzlich zu brennen beginnt. Toni kann nicht mehr aufhören, auf seine Verlobte einzuschlagen, als seine Hand zu schmerzen beginnt, lässt er von Kiara ab und schmeißt sie in das Heu. “So, jetzt kannst du verschwinden, asta la vista, baby!” schreit Toni der vor Schmerzen verkrümmt daliegenden Kiara ins Gesicht und verlässt verzweifelt die alte Scheune. Stefanus, der die Schreie seines Bruders vom Dachbodenfenster mit anhören konnte, klatscht sich voller Freude in die Hände, er hat sein Ziel erreicht, Kiara und Toni sind nun getrennt. Mit einem teuflischen Grinsen im Gesicht legt sich der kleine Italienerjunge schlafen, um von der Zukunft mit seinem Bruder zu träumen.

Kapitel 21

Am nächsten Morgen kommt Toni nur schwer aus dem Bett heraus, in der Küche sitzt die Familie Mandini bereits versammelt und lässt sich ein ausgiebiges Frühstück gut schmecken. “Wo ist Kiara?” Francesca schaut ihren Sohn mit besorgter Miene an, ganz so, als spürte die Italienerin, dass etwas nicht stimmen konnte. “Ich habe ihr ordentlich die Leviten gelesen und sie rausgeschmissen, zwischen Kiara und mir ist es ein für alle Male aus, basta!” verkündet Toni großspurig und schlürft seinen Kaffee. “Das kannst du doch nicht machen, ihr beiden liebt euch doch!” Francesca schlägt sich mit der flachen Hand vor den Mund. “Das ist Tonis Angelegenheit, halt dich da raus, Franzi, er ist alt genug und wird wissen, was er macht!” stutzt Rocko seine Frau zurecht. Ein betretenes Schweigen umhüllt den Raum und Stefanus kann sich ein hämisches Grinsen nicht verkneifen. “Toni, gehen wir heute zum See Schlittschuhlaufen?” durchbricht der kleine Italienerjunge die Stille. “Ja, Sportsfreund, sicher, können wir machen, komm, lass uns gleich nach dem Frühstück losgehen!” Stefanus klatscht seinem Bruder siegessicher in die Hand und verlässt schnell die Küche, um nach den Eisschuhen suchen zu gehen. Toni ist erleichtert, sich nicht weiter vor seiner Mutter rechtfertigen zu müssen und beisst genüsslich in sein mit Butter bestrichenes Croissant hinein.

Kapitel 22

Betroffen sitzt Francesca allein am Küchentisch, Toni und Stefanus sind zum Schlittschuhlaufen gegangen und Rocko ist in der Fleischerei bei seiner Arbeit, bis heute Nachmittag ist die Italienerin also alleine. Sie denkt an Kiara und fragt sich, was in Toni gefahren ist, dass dieser seine Verlobte so abservieren konnte, innerlich ahnt Francesca aber, dass diese überstürzte Entscheidung ihres Sohnes ihm in wenigen Tagen leid tun wird. “Hoffentlich geht es dir gut, kleine Kiara, hast es nicht leid, erst das Kind verloren, dann die Trennung von Toni!” In Gedanken versunken erinnert sich die Italienerin an ihre Fehlgeburt vor 10 Jahren und muss prompt an ihren damaligen Entführer Mikele denken, welcher sie wochenlang in seinem Waldhaus gefangen hielt und quälte. “Dieser Psychopath, uh, wie widerlich das alles war!” schreit Francesca voller Abscheu und macht sich an die Hausarbeit, um auf andere Gedanken zu kommen. Sie spürt einen Tritt ihres Babys und ihr wird klar, dass nach jedem Gewitter auch wieder der Sonnenschein kommt.

Kapitel 23

“Toni, Toni, hey, fang mich!” Stefanus flitzt in seinen Schlittschuhen auf dem See an seinem großen Bruder vorbei. Dieser hat sich nach einem ausgiebigen Eislauf mit Stefanus, etwas abseits vom See unter einer großen Blautanne gestellt, um nachzudenken. “Nein, Toni, ich bin jetzt noch außer Puste, fahr mal ein wenig alleine, ich mache gleich wieder mit!” Toni ist sich auf einmal doch nicht mehr so sicher, ob er Kiara richtig behandelt hat. “Sie war wie eine irre Furie, die Tracht Prügel war fällig gewesen, Toni Mandini, hab Stolz, sie will sich ein Kind von Enrico machen lassen, soll sie doch!” Schnell springt Toni zurück auf den zugefrorenen See und versucht seinen kleinen Bruder einzuholen. Die trüben Gedanken des Italieners sind wie weggeblasen, als er merkt, wie sehr sich Stefanus beim Eislaufen freut.
“Stefanus, morgen muss ich zurück nach Hause, die Universität beginnt wieder, fängt nicht auch morgen die Schule wieder an?” Stefanus und Toni haben es sich unter der Blautanne bequem gemacht und beobachten die zahlreichen Eisläufer. Das Gesicht des kleinen Italienerjungen beginnt sich zu verhärten. “Nein, Toni, bleib bei mir, geh nicht weg!” Stefanus schmiegt sich an seinen großen Bruder und fängt an zu weinen. “Mein Kleiner, in den nächsten Semesterferien bin ich doch wieder da und morgen fängt doch auch die Schule wieder an, freust du dich denn gar nicht auf deine Freunde?” Stefanus Blick hellt sich ein wenig auf. “Ich verrate dir ein Geheimnis, ich habe eine Freundin, aber erzähl es nicht Mama und Papa!” Toni kneift seinem Bruder in den Arm. “Du bist mir ja vielleicht ein Draufgänger, noch keine 11 Jahre alt und schon eine Freundin! Habt ihr euch auch schon mal geküsst?” Voller Gebanntheit schaut Toni seinem kleinen Bruder ins Gesicht. “Nein, aber das wollen wir morgen machen! Cecile hat es mir so gesagt, sie liebt nur mich und hat geschworen, nie jemand anderen zu lieben, bis zu ihrem Tod!” Toni ist irritiert von den großen Worten seines Bruders und steht vom Boden auf. “Komm, Stefanus, lass uns zu Mama und Papa nach Hause gehen, Oma ist heute Nachmittag auch da, wer zuerst zuhause ist.”
Wie auf Kommando springt der kleine Italienerjunge nun auf und läuft mit seinem Bruder über die zugeschneite Wiese des Parks. Leichte Sonnenstrahlen scheinen auf den Schnee der Blautanne und lassen das Eis schmelzen.

Kapitel 24

“Mama, Mama, ich will nicht, dass Toni wieder von uns weggeht, er soll hier bleiben!” Mit tränenüberströmten Gesicht sitzt Stefanus am liebevoll gedeckten Frühstückstisch und hämmert mit einem Löffel auf den Holztisch. “Stefanus, lass das, Toni muss wieder studieren und arbeiten, in ein paar Monaten kommt er uns doch schon wieder besuchen!” Francesca streichelt ihrem jüngsten Sohn Trost spendend über seine Wange. “Kleiner Mann, vielleicht komme ich schon in 2 Wochen für ein Wochenende vorbei, na, ist das ein Kompromiss?” Stefanus und seine Mutter schauen sich lächelnd und zufrieden an. Liebevoll drückt Toni seinen kleinen Bruder, dann gibt er Francesca einen Kuss auf die Wange. “So, ich muss los, sag Papa einen schönen Gruß von mir!” Schnell verlässt Toni das Bauernhaus und steigt in sein kleines Auto. “Weg ist dein Bruder, Stefanus, hey, schon so spät, du musst zur Schule, Schatz! Ich bringe dich mit dem Wagen, der Schulbus ist schon längst weg!” Zärtlich drückt Francesca ihren kleinen Sohn an sich und hat das Gefühl, ihm sehr nahe zu sein. “Ups, die kleine Maria hat mich getreten, Spatz, ich glaube, sie kann es gar nicht erwarten, endlich bei uns zu sein!” Stefanus Augen bekommen mit einem Mal einen bedrohlichen Ausdruck. “Ich will keine Schwester bekommen, nur ich und Toni sollen deine Kinder sein, Mama!” “Ach herrje, du bist ja eifersüchtig, glaube mir, wenn die Kleine erst mal auf der Welt ist, wirst du sie ganz süß finden und nie wieder hergeben wollen!” Francesca denkt an ihre bevorstehende Niederkunft und blinzelt mit Glanz in den Augen in die ersten morgendlichen Sonnenstrahlen, welche durch das geöffnete Fenster scheinen. “Hab Sonnenschein im Herzen und der Tag wird gut!” lächelt die Italienerin selbstzufrieden in sich hinein und macht sich mit Stefanus auf den Weg zur Schule.


Kapitel 25

“Hallo, Lilly, küss mich!” Stefanus sitzt neben seiner Freundin in der Klasse 4 B und erwartet den ersten Kuss, den sich seine kleine Freundin Lilly und er vor den Weihnachtsferien versprochen haben. “Nee, du, ich bin seit gestern mit Marco zusammen, wir haben uns schon geküsst, ich will auch nicht mehr neben dir sitzen!” Mit stolzem Blick wendet sich das kleine Italienermädchen von Stefanus ab und setzt sich neben ihrem neuen Freund Marco. In Stefanus brodelt es innerlich, er kann nicht verstehen, dass seine Freundin ihn nicht mehr zum Freund haben will.

Drrrriiiiing. Die Schulglocke läutet das Ende des ersten Schultages nach den Weihnachtsferien ein. Stefanus beobachtet Marco, welcher engumschlungen mit seiner Freundin Lilly die Klasse verlässt. “Ihr blöden Kröten!” denkt der kleine Italienerjunge bei sich. “Das wird euch teuer zu stehen kommen!” flucht Stefanus und tritt gegen einen kleinen weißen Kieselstein. Als er den Wagen seiner Mutter erblickt, freut er sich für einen kurzen Moment, jedoch nur, um sich nicht anmerken zu lassen, dass etwas nicht mit ihm stimmt. Stefanus weiß nur allzu gut, dass seine Mutter ihm jeglichen Kummer, den er auf der Seele hat, von den Augen abliest und ihm dann Löcher in den Bauch fragt. “Hallo, Mama, fahr mich bitte sofort nach Hause, ich habe Bauchweh und möchte mich sofort schlafen legen!” “Ja, mein Schatz!” Mit einem Satz springt der Italienerjunge in den Wagen seiner Mutter. Im selben Augenblick kommen Lilly und Marco die Straße entlang geschritten und schneiden Stefanus durch das Fenster eine Fratze. “Das wird euch leid tun!” denkt Stefanus und schneidet seinen Fingernagel tief in das Leder des alten Familienautos.

Kapitel 26

“Stefanus, was ist denn los, du isst ja gar nichts von der leckeren Suppe!” Francesca spürt, dass mit ihrem jüngsten Sohn etwas nicht in Ordnung scheint, sein bedrohlicher Gesichtsausdruck macht der Italienerin Sorgen. “Ich mag deine Scheißsuppe nicht essen, lass mich in Ruhe!” Mit einem Satz springt der zornige Italienerjunge von seinem Stuhl auf und springt die Treppen zu seinem Dachbodenzimmer empor, noch bevor Francesca ihm folgen kann, verriegelt er die Türe und schmeißt sich weinend auf sein Bett. “Stefanus, mach die Türe auf, was ist denn, lass uns darüber reden, wenn du ein Problem hast.” Verzweifelt klopft Francesca an die Zimmertüre ihres Sohnes. Als sie einsieht, dass es nichts bringt, Stefanus unter Druck zu stellen, steigt sie mit geknickter Körperhaltung die alte Haustreppe hinunter und geht in die Küche. “So, jetzt brauche ich einen guten Espresso!” Francesca setzt sich auf den alten Ledersessel und legt die Beine hoch während sie ihren Kaffee mit Genuß schlürft. Die Italienerin denkt über Stefanus nach, seine ständigen Wutausbrüche und seine Art machen der werdenden Mutter Angst, Stefanus hatte so gar nichts von Rocko, die Italienerin denkt weiter, sie erinnert sich an die Vergewaltigung ihres damaligen Peinigers Mikele und ihr wird schwarz vor Augen. “Alles Quatsch, weg mit diesen Gedanken! Stefanus kommt in die Pubertät und da sind sie alle schwierig, bald habe ich dich meine kleine Mariah und vielleicht verzauberst du Stefanus ja so sehr, dass auch er endlich ein lieber Junge wird!” Lächelnd streichelt sich Francesca über ihren kugelrunden Bauch und genießt die Stille, welche sich in dem grossen Bauernhaus auszubreiten scheint, die Italienerin schaut auf ihre Armbanduhr, Rocko würde erst in 3 Stunden von der Arbeit kommen und so kann sie sich noch ein klein wenig ausruhen. Beseelt von ihrem Babybauch nickt Francesca ein und träumt von ihrer kleinen Mariah.

Kapitel 27

Mit leisen Schritten schleicht Stefanus am Wohnzimmer vorbei und sieht wie seine Mutter schnarchend auf dem Sessel sitzt. Leise öffnet er die Haustüre des Bauernhauses, er würde Lilly und Marco draußen suchen und seine Freundin zur Rede stellen. Mit seinem kleinen Geländefahrrad fährt Stefanus davon, als er im Seegebiet angekommen ist, beobachtet er von einer kleinen morschen Brücke aus wie Lilly und Marcus im Seetang stehen und sich küssen. Dem eifersüchtigen Italienerjungen wird es abwechselnd kalt und heiß zugleich. Er hüpft auf der Brücke auf und ab und merkt wie die untersten Bretter des Geländers nachzugeben scheinen, mit einem Satz springt er auf den Gehweg, um nicht in den See zu fallen. “Uff, das war knapp!” Dem verzweifelten Jungen kommt ein Racheplan in den Sinn: Er würde Lilly und Marcus auf die Brücke locken, damit sie beide ins Wasser stürzen und ertrinken, dann hätten sie ihre gerechte Strafe gehabt. Mit verschmitztem Lächeln und Glanz in den Augen macht sich Stefanus auf den Weg zu seinen Erzfeinden.
Liebe Grüsse

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Doppel-Posting

von Siegfried (29.06.2010, 14:07)
... und warum hängst du Kapitel 26 und 27 nicht einfach an dein erstes Posting?

Grüße
Siegfried

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Das Kind des Teufels

von Berumburerin (29.06.2010, 14:14)
Danke für Deinen Tip, werd ihn demnächst beherzigen!

Liebe Grüsse

Gabriele :lol: :lol: :lol:
Liebe Grüsse



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Re:

von Lisa_Sonnenblume (29.06.2010, 16:54)
Ist das Buch schon raus, oder was möchtest du hier vorstellen? Und was soll das werden, wenn dufertig bist? Ein Roman doch nicht, oder?
LG,

Lisa

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Das Kind des Teufels

von Berumburerin (29.06.2010, 17:24)
Hi!

Das Buch kommt Ende des Sommers raus. Du hast es völlig richtig gesehen, dass dieses Buch nicht das klassische Format eines Romans hat, dafür sind die einzelnen Episoden zu kurz beschrieben. Ich schreibe zur Zeit auch an dem Drehbuch dieser Geschichte und dieses Buch spiegel vielmehr in Kurzform die einzelnen Szenen wider.
Liebe Grüsse



Gabriele aus Berumbur im hohen Norden

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (30.06.2010, 08:06)
@ Berumburerin.

Ja, als Drehbuch/Verfilmung könnte ich mir Deine Story auch gut vorstellen,
das könnte mir bei stimmungsvoller Umsetzung sogar sehr gut gefallen.

Was das "Gedicht" angeht, muss ich aber bei meiner Meinung bleiben, das ist zu viel des Guten.

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Das Kind des Teufels

von Berumburerin (30.06.2010, 11:56)
Hi, also, das Gedicht kann man auch erst deuten und verstehen, wenn man das ganze Buch durch hat, es sind auch vielmehr die ersten Vorworte in Bezug auf den Kern der Geschichte.

Viel Spaß beim Schreiben wünsch ich Dir noch.
Liebe Grüsse



Gabriele aus Berumbur im hohen Norden

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Re: Das Kind des Teufels

von Lisa_Sonnenblume (30.06.2010, 23:21)
Berumburerin hat geschrieben:
Hi!

Das Buch kommt Ende des Sommers raus. Du hast es völlig richtig gesehen, dass dieses Buch nicht das klassische Format eines Romans hat, dafür sind die einzelnen Episoden zu kurz beschrieben. Ich schreibe zur Zeit auch an dem Drehbuch dieser Geschichte und dieses Buch spiegel vielmehr in Kurzform die einzelnen Szenen wider.


Ahhh cheezygrin
LG,



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Das Kind des Teufels

von Berumburerin (01.07.2010, 14:59)
Das Buch "Bunte Schmetterlinge in der Nacht" ist der erste Teil der Fortsetzungsgeschichte "Das Kind des Teufels" und ist Anfang Frühjahr bei bod erschienen. :lol: :lol: :lol:
Liebe Grüsse



Gabriele aus Berumbur im hohen Norden

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