Solange ich lebe...

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SamanthaCapule
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Solange ich lebe...

von SamanthaCapule (22.07.2010, 17:08)
Solange ich lebe….

Eigentlich liebe ich solche Tage an denen die Sonne blutrot am Horizont aufsteigt und sich ihre Strahlen in den Ästen der Bäume verfangen, wie aus einer anderen Welt gestohlen.
Ich liebe es das Gras unter meinen Füßen zu spüren, die Sonne im Gesicht, wie sie mich schützend in ihre Wärme hüllt.
Der Wind, der meinen Körper sanft umschmeichelt, mit seinem unvergleichbaren Duft nach Freiheit und die unendliche Weite der Landschaft, unbezahlbar.
Noch heute höre ich das leise plätschern des Flusses, spüre das kalte Wasser an meinen Füßen. Wenn ich meine Augen schließe kann ich immer noch die Blumen sehen, wie sie in voller Pracht erblühen und da liegt immer noch der Geruch von Lavendel in der Luft, den meine Mutter so sehr liebte.
Ich sehe mein Zimmer vor mir, die roten und weißen Farben die meine Wände geschmückt hatten, auf den Tischen die Bilder meiner Vergangenheit. Die Kuscheltiere die mich des Öfteren in der Nacht beschützt hatten vor bösen Geistern und vor gefährlichen Spinnen. Mein Kuschelsessel in dem ich viele Stunden mit lesen und träumen von fremden Welten und fernen Orten verbracht hatte.
Wie ich gierig all die fantastischen Geschichten verschlungen hatte in der Hoffnung all die geheimen Orte, von denen ich da las, einmal selbst zu erforschen.
In meinen Träumen war ich Königin, Zauberin und Heldin zugleich, ich wollte Magie verspüren, sie besitzen. Ich reiste auf ferne Planeten und erforschte geheime Orte, die niemand je zuvor gesehen hatte. Es gehörte nur mir allein.
Ich dachte an meine Familie, wie ich es liebte wenn meine Mutter lächelte, was für eine schöne Frau sie doch war. An meinem Vater, der steht’s so stolz auf mich gewesen war. Wie seine Augen immer gefunkelt hatten wenn ich etwas zu seiner Zufriedenheit geschafft hatte, in solchen Momenten spürte ich deutlich wie sehr er mich liebte. Ich erinnerte mich an Tage voller Glück, an denen ich zu Gott gebetet hatte, dass sie nie enden mögen. Meine ersten Freunde, meine ersten Schultage, meine Verwandten die mich fest in ihre Arme schlossen.
Ich hielt sie fest all diese Gedanken an das was mir so viel bedeutete.
Und auf eine gewisse Art und Weise hielten sie auch mich. Das was ich erreicht hatte, das was ich geliebt hatte, all die Dinge die mich formten. Die Momente die mich stärkten, ebenso wie jene die mich schwächten addierten sich zu einer Summe von Gründen das Leben zu lieben. Trotz alledem gelang es mir aus unerfindlichen Gründen nicht das Leben zu genießen, es festzuhalten. Um mich herum explodierte das Leben, schien die mir bekannte Welt aus den Fugen zu reißen, zerrte an mir, das ich mitkäme. Doch ich blieb haltlos in der Einöde zurück, als hätte man mich vergessen, als wäre ich nicht willkommen. Damit versperrte es mir jedweden Rückweg zum Licht und ich fühlte mich wie jene in den albernen, ausgeflippten Filmen ertrinkende Menschen, die langsam dem Grund des Meeres entgegen sanken und nur noch verschwommen einen Hauch des Lichtes wahrnahmen.
Eiskalt, Leichenstarr, unbeweglich.
Eigentlich liebte ich solche Tage an denen die Wolken über mir, wie Zuckerwatte, Figuren in den Himmel zeichneten und in der Luft sich der Geruch des Frühlings verbreitete.
Und während ich dabei zu sah wie Tropfen um Tropfen meines Blutes zur Erde viel, zogen Wolken aus Zuckerwatte über mir dahin und das sanfte Gras streichelte meine Füße. Hingegen dem was alle gesagt hatten tat es nicht weh, es war auf eine seltsame Art und Weise friedvoll.
Als ich begriff, dass es bald vorbei sein würde, kehrte ich zurück an all die geheimen, wundervollen, verwunschenen Orte die ich in meiner Kindheit so geliebt hatte. Ich fragte mich, im Stillen, ob ich bei ihnen bleiben dürfte oder ob meine Sünde, ein Leben zu nehmen und sei es nur das eigene, mich an einen Ort führen würde an dem ich für immer verdammt war. Ganz langsam wurde es kalt um mich herum und mein Blick verfinsterte sich.
Es tat schon lange nicht mehr weh, weder mein zerschundenes Herz, noch der Schnitt oberhalb meines Handgelenkes. Und obwohl ich spürte wie mein Geist langsam meinen Körper verlies, umschloss mich doch nicht die Finsternis, vielmehr wurde alles intensiv, eindringlich.
Als ich, Anne Cole, meine Augen zum letzen Mal schloss, spürte ich so durchdringend wie nie zuvor das ich nicht allein war. Es war mein letztes Lächeln, ein letzter Atemzug den ich in diese Welt entließ.
Selbst in der tiefsten Dunkelheit gibt es irgendwo ein funken Licht, die Kunst ist genau hinzusehen wenn er aufleuchtet.

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