Euere Erfahrungen mit Testlesern

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Michael-L.
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Euere Erfahrungen mit Testlesern

von Michael-L. (25.07.2010, 16:55)
Ich habe in meinem Bekanntenkreis einige Leute die ich für qualifiziert halte (teilweise Germanisten, Leute die selber schreiben und alle erklärten sich freiwillig dazu bereit) einen Text zu beurteilen und mir auch ehrlich zu sagen was sie davon halten.
Das Problem, die kommen nicht in die Pötte. Also nach drei Wochen wurde im Durchschnitt 20 Seiten gelesen. :roll:

Habe einen Roman bereits drei Mal überarbeitet und benötige eine zweite Meinung. Stimmt der Plot, ist der Aufbau logisch, das Handeln der Protagonisten nachvollziehbar...

Wie handhabt ihr das oder was kann ich da besser machen?

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Manu
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Re:

von Manu (25.07.2010, 17:25)
Tja, das ist so ein Problem mit Bekannten/Freunden. Ich verlasse mich da ganz ehrlich lieber auf die Profis oder zumindest andere erfahrene Autoren. Es gibt verschiedene Foren, wo du Texte zur Diskussion/Kritik stellen kannst. Mit unterschiedlichem Engagement werden dort die Texte unter die Lupe genommen.
Ein ganzes Buch einzustellen, würde m.E. aber auch den Rahmen sprengen.
Ich für meinen Teil bin vorsichtig geworden, nachdem ich bei einigen Foren festgestellt habe, dass man dort entweder nur über den Klee gelobt wird (Weichspüler brauche ich nur zum Waschen, nicht zum Schreiben) aber konkrete Hilfe ausblieb - oder die "Kritiker" waren derart zynisch und gefielen sich nur in der Präsentation ihrer eigenen Überlegenheit (auch nicht hilfreich).
Wirkliche Hilfe wirst du , denke ich, bei einer freien Lektorin finden, aber das kostet denn auch Geld.

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Nicolas Fayé
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Re:

von Nicolas Fayé (25.07.2010, 18:05)
Das mit den Zynikern hört sich verdächtig nach diversen amazon-Foren an.

Meine Manuskripte lesen als allererstes meine schlimmsten und pingeligsten und unbestechlichsten Testleser - mein bester Freund und meine Schwester. Bei manchen Kritiken tauchen auch mal Vorstellungen bei mir auf, die vielleicht ins tiefste Mittelalter passen (spanische Jungfrau u. ä.), aber die Kritik ist immer ehrlich und konstruktiv (kein Wischi-Waschi und auch keun "Honig um den Mund schmieren"). Erst wenn ich danach die Texte überarbeitet habe, bekommt sie mein Lektor.

Tipp: versuche deine Testleser zur ehrlichen Kritik zu verpflichten, auch wenn die dann manchmal sehr tief trifft. Aber nur aus der ehrlichen Kritik kann man lernen.
Viele Grüße von Nicolas

Geduld ist eine Tugend
http://www.romanzeit.de
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chnuppesaager

Re: Euere Erfahrungen mit Testlesern

von chnuppesaager (25.07.2010, 18:29)
Michael-L. hat geschrieben:
Das Problem, die kommen nicht in die Pötte. Also nach drei Wochen wurde im Durchschnitt 20 Seiten gelesen.


Also, das könnte ein verdeckter Hinweis sein, dass die betreffenden Personen sich nicht als Testleser "missbrauchen" lassen wollen - ich meine, das ist wirklich bisschen sehr wenig, zwanzig Seiten in drei Wochen ...

malschaun
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Re:

von malschaun (25.07.2010, 18:31)
Bekannte und Freunde als Testleser kannste vergessen :wink:

Wie schon gesagt: sparen und einen Profi nehmen

Grüße book:

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guenther klein
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Testleser, Lektoren

von guenther klein (25.07.2010, 20:02)
Hi Michael,
Du hast ein heißes Eisen angepackt.

Frage. was ist bei den 20 Seiten herausgekommen? Konntest Du damit etwas anfangen?

gruß guenther

Heidi Christina Jaax

Re:

von Heidi Christina Jaax (25.07.2010, 20:23)
Bei meinem historischen Roman wollte ich besonders klug sein und wählte zwei Testleserinnen aus verschiedenen Altersgruppen aus.
Die Ältere entsprach der späteren Leserzielgruppe, benötigte eine Woche und hat sich so in den Text verliebt, dass sie keinerlei Kritik mehr übte.
Die um zwanzig Jahre jüngere liest Derartiges sonst nicht und wollte es zu einem modernen Roman umbauen.
Zudem benötigte sie drei Monate, weil sie viele der verwendeten Worte nicht kannte und alles googelte.
Beide gebildet, belesen, mit Abitur wollten die Sätze verkürzen, pro Satz ca. fünf bis sechs Worte.
Damit konnte ich mich nicht anfreunden und so kam letztendlich nicht viel dabei heraus.
Für mich steht fest, dass ich mir für mein viertes Buch ein gutes Lektorat leisten werde, ganz gleich was es kostet.
Ich möchte mich später nicht schämen müssen für ein Buch, dass mich möglicherweise überlebt.
In der Regel bildet der Umfang den Preis, entweder nach Worten oder Seiten berechnet.

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India09
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Re:

von India09 (25.07.2010, 20:39)
Hallo,

hier meine Erfahrung:
Ich hatte bei der Entstehung meines Buches mehrere Personen, die fast jeden Abend beim Schreiben mit mir durchlebt und mich angefeuert haben und eine Person, die es im Nachhinein lesen wollte. Von den ersteren Personen haben drei gesagt, dass sie mit der Thematik nicht zurechtkommen und ich solle nicht böse sein, wenn sie es nicht lesen wollen (um Albträume oder schlimme Erinnerungen zu vermeiden z.B.). Das war völlig ok für mich.

Die anderen wollten sofort schmökern. Hierunter befanden sich Fans der Thematik wie auch solche, die normalerweise nicht zu einem solchen Buch greifen würden und - das macht mich schon etwas stolz - ein bekennender Lesemuffel, der nie ein Buch in die Hand nimmt.
Alle - auch der "Muffel" - haben das Buch sofort gelesen (zwei an einem einzigen Tag durch), der Rest am Abend nach der Arbeit. Nach spätestens 2 Wochen hatte ich gutes Feedback. Lediglich zwei Leser haben sich nicht dazu geäussert, bei einem liegt es am vollgestopften Terminkalender, sprich mangelnder Lesezeit. Da hake ich dann auch nicht nach, man wird es mir schon sagen, wenn man möchte.

Es ist sicher eine schwierige Kiste, Familie und Freunde mit ins Boot zu holen. Ich denke jedoch (wie gesehen), wenn der Inhalt stimmt, dann wird das Buch auch gelesen, ganz gleich, ob das Thema gefällt, man selten Zeit hat oder man sonst nie etwas liest book: So mach ichs ja auch, selbst wenn mir dann ne Stunde Schlaf fehlt - wenn ein Buch gefällt, dann opfer ich die gerne mal.

Ikarus
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Re:

von Ikarus (25.07.2010, 21:42)
Ich würde keine Lektoren im Internet suchen. Die zwei professionellen Lektoren, an deren Webseite ich mich erinnere, haben Gott sei Dank Proben ihrer eigenen Werke eingestellt. Fazit: Das, was sie selbst geschrieben haben, hätte dringend eines Lektorats bedurft.

Michael

CeKaDo

Re:

von CeKaDo (25.07.2010, 21:46)
Es waren sicherlich schlichtweg die falschen Ansprechpartner.

Ich stelle einen Teil der Texte denen zur Verfügung, die danach fragen. Da weiß ich, das Interesse ist wirklich vorhanden.

Andererseits gibt es an meinen Kurzgeschichten nicht viel umzudeuten oder zu prüfen, was über die Rechtschreibung hinaus geht. Das macht es leicht.

Das professionelle Lektorat ist mir zu teuer, dreht an den Texten solange herum, bis der Sinn verschwindet und baut teure Fehler ein. Das zumindest geht aus den vielen Meinungen in diesem Forum hervor. Wozu also für ein Buch, das nur vielleicht ein Bestseller wird, soviel Geld aus dem Fenster schmeißen?

Frage doch mal die sich hier anbietenden Rezensenten. Die lesen Bücher gern, haben Zeit und bewerten auch meist recht hübsch. Ich denke, damit fühlen sie sich aufgewertet und geehrt und Du hast kritische Leser/innen, die sich mit Büchern auskennen.

Angelina

Re:

von Angelina (26.07.2010, 00:35)
Wie ich schon schrieb. Ich wandele das Worddokument in ein Textfile um und lasse es mir vom Computer vorlesen. Das ist Wahnsinn was sich da dann immer noch für ein Verbesserungspotential auftut.

CeKaDo

Re:

von CeKaDo (26.07.2010, 06:03)
Zumal das Vorlesen durch den PC ja ohne jegliche Betonung stattfindet, oder?

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Blanca Imboden
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Re:

von Blanca Imboden (26.07.2010, 07:35)
TESTLESER und LEKTORAT sind ja sicher zwei ganz verschiedene Themen, oder sehe ich das falsch?
Ich habe ein paar Testleser, die schon während meiner Arbeit immer mitlesen und mich anfeuern, anspornen, mir aber auch Unlogisches aufzeigen und Fragen stellen, die mir weiterhelfen, manchmal Anregungen geben. Sie sind für mich wichtig, weil ich oft an mir selber verzweifle und denke, es sei alles total langweilig. Meine Testleser tun mir also gut, aber sie sind ganz klar VOREINGENOMMEN, denn sie kennen mich.
Unter einem Lektorat verstehe ich dann schon eine wesentlich gründlichere Durchleuchtung meines Textes. Gerade diese Woche beginnt mein erstes professionelles Lektorat bei Piper. Ich bin sehr gespannt.
Ich hatte aber auch bisher Lektorat und Korrektorat von möglichst professionellen, ernsthaften und guten Leuten in Anspruch genommen.
Gruss
Blanca
Mein BOD-Buch:
«Allein in Afrika», 2005
www.blancaimboden.ch

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hawepe
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Re: Euere Erfahrungen mit Testlesern

von hawepe (26.07.2010, 08:07)
Hallo Michael,

Michael-L. hat geschrieben:
Das Problem, die kommen nicht in die Pötte. Also nach drei Wochen wurde im Durchschnitt 20 Seiten gelesen. :roll:

Habe einen Roman bereits drei Mal überarbeitet und benötige eine zweite Meinung. Stimmt der Plot, ist der Aufbau logisch, das Handeln der Protagonisten nachvollziehbar...


Könnte es sein, dass du sie überforderst?

Ich habe vorletztes Wochenende das Manuskript einer Autorin aus dem Pool gelesen. Eigentlich hatte sie nur nach einer allgemeinen Einschätzung gefragt und wollte ich auch nur ein paar allgemeine Sätze zum Manuskript schreiben. Aber was hätte es ihr geholfen?

Also habe ich es dann doch ausführlich durchkommentiert. Und schon waren für nur 13 Din-A4-Seiten drei Stunden zusammengekommen. Dabei behaupte ich von mir, inzwischen doch einige Lektoratserfahrungen zu haben.

Testleser haben diese Erfahrungen jedoch nicht und unterschätzen deshalb den tatsächlichen Aufwand sehr oft. Oder ihre Kommentare bleiben so oberflächlich, dass sie zwar dem Ego des Autos schmeicheln, aber sonst kaum etwas zum Buch beitragen.

Beste Grüße

Heinz

Ikarus
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Wohnort: SH

Re:

von Ikarus (26.07.2010, 08:27)
Blanca Imboden hat geschrieben:
TESTLESER und LEKTORAT sind ja sicher zwei ganz verschiedene Themen, oder sehe ich das falsch?

Blanca


Ich vermute, dass das von Deiner Arbeitsweise abhängt - und vom "Testleser". Aber was soll ein Testleser machen, wenn nicht ein erstes Korrektorat und Lektorat, also auf gut Deutsch: Die gröbsten muttersprachlichen und logischen Fehler aufzeigen. Testleser können auf Spezialgebieten auch inhaltliche Hinweise geben.

Dass du deine Testleser perönlich kennst, muss auf andere nicht zutreffen. Testlesen könnte ich auch, obwohl wir uns nicht kennen.

Michael

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