Reaktion eures Umfelds auf euer erstes veröffentlichtes Buch

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Heidi Christina Jaax

Reaktion eures Umfelds auf euer erstes veröffentlichtes Buch

von Heidi Christina Jaax (28.07.2010, 17:12)
Wie schon an anderer Stelle erwähnt, waren es bei mir gleich zwei Bücher.
Die Reaktionen fielen denkbar unterschiedlich aus, meine beiden erwachsenen Kinder fanden es cool, mein Mann hegte zwiespältige Gefühle und daran hat sich auch später nichts geändert.
Bei den Kollegen machte sich ungläubiges Staunen breit, später kam Neid dazu, da man befürchtete ich würde nun meinen Arbeitsplatz kündigen.
Eltern und Anverwandte erfreuten sich an den vielen alten Bildern, welche ich liebevoll bearbeitet und nun für immer der Nachwelt erhalten hatte.
In unserem kleinen Dorf aber brodelte es ganz gewaltig, da sich einige in meinem Buch über die sechziger Jahre wiederfanden.
Obwohl weder Ort noch Namen benannt waren, ließen die geschilderten Unstände und Wesensmerkmale keine Zweifel daran, um wen es sich handelte.
In meiner Kindheit wurden Kinder nicht als Persönlichkeiten gesehen, sie sollten brav und moglichts still sein, wenn Erwachsene redeten.
Oft wurden sie belogen und erhielten auf ihre Fragen keine oder unsinnige Antworten.
Darüber, dass wir Kinder zuhörten, wenn sich die Erwachsenen unterhielten, machte sich niemand Gedanken.
So hörte und sah ich als neugieriges Kind viele Dinge, die ich damals noch nicht verstand, aber nie vergas.
Nun habe ich einigen Leuten nach über vierzig Jahren die rote Karte gezeigt, ein gutes Vorbild zur Charakterbildung waren sie keineswegs.
Da ich hauptberuflich als Pflegerin in einem Seniorenhaus arbeite, habe ich großen Respekt vor dem Alter!
Respekt muß man sich jedoch durch sein Verhalten verdienen und kann ihn nicht einfach so erwarten!
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Zuletzt geändert von Heidi Christina Jaax am 28.07.2010, 19:05, insgesamt 1-mal geändert.

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mtg
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Re:

von mtg (28.07.2010, 17:29)
Liebe Heidi,

was Du als Reaktion der Bürger beschreibst, erinnert sehr an die Umstände des Filmes »Das schreckliche Mädchen« über die braune Vergangenheit von Passau ( http://www.filmzentrale.com/rezis/schre ... chentg.htm ). Das »Mädchen« wurde als Nestbeschmutzerin verfemt und angegriffen.

Es ist halt so, dass der Mensch als solches gerne dazu neigt, das Schreckliche, das er angestellt hat, gnädig vom Mantel der Geschichte zudecken zu lassen – aber das Schreckliche, was ihm widerfahren ist, niemals zu vergessen. Deshalb mag er sich auch ungerne einen Spiegel vorhalten lassen – was Du mit Deinen Büchern ja machst.

Ich finde es (nicht nur) aus historischen Gründen richtig, wichtig und gut, solche Dinge aufzuschreiben und damit der Nachwelt zu erhalten. Ich finde es auch wichtig, wenn sich Menschen mit ihrer eigenen Geschichte auseinandersetzen (müssen). Auch dazu dienen Bücher der Art, wie Du sie veröffentlicht hast.

Heidi Christina Jaax

Re:

von Heidi Christina Jaax (28.07.2010, 18:21)
Eigentlich ging es in den Büchern vordergründig um verloren gegangeses Brauchtum und die aussterbene Mundart (platt).
Es waren auch eher die Pannen und Anekdoten meiner Kindheit, welche dort beschrieben wurden, sowie eine Gesellschaftsstruktur, die es so nicht mehr gibt.
Aber beim Eintauchen in die Vergangenheit kamen stellenweise alte Gefühle an die Oberfläche, welche sich in einigen prägnanten Sätzen wiederspiegeln.
Dies betrifft nur einen Bruchteil des Textes, blieb aber in den Köpfen hängen.
Im dörflichen Leben gilt es immer noch um jeden Preis den Schein zu wahren, dagegen habe ich schon als Kind rebelliert.
Einige Leute sind nun extrem vorsichtig, was sie in meiner Gegenwart von sich geben.
Völlig nutzlos, denn mein Laptop ist noch voll mit Sprengstoff aus den sechziger Jahren.
Die heikelsten Themen waren selbst mir im Moment zu heiß, eine spätere Fortsetzung ist jedoch nicht ausgeschlossen.
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Zuletzt geändert von Heidi Christina Jaax am 28.07.2010, 19:10, insgesamt 1-mal geändert.

Angelina

Re:

von Angelina (28.07.2010, 18:34)
Ich denke mein Buch wird gut ankommen. Es ist ein Sachbuch. Von daher erwarte ich keine negativen Reaktionen.

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Atlan_Gonozal
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Re:

von Atlan_Gonozal (28.07.2010, 19:14)
Ich erlebe immer wieder ungläubiges Staunen, wenn ich erzähle, dass ich Bücher geschrieben und veröffentlicht habe. Parallel dazu kommt fast immer die Frage, ob man davon leben könne :-)

Gruß, Karsten.
Bücher sind mein Leben - http://www.karsten-heimer.de

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (28.07.2010, 19:21)
Hallo Heidi, klar, wo es Rosen gibt, sind die Dornen nicht weit. Nur positive Kommentare sprechen nicht für eine weite Verbreitung des Buchs, schließlich ist nichts im Leben nur positiv.
Mit meinem Buch "Grenzlandfrau" bin ich ebenfalls bei einigen, die sich bzw. ihre Vorfahren darin wiedergefunden glaubten, angeeckt. Nur hat mir das keiner persönlich gesagt, aber erfahren habe ich es hintenrum. Bei der Buchvorstellung gab es nur Küsschen und Applaus. Das Buch hat reißenden Absatz gefunden - mehr wollte ich nicht.
Ein lebenserfahrener Mensch muss nun mal davon ausgehen, dass jede Aktivität sowohl negative als auch positive Ergebnisse zeitigt. Das ist einfach so. Abgesehen davon, dass die Geschmäcker verschieden sind.

@Angelina: Sachbücher sind davon nicht ausgenommen - und seien es nur die Neider, die Negatives streuen.

Übrigens: diejenigen die in meinem Roman eine Rolle spielen, haben mir ausschließlich positives Feedback zuteil werden lassen. Eine sehr alte Tante, deren Bruder lt. meiner Aussage im Buch bei der SS war, korrigierte mich (am Telefon) und meinte: " er war doch NUR bei der SA" - ansonsten war sie sehr amüsiert, obwohl ich gerade über sie (anonymisiert) einige Details geschrieben hatte, die relativ persönlich waren.

Es ist nicht Aufgabe des Autors, es allen recht zu machen!

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Jacqueline Ehmke
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Re:

von Jacqueline Ehmke (28.07.2010, 19:34)
Leute die mich schon lange kennen, für diese waren meine Bücher eine logische Fortsetzung meiner Erzählungen, oder Kurzgeschichten. Oft kam schon im Vorfeld: "darüber solltest du ein Buch schreiben" oder "schreib`das mal auf".
Verwundert musste ich aber feststellen, dass Menschen - die sich selbst für sehr schlau halten - befremdlich und offen neidisch reagierten, was mir dann stets ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

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Heidi Christina Jaax

Re:

von Heidi Christina Jaax (28.07.2010, 19:42)
Da wären wir wieder bei meinem Grundsatz: "Und nun erst recht, bequem ist anders, mich muß nicht jeder mögen!"

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Jacqueline Ehmke
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Re:

von Jacqueline Ehmke (28.07.2010, 19:46)
ja, es ist unbequem sich der Kritik auszusetzen. Dazu gehört Mut. Das kann nicht jeder aushalten.

Gruß
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Linda
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Re:

von Linda (28.07.2010, 21:02)
Mein Sohn (Jahrgang 1999) war 2008 mal zu Besuch bei seinem Klassenkameraden. Am Mittagstisch wurde er gefragt, was seine Mutter denn so mache. "Die hat Bücher gemacht", sagte er.
Als ich das nächste mal auf diese Mutter traf, nahm sie mich beiseite, ich solle meinem Sohn doch bitte mal aufklären, dass Lügen lange Nasen machen. Im ersten Moment verstand ich nicht, woraf sie hinaus wollte, bis sie die "Bücher" erwähnte und dabei mitleidig lächelte. Ich gab ihr, ebenfalls süffisant lächelnd, eine Karte mit den ISBN Nummern und bat sie, doch einfach bei amazon.de nachzusehen.

Vor einiger Zeit saß ich bei einem Arzt, der mich nach meine Krankengeschichte und dem beruflichen Werdegang befragte, sowie zu (beruflichen) Zielen. Ich erwähnte, dass ich bereits zwei Gedichtbände geschrieben habe. Er belächelte mich und fragte dann: "Und wie soll man dann an ihr Werk kommen?"
"Indem Sie´s kaufen", gab ich zurück. Dem guten Mann fiel alles aus dem Gesicht.

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Anke Höhl-Kayser
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Re:

von Anke Höhl-Kayser (28.07.2010, 21:32)
Heidi Christina Jaax hat geschrieben:
"Und nun erst recht, bequem ist anders, mich muß nicht jeder mögen!"

Toll. Kann ich nur bewundern. Mutige Einstellung. thumbbup

Ich selber bin da eher ein Feigling. Ich gebe es offen zu: Ich kann schlecht mit Kritik umgehen.
Nachdem mein erstes Buch bereits vor einem Jahr veröffentlicht wurde, habe ich sehr lange gebraucht, um Mut zu fassen und mich auch im äußeren Umfeld als Autorin zu outen. Und das, obwohl meine Bücher - zumindest oberflächlich betrachtet - keine kontroversen Themen ansprechen.
Sicherlich hat dabei auch mein schon ein bisschen reiferes Alter eine Rolle gespielt. Ich hatte einfach große Angst, die Miesmacher, die es überall gibt, würden meinen spät erfüllten Lebenstraum zerreden. Dieses Problem ist natürlich ausschließlich meiner persönlichen Unsicherheit geschuldet.

Und außerdem habe ich mir nach dem Durchlesen vieler hässlicher Diskussionen in Internetforen die Frage gestellt: "Ist man denn als BoD-Autorin überhaupt eine richtige Autorin?" :twisted:

Interessanterweise waren bislang alle Reaktionen positiv.
Dadurch habe ich so viel Kraft geschöpft, dass ich mittlerweile wahrscheinlich auch die üblichen Miesmacher mit Humor ertragen könnte. :P
Haifischfrau hat geschrieben:
Nur positive Kommentare sprechen nicht für eine weite Verbreitung des Buchs, schließlich ist nichts im Leben nur positiv.

Stimmt. Man kann den Umgang mit Kritik auch im gesetzten Alter cheezygrin tatsächlich immer noch lernen. Und es ist kein Fehler, dieses Metier zu beherrschen... cool5

Viele Grüße,

Anke

Heidi Christina Jaax

Re:

von Heidi Christina Jaax (28.07.2010, 21:40)
Was ist unter gesetztes Alter zu verstehen?
Ich bin auch nicht mehr jung, schreibe seit drei Jahrzehnten und hätte nie etwas eingeschickt ohne die Motivation meiner Autorengruppe.
Schließlich sind mit jedem verstrichenen Jahr auch wertvolle Erfahrungen erworben worden.
Und nach meiner bisherigen Einschätzung weht auf dem Buchmarkt ein ganz schön scharfer Wind.

LG H.C.

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (28.07.2010, 22:20)
@Heidi - gesetztes Alter, ist halt das Alter, in dem man hin und wieder auch mal gerne sitzt - eine Haltung, die beim Schreiben eh bequemer ist als im Stehen. Gestandene Frauen halt :)

@Anke, hinsichtlich der möglichen Kritik kommt es ja auch darauf an, ob und in wie weit man in ein Wespennest sticht :)

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Goetkowski
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Re:

von Goetkowski (28.07.2010, 22:27)
Hallo, zusammen,

die Reaktionen meines näheren und auch weiteren Umfeldes auf mein erstes Buch waren bisher durchweg positiv. Ganz besonders freut mich natürlich die positive Kritik derer, die mich praktisch überhaupt nicht kennen und auch die jener, die sich eigenen Auskünften nach nicht gerade als Leseratten bezeichnen.

Wenn ich mir jedoch vor Augen führe - was ich sinnigerweise erst jetzt tue :roll: -, dass es nicht zuletzt (Selbstbeweihräucherungsmodus on) meine spannende und mitreißende Schreibe (Selbstbeweihräucherungsmodus off) ist, die die Leserschaft so in ihren Bann zieht, stellt sich mir doch die Frage, ob ich eigentlich darauf erpicht sein soll, dass dieses Buch weitere Verbreitung findet.

Denn es handelt sich um meine Autobiographie, die sich - wie der Titel "Karriere-Kehrwert" sicherlich vermuten lässt - erheblich von der der meisten Menschen unterscheidet. Und da ich all meine Schandtaten selbstverständlich nicht im Alleingang vollbracht habe, treten darin auch einige Leute auf, die womöglich lieber mit einer derartigen Vergangenheit abgeschlossen hätten.

Logischerweise habe ich alle Namen geändert, nur kann sich jeder, der damals in irgendeiner Weise mit mir zu tun hatte, anhand des lupenreinen chronologischen Aufbaus (Tagebuchaufzeichnungen) und all der Örtlichkeiten, die ich der Authentizität halber nicht geändert habe, an einem halben Finger ausrechnen, wer gemeint ist.

Rein rechtlich dürfte ich nichts zu befürchten haben, doch sollte das Buch in "falsche Hände" geraten (z. B. Kinder ehemaliger Mitstreiter, die dem Vati dann unbequeme Fragen stellen :shock:: ), könnte mich meine Vergangenheit auf eine Weise einholen, die ich in dieser Form nicht auf der Rechnung hatte. Zum Glück habe ich nicht die leiseste Art einer Werbung gewählt :lol: ...

Gruß, Uwe
Etwas reißerische Werbung:

KARRIERE-KEHRWERT: OUT NOW!

Heidi Christina Jaax

Re:

von Heidi Christina Jaax (28.07.2010, 22:55)
Das Ändern oder Weglassen von Namen schützt im Ernstfall nicht bei einer Klage oder Anzeige!

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