Nordlicht - Irrlicht des Hasses

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Orakel737
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Registriert: 29.08.2010, 16:43

Nordlicht - Irrlicht des Hasses

von Orakel737 (29.08.2010, 16:56)
Hallo liebe Autoren, die ihr vielleicht mein Werk bewerten wollt :-)
Ich stelle mich ersteinmal vor. Mein Name ist Maik, ich bin 15 Jahre alt und habe vor 4 Jahren versucht meinen ersten Roman zu schreiben (kam auf 9000 Wörter, danach habe ich gemerkt wie schlecht es war...) Mit 12 Jahren habe ich dann nochmal neu angefangen. Bis vor wenigen Wochen kam ich auf 25.000 Wörter. Leider ist das Buch auch nicht allzu gut geworden, aber ich habe gelernt, wenn man das erste mit dem letzten Kapitel vergleicht :D

Nun habe ich mit etwas neuem Angefangen, ich will es diesmal gut, zusammenhängend und vorallem für jemanden verständlich machen, der meine Welt nicht kennt. Das war nämlich bei den letzten beiden Ansätzen das Problem. Außer mir hat niemand das Buch verstanden O.o


Vorwort:
Dieser Ansatz ist lang. Sehr lang. Die Kapitel sind aufgeteilt und jeweils farbig unterlegt.
Ich erwarte von keinem, dass er alle Kapitel durchliest, und alle bewertet, aber warum sollte ich euch etwas vorenthalten, was schon fertig ist?





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Prolog:

Das Gefühl, versagt zu haben.
Das ist es, was diesen Wechsel verantwortet.
Das Gefühl, nicht erfüllt zu haben, was deine Bestimmung war.
Das Gefühl, etwas werden zu wollen, was du nicht bist.
Ohne zu ahnen, dass du es bereits in dir trägst.

Die Jagd war vorbei.
Doch der Kampf hat erst begonnen.


~Letzte überlieferte Worte Aak-Dhe-Rhis~



Ich sehe den Schatten in den Augen meines Meisters, und vermag nicht länger zu sagen, ob ich ihm noch vertrauen kann.
Ich sehe, dass etwas in ihm vorgeht, was uns lange Zeit verborgen war.
Ich spüre einen Kontakt. Zu einer alten Kraft. Zu einem alten Zorn.

Ich spüre, dass mein Meister bald das Ziel seiner Reise finden wird.
Doch es wird nicht das Ende seiner Reise sein.


~Echopa, zwei Tage vor der Schlacht in den Sturmspitzen über seinen Meister Aak-Dhe-Rhi~




Ich bin gekommen, euch zu warnen.
Ich bin gekommen, zu erklären.
Ich bin gekommen, euch zu zeigen, worin eure Bestimmung liegt.

Ihr habt versagt,
Doch ich vermag euch eine zweite Chance zu geben.
Doch im Gegenzug verlange ich eure Treue in einem Moment meiner Wahl.


~Prophezeiung der Nordlichter: Die Worte, die nur der Auserwählte jemals hören wird~


„Die Zitari sind Räuber.
Eine widerwärtige schuppige Haut klebt auf ihrem Körper, und ihr Haar ist blass und dünn.
Sie haben meist rote oder blaue Schuppen, auch Einzelfälle mit anderen Schuppen soll es schon gegeben haben. Ihre Augen sind wie die unseren, aber ihr Blick soll einem das Blut in den Adern gefrieren lassen, sodass man kein Wort mehr über die Zunge bringen kann.
In seltenen Fällen sollen mächtige Zitari sogar kurzzeitig deinen ganzen Körper lähmen können!
Körperlich sind sie uns Menschen mit rund zwei Metern etwas überlegen, doch ihre wahre Stärke ist die Zeit. Denn sie können sie so manipulieren, dass sie mehrere Augenblicke zurückreisen können.
Noch während des Gefechts! Das macht sie zu so gefährlichen Gegnern!“

~König Archivarus VII von Kyria über die Zitari


„Ihre Magie beschränkt sich nicht nur auf den Missbrauch der Zeit. Nein, sie greifen auch noch auf andere verachtungswürdige Mittel zurück:
Ihre Zauber reichen von Vergessenheitszaubern, über Illusionen, Müdigkeitszauber bis hin zur Gedankenkontrolle!
Es schaudert mir immer wieder mir vorzustellen, wie meine Handlungen von einem Zitari kontrolliert werden! Bei Herakle, er könnte mich dazu bringen meine Mutter zu töten!“

~“Die Magie der Zitari“ – Aus der Bibliothek von Xentrahya














Nordlicht:
Irrlicht des Hasses



Kapitel I:

„Diese Zeilen sollen euch berichten, was uns in den letzten Stunden hier in Echnota wiederfahren ist.
Ich weiß, ihr seid ausgezogen, um neue Verbündete für die Zitari zu finden.
Doch Euer Volk braucht Euch, Aak-Dhe-Rhi, mein Meister.
Kehrt zurück, noch ehe der zweite Tag, nachdem euch diese Botschaft erreicht hat vergangen ist!
Denn sonst werdet Ihr eine zerstörte Heimat vorfinden.
Die Menschen von Kyria griffen uns vorgestern noch vor Sonnenaufgang an.
Die ersten Inseln der Echo Inselkette sind schon früh gefallen, denn sie waren kaum bewacht.
Die Verteidigungslinie der fünften Insel wurde am Vormittag des vergangenen Tages durchbrochen.
Seit mehr als sechs Stunden ankert das Heer der Menschen vor der sechsunddreißigsten Echo-Insel:
Echnota.


In tiefster Hoffnung auf Eure Rückkehr.


Echopa, Euer Schüler“

Entsetzen und tiefe Trauer machten sich in den Gesichtszügen des alten Zitari breit und er sank auf die Knie. Die schwarze Plunderhose grub sich in den heißen Wüstensand ein.
Die Sonne der Wüste Hadarak stand schon tief am Horizont, schien aber dennoch unbarmherzig auf ihn nieder und sein langes, weißes Haar war fettig und durchgeschwitzt von der langen Reise.
Seine schuppige Haut war grau und wurde durch ein schlichtes, für diese Wüste typisches Menschengewand bedeckt. Das sonst so füllige blau oder rot der Zitarischuppen war längst verblichen.
Die Menschen hatten seine Heimat angegriffen, während er versucht hatte, neue diplomatische Verbindungen zu knüpfen.
Der Hass, welcher seine Lebensspanne schon weit über die gewöhnliche Erwartung eines Zitari getrieben hatte, wurde in letzter Zeit durch diese Menschen genährt.
Und sie gaben ihm gerade viel Nahrung.
Die Adern traten aus seinen kräftigen Armen hervor, als er das Pergament in seiner Hand zerdrückte.
Selbst wenn er sämtliche magischen Ressourcen in ihm mobil machen würde, es würde eine gute Woche dauern, bis er Echnota erreichen würde.
Ich habe versagt.
Wütend warf er das Pergament in den Sand. Er befand sich kurz vor Mauradon, der Hauptstadt dieses dreckigen Wüstenloches.
Offenbar hatten sich die Mauranier nicht an dem Angriff beteiligt. Davon hätte er frühzeitig Wind bekommen. Weitaus früher...
Nach dem Schrecken, der ihm in den Geist gefahren war, kühlte nun sein zorniges Gemüt, und ein vager Plan reifte in ihm heran: Er würde zu einem der Schmuggler in Mauradon gehen, welcher einen Transportdrachen besaß.
Dieser Schmuggler wird ihm seinen Transportdrachen überlassen, dessen war sich Aak-Dhe-Rhi sicher.
Auf dem Rücken des Drachens würde er den Weg wesentlich schneller zurücklegen können und vielleicht schon vor Anbruch des dritten Tages in Echnota eintreffen. Mit diesem Plan bewaffnet erhob sich der Zitarifürst in seiner schlichten Menschenverkleidung aus dem Staub.
Er hatte ein schwarzes Gewand angelegt und ein Tuch über Mund und Nase gezogen, um sein schuppenbewehrtes Gesicht zu verbergen. Hinter seinem Kopf mündete dieses Tuch fließend in einen schwarzen mauranischen Turban.
Er befand sich an einer Oase, weniger als zehn Meilen von den Toren der Stadt entfernt.
Regulär hatte er in wenigen Tagen eine Besprechung mit dem mauranischen Kalifen Tha`Jaz ben Abim, aber nachdem Aak-Dhe-Rhi den Brief seines Schülers gelesen hatte, war dieser Termin nicht mehr als Dreck.
Wenn er sich in den Gebieten der Menschen befand, war Aak-Dhe-Rhi immer unter dem Menschennamen Karim Vann bekannt.
Er wollte nicht als Zitari auffallen, ehe er sich in einer diplomatischen Besprechung befand, das würde nur für Aufsehen sorgen.
So machte sich der als Karim Vann getarnte Aak-Dhe-Rhi wieder auf den fast vollendeten Weg nach Mauradon, der Stadt, welche die losen Nomadenstämme der Wüste Hadarak in einem Bündnis zusammenhielt. Während er über all das nachdachte kam ein unglaublicher Zorn in ihm auf, ein Hass auf die Menschen, auf das, was wohl gerade in Echnota vor sich gehen wird. Dieser Hass war so stark, dass er seine Schritte beflügelte, als wäre er ein Pferd.
Schneller als jeder Läufer lief er los, von Wut getrieben, mit dem Willen so schnell wie möglich Mauradon zu erreichen.
Und dieser Zorn sollte ihn bis nach Mauradon tragen. Doch ein weiterer Gedanke kam in Aak-Dhe-Rhis Kopf auf. Ein Gedanke an einen jungen Zitari. Wie er in der Arena mit den anderen Jungen mit Holzwaffen übte. Wie er im Meditationssaal stundenlang regungslos saß. Wie Aak-Dhe-Rhi ihn lobte wenn er etwas lobenswert ausgeführt hatte, und wie er ihn hat auspeitschen lassen, wenn er versagt hatte.
Ich habe versagt.
Dieser Satz reihte sich immer wieder in seine Gedanken ein. Und er brannte ein schmerzliches Gefühl in sein Herz. Eine Markierung, die nie wieder weichen sollte.
Ein Gefühl, welches er nie wieder abzulegen vermochte: Das Gefühl, versagt zu haben.
„Halt!“ Die Stimme des Wachmanns riss Aak-Dhe-Rhi aus seinen Gedanken.
„Welchen Grund habt ihr, zwei Stunden vor Sonnenuntergang noch in die Stadt zu wollen?“
Die Ansprache des Menschen ließ den Hass fast aus Aak-Dhe-Rhi heraussprudeln.
Der Gestank seines Körpers drang tief in die Atemwege des Zitari.
Und dieser hässliche Bart, welcher die schimmelnden gelben Zähne einschloss.
„Sprecht!“
Der Blick des Zitari fixierte die Augen des Menschen. Und die Wache schien innerlich zu erfrieren als sie dem Blick des Fremden begegnete.
„Mein Name ist Karim Vann, Kalif der Shazz’Razza.“ Der Stamm, dessen Herrschaft Aak-Dhe-Rhi sich anmaßte existierte bereits seit mehreren Jahren nicht mehr, doch er war sich sicher, dass es in dieser staubigen Wüste genug verirrte Stämme gibt, sodass es nicht auffallen würde, wenn selbst ein alter Mauranier einen Stamm kennenlernt, von dem er nie zuvor gehört hatte.
Die Wache schien den Mund öffnen zu wollen, doch eine kalte Macht verhinderte, dass der Mensch ein Wort sprechen konnte.
Aak-Dhe-Rhi hatte den Kopf soweit gesenkt, dass seine Augen außer Sichtweite der beiden Wachen waren. Sie leuchteten kurz blau pulsierend auf, und Aak-Dhe-Rhi hatte das Gefühl, sich in einem anderen Körper zu befinden. Er hatte die Kontrolle über Geist und Körper der Wache erlangt. Durch kleinste Bewegungen seiner Finger machte die Wache ihm bereitwillig Platz. Dann bewegten sich die Lippen Aak-Dhe-Rhis, doch das Tuch vor seinem Mund verbarg dies, und so sprach die Wache: „Ihr dürft passieren.“
Mit noch immer gesenktem Kopf betrat Aak-Dhe-Rhi die Stadt. Die andere Wache wollte etwas einwenden, doch Aak-Dhe-Rhi sprach im Körper der Wache: „Er hat einen Termin beim Kalifen.“, worauf auch die andere Wache nichts mehr gegen den Zitari unternahm.
Und so betrat Aak-Dhe-Rhi im Namen von Karim Vann, Kalif der Shazz’Razza die staubige Metropole Mauradon.
Das durch den Hass verursachte Rennen war nicht mehr aktiv, doch sein Gang schien übernatürlich schnell zu sein, und sein Ziel schien übernatürlich sicher zu sein.
Er ging zu Albaz Batá, einem ihm wohlbekanntem Schmuggler, welcher keinen sonderlich guten Ruf bei den örtlichen Behörden hatte, und somit keinerlei Unterstützung aus dem offiziellen Sektor erwarten konnte, falls er sich gegen den Wunsch Aak-Dhe-Rhis stellen würde. Was vermutlich der Fall sein wird. Dachte sich Aak-Dhe-Rhi.
An vielen Verkaufsständen vorbei und über einen großen Basar Platz lief er eine breite Treppe in ein heruntergekommenes Viertel hinab.

Um ihn herum arbeiteten dreckig gekleidete Menschen an Handwerkswaren oder verarbeiteten selbige zu etwas anderem weiter.
Einige Menschen saßen auch nur in der Gegend herum und taten nichts.
Was für eine nutzlose Gesellschaft. stellte der getarnte Zitari fest.
Ein etwas älterer Mann brüllte gut zwanzig Fuß von Aak-Dhe-Rhi entfernt sein Helferlein an. Was sie sprachen verstand Aak-Dhe-Rhi nicht, denn es war Haddar, die Sprache der Einheimischen, welche er nicht beherrschte.
Der Zitari hatte Mühe gehabt, nur annähernd die Gemeinsprache der Menschen zu lernen, mit Haddar konnte er nun wirklich nichts anfangen.
„Albaz!“, gellte ein zischender Laut über den staubigen Boden und an den sandigen Gebäuden der Stadt vorbei zu den streitenden Menschen.
Der Schmuggler ließ von seinem Helferlein ab und wandte sich dem Zitari zu.
„Aak-D… Karim! Was willst du diesmal?“, der Mann spuckte aus. Er wusste anscheinend, dass er nicht erwarten konnte einen bezahlten Auftrag von einem Zitari zu erhalten.
„Schweig, Albaz! Ich brauche deinen Transportdrachen für eine unbestimmte Zeit.“
Albaz grunzte. „Nicht mal der kalte Atem der Zitari vermag es, mich zu so einer Großzügigkeit zu veranlassen. Es sei denn ihr könnt bezahlen, was man von euch ja der Erfahrung nach zu urteilen nicht erwarten kann.“
Die Augen des Zitari leuchteten einen Moment lang auf. „Ich schlage vor, das geschäftliche regeln wir nicht auf der Straße.“
Offenbar überrascht von dieser Antwort hellte sich das Gesicht des Mannes wieder auf.
„Ihr lernt dazu, Karim.“ Das letzte Wort hatte einen so lächerlichen Klang, dass selbst ein tauber hätte erkennen können, dass dies nicht der wahre Name des Fremden war.
Doch bei den Schmugglern war es nicht unüblich seinen Namen regelmäßig zu wechseln.
Und so öffnete Albaz die Tür der schmutzigen Sandsteinbarracke.
Albaz war gerade dabei den Schlüssel im Schloss zu drehen als sein Helferlein sie gerade beide aufhalten wollte. Er wollte gerade etwas sagen als er auf einmal keinen Drang mehr dazu verspürte und sich nur noch hinsetzen wollte. Die auf die Wand fixierten Augen des Zitari glühten derweil wieder lichterloh.
Der Schmuggler, war bereits tief in seine Preiskalkulationen vertieft und überlegte gerade wie er die ‚unbestimmte Zeit‘ in Profit umwandeln konnte. Doch verschwendete er erst nachdem er die Tür wieder geschlossen hatte einen Gedanken daran, was er gerade getan hatte.
Doch der Gedanke wurde bereits im Ansatz erstickt, als eine vergiftete Klinge aus dem Ärmel des Zitari hervorstieß und den Menschen innerhalb eines Wimpernschlags mithilfe von Nervengift tötete.
Nun brauchte Aak-Dhe-Rhi nur noch die Bescheinigungen um den Drachen ausfliegen zu dürfen. Im Normalfall hatten die Schmuggler diese Papiere immer in einer Innentasche ihrer Weste, so durchsuchte Aak-Dhe-Rhi routiniert sämtliche Taschen des Toten, bis er die Bescheinigung des Transportdrachen fand. Nachdem er die Leiche unter einen im Raum stehenden Tisch geschoben hatte, verließ er die Schmugglerhöhle auch schon wieder.
Aak-Dhe-Rhi warf einen kurzen Blick auf das Helferlein, welches nun vor der Hütte seines Meisters zu schlafen schien. Der Zitari war zufrieden, sein Müdigkeitszauber hatte anscheinend ganze Wirkung gezeigt.
Währenddessen lief Aak-Dhe-Rhi schnellen Schrittes zu den Drachenpferchen.
Diese wurden gebildet aus zwei großen miteinander verbundenen Steingebäuden. Auf den Gebrauch von Holzteilen wurde bewusst verzichtet, denn in den Pferchen selbst herrschte eine für einen normalen Menschen wohl unerträgliche Hitze.
Denn dieser Bereich hier waren die Pferche der Mauranischen Kriegsarmada. Die Feuerdrachen des Kalifen schienen mit Flammenausstößen aus Mund und Nüstern nicht zu geizen, sodass sich durch das Feuer die Hitze in diesem Bereich weiter erhöhte.
Doch dieser Bereich war nicht das Ziel des Zitari. Sein Ziel lag etwas weiter hinten im Pferch. In diesem Bereich war es etwas kühler, aber dennoch heißer als in der tiefsten Wüste zur vollen Mittagsstunde.
Der Pferch der Transportdrachen maß gut die Doppelte Größe der Kriegspferche.
Es waren so viele Drachen angekettet, dass man die Drachen in Riegen eingeteilt hatte, um sie besser zu ordnen.
Ein kurzer Blick auf seine Bescheinigung verriet Aak-Dhe-Rhi, dass sein Drache namens Bruuluur in Riege Siebzehn angekettet war und die Nummer Drei trug.
Schließlich stellt sich auch der erste Wachmann dem Zitari in den Weg.
„Name, Drache, Riege, Nummer, Bescheinigung und Grund des Abflugs.“
Dieser Mensch vor Aak-Dhe-Rhi war gute zwei Köpfe kleiner als Aak-Dhe-Rhi und etwa doppelt so breit.
„Karim Vann, Kalif der Shazz’Razza. Ich werde mit meinem Drachen Bruuluur aus der Riege Siebzehn Nummer Drei nach Kyria fliegen. In diplomatischer Mission.“
Der Beamte war einen Blick in seinen Notizblock. Dann nickte er. „Helft dem Mann beim Abflug.“
Der Drache war gute dreißig Meter lang und hatte wohl eine Spannweite von vierzig bis fünfzig Metern. Er war an allen vier Füßen mit Stahlketten im Boden verankert.
Aak-Dhe-Rhi hatte erst zweimal in seinem Leben einen Drachen geflogen. Dementsprechend unbeholfen zog und stieß er sich auf den Sattel, wofür er spöttische Blicke und hämisches Grinsen der Menschen erntete. Schließlich ertönte ein lauter Pfiff und die Verankerungen der Ketten im Boden wurden gelöst.
Vier hoch gewachsene Männer führten den Drachen vor die Pferche. Ein weiterer Pfiff ertönte und man schnallte dem Drachen die Ketten komplett ab.
Nun lag es an Aak-Dhe-Rhi, den monströsen Koloss in die Luft zu bringen.
Das Befehligen eines Drachen war nur mit Magie möglich. Also konzentrierte der Zitari seine gesamte innere Kraft auf den Drachen.
„Flieg.“
Und der Drache erhob sich.
Die riesigen ledrigen Schwingen lösten gewaltige Windstöße aus, die den Staub auf dem Boden der Stadt aufwirbelten.
Die Menschen unter ihm fluchten, keuchten und husteten. Doch Aak-Dhe-Rhi hatte nur ein Ziel.
Er musste Echnota so schnell wie möglich erreichen, um zu verhindern, dass das Volk der Zitari noch mehr Leiden musste.
Ich habe versagt.




Kapitel II:

Echopa stand auf einem Balkon an der Nordflanke Echnotas. Der Himmel war schwarz wie tiefe Nacht über den Echo Inseln, auch wenn es um die Mittagsstunde war. Doch das Licht schien nicht in diesen Zeitlosen Gewässern, wo nicht einmal Wellen schlugen, und das Meer perfekt ruhig war.
Die Inseln selber waren aus schwarzem Granit und Basalt. Kaum Vegetation war hier zu finden. Er trug die schwarze Kriegskutte der Zitari und sein Abstehendes hellblaues Haar wehte im kalten Wind. Wie alle Zitarikommandanten hatte auch er eine weiße Kalkmaske aufgesetzt, welche Luftschlitze für Mund und Nase bot und zwei große Löcher für die Augen.
Die weiße Maske, so nannte man den Trupp der Echopa unterstellt war.
Die Truppen der Menschen aus Kyria hatten sich mit dem Anbruch der Nacht aus der ersten Reihe zurückgezogen.
Vereinzelt sah man noch Katapultgeschosse durch die Luft brausen, doch der Sturm hatte sich gelegt.
Die Festung würde morgen fallen, wenn Aak-Dhe-Rhi nicht rechtzeitig in Echnota ankommt.
„Meister Echopa.“ Genannter wandte seinen Kopf zu dem Unteroffizier, welcher ihn angesprochen hatte. „Schattenmesser wünscht euch zu sprechen.“
Echopa nickte. „Sagt ihm ich komme gleich.“ Mit einer Verbeugung verschwand der Unteroffizier wieder in der Festung.
Meister… Ich hoffe nur, dass du rechtzeitig kommst…Er riss seinen Blick von den sich zurückziehenden Menschen los und betrat den Innenraum der Festung.
Es war ein großer ovaler Saal, welcher sich vor ihm auftat. In der Mitte stand eine ebenfalls oval förmige Tafel. Ein Zitari mit einer schwarzen Maske, welche seinen Gesamten Kopf bedeckte und einer ebenfalls schwarzen Kapuze erwartete ihn bereits.
Der Name dieses Kommandanten war Schattenmesser. Er befehligte eine Spezialeinheit die sich die Pfeile Citrans nannte. Sie arbeiteten mit Nachtpfeilen – sie feuerten in der Nacht einen Pfeilhagel nicht entzündeter schwarzer Pfeile ab, sodass man die Schäfte am nachtschwarzen Himmel nicht sehen konnte.
„Mein Meister.“ Schattenmesser verbeugte sich. „Die Pfeile Citrans sind in bereit abzurücken.“
Echopa bedeutete ihm, sich zu setzen. Auf der Tafel war eine strategische Karte der gesamten Echo Inseln eingezeichnet. Echopa setzte sich ebenfalls.
Durch ein nicken bedeutete Echopa dem Kommandanten der Pfeile Citrans fortzufahren.
„Wir werden zwei Trupps positionieren. Einen hier.“ Er zeigte auf einen eingezeichneten Berg westlich des Heerlagers der Menschen. „Und einen hier.“ Nun deutete er auf einen Berg östlich der Menschen.
„Als erstes wird der Westtrupp einen Pfeilhagel auf die Feinde niederregnen lassen. Dann, während sie sich ordnen um nach Westen vorzurücken, werden wir einen Pfeilhagel aus dem Osten abfeuern. Wenn sie zu gefährlich werden, ziehen wir uns durch die Nischen der Zeit zurück.“
Die Nischen der Zeit waren verborgene Portale im Gewebe der mittleren Ebene, welche nur von den Zitari aufgespürt und benutzt werden konnten.
Echopa nickte nachdenklich. „Ein wohl durchdachter Plan, Kommandant Schattenmesser. Führt ihn durch. Ihr habt die Erlaubnis – nein, ihr habt den Befehl. Schwächt die Truppen der Menschen. Ich will diese Nacht ihr Blut sehen.“
Schattenmesser nickte. Keiner von beiden erhoffte sich den Sieg durch diese Aktion, doch würden sie die Truppen erheblich schwächen und somit ihre Chancen auf einen Sieg erhöhen.
Leisen Schrittes verschwand Schattenmesser aus dem Ratssaal. Und ließ einen nachdenklichen Echopa zurück. Lange Zeit saß Echopa nur da, und starrte auf die Karte.
Sie waren in der Unterzahl. Eins zu Sieben. Und sie waren eingekesselt. Sie hatten eine zu lockere Verteidigungslinie, sodass die Menschen ihre Kolonien auf den anderen fünfunddreißig Echo Inseln mit Leichtigkeit ausrotten konnten.
Das hätte alles nicht passieren dürfen. Sagte Echopa zu sich selbst. Es muss doch noch eine Möglichkeit geben… Irgendeine Öffnung die wir ausnutzen können… Irgendeinen Fehler…
Er beschloss, dass es nichts bringen würde noch weitere Stunden in den Herrschaftsgefilden zu verbringen. Die Truppen besichtigen, das wollte er tun! Er wollte sehen, wie seine Krieger den Tag überstanden haben.
Doch was er sah, lies seinen Mut noch mehr sinken. Niedergeschlagene, mutlose und geknickte Krieger. Traurig und hoffnungslos, und frei von jeder Zuversicht.
Sie saßen stumm auf Bänken oder standen einfach ohne Ziel da. Viele starrten in den Himmel, andere auf den Boden.
Niemand redete. Es war reine Stille, nur der leichte widerhall der Echo Inseln, diese immer flüsternden Stimmen waren noch da.
Und so verging die Zeit auf dem Festungshof. Stunde um Stunde. Bis ein besonders niedergeschlagen wirkender Krieger auf Echopa zuschritt.
„Mein Meister.“ Echopa blickte den Krieger aus seinem Trupp an. Er trug das Wappen der weißen Maske auf der Brust. „Es scheint als wäre Verstärkung für den Feind eingetroffen.“ Die Worte des Kriegers nahmen Echopa den Atem und aufgebrachtes Stöhnen und Gemurmel brach unter den Kriegern aus. „Wer?“ Fragte Echopa knapp. „Die Zauberbrecher aus Xentrahya.“ Sagte der Krieger mit leiser Stimme.
In Echopa erlosch in diesem Moment der letzte Funken Hoffnung. Nicht mal sein Meister konnte es mit all seiner Kraft mit einer Armee der Zauberbrecher aufnehmen.
Sie waren die gefürchtetsten Feinde der Zitari.
In einer Roten Metallrüstung, an welcher Schläuche zum Rücken und zu den Händen angebracht waren, kämpften sie meist mit einer zweischneidigen Gleve oder mit sogenannten Manaschneiden. Das waren Klingen, welche sich aus purer magischer Energie zusammensetzten. Sie durchtrennten alles, ob Stein, Stahl oder Diathril – das härteste Material der mittleren Ebene.
Und mächtige Magier waren sie. Sie konnten jegliche Zauber der Zitari im Ansatz unterbinden. Ebenso wie sie mächtige Manageschosse abfeuern konnten, das waren Blitze oder Kugeln aus reiner magischer Energie. Sie waren sofort tödlich, auch für einen Zitari. Doch auch wenn dies schon ausreichen würde um die Zitari zu vernichten, so hatten die Zauberbrecher zusätzlich noch riesige Luftschiffe, welche Manablitze und Kugeln abfeuerten, welche ganze Trupps der Zitari vernichten konnten.
Ihre Siegesaussicht hatte sich soeben auf ein Minimum beschränkt. „Was ist mit den Pfeilen Citrans?“
Trauer zeichnete sich auf dem Gesicht des Kriegers ab. „Tot. Die Zauberbrecher haben sie überrascht. Man hat wohl mit einem Angriff unsererseits gerechnet.“
Diese Aussage traf Echopa wie ein Schlag in die Magengrube.
In wenigen Stunden war der Anbruch des dritten Tages, und man rechnete mit der Ankunft Aak-Dhe-Rhis. Doch am Horizont war kein Zeichen eines Drachen zu sehen.

Kalt waren seine Hände und gefroren der Atem, welchen er ausstieß, als Aak-Dhe-Rhi in Richtung Echnota flog. Seit nunmehr zwei Tagen schlugen die Schwingen Bruuluurs in Richtung Süden.
Unter ihm zogen die Weiten Kyrias hinweg, dem Reich der Menschen. Hier bereitete man sich also lange bevor ein Zitari es erahnen konnte auf diesen fatalen Feldzug vor. Und wieder erkannte Aak-Dhe-Rhi dieses ziehende Gefühl in seiner Brust.
Das Gefühl, versagt zu haben.

Ein großer Knall und einige Schreie rissen Echopa aus seinen Überlegungen heraus.
Die Luftschiffe der Zauberbrecher hatten ihr orbitales Bombardement eröffnet. Der Beschuss von oben war von einer Härte, die Ihresgleichen suchte. Steine splitterten aus der Wand und gewaltige Felsformationen stürzten aus der Decke. Schnell griff Echopa nach seiner zweischneidigen Gleve und flüchtete aus der einstürzenden Halle auf die Terrasse. Doch der ihm sich dort bietende Anblick war für ihn erschreckend und schockierend.
Die Schiffe der Zauberbrecher ließen einen Regen aus Energiegeschossen auf Echnota niedergehen. Tote Zitari und Menschen säumten den Boden. Die Zauberbrecher nahmen keine Rücksicht auf Freund oder Feind. Sie wollen es beenden. Diese Nachricht erreichte Echopa über eine den Zitari verliehene Gabe: Sie konnten über ihre Gedanken kommunizieren.
Echopas Schüler Rai-Sen-Gan hatte die Nachricht versendet. Ein surrendes Geräusch hinter ihm verriet Echopa, dass er bereits Ziel eines Angriffs wurde. Ruckartig drehte er sich um, in tiefster Bereitschaft ein herannahendes Geschoss zu parieren oder einem solchen auszuweichen. Doch überraschenderweise flog in diesem Moment ein Zauberbrecher auf ihn zu, er musste aus einem der Luftschiffe abgesprungen sein. Das surrende Geräusch wurde von der Manaschneide in der Hand des Zauberbrechers erzeugt. Diese Waffe glich den Gleven der Zitari von der Form her in fast allen Belangen, doch bestand die Klinge bei diesen – von den Menschen auch Zitarijäger genannten – Waffen aus purer Manaenergie. Das schwächte den Träger zwar mit jedem Schlag, bei dem er die Klinge entfachen musste, doch verlieh diese Energie den Zitarijägern eine Durchschlagkraft jenseits jeder Vorstellung.
Der Zauberbrecher trug die rote Generalsrüstung aus Leichtmetall, welche es ihm erlaubte schneller als die schwer gepanzerte Infanterie zu laufen, und sich durch Aufbringen von geringeren Mengen magischer Energie in die Luft zu erheben.
Das Visier dieses Helmes war wie bei den meisten Generälen herab geklappt und die violett aufschimmernde Verspiegelung zeigte Echopa seine Furcht, die er durch die Maske erkennen konnte. Denn Echopa kannte ihn wohl, der ihm da entgegen schnellte. Ixidor Xenrha, Meister von Xentrahya. Der Anführer der Zauberbrecher. Sich aus seiner Furch reißend wich Echopa dem Sturzflug des Zauberbrechers aus und versuchte mit seiner Gleve nachzusetzen. Doch der Zauberbrecher war schneller, er parierte die Eisenklinge bereits mit seiner Manaschneide, worauf ein surrendes Geräusch ertönte.
Die metallisch, zerrissen klingende Stimme des Zauberbrechers erhob sich: „Zwanzig Jahre warte ich nun schon. Zwanzig Jahre habe ich auf Rache gewartet. Nun ist es Zeit für Vergeltung.“
Echopa spürte den Hass, den diese Kreatur vor ihm ausstrahlte. Auch wenn die Zauberbrecher Menschen waren, so hatten sie doch etwas Unnatürliches. Etwas Unmenschliches. Dieser Hass ließ die Manaschneide auf ihre doppelte Breite anwachsen. Und wie ein Blitz schoss der Zauberbrecher nach vorne, nur mit dem Willen Echopa zu töten. Zwanzig Jahre nachdem er seinen Sohn bei der Schlacht um Ken-Jodan verloren hatte. Getötet durch die Hand Echopas, welcher nun den Preis dafür zahlen sollte.
Und Echopa sah, dass er es nicht schaffen würde. Ixidor war ein Gegner, welchen selbst ein Urzitari wie Echopas Meister nur schwer zu töten vermochte. Ein gewöhnlicher Zitarimeister wäre dazu nicht in der Lage. Ein letztes Mal streifte Echopas Blick über die Stadt. Zerstörung war alles, was sich diesem letzten Blick erbot. Manageschosse, gebündelte Energie, zerfetzte Mauern und Gebäude und Zitari gleichermaßen wie die Schlachtreihen der Menschen. Einzig die Luftschiffe am Himmel schienen von dieser Verheerung unberührt zu bleiben. Und stumm hingen die drei Banner der Xenrhischen Häuser vom Himmel. Xentrahya, Schiridar und Iridia, diese Namen waren die letzten, die Echopa in seinem Leben denken sollte, denn in diesem Moment griff Ixidor von Xentrahya den Zitari frontal an. Einen Schlag von links konnte Echopa parieren, doch die unglaubliche Wucht der Manaschneide warf ihn stark zurück. Echopa holte zum Gegenangriff aus, doch er wurde an seinem Waffenarm von einem Manablitz getroffen, abgefeuert durch einen Zauberbrecher oben in den Luftschiffen. Der Zitari sank zu Boden, ausgebrannt durch die Energie und nur noch mit schwacher Lebensenergie. Das Visier des Zauberbrechers zog sich in den Helm zurück und mit spöttischem Grinsen blickte der grauhaarige Mensch auf den Zitari herab.
„Eure Zeit ist vergangen, Zitari! Nach all den Jahren des Leides werde ich heute Vergeltung üben für eure grausame Tat vor zwanzig“, eine gewaltige Explosion am Himmel brach den Satz des Zauberbrechers ab, und auch der Zitari richtete seinen Blick fast vollkommen erschöpft in den Himmel. Das Flaggschiff des Hauses Schiridar ist in der Mitte zerbrochen und ein silbrig glänzender Zeitriss zog sich durch den Himmel. Aak-Dhe-Rhi war gekommen.
Und mit unglaublicher Geschwindigkeit lenkte er seinen Drachen in Richtung des Signals seines sterbenden Schülers, denn er fühlte dessen schwindende Lebenskraft. Hass und Zorn steigerten die Kraft und die Leichtsinnigkeit des Urzitari bis ins Unermessliche, sodass er sogar bereit war verbotene Zauber wie den Zeitriss einzusetzen, Zauber, welche die Seele langsam ausbrannten, wenn man sie einsetzte. Doch der Hass ließ seine anderen Sorgen weichen.
Die rechte Hand erhoben holte Ixidor von Xentrahya zum Todesstoß aus, und Echopa wartete auf seine Erlösung.
„Zwanzig Jahre Vergeltung!“, der Kampfschrei des Zauberbrechers tönte in der metallisch zerrissenen Stimme über die verkohlte Ebene Echnotas. Doch ein knackendes Geräusch ertönte, und wurde von einem lauten Splittern gefolgt, als das mächtige Zweihandschwert den Kopf bis zur Hüfte des Zauberbrechers spaltete. Schwärze saß tief in den Augen Aak-Dhe-Rhis. Der Hass hatte seine Kraft gebündelt. Doch nahmen seine Augen bald wieder die gewohnte Farbe an, als er zu seinem Schüler schritt. Vorsichtig beugte er sich herab und nahm dem Zitari, welcher für ihn wie ein Kind war die weiße Maske ab.
„Echopa…“, der Hass war vollständiger Verzweiflung in dem Gesicht des Urzitari gewichen.
„Meister… Ich habe versagt… Wir haben versagt…“ Bei den Worten seines Schülers lief es Aak-Dhe-Rhi eiskalt den Rücken runter.
Wir haben versagt. Ich habe versagt. Die Augen Echopas fielen zur Seite, und erblickten zwei still liegende Banner und ein brennendes Banner. Xentrahya, Schiridar und Iridia.
Dann fielen sie in die Augenhöhle zurück. Und ein lauter Schrei zerriss die Luft.
„Nein!“ Und die Augen Aak-Dhe-Rhis verschwanden in vollendeter schwarzer Leere.
Hass, das war alles was sich in seinem Herzen noch fand. Und er fand sich dort nun zuhauf. Von blinder Zerstörungswut getrieben rannte Aak-Dhe-Rhi wie ein Tier zu seinem Drachen. Er sprang auf und sprach einen simplen Befehl, um den Drachen zu kontrollieren. Zerstöre! Und er musste ihm nicht befehlen, was er zerstören sollte, denn alle Zitari waren tot, und die Menschen waren bereits im Siegestanz. Doch ein einzelner Zitari war von Hass und Zorn getrieben, und er würde Vergeltung üben. Schreckliche Vergeltung. Sein Ziel waren die beiden verbleibenden Flaggschiffe der Häuser Xentrahya und Iridia, denn in jedem von ihnen würde er mehrere tausend Zauberbrecher in den Tod schicken. Mehrere Tausend der Maden, die seinen Schüler, seinen Sohn getötet hatten.
Ein Hasserfüllter Schrei dröhnte über die gesamte Insel und Aak-Dhe-Rhi stand freihändig auf seinem Drachen, beide Hände dazu gebrauchend einen Zeitriss zu öffnen.
Und es gelang ihm, den schwierigsten Zauber, den die Zitari jemals kannten hielt Aak-Dhe-Rhi nun gleich zweimal aufrecht. Es kostete ihn unglaublich viel Innere Kraft, doch Schreie und ein splitterndes Geräusch, gefolgt von einer gigantischen Explosion verkündetem ihm, dass er Erfolg hatte. Beide Flaggschiffe sanken brennend in die Tiefe. Doch der Zitari hörte nichts mehr. Seine Sinne waren beinahe vollständig gelähmt. Hass. Das war alles, was bleibte.
Zwei silbrig glänzende Energiebälle bildeten sich in seinen Händen. Aak-Dhe-Rhi bekämpfte die Zauberbrecher mit ihrer eigenen Waffe: Mana. Immer wieder lösten sich Blitze aus den Bällen und trafen zielsicher ein, in Herzen der Zauberbrecher. Der Zitari hörte nichts mehr, außer Schreie. Er hörte ihr Leiden, und er wollte es hören. Er wollte hören wie die Zauberbrecher starben, wie sie unter Schmerzen ihr Leben aushauchten.
Doch dann spürte er ein starkes ziehen in seinem Rücken. Ein einfacher Pfeil hatte ihn getroffen, zielsicher in die Lunge des Zitari. Er lenkte seinen gesamten Hass und seine gesamte Energie in den Drachen. Im Geiste markierte er einen Punkt an der Nordmauer für den Drachen. Den Sammelpunkt der Menschen und Zauberbrecher. Dann fiel sein lebloser Körper hinab in die Tiefen des Echo-Meeres. Mehr als fünfhundert Meter fiel er, ehe er ohne Wellen durch die weiche Oberfläche dieses mysteriösen Gewässers stieß. Bruuluur flog währenddessen unbeirrt und von den Menschen ungeachtet in Richtung Nordmauer. Die halb eingestürzte Mauer war sein Ziel, das wusste er. Nicht etwa was er dort tun sollte, oder warum er dort hinsollte, nein, nur dass er zu dieser Mauer musste. Und er leuchtete heller und heller. Irgendwann flogen die ersten Pfeile in seine Richtung. Doch es war schon zu spät. Ein lautes Zischen zog Luft in den Drachen, der nur noch einer weißen Masse glich. Dann stieß er eine Druckwelle aus und wurde plötzlich zu einer gigantischen Kugel, bestehend aus vielen zehntausenden Wirbelstürmen, die so stark waren, dass sie selbst den gigantischen Nordwall einrissen. Der Urzitari hatte mit der Energie seines Todes einen gigantischen Leerenvortex geschaffen, die mächtigste Energiequelle der bekannten Welt. Die Quelle der Negation. Sie zog alles in sich hinein, und gab es nie wieder heraus.
Und ein großes Sterben begann an der Nordmauer. Mehr als zweihunderttausend Menschen stürmten die Mauern Echnotas. Weniger als zweitausend würden sie wieder verlassen.
Die wenigen, die sich retten konnten stürmten in Schiffen hinaus in die See und ließen Verwundete und zu langsame mit dem immer größer werdenden Vortex auf der Insel zurück. Einige der zurückgelassenen stürmten in die Fluten und ertranken, andere stürzten sich in den Vortex um einen schnellen Tod zu sterben.
Doch einer bekam von alldem nichts mit. Er fühlte nur Hass. Und ein Gefühl.
Das Gefühl, versagt zu haben.




Kapitel III:

„Durch Feuer sind wir gegangen, über Eis gewandert, von Wind zerfetzt und von Erde gebremst.“
Echopa nickte.
„Und doch sind wir noch zwei Freunde. Wir sind Meister und Schüler, wie Vater und Sohn, und doch wie Brüder.“
Aak-Dhe-Rhi lachte.
„Ich würde meine Seele verkaufen für dich.“


Ewigkeit, das war es, was ihn nun erwartet.
Nach dem Tod erwartet einen Zitari die Ewigkeit, ein Reich jenseits der Zwischenwelt, jenseits der bekannten Welt. Aak-Dhe-Rhi freute sich auf die Ewigkeit. Er wollte endlich nicht mehr leiden müssen.
Ich bin gekommen, euch zu warnen.
Aak-Dhe-Rhi hörte diese Stimme. Sehr deutlich.
Ich bin gekommen, zu erklären.
Doch er wusste nicht, woher sie kam.
Ich bin gekommen, euch zu zeigen, worin eure Bestimmung liegt.
Sie war flüsternd, fast röchelnd. Und sie war sehr unangenehm.

Ihr habt versagt,
Das wusste er.
Doch ich vermag euch eine zweite Chance zu geben.
Aak-Dhe-Rhi hatte das verlangen sich umzusehen, doch er merkte, dass er keinen Körper mehr besaß. Seine Seele näherte sich nur einem Licht.
Doch im Gegenzug verlange ich eure Treue in einem Moment meiner Wahl.
Aak-Dhe-Rhi wollte die Stimme erheben, doch brachte er die Worte nicht heraus, sondern versuchte es mit der Gedankenkommunikation der Zitari, auch wenn er nicht wusste, an wen er sie senden sollte.
Wer seid ihr? Und drückt euch klarer aus.
Immer weiter schwebte er zum Licht, doch plötzlich hielt er an und eine Gestalt erschien in der Mitte der weißen Lichtquelle.
Er hatte eine lange schwarze Robe an seinem dünnen Körper angelegt, und führte eine reichlich mit Rosen verzierte Sense in der rechten Hand. Er hatte eine tief hängende Kapuze über das Gesicht gezogen, doch Aak-Dhe-Rhi glaubte, unter der grauen Haut die Gesichtszüge eines Elfen erkennen zu können.
Diese Gestalt war ihm wohl bekannt, es war die allgemeine Darstellungsweise des Seelensammlers, welcher die Seelen der Verstorbenen des Nachts holt und sie in die Ewigkeit geleitet.
Nun hörte er die Stimme des Seelensammlers ziemlich deutlich vor ihm, direkt und ohne Gedankenkommunikation.
„Ich habe dir ein Angebot unterbreitet. Und ich erwarte eine Antwort. Eine ganz bestimmte.“
Einen Moment lang überlegte die Seele des Toten. Wirst du Echopas Seele zurück nach Maisteff bringen?
Der Seelensammler nickte. „Und die deinige.“ Aak-Dhe-Rhi wollte lachen, doch er konnte nicht. Ich habe doch keine alternative, oder? Aak-Dhe-Rhi meinte ein Grinsen im Gesicht des Seelensammlers ausmachen zu können, doch er war sich unsicher. „Die hast du nicht, nein.“
So akzeptiere ich dein Angebot, Seelensammler, auch wenn sich wohl eine List dahinter befindet.
Das Licht erlosch, und der Zitari sah eine Sense schwingen, dann fühlte er wie schwer seine Augenlider waren. Er versuchte sie aufzuschlagen, doch es gelang ihm nicht, erst nachdem er sich einige Momente an seinen Körper gewohnt hatte. Er sah nur verschwommen, doch nach und nach reaktivierten sich seine Sinne. Das erste was er vernahm, war der Tastsinn. Sand. Es war der schwarze Sand der Echo Inseln, er musste sich also an der Küste befinden. Er hörte etwas. Feuer. Er musste sich also noch auf der Sechsunddreißigsten Echo Insel befinden. Und die Feuer waren noch nicht erloschen. Langsam roch er auch wieder etwas. Verwesung, brennende Körper und Blut. Es waren keine Schreie mehr zu hören. Die Zeit musste also um wenige Tage fortgeschritten sein, während er tot war. Er schmeckte wieder etwas. Salzwasser. Kein Wunder, denn das letzte, woran er sich erinnerte war der Sturz hinab ins Echo-Meer. Er hatte schreckliche Kopfschmerzen, und langsam konnte er wieder etwas sehen. Tatsächlich lag Aak-Dhe-Rhi am Stand der Sechsunddreißigsten Echo Insel, und tatsächlich brannte die Stadt noch, aber nicht mehr in dem Ausmaß wie bei seinem Tode. Nein, ein Großteil der Feuer war längst vergangen.
Sein nächster Gedanke galt Echopa. Die Augen des Meisters suchten nach seinem Schüler. Echopa lag nur wenige Meter neben dem Urzitari an der Küste. Er war noch bewusstlos. Zum ersten Mal seit langem huschte wieder ein Lächeln über die Lippen des Urzitari, doch schon sehr bald erinnerte er sich an die Ereignisse kurz vor seinem Tod. Die Menschen… Wie er sie hasste! Er würde Rache nehmen, schon sehr bald.

Echopa fühlte sich schwach als seine Augen den Blick auf seinen Meister verloren und wieder die drei Flaggschiffe anvisierte, von denen zwei Echnota noch immer im gnadenlosen Kreuzfeuer hielten. Die Flaggen der beiden intakten Schiffe hingen still und stumm in die Tiefe herab. Doch das Banner des dritten brannte, und sank langsam mit dem gesamten Luftschiff in die Tiefe. Xentrahya, Schiridar und Iridia, das waren die drei Namen, an welche er sich noch erinnerte bevor er zu schwach war um die Augen offenzuhalten.

Aak-Dhe-Rhi dachte über vieles nach, während er an dem Lagerfeuer saß, welches er entfacht hatte, um sich daran zu wärmen, denn die Nächte auf den Echo Inseln waren bitterkalt, auch wenn sie das Feuer der Stadt noch wärmte. Er dachte über die Herkunft der Zitari nach, über die Reise nach Maisteff und über die Menschen.
Die Zitari kamen ursprünglich aus der Zwischenwelt. Das Universum besteht aus mehreren Ebenen, von denen Maisteff nur eine ist. Die Zwischenwelt ist das Bindeglied zwischen den Ebenen. Eine Zeitlose Welt, unendlich groß und mit unendlich vielen Toren zu unendlich vielen Ebenen. Als die Wesen aller Welten noch friedlich miteinander lebten und untereinander Handel trieben haben die Zitari noch in Citran – der Zwischenwelt – leben können, doch als die Ressourcen auf manchen Ebenen knapp wurden begannen die Bewohner untereinander Krieg zu führen. Sie brauchten neues Land, wenn sie ihre Ebene verbraucht hatten. In dieser Zeit wurde Echopa geboren. Ein Zitari entsteht, wenn eine Seele in der Zwischenwelt gefangen bleibt, sie also nicht fähig ist in die Ewigkeit zu ziehen. Echopa war ein perfekter Zitari, denn seine Seele war ein Mensch, und die perfekten Zitari werden aus verlorenen Menschenseelen geboren.
Aak-Dhe-rhi konnte sich noch gut an den Tag erinnern, an dem die Zitari beschlossen nach Maisteff zu wandern.
Maisteff war eine große Ebene, bewohnt von ihren besten Wirten, den Menschen. Die Menschen waren keine Weltenwanderer, nur wenige von ihnen waren fähig, die Pfade zwischen den Welten zu durchwandern, und sie hüteten dieses Geheimnis gut. Das waren gute Voraussetzungen für Handelsbeziehungen.
Doch die Zitari knüpften in Maisteff zu früh zu viele Kontakte. Zu den Schatten, zu den Untoten und zu den Skcargäüls, also zu allen den Menschen feindlich gesinnten Völkern. Dadurch baute sich bei den Menschen schnell ein schlechter Ruf über die Zitari auf, noch bevor erste Kontakte geknüpft wurden. Und seit jeher jagen die Menschen die Zitari, und die Zitari suchen nach Möglichkeiten diesen Konflikt zu beenden.
Doch dies sollte nun vorbei sein. Sollte es ihm und seinem Schüler gelingen, die Zitari aus der Zwischenwelt wieder nach Maisteff zurückzuführen, würden sie sich mit den Schatten verbünden und gegen die Menschen in den Krieg ziehen.
Sie würden sie ausrotten wie Ratten. Sie würden blutige Rache einfordern für das, was man ihrem Volk in Echnota angetan hatte.

Stöhnend rührte sich der aufwachende Zitari im Sand, während sein Meister das Lagerfeuer schürte, welches er entfacht hatte. Ruhig wartete Aak-Dhe-Rhi während sein Schüler langsam aufwachte. Als Echopa Aak-Dhe-Rhi erblickte nahm sein Gesicht einen entsetzten Ausdruck an. Verwirrt sah der Meister den Zitari an, dieser erklärte seinen Blick: „Euer Gesicht… Und euer Körper…“
Verwirrt ging Aak-Dhe-Rhi zu einem glatten Trümmerteil, in welchem man sich spiegeln konnte. Und er erkannte, weshalb sein Schüler so beunruhigt war, denn was er sah erschrak auch ihn zutiefst. Seine einst so meeresblaue Haut nahm zu Lebzeiten einen grauen Farbton an, welcher durch den Hass der letzten Wochen noch dunkler wurde. Doch der Anblick, welcher sich ihm nun bot, war anders. Seine gesamte Schuppige Haut war schwarz. Rabenschwarz, schwarz wie die Nacht. So schwarz, dass er noch dunkler als der schwärzeste Tag auf den Echo Inseln zu sein schien. Und seine Augen waren ebenfalls schwarz. Als wäre sämtliches Licht aus ihnen gewichen und hätte dem Hass Platz gemacht.
„Weshalb… Lebe ich noch?“, fragte Echopa schließlich nach einigen Momenten. „Ich könnte schwören das Licht der Ewigkeit gesehen zu haben.“
Schwach lächelnd drehte Áak-Dhe-Rhi sich zu ihm um: „Die Ewigkeit war noch nicht bereit für uns.“
Kopfschüttelnd richtete Echopa sich auf. „Die Ewigkeit war nicht bereit für uns? Was soll das heißen?“ Aak-Dhe-Rhi suchte nach einer Möglichkeit seinem Schüler zu erklären, weshalb sie noch lebten. Lächelnd antwortete er: „Ich habe mit der Ewigkeit verhandelt. Der Preis war hoch, also stell keine Fragen. Wir haben wichtigeres zu erledigen.“
Echopa spuckte in den Sand. „Was sollen wir noch tun? Sieh dich um! Wir leben in Ruinen! Wir sind die letzten zwei Zitari auf Maisteff! Was sollen wir tun?“
Die Adern traten aus seinen Armen heraus als Aak-Dhe-Rhi bei den Worten seines Schülers die Faust ballte. „Der Hass muss gesammelt werden, doch es ist nicht die Zeit ihn auszulassen, Echopa. Wir haben mehr Verbündete als nur die Regimente der Zitari. Wir werden die Schatten suchen, die ersten Kreaturen aus Maisteff mit denen wir Kontakt hatten.“
Echopa richtete sich langsam auf und blickte sich am Strand um.
„Echopa, es ist sinnlos, außer uns lebt Niemand mehr.“ Wutentbrannt schleuderte Echopa ein abgesplittertes Holzbrett ins Meer hinaus.
„Es reicht!“, herrschte die Stimme Aak-Dhe-Rhis über den Strand. „Wir werden jetzt aufbrechen und diesen Ort des Schreckens hinter uns lassen!“ In seinen Augen war ein leichtes rotes Glühen zu sehen. „Der Tag der Vergeltung wird kommen, doch bis dahin muss noch viel erledigt werden!“
Echopa schloss die Augen und atmete tief durch. „Was gedenkt ihr zu tun, Meister?“ Der Urzitari bedeutete seinem Schüler sich in Richtung Strand zu begeben. „Wir werden nach Nescrandia gehen, und meinem alten Freund Nerzh’Necron einen Besuch abstatten. Wir werden die Schatten um Hilfe bitten in zweierlei Angelegenheiten. In erster Linie werden wir Hilfe benötigen, sollten wir den Weg unserer Vorfahren finden. Ein Portal nach Citran zu öffnen wird viel Innere Kraft benötigen und ich weiß nicht, ob wir beide dazu in der Lage sind.
Zweitens werden wir ihre Hilfe in Anspruch nehmen, wenn unser Volk wieder auf Maisteff wandert. Sie werden uns mit großer Wahrscheinlichkeit sogar bereitwillig dabei unterstützen die Menschen zu zerquetschen wie überreife Früchte!“, bei den letzten Worten sah Echopa wieder das Glühen in den Augen seines Meisters. Es war der Hass, welcher in ihm entfachte wie ein Feuer.
Sie erreichten die zerstörte Westmauer und stiegen über die Überreste eines eingestürzten Mauerstückes. „Wir müssen in die Königskammer, ich hoffe nur, der Weg ist nicht vollständig unpassierbar.“, beschrieb Aak-Dhe-Rhi ihren Weg. Je näher sie dem Ratsgebäude kamen, desto unerträglicher wurde der Gestank. Es roch nach Verwesung und verbranntem Fleisch. Überall säumten Leichen den Boden, Menschen gleichermaßen wie Zitari. Sie fanden viele Freunde unter den Toten. Schließlich erreichten sie das Ratsgebäude. Erst jetzt bemerkte Echopa das brennende Glühen in den Augen seines Meisters. Viel stärker als zuvor. Wutentbrannt drehte der Meister sich wieder zum Schlachtfeld um. „Ihr werdet bezahlen! Habt ihr gehört, ihr Hundesöhne? Ihr werdet bezahlen! Grausam bezahlen werdet ihr für das, was ihr mir und meinem Volk angetan habt! Ich werde ich ausrotten! Die Zeit die mir noch bleibt werde ich alles daran setzen euch zu vernichten! Alle werdet ihr sterben! Untergehen! Mit euren Huren und schreienden Maden!“ Die Augen des Urzitari brannten nun förmlich, und dem sonst so unheimlichen schwarz war ein brennendes Feuerrot gewichen. Er schrie noch einmal seinen gesamten Hass über die Toten hinaus und das glühen verging. Wieder etwas ruhiger sprach er nun mit zusammengebissenen Zähnen: „Ihre Seelen steigen in die Ewigkeit auf. Der Seelensammler hat Echnota erreicht, und wir sollten ihn nicht bei seiner Arbeit behindern, auf das alle tapferen Zitari das Reich der Ewigkeit erblicken mögen. Auf das sie ihre Meister und Freunde wiedersehen werden.“
Echopa wollte Tränen vergießen, ebenso wie sein Meister, doch sie konnten nicht. Denn ihre Trauer wurde von etwas anderem überspült.
Hass.
So drehten sie sich um und betraten das Ratsgebäude von Echnota. Oder zumindest die Überreste dessen, was nach dem Angriff noch davon übrig war. Der einst so ausladende Eingang war zu einem Schmalen Hohlpfad eingestürzt, und die Decke fehlte.
Nach einigen Metern erreichten sie die Verwaltungshalle. Staubig war es, doch die Decke war hier noch intakt geblieben. Lediglich einige Stützsäulen wurden von der feindlichen Infanterie eingerissen. Dadurch war der Boden in dieser Halle auch gesäumt mit Leichen und der faulige Geruch, welcher über der gesamten Stadt lag konzentrierte sich in dieser Halle noch um ein vielfaches.
Es stank einfach nur noch abartig, und so beeilten sie sich in die Vorhalle der Königkammer zu gelangen. Die Vorhalle war zwar mehr zu einem Vorhof verkommen, doch war sie noch passierbar. Und so erreichten sie schließlich die Königskammer.
„Der Sitz der Ratsmitglieder war wohl das Hauptangriffsziel der Artillerieschiffe.“, stellte Echopa fest. Aak-Dhe-Rhi nickte. „Ich frage mich, wie wir durch diesen Trümmerhaufen durchkommen sollen.“
„Meister, ihr habt mir noch immer nicht gesagt, weshalb wir überhaupt hier sind.“, hackte Echopa nun nach. „Wir werden durch die Katakomben zur geheimen Bucht an der Südflanke gehen, und hoffen, dass die Schiffe dort noch intakt sind.“
Echopa überlegte einen Moment, nickte dann aber. „Je nachdem wie lange unsere Reise dauern wird, sollten wir vielleicht noch etwas von Wert mitnehmen.“
Aak-Dhe-Rhi stimmte dem zu. „Ich habe von meiner Reise nach Mauradon noch einige Mauranische Silberlinge übrig. Sollte unsere Reise nicht mehr als ein paar Monde dauern dürften diese Ersparnisse noch reichen.“ Plötzlich hörten beide einen monströsen Lärm, irgendwo musste eine Halle eingestürzt sein. „Wir sollten uns besser beeilen, es sieht nicht so aus, als ob diese Ruinen stabil sind.“, stellte Echopa fest. Aak-Dhe-Rhi stimmte dem zu, und so machten sie sich im geduckten Gang – manchmal auch kriechend – auf den Weg durch die Ratskammer. Nach einer guten halben Stunde kamen sie in einen Bereich, in welchem sie noch aufrecht stehen konnten. Und der Hass in ihnen wuchs, als sie sahen, was in dieser Halle geschah. Echopas Schüler Kid Waydan – Regimentsführer der Eisernen Maske – wurde getötet. Doch hatte er gut drei Dutzend Zauberbrecher mit in den Tod gerissen, von welchen gut die Hälfte Zitarijäger besaß. Echopa beugte sich über den Leichnam. „Er ist verblutet. Sie konnten ihn nicht töten, nur verwunden, doch fügten sie ihm zu viele Wunden zu, als das er sie hätte überleben können.“ Die Augen Aak-Dhe-Rhis glühten erneut im tiefsten Rot auf. „Sie werden bezahlen… Noch früh genug. Komm jetzt, die Zeit zum Trauern können wir uns nicht nehmen, wir müssen weiter.“ Echopa blickte sich um. „Wo ist der Eingang zu den Katakomben?“ Aak-Dhe-Rhi ging zwischen den Leichen hindurch, ohne eine von ihnen anzublicken und erreichte schließlich den Thron. Er winkte Echopa herbei, welcher ihm dabei half den Thron beiseite zu schieben und die darunter versteckte Treppe freizulegen. Nacheinander stiegen sie den finsteren Gang hinab, bis die Treppe endete und einem stickigen Gang endete. Sie nahmen eine der Fackeln, welche an der Wand hingen und entzündeten sie an der dafür vorgesehenen Reibefläche. Durch die lange Zeit, welche die Fackel bereits in diesem Tunnel verbrachte brauchten sie einige Versuche um sie zu entzünden. Lange Zeit liefen sie durch die gewundenen Tunnel, als sie irgendwann das Geräusch von tropfendem Wasser vernahmen. Die stickige Luft wurde irgendwann salzig, und sie merkten, dass sie sich dem Meer näherten, und damit der geheimen Bucht. Nach einigen weiteren Metern verließen sie dann den Tunnel und betraten die Bucht. Die Geheime Bucht war eine unterirdische Höhle, in welcher normalerweise vier Schiffe ankerten, welche im Notfall die gesamte Bevölkerung der Insel transportieren könnten. Hätten die Menschen sie während der Belagerung nicht umzingelt, wären sie vermutlich mit diesen Schiffen geflohen. Doch nun hatte die Bucht einen anderen Zweck. Von den vier Schiffen waren zwar nur noch drei da, doch eines würde ihnen ausreichen. Sie stiegen auf das kleinste der drei Schiffe – ein Zweimaster – und machten es Seefertig. Sie würden nicht – wie bei den Zitari üblich – nur in den Zeit- Wind- und Wetterlosen Gewässern des Echo Meeres segeln, sondern auch weit darüber hinaus auf das offene Meer. Während sie gerade die letzten Seile lösten, welche das Schiff noch am Anlegeplatz hielten, fragte Echopa seinen Meister: „Was glaubst du, warum eines der Schiffe fehlt?“ Trocken antwortete dieser: „Ich weiß es nicht. Ich überlege wie du die ganze Zeit, aber ich finde keinen Grund.“ Echopa löste gerade das letzte Seil, als er sprach: „Lass uns nicht jetzt darüber grübeln, auf offener See haben wir noch genug Zeit.“
Und so lief die Citran IV langsam aus der Bucht aus. Da es im Bereich der Echo Inseln keinen Wind gab fuhr das Schiff im Moment noch durch ein Schaufelrad am Heck, welches durch einen Energiekern – genannt Prisma Kern – im inneren des Schiffes angetrieben wird. So ließen zwei Zitari auf einem Schiff fahrend ihre brennende Heimat hinter sich.
Es war der zwölfte Tag des siebten Mondes im Jahre 3E995, zur Zeit der dritten Entdeckung. Und dieser Tag sollte in den Geschichtsbüchern großes ankündigen.




Kapitel IV:
Dunkelheit war alles was in dieser finsteren Höhle noch zu sehen war. Der eiskalte Schneesturm, welcher jenseits dieser Felsmauern tobte war kaum noch zu hören, so tief reichte sie in den Berg hinein. Es war der kälteste Punkt Maisteffs, die Temperaturen waren selbst in dicker Wollkleidung unerträglich. Es war die unwirtlichste Gegend dieser Ebene, und tief in dieser Höhle wartete eine Seele auf jemanden, der würdig war ihr grausames Erbe weiterzuführen. In den Mythen war diese Seele unter vielen Namen bekannt. Als Geißel brachte sie den Menschen die Untoten, und damit Tod und Verheerung, doch als Nordlicht hatte diese Seele eine weitaus größere Kraft. Das Nordlicht war in den Sagen der Menschen seit jeher ein Artefakt der Macht. Wer das Nordlicht, würde unsterblich werden und die Kraft erlangen über die Untoten zu herrschen. Viele Menschen brachen deshalb gen Norden auf, um dieses legendäre Licht zu finden, doch alle fanden sie den Tod in der Kälte der Sturmgipfel, diesem unwirtlichen Land, genannt die vierte Entdeckung. Doch noch niemand hatte das Zeitalter der vierten Entdeckung ausgerufen, denn es war niemandem gelungen die Sturmgipfel auch nur annähernd zu kartographieren. Denn kein normaler Mensch traute sich in diese Gegend des Todes. Entdeckt wurde das Nordlicht im Jahre 1E244 durch Warritan von Denklavi, dem damaligen Erzdruiden der Insel Denklavi. Er wurde zum ersten Fürsten der Geißel erklärt und herrschte über die Untoten. Doch die Menschen ahnten nicht, dass Warritan dem Nordlich verfallen würde, dass es stärker ist als der Mensch, welcher seine Macht zu erlangen versuchte. So führte Warritan einen Krieg gegen alle Sterblichen auf Maisteff, bis er im Jahre 1E745 von der vereinten Macht der Menschenkönige vernichtet wurde, und das Nordlich sich in eine Höhle im höchsten Norden zurück zog. Die Nachfolgen Warritans schlossen sich unter dem Namen „Die Enklave Warritans“ zusammen und versuchen seit jeher zu verhindern, dass jemand versucht das Nordlicht zu finden. Doch die Machtgier der Menschen ist zu groß, und auch wenn sie gesehen haben, was mit ihnen passiert, sollten sie das Nordlicht tatsächlich finden, wovon man nicht ausgehen kann, so versuchen sie es doch immer wieder.

~Zheva von Warritan

Aak-Dhe-Rhi legte die Schriftrolle wieder zurück in den Schrank, welche er gerade gelesen hatte und blickte sie gedankenverloren an.
Das Nordlicht…
Ein Mensch war zu schwach gewesen um diese Macht zu kontrollieren, doch waren Menschen nicht schon immer schwach? Waren die Zitari den Menschen nicht schon immer überlegen? Was wäre, wenn er genug Inneres Feuer hätte um diese Macht zu kontrollieren, er könnte die Untoten kontrollieren und mit ihnen die Menschen vernichten. Doch was wäre, wenn er sie nicht kontrollieren könnte? Viel mehr als Zerstörung konnte er nicht anrichten, und sein eigenes Volk war zu unwichtig, als das es eines seiner ersten Ziele sein würde.




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Ich würde mich über die ein oder andere Bemerkung freuen und hoffe, dass ihr viel Spaß beim Lesen habt =)

Jariba
Beiträge: 50
Registriert: 26.12.2009, 20:26

Re:

von Jariba (18.09.2010, 21:00)
Lieber/s Orakel ( cheezygrin )

Als erstes möchte ich dir gestehen, dass ich nicht all
deine Kapitel, die du hier reingestellt hast, gelesen habe!
Ein kleiner Tip: Stell nicht gleich so viel rein, das könnte
den Leser abschrecken!

Ich habe mir das erste Kapitel durchgelesen und kann von
mir behaupten, dass mir dein Schreibstil sehr gefallen hat!
All zu arge Fehler habe ich nicht gefunden, aber um
wirklich konstruktive
Kritik zu erhalten müsstest du schon einen von unseren
"alten Hasen" :lol: fragen

Aber für dein Alter schreibst du ziemlich gut :wink:

lg,
jariba

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