Dagmar R. Rehberg/Kuckuck-Leben mit der Lüge

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Dagmar R. Rehberg
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Dagmar R. Rehberg/Kuckuck-Leben mit der Lüge

von Dagmar R. Rehberg (16.04.2007, 11:50)
Die ständigen Nörgeleien ihres Vaters haben Laura nicht gerade zu einem ausgeprägten Selbstbewusstsein verholfen. Er schafft es sogar sie zu zwingen, auf ihr ersehntes Studium zu verzichten und so beginnt sie eine ungeliebte Ausbildung in einer Bank. Dass sie auch noch ihre große Liebe verliert, wundert sie nicht wirklich. In der Bank lernt sie den zwölf Jahre älteren, erfolgreichen Anwalt Michael kennen, den sie kurze Zeit später heiratet. Von nun an läuft Lauras Leben in vorgegebenen, nicht aber wirklich interessanten Bahnen. Der einzige Ausbruch aus diesem Leben hat ungeahnte Folgen. Dass ihre Tochter Ina nicht auch die Tochter ihres Mannes ist, weiß außer Laura selbst niemand. Und auch sie hat den kurzen, beinahe bedeutungslosen Seitensprung schon fast vergessen. Bis nach mehr als 20 Jahren die Wahrheit durch einen Zufall ans Licht kommt …


Erscheinungsdatum: November 2005
284 Seiten
Preis: 14,90 €
ISBN:9783-8334-3984-1

Leseprobe:

Laura saß am Frisiertisch und bürstete ihre hüftlangen Haare. Glatt, schwer und voll fielen sie ihr über den Rücken. Laura war mittlerweile im sechsten Monat schwanger. Sie war von Natur aus schlank und ihre weiblichen Rundungen konnten sich sehen lassen, wenn sich die Schwangerschaft auch sehr deutlich abzeichnete. Doch sie entstellte sie nicht, im Gegenteil. Selbst die Anspannung und Müdigkeit in der letzten Zeit konnten ihrer Schönheit nicht viel anhaben. Ihre Haut war, wenn auch ein wenig blass, noch immer zart und glatt. In ihre Augen war etwas Glanz zurückgekehrt, ein Glanz, wie man ihn nur bei werdenden Müttern sieht. Doch das Schönste an ihr waren nach wie vor ihre Haare. Sie waren ihr ganzer Stolz. Jeder, ob Mann oder Frau bewunderte sie. Sie genoss es am Abend in aller Ruhe vor dem Spiegel zu sitzen und ihr Haar auszubürsten. Michael kam ins Zimmer, stellte sich hinter sie und begann ihr über den Kopf zu streicheln. Laura legte ihn in seine rechte Hand, während Michael mit der linken ihr Haar liebkoste. Er liebte es ebenfalls. Er machte ihr selten Komplimente, doch wenn, dann meistens wegen ihres Haars. Nun stand er hinter ihr und immer wieder ließ er seine Hand darüber gleiten, während Laura mit geschlossenen Augen seine Nähe spürte. Nur selten ließ sich Michael zu Zärtlichkeiten hinreißen. Er war eher ungeschickt auf dem Gebiet und so genoss sie solch flüchtige Augenblicke besonders. Lange Zeit waren beide so vereint, als Michael eine schwere Haarsträhne an seine Lippen hob, sie küsste und dann leise sagte:
„Es wird Zeit, dass du sie abschneidest.“ Abrupt richtete Laura sich auf und öffnete die Augen.
„Was?“ Sie musste sich einfach verhört haben, doch sie hörte es noch einmal, diesmal lauter und bestimmter.
„Warum?“ Sanft und ohne ihr Haar loszulassen antwortete Michael:
„Laura, du bist eine erwachsene Frau. Bald wirst du Mutter sein. Du kannst nicht mehr herumlaufen wie eine Zwölfjährige. Die Leute denken ja noch, ich bin ein Lolita-Liebhaber und das kann ich mir in meiner Position ganz bestimmt nicht leisten.“
Zwei Tage später saß Laura beim Frisör und ließ sich die Haare zu einem Pagenkopf schneiden. Tränen liefen ihr über die Wangen. Eine ältere Frau neben ihr fragte sie:
„Warum tun Sie das?“ Leise antwortete Laura:
„Manchmal muss man eben Opfer bringen … als Wiedergutmachung.“
„Und ist ER es wert?“
Ich weiß es nicht, dachte sie. Ich weiß es nicht.


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