Ich bin Hobbyautor! Kriege ich jetzt Geld dafür?

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M-F Hakket
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Ich bin Hobbyautor! Kriege ich jetzt Geld dafür?

von M-F Hakket (14.09.2007, 14:18)
Ich bin Hobbyautor! Kriege ich jetzt Geld dafür?
Sinn und Unsinn von Dienstleistungsverlagen.

Sicherlich ist dieses Thema ein heikles und fast überall ist schon fast alles darüber geschrieben worden.
Und ja, auch ich gehöre zu denen, die Bücher verlegen und sich von den Autoren für diese Leistung bezahlen lassen. Doch bevor ich nun gesteinigt werde, möchte ich gerne einige Dinge dazu sagen/schreiben.

So oft hört man die Aussage: Ich habe ein Buch geschrieben, der Verlag will Geld von mir! Ich bezahle doch nicht für meine Arbeit!
Zugegeben, ein Buch zu schreiben ist – aus eigener Erfahrung – harte Arbeit. Aber Menschen, die sich aus freien Stücken dazu entschlossen haben, ein Buch zu schreiben, weil sie wollen, weil sie müssen, weil sie einen inneren Wauzi besitzen, der sie dazu zwingt, können doch nicht, nur aufgrund der Tatsache, dass sie es getan haben, erwarten, Geld dafür zu bekommen. Schreiben ist für viele ein Hobby. Bekommt man automatisch für sein Hobby einen Lohn? Wohl eher nicht. Ich male ein Bild – einfach so. Jetzt gib mir Geld dafür! Kann das funktionieren? Wohl kaum.
Ich kann jeden Autoren beglückwünschen, der es schafft, einen Verlag davon zu überzeugen, sein Buch zu finanzieren. Doch was ist mit denen, die kein Glück haben? Müssen sie auf ihrem Manuskript sitzen bleiben? Haben nur „normale“ Verlage das Recht zu entscheiden, ob ein Buch auf den Markt kommt oder nicht? Zumal „normale“ Verlage nicht an Autoren interessiert sind, weil das so knuffige Gesellen sind, nein, sie sind an Autoren interessiert, weil sie mit ihnen Geld verdienen. Einem ZV vorzuwerfen, er wolle doch nur Geld verdienen, zieht also nicht.
Was für Bücher tummeln sich auf den Bestsellerlisten? Bücher von unbekannten deutschen Autoren? Nein, von ausländischen Autoren, die bereits erfolgreich sind. Der Verlag geht kaum ein Risiko ein. Sind sie also besser als Verlage, die gerne ein Buch verlegen lassen würden, aber sich um eine Beteiligung der Autoren bemühen, weil sie das Risiko nicht alleine tragen können?
Ein Trugschluss von Hobbyautoren ist ebenfalls, dass sie nur einen Vertrag unterschreiben müssen, und schon sind sie reich und berühmt. Falsch. Gerade einmal 1% aller deutschen Autoren kann von ihren Büchern leben. Und sie müssen immer Werbung in eigener Sache machen. Das Schreiben eines Buches ist eine Sache. Die Arbeit fängt damit an, das Buch zu bewerben. Das ist die Arbeit – dafür erhält man seinen Lohn.

Da gibt es die Aussage: Ich kämpfe gegen Zuschussverlage! Autoren haben Geld zu bekommen, nicht zu bezahlen. In Ordnung, kann man so sagen. Aber haben Hobbyautoren nicht das Recht, sich frei dazu zu entscheiden, dass sie für eine Veröffentlichung ihres Buches Geld bezahlen? Was ist mit den Autoren, die sich dazu entschließen, ihr Buch selbst zu verlegen? Auch sie bezahlen (erstmal) für ihr Buch. Soll man ihnen diese Möglichkeit verwehren? Wenn ich in ein Restaurant gehe, bezahle ich auch für eine Dienstleistung, die ich gut zu Hause selbst erbringen kann. Ich kann mein Auto selber waschen, fahre aber in eine Waschanlage. Warum? Vielleicht bin ich nicht so ein guter Koch, meine Gäste verbringen mehr Zeit auf dem Klo als am Tisch, oder mein Auto ist nachher schmutziger als vorher.

Leider gibt es ZV, die den Autoren das Blaue vom Himmel versprechen. Auflagen von 1000 Stück, die oft propagiert werden sind utopisch. Bücher, die nach Ablauf des Vertrages nicht verkauft wurden (ca 990) sollen dem Verlag nochmals abgekauft werden. Ob der Verlag die 1000 Stück tatsächlich gedruckt hat, lässt sich meist nicht nachvollziehen.
ZV finden meist jedes Manuskript super und drucken blind, was sie in die Hände bekommen.
Das ist – so finde ich – ein schlechter Dienst an der Literatur. Dienstleistungsverlage, die sich zwar für ihre Leistungen bezahlen lassen, aber mit den Autoren wirklich zusammenarbeiten, finde ich eine vernünftige Alternative. Gezwungen wird schließlich niemand.

Abschließend möchte ich noch anmerken, dass ich keinen Hobbyautor vor den Kopf stoßen will. Ich bin schließlich selbst einer. Doch manche Einstellungen sind … aber lassen wir das. cheezygrin

Gruß
Hakket

hwg
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Re:

von hwg (14.09.2007, 16:03)
Hallo Hakket!

Zuerst einmal auch von einen Willkommensgruß!

Um es vorneweg klarzustellen und weil ich mich angesprochen fühle:
Ich bin Journalist und Autor, logischer Weise verdiene ich mit diesem Beruf meinen Lebensunterhalt. Deswegen will und brauche ich für meine Arbeit auch ein vernünftiges Honorar.

Wer eine Zeitung oder ein Buch kauft, bezahlt dafür.

Wer eine von professionellen Künstlern gestaltete Veranstaltung besucht,
bezahlt - oft einen teuren Eintrittspreis.

Wer seinem Hobby nachgeht, verlangt dafür normaler Weise kein Geld, sondern gibt dafür mitunter viel vom eigenen aus.

So gesehen, liegst Du mit Deiner Ansicht über Hobby-Autoren ja gar nicht so falsch. Wenn ich aber die Ausgaben eines dieser Autoren für die Herausgabe seines Buches - auch in Deinem Verlag - mit den zu erzielenden Einnahmen vergleiche, ist das Schreiben und im Druck veröffentlichen lassen ein extrem teures Hobby.

Für die zu erreichenden Leser täte es oft ein oder zehn- oder dreißigmal vervielfältiges Manuskript, abgeftet in einer Mappe, ebenfalls.

Damit will ich ja niemanden die Ausübung seines Freizeitvergnügens absprechen - aber die Hobby-Aktivisten verlangen eben auch kein Geld für ihr Tun. Also, könnten sie ihre "Werke" in Buchforn auch gleich verschenken.

Deshalb bleibe ich dabei - jeder, auch jeder Autor, muss für seine Arbeit vernünftig bezahlt werden. Mit Druckkostenzuschussverlagen, egal mit welchen Angeboten sie locken, verlieren sie nur ihr Geld anstatt welches zu verdienen.

Trotz meines Einwandes,
viel Erfolg für Deine Arbeit!

Gruß aus der Steiermark!

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (14.09.2007, 18:36)
Hallo hwg!

Du sagst es ja selber: Das Schreiben ist dein Beruf. Dafür bekommst du Geld. (Punkt). Also hättest du dich nicht zwingend angesprochen fühlen müssen. Ist aber trotzdem nett von dir, dass du etwas zu der Sache geschrieben hast.

Dieser Beitrag ... sagen wir mal ... ist eher deshalb entstanden, weil es eben viele HOBBYAutoren gibt, die meinen, sie bräuchten nur irgendetwas zu schreiben und Plop - bekommen sie Geld dafür, werden reich und berühmt und ereifern sich in einem unglaublichen Maße darüber, dass ein "normaler" Verlag ihnen nicht gleich einen Vertrag mit 10000€ Vorschuss anbietet. Ich muss dir wahrscheinlich nicht sagen, dass es so nicht funktioniert. Ich schreiben auch nicht über Menschen, die sich (evtl) in diesem Forum befinden.
Es ist halt so, dass ich mich lange mit dieser Sache - Zuschuss ja, Zuschuss nein - beschäftigt habe. Hey, wenn mir jemand Geld für mein Geschreibsel geben möchte, bin ich der Letzte, der das ablehnt.

Du schreibst, es reicht doch für Hobbyautoren, ihr Werk selbst zu drucken und in eine Mappe zu packen. Auch das kostet Geld. cheezygrin
Selbstverlag - kostet auch Geld.
Und ich wage zu bezweifeln, dass viele Hobbyautoren damit zufrieden wären, anstatt eines Buches eine Mappe zu verschenken.

Klar, auch ich nehme (meistens) Geld dafür, dass ich Bücher verlege. Aber - im Gegensatz zu vielen anderen ZVs - erkläre ich den Autoren, dass sie sich mit Hoffnungen lieber zurückhalten sollten. Das Buchgeschäft ist verdammt hart - einen Erfolg zu landen, wäre mehr als ein Sechser im Lotto. Und glaub mir, ich verdiene so wenig an den Autoren, dass ich mehr als nur wünsche, ein Buch zu einem Erfolg zu machen.
Schließlich habe ich meinen Verlag nicht gegründet, um Autoren das Geld aus der Tasche zu ziehen, sondern gute Bücher auf den Markt zu bringen.
Wenn ich einen 500 Seiten Fantasyroman korrigiere, möchte ich lieber nicht wissen, in welchem Minusbereich mein Stundenlohn liegt. :cry:

Es ist halt so, wenn du als Autor das Schreiben wirklich als Beruf ausüben möchtest und wirklich Geld verdienen willst, musst du dich oft davon lösen, das zu schreiben, was du willst (ok, ist nicht immer so), aber freies, künstlerisches Schaffen steht da eher hinten an.
Nur darum ging es mir, klarzustellen, dass, nur weil man mal was geschrieben hat und ein Verlag sagt: "Verlege ich, aber gib mir Geld dafür", nicht grundsätzlich verkehrt ist.
Dass die Zvbranche einen schlechten Ruf hat, da gebe ich dir recht. Ist eigentlich schade. Es KÖNNTE auch fair laufen.

Nochmal: Wenn du hier (nicht HIER) und da mal liest, was HOBBYautoren für Vorstellungen von der Verlagsbranche haben und was sie dann als Manuskript abliefern, kann man sich die Haare raufen.

Liebe Grüße
Hakket

hwg
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Re:

von hwg (15.09.2007, 06:14)
Guten Morgen Hakket!

Deine und meine Ansichten weichen gar nicht so weit von einander ab, vor allem was das "Haare raufen" angesichts mancher DKZ-Produkte betrifft.

Ich wollte Dir auch keine "bösen" Absichten gegenüber "Freizeitautoren" unterstellen - ich rezensiere mitunter auch BoD-Bücher -, doch als Funktionär der IG österr. Autoren und Übersetzer und der Gewerkschaft(en) Druck-Journalisten-Papier und Kunst-Medien- freie Berufe ist es mir ein Anliegen, "Jungautoren" vor voreilig abgeschlossenen Vertragen mit derartigen Zuschussunternehmen zu warnen.

Die nachträglichen Beschwerden landen nämlich nicht selten auf meinem Schreibtisch. Und die "schwarze Liste" wird kontinuierlich umfangreicher.

Deshalb bleibe ich auch dabei - BoD ist, wie auch Du schreibst, ein Dienstleister, der relativ günstig die Produktion von Büchern anbietet, nicht mehr. Mit der Bezeichnung Verlag werden oft nur falsche Hoffnungen geweckt.

Kollegialen Gruß!

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (15.09.2007, 11:48)
Moin hwg,

ne, ne, ich hätte auch nicht gedacht, dass du mir böse Absichten unterstellen willst. Schließlich habe ich diesen - sagen wir mal - harten Beitrag eingestellt, dann muss auch damit rechnen, dass jemand was dazu schreibt ... ist also völlig in Ordnung.

Tja, das mit den Verträgen ... ich habe einige ZVVertrtäge (unter anderem aus ... ähm ... Frankfurt (?)) bei mir liegen - bin ja selbst Autor und hier geht das mit dem Haare raufen endlos weiter.

Deshalb habe ich mich für meinen Verlag auch dazu entschieden, den Vertrag auf dem Verdi-Norm-Vertrag basieren zu lassen. Auch, wenn das manchmal zu meinem Nachteil ist.

Ebenfalls - kollegialer Gruß

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