Warum so still Frau Kloops

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klaasen1
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Warum so still Frau Kloops

von klaasen1 (17.12.2010, 16:27)
Ja, ja die Weihnachtszeit“, flüsterte Lilly Kloops vor sich hin und begann in ihren Erinnerungen zu schwelgen. War es nicht herrlich damals auf dem Lande?!
Ach, wie sie aufging in dem Gedanken an sich selbst, die kleine Lilly und an die damalige, ihre Zeit.

Sie öffnete eine kleine Flasche Sekt. Schenkte sich ein Glas voll ein und lehnte sich in ihrem alten Sessel, der sogar noch ein wenig älter war als sie selbst, zurück, schloss ihre Augen und begab sich gedanklich auf den Weg in das Jahr 1935. Da war sie gerade einmal 11 Jahre alt. Der Weihnachtsmarkt war aufgebaut, und sie ging wie an jedem Adventsonntag mit ihren Freunden dorthin. Die Luft roch nach Mandeln und allerlei Gebackenem. Aber was sie zusehend und mit wachsender Aufregung wahrnahm, das war - Eugen. Auf den war sie ganz besonders fixiert. Ja - sie war verliebt. Ein seltsames Gefühl war das schon. ´Verliebt`, dachte sie und nahm einen kleinen Schluck aus dem Sektglas. Ach, wie sie diesem Wort hinterher lauschte. Eine kleine Träne verirrte sich und vermischte sich mit dem prickelnden Getränk.

Jetzt habe ich wieder eine meiner vielen Seelen in meinen Tränen gesehen”, sagte sie zu sich selbst und floss geradezu dahin, wie ein von der Sonne zerschmolzenes Eis .

Wie jung sie sich plötzlich fühlte!
Und was für ein hübscher Junge war doch dieser Eugen. Seine Muskeln – wie Pakete, die sie vorsichtig betasten durfte.

Sie schwärmte und wollte gar nicht mehr zurück, zurück in den grauen Alltag - wie sie es empfand- und zurück in den alten Körper- den sie so gar nicht mehr mochte. Sie lächelte.

Die Welt der Erinnerungen wurde zum Zuhause. Sie wusste schon, dass sich eine Gefahr darin verbarg, wenn sie ihren Erinnerungen zu freien Lauf ließe, dass sich der Weg zurück – in das diesseitige Leben - eines Tages vielleicht nicht mehr finden ließ. Es konnte sein, sie verlor sich ganz in der Vergangenheit. Aber die bunten Erinnerungen, die in rosenroten Farben auf sie zukamen, nahmen sie in ihre Mitte. Sie war eingeschlossen, und es war eine glückselige Gefangenschaft, in der sie ruhen konnte. Sie wusste, sie war angekommen.

´Endlich am Ziel!´ dachte sie.

Sie war, wo sie glücklich war.
Sie hatte einen friedlichen Schlaf. Er war ein Geschenk vom Weihnachtsengel. Sie war wieder jung.

Klaas klaasen
ich bin ein hut weil ich meinen kopf nicht finde

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