Über den Fels der Stimmung

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marvin
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Registriert: 26.12.2010, 19:15

Über den Fels der Stimmung

von marvin (26.12.2010, 19:19)
Wege, unter lautlos schneienden Blättern.
Tanzende Sonnenflecken,
erzeugen seltsame Stimmungen.
Verlust ohne Hader,
Trauer ohne Bitterkeit,
Gelassenheit.
Andächtig,
leise schleichend
bewege ich mich
zwischen lebenden Säulen,
durch die feierliche Halle
und lausche.
Bäume
knistern, rascheln,
flüstern heimlich leise
in vertrauter, alter Sprache:
„Es ist gut.
Willkommen,
Heimgekehrter!“

Lichtung,
Dämmerungsgrenze
Waldschattenfarben und Herbstwiesenlicht,
sanftgelb leuchtend.
Bilder ziehen
herbstbunt
vor den Augen,
hinter den Augen.
Gedanken, Zeiten, Szenen
wechseln, fließen
um den festen Fels
der Stimmung.
Die Wiese im Sonnenschein
betrete ich nicht.
Ich verweile
am Waldsaum,
an der fleckig wechselnden Schattengrenze.
Verweile
am Ufer der fließenden Zeit,
am Punkt, wo alles zusammenströmt,
um den festen Fels
der Stimmung.

Ich atme,
rieche Heu und Pilze,
durch Mund und Nase.
Atme,
rieche Freiheit, Frieden, Leichtigkeit
durch geschärfte Sinne des Bewusst(en)-Seins.
Gedankenruhe,
Gedankenfriede.
Ein Moment,
selten, kostbar,
in dem ich erwache,
in dem ICH nur ICH bin.
Ein Moment des Fragens
um der Frage willen.
Wer bin ich?
Was bin ich?
Woher komme ich?
Wohin gehe ich?
Wohin möchte ich gehen?
Wo ist meine Heimat?
Gibt es einen Gott?
Will ich ihn finden, zu ihm gehen?
Warum sollte ich IHN/ES brauchen?
IHN? ES?
Was?

Strenger Mahner, erhobener Zeigefinger?
Erfinder kleinlich, spießiger Gesetze?
autoritärer Herrscher?
Richter?
Oder gar
amüsierend mitleidloser
Spieler?
am chaotischen Spieltisch des Lebens,
wo windende Materie sich
ewig pendelnd tummelt,
hilflos, hirnlos, zwecklos, ertrinkend umherschlägt,
im Fluss
zwischen lauernden Krokodilen
namens Angst, Leid, Schmerz und Tod?
Dazwischen
die blind umher tappende Menschheit,
selbst Krokodil, gefräßig, gierig Leben schnappend, nehmend, Arten ausrottend,
jedoch auch selbst die schlimmste Bürde tragend, ertragend,
Logik/Bewusstsein/Verstand genannt.
Machtloser „König“ Mensch,
fähig nur zu kurzen, kurzsichtigen Zügen und Schlägen,
als Figur am Schachbrett des einen,
wenn ER denn existiert,
wenn ein solcher Spieler denn existieren
darf,
wir ihn existieren lassen,
in uns.

Oder ist ER/ES ganz anders(?),
das Leben betrachtend aus anderer Warte,
einem erhaben schwebenden Adler gleich
den Wald betrachtend,
wie er als Ganzes lebt, sich entwickelt,
jedoch nicht kleinlich Buch führend,
über jedes vom Baum fallende Blatt?

Ich frage mich:
Wird es geachtet,
wenigstens,
das Blatt,
das seinen Zweck(?) erfüllte
von Staub zu Staub?
Geachtet
von IHM?
wenn ein solcher Betrachter denn existieren
darf,
wir ihn existieren lassen,
in uns.

Oder
verbirgt ER/ES sich
jenseits
der Logik
des Bewusstseins,
des menschlichen Verstandes?
einen Plan ausführend,
durch uns.
mit uns,
wenn ein solcher Plan denn existieren
darf,
wenn wir ihn existieren lassen,
in uns.


Ja,
vielleicht
jenseits der Logik
des Bewusstseins,
des menschlichen Verstandes.
Doch
jenseits auch
der Stimmung?
Ich umarme einen Baum,
fühle raue Rinde,
Leben,
Kraft,
Wärme,
Verlust ohne Hader,
Trauer ohne Bitterkeit,
Gelassenheit.
Ich atme ein und aus.
Ich denke nicht, fühle nur,
stehend auf dem festen Fels
der Stimmung.
Und plötzlich verstehe ich!
Ein Verstehen
jenseits der Logik,
des Bewusstseins,
des menschlichen Verstandes.
Weil ein solches Verstehen existieren
darf,
weil ich es existieren lasse,
in mir.
Ich lache,
wiege mich übermütig,
tanze mit meinem Baum,
im Wind.
Singe,
ohne Worte,
im Chor der Waldstimmen,
die mich willkommen heißen.
Das Rauschen der hastigen Zeit übertönend,
widerstehend dem steten Druck,
des Zeitenfließens,
hier auf dem Fels
der Stimmung.
Warum suchen?
Was suchen?
Ich bin doch die ganze Zeit über
hier
gewesen.

marvin
Beiträge: 42
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Re:

von marvin (27.12.2010, 08:09)
Schnee:

Viele Menschen freuen sich dieser Tage über den Schnee. Viele nervt er, manche hassen ihn, aber nur wenige betrachten ihn genauer, etwa durch das Mikroskop. Jene, die es tun, erwartet eine wahre Wunderwelt. Keine Schneeflocke ist so wie die andere. Jede einzelne ist ein filigranes Kunstwerk, unvergleichliche, zarte, vergängliche Schönheit.
Nur ganz wenige Menschen haben sich je gefragt: „Warum ist das so? Was steckt dahinter, welcher Bauplan, welcher Sinn?“ Und wenn der Schnee dahin schmilzt, sind auch sie dahin, all die ungezählten, nie gesehenen, nie bewunderten kleinen Einzigartigkeiten.

Sie werden wieder zu dem, was sie waren, zu Wasser, noch alltäglicher als Schnee, noch weniger von den Menschen beachtet, die es wohl hoch schätzen, es dankbar trinken und nutzen, doch allzu selten seine Ästhetik bewundern, die Einzigartigkeit des Wassertropfens, seine klare, schlichte, funkelnd Licht brechende Magie.
Ja, auch Wassertropfen sind einzigartig, jeder einzelne von ihnen!

Wissen sie denn, liebe Menschen, was Wasser ist, was es WIRKLICH ist? Es ist die Quelle des Lebens auf der Erde, Motor des Lebens, stets sich verwandelndes, variierendes und doch immer gleiches, immerzu wiedergeborenes, ewiges Leben. Wasser ist Unsterblichkeit.
Manche Wissenschaftler meinen, es wäre mehr, viel mehr.
Sie meinen, es wäre nicht nur Quelle und Motor des Lebens, sondern auch sein Bewahrer, Behüter, sein Archivar, sein Avatar. In den Wassern der Erde, so meinen sie, in seinen winzigen, nie geschauten, nie durchschauten Quantenstrukturen sei alles gespeichert, was lebt und was je an Leben war, von der winzigsten Alge bis zu den dahin gegangenen menschlichen Seelen.
Jeder Gedanke, der je gedacht wurde, jede liebe oder auch böse Erinnerung wäre in diesem ungeheuren Speicher aufbewahrt, vermuten manche.

Und wäre es verwunderlich? Wäre es nicht ungleich verwunderlicher, die allmächtige Natur würde etwas verschwenden, das sie sich unter so großem Aufwand erarbeitete wie die unwiederbringliche Erfahrung der Lebewesen, ihrer Kinder, die sie schuf?

Was also sehen wir wirklich, wenn wir sie betrachten, all diese zart filigranen Schneeflocken, jede anders, jede einzigartig, genau so wie die Seelen all der Menschen, die scheinbar von uns gingen? Sind sie eben genau das? Sind es kleine, sichtbar gewordene Monumente von Freude, Leid, Hass und Liebe, die Quintessenz von dem was war und die Verheißung für das, was sein wird?

Wissen sie, dass die Kristalle schwingen? Sie schwingen und geben dabei Töne von sich, leise, feine, unglaublich zarte Musik.
Sie klingt weit jenseits der Wahrnehmung menschlicher Ohren, und doch …

Wenn ihr das nächste mal durch tief verschneite Wälder stapft oder über prächtig weiß funkelnde Wiesen, dann haltet ab und zu inne und lauscht. Lauscht nicht mit euren Ohren, sondern mit euren Gefühlen, eurer Seele.

Und dann werdet ihr sie vielleicht hören,
die Stimmen jener, die von euch gingen,
vereint im Chor mit allem was war, was ist und was je sein wird …
Die all umfassende Musik des Lebens.

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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (27.12.2010, 16:07)
Schön thumbbup
Wer bist Du?
Sei nicht so schüchtern. :D
Gruß
Thomas

marvin
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Re:

von marvin (27.12.2010, 17:52)
Sei bedankt und gegrüßt, Irdischer!
cool1
Ich bin einfach nur jemand, der gerne schreibt und phantasievolle Menschen liebt.
Beim Stöbern im Web bin ich auf dieses Forum gestoßen. Wenn Ihr erlaubt, werde ich ein Weilchen bleiben.

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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (27.12.2010, 17:56)
marvin hat geschrieben:
Sei bedankt und gegrüßt, Irdischer!
cool1
Ich bin einfach nur jemand, der gerne schreibt und phantasievolle Menschen liebt.
Beim Stöbern im Web bin ich auf dieses Forum gestoßen. Wenn Ihr erlaubt, werde ich ein Weilchen bleiben.

Tobe er sich hier aus, Außerirdischer.
:D

marvin
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Re:

von marvin (27.12.2010, 18:06)
Das werde ich ...
für eine Weile.
cheezygrin

Die Farben der Winde

„Blau!“, dachte Ralph. Dem Wind zugewandt, sog er die Luft ein, schnupperte, analysierte, versuchte, die Feinheiten zu bestimmen.
„Ja, eindeutig blau, überhaucht von einem leichten Grünschimmer und einer Spur weiß!“
Er nickte lächelnd. Er genoss die blaue Kälte, die ihn umstrahlte.
„Die Luft riecht blau!“, für diese Aussage würden sie ihn verspotten, wieder einmal, wie so oft, der Vater, die Mutter, die Brüder, alle.
Sie alle hatten keine Ahnung. Sie wussten nicht um den alles durchdringenden Glanz, die Sattheit, die majestätische Pracht der Farben, wie sie strömten, wirbelten, sich mischten.

Niemals hatten sie den Norden gesehen, wie er wirklich war, dieses eisig helle, klare Blau, wie es brannte, brannte vor Kälte, alles erfrierend, alles verschlingend wenn der Nordwind wehte. Ralph liebte das blaue Licht, roch es, fürchtete es. Wenn er darauf nach Norden ritt, dem eisigen Atem entgegen, dem Tod entgegen, dann spürte er pures Leben.

Ostwärts richtete er sich, dorthin, wo sanftes Rot Sinne und Seele wärmte. Der Ostwind ruhte. Er ballte sich in unerreichbarer Ferne, schlafende Glut, von Braun und dunklem Ocker bedeckt, glosend, lauernd, wartend als schlafender Drache, bereit, den Himmel in Brand zu setzen, wenn der Ostwind rief. Ralf und der Drache waren Freunde. Wenn er auf ihm nach Osten ritt, dem Morgen entgegen, dem roten, würzig riechenden Glutball entgegen, dann fühlte er sich wie neu geboren.

Hitze, sengende Hitze, gleißendes Gelb und blendendes Weiß, nichts ließ sich damit vergleichen. Dort, im Süden brannte unvergänglich die wahre Flamme der Erde. Alles überstrahlte sie, alles durchflutete sie bis zur Lähmung der überwältigten Sinne. Der Südwind war wie die innere Flamme des Himmelsdrachens, der seinen Atem nährte. Nicht lange ertrug Ralph den Ritt nach Süden, der Reise zum rauchig riechenden Brennpunkt, der lockte und dennoch Verderben brachte, wie einer Motte das Licht.

Meist schwenkte er dann ab, abgeschlagen gen Westen, wo sich das gelb des Südens und das nördliche Blau mischten zu einem angenehmen Grün. Ah, der Westwind, wie er erfrischte, wie er beruhigte, Körper und Seele umschmeichelte! Das erdig riechende Grün des Westens stand für Weisheit, Sicherheit, Ruhe und Frieden, doch auch für Alter und Tod. Melancholisches Grün.
Wenn Ralph im Westen weilte, im satten Grün badete, dann fühlte er sich satt und zufrieden …und alt.

Ralf drehte sich, Ralph fühlte. Er schnupperte und schmeckte.
Norden, Osten, Süden oder Westen, wohin sollte die Reise gehen?
Wohin nur, wohin?

Als der Wind erstarb und die Farben verblassten, verschob er die Entscheidung auf den nächsten Tag. Er begab sich in seine farblosen, geruchlosen vier Wände.
Den Blindenstock ließ er an der Tür lehnen.

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (27.12.2010, 18:17)
.... wobei ich mir nicht sicher bin, ob Fantasie mit Schwurbelei zu tun hat.

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Re:

von Thomas Becks (27.12.2010, 18:24)
Sehr erfrischend, Fremder! thumbbup

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Re:

von Thomas Becks (27.12.2010, 18:36)
chnuppesaager hat geschrieben:
.... wobei ich mir nicht sicher bin, ob Fantasie mit Schwurbelei zu tun hat.
Das Wort "Schwurbeln" kannte ich gar nicht.
http://www.youtube.com/watch?v=rmaCDoQa ... r_embedded

marvin
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Re:

von marvin (27.12.2010, 18:45)
Thomas Becks hat geschrieben:
chnuppesaager hat geschrieben:
.... wobei ich mir nicht sicher bin, ob Fantasie mit Schwurbelei zu tun hat.
Das Wort "Schwurbeln" kannte ich gar nicht.
http://www.youtube.com/watch?v=rmaCDoQa ... r_embedded


Es ist ein Synonym für die Verbreitung von inhaltsleerem Unsinn.
Mit derlei sensibles Künstlerherz-zerreißender Kritik muss man leben, sobald man sich entschließt, Texte welcher Art auch immer zu veröffentlichen.
:lol:
Merke:
Ungnädige Kritiker sind grundsätzlich das Gemeinste und Widerwärtigste, was überhaupt existiert!

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (27.12.2010, 19:06)
@marvin

Betrachte es einfach als Kompliment, dass ich Dir zutraue, die Wahrheit zu verkraften.

marvin
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Re:

von marvin (27.12.2010, 19:24)
Ach, wissen sie, werter chnuppesaager,
"Wahrheit" ist stets ein Produkt subjektiver Perspektive.
Ich habe mir nicht nur einmal so viele unterschiedlichste Wahrheiten zum selben Thema angehört, (bzw.sie gelesen), dass ich dem mit großer Gelassenheit gegenübertrete.

Sie dürfen mich gerne jederzeit einen "Schwurbler" nennen oder was auch immer mich zu benennen ihnen gerade ein Bedürfnis ist.

marvin
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Re:

von marvin (27.12.2010, 19:25)
Verblassendes Gold

Bunt ist der Oktober.
Hektische Weißglut weicht gediegenem, kühlen Gold.
Ein Abschied steht bevor.
Pure Kraft weicht ruhiger Stärke.
Nebelschwaden ziehen, steigen, verhüllen den goldenen Glanz,
verkünden kommendes Grau.

Bunt sind die Wälder.
Kräftig lebendiges Grün weicht warmem Gold.
Das Jahr nimmt Abschied.
Leben und Energie weichen zurück in abwartende Speicher und Kammern.
Schleichend mischt sich verdorrtes Braun ins Blättergold,
verkündend kommende kahle Eintönigkeit.

Still ist der See.
Übermütig fröhliches Geplätscher weicht der goldenen Lichterstraße.
Libellen und Vögel nehmen Abschied.
Helle, sonnenwarme Lebensfreude sinkt hinab in dunkle, ernüchternde Tiefe.
Schattenflecken tanzen auf fleckig werdendem Gold,
Vorboten des schleichenden Abschieds.

Golden ist das Zeitalter.
Unbeschwerter Luxus und Friede erstrahlen sanft golden.
Ein letzter goldener Abend bricht an.
Satte Selbstverständlichkeit weicht wehmütiger Nostalgie.
Sturmkrähen kreisen, krächzen, hässliche Schattenflecken vor der untergehenden Sonne,
verkünden den nahenden Umbruch.

Golden sind meine Tage.
Sträfliches Nicht Beachten weicht erschrockenem Verständnis.
Ein letztes goldenes Geschenk zum Abschied.
Selbstmitleid und Hader weichen sanftem Schweben.
Tiefe Traurigkeit und Schmerz werden verschleiert, gedämpft im Glanz der goldenen Tage.
Sanftes Schweben im Bewusstsein des goldenen Augenblicks.

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (27.12.2010, 19:33)
@marvin

Niemals käme ich auf die Idee, Sie "Schwurbler" zu nennen, kenne ich doch nur drei Texte von Ihnen - ob Sie ansonsten in Ihrem Kopf ein bisschen verschwurbelt sind oder nicht ... keine Ahnung, da möchte ich mir auch gar nix anmaßen.

Gut, dass die Welt groß genug ist für verschiedenartigste Meinungen.

Es lebe der Pluralismus!

In diesem Sinne:

... frohes Schaffen!

marvin
Beiträge: 42
Registriert: 26.12.2010, 19:15

Re:

von marvin (28.12.2010, 12:13)
Einst,
in finsterer, kalter Zeit,
am Tiefpunkt,
feierten schwärze- und kältegeplagte Vorfahren
den Tiefpunkt als Anfang der Wende.
Und sie waren voll Freude
und Erwartung
ob der kommenden Rückkehr des Lichtes.

Später,
in dunklem, verzehrendem Feuer,
am Höhepunkt
katholischem Wahns,
wandelten feiste Pfaffen- und Folterknechte
die Wintersonnenwende
in ein christliches Demutsfest.
Und die Menschen waren voll Stille
und Besinnung
ob der Erlösung durch ersehnten Frieden.

Vorgestern,
in Nachzeiten verglühenden Höllenfeuers
im Echo der Hölle auf Erden,
feierten Höllenfeuergeläuterte
ihr nacktes, gerettetes Leben.
Und sie waren voll Hoffnung
und Entschlossenheit
ob der Rückkehr der Normalität.

Gestern,
in der Morgendämmerung,
am sich abzeichnenden Wendepunkt,
feierten bescheidene, arbeitsame Menschen
den Beginn eines goldenen Zeitalters.
Und sie waren voll Freude
und Dankbarbeit
ob der Freude ihrer Kinder unter dem Weihnachtsbaum.

Heute,
in menschlicher Finsternis und Kälte
am Höhepunkt
des goldenen Zeitalters,
stöhnen luxus- und langeweilegeplagte Menschen
unter Schläfenzwingen der verordneten Verdummung.
Und die Menschen sind voll Bitterkeit
und Kälte
ob des ekelerregenden Konsumwahns.

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