Über was darf ich bzw. darf ich keine Bücher schreiben?

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Tagesstern

Über was darf ich bzw. darf ich keine Bücher schreiben?

von Tagesstern (31.12.2010, 10:15)
Wenn ich mir eine Geschichte ausdenke, dann stammt diese von mir und die Sachlage ist klar, aber es gibt unzählige Bücher und ich kann mir gut vorstellen, dass es jede Geschichte schon irgendwie mal gab, vielleicht sogar öfters. Was ist, wenn zum Beispiel vor 50 Jahre schon mal jemand eine sehr ähnliche Geschichte als Buch veröffentlicht hat, ohne das ich jemals das Buch gelesen habe?

Ich glaube auch, dass das Unterbewusstsein eine große Rolle spielt. Gestern hat man vielleicht noch Stephen Kings "Manchmal kommen sie wieder" auf DVD gesehen und vor einigen Jahren mal einen alten "Agatha Christie" Roman gelesen. Irgendwann hat man dann eine Geschichte im Kopf, die man genial findet und man das unbedingt aufs Blatt bringen möchte. Als das Buch dann auf dem Markt ist, wird dann von einem Leser festgestellt, na der Anfang klingt aber sehr nach Miss Marple und später irgendwie nach Stephen King. Wisst ihr, was ich meine? Oder machen das sogar viele Schriftsteller sogar bewusst? Ich kenne das bei der Musik. Da mal ein Sound, da mal ein Stück der Melodie, da mal ein Sample, eine Textpassage aus diesem Lied und schon hat man ein neues Lied. Das muss nicht mal bewusst gemacht geworden sein.

Doch was mich am meisten Interessieren würde ist, darf man eigentlich Sachbücher über alles veröffentlichen? Was ist, wenn ich ein Buch über die "The Beatles" schreiben möchte? Natürlich gibt es da schon unzählige Bücher, aber als Beatles Fan bin ich mit keinem Buch zufrieden und ich bin der Meinung, dass ich ein Besseres schreiben könnte. Ich kenne die Beatles nicht, ich bin auch erst 1971 geboren und daher kenne ich die Beatles nur von den Medien. Also kann ich ja nichts selbst Erlebtes schreiben. Ich würde dann natürlich Recherche übers Internet betreiben. Natürlich würde ich nur die Fakten nehmen und die Geschichte dazu selber schreiben. Ist so was überhaupt erlaubt? Ich bin übrigens kein Fan der Beatles, mich interessiert nur die Sachlage dazu. Kann ich auch einfach ein Buch über Russland schreiben? Ich war zum Beispiel in Moskau und habe dort 300 Fotos gemacht. Darf ich dann ein Buch über Moskau schreiben und mit einigen Fotos von mir veröffentlichen? Oder sind bestimmte Gebäude und Personen sogar verboten, sie zu veröffentlichen? Übrigens, in Moskau war ich auch noch nie. Dürfe ich zum Beispiel ein Buch über Wigald Boning schreiben? Einfach ein Buch über ihn schreiben, wie ich ihn als Fan sehe?

Mir gehen schon verrückte Sachen durch den Kopf, aber es wäre sehr schade, wenn ich ein ganzes Jahr über Helsinki ein Buch schreiben würde und meine 100 Fotos, die ich selber über Helsinki gemacht hatte, nicht veröffentlich werden darf, aus rechtlichen Gründen.

Doch es gibt noch eine Sache, was ist, wenn ich über mein Hobby schreiben möchte. Sagen wir, ich wäre in einem Tennis Verein seit 20 Jahren als Betreuer tätig. Nun möchte ich ein Buch darüber schreiben. In dieser Zeit waren u.a. auch Boris Becker und Steffi Graf im Verein. Ich erwähne natürlich keine Details, aber sie kommen in meiner Geschichte auch vor, genauso wie andere Spieler, Vorstandmitglieder usw. Natürlich schreibe ich auch über den Verein, über andere Mannschaften, die zu Gast waren. Also alles was ich so erlebt habe. Ist das erlaubt?

Wäre echt klasse, wenn mir jemand meine Fragen beantworten könnte, denn ich habe mich schon dumm und dabbisch in Google gesucht und nichts darüber gefunden.

Ich wünsche allen schon einmal einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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SandraR
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Re:

von SandraR (31.12.2010, 12:13)
Theoretisch allerdings theoretisch, ist das Photographieren in der Metro verboten, von Brücken und von Flughafenanlagen, sowie natürlich von überdimensionierten Satelitenschüsseln:)!

Allerdings, theoretisch auf dem Papier:) du kannst die Metro photographieren soviel du lustig bist, niemand wird was dazu sagen. Lediglich bei den Satelliten könnte es anders aussehen (aber die bekommst du als Tourist ohnehin nicht zu Gesichte), aber da würde man dir einfach die Fotos löschen. Alles andere steht zwar irgendwo geschrieben, aber interessiert keine Sau. Wenn Du die Fotos hast kannst du sie auch veröffentlichen so einfach ist das.

Schreibst Du über lebende Personen so ist immer die Frage, was schreibst Du und wie, und steht da, dass Du Dir was zusammen gereimt hast oder nicht. Solange es den Künstler oder die Erben nicht beleidigt sondern eher Schmeichelhaft ist, sehe ich weniger ein Problem.

Es gibt in diesem Sinne keine Zensur, außer derjenigen die Du selber vorgibst und Anstand sowie Moral.

Nicht alles was Wahr ist gehört veröffentlicht und vieles was veröffentlicht wird, ist von Anfang klar als FAK erkennbar:). Die Grenzen muss dein inneres ICH ziehen, finde ich.
http://russland-buecher.ru und http://twitter.com/russlandbuecher und bei Facebook, XING und Brainguide Sandra Ravioli

Tagesstern

Re:

von Tagesstern (31.12.2010, 12:31)
Nehmen wir an, nur theoretisch, wirklich nur theoretisch. Ich schreibe einen Thriller mit dem Titel: "Der Mörder mit dem Pilzkopf".

Es ist ein ganz normaler Thriller, wo jemand umgebracht wird und ein Zeuge sagt aus, er hat den Mörder gesehen, konnte aber nur einen Kopf von der Seite im Dunkeln erkennen. Es war eindeutig ein Pilzkopf und es muss einer der Beatles gewesen sein. Schon werden John, Paul, George und Ringo verdächtigt, doch wer von denen war der Mörder? In der ganzen Geschichte geht es darum, um einen der vier Personen zu überführen und am Ende stellt sich raus, der Mörder war ein Fan, der eine Perücke trug.

So, die Geschichte habe ich eben beim Schreiben erfunden und wehe, jemand macht daraus einen Besteller. ;)

Dürfte ich so eine Geschichte schreiben?

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (31.12.2010, 13:21)
Tagesstern hat geschrieben:
Dürfte ich so eine Geschichte schreiben?


Warum denn nicht?

Wenn du in deiner Geschichte behauptest, der Mörder habe im Profil ausgesehen wie einer der Beatles, dann ist das doch in Ordnung. Ob es sinnvoll ist, die Beatles als Personen in einen Mordfall zu verstricken, kann nur der Plot beantworten. Anders herum wäre das hingegen durchaus denkbar. Man stelle sich vor, die Romanhauptfigur ist ein Bekannter von Mark Chapman und erfährt, dass dieser plant, John Lennon zu ermorden - was er aber nicht verhindern kann. Da hast du Lennon als Figur in einem Roman und kannst gar nicht auf ihn verzichten (die Frage ist allerdings, ob diese Idee für einen Buchplot ausreicht. Das ist aber immer das Problem bei der Bewertung einer Idee. Eine Idee reicht für eine Szene, aber selten für ein Buch).

Schau dir mal eines der erfolgreichsten Bücher der letzten Jahre an: Dan Browns "Sakrileg (The Da Vinci Code)". Da wird im Buch der Katholischen Kirche als real existierende Institution eine Mördersekte (die real existierende "Opus dei") angehängt. Klar war die Katholische Kirche darüber nicht gerade erfreut, aber so lange es als Fiktion erkennbar ist ...

Im Genre des Politthrillers treten häufig Personen der Zeitgeschichte auf. Da agieren Churchill, Himmler, Rommel, Stalin, de Gaulle quer durch etliche Romane. Ich glaube nicht, dass die Familien vorher gefragt wurden.

Bei der Erzählung über den Tennisverein ist die Sicht ausschlaggebend. Ist es ein Buch aus Sicht eines realen oder fiktiven Erzählers, der seine Erlebnisse in diesem Tennisverein wiedergibt, dann sind das Meinungen und Empfindungen dieses Erzählers. Ist das Buch als Sachbuch über den Tennisverein gedacht, sollte man mit dem Verein sprechen (Richymuc hat da seine eigenen Erfahrungen mit seinem "Kreuzfahrtflüsterer" und der betroffenen Reederei).

Sachbücher über Personen sind ein Thema für sich. Hier ist extreme Recherche mit einer Vielzahl an Quellenangaben erforderlich, wenn das Buch Qualität haben und Anerkennung erfahren soll. Ansonsten driftet so ein Buch sehr schnell in Richtung "Fan Fiction", "Meinungsmachwerk" oder pure "Unterhaltungsliteratur" ab.

Fotos unterliegen immer einer gesonderten Regelung. Da gab es hier schon ellenlange Diskussionen um das "Recht am eigenen Bild" und dem "erwirtschafteten Gewinn durch Nutzung eines Abbildes eines Bauwerkes" - denn es gibt Einschränkungen bei der kommerziellen Nutzung von Bildern bestimmter Bauwerke.

Grüße
Siegfried
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Adriatic
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Re:

von Adriatic (31.12.2010, 13:35)
In einem anderen Thread http://www.bod.de/autorenpool/gesetzte- ... rt,30.html kam die Frage auf, inwieweit man reale Namen von Firmen, Geschäften etc. verwenden kann. Darauf gab es bisher noch keine so richtig nützliche Antwort.

Adriatic hat geschrieben:
ricochet hat geschrieben:
sofie hat geschrieben:
Des weiteren kommt in meinem Roman eine Stradbar in St. Peter-Ording vor. Ich habe gesehen das es dort tatsächlich eine Strandbar gibt. Könnte ich da Probleme bekommen?


Auf keinen Fall, wenn deine Bar einen anderen Namen trägt.

LG

rico


Ist eine Bar, ein Restaurant, ein Hotel, ein Geschäft keine öffentlich zugängliche Einrichtung, die auch namentlich genannt werden darf?

Zumindest, wenn sie lediglich der Beschreibung der Handlung dient und keine Wertung?

Zum Beispiel:

"Lila Lockenkopf setzte sich an den Tisch der Bar Esmeralda und schaute hinaus auf das Meer."

Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das folgende problematisch wäre:
"Lila Lockenkopf setzte sich auf die traumhafte Terrasse der Bar Esmeralda und trank eine heiße Schokolade mit Sahne, für die die Bar weit über die Grenzen St. Peter Ordings bekannt war."

Richtig problematisch wäre:
"Lila Lockenkopf setzte sich auf den schmuddeligen, unbequemen Stuhl der schäbigen Bar Esmeralda. Die Mülltonnen versperrten ihr die Sicht auf das Meer. Es stank nach Urin und die unfreundliche, ungepflegte Kellnerin servierte ihr ein verschimmeltes Stück Kuchen."

Also Beispiel 1+2 unbedenklich???
Coccobello (Roman) - Eine Reise in einem alten VW-Bus durch die Toskana

Adria-Express (Roman) - Eine Reise mit der Bahn durch Italien

Autoreninformation:
www.gerritfischer.de

Tagesstern

Re:

von Tagesstern (31.12.2010, 14:41)
Danke für eure Antworten. Scheint wohl alles nicht so einfach zu sein, aber jeder Beitrag hilft mir weiter!

Frieda^^
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Re:

von Frieda^^ (25.01.2011, 21:09)
ich dneke orte städte und weit gebäude dürfen durchaus genannt werden, bei positiven bewertungen wird dir wahrschienlich niemand das leben schwer machen, aber wenn du eine handlung innerhalb einer bar hast würde es sich empfehlen einen namen zu erfinden.
klar kannnst du in deiner geschichte auch sagen:
ich setzte mich an den Tisch im Mc Donalds und genoss meine kalorienhaltige Fast- Fodd- Mahlzeit.

ich denke Mc Donalds muss einfach damit rechnen genannt zu werden.
falls du eine wertende handlung schreibst kann es natürlich auch so sein:
Ich ging am empire state building vorbei und betrachtete voller mitleid und abscheu die überquellenden mülltonnen und den abfall auf dem gehsteig.
so das war jetzt wertend, aber das empire state building wurde nciht direkt bewertet, nur der müll davor.
zusammenfassend:
bei kleineren unbekannten einrichtungen ist es am besten den Namen zu erfinden
ansonsten wertungen vermeiden wenn du dir unsicher bist
und der rest:
wofür gibt es verlage und lektoren?

hoffe das hilft ein wenig
Frieda^^
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Einfache Zeichen, aneinander gereiht, mit Tinte auf Papier geschrieben.
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (26.01.2011, 00:05)
Frieda^^ hat geschrieben:
ich denke Mc Donalds muss einfach damit rechnen genannt zu werden.
falls du eine wertende handlung schreibst kann es natürlich auch so sein:
Ich ging am empire state building vorbei und betrachtete voller mitleid und abscheu die überquellenden mülltonnen und den abfall auf dem gehsteig.
so das war jetzt wertend, aber das empire state building wurde nciht direkt bewertet, nur der müll davor.
zusammenfassend:
bei kleineren unbekannten einrichtungen ist es am besten den Namen zu erfinden
ansonsten wertungen vermeiden wenn du dir unsicher bist
und der rest:
wofür gibt es verlage und lektoren?


Faszinierend, wie groß die Angst ist, einen real existierenden Produktnamen in seinem Text zu nennen ... cheezygrin

Ich habe einen Autor gefragt, der im kommenden Sommer seinen 7. Roman bei Aufbau/Eichborn herausbringt, und der hat mir dazu Folgendes geantwortet:

Markennamen dürfen benutzt werden. Produkte und damit ihre Bezeichnungen sind Alltagsgegenstände, also allgemeines Kulturgut. Man sollte lediglich damit vorsichtig sein, diese Produkte dann auch (vor allem negativ) zu bewerten, aber selbst "Veltins schmeckt mir wie gekühlte Hühnerbrühe" ist zulässig.


Ich verstehe das so:
Die Nennung von Produktnamen in belletristischen Texten ist generell problemlos.
Eine negative Aussage zu einem Produkt kann zu Konflikten führen, wenn sie als allgemeingültig verstanden werden kann.
Figuren in belletristischen Texten können sich beliebig über Produkte äußern, wenn es deren persönliche Meinung ist und daraus keine Allgemeingültigkeit abgeleitet werden kann.

Frage:
Ist schon mal irgendein Autor zur Rechenschaft gezogen worden, weil
a) der Mörder im Roman vorzugsweise mit einer 9mm Beretta killt?
b) der Soldat in einem Kriegsroman sein Colt M16 Schnellfeuergewehr verflucht, weil es gerade wieder Ladehemmung hat?
c) ein Familienvater in einem Roman verzweifelt und laut fluchend auf die Motorhaube seines Mercedes 190 eindrischt, weil auf der Fahrt in den Urlaub zum dritten Mal der Motor verreckt ist?

Kennt jemand so einen Fall?

Grüße
Siegfried
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hawepe
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Re:

von hawepe (26.01.2011, 07:42)
Hallo Siegfried,

Siegfried hat geschrieben:
Faszinierend, wie groß die Angst ist, einen real existierenden Produktnamen in seinem Text zu nennen ... cheezygrin


Ich denke, das hängt auch damit zusammen, dass für Freizeitautoren Produktnamen und reale Örtlichkeiten eine sehr viel größere Rolle spielen als für Berufsautoren.

Die Nennung von Produktnamen in belletristischen Texten ist generell problemlos.
Eine negative Aussage zu einem Produkt kann zu Konflikten führen, wenn sie als allgemeingültig verstanden werden kann.
Figuren in belletristischen Texten können sich beliebig über Produkte äußern, wenn es deren persönliche Meinung ist und daraus keine Allgemeingültigkeit abgeleitet werden kann.


Ja, bloß eigentlich ist es egal, ob dem Protagonisten ein Veltins oder ein ganz beliebiges Bier wie Hühnerbrühe schmeckt. In den Werken von Freizeitautoren stehen die Markennamen oder Namen für Örtlichkeiten aber häufig als Ersatz für Emotionen.

Sowohl im Autorenpool als auch in anderen Autorenforen gibt es immer wieder Diskussionen, dass ein Buch für den Leser verliere, wenn diese Namen nicht verwendet werden dürften. Natürlich ist es leichter, beim Leser auf bestimmte von der Werbung vorbereitete Assoziationen zurückgreifen zu können als diese Assoziationen durch eigene Schilderungen erst entstehen lassen zu müssen.

Damit nehmen solche Fragen für diese Autoren natürlich einen viel zentraleren Raum ein.

Frage:
Ist schon mal irgendein Autor zur Rechenschaft gezogen worden, weil
a) der Mörder im Roman vorzugsweise mit einer 9mm Beretta killt?
b) der Soldat in einem Kriegsroman sein Colt M16 Schnellfeuergewehr verflucht, weil es gerade wieder Ladehemmung hat?
c) ein Familienvater in einem Roman verzweifelt und laut fluchend auf die Motorhaube seines Mercedes 190 eindrischt, weil auf der Fahrt in den Urlaub zum dritten Mal der Motor verreckt ist?

Kennt jemand so einen Fall?


Nicht kennen heißt aber nicht, dass es sie nicht gibt.

Der Hersteller der C***-Kochfelder geht z.B. sehr rigoros gegen jeden vor, der seinen Markennamen für die Bewerbung eigener Produkte (geeignet auch für C***) verwendet. Als Autor würde ich diesen Namen als besser nicht verwenden.

Oder ein Fahrradhersteller mahnte letztes Jahr zahlreiche Händler ab, weil sie mit seinem Namen für seine Produkte geworben hatten. Absurd? Möglich, aber eben doch real.

Als book on demand veröffentlichender Autor hat man leider keinen Verlag hinter sich, der dann hoffentlich einspringt, sondern muss sich mit solchen Unternehmen selbst auseinandersetzen.

Beste Grüße

Heinz

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (26.01.2011, 12:32)
hawepe hat geschrieben:
Ja, bloß eigentlich ist es egal, ob dem Protagonisten ein Veltins oder ein ganz beliebiges Bier wie Hühnerbrühe schmeckt. In den Werken von Freizeitautoren stehen die Markennamen oder Namen für Örtlichkeiten aber häufig als Ersatz für Emotionen.

Sowohl im Autorenpool als auch in anderen Autorenforen gibt es immer wieder Diskussionen, dass ein Buch für den Leser verliere, wenn diese Namen nicht verwendet werden dürften. Natürlich ist es leichter, beim Leser auf bestimmte von der Werbung vorbereitete Assoziationen zurückgreifen zu können als diese Assoziationen durch eigene Schilderungen erst entstehen lassen zu müssen.

Damit nehmen solche Fragen für diese Autoren natürlich einen viel zentraleren Raum ein.


Da bewegen wir uns in der Diskussion vom rein rechtlichen Charakter der Frage weg und hin zu einer stilistischen Frage: Ist die Nennung von realen Produktnamen von Vorteil für die Geschichte?

Ich kann mich an eine Story erinnern, wo es während der Vorbereitung für einen Überfall heißt:

"Wir brauchen einen möglichst schnellen Wagen. Einen Audi S8. Der hat ordentlich Power. Außerdem ein spezielles Nitro-Einspritzsystem. Und größere Einspritzdüsen. Die von Bosch bringen es nicht. Wir brauchen Spezialanfertigungen."

Bis heute ist das der heftigste Satz, der mir bekannt ist, wenn es um die Nennung von Produktnamen geht.

Was bewirkt die Nennung der Produktnamen? Und wie wirkt der Satz, wenn die Produktnamen weggelassen werden?

"Wir brauchen einen möglichst schnellen Wagen. Einen Wagen, der ordentlich Power hat. Außerdem ein spezielles Nitro-Einspritzsystem. Und größere Einspritzdüsen. Die normalen bringen es nicht. Wir brauchen Spezialanfertigungen."

Irgendwie funktioniert der Dialog nicht mehr. Die Sache mit den größeren Einspritzdüsen hängt völlig in der Luft, weil der Wagentyp nicht bekannt ist.

Die Nennung von Produktnamen trägt aber auch zur Charakterisierung einer Person oder eines Ortes bei, etwa bei der Beschreibung eines Tatortes. Es ist ein Unterschied, ob auf dem Tisch eine Tageszeitung (nur allgemein genannt) oder die "FAZ", die "Süddeutsche" oder die "Neue Zürcher" liegt (alternativ eine bekannte Boulevard-Zeitung wie "Bild", die "Hamburger Morgenpost" oder der Kölner "Express").

Das Gleiche gilt für Getränke. Steht "nur" Scotch auf dem Tisch oder eine bestimmte Marke?

Oder bei Waffen. Wird "nur" eine Pistole bei einem Bankraub eingesetzt
oder eine "Glock 18" (halb-/vollautomatische Pistole mit 33 Schuss im Magazin)?

Liegt eine Packung Zigaretten auf dem Teppich oder "Marlboro" bzw. "Davidoff" oder gar "Treasurer" (20 Zigaretten für 22 Euro)?

Es ist sicher richtig, bei der Nennung eines Produktnamens immer die Bedeutung für die Geschichte im Kopf zu behalten. Aber eine halbwegs vernünftige Geschichte so ganz ohne Produktnamen ... stell ich mir ausgesprochen schwierig vor.

Grüße
Siegfried
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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (26.01.2011, 13:37)
In meinem Roman gibt es: Die Zeitschrift Cosmopolitan, Marlboro, den Tabak Schwarzer Krauser, einen Mercedes 600, einen Mazda MX5, einen Porsche und einen Opel Fiesta. Bis jetzt bleiben die Klagen aus. Vielleicht werde ich jetzt ergoogelt. Dann schreibe ich Euch aus Stuttgart Stammheim wie das so war, mit der Klage.
cool1
Gruß
Thomas

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ricochet
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Re:

von ricochet (26.01.2011, 14:01)
[quote="Siegfried"
Was bewirkt die Nennung der Produktnamen? Und wie wirkt der Satz, wenn die Produktnamen weggelassen werden?

"Wir brauchen einen möglichst schnellen Wagen. Einen Wagen, der ordentlich Power hat. Außerdem ein spezielles Nitro-Einspritzsystem. Und größere Einspritzdüsen. Die normalen bringen es nicht. Wir brauchen Spezialanfertigungen."

Irgendwie funktioniert der Dialog nicht mehr. Die Sache mit den größeren Einspritzdüsen hängt völlig in der Luft, weil der Wagentyp nicht bekannt ist.

Die Nennung von Produktnamen trägt aber auch zur Charakterisierung einer Person oder eines Ortes bei, etwa bei der Beschreibung eines Tatortes. Es ist ein Unterschied, ob auf dem Tisch eine Tageszeitung (nur allgemein genannt) oder die "FAZ", die "Süddeutsche" oder die "Neue Zürcher" liegt (alternativ eine bekannte Boulevard-Zeitung wie "Bild", die "Hamburger Morgenpost" oder der Kölner "Express").

Das Gleiche gilt für Getränke. Steht "nur" Scotch auf dem Tisch oder eine bestimmte Marke?

Oder bei Waffen. Wird "nur" eine Pistole bei einem Bankraub eingesetzt
oder eine "Glock 18" (halb-/vollautomatische Pistole mit 33 Schuss im Magazin)?

Liegt eine Packung Zigaretten auf dem Teppich oder "Marlboro" bzw. "Davidoff" oder gar "Treasurer" (20 Zigaretten für 22 Euro)?

Es ist sicher richtig, bei der Nennung eines Produktnamens immer die Bedeutung für die Geschichte im Kopf zu behalten. Aber eine halbwegs vernünftige Geschichte so ganz ohne Produktnamen ... stell ich mir ausgesprochen schwierig vor.

Grüße
Siegfried[/quote]

Aus stilistischer Sicht ist die konkrete Info (z.B. Cola) der abstrakten (z.B. Limonade) immer vorzuziehen.

LG

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Re:

von Thomas Becks (26.01.2011, 14:03)
Das Ganze erinnert mich an die beiden Frauen, deren Männer Wehrpflichtige sind.
»Mein Mann ist am Wochenende GVD.«
»Was ist das?«
»Gefreiter vom Dienst«, flüstert die erste.
»Na und?«
»Hoffentlich fängt der kein Krieg an.«

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Re:

von ricochet (26.01.2011, 14:05)
Zu dem Thema folgender interessanter, brandaktueller Link: book:

http://www.buecher.at/show_content.php? ... il_id=3744

Die Sache wird heftig und kein Sturm im Wasserglas, Thomas. :wink:

LG

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Re:

von Thomas Becks (26.01.2011, 15:19)
hawepe hat geschrieben:
Der Hersteller der C***-Kochfelder geht z.B. sehr rigoros gegen jeden vor, der seinen Markennamen für die Bewerbung eigener Produkte (geeignet auch für C***) verwendet. Als Autor würde ich diesen Namen als besser nicht verwenden.

Oder ein Fahrradhersteller mahnte letztes Jahr zahlreiche Händler ab, weil sie mit seinem Namen für seine Produkte geworben hatten. Absurd? Möglich, aber eben doch real.

Hallo Heinz,
das sind aber jetzt unpassende Beispiele, finde ich.
Wenn in den alten Filmen aus den 60er Jahren eine Flasche Doornkaat auf dem Tisch stand, war das Schleichwerbung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Produkthersteller böse ist, seine Produkte in etlichen Medien wieder zu finden, ohne dafür bezahlen zu müssen. Anders wäre es, wenn ein Produkt zum Thema gemacht werden würde. Mein Orácoli, z.B., dürfte natürlich nicht Mirácoli heißen.
Gruß
Thomas

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