Eigentlich ist es pervers

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Richymuc
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Eigentlich ist es pervers

von Richymuc (13.01.2011, 22:59)
Hallo,


seit ein paar Tagen geht mir etwas nicht aus dem Kopf.
Und jetzt nach ein paar Gläsern Wein ist es wieder da, das komische Gefühl.

Normal erarbeite ich mir mein Geld, aber mit folgendem Beispiel bin ich etwas durcheinander und finde es irgendwie nicht in Ordnung.
Jetzt muss ich ein wenig ausholen.
So um das Jahr 1999 habe ich mir eine massive Eisenkiste zusammengeschweißt. Oben einen Schlitz rein, wie ein großes Sparschwein.
Die war so 40x40x40cm.

Mein Vorsatz war es die Kiste nach 10 Jahren zu öffnen, dafür sollte ein ganz schöner Urlaub rausspringen.
Täglich habe ich das Kleingeld vom Geldbeutel reingeworfen, wer will schon eine Beule am Hintern haben. Ab und zu ein Teil vom Weihnachtsgeld, oder Scheine die übrig waren.

Kurz nach Weihnachten 2009 habe ich die Kiste geschlachtet. Es waren noch jede Menge Mark und auch Euros drin.
Gerechnet habe ich mit ca. 6000 Euro in den 10 Jahren, eigentlich dumm, da es dafür keine Zinsen gab.

Unterm Strich waren es knappe 25.000 Euro.
Mir gingen viele Pläne durch den Kopf, eigentlich wollte ich schon immer ein Wohnmobil.
Genau ein Wohnmobil!
Gebraucht das genügt.
Drei Wohnmobile habe iich mir angesehen, ein Wohnmobil war in der engeren Auswahl. Wenig Kilometer, sehr gepflegt.
Eine Nacht vor dem Kauf fing es im Hirn zu rattern an.
Eigentlich fehlt mir die Zeit für ein Wohnmobil.
Versicherung, Wertverlust usw.
Den Kauf habe ich abgeblasen.

Genau zu der Zeit ging mein PC kaputt. also musste ein Neuer her.
Zu dieser Zeit lag mein Buch gerade im Endstadium.
Das Cover musste ich ja auch noch machen.
Also rein in den Media Markt und schauen was es so gibt.

Ein Verkäufer hat mir mehr oder weniger einen Apple Computer angedreht. Teuer aber gut. Ich dachte, den muss ich für mein Buchcover haben.
Im Frühjahr 2009 ist mein Buch fertig geworden.

Was tun mit dem übrigen Geld aus der Kiste?
Ich hatte bereits ein Aktiendepot, dort hingen mehr oder weniger ein paar Aktien rum. 2009 war ja die große Krise.
Meine Eon, Mc Donalds, Bayer usw. waren alle schwer angeschlagen.
Eine böses Minus war davor.
Aber es waren alles gute Werte mit guter Substanz.

Irgendwie war ich von meinem Apple Teil sehr begeistert.
Also begann ich mich für Apple zu interessieren. ein Beitrag in der Zeitung vom Zahnarzt hat den Ausschlag gegeben. Apple hat Zukunft!

Also habe ich genau 400 Apple Aktien, zu damals 54 euro das Stück gekauft. Das waren eine Stange Geld. 21600 Euro.

Der Plan war, egal was kommt die Aktien wieder in 10 Jahren anzusehen.
Aber es ist alles anders gekommen, iphone, ipad haben den Kurs in die Höhe getrieben.

Heute steht der Kurs bei 259 Euro das Stück mal 400 ergibt 103600 Euro.
Eigentlich ist es ja schön, aber ich habe damit Probleme.
Aber einfach so 82.000 Euro Gewinn ohne ein Stück Arbeit, damit habe ich Probleme.
Ich habe nichts dafür getan.
Bisher habe ich mir immer alles verdient.
Dazu kommt noch, dass meine alten kranken anderen Aktien auch wieder alle gesund sind.

Irgenwie finde ich das pervers. Das Wohnmobil wäre jetzt sicher wieder 2000 Euro weniger wert.

Jetzt habe ich ein Stop gesetzt, falls es zu einem großen Crash kommt, werden die Aktien bei 220 Euro automatisch verkauft.

In einem Forum habe iich gelesen, in Paraguay lebt man mit 1000 Euro wie ein kleiner Fürst. 500 Euro gehen auch, mit 1000 Euro ist bestens bedient.

Also könnte ich für die 82.000 Euro Gewinn rund 6 Jahre in Paraguay leben wie die Made im Speck, ohne etwas dafür geleistet zu haben.
Eine Köchin wäre auch noch dabei.
Ist doch komisch oder?

Ich lebe jetzt auch nicht schlecht und bin auch nicht gegen Geld abgeneigt, aber so ohne eigene Leistung finde ich es sehr suspekt.
Irgendwie nagt das an meinem Gewissen.
Vielen Leuten geht es so schlecht und bei mir kommt es einfach so.

Es ist mir auch klar, dass es in eine andere Richtung gehen hätte können und alles wäre jetzt iel weniger, aber so war es halt nicht.

Klar ich könnte davon etwas spenden, aber das liegt mir auch nicht so ganz, wobei ich eh schon alle Gewinne aus den Buchverkäufen spende, was auch nicht unbedingt wenig ist.

Vielleicht gehe ich einfach etwas früher in Rente.

Nein ich erwarte jetzt keine Antworten, ich wollte es einfach nur mal loswerden, vielleicht liegt es ja nur an den paar Gläsern Wein und morgen freue ich mich wieder darüber.

Nur so nachgedacht
Gruß Richard

Sofern Tippfehler vorhanden sind, -was leicht möglich ist, so schiebe ich es einfach auf den Wein.

gute Nacht.
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Feindschaftsbuch ISBN 978-3-8370-9803-7
Das erotische Freundschaftsbuch ISBN 978-3-8391-0037-0
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Michael-L.
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Re:

von Michael-L. (13.01.2011, 23:24)
Da ich eine Altersversorgung selber erfolgreich an der Börse angelegt habe, kann ich dir nur gratulieren. Ich denke mir, ich hätte das Geld auch verlieren können und es steht mir deswegen zu.
Firmen brauchen die Kapitalmärkte um sich frische Mittel zu beschaffen. Ich würde mir da keine Gedanken machen. Falls es dein Gewissen beruhigt, kannst du das Geld auch in ihrgendwelche Ökofonds investieren.

Gruß aus Frankfurt

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sasi
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Re:

von sasi (13.01.2011, 23:40)
Hallo,

falls du noch da sein solltest, möchte ich nur ganz vorsichtig anfragen, ob du morgen auch noch so offen schreiben würdest, ohne den Wein?

Nicht weil ich hier irgendwas kritisieren möchte, sondern nur um dich vielleicht!! zu schützen?

Du bist ja recht öffentlich zu finden und das hier ist ein öffenltiches Forum, wo fast jeder mitlesen kann.

Ich kann deine Gedanken aber verstehen.

LG
Sasi

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Siegfried
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Re: Eigentlich ist es pervers

von Siegfried (14.01.2011, 01:03)
Richymuc hat geschrieben:
Heute steht der Kurs bei 259 Euro das Stück mal 400 ergibt 103600 Euro.
Eigentlich ist es ja schön, aber ich habe damit Probleme.
Aber einfach so 82.000 Euro Gewinn ohne ein Stück Arbeit, damit habe ich Probleme.
Ich habe nichts dafür getan.


Deine Gewissensbisse kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Du hast dir etwas gekauft, was zu einem bestimmten Zeitpunkt jemand anderes nicht mehr haben wollte und der mit dem gezahlten Preis einverstanden war.

Wo ist das Problem?

Jetzt sind andere so interessiert an den Dingern, die du dir damals gekauft hast, dass sie dir einen sehr, sehr guten Preis dafür bieten. Du zwingst sie ja nicht, den fünffachen Preis dafür zu zahlen. Sie machen es freiwillig.

Wo ist das Problem?

Du zwingst niemanden, du schädigst niemanden, du ziehst niemanden über den Tisch. Denn nirgendwo gilt das Prinzip von "Angebot und Nachfrage regeln den Preis" so sehr wie an der Börse.

Gewissensbisse lohnen sich erst, wenn du von anderen Geld einsammelst, um das dann angeblich gewinnbringend anzulegen. Da arbeitest du mit Versprechungen, auf die andere vertrauen.

Irgendwie ist das typisch deutsch: Wer Erfolg hat, schämt sich.

Blödsinn, sage ich. Freu dich, dass es geklappt hat. Und dann mach mit dem Geld was Vernünftiges.

Grüße
Siegfried
(der in 10 Jahren an der Börse seine Kohle für das eigene Haus zusammenspekuliert hat)
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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (14.01.2011, 01:10)
Rich(ymuc) and more,
so fing das bei mir auch an.
Keep cool.

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Sven Heinzig
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Re:

von Sven Heinzig (14.01.2011, 06:51)
Hallo,

an deiner Stelle würde ich mir keinen Kopf machen. Was du getan hast ist legitim und nichts unanständiges. Eine gewisse "Kopfarbeit" hast du ja auch vollbracht, den entscheidenen Schritt in die richtige Sache zu investieren.

Wenn dir das Geld so schwer auf der Momentseele liegt, dann leg es doch fürs Alter an oder mache irgendwas verrücktes, was man sich sonst nie leisten könnte.

Oder lass es liegen und ärgere dich weiter über dein Glück und Können dozey:.

Ehrlich verdient, auf einem Markt, der schon genug Leute geschrofft hat. Freuen und wie gesagt, deine Chance etwas zutun, was du sonst nie machen hättest können. Keine Ahnung: Eine Kreuzfahrtdampfer für dich allein.... cheezygrin.

Mach dir keinen Kopp!

LG Sven

Richymuc
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Re:

von Richymuc (14.01.2011, 06:56)
Guten Morgen, wo kommt nur dieser Brummschädel her?

Danke für die Meinungen.

Siegfried Du hast Recht, über den Tisch habe ich niemanden gezogen.
Es wurde niemand geschädigt.
Ein ganzes Haus mit der Börse?
Da muss ich noch ein wenig üben. Gratuliere!

Nennen wir es einfach ein gutes Geschäft, die Banken machen ja auch nichts anderes und verdienen nur mit Geld ihren Unterhalt.

Man kann es auch in Kreuzfahrten umrechnen, dann sieht die Sache schon wieder besser aus.
a 4000 Euro ergibt 25 schöne Kreuzfahrten.

So und jetzt gehe ich wieder meiner richtigen Arbeit nach. cheezygrin

6.54 Uhr es wird Zeit.

Danke für die aufbauenden Worte, heute sieht die Sache schon wieder besser aus.
Ein Mann hat halt auch mal so seine "Tage"

Grüße Richard
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Der Satirische Kreuzfahrt-Flüsterer ISBN 978-3-8370-9816-7

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Adriatic
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Re:

von Adriatic (14.01.2011, 07:12)
Ich bin bestürzt, Richy, ich konnte ja nicht ahnen, wie schlimm es um dich steht. Wo du doch immer so einen lebenslustigen Eindruck machst, und nun sowas. cheezygrin

Müsste ich die Welt neu erfinden, dann käme die Börse darin nicht vor. Aber das sprengt hier den Rahmen.

Schlechtes Gewissen? Ungutes Gefühl? Um Himmels Willen. Du hast lediglich dein selbst erarbeitetes Geld risikoreich eingesetzt und einen schönen Gewinn erhalten. Der Ursprung bleibt dein erarbeitetes Geld.

Heutzutage, wo die Generation Erben oft genug ohne nennenswerte eigene Gegenleistung für die Gesellschaft über großes Vermögen verfügt, ist das Problem nicht Richard, der im Gesamtkontext ein paar Cent gut gemacht hat. Was auch immer du arbeitest, ich gehe davon aus, dass du, so wie wir dich hier kennen, doch eher "gut für die Welt" bist. Dein Buch, deine Beiträge hier, das ist ein schönes, angenehmes, erfreuliches Miteinander und füreinander.

Also schmeiße dich nicht mit Profiteuren der Börse in einen Topf, deren eingesetzte Gelder aus der Ausbeutung anderer Menschen, Tiere oder der Natur entstanden sind oder die überhaupt nichts für die Erwirtschaftung der eingesetzten Gelder getan haben. Und bei denen geht es nicht um fünfstellige Beträge. Da gehts um zig Millionen und das finde ich traurig.

Mein ganz persönlicher Rat: Genieße vorhandene finanzielle Mittel bei aller Achtsamkeit bzgl. der Altersvorsorge vor allem im Hier und Jetzt. Leider gibt es viel zu viele, denen die Gelegenheit genommen wurde, das Leben zu genießen, bevor sie damit anfangen konnten.

Also lass die Aktien nicht 10 Jahre liegen... - tue etwas für Dich!!!
Coccobello (Roman) - Eine Reise in einem alten VW-Bus durch die Toskana

Adria-Express (Roman) - Eine Reise mit der Bahn durch Italien

Autoreninformation:
www.gerritfischer.de

Klaus D. Klimke

Re:

von Klaus D. Klimke (14.01.2011, 07:57)
Ich frage mich immer, warum gesunde Unternehmen an die Börse gehen, sich in Aktiengesellschaften verwandeln, deren einziger zukünftiger Zweck dann darin besteht, Gewinnmaximierung für wenige andere (Aktionäre) zu betreiben, also das Extreme zu bedienen, statt für Gleichmäßigkeit zu sorgen. Irgendwie gleicht das einem schleichenden Selbstmord, der am Ende immer zu einem Massenmord mutiert. Scheinbar sind wir Menschen darin jedoch unbelehrbar, denn wir tun es immer wieder. Irgendetwas scheint da im Kindesalter nicht geklappt zu haben, mit den Spiegelneuronen. Denn manche Menschen scheinen sich nur noch dann zu spüren, wenn sie wieder und wieder auf die heiße Herdplatte fassen. Vielleicht haben einige ja schon eine solch dicke Hornhaut entwickelt, dass sie gar nichts mehr spüren. Aber stinken tut das gewaltig.
Börse: Die „Großen“ fressen die „Kleinen“. Die „ganz Großen“ fressen die „Großen“, bis schließlich die „ganz Großen“ so fett sind, dass sie platzen. Zurück bleibt eine riesige Sauerei, die die „ganz Kleinen“ dann aufwischen müssen. Dann beginnt das Spiel erneut - und glaube bitte niemand, dass auch nur irgendwer daraus gelernt hat, geschweige denn, einer der ehemals „ganz Großen“ selbst einen Feudel in die Hand nimmt.
Zukunftsvision:
Im Jahr 5001 n.Chr. schreibt ein Mensch, nach dem Genuss einer Flasche Sauerstoffs, folgenden Spruch auf die Wand seines 2x2-Meter großen Wohn-Containers:
„Kapitalisten, Großkapitalisten, Aktionäre, Banker waren damals die fleischfressenden Saurier dieser Welt. Irgendwann sind jedoch auch sie, wie vor langer Zeit die wirklichen Saurier, mittels eines selbst verursachten großen Knalles, ausgestorben.“
Wer’s glaubt …

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (14.01.2011, 12:47)
Klaus D. Klimke hat geschrieben:
Ich frage mich immer, warum gesunde Unternehmen an die Börse gehen, sich in Aktiengesellschaften verwandeln


Eigentlich ist die Frage ganz einfach zu beantworten:

Nehmen wir an, du gründest ein Unternehmen (etwa eine GmbH), das in den folgenden Jahren recht profitabel arbeitet. Nach zehn oder fünfzehn Jahren hat sich das Eigenkapital des Unternehmens auf 800.000 Euro erhöht. Nun gibt es Investitionsbedarf, etwa weil die Produktionstechnologie sich gewandelt hat, weil das Unternehmen neue Produkte herstellen will, weil die Konkurrenz inzwischen schneller und günstiger produziert. Dazu ist eine neue Produktionshalle und eine neue Produktionsstraße notwendig. Eine Investition von 2 Millionen Euro. Woher nimmt das Unternehmen das Geld?

Sparen? Das dürfte viele Jahre dauern, bis das Unternehmen die 2 Millionen zusammen hat.

Banken? Die tippen sich kaltlächelnd an die Stirn. Bei einem Eigenkapital von 800.000 Euro finanziert keine Bank einen Kredit von 2 Millionen.

Neue Gesellschafter in die GmbH aufnehmen gegen Einlage der 2 Millionen? Damit ist man längste Zeit sein eigener Chef gewesen und wird vermutlich in absehbarer Zeit aus dem Unternehmen gekegelt.

Was bleibt dem Unternehmen für ein Weg? Man müsste sich ganz viele Geldgeber suchen, die bereit sind, sich mit einem bestimmten Kapital am Unternehmen zu beteiligen. Das geht nur über die Form der Aktiengesellschaft.

Aus den 800.000 Euro Eigenkapital werden 800.000 Aktien, von denen die Hälfte verkauft werden soll - der Rest bleibt beim ursprünglichen Unternehmer, weil der ja das Sagen in seinem Laden behalten will. Das Unternehmen erwirtschaftet derzeit etwa 350.000 Euro Gewinn. Auf 800.000 Aktien macht das gut 0,43 Euro je Aktie. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12 (das ist in etwa der Durchschnitt in Deutschland) ergibt das einen Aktienwert von 5,16 Euro. Bei 400.000 Aktien macht das für das Unternehmen eine Einlage von über 2 Mio Euro. Das Eigenkapital wächst, die Finanzierung der neuen Produktionshalle ist damit gesichert.

Und die Aktionäre?

Jeder Aktionär hat sich pro Aktie mit 5,13 Euro am Unternehmen beteiligt. Dafür bekommt er seinen Gewinnanteil. Liegt der Gewinn unverändert bei 350.000 Euro, bekommt er 0,43 Euro. Das sind über 8,3% Verzinsung. Liegt der Gewinn höher, bekommt er mehr; liegt der Gewinn niedriger, bekommt er weniger. Das ist aber das unternehmerische Risiko.

Dies ist der Grund - zumindest einer -, warum Unternehmen sich in eine Aktiengesellschaft umwandeln: Weil sie Geld brauchen, um zu investieren.

Grüße
Siegfried
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Richymuc
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Re:

von Richymuc (14.01.2011, 13:27)
Hallo Siegfried,

das war jetzt sehr gut erklärt.

Klar gibt es auch Haie auf dem Finanzmarkt wenn es um Geld geht.
Und getrickst wird natürlich auch.

Am Bankschalter wird Dir immer das Produkt empfohlen, womit die Bank den meisten Gewinn macht.
Wer heute noch meint, die Bank ist mein Freud und will nur gutes tun, der ist gewaltig auf dem Holzweg.
Geld ist Ware und die muss auch für den höchsten Preis verkauft werden.

Tragisch ist es immer wenn eine Börsennotierte Firma mitteilt, dass 1000 Leute entlassen werden, am nächsten Tag steigt oft der Aktienkurs.
So ist es halt in der freien Marktwirtschaft.
Es ist nicht immer gerecht, aber wenn man in andere Länder sieht, kann man feststellen, dass es sich immer noch sehr gut in Deutschland leben lässt.

@ Gerrit- Adriatic

Vorhin ist Dein Buch geliefert worden.
Von außen sieht es schon mal ganz gut aus.
Freue mich auf den Inhalt.
Wird mein Gute Nacht Buch, aber meistens schlafe ich schon nach
5 Minuten ein, das hat aber nichts mit Deinem Buch zu tun. cheezygrin

Gruß vom Richard
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Der Satirische Kreuzfahrt-Flüsterer ISBN 978-3-8370-9816-7

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Nitram
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Re: Eigentlich ist es pervers

von Nitram (14.01.2011, 14:36)
Richymuc hat geschrieben:

Heute steht der Kurs bei 259 Euro das Stück mal 400 ergibt 103600 Euro.
Eigentlich ist es ja schön, aber ich habe damit Probleme.
Aber einfach so 82.000 Euro Gewinn ohne ein Stück Arbeit, damit habe ich Probleme.
Ich habe nichts dafür getan.


Hallo Richard,
ich bin glatt versucht zu sagen: "Deine Sorgen möchte ich auch mal haben". cheezygrin

Aber okay, dich beschäftigt es, also reden wir darüber. cool1

Ich behaupte, dass du hier einem elementaren Denkfehler unterliegst.
Du schreibst: "Ich habe nichts dafür getan".
Ich behaupte: Das stimmt nicht.
Du hast Überlegungen angestellt, wie du dein Geld am besten anlegen kannst und sodann nach Abwägung aller Perspektiven eine strategische Entscheidung getroffen.
(dass du dich rein aus dem Bauch heraus für Apple entschieden hast, glaube ich dir jetzt mal nicht angle: )

Diese Vorgangsweise hat die erhoffte Wertschöpfung gebracht.
Wenn das "Nichts" wäre, müsste sich jeder Investment-Berater vor Gewissensbissen winden, die machen nämlich auch nichts anderes als aufgrund Ihrer Einschätzung (auf Ausbildung und Erfahrung beruhend) dem Kunden Anlageempfehlungen auszusprechen.
Und die kassieren jede Menge Kohle dafür.

Du kannst natürlich auch sagen: "Es war einfach Glück".
Okay, dann war es eben das Glück des Tüchtigen und du hast es dir ebenfalls verdient.
Wenn ich im Casino 1000 Euro auf Rot setze und es kommt, habe ich auch keine Gewissensbisse. cheezygrin
Das war eben Glück.

Welche Erklärung für dich persönlich die bessere ist, musst du selbst entscheiden.

Beste Grüße
Nitram

PS: Falls dich die Last des Mammons allzusehr drückt, und du dein Geld loswerden willst, kann ich dir gerne meine Kontonummer für allfällige Überweisungen geben... cheezygrin
Tu felix Austria - die andere Seite der Alpenrepublik - zweite Auflage
ISBN 978-3-8391-0512-2
HP: www.robert-brettschneider.com
Video: http://www.youtube.com/user/RobertBrettschneider

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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (14.01.2011, 14:40)
Siegfried hat geschrieben:
Klaus D. Klimke hat geschrieben:
Ich frage mich immer, warum gesunde Unternehmen an die Börse gehen, sich in Aktiengesellschaften verwandeln


Eigentlich ist die Frage ganz einfach zu beantworten:

Nehmen wir an, du gründest ein Unternehmen (etwa eine GmbH), das in den folgenden Jahren recht profitabel arbeitet. Nach zehn oder fünfzehn Jahren hat sich das Eigenkapital des Unternehmens auf 800.000 Euro erhöht. Nun gibt es Investitionsbedarf, etwa weil die Produktionstechnologie sich gewandelt hat, weil das Unternehmen neue Produkte herstellen will, weil die Konkurrenz inzwischen schneller und günstiger produziert. Dazu ist eine neue Produktionshalle und eine neue Produktionsstraße notwendig. Eine Investition von 2 Millionen Euro. Woher nimmt das Unternehmen das Geld?

Sparen? Das dürfte viele Jahre dauern, bis das Unternehmen die 2 Millionen zusammen hat.

Banken? Die tippen sich kaltlächelnd an die Stirn. Bei einem Eigenkapital von 800.000 Euro finanziert keine Bank einen Kredit von 2 Millionen.

Neue Gesellschafter in die GmbH aufnehmen gegen Einlage der 2 Millionen? Damit ist man längste Zeit sein eigener Chef gewesen und wird vermutlich in absehbarer Zeit aus dem Unternehmen gekegelt.

Was bleibt dem Unternehmen für ein Weg? Man müsste sich ganz viele Geldgeber suchen, die bereit sind, sich mit einem bestimmten Kapital am Unternehmen zu beteiligen. Das geht nur über die Form der Aktiengesellschaft.

Aus den 800.000 Euro Eigenkapital werden 800.000 Aktien, von denen die Hälfte verkauft werden soll - der Rest bleibt beim ursprünglichen Unternehmer, weil der ja das Sagen in seinem Laden behalten will. Das Unternehmen erwirtschaftet derzeit etwa 350.000 Euro Gewinn. Auf 800.000 Aktien macht das gut 0,43 Euro je Aktie. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12 (das ist in etwa der Durchschnitt in Deutschland) ergibt das einen Aktienwert von 5,16 Euro. Bei 400.000 Aktien macht das für das Unternehmen eine Einlage von über 2 Mio Euro. Das Eigenkapital wächst, die Finanzierung der neuen Produktionshalle ist damit gesichert.

Und die Aktionäre?

Jeder Aktionär hat sich pro Aktie mit 5,13 Euro am Unternehmen beteiligt. Dafür bekommt er seinen Gewinnanteil. Liegt der Gewinn unverändert bei 350.000 Euro, bekommt er 0,43 Euro. Das sind über 8,3% Verzinsung. Liegt der Gewinn höher, bekommt er mehr; liegt der Gewinn niedriger, bekommt er weniger. Das ist aber das unternehmerische Risiko.

Dies ist der Grund - zumindest einer -, warum Unternehmen sich in eine Aktiengesellschaft umwandeln: Weil sie Geld brauchen, um zu investieren.

UND DANN KOMMEN DIE ZOCKER!
:twisted: :twisted: :twisted: :twisted: :twisted: :twisted: :twisted: :twisted:
Ein Gerücht geht um. Die neuerworbenen Maschinen der Firma Kaputnik taugen in der Wurzel nix. Leerverkäufer drücken den Kurs von 5,13 auf 0,84 Euro ... Har, har har ... Doch dann!! Kaputnik muss 20.000.000 Euro Schadenersatz zahlen. Oh verflucht! Die Leerverkäufer haben sich noch nicht eingedeckt ... Der Kurs zieht hoch bis 11,46 Euro.
Lieschen Müller liest die Zeitung, ihr Mann Hubert spült.
"Hör Dir das mal an Hubert ..."
Gruß
Thomas

Klaus D. Klimke

Re:

von Klaus D. Klimke (14.01.2011, 15:17)
Tatsache ist, dass sich das, was da an den Finanzmärkten, Börsen etc. gehandelt wird, zwar Aktie nennt, aber eigentlich Mensch heißt. Aktienhandel ist also nichts anderes als Menschenhandel, man könnte auch moderne Sklaverei dazu sagen. Aktien und imaginäre Geldscheine lassen sich ja auch besser stapeln, als tausende Arbeitslose und unterbezahlte Arbeitskräfte*, derer man sich ja, je nach Bedarf, bedienen kann; die überlässt man in der Zwischenzeit lieber den staatlichen sozialen Auffangstationen und Suppenküchen, die sie* dann auch noch selbst bezahlen dürfen, abgesehen von einigen Spenden, die letztendlich auch noch von der Steuer abgesetzt werden können. Wie praktisch.
Politik für den Bürger zu machen, ist heute zu lästiger Pflicht verkommen, der man sich, soweit es irgend geht, entledigt. Die politische Kür besteht heute in der Willkür. Sie adelt, und berechtigt, nach Beendigung der politischen Laufbahn, zum Aufstieg in die gehobene Klasse derer, für die der Mensch (die Aktie) nur Mittel zum Zweck ist.

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (14.01.2011, 15:21)
Thomas Becks hat geschrieben:
UND DANN KOMMEN DIE ZOCKER!
:twisted: :twisted: :twisted: :twisted: :twisted: :twisted: :twisted: :twisted:
Ein Gerücht geht um. Die neuerworbenen Maschinen der Firma Kaputnik taugen in der Wurzel nix. Leerverkäufer drücken den Kurs von 5,13 auf 0,84 Euro ... Har, har har ... Doch dann!! Kaputnik muss 20.000.000 Euro Schadenersatz zahlen. Oh verflucht! Die Leerverkäufer haben sich noch nicht eingedeckt ... Der Kurs zieht hoch bis 11,46 Euro.
Lieschen Müller liest die Zeitung, ihr Mann Hubert spült.
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Gruß
Thomas


So einen habe ich auch! cheezygrin



Meldung der "On Demand Financial News", 14.01.2011:

Deutscher Verlag kämpft gegen 'Heuschrecken'

Ein höchst erfolgreicher deutscher Verlag mit innovativen Ideen und weltweitem Erfolg ist zum Übernahmeobjekt von interational agierenden Investoren geworden.

Die "Thomas-Beck-Verlag GmbH" gilt als aufstrebendes Unternehmen im Büchermarkt. Bekannt geworden ist der TBV, wie der Verlag sich abkürzt, durch intensive Förderung unbekannter Autorinnen und Autoren, die vom Verlag oftmals aus laufenden On-Demand-Verträgen herausgekauft wurden. Eine ganze Reihe dieser Autoren haben es inzwischen zu internationalem Ruhm gebracht und diverse anerkannte Literaturpreise eingeheimst. Drei Romane des Thomas-Beck-Verlags sollen in den Jahren 2012 bis 2014 verfilmt werden. Angeblich seien die Filmrechte vom Inhaber des Unternehmens im Paket für 5 Millionen US-Dollar an Hollywood verkauft worden. Weitere Optionen im Gesamtwert von bis zu 10 Millionen US-Dollar bestehen zusätzlich.
Der Verlag geriet jüngst in die Schlagzeilen, als eine Klagewelle gegen ihn anlief, da angeblich mehrere Bücher als Plagiate enttarnt worden seien und andere Werke gegen das Urheberrecht verstoßen sollen. Seitens der Firmenleitung hält man sich hier bedeckt. Allerdingst sickerte aus gut unterrichteten Quellen durch, dass der TBV Rückstellungen bilden musste, die das Unternehmen in der Existenz gefährden. Fachjournalisten aus Großbritannien meldeten in dem Zusammenhang, ein Konsortium von international agierenden Investoren unter der Leitung eines bekannten Medien-Moduls treiben den Thomas-Beck-Verlag in einen finanziellen Engpass, um die GmbH günstig übernehmen zu können.
Derzeit sucht die Thomas-Beck-Verlag GmbH nach einem "weißen Ritter", der das Unternehmen vor einer feindlichen Übernahme schützen soll. Hier werden vor allem Finanziers aus Russland genannt.


You see ... Solche Kämpfe um Unternehmen sind nicht immer mit Aktien verbunden ... cheezygrin

Gr
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