Oh, du schwieriges Deutsch!

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Siegfried
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Oh, du schwieriges Deutsch!

von Siegfried (23.01.2011, 01:25)
In der Online-Ausgabe der "Financial Times Deutschland" fand ich folgende Zeile:

FTD hat geschrieben:
Dies hatte das Management und die ihm freundlich gesonnenen Aktionäre mit Verweis auf mögliche Interessenskonflikte jedoch stets abgelehnt.


Gestolpert bin ich über das "gesonnen" - und begann zu grübeln.

Zum Teufel, heißt das wirklich "freundlich gesonnen"? Oder nicht doch "freundlich gesinnt"?

Ist jemand einem anderen gegenüber "wohl gesonnen" oder doch eher "übel gesinnt"?

Oder hängt das gar vom Tempus ab: "Ich bin ihm wohl gesinnt" ... "ich war ihm übel gesonnen"?

Tja ... inzwischen weiß ich es ... und ihr? cheezygrin

Grüße
Siegfried
(Auflösung kommt später)
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chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (23.01.2011, 08:37)
... "wohlgesonnen" ist grundsätzlich falsch, unabhängig vom Tempus.


Es gibt nur "wohlgesinnt".

... aber eigentlich ist es wurscht, ob es falsch ist. Im Alltagssprachgebrauch sagt man "wohlgesonnen".

Irgendwann wird's dann auch offiziell so anerkannt werden. Ist nur eine Frage der Zeit.


EDIT: Schlechtschreibung
Zuletzt geändert von chnuppesaager am 23.01.2011, 09:41, insgesamt 1-mal geändert.

Jens D.

Re:

von Jens D. (23.01.2011, 09:13)
Ich würde wohlgesonnen schreiben - weil es besser klingt und für meine Leser nicht befremdlich klingt.

Ebeso würde ich schreiben : "Sie hat abgewunken" und nicht "Sie hat abgewinkt". cheezygrin cheezygrin cheezygrin

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (23.01.2011, 09:30)
Jo, ich täte mich auch schwer, "wohlgesinnt" zu schreiben, obwohl ich ja weiß, dass es an sich richtig ist ...

An so etwas sieht man halt, dass Sprache nur eine Konvention ist - als richtig gilt, was von der Mehrheit der Menschen als richtig empfunden wird.

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buchselstabe
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Re:

von buchselstabe (23.01.2011, 09:39)
Eigentlich heißt es wohlgesinnt.
Aber ich würde mich wohl auch dabei erwischen, wie ich beim Schreiben der umgangssprachlichen Form wohlgesonnen bin. cheezygrin
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mtg
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Re:

von mtg (23.01.2011, 09:42)
Sachliche Lösungsidee auf Basis der deutschen Grammatik:

Es handelt sich bei »wohlgesinnt« um ein Adjektiv. Die Form »wohlgesonnen« gäbe es nur, wenn es sich hier um ein Verb handelte. Dann müsste das Verb allerdings »wohlsinnen« heißen - und das gibt es nicht.

Im Gegensatz dazu kann ich einen Text »ersinnen« ... dann habe ich ihn »ersonnen«.

Sprache ist eine Konvention? Seit wann? Oder vielleicht nur ein Angebot zur versuchsweisen Kommunikation? Das würde meiner Meinung nach bald zu einer babylonischen Sprachverwirrung führen.

Und: Die Befindlichkeit der Leser ist ein schlechter Maßstab für richtige Grammatik. Wenn das so wäre, müssten sich auch Lehrer in der Vermittlung des Schulstoffs den Schülern anpassen. Und dann dauerte es nicht mehr lange, bis 98% der Zielgruppe »Grammatik« für eine Gewichtsangabe halten ...

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (23.01.2011, 09:53)
mtg hat geschrieben:
Sprache ist eine Konvention? Seit wann? Oder vielleicht nur ein Angebot zur versuchsweisen Kommunikation? Das würde meiner Meinung nach bald zu einer babylonischen Sprachverwirrung führen.

Und: Die Befindlichkeit der Leser ist ein schlechter Maßstab für richtige Grammatik. Wenn das so wäre, müssten sich auch Lehrer in der Vermittlung des Schulstoffs den Schülern anpassen. Und dann dauerte es nicht mehr lange, bis 98% der Zielgruppe »Grammatik« für eine Gewichtsangabe halten ...



Naja, ich würd mal sagen, unsere Vorfahren haben sich mal vor langer Zeit drauf "geeinigt", einen Baum "Baum" zu nennen. Das ist mMn schon eine Konvention.

Ja, und zum Schulstoff. Der Begriff "Handy" ist auch falsch, so falsch geht's doch gar nicht, dennoch wird's benützt, ist halt eine Konvention, etwas wird offiziell als richtig deklariert, obwohl es doch falsch ist.

Man hat sich halt drauf geeinigt.

Die Befindlichkeit der Leute ist schon wichtig. Oder würdest Du heute schreiben:

Der Bäcker buk ein Brot?




Greetz

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (23.01.2011, 09:53)
Genau so ist es, lieber Matthias.
Wohlgesinnt! (ich habe das nun abgenucken :twisted: )

Schönen, besinnlichen Sonntag

haifischfrau
NEU: Die Baumwollfarmerin. Roman

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (23.01.2011, 10:02)
mtg hat geschrieben:
Sachliche Lösungsidee auf Basis der deutschen Grammatik:

Es handelt sich bei »wohlgesinnt« um ein Adjektiv. Die Form »wohlgesonnen« gäbe es nur, wenn es sich hier um ein Verb handelte. Dann müsste das Verb allerdings »wohlsinnen« heißen - und das gibt es nicht.



ja, genau - völlig korrekt.

Nützt aber gar nix, solange die meisten Leute eben "wohlgesonnen" als richtig empfinden.

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mtg
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Re:

von mtg (23.01.2011, 10:03)
chnuppesaager hat geschrieben:
Die Befindlichkeit der Leute ist schon wichtig. Oder würdest Du heute schreiben:

Der Bäcker buk ein Brot?


Ficht es Dich an, wenn man Sprache kennt und benutzt? Frugst Du Dich nicht manchmal, warum das Allgemeinwissen immer geringer wird? Was ist so schändlich daran, Kultur nicht dem Vergessen anheim zu stellen?

Wenn es nach Deiner Grundhaltung (und der weniger anderer Poolmitglieder) geht, müsste in etwa 10-15 Jahren die so genannte »Kanaksprak« also Grundlage der deutschen Sprache sein. Na, herzlichen Glückwunsch! Dann müssen wir dieses Forum nicht weiterführen, denn dann wird es mit dem Lesen vorbei sein - und ergo auch mit dem Schreiben.

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mtg
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Re:

von mtg (23.01.2011, 10:07)
chnuppesaager hat geschrieben:
Nützt aber gar nix, solange die meisten Leute eben "wohlgesonnen" als richtig empfinden.

Damit sind wir wieder bei der »Fliegen & Exkremente«-Argumentation angelangt (dass angeblich nicht falsch kann, was mehrheitlich getan wird). Und das ist bekanntermaßen keine relevante Basis.

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (23.01.2011, 10:16)
Moooment, mtg.

Du tust mir hier Unrecht.

Meine Grundhaltung ist dieselbe wie Deine, oder was glaubste, warum ich über dieses "wohlgesinnt" Bescheid wusste? Weil mir Sprache gleichgültig ist? Ich versuche nur, die Entwicklung der Sprache realistisch zu betrachten, das ist alles.

... und dass Formen wie "buk" nicht mehr benützt werden, kannst du nicht bestreiten. Das ist auch eine Verarmung, das ist klar.

Aber wie kann man die Tendenz zur Vereinfachung aufhalten?

Jetzt mal realistisch betrachtet: Wie soll das gehen?

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (23.01.2011, 10:19)
mtg hat geschrieben:
chnuppesaager hat geschrieben:
Nützt aber gar nix, solange die meisten Leute eben "wohlgesonnen" als richtig empfinden.

Damit sind wir wieder bei der »Fliegen & Exkremente«-Argumentation angelangt (dass angeblich nicht falsch kann, was mehrheitlich getan wird). Und das ist bekanntermaßen keine relevante Basis.


Ähm, sorry.

Benutzt DU z.B: die Form "buk"?

Nein?

Klaus D. Klimke

Re:

von Klaus D. Klimke (23.01.2011, 10:22)
chnuppesaager hat geschrieben:

Aber wie kann man die Tendenz zur Vereinfachung aufhalten?

Jetzt mal realistisch betrachtet: Wie soll das gehen?


Indem korrekt gelehrt und auch angewendet wird. Besonders von denen, die schreiben und veröffentlichen.

„Der Bäcker backte das Brot an die Windschutzscheibe.“

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mtg
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Re:

von mtg (23.01.2011, 10:33)
mtg hat geschrieben:
Ficht es Dich an, wenn man Sprache kennt und benutzt? Frugst Du Dich nicht manchmal, warum das Allgemeinwissen immer geringer wird? Was ist so schändlich daran, Kultur nicht dem Vergessen anheim zu stellen.

Ich habe Dir hier noch einige Angebote mehr als nur »buk« gemacht. Die Tatsache, dass etwas nicht mehr verwendet wird, heißt nicht automatisch, dass es falsch ist. Vereinfachung hin oder her ... gerade im Wissen um die korrekte Sprache zeichnet sich doch deren Reichhaltigkeit aus!

chnuppesaager hat geschrieben:
Meine Grundhaltung ist dieselbe wie Deine, oder was glaubste, warum ich über dieses "wohlgesinnt" Bescheid wusste? Weil mir Sprache gleichgültig ist? Ich versuche nur, die Entwicklung der Sprache realistisch zu betrachten, das ist alles.

Das kommt aber nicht so deutlich 'rüber ... vielmehr lese ich in Deinen Zeilen, dass Du Dich damit abgefunden zu haben scheinst, dass es Kameraden gibt, die aktiv an der Verarmung der Sprache mitwirken und Du das hinnimmst ...

(@ Jens D.: Das ist kein »Dauernörgeln«, sondern eine subjektive Empfindung.)

Klaus D. Klimke hat geschrieben:
Indem korrekt gelehrt und auch angewendet wird. Besonders von denen, die schreiben und veröffentlichen.

Klaus bringt es hier auf den Punkt: Gerade, wer schreibt, hat eine Verantwortung der Sprache gegenüber. Natürlich kann man auch sehr bewusst in einer veränderten Sprache schreiben ... dann allerdings sollte man die Sprache als »Ausgangsmaterial« korrekt beherrschen. Und dazu gehört, dass man auch die Grammatik benutzt und zur Grundlage seines Schreibens macht.

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