Kapitalismus oder Leistungsgesellschaft

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wgbajohr
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Kapitalismus oder Leistungsgesellschaft

von wgbajohr (06.02.2011, 19:50)
Titel: Kapitalismus oder Leistungsgesellschaft
Autor: Wolf-Gero Bajohr

Verlag: BoD
ISBN: 978-3-8423-4269-9
Seiten: 92
Preis: 6,90 Euro

Der Autor über das Buch:

Erkenne deine Feinde!
Das ist häufig leichter gesagt als getan. Auf ein markantes Beispiel stoßen wir, wenn wir Menschen, die ins soziale Abseits gedrängt wurden und nun von Sozialhilfe leben müssen, fragen, wen sie für ihr Los verantwortlich machen, dann lautet die Antwort fast immer Kapitalismus oder Leistungsgesellschaft oder sogar beides.
Wie gerechtfertigt sind derartige Vorwürfe? Sind es möglicherweise nur Versuche, sich selbst der Verantwortung zu entziehen?
Das Buch »Kapitalismus oder Leistungsgesellschaft« setzt sich mit dieser Frage auseinander und entdeckt dabei einige Besonderheiten, die verbreiteten Meinungen widersprechen.

Klappentext:

Wer ohne Vermögen ist und überdies keinen Arbeitsplatz besitzt, der ihm so viel einbringt, dass er davon seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, muss sich von der Gesellschaft unterstützen lassen. Unabhängig davon, warum er keiner ausreichend bezahlten Berufstätigkeit nachgehen kann, muss er sich vorhalten lassen, er sei ein Schmarotzer und lasse es sich in der "sozialen Hängematte" gut gehen. Wie es in dem Betroffenen aussieht, scheint niemanden zu interessieren. Gefragt, welche Umstände ihn in diese unschöne Lage gebracht haben, nennt er den Kapitalismus oder die Leistungsgesellschaft oder beide.
Sind derartige Aussagen völlig aus der Luft gegriffen, oder beschreiben sie die Realität? Wer schadet dem kleinen Mann mehr, eine auf dem Kapital basierende Gesellschaft oder eine Leistungsgesellschaft?

Inhalt:

Leseprobe:

Kapital und Leistung
Wir fragen, was wohl besser sei, Kapitalismus oder die Leistungsgesellschaft. Diese Art der Fragen gehört zu den unsinnigsten Fragen, wenn uns weder der Zweck noch der Nutznießer bekannt sind. Wir werden feststellen, dass es etliche Antworten auf die oben erwähnte Frage gibt, doch keine von ihnen kann für sich Objektivität reklamieren.
Eine subjektive Antwort erhalten wir von verärgerten Sozialhilfeempfängern. Glauben wir ihnen, sind die auf Kapital und auf Leistung beruhenden Gesellschaften dafür verantwortlich, dass sie ins finanzielle Abseits gedrängt werden. Befürworter der beiden Gesellschaften sehen das jedoch völlig anders. Beide erklären uns, dass es die von ihnen bevorzugte Gesellschaftsform nicht sein könne, da sie doch noch gar nicht existiere. Die vielen Eingriffe der Regierung verhinderten, dass es zu einer kapitalistischen Gesellschaft kommen könne. Und das Unvermögen, die Leistung eines Menschen objektiv zu messen, verhindere andererseits eine Leistungsgesellschaft.
So mancher ist völlig überzeugt davon, dass Statistiken nur dann ernst genommen werden könnten, wenn man sie selbst erstellt hat. Sogar dann, wenn es nicht ganz so negativ gesehen wird, bleibt die Überzeugung, dass keine Statistik die Wahrheit widerspiegele. Als Beispiel sei auf die Statistiken hingewiesen, die über Arbeitslose und über freie Arbeitsplätze informieren sollen. Nachdem Tausende von Mitarbeitern entlassen wurden, werden Arbeitsplätze angekündigt, allerdings erst einige Zeit später. Aus keiner Statistik geht jedoch hervor, von welcher Qualität die alten Arbeitsplätze waren und wie gut Arbeitskräfte und ihre Arbeitsplätze harmonierten, wie groß also letztlich die zu erwartende Leistung gewesen wäre. Übliche Statistiken vermengen Äpfel und Birnen, woraus wir schließen, dass Leistung keine Rolle zu spielen scheint. In einem Vergleich mit Autos könnten wir sagen, dass drei neue Rolls-Royce durch drei gebrauchte Trabis ersetzt werden.
Arbeitslose sind verpflichtet, nahezu jeden Arbeitsplatz anzunehmen, was deutlich zeigt, dass der Qualität einer Arbeit keine Bedeutung beigemessen wird. Vielleicht ist noch dazu zu sagen, dass Zwang selten ein guter Ratgeber ist.
Kapitalismus und Leistungsgesellschaft sind die beiden Gegensätze, zwischen denen wir wählen sollen. Wie sich nachweisen lässt, können wir nicht beide Möglichkeiten zur gleichen Zeit haben, was sicherlich einige in Erstaunen versetzen wird. Es ist jedoch, wie es ist: Je mehr wir uns dem Kapitalismus nähern, desto mehr entfernen wir uns von der Leistungsgesellschaft.
Während Befürworter des Kapitalismus gegen jeden regelnden Eingriff sind, weil er nach ihrer Überzeugung wirtschaftliche Transaktionen verhindert, wehren sich die Befürworter der Leistungsgesellschaft gegen Eingriffe, die der Gesamtleistung abträglich sind.
Für die Vertreter der Leistungsgesellschaft ist das Ideal dann erreicht wenn jeder Arbeitsfähige einen Arbeitsplatz erhält, der nicht nur seinem Können entspricht, sondern auch seinen Neigungen, denn das würde zu einem hohen Leistungsstand führen. Soziale Gerechtigkeit ist ohne eine funktionierende Leistungsgesellschaft undenkbar.
Die Vertreter des Kapitals sehen ihr Ideal darin, dass jede Einmischung der Gesellschaft unterbleibt. Was nichts anderes bedeutet, als dass die Großkapitalisten von jeder Rücksichtnahme entbunden werden. Wird einem kleinen Arbeitnehmer ein Arbeitsplatz angeboten, ist er nahezu immer verpflichtet, ihn anzunehmen, ob er dafür geeignet ist oder nicht, ob der Arbeitsplatz am Wohnort ist oder in einer anderen Stadt.
Wer allerdings, wie ich es bin, daran interessiert ist, das Leistungsmaximum anzustreben, kommt fraglos zu einem anderen Ergebnis, weil nämlich so manches die Leistung herabsetzt, woran wir gar nicht denken: Der Arbeitsplatz an einem anderen Ort und in einem fremden Beruf wird vom Kapitalismus in Kauf genommen, weil er die Anzahl der Transaktionen erhöht. Für eine Leistungsgesellschaft ist das jedoch ein unübersehbares Minus. Wer auf einem Arbeitsplatz sitzt, der weder seinem Können noch seinen Neigungen entspricht, erbringt keine Höchstleistung.
Im Kapitalismus werden auf unterer Ebene attraktive Arbeitsplätze vernichtet und durch Maschinen oder durch Arbeitsplätze ersetzt, die von der jeweiligen Arbeitskraft keine nennenswerten Fähigkeiten erfordern. Denn jeder der noch vorhandenen Arbeitsplätze soll nach Möglichkeit mit einer einfachen Arbeitskraft besetzt werden. Ob der Mitarbeiter seine Kenntnisse einbringen kann und dabei so viel verdient, dass er davon seinen Lebensunterhalt und gegebenenfalls den seiner Familie bestreiten kann, ist für den Kapitalismus irrelevant. Reicht ein Job nicht, hat sich der Arbeitnehmer um einen zweiten oder sogar um einen dritten Job zu bemühen.
Das Gegenstück ist die Leistungsgesellschaft mit mehr Gerechtigkeit. Im Idealfall ist jeder Arbeitsplatz mit dem geeignetsten Arbeitnehmer besetzt, jeder Arbeitnehmer findet den für ihn geeignetsten Arbeitsplatz. Je höher die Gesamtleistung, desto besser ist es für die Gesellschaft.
Werfen wir noch einen Blick auf das Kapital. Zunächst verhält es sich wie ein Mitarbeiter, der für geleistete Arbeit ein Gehalt bezieht. Der nächste Schritt wiegt um einiges schwerer: Im Vergleich zum Kapital ist der Arbeitnehmer eindeutiger Verlierer, denn das Kapital ist weder an einen Ort noch an eine bestimmte Zeit gebunden. Da jedoch der übliche Arbeitnehmer nicht so flexibel ist, liegt sein Wert offenbar unter dem des Kapitals. Für einen überzeugten Kapitalisten entspricht genau das der Wahrheit. Für das Kapital scheint es gar keinen Grund zu geben, sich an die Bedürfnisse des Menschen anzupassen, vielmehr sind die Menschen gezwungen, die größere Flexibilität des Geldes anzustreben.
Zu den Voraussetzungen für erfolgreiche Kapitalisten gehört außer der unverzichtbaren Gier in etlichen Formen eine weitere Eigenschaft, über die zwar kaum gesprochen wird, die wir jedoch stillschweigend unterstellen. Diese Eigenschaft liegt im zwischenmenschlichen Bereich und bezieht sich darauf, was geschieht, wenn ein guter Mensch auf einen rücksichtslosen Menschen trifft. Den Sachverhalt extrem stark vereinfachend, können wir behaupten, dass zwischen Menschen guten Willens und Rücksichtslosen eine Asymmetrie besteht; dabei werden die Guten fraglos benachteiligt. Wer für gewöhnlich ziemlich rücksichtslos gegen andere vorgeht, wird versuchen, jeden möglichen Vorteil für sich zu nutzen. Der Saldo zeigt dann, dass es zwar einige Verluste gibt, aber auch etliche Gewinne. Der Gute geht allerdings anders vor. Hat er Gelegenheit, einen Vorteil zu nutzen, wodurch einem anderen ein Nachteil entstünde, verzichtet er auf diesen Vorteil. Er nimmt nur die Möglichkeiten wahr, die voraussichtlich niemandem schaden. Das Ergebnis ist, dass ihm insbesondere Gewinne fehlen, sodass die Verluste deutlich überwiegen. Ohne die Bereitschaft, seinen Vorteil auch dann zu nutzen, wenn er für andere von Nachteil ist, wird wohl niemand zu einem erfolgreichen Kapitalisten.
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Etwas beeinflussen zu können heißt, dafür verantwortlich zu sein
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Klaus D. Klimke

Re:

von Klaus D. Klimke (07.02.2011, 12:33)
Hallo Wolf-Gero,

herzliche Gratulation zur Neuerscheinung. Eine interessante Gegenüberstellung.
Wie Che Guevara sagte: "Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche."

Gruß von
Klaus

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (07.02.2011, 13:06)
Auch von mir herzlichen Glückwunsch, lieber Wolf-Gero, zu diesem interessanten Buch. Du hast - im wahrsten Sinne des Wortes - etwas geleistet, während wir dich hier vermisst haben. Ich wünsche dir viel Erfolg und dem Buch eine große Leserschaft.

Haifischfrau
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Anke Höhl-Kayser
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Re:

von Anke Höhl-Kayser (07.02.2011, 14:14)
Ich schließe mich den Glückwunschen an und wünsche ganz viel Erfolg! Ein interessanter Titel und Klappentext, der das Thema facettenreich zu beleuchten verspricht! thumbbup

LG, Anke

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wgbajohr
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Re:

von wgbajohr (07.02.2011, 14:39)
Klaus D. Klimke hat geschrieben:
Hallo Wolf-Gero,

herzliche Gratulation zur Neuerscheinung. Eine interessante Gegenüberstellung.
Wie Che Guevara sagte: "Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche."

Gruß von
Klaus



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Hallo Klaus!

Danke für Deinen Kommentar und die Gratulation. Che Guevara war kein Dummkopf, also behalten wir im Hinterkopf, was er sagte.

Gruß von Wolf-Gero
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wgbajohr
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Re:

von wgbajohr (07.02.2011, 14:47)
Haifischfrau hat geschrieben:
Auch von mir herzlichen Glückwunsch, lieber Wolf-Gero, zu diesem interessanten Buch. Du hast - im wahrsten Sinne des Wortes - etwas geleistet, während wir dich hier vermisst haben. Ich wünsche dir viel Erfolg und dem Buch eine große Leserschaft.

Haifischfrau



Liebe Haifischfrau!

Herzlichen Dank für Deine guten Wünsche.
Hoffen wir einmal, dass irgendwo ein guter Geist ausreichend Einfluss hat, auf dass mein Buch viel gelesen wird!

Viele Grüße
Wolf-Gero
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wgbajohr
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Re:

von wgbajohr (07.02.2011, 14:52)
Anke Höhl-Kayser hat geschrieben:
Ich schließe mich den Glückwunschen an und wünsche ganz viel Erfolg! Ein interessanter Titel und Klappentext, der das Thema facettenreich zu beleuchten verspricht! thumbbup

LG, Anke



Hallo Anke!

Vielen Dank für die guten Wünsche.

Ich hoffe, Deine Wünsche finden einflussreiche Ohren!

LG Wolf-Gero
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Walter Roeder
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Re:

von Walter Roeder (07.02.2011, 15:16)
Grossen Glückwunsch, Wolf-Gero!
Die Zusammenhänge zwischen Kapitalismus,
Leistungsgesellschaft und Gerechtigkeit sind
mit Sicherheit interessant. Ich wünsche Dir
explodierende Verkaufszahlen!

Viele Grüsse
Walter

__________________________
Das Grundgesetz der Gesundheit
( Autor / Kurzbeschreibung / Libri )

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wgbajohr
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Re:

von wgbajohr (07.02.2011, 16:02)
Walter Roeder hat geschrieben:
Grossen Glückwunsch, Wolf-Gero!
Die Zusammenhänge zwischen Kapitalismus,
Leistungsgesellschaft und Gerechtigkeit sind
mit Sicherheit interessant. Ich wünsche Dir
explodierende Verkaufszahlen!

Viele Grüsse
Walter
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Hallo Walter!

Vielen Dank für Deine Glückwünsche.
Mögen die guten Wünsche auf bereitwillige und einflussreiche Ohren treffen.

Viele Grüße
Wolf-Gero
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SandraR
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Re:

von SandraR (07.02.2011, 16:10)
Hallo Gero, toll wieder mal von Dir zu hören! Schicke Dir PN thumbbup
http://russland-buecher.ru und http://twitter.com/russlandbuecher und bei Facebook, XING und Brainguide Sandra Ravioli

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wgbajohr
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Re:

von wgbajohr (07.02.2011, 16:27)
SandraR hat geschrieben:
Hallo Gero, toll wieder mal von Dir zu hören! Schicke Dir PN thumbbup



Hallo Sandra!
Schicke Dir ebenfalls eine PN.
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Anke Höhl-Kayser
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Re:

von Anke Höhl-Kayser (07.02.2011, 16:35)
wgbajohr hat geschrieben:
Ich hoffe, Deine Wünsche finden einflussreiche Ohren!

Ich arbeite daran. cheezygrin

LG, Anke

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Re:

von wgbajohr (07.02.2011, 16:48)
Anke Höhl-Kayser hat geschrieben:
wgbajohr hat geschrieben:
Ich hoffe, Deine Wünsche finden einflussreiche Ohren!

Ich arbeite daran. cheezygrin

LG, Anke



Für diese Arbeit wünsche ich Dir natürlich viel Erfolg!

LG Wolf-Gero
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Richymuc
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Re: Kapitalismus oder Leistungsgesellschaft

von Richymuc (07.02.2011, 20:17)
wgbajohr hat geschrieben:
Zu den Voraussetzungen für erfolgreiche Kapitalisten gehört außer der unverzichtbaren Gier in etlichen Formen eine weitere Eigenschaft, über die zwar kaum gesprochen wird, die wir jedoch stillschweigend unterstellen. Diese Eigenschaft liegt im zwischenmenschlichen Bereich und bezieht sich darauf, was geschieht, wenn ein guter Mensch auf einen rücksichtslosen Menschen trifft. Den Sachverhalt extrem stark vereinfachend, können wir behaupten, dass zwischen Menschen guten Willens und Rücksichtslosen eine Asymmetrie besteht; dabei werden die Guten fraglos benachteiligt. Wer für gewöhnlich ziemlich rücksichtslos gegen andere vorgeht, wird versuchen, jeden möglichen Vorteil für sich zu nutzen. Der Saldo zeigt dann, dass es zwar einige Verluste gibt, aber auch etliche Gewinne. Der Gute geht allerdings anders vor. Hat er Gelegenheit, einen Vorteil zu nutzen, wodurch einem anderen ein Nachteil entstünde, verzichtet er auf diesen Vorteil. Er nimmt nur die Möglichkeiten wahr, die voraussichtlich niemandem schaden. Das Ergebnis ist, dass ihm insbesondere Gewinne fehlen, sodass die Verluste deutlich überwiegen. Ohne die Bereitschaft, seinen Vorteil auch dann zu nutzen, wenn er für andere von Nachteil ist, wird wohl niemand zu einem erfolgreichen Kapitalisten.


Hallo,

da wurde aber sehr stark durch die schwarz-weiß Brille gesehen.
Der mit Kapital ist immer der Böse? Oder habe ich da etwas falsch verstanden? Ab wann wird denn ein "Guter" ein Rücksichtsloser?

theoretisch ist ja bereits die Marktfrau eine Rücksichtslose, wenn sie an Ihren Birnen 10% Gewinn macht.
Nach Deiner Theorie dürfte Sie nur soviel verdienen um zu überleben.
In unserem Land steht es jedem frei, seine Situation zu ändern.

Auch mit wenig Geld und guten Ideen kann man es durchaus zu etwas bringen.Ich könnte hier zig Beispiele aufführen wo aus wenig Startkapital etwas geworden ist.
Allerdings haben alle Beispiele etwas gemeinsam, keiner dieser Menschen
hat auf sein Glück gewartet, sie haben es selbst gestartet und haben sich reingehängt und nicht um 16.30 Uhr den Bleistift fallen lassen.
Alles geht, wenn man nur wirklich will.

Ich wünsche Dir viel Erfolg mit dem Buch.

Gruß vom Richard
www.richymuc.de
Der Satirische Kreuzfahrt-Flüsterer ISBN 978-3-8370-9816-7
Feindschaftsbuch ISBN 978-3-8370-9803-7
Das erotische Freundschaftsbuch ISBN 978-3-8391-0037-0
NEU: http://www.youtube.com/watch?v=t25CNmrKaZ4

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wgbajohr
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Re: Kapitalismus oder Leistungsgesellschaft

von wgbajohr (08.02.2011, 01:50)
Richymuc hat geschrieben:
wgbajohr hat geschrieben:
Zu den Voraussetzungen für erfolgreiche Kapitalisten gehört außer der unverzichtbaren Gier in etlichen Formen eine weitere Eigenschaft, über die zwar kaum gesprochen wird, die wir jedoch stillschweigend unterstellen. Diese Eigenschaft liegt im zwischenmenschlichen Bereich und bezieht sich darauf, was geschieht, wenn ein guter Mensch auf einen rücksichtslosen Menschen trifft. Den Sachverhalt extrem stark vereinfachend, können wir behaupten, dass zwischen Menschen guten Willens und Rücksichtslosen eine Asymmetrie besteht; dabei werden die Guten fraglos benachteiligt. Wer für gewöhnlich ziemlich rücksichtslos gegen andere vorgeht, wird versuchen, jeden möglichen Vorteil für sich zu nutzen. Der Saldo zeigt dann, dass es zwar einige Verluste gibt, aber auch etliche Gewinne. Der Gute geht allerdings anders vor. Hat er Gelegenheit, einen Vorteil zu nutzen, wodurch einem anderen ein Nachteil entstünde, verzichtet er auf diesen Vorteil. Er nimmt nur die Möglichkeiten wahr, die voraussichtlich niemandem schaden. Das Ergebnis ist, dass ihm insbesondere Gewinne fehlen, sodass die Verluste deutlich überwiegen. Ohne die Bereitschaft, seinen Vorteil auch dann zu nutzen, wenn er für andere von Nachteil ist, wird wohl niemand zu einem erfolgreichen Kapitalisten.


Hallo,

da wurde aber sehr stark durch die schwarz-weiß Brille gesehen.
Der mit Kapital ist immer der Böse? Oder habe ich da etwas falsch verstanden? Ab wann wird denn ein "Guter" ein Rücksichtsloser?

theoretisch ist ja bereits die Marktfrau eine Rücksichtslose, wenn sie an Ihren Birnen 10% Gewinn macht.
Nach Deiner Theorie dürfte Sie nur soviel verdienen um zu überleben.
In unserem Land steht es jedem frei, seine Situation zu ändern.

Auch mit wenig Geld und guten Ideen kann man es durchaus zu etwas bringen.Ich könnte hier zig Beispiele aufführen wo aus wenig Startkapital etwas geworden ist.
Allerdings haben alle Beispiele etwas gemeinsam, keiner dieser Menschen
hat auf sein Glück gewartet, sie haben es selbst gestartet und haben sich reingehängt und nicht um 16.30 Uhr den Bleistift fallen lassen.
Alles geht, wenn man nur wirklich will.

Ich wünsche Dir viel Erfolg mit dem Buch.

Gruß vom Richard



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Hallo Richard!

Danke für Deinen Kommentar!

»da wurde aber sehr stark durch die schwarz-weiß Brille gesehen«

Ich kann nachvollziehen, dass es nach einem Blick durch eine Schwarz-Weiß-Brille aussieht. Die Gefahr besteht natürlich, wenn man hinter das Offensichtliche blickt. Es geht nicht um die Feinheiten kapitalistisch geprägten Handelns, sondern um grundsätzliche Unterschiede. Das Buch steht im Zusammenhang mit meinen sechs Regeln oder neuen Geboten, über die ich gerade in diesem Forum ausgiebig geschrieben habe. Wer alle sechs Regeln verinnerlicht hat und sich auch im täglichen Leben daran hält, der könnte nach meiner Definition als ein guter Mensch angesehen werden. Da diese Regeln allerdings starke Forderungen an den Menschen stellen, ist es nicht allzu erstaunlich, dass wir noch keine große Anzahl an guten Menschen haben.

» Der mit Kapital ist immer der Böse?«
Ich unterscheide zwischen Geld und Kapital. Kapital ist das Geld, das jemand einsetzen kann, um daraus Gewinne zu erzielen, ohne einen Finger gerührt zu haben. Wer sein Kapital nutzt, um andere zu übervorteilen, kann für mich nicht zu den Guten zählen.

» Auch mit wenig Geld und guten Ideen kann man es durchaus zu etwas bringen. Ich könnte hier zig Beispiele aufführen wo aus wenig Startkapital etwas geworden ist.
Allerdings haben alle Beispiele etwas gemeinsam, keiner dieser Menschen
hat auf sein Glück gewartet, sie haben es selbst gestartet und haben sich reingehängt und nicht um 16.30 Uhr den Bleistift fallen lassen.
Alles geht, wenn man nur wirklich will. «

Diese Art von Argumenten wird gern verwendet. Sie vermittelt das Bild von einem tatkräftigen Menschen, der nicht um 16.30 Uhr den Bleistift fallen lässt, sondern die Ärmel hochkrempelt.
Doch was beweist dieses Beispiel tatsächlich? – Man kann auch schon mit relativ kleinen Geldbeträgen wie ein Kapitalist handeln. Das ist jedoch unbestritten.

In meinem Buch geht es um Menschen, die im sozialen Abseits gelandet sind, aber nicht, weil sie um 16.30 Uhr den Bleistift fallen ließen, sondern weil jemand beispielsweise die mit seinem Kapital verbundene Macht nutzte, um die Produktion eines großen Unternehmens in ein Ausland zu verlagern, wo die Lohnkosten erheblich niedriger sind. Als Folge werden viele arbeitslos. Spätestens, wenn sie über fünfzig sind, gibt es keine Chance mehr, in Lohn und Brot zu kommen.

Ziel meines Bemühens ist, die kleinen Leute aufzurütteln, damit sie erkennen, dass sie nicht alles hinnehmen müssen, dass sie sehr wohl einiges bewirken könnten.

Gruß
Wolf-Gero
Die Veränderung der Welt beginnt bei jedem Einzelnen

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