Füllwörter vermeiden

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Hadley
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Füllwörter vermeiden

von Hadley (12.03.2011, 12:23)
Ich habe zwei tolle Webseiten gefunden, die einen Text auf Füllwörter untersucht. Habe gerade einen Versuch gemacht und dabei kam Folgendes raus:

Textanalyse:

Zeichen gesamt: 25318
Wörter gesamt: 4183
Füllwörter: 365 (8.73%)

Wieviel Prozent Füllwörter (Unwörter) verträgt denn ein Text?

https://www.schreiblabor.com/textlabor/filler/
http://www.philognosie.net/index.php/te ... sview/135/
mfg
Hadley
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chiquitita
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Re:

von chiquitita (12.03.2011, 15:57)
Hadley, das finde ich zwei tolle Seiten. Das werde ich auch ausprobieren. Wieviele Füllwörter ein Text vertragen kann, weiß ich auch nicht. Das wäre eine Frage für Siegfried. Vielleicht liest er es.
Gruß Uschi

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Manu
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Re:

von Manu (12.03.2011, 16:23)
Hab ich gerade an einer Kurzgeschichte von mir getestet und kam auf 4% Füllwörter (ich glaube, das geht noch an).
Tolle Seiten, hab ich mir sofort zu meinen Favoriten genommen. Vielen Dank für den Tipp. thumbbup

holz

Re:

von holz (12.03.2011, 17:11)
Ein Word-Makro genügt dafür natürlich auch
http://www.office-loesung.de/ftopic98849_0_0_asc.php
(Code im 2. Beitrag, kann beliebig erweitert werden):

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Manu
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Re:

von Manu (12.03.2011, 17:36)
Ja super blink3 und wer soll das programmieren?

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (12.03.2011, 18:17)
4,93 % Füllwörter in meiner Kurzgeschichte für die Anthologie "Krimis für Fell und Schnauze"

Haifischfrau
NEU: Die Baumwollfarmerin. Roman

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (12.03.2011, 18:18)
Manu hat geschrieben:
Ja super blink3 und wer soll das programmieren?


Nix programmieren ... herauskopieren und als Funktion in Word anlegen ... ist ne Sache von 20 Sekunden ... cheezygrin

Zu diesen Prüfprogrammen ... denen traue ich nicht weiter, als mein Arm reicht ... Warum? Weil sie den Nageltest nicht bestehen. Einfach mal einen Text der Weltliteratur eingeben und schauen, was dabei herauskommt ... so etwas z. B.:

Originaltext:

Es war ein schwaches, unbestimmtes Gedröhn, das einem fernen sommerlichen Gewitter glich. Manch­mal machte es sich selbst zur Mittagszeit noch durch den Lärm des Verkehrs bemerkbar. Man versuchte, es nicht zu hören, suchte zu reden, zu lachen und sich zu belustigen, als lägen keine Yankees zweiundzwanzig Meilen vor der Stadt. Dennoch lauschte jeder­mann auf den Klang. Die ganze Stadt mutete an, als wäre sie nie recht bei der Sache, denn womit auch die Hand beschäftigt sein mochte, das Ohr horchte, und das Herz stockte wohl hundertmal am Tag. Ob General Johnston dieses Mal standhielt? Die scheinbare Ruhe verhüllte kaum noch die drohende Panik.


Was "Schreiblabor" daraus macht:

Es war ein schwaches, unbestimmtes Gedröhn, das einem fernen sommerlichen Gewitter glich. Manch­ machte es sich zur Mittagszeit noch durch den Lärm des Verkehrs bemerkbar. Man versuchte, es nicht zu hören, suchte zu reden, zu lachen und sich zu belustigen, als lägen keine Yankees zweiundzwanzig Meilen vor der Stadt. lauschte jeder­mann auf den Klang. Die ganze Stadt mutete an, als wäre sie bei der Sache, womit die Hand beschäftigt sein mochte, das Ohr horchte, und das Herz stockte hundertmal am Tag. Ob General Johnston dieses standhielt? Die scheinbare Ruhe verhüllte noch die drohende Panik.


Oder der Unwörter-Test (die Seite, wo es tatsächlich heißt: Streichen Sie alle Füll- und Unwörter ersatzlos! - was das Programm dann auch gnadenlos macht):

Es war ein schwaches, unbestimmtes Gedröhn, das einem fernen sommerlichen Gewitter glich. Manch­mal machte es sich zur Mittagszeit noch durch den Lärm des Verkehrs bemerkbar. Man versuchte, es nicht zu hören, suchte zu reden, zu lachen und sich zu belustigen, als lägen keine Yankees zweiundzwanzig Meilen vor der Stadt. lauschte jeder­mann auf den Klang. Die ganze Stadt mutete an, als wäre sie bei der Sache, womit die Hand beschäftigt sein mochte, das Ohr horchte, und das Herz stockte hundertmal am Tag. Ob General Johnston dieses Mal standhielt? Die scheinbare Ruhe verhüllte noch die drohende Panik.


Wer es nicht mehr erkennt :twisted: ... Margaret Mitchell - Vom Winde verweht

Es ist richtig: Es gibt Füllwörter, Floskeln, klischeehafte Ausdrücke. Die sollte man wirklich meiden. Aber es gibt keinen Automatismus, der einem diese Dinger aus dem Text wirft und den dadurch zu hochwertiger Literatur macht. Man sieht ja, was für ein Murks da rauskommt:

Die ganze Stadt mutete an, als wäre sie nie recht bei der Sache,

Die ganze Stadt mutete an, als wäre sie bei der Sache,

Da ist inhaltlich genau das Gegenteil! :twisted:



Was die Frage angeht, wie viel Füllwörter in einem Text enthalten sein dürfen ... Die Antwort ist einfach: Null! cheezygrin

Das Problem ist allerdings: Was ist ein Füllwort? Wann ist eines der Wörter, die hier listenartig abgearbeitet werden, tatsächlich ein Füllwort - und wann ist es zwingend notwendig? Das zu entscheiden, ist die Aufgabe des Autors. Nicht eines Computerprogramms.

Deshalb: Den eigenen Text wirklich kritisch lesen (nach dem Schreiben, nicht währenddessen!) - und dann selbst entscheiden, ob man das Wort rauswirft oder drin lässt.[/i]
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CeKaDo

Re:

von CeKaDo (12.03.2011, 21:46)
Ich fülle meine Sätze mit Wörtern. Sind das nun alles Füllwörter?

angle:

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AmberStuart
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Re:

von AmberStuart (12.03.2011, 23:31)
Wenn in einem Text viele Dialoge stecken, lassen sich Füllwörter nicht vermeiden. Wer redet schon knapp und 'straff'?
Ähm, ich nicht. :roll:

Eigentlich... und überhaupt... und sowieso... cheezygrin

LG, Amber :wink:

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Alexandermerow
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Re:

von Alexandermerow (13.03.2011, 00:48)
Wieviel Prozent Füllwörter (Unwörter) verträgt denn ein Text?


Es kommt doch wohl eher auf die Gesamtwirkung eines Textes an - wie will das ein Computerprogramm herausfinden?

malschaun
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Re:

von malschaun (13.03.2011, 09:36)
Alexandermerow hat geschrieben:
Wieviel Prozent Füllwörter (Unwörter) verträgt denn ein Text?


Es kommt doch wohl eher auf die Gesamtwirkung eines Textes an - wie will das ein Computerprogramm herausfinden?


Ja, sehe ich auch so.
Wortwiederholungen sollte man vermeiden, aber "Füllwörter"?
Die Magie eines Textes entsteht nicht durch sture "Regeln"!
Also keine Panik smart2

HPG

Re:

von HPG (13.03.2011, 09:54)
Habe zu Testzwecken das erste Kapitel eines geplanten Romans eingegeben.
Ergebnis: 6,84 % Füllwörter bei ca. 4.800 Wörtern.

Soweit so gut. Der Text allerdings wurde verstümmelt, war teilweise
nicht mehr logisch. (Siehe Beispiel „Vom Winde verweht“ im Beitrag von Siegfried) thumbbup

Den Nutzen, den man m. E. aus derartigen Programmen ziehen könnte: Sie bieten Hilfe bei der Zuordnung, die Kreativität des Autors ersetzen sie nicht. Außerdem befürchte ich, dass man auch in Zukunft nicht ohne "Füllwörter" auskommen wird. Vielleicht ein paar weniger. cheezygrin

Hadley
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Re:

von Hadley (13.03.2011, 14:49)
Vielen Dank für Eure erschöpflichen Antworten. Eines ist klar: Die von mir gefundenen Webseiten sollten nur ein Anreiz sein seine Texte zu durchleuchten. Wenn ich alle Füllwörter aus meinem Text herausnehme, bleibt nichts mehr übrig. Ich werde auf meiner Webseite oft für meinen "lebendigen" Schreibstil gelobt aber wenn ich alle Füllwörter rausnehmen würde, was bliebe dann noch übrig?

Deswegen habe ich mir vorgenommen, die "schlimmsten" Wörter zumindest drastisch zu reduzieren, z.B.:

ja, immer, dann, auch, mal, eben, aber, halt, schon, usw.

Im Endeffekt entscheidet der Auto selbst, was er seinem potenziellen Leser zumuten möchte. Alle Füllwörter zu entfernen halte ich selbst auch für blödsinnig. Ich denke mal, so zwischen 6 und 10% sollten in Ordnung gehen.
mfg
Hadley
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CeKaDo

Re:

von CeKaDo (13.03.2011, 16:02)
Wenn alle entsprechend aller Regeln schreiben, werden Texte interessant, die gegen alle Regeln geschrieben sind.

In diesem Sinne schreibe ich weiterhin so, wie ich es vermitteln möchte. Und ich freue mich darauf, wenn ich irgendwann einmal der Einzige bin, der so schreibt.

Dann habe ich gewonnen. :)

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (13.03.2011, 17:55)
"Null Füllwörter" - da kann ich mich Siegfried nicht anschließen. Die Frage ist doch: Was ist ein Füllwort, bzw. wann ist ein als Füllwort deklariertes Füllwort ein wirkliches (nutzloses) Füllwort?
Wenn in einem Roman Dialoge beschrieben werden, sind Füllwörter m.E. unvermeidlich, da hier lebendige Sprache wiedergegeben wird; niemand spricht "Zeitungsdeutsch" (abgesehen davon, dass es da auch große Unterschiede gibt).

Haifischfrau
NEU: Die Baumwollfarmerin. Roman

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