GEMA und die Lesungen mit Musik

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


CeKaDo

GEMA und die Lesungen mit Musik

von CeKaDo (12.08.2011, 12:53)
GEMA und die Lesungen mit Musik

Aufgrund der unendlich vielen Gerüchte, Halbwahrheiten, Rechtsauffassungen und Konflikte hier im Forum, habe ich mich heute auf den Weg zur GEMA gemacht. Hier also nun der Bericht für alle Autorinnen und Autoren, wenn es um Lesungen mit Musik geht. Lesungen OHNE Musik sind hiervon nicht betroffen!


Ich habe am 12.08.2011 das Gespräch mit der für mich zuständigen Sachbearbeiterin der GEMA in Dortmund wahrgenommen. Die von mir gestellten Fragen wurden in diesem persönlichen Gespräch vollkommen erschöpfend, sehr freundlich und überaus kompetent beantwortet. Ich habe diese Fragen als Essenz aus den Gerüchten, Behauptungen und Fragen u.a. auch aus diesem Forum präsentiert.

Die wichtigsten Hinweise stelle ich Euch nun vor und wünsche mir, dass damit endlich Klarheit herrscht, was das Thema „Lesungen mit Musik“ angeht.

Ich kann aus diesem Gespräch heraus nur jeden Autor eindringlich davor warnen, sich auf Kommentare von Rauminhabern, anderen Autoren und eigene Recherchen in Foren zu verlassen. Einzig die Nachfrage beim regionalen Ansprechpartner der GEMA sorgt für kompetente Rechtssicherheit und schützt vor unter Umständen sehr Nachforderungen der Gebühren.

Ich mag hier auch nicht über den Sinn und Unsinn einer GEMA diskutieren. Letztendlich geht es um den Schutz der schaffenden Musiker, die sonst keinerlei Kontrolle darüber hätten, wer ihre Werke aufführt, kopiert oder verwendet, um damit einen Vorteil zu erlangen. Die GEMA ist nur in wenigen Situationen legal zu umgehen und damit sollte sich jeder Veranstalter einer Lesung mit Musik abfinden.


Im Einzelnen:

1. Melde- und gebührenpflichtig ist derjenige, der die Initiative für eine Veranstaltung gibt.
Das ist, welch eine Überraschung, in vielen Fällen auch der Autor, der zum Gastwirt geht und nach einem Termin für eine Lesung fragt. Das ist auch derjenige, der Mitautoren zum Mitmachen auffordert. Bei Lesungen eines Autors mit Musikbegleitung ist also im Regelfalle der Autor selbst der Veranstalter „Ich lese im Café Soundso und Musiker XYZ begleitet mich.“ Der Initiator ist auch recherchepflichtig, das heißt, er muss die geplanten Musikstücke und den Musiker, sowie den Raumgeber dahingehend prüfen (lassen), ob eine Gebührenpflicht vorliegt. Zur Recherche weiter unten mehr.


2. Ich spiele vor und nach der Veranstaltung, sowie in der Pause leise Musik von einer CD, um die Stille zu überbrücken.
Hier kann ich der Gebührenpflicht entgehen, wenn der Rauminhaber mit der GEMA einen Pauschalvertrag für Musikuntermalung geschlossen hat. Die Pausenmusik, sowie die Musik vor und nach der Veranstaltung zählt nicht zur Veranstaltung selbst, wenn ein solcher Vertrag vorliegt. Ist er vom Rauminhaber nicht geschlossen (was bodenloser Leichtsinn wäre), so ist der Initiator anmelde- und gebührenpflichtig. Die Vor-, Nach- und Pausenmusik wird allerdings im Tarif für Lesungen eingeschlossen und fällt nicht besonders ins Gewicht. Die während einer Lesung gespielte Musik kurzerhand als Pausenmusik zu erklären, befreit nicht von der Anmelde- und Gebührenpflicht, denn sie findet während der Veranstaltung statt, die Zuschauer verlassen nicht den Raum in dieser Zeit.


3. Ich bitte einen Musiker, seine eigenen Werke zwischen den Lesungsteilen zu spielen.
Wenn der Musiker nicht der GEMA angeschlossen ist und ausschließlich seine Werke spielt, dann ist die Musik anmelde- und gebührenfrei. Der Musiker selbst wird darüber dem Veranstalter Auskunft geben müssen, haftbar ist jedoch der Veranstalter, wenn sich im Nachhinein eine Gebührenpflicht ergibt. Sicherheit erlangt man als Veranstalter, wenn die geplanten Musikstücke bei der GEMA zur Recherche eingereicht werden. Zur Recherche weiter unten mehr.


4. Ich bitte einen Musiker, zwischen den Lesungsteilen Musikstücke nach (meiner / seiner) Wahl zu spielen.
Wenn der Musiker selbst der GEMA als zahlendes Mitglied angeschlossen ist, dann gilt für den Veranstalter keine gesonderte Gebührenpflicht. Der Musiker weiß dann, wie er die gespielten Stücke anmeldet und die Gebühren bezahlt. Der Veranstalter hat sich dessen zu vergewissern. Ist der Musiker nicht der GEMA angeschlossen, dann hat der Veranstalter die Musik anzumelden und wird gebührenpflichtig.


5. Ich erhebe Eintritt für die Lesung / ich erhebe keinen Eintritt für die Lesung.
Die Höhe des Eintrittsgeldes beeinflusst die Höhe der Gebühren an die GEMA. Staffelungen ergeben sich aus dem Tarif für die Lesungen. Der Tarif wird weiter unten besprochen. Es ist völlig unerheblich, ob weniger als ein Euro oder kein Eintrittsgeld erhoben wird. Die Staffelung beginnt bei Null und endet bei 20,00 Euro. Wer keinen Eintritt nimmt, am Ende der Veranstaltung aber einen Hut für den Musiker herumgehen lässt, der zahlt ebenso viel, wie derjenige, der ein Eintrittsgeld erhebt.


6. Ich lese auf einem Schiff, in einem Riesenrad, einer Gaststätte, einem Hinterzimmer, einem Saal usw.
Die Größe des Raumes ist bei dem für die Lesungen maßgeblichen Tarif wichtig. Welcher Art der Raum ist, ist völlig unerheblich. Bei Freiluftveranstaltungen zählt der Raum zwischen den sichtbaren Begrenzungen. Gemessen werden die m² von Wand zu Wand. Ob ich dabei den Saal fülle oder die Riesenradgondel überfülle, bleibt egal.


7. Ich singe /spiele selbst zwischen den Lesungsteilen. Die Antwort ist hier gleich lautend mit denen zum Einsatz eines Musikers. Wenn es eigene Werke sind, die ungeschützt von der GEMA präsentiert werden können, dann bleibt es anmelde- und gebührenfrei. Ansonsten ist es anmelde- und gebührenpflichtig.


8. Ich spiele ausschließlich GEMA-freie Musik während der Lesung.
Um hier Rechtssicherheit zu erlangen, muss der Veranstalter die Musikstücke recherchieren lassen, um eine Gebührenfreiheit zu garantieren. Das erspart unter Umständen eine Menge Ärger. Musik, die vermeintlich GEMA-frei aus dem Internet heruntergeladen wird, ist oft nicht wirklich GEMA-frei. Der Veranstalter hat sich dies zu seiner eigenen Sicherheit unbedingt schriftlich geben zu lassen. Dennoch sollte er nicht auf eine Recherche durch die GEMA verzichten. Dazu weiter unten mehr.


9. Ich spiele (oder lasse spielen) während meiner Lesung ausschließlich Volkslieder / klassische Musikstücke.
Das Problem dieser Leider ist die unterschiedliche Rechtewahrnehmung der Künstlererben oder Rechteinhaber. Niemand kann sich darauf verlassen, dass ein Volkslied oder ein klassisches Musikstück GEMA-frei ist. Im Gegenteil sind viele Volkslieder und Stücke der E-Musik auf Initiative der Rechteinhaber durch die GEMA geschützt. Hier ist der Veranstalter verantwortlich für die Recherche. Dazu weiter unten mehr.


10. Ich deklariere die Lesung als Benefizveranstaltung.
Damit ist eine Anmelde- und Gebührenfreiheit nicht gegeben. Benefizveranstaltungen genießen lediglich einen Nachlass auf die fälligen Gebühren. Der Aufwand für die Einreichung ist jedoch bei Lesungen so hoch, dass sich ein Nachlass nicht lohnt. Dieser beträgt 10 Prozent. Wenn der Musiker Mitglied der GEMA ist, sie mit der Wahrnehmung seiner Rechte beauftragt hat, gegenüber der GEMA auf die Wahrnehmung seiner Rechte für diese Veranstaltung verzichtet und nur seine eigenen Werke spielt, dann ist die Benefizveranstaltung gebührenfrei, nicht jedoch anmeldefrei.


11. Ich lade alle Gäste persönlich ein und mache eine geschlossene Veranstaltung aus der Lesung.
Als geschlossene Veranstaltungen gelten ausschließlich Familienfeiern, bei denen der Anteil der miteinander verwandten Personen größer ist, als der Anteil der fremden Personen. Betriebsfeiern, Clubfeiern usw. gelten nicht als geschlossene Veranstaltungen im sinne der Gebührenpflicht zur GEMA. Selbst Jugendeinrichtungen, Vereine, Verbände, Zusammenschlüsse von Künstlern usw. sind anmelde- und gebührenpflichtig.


12. Ich spiele Musik von CDs und DVDs, auf denen sich kein Label der GEMA befindet.
Das Fehlen eines Labels der GEMA bedeutet nicht, dass die Musikstücke dieser CD oder DVD nicht durch die GEMA geschützt sind. Sicherheit erlangt der Veranstalter nur durch die Einreichung der Musiktitel zur Recherche. Dazu weiter unten mehr.


13. Weniger als 1 € Eintritt, eine geschlossene Saaltür. Lyrik allein und geringe Zuschauerzahlen befreien mich von der GEMA.
Das ist einfach nur falsch.


14. Welcher Tarif ist für Lesungen mit Musik anzuwenden?
Es gilt für Lesungen der besonders günstige Tarif „U-WK“ für „Wortkabarett und ähnliche Veranstaltungen“. Der Tarif kann hier heruntergeladen werden: https://www.gema.de/fileadmin/user_uplo ... f_u_wk.pdf

Die Gebühren sind abhängig von der Raumgröße, der Höhe des Eintrittsgeldes und der Laufzeit der Musik. Die im Tarifblatt angegebenen Beträge beziehen sich auf jeweils angefangene 5 Minuten Musik. Die Beträge sind Netto-Betrage zuzüglich derzeit 7 Prozent gesetzlicher Mwst.

Ein Berechnungsbeispiel:
Im Gastraum einer Gaststätte, der 80 m² groß ist, spiele ich insgesamt zwischen meinen Lesungsteilen 34 Minuten Musik. Ich erhebe keinen Eintritt für die Veranstaltung. Damit zahle ich gemäß Tariftabelle für 7 Musikeinheiten á 5 Minuten mal 2,18 € plus Mwst. 16,33 € Gebühren an die GEMA.

Spiele ich in einem 140 m² großen Saal (das ist z. B. der Saal, in dem der Erbsenprinz im Unperfekthaus wirkt) in meiner zweistündigen Lesung 8 Musikstücke á 3 Minuten Dauer bei freiem Eintritt, dann zahle ich 3,48 € x 5 = 17,40 € plus Mwst. = 18,62 €.

Nehme ich bei der gleichen Veranstaltung einen Eintritt von 3,00 €, zahle ich 12,63 € x 5 + Mwst. = 67,57 €. Das heißt, ich sollte dafür sorgen, dass wenigstens 23 zahlende Zuschauer den Saal bevölkern, um keinen wirtschaftlichen Nachteil zu erlangen.

Ist eine Gebührenpflicht durch die Lesung mit Musik entstanden, dann ist die Vor-, Nach- und Pausenmusik im Tarif enthalten und braucht wird zwar angemeldet, ist jedoch nicht gesondert gebührenpflichtig.


15. Wie kann ich recherchieren lassen, welche Musikstücke gebührenpflichtig sind?
Dazu gibt es einen Vordruck bei jeder Anmeldung, doch vorab geht das jederzeit, indem ich eine E-Mail an die jeweilige Bezirksdirektion oder meine/n Sachbearbeiter/in der GEMA sende. Die für mich zuständige Person erfahre ich in einem kurzen Telefonat mit der jeweiligen Bezirksdirektion der GEMA. Die Recherche geht völlig formlos, ich sollte nur ein wenig Zeit geben, damit ich rechtzeitig Auskunft bekomme.


16. Ich habe auf all das keine Lust und wehre mich gegen die Anmeldung.
Was kann mir da passieren? Die GEMA erhebt bei nicht angemeldeten Veranstaltungen eine doppelte Gebühr, wenn sie im Nachhinein von der Veranstaltung Kenntnis erhält.


17. Ich habe gehört, es können im Publikum „Spione“ der GEMA sitzen, die mich anzeigen, wenn ich eine nicht angemeldete Veranstaltung mit Musik durchführe. Das ist ein Gerücht. In den heutigen Zeiten helfen das Internet und die Zeitungen bei der Recherche. Wenn ein Autor also großartig im Internet seine „Lesung mit Musik“ ankündigt, so kann er sicher sein, einen Fragebogen zugesandt zu bekommen. Füllt er diesen nicht aus, wird der Musikanteil und die Form der Veranstaltung geschätzt und es kann durchaus eine Summe von mehreren hundert Euro dabei fällig werden. Es sollte sich auch niemand in Sicherheit wiegen, der eine Veranstaltung ohne GEMA-Bescheid überstanden hat. Die Recherche kann oft einige Zeit brauchen, führt jedoch, dank der Unvergesslichkeit des Internets, auch nach Jahren noch zu Bescheiden.


18. Ich bin arm und von mir ist sowieso nichts zu holen.
Darüber lachen auch Gerichtsvollzieher kaum noch. Spätestens bei der nächsten öffentlichen Lesung wird dann eben der Erlös aus Buchverkäufen oder Eintrittsgeldern gepfändet. Die darüber entstehenden Gebühren sind oft höher als die eigentliche Forderung der GEMA.


19. Wer kann mir rechtsverbindliche Auskunft über (m)eine Gebührenpflicht geben?
Einzig die GEMA selbst. Wer gern Geld für einen Fachanwalt für Medienrecht ausgeben möchte, der darf das tun. Die GEMA gibt die Auskunft gern kostenlos und kassiert nur dort, wo es auch vorgesehen ist. Kommt bei der Auskunft heraus, dass keine Gebühren zu erheben sind, freut man sich mit dem Veranstalter.


20. Wie lange sind die oben stehenden Antworten gültig? Bis zu einer Änderung der Tarife und Tarifoptionen. Rechtsverbindliche Auskunft kann hier nur die GEMA selbst geben.


21. Kann ich diesen Text für eine weitere Veröffentlichung verwenden?
Nur vollständig, nicht aus dem Zusammenhang gerissen und unter Nennung meines Namens. Eine Nachricht an mich ist Bedingung.


22. Stand der Informationen: 12.08.2011



Ich denke, damit ist nun erschöpfend die Sache mit den GEMA-freien Lesungen mit Musik vom Tisch. Lobend möchte ich all die Autorinnen und Autoren hier im Forum erwähnen, die mir Fragen gestellt haben, die ich präsentieren konnte. Natürlich habe ich auch einige anderslautende "Rechtsauffassungen" aus diesem Forum dort vorgelegt und man lachte herzhaft bzw. schüttelte sorgenvoll den Kopf. Das sollte uns zu denken geben.


Den Beitrag gibt es wegen der Bedeutung HIER als pdf zum Download.
Zuletzt geändert von CeKaDo am 12.08.2011, 13:16, insgesamt 2-mal geändert.

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Anke Höhl-Kayser
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Re:

von Anke Höhl-Kayser (12.08.2011, 13:06)
Danke, Carsten, für deine Recherche und diese umfangreiche und aussagekräftige Auskunft nach all den wilden Spekulationen. thumbbup

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hawepe
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Re:

von hawepe (12.08.2011, 13:29)
Hallo Carsten,

vielen Dank thumbbup

Und wenn sich jetzt noch jemand bei BoD finden würde, der den Thread oben anpinnt, wäre es nicht mehr zu toppen :-)

Beste Grüße

Heinz

CeKaDo

Re:

von CeKaDo (12.08.2011, 13:38)
Danke schön! angle:

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AnnetteH
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Re:

von AnnetteH (12.08.2011, 13:44)
Carsten, danke!!!

Ich werde mir die Regeln gleich mal speichern!
:wink:

CeKaDo

Re:

von CeKaDo (12.08.2011, 13:51)
AnnetteH hat geschrieben:
Ich werde mir die Regeln gleich mal speichern!


Gute Idee thumbbup

Die Mailadressen der passenden Bezirksdirektionen findest Du unter https://www.gema.de/die-gema/adressen/b ... ionen.html

Dort kann jeder nach bestimmten Titeln fragen, ob sie geschützt sind.

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AnnetteH
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Re:

von AnnetteH (12.08.2011, 14:10)
CeKaDo hat geschrieben:
AnnetteH hat geschrieben:
Ich werde mir die Regeln gleich mal speichern!


Gute Idee thumbbup

Die Mailadressen der passenden Bezirksdirektionen findest Du unter https://www.gema.de/die-gema/adressen/b ... ionen.html

Dort kann jeder nach bestimmten Titeln fragen, ob sie geschützt sind.


Sehr gut.
Danke! thumbbup

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (12.08.2011, 14:20)
Womit bringt man die GEMA zum Wahnsinn? cheezygrin

Wenn man der GEMA erzählt, man macht eine Lesung mit Musik. wobei die Musik über ein internet-taugliches Notebook (WLAN-Spot am Veranstaltungsort) von Youtube geladen wird.

Bekanntlich blockt die GEMA die Verbreitung von Musiktiteln über Youtube in Deutschland - was die Chefs der Plattenfirmen an die Decke treibt ...

SPON 16.06.2011 hat geschrieben:
Die Deutschland-Chefs von Sony Music und Universal Music attackieren die Gema. Die Verwertungsgesellschaft verhindert hartnäckig die Sendung zahlreicher Songs auf YouTube. Der Verdacht der Platten-Manager: Die Gema sei noch nicht im Digitalzeitalter angekommen.


Interessant ist die Frage, ob die GEMA bei Nutzung des Youtube-Angebots bei einer öffentlichen Veranstaltung zwei Mal kassieren darf. Denn die GEMA hat Youtube auf Zahlung von GEMA-Gebühren verklagt ... cheezygrin

Der komplette SPON-Artikel hier.
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpoli ... 16,00.html

Wenn ich es so recht überlege ... ich muss bei der GEMA mal nachfragen, ob überlaute Musik bei einer Privatparty, wo die ganze Nachbarschaft beschallt wird, nicht eine öffentliche Musikverbreitung und damit GEMA-pflichtig ist ... :twisted:

Und ganz nebenbei gefragt: Wie sieht das eigentlich bei öffentlichen Lesungen aus mit der GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten)? Spielt die keine Rolle?

Welche rechtlichen Dinge stehen denn sonst noch so im Weg? :twisted: Ich habe z. B. irgendwo im Hinterkopf, dass eine Privatperson eine öffentliche Veranstaltung gar nicht durchführen darf. Außerdem gibt es für öffentliche Veranstaltungen Sicherheitsvorschriften, etwa Brandschutz, gesetzeskonforme Bestuhlung, Toiletten, Fluchtwegkennzeichnungen, medizinische Sofortversorgung durch Rettungsdienste. ja, ich weiß - klingt alles ziemlich blöd, wenn da nur 20 Leute sitzen, aber wenn schon pingelig, dann richtig! cheezygrin (nur zur Info: Ich habe im Verwandtenkreis eine Veranstaltungskauffrau, die Konzerte, Events und so 'n Zeug organisiert - der lernt man den deutschen Amtsschimmel aus nächster Nähe kennen ... cheezygrin )

Nachtrag:
Nehmen wir an, bei einer Lesung stolpert ein Gast über die Teppichkante, stürzt und knallt mit dem Gesicht zuerst auf einen Stuhl - wer wird dafür haftbar gemacht? Braucht man eine Versicherung (Haftplficht), weil man auf die Anwesenheit eines Rettungsdienstes verzichtet hat? Gott, was mir noch so alles einfällt ... cheezygrin
Zuletzt geändert von Siegfried am 12.08.2011, 14:29, insgesamt 1-mal geändert.
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Büchernarr
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Re:

von Büchernarr (12.08.2011, 14:26)
Siegfried schrieb:
Wenn ich es so recht überlege ... ich muss bei der GEMA mal nachfragen, ob überlaute Musik bei einer Privatparty, wo die ganze Nachbarschaft beschallt wird, nicht eine öffentliche Musikverbreitung und damit GEMA-pflichtig ist ...

Wir grillen heute, mit Musik (nicht laut aber Nachbar hört mit).
Kann ich das noch am Montag nachmelden (heute ist niemand mehr erreichbar bei GEMAs).
cheezygrin

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Cornelia
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Re:

von Cornelia (12.08.2011, 14:27)
Hallo Carsten,

vielen dank für deine Mühe!
Da hast Du wirklich wichtige Informationen zusammengetragen. thumbbup

Viele Grüße
Cornelia

CeKaDo

Re:

von CeKaDo (12.08.2011, 14:47)
Ach ja, die Deutschen und ihr Lieblingstier, der Amtsschimmel.

Selbstverständlich war ich heute nicht bei der GVL, würde das aber ggf. nachholen, wenn Bedarf besteht. Und was den Schadenersatz nach einem Unfall angeht, so verweise ich gern an meinen Rechtsanwalt.

Sollte jemand noch eine Versicherung gegen das alles brauchen, Steuern zahlen und anderen Forenmitgliedern ein paar auf´s Maul geben wollen - ich habe für alles einen kompetenten Ansprechpartner.

Und soll ich Euch etwas verraten? Ich habe trotz all dieser drohenden Unannehmlichkeiten keine Angst, etwas auf die Beine zu stellen. Nur das Risiko halte ich so gering wie möglich.

Und nur weil der Kaufmann seine Schaufensterscheiben durchsichtig hat, haftet er auch in unserem Land der Bürokraten nicht für das verrenkte Genick seiner Kundinnen davor. In meiner langen Laufbahn als Exekutive und Ausbilder im öffentlichen-rechtlichen Bereich habe ich gelernt, dass man vieles konstruieren kann, um einen möglichst unlösbaren Fall zu erzeugen. Der dann doch ganz einfach schon im ersten Anlauf geknackt wird.

Und bei Veranstaltungen aller Art lautet das Stichwort "Sorgfalt".

Und was den "Fall" mit Youtube angeht, so ist es mir scheißegal, wer wie oft von wem kassiert und auf welcher Rechtsgrundlage. Solange ich sauber abgerechnet werde und ich mir nichts zu Schulden komme lasse.

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Nicolas Fayé
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Re:

von Nicolas Fayé (12.08.2011, 14:57)
Hallo Carsten,

Dein Bericht ist erste Klasse und sehr hilfreich. thumbbup
Viele Grüße von Nicolas

Geduld ist eine Tugend
http://www.romanzeit.de
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hawepe
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Re:

von hawepe (12.08.2011, 15:37)
Hallo Siegfried,

Siegfried hat geschrieben:
Ich habe z. B. irgendwo im Hinterkopf, dass eine Privatperson eine öffentliche Veranstaltung gar nicht durchführen darf.


Natürlich darf man das. Oder waren die diversen Lesungen von BoD-Autoren alle eine Fata Morgana?

Außerdem gibt es für öffentliche Veranstaltungen Sicherheitsvorschriften, etwa Brandschutz, gesetzeskonforme Bestuhlung, Toiletten, Fluchtwegkennzeichnungen, medizinische Sofortversorgung durch Rettungsdienste. ja, ich weiß - klingt alles ziemlich blöd, wenn da nur 20 Leute sitzen,


Was im einzelnen beachtet werden muss, hängt von der Veranstaltung ab. Ich bin übrigens froh, dass man in Deutschland nicht einfach ein Straßenfest organisieren darf, ohne auf den Brandschutz zu achten. Vielleicht liebst du es, gesotten und gebraten zu werden, ich jedenfalls nicht. Und die Brandkatastrophen in Discos fand ich bislang auch nicht so überzeugend, dass ich sie zum Standard erheben möchte.

Ich habe im Verwandtenkreis eine Veranstaltungskauffrau, die Konzerte, Events und so 'n Zeug organisiert - der lernt man den deutschen Amtsschimmel aus nächster Nähe kennen ... cheezygrin )


Klar, vor der Katastrophe in Duisburg wurde den dortigen Behörden auch vorgeworfen, pingelig zu sein. Nachher wurde ihnen vorgeworfen, nicht streng genug gewesen zu sein. Eben immer so, wie es die aktuelle Situation gerade erfordert.

Nehmen wir an, bei einer Lesung stolpert ein Gast über die Teppichkante, stürzt und knallt mit dem Gesicht zuerst auf einen Stuhl - wer wird dafür haftbar gemacht?


Wenn den Veranstalter ein Verschulden trifft, natürlich er. Dabei sollte man sich aber immer auch bewusst machen, dass nicht dieser Gast klagen wird, sondern dessen Krankenkasse, die sich ihre Auslagen wiederholen will. Eine eventuelle Klage des Gastes ist dann nur noch das Sahnehäubchen.

Beste Grüße

Heinz

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MichaelHA
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Wohnort: Köln

...

von MichaelHA (12.08.2011, 16:13)
Das beste dürfte immer noch die Musikbegleitung durch einen Musiker/eine Musikerin mit GEMA-freier Klassik sein.


Beste Grüße

MichaelHA

CeKaDo

Re:

von CeKaDo (12.08.2011, 16:27)
MichaelHA hat geschrieben:
Das beste dürfte immer noch die Musikbegleitung durch einen Musiker/eine Musikerin mit GEMA-freier Klassik sein.


Wenn Du als veranstaltender Autor entsprechend bei der GEMA nachgefragt hast, welche klassischen Titel GEMA-frei sind. Oder Dein Musiker bei der GEMA meldet und gemeldet ist. Die GEMA wird sich an Dich wenden und nicht nur an den Musiker.

Immer an das Sesamstrassen-Prinzip denken: "Wer nicht fragt, bleibt dumm!"

... und zahlt in diesem Falle doppelt. dozey:

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