Hijas de la Luna - Die Legende der Töchter des Mondes Band 1

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Jaliah J.
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Hijas de la Luna - Die Legende der Töchter des Mondes Band 1

von Jaliah J. (31.10.2011, 22:28)
Titel: Hijas de la Luna - Die Legende der Töchter des Mondes Band 1
Autor: Jaliah J.

Verlag: BOD
ISBN: 978-3-8423-6650-3
Seiten: 200
Preis: 14,90

Der Autor über das Buch:

Mit Hijas de la Luna - Die Legende der Töchter des Mondes wage ich mich das erste Mal in den Fantasy Bereich und ich hoffe das es dem ein oder anderen gefallen wird.

Klappentext:

Saphira und Luna leben bei ihrer Großmutter in Venezuela. Über ihre Familie werden schon immer Legenden erzählt, denen sie allerdings keinerlei Bedeutung schenken. Das alles ändert sich als sie ihre geliebte Heimat verlassen und zu ihrem Vater nach Barnar in Rumänien ziehen. Dort treffen sie auf den Stamm der Yasus, und auf weitere Personen, die alles, woran sie jemals geglaubt haben, in Frage stellen und sie in eine ganz neue Welt eintauchen. Sie erfahren nach und nach, was es mit der Legende ihrer eigenen Familie auf sich hat.......
......der Legende der "Töchter des Mondes".

Inhalt:

Leseporobe :

Kapitel 1

Traurig und hoffnungslos zugleich blickt Saphira aufs Meer,welches heute ihren Gemütszustand widerzuspiegeln scheint. Es ist unruhig und peitscht wütend die Wellen gegen ihren Lieblingsfelsen.Sie atmet tief ein, inhaliert die klare, warme Meeresluft und sieht zur Sonne hoch. Sie liebt ihre Heimat Venezuela über alles, und morgen muss sie diese verlassen. Wehmütig denkt sie daran, wie sich ihre Mutter Esmeralda damals gefühlt haben muss, als sie sich vor über 20 Jahren in der gleichen Situation befand. Saphira weiß fast alles über ihre Mutter nur aus Erzählungen. Ihre Oma Rosaria, bei der sie und ihre jüngere Schwester hier leben, hat ihnen oft von ihrer Mutter erzählt und vor allem von Esmeraldas tiefer Liebe zu dieser kleinen Insel, die ihr Zuhause ist. Ihre gesamte Familie lebt hier in Venezuela in der Region Pampatar,die auch als Salzregion bekannt ist und bis heute unzählige Salzminen aufweisen kann. Saphiras Blick geht wehmütig auf die gerade vom Festland ankommende Fähre, welche sie morgen auch dorthin bringen wird. Diese Fähren, die mehrmals am Tag hin und her fahren, sind die einzige Verbindung zwischen dem Festland und ihrer kleinen Insel Margarita, ihrer geliebten Heimat. Auch wenn sie es hier nicht immer leicht hatte, vor allem in letzter Zeit nicht, auch wenn sie weiß, dass es immer so vorgesehen war, sie will dieses Stück Erde nicht verlassen.
Saphira schließt die Augen und erinnert sich an ein Foto ihrer Mutter, was sie als kleines Kind hier am Strand spielend gezeigt hat. Esmeralda, wie auch alle anderen weiblichen Mitglieder ihrer Familie, hatte, genau wie nun ihre Töchter, für diese Region ungewöhnlich helle, blonde Haare. Sie alle sind heller als hier üblich, haben hellere Haut, blonde Haare, und die meisten weibliche Mitglieder ihrer großen Familie haben blaue Augen. Saphira schüttelt unwillkürlich ihren Kopf und nimmt eine Strähne ihrer langen blonden Haare in die Hand. Eigentlich ist ihre Familie schon fast berühmt hier in der Umgebung für die schönen Töchter,die aus dieser stammen. Eine alte Geschichte, die sie selber auch schon des Öfteren gehört hat, besagt, dass eine ihrer Vorfahren, nach der ihre Mutter Esmeralda benannt wurde, vom Mond mit Schönheit gesegnet worden ist. Saphira hatte noch nie viel übrig für solche alten Märchen, aber da es um die Frau ging, nach der ihre Mutter benannt worden ist, hat sie ihr doch gelauscht.

Es war vor vielen Hundert Jahren, die junge Esmeralda lebte mit ihrer Familie noch an einem anderen Ort. Welchen Ort weiß niemand mehr genau, aber für die rational denkende Saphira nur ein Beweis dafür, dass ihre hellen Züge nicht auf irgendwelche Segnungen des Mondes, sondern einfach aus der Abstammung der Familie kommen. Esmeralda war immer ein hübsches Mädchen, doch als sie ihr Herz an den beliebtesten Jungen des Ortes verlor und er sie keines Blickes würdigte, begann sie an sich zu zweifeln. Jede Nacht soll sich Esmeralda an einen See geschlichen und geweint haben. Sie hat leise den Himmel angefleht, dass sie hübsch genug wäre, um diesen Jungen für sich zu gewinnen. So ging es Woche für Woche, Esmeralda wurde immer verzweifelter und ihre Bitten immer lauter. Eines Nachts dann soll der Mond klar und hell über dem See gestanden und sich Esmeraldas Flehen geduldig angehört haben. Nachdem sie so sehr geweint hatte, ging sie ein paar Schritte in denFluss, um sich das Gesicht mit dem kühlen Wasser zu erfrischen. In diesem Moment soll ein Strahl des Mondes sie beleuchtet haben. Der Mond hatte Mitleid mit diesem armen, verzweifelten Mädchen und segnete sie mit einer so ungewöhnlichen Schönheit, dass sie jeder, der von dieser Geschichte gehört hat, von da an nur noch die Tochter des Mondes nannte. Esmeralda wurde glücklich, sie bekam ihren Traummann, der genauso wenig wie alle anderen Männer ihrer Schönheit widerstehen konnte. Sie gebar drei Töchter, jede ebenso schön wie ihre Mutter, und alle drei hatten dasselbe halbmondförmige Muttermal auf dem rechten Schulterblatt. Esmeraldas Glück währte jedoch nicht lange, kurz nach den Geburten der Töchter fing ihr Mann, der sonst so glücklich mit seiner schönen Ehefrau war, an sie zu beschimpfen und zu hassen. Denn seine Töchter waren alle drei hell, hatten blonde Haare und blaue Augen, während er und Esmeralda beide dunkel waren. Am Ende verließ er Esmeralda, und sie zog ihre drei Engel alleine groß. Sie war stark für ihre Töchter, doch der Kummer um ihre verlorene große Liebe, saß tief.

So ist es vielen anderen der kommenden Generationen weiblicher Mitglieder in ihrer Familie ergangen, mögen sie alle auch schön gewesen sein, wirkliches Glück hat keine von ihnen gefunden. Bis auf Saphiras und Lunas Mama. Das ist die Geschichte, bei der ihre Oma Rosaria immer wieder aufblüht und ihre blauen Mandelaugen anfangen zu leuchten. Saphiras Mutter war genau wie alle anderen Mädchen aus der Familie sehr begehrt, und einige der wohlhabenden Familien hatten sie schon für ihre Söhne ins Auge gefasst, doch Esmeralda hatte an keinem von ihnen Interesse. Als sie eines Tages kurz nach ihrem 17. Geburtstag mit Rosaria aufs Festland ging, umdort einige Lebensmittel auf einem der großen Märkte einzukaufen, traf sie zufällig auf Anis, einen 20-jährigen Bauernsohn. Anis kannte die Geschichte um die schönen Töchter des Mondes, jedoch wusste er nicht, dass es sich bei Esmeralda um eine von ihnen handelt. Es war bei beiden Liebe auf den ersten Blick, sie unterhielten sich eine ganze Weile, während Rosaria beim Schneider war. Als sie sich verabschiedeten, war für Anis klar, dass dies seine zukünftige Frau sein sollte. So schlich er sich mehrmals die Woche auf die kleine Fähre, um zur Insel Margarita zu gelangen und dort am Strand ein paar Stunden mit Esmeralda zu verbringen. Beide konnten sich bald kaum mehr voneinander trennen, wenn seine Fähre zurück ging. Es dauerte nicht lange, und aus der geheimen Liebschaft wurde eine öffentliche Verlobung. Diese brachte zwar viele Probleme mit sich, da es niemand nachvollziehen konnte, wie sie einen einfachen Bauerssohn einem wohlhabenden Mann aus gutem Haus vorziehen konnte, aber Saphiras Mutter setzte sich durch.

Anis hatte das Glück, durch einen Bekannten einen gut bezahlten Job in Rumänien, in einer der vielen Berggegenden angeboten zu bekommen, um dort bei der Waldaufforstung zu helfen. Eigentlich gab es nicht viel zu überlegen, in Venezuela hatte er nicht die Möglichkeit so gutes Geld zu verdienen, doch er wusste, wie sehr seine Esmeralda an ihrer beider Heimat hing. Letztlich ging sie aber nach ihrer schönen kleinen Hochzeit mit ihm nach Rumänien, denn ihre Liebe zu ihm war stärker als die Liebe zu Venezuela. Trotz ihrer ständigen Sehnsucht nach ihrer Familie und ihrer Heimat war Esmeralda glücklich. So oft es ging besuchte sie ihre Familie, vor allem, nachdem erst Saphira und dann Luna geboren wurde. Zwar gewöhnte sie sich nie wirklich an das dunkle, nasse Rumänien, doch ihr Glück legte sie in ihre kleine Familie. Zwei Jahre nach Lunas Geburt traf sie alle ein schwerer Schlag, als Esmeralda an einer Lungenentzündung verstarb. Luna und Saphira waren beide noch klein, aber sie spürten die tiefe Trauer ihres Vaters und mussten selbst ihren Schmerz verarbeiten, von da an ohne Mutter aufzuwachsen. Am Sterbebett versprach Anis seiner Frau, dass ihre beiden Töchter, sobald diese ins Schulalter gekommen waren, ihre Kindheit in Venezuela verbringen sollten. Esmeralda wollte ihnen eine ebenso schöne Kindheit bescheren, wie sie sie selbst genossen hat. Allerdings, und das war von Anfang an klar, sollten die beiden, wenn sie volljährig und somit das Werben um sie anfangen würden, nach Rumänien zu ihrem Vater zurückkehren.

Esmeralda schien schon zu ahnen, dass es nicht leicht werden würde und wollte den beiden das ganze ersparen, damit sie sich frei und ohne Druckeinen Mann aus Liebe suchen konnten, so wie sie ihr Glück mit Anis hatte. Als Saphira sechs wurde, brachte Anis schweren Herzens seine beiden Töchter zu seiner Schwiegermutter. Er wusste, dass es für sie das Beste ist, da er aufgrund seiner vielen Arbeit kaum Zeit für sie hatte. Er wusste, wie liebevoll sie in den Händen ihrer geliebten Oma aufwachsen würden, doch nun auch seine beiden Engel zu verlassen, brach ihm noch einmal das Herz. Saphira lächelt schwach, als sie diese ganzen Erinnerungen einholen, und wendet sich zu ihrer Schwester Luna um, die schon ungeduldig im Sand steht und sie mahnend anzieht. »Komm Saphira,wir müssen, in ein paar Stunden geht unser Flug.« Saphira runzelt die Stirn, am liebsten hätte sie ihre jüngere Schwester einfach ignoriert und weiter aufs Meer geschaut, doch sie weiß, dass sie diesmal nicht drum herum kommt, in das Flugzeug zu steigen. Sie liebt ihren Vater über alles, so oft es ihm möglich war, ist er gekommen und hat seine beiden Töchter besucht. Aber sie will Venezuela nicht verlassen, hat keine Lust auf das fremde Land, in das sie jetzt fliegen. Zwar ist sie seit ein paar Monaten 19 Jahre alt und könnte rein theoretisch darauf bestehen hier zu bleiben, doch ihre Schwester, von der sie noch nie getrennt war, alleine gehen zu lassen, ist noch unmöglicher, als sich mit den Gedanken an ihre neue Heimat anzufreunden. Der Sprachunterricht, den sie seit ihrem 12. Lebensjahr regelmäßig bekommen, damit ihnen die Umstellung später nicht so schwer fällt, hat sie schon immer genervt.

Aber neben Venezuela will sie vorallem ihre Familie nicht verlassen: Sie liebt diesen ungeheuren Zusammenhalt, den sie hier untereinander haben. Ihre Oma, ihre Tanten und Cousinen, alle sind sich so nah, man sieht sich ständig, Saphira kann sich nicht vorstellen einen Tag zu verbringen, ohne ihre Gesichter zusehen. Sie weiß, es wird keinem von ihnen leicht fallen, sie beide gehen zu lassen. Vor allem ihrer Oma bricht es das Herz, manchmal hört sie Rosaria leise nachts weinen, doch auch sie ist der festen Überzeugung, es wird das Beste für die beiden Schwestern sein. So versuchen alle hier, eine gute Miene zum bösen Spiel zu machen und schwärmen, wie glücklich sie sich schätzen können nach Europa zu dürfen. Saphira kann darüber nur böse lachen, es ist ja nicht so als ob sie in ein atemberaubendes Land wie Spanien oder Italien ziehen würden. Nein, sie ziehen nach Rumänien, in die hintersten Wälder. In ihrer Umgebung gibt es nicht viel außer Bäumen und einen See, von dem ihr Vater immer so schwärmt, weil er weiß, dass Saphira das Meer vermissen wird. Auch Luna fällt der Abschied schwer, doch ist Saphiras jüngereSchwester schon immer die einsichtigere, nachgiebigere gewesen. Die Geschehnisse der letzten Monate haben Luna scheinbar so verschreckt, dass sie jetzt mittlerweile sogar ziemlich zufrieden darüber scheint, dass sie beide Venezuela verlassen. Saphira ist schon immer mehr die Temperamentvollere, die Ungestüme gewesen. Sie hätten schon vor zwei Jahren zu ihrem Vater ziehen sollen, aber Saphira konnte so lange auf alle einreden, dass die Frist verlängert wurde. Eigentlich hätten sie noch ein halbes Jahr Zeit gehabt, doch die letzten Ereignisse waren so schwerwiegend, dass ihr Vater sofort die Flüge gebucht hat, und nun gibt es kein zurück mehr, sie werden Venezuela verlassen.

Bevor sie vom Felsen springt und sich mit Luna durch die kleinen Gassen der Stadt, in ihr geliebtes Zuhause bei ihrerOma aufmacht, wo ihre gesamte Familie zum Abschied schon auf sie warten wird, wirft Saphira noch einen letzten Blick zurück aufs Meer und ihr Herz zieht sich schmerzhaft zusammen, als sie daran denkt, dass sie diesen Anblick lange nicht mehr haben wird.

Zur gleichen Zeit in Rumänien, in einem – ein paar Kilometer von Barnar entfernten – tief im Wald versteckten Schloss.

Calin sieht sich in dem riesigen altehrwürdigen Empfangssalon um. Wie oft war er eigentlich schon im Schloss der Wächter? An die 100 Mal bestimmt. Außer diesem beeindruckenden Raum, in dem der große gedeckte Tisch, einige rote Läufer von edlem Aussehen und ein überdimensionales Portrait von Gabriel fast verloren wirken, hat er nie ein anderes Zimmer gesehen. Mindestens 20 weitere Räume dürften sich in diesem Schloss aber noch befinden. Er betrachtet das Portrait wie schon so oft, doch zum ersten Mal fragt er sich, ob Gabriel– das mächtigste und nach seinem Wissensstand älteste Wesen in der Mythenwelt – schon immer so aussah? Das Portrait ist sicherlich schon mehrere 100 Jahre alt, und heute sieht er noch genauso aus wie auf dem Bild, als wäre es gestern entstanden. Seine langen strohigen weißen Haare, der weiße Bart, die typische schwarze Sonnenbrille und seine lange weiße Robe. Noch nie hat Calin ihn anders gesehen, er muss doch auch mal anders ausgesehen haben? Eingefrorenes Fleisch, was nicht mehr altert, kennt er nur von den verdammten Parasiten, den Blutsaugern, aber zu denen gehört Gabriel nicht, wie alt er wohl ungefähr sein mag?

»Tz Tz, so was fragt man nicht:« Calin wird aus seinen Überlegungen herausgerissen und wendet seinen Blick zu Rafael um, der geradeden Raum betritt. Im Gegensatz zu Gabriel, der trotz all seiner Macht äußerlich eher schmächtig wirkt, sieht man dem sicherlich fast zwei Meter großen und breit gebauten dunkelhäutigen Rafael seine Macht sofort an. »Danke«, sein so typisches Grinsen und seine weißen Zähne lenken Calin wieder ab und erinnern ihn an Rafaels nervigste Gabe, die des Gedankenlesens der anderen. Rafael schlägt im vorbeigehen Davud freundschaftlich auf die Schulter, was dieser allerdings nur mit einem leichten Kopfnicken erwidert. Obwohl Davud der ungezähmteste, widerspenstigste in ihrem Rudel ist, scheint Rafael genau ihm sehr viel Sympathie entgegen zu bringen. »Vielleicht auch genau deshalb?«, lacht Rafael in die Runde und zeigt auf den gut gefüllten Tisch und die noch leeren Stühle. »Setzt euch, die anderen treffen in ein paar Minuten ein.« Calin sieht zu seinem Rudel. Radu und Davud sind genauso wenig begeistert von diesem einberufenen Treffen wie er, aber setzen sich widerwillig. Sein bester Freund Tolja sieht das alles scheinbar nüchtern und gleichgültig wie fast alles. Nur die beiden jüngsten Mitglieder, Vlad und Luca sehen sich begeistert den gedeckten Tisch und die großen Braten an, die zugegebenermaßen köstlich nach frischen Kräutern duften.

Da Vlad und vor allem Luca noch nicht so lange zum Rudel gehören, entwickeln sich ihre Körper noch. Es dauert, bis sie sich durch die nächtlichen Verwandlungen und die stundenlangen Streifzüge durch die Wälder, die gleiche Muskelmasse aufgebaut haben wie alle anderen, und solange essen sie sicherlich das doppelte, auch wenn keiner von ihnen gerade wenig zu sich nimmt. »Bedient euch ruhig, bis alle anwesend sind, vergehen sicherlich noch ein paar Minuten«, schlägt Rafael vor und sieht dabei aus einem der vielen vergitterten Fenster, durch das man die gerade untergehende Sonne erkennt. Calin kann sich ein Aufstöhnen nicht verkneifen, während sich alle um den Tisch versammeln und Vlad und Luca sich Essen auf den Teller häufen. Allein das Wissen, dass gleich die Parasiten hier aufkreuzen, verdirbt ihm den Appetit. Auch die anderen lehnen sich angespannt zurück. Es dauert keine 10 Minuten, und die Tür zum großen Saal wird geöffnet. Calin braucht sich nicht mal umzudrehen, sobald Vampire in der Nähe eines der Mitglieder des Rudels auftauchen, schlägt ihr Körper Alarm. Alles in ihnen bäumt sich auf und der Wolf will heraus. Zwar muss sich jeder von ihnen jede Nacht verwandeln, aber sie alle haben das soweit unter Kontrolle, dass sie selber entscheiden können, wann es soweit ist. Ein Knurren begleitet das Eintreten der Blutsauger. Calin wirft Davud einen warnenden Blick zu. »Wenn nicht, gibt es ja auch noch mich«, mischt sich Raphael mit seinem typischen Lachen ein und erinnert belustigt an seine andere Gabe, den Willen eines jeden beherrschen zu können. Er erhebt sich fast schwebend von seinem Stuhl und öffnet einladend die Arme, während Calin angewidert seinem Blick folgt.»Vladan... willkommen.« Calin geht die ihm nur zu gut bekannte Gruppe einmal mit seinen Augen ab.

Vladan, herrschend und überheblich wie immer, an seiner Seite die zugegebenermaßen schöne Catalina, aber das ist ja auch das, was ihnen bei ihrer Abartigkeit hilft. Sie alle sehen aus wie ...gemalt ...perfekt, ein gutes Lockmittel für alle Menschen. Die andere Frau, Nicola mit den roten Locken, wirkt ebenso perfekt neben dem immer sehr ausgelassenen Dorian, der, wäre er nicht ein verdammter Parasit mit seinen verwuschelten blonden Haaren, als Surfboy durchgehen würde. Das was sie verrät, was ihre Identität klar zeigt, sind ihre schwarzen Augen, die sie alle haben, schwarz, so wie ihr inneres.... seelenlos. Rafaels lautes Seufzen und der warnende Blick zum gesamten Rudel zeigt deutlich, dass nicht nur Calin diese Gedanken hat. Sie alle hassen die Vampire, und umgekehrt sieht es nicht anders aus. Also wundert es auch keinen, dass in dem Moment, wo sich der Vampirzirkel auf die Stühle niederlässt, Gabriel und Felicia den Raum betreten, als wollen sie die bestehende Spannung so kurz wie möglich halten. Solche Treffen sind immer heikel, in diesem Umkreis gibt es die Wächter, sie, den Clan der Yasus, und eben die Vampire. Es lässt sich manchmal nicht vermeiden, dass die Wächter, die sie alle genau beobachten, solche Treffen einberufen, auch wenn Calin nicht genau weiß, warum es diesmal der Fall ist. Es gab schon lange keinen Konflikt mehr zwischen dem Rudel und dem Zirkel, keiner seiner Männer ist aus der Reihe getanzt. Das Einzige, was er sich vorstellen kann, ist, dass einer der Blutsauger ihr Abkommen mit den Wächtern nicht eingehalten hat. Er hätte zwar seine Freude daran, wenn die Blutsauger bestraft würden, der Gedanke wiederum, dass sie sich nicht an den Pakt gehalten haben, einen gesunden Menschen verwandelt oder getötet haben, lässt in ihm ein Ekelgefühl hochkommen. »Nur Geduld die Herrschaften«, unterbricht Rafael die Stille, und offensichtlich ist Calin nicht der Einzige, der wissen möchte, was sie hier zu suchen haben. »Und natürlich die Ladies«, zwinkert Rafael in die Richtung der beiden Vampirinnen, doch nur die rothaarige Nicola lächelt leicht zurück. Die Vampire und die Wölfe beachten sich nicht weiter, neben Vlad und Luca nehmen sich auch der glatzköpfige Tristan und der blonder Surfer Dorian etwas zum Essen, während Gabriel sich mit einem allseits wohlbekannten Räuspern Verhör verschafft, obwohl niemand ein Wort sagt.

»Es freut mich, dass ihr es alle einrichten konntet, ich weiß, dass jeder von euch viel zu tun hat.« Tristan lacht kurz hart auf und auch Calin weiß, dass es nur Höflichkeitsgeplänkel ist, was Gabriel dort von sich gibt. Wenn er ruft, muss man antreten, von Einrichten kann da nicht die Rede sein. »Wie dem auch sei«, Gabriel fährt unbeirrt fort, er steht dabei auf und läuft im Saal auf und ab. Das tut er meist, wenn die Themen ernst sind und selbst ihn beunruhigen, und das will schon was heißen. Alle folgen mit ihren Augen gespannt seinen Schritten.»Wie ihr alle wisst, besitzt unsere geschätzte Felicia die Fähigkeit, Geschehnisse in der Zukunft zu sehen.« Calin entgeht nicht Lucians etwas gereizter Blick zu der elfenhaften Schönheit, die sich jetzt ebenfalls etwas unruhig zeigt. Vor ein paar Monaten hat Felicias vorausgesehen, dass Lucian gegen den Pakt verstoßen wird und die Wächter haben rechtzeitig eingegriffen. Zwar kann Felicias nichts direktes sehen, wenn es um einen von ihnen geht, nur Bruchstücke oder wenn sie direkt die Hand auflegt. Doch sie hat das Geschehen aus der Sicht der menschlichen Frau gesehen und so konnte schlimmeres verhindert werden. Obwohl Lucian felsenfest behauptet hat, er wäre nicht schwach geworden und hätte sich unter Kontrolle, musste er die nächste Zeit immer in Begleitung raus, eine strikte Auflage von Gabriel, der außer sich war. Calin weiß gar nicht, ob er immer noch unter der Auflage liegt. »Sie hat schon vor einiger Zeit immer wieder ein paar Bruchstücke gesehen, konnte es jedoch nicht zuordnen, aber in letzter Zeit sind die Visionen häufiger geworden. Das Merkwürdige ist, Felicia kann nicht richtiges erkennen, es passiert etwas, sie sieht immer wieder jemanden von euch und andere Personen.« Gabriel holt tief Luft und Calin beugt sich etwas in seinem Stuhl vor, er spürt, dass Gabriel angespannt ist, und das passt so gar nicht zu ihm, selten bringt ihn was aus der Ruhe. Er nickt Felicitas zu und sie fährt mit der Erklärung fort.

»Manchmal sind die Visionen eben mehr ein Gefühl, es wird was passieren, was uns alle betrifft… und ich meine alle, ich konnte erkennen, dass es um euren Zirkel genauso geht wie um euch.« Sie sieht einmal zu Calin und er schaut ihr in ihre großen braunen Augen. »Und es muss sich dabei auch um etwas handeln, was zu unseren Kreisen gehört, das ist die einzige Erklärung, warum ich es nicht richtig deuten kann. Wir wissen selber nicht, was es sein könnte, aber es betrifft scheinbar uns alle. Gibt es irgend etwas, was ihr wisst? Erwartet ihr Besuch?« Sie sieht zu Vladan. Der sonst immer so kühle, dem man nie eine Gefühlsregung ansieht, wirkt doch tatsächlich auch einmal verwundert. »Hmm ...nein, kein anderer Zirkel hat sich angekündigt, wir erwarten niemanden.« Felicias' Blick schweift sofort zu Calin um, der sich leicht am Kopf kratzt. Ganz so übersichtlich wie bei den Blutsaugern ist es bei ihnen nicht. Ihr Clan lebt direkt in der Kleinstadt Barnar. Der größte Teil der Einwohner gehört zwar zu ihnen, aber ein paar andere leben dort auch. Meistens sind das Familien, deren Männer bei der Waldaufforstung arbeiten. Sie leben am Rande der Stadt, aber sie leben doch unter ihnen. »Nein, eigentlich nicht dass ich wüsste, wie ihr wisst, gibt es nur noch einen weiteren Clan, und der lebt in Kanada. Keiner von ihnen hat sich angekündigt, auch sonst gibt es nichts neues. Die Männer sind gerade dabei, genug Kaminholz für die kommende Kältewelle zuschlagen, also ist viel zu tun.« Tolja unterbricht Calin. Er ist auch der Einzige, der dies ab und zu wagt und nur, wenn es wirklich nötig ist. »Bekommt Anis nicht Besuch? Dein Vater hat ihm doch letzte Woche beim Einrichten und Streichen geholfen.« Calin erinnert sich, dass sein Vater ein paar Tage ständig bei seinem alten Freund Anis verbracht hat, weil dieser seine zwei Töchter aus Venezuela zu sich holt. »Ja, seine zwei Töchter, irgendwelche jungen Mädchen, sie alle sind Menschen. Also nicht von Bedeutung, mehr ist uns nicht bekannt«, gibt Calin weiter und lehnt sich zurück. Er überlegt selber, was genau Felicia gesehen haben könnte, denn eins ist klar, das hat sich schon des öfteren gezeigt: Wenn sie was sieht, dann trifft es auch ein. Eine Weile ist gänzliche Stille, alle scheinen sich selbst Gedanken zu machen, was da auf sie zukommen könnte, bis sich Gabriel erneut räuspert und mit den Händen auf den großen braunen Esstisch abstützt. Sein Blick schweift einmal durch die so unterschiedliche Gruppe.

»Irgendetwas kommt, wird passieren, und es wird uns alle betreffen!«


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