Humor

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Siegfried
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Humor

von Siegfried (05.01.2012, 00:50)
Kurze Frage - lange Antworten ... (?)

Wie funktioniert Humor in Büchern?
Hat jemand eine Idee?
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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (05.01.2012, 02:29)
Antihelden, Widersprüche und Verwechslungen zum Beispiel. Gut ist, wenn man sich beim schreiben kaputtlacht. Wenn man nach 24 Stunden wieder darüber lachen kann, könnte es gut sein. Gerade für das Medium Buch eignen sich auch Wortspiele: In meinem Buch »Orácoli« erklärt ein alter Mann meiner Protagonistin, wie ein Panzer des 2. Weltkrieges gebaut wurde.
»Cora, der Stahl des Safes ist so dick wie der des T-34 im zweiten Weltkrieg.«
»Der Tee was?«
Sowas in der Art meine ich.
Humor in Büchern ist eine Kunst für sich. Ich kenne Bücher, da wirkt der Humor sehr aufgesetzt. Als gutes Beispiel empfehle ich Bücher von Christopher Moore.

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Perchta
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Re:

von Perchta (05.01.2012, 03:11)
Kurze Frage - Gegenfrage: Funktioniert Humor in Büchern anders als im sonstigen Leben?
Mein Dilettanten-Projekt. "Dilettant" ist übrigens abgeleitet vom lateinischen "delectare" = "erfreuen".

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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (05.01.2012, 03:22)
Perchta hat geschrieben:
Kurze Frage - Gegenfrage: Funktioniert Humor in Büchern anders als im sonstigen Leben?

Ich würde sagen, ja. Du hast z.B. keine Bilder und keine Mimik. Nur die geistige Ebene eben.
cheezygrin ... Ebene eben ha ha ha

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Torsten Buchheit
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Re: Humor

von Torsten Buchheit (05.01.2012, 07:07)
Siegfried hat geschrieben:
Kurze Frage - lange Antworten ... (?)

Wie funktioniert Humor in Büchern?
Hat jemand eine Idee?


Humor funktioniert in den meisten Büchern nicht. Mit ein oder zwei krampfhaft lustigen Sätzen kann man ein ganzes Buch ruinieren.

Humor ist eine vertrauensbildende Maßnahme, er verringert die Distanz zwischen Autor und Leser. Aber in den meisten Büchern ist Humor völlig fehlplatziert.

Wenn man mal von humoristischen Büchern absieht. cheezygrin
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Perchta
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Re: Humor

von Perchta (05.01.2012, 07:23)
Torsten Buchheit hat geschrieben:
Humor funktioniert in den meisten Büchern nicht. Mit ein oder zwei krampfhaft lustigen Sätzen kann man ein ganzes Buch ruinieren.


Ohne ein oder zwei lustige Sätze in einem Buch ruinierst du das Buch aber auf jeden Fall. Zumindest für mich. :twisted: (Ich schüttle mich jetzt noch beim Gedanken an "Der Herr der Ringe". Gut, an dem Teil hatte ich mehr auszusetzen als nur den extremen Mangel an Humor. Aber ich finde es bezeichnend, daß sie ausgerechnet diese Komponente im Film enorm ausgebaut haben.)

Was die Bilder angeht: Hm. Kann man (und sollte man) als Autor nicht im Kopf seines Lesers Bilder malen können?
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mtg
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Re:

von mtg (05.01.2012, 07:45)
Thomas Becks hat geschrieben:
Perchta hat geschrieben:
Kurze Frage - Gegenfrage: Funktioniert Humor in Büchern anders als im sonstigen Leben?

Ich würde sagen, ja. Du hast z.B. keine Bilder und keine Mimik. Nur die geistige Ebene eben.

Natürlich hast Du bei Büchern Bilder ... nur sind die im Kopf. Und die gilt es zu aktivieren ... da müssen Pointen sitzen, da müssen Charaktere deutlich herausgearbeitet sein. Man kann sogar Slapstick schreiben. Entscheidend ist immer, ob überhaupt und welche Bilder Du erzeugst ...

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Adriatic
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Re:

von Adriatic (05.01.2012, 08:22)
Der Adria-Express gilt als humorvoll, wenn man den Leserrückmeldungen Glauben schenken darf.

Die humoristischen Einlagen sind zum Teil ausgedacht, zum Teil selbst erlebt und zum Teil aus echten Erlebnissen weiterentwickelt und angepasst. Wichtig war mir, dass sich der Leser mit dem, was da so passiert, identifizieren kann. Alles muss irgendwie realistisch wirken. Nichts, was so nicht irgendwo hätte passiert sein können. Somit wirkt es schon mal nicht gekünstelt.

Humor ist eine Geschmackssache. Ein Buch, dass insgesamt humoristisch rüberkommen soll, sollte verschiedene Geschmäcker befriedigen. Und das ist schwierig. Ein Buch zu schreiben, was die 80jährige Oma genauso lesen kann und wo sie genauso lachen kann, wie der 16jährige Schüler. Sie können an unterschiedlichen Stellen lachen, aber sie sollen beide lachen. Ich habe zum Glück sehr kritische Testleser mit sehr unterschiedlichem Geschmack. Mir haben manche angestrichen "Überhaupt nicht lustig, total platt", da haben andere geschrieben "Super, habe mich totgelacht". Die Mischung zu finden, das ist ein schmaler Grat, den man treffen muss.

Bis wohin man Humor wagt ist genauso schwierig wie die Entscheidung, wie weit man Sex beschreiben sollte.

Wenn man beim Schreiben schon merkt, das man gerade mit Gewalt witzig sein will, sollte man es löschen und ne Pause machen. Guter Humor entwickelt sich zumindest bei mir ganz alleine. Allerdings ist mein Vorteil, dass ich keine Satire oder sonstwas schreibe, wo HUMOR schon auf der Verpackung steht. Ich schreibe realistische Romane, die unterhalten sollen. Da gehört was Nachdenkliches genauso dazu, wie etwas Trauriges oder eben was Humorvolles. Ich mache mir nicht den Stress, auf Teufel komm raus eines dieser Themen mit Gewalt mehr einfließen zu lassen als ein anderes. Es kommt, wie es kommt.
Coccobello (Roman) - Eine Reise in einem alten VW-Bus durch die Toskana

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AnnetteH
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Re:

von AnnetteH (05.01.2012, 08:42)
Ich stimme Gerrit zu.

Meiner Meinung nach ist es bei Humor besonders wichtig, dass er nicht gekünstelt rüberkommt.

Humor darf nicht absehbar sein. Wenn etwas wirklich lustig sein soll, muss es unerwartet kommen, der Leser oder Zuhörer muss damit überrascht werden, denke ich.

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Adriatic
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Re:

von Adriatic (05.01.2012, 08:48)
AnnetteH hat geschrieben:
Wenn etwas wirklich lustig sein soll, muss es unerwartet kommen, der Leser oder Zuhörer muss damit überrascht werden, denke ich.


Das ist besonders gut, aber nicht ausschließlich. Herrlicher Humor ist doch auch, wenn sich etwas langsam andeutet und sich steigert. Wenn jemand so richtig sehenden Auges in ein Schlamassel gerät.

Tom Sharpe zum Beispiel versteht diese Art des Humors sehr gut.
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Torsten Buchheit
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Re: Humor

von Torsten Buchheit (05.01.2012, 08:56)
Perchta hat geschrieben:
Ohne ein oder zwei lustige Sätze in einem Buch ruinierst du das Buch aber auf jeden Fall. Zumindest für mich. :twisted: (Ich schüttle mich jetzt noch beim Gedanken an "Der Herr der Ringe". Gut, an dem Teil hatte ich mehr auszusetzen als nur den extremen Mangel an Humor. Aber ich finde es bezeichnend, daß sie ausgerechnet diese Komponente im Film enorm ausgebaut haben.)


Der Herr der Ringe ist ein Extrembeispiel. Knochentrocken, todernst, in der deutschen Übersetzung antiquierte Sprache ("Gab es keine andere Maid, die Ihr erkiesen konntet?"). Die Liebesgeschichte zwischen Aragorn und Arwen liest sich im Buch wie eine Geschäftsbeziehung. Definitiv nicht geschrieben, um ein Bestseller zu werden.

Der Film dagegen ist ein Convenience-Produkt, so gemacht, daß er möglichst vielen Leuten gefällt. Und viele Leute mögen Humor. Und Action. Und Liebesgeschichten.
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AnnetteH
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Re:

von AnnetteH (05.01.2012, 08:58)
Adriatic hat geschrieben:
Das ist besonders gut, aber nicht ausschließlich. Herrlicher Humor ist doch auch, wenn sich etwas langsam andeutet und sich steigert. Wenn jemand so richtig sehenden Auges in ein Schlamassel gerät.


Das stimmt.

Ich habe kein Rezept für Humor, aber je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr fällt mir dazu ein – oder auf:
Die Figuren müssen auf jeden Fall in ihrer Art konsequent sein. Es sollte sich dabei etwas Unkonventionelles entwickeln, denke ich. Wenn dann zwei Charaktere aufeinanderstoßen, von denen der Leser ahnt, dass das „nicht gutgehen“ kann, muss der Autor mit dem richtigen Feingefühl die Situation meistern, sonst geht der Schuss nach hinten los.

Hm … *grübel*

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (05.01.2012, 09:34)
Ähm Siegfried! Ich habe den Eindruck, dass es sich hier um eine sehr deutsche Frage handelt. Humor ist nicht gleichzusetzen mit Satire oder Ironie, insofern stimme ich denjenigen, die das Fehlen von Mimik und Gestik als Begründung für die Kontraindikation von Humor in Büchern anführen, nicht zu.
Humor ist eine Gabe, derer man sich durchaus auch in schwierigen Situationen bedienen darf. Humor setze ich nicht gleich mit "lustig", sondern eher im Gegenteil: nämlich einer wenig erfreulichen oder gar delikaten Angelegenheit mit einer Prise zum Witz neigenden Unerschrockenheit zu begegnen.

Ich halte Humor für im Buch formulierbar.
Z.B. bei Jonas Jonasson, Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand. Ein ebenso tiefgründiges wie spannendes und humorvolles Buch.

Haifischfrau
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AnnetteH
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Re:

von AnnetteH (05.01.2012, 09:49)
Maryanne kann ich auch zustimmen.

Während sie diesen Beitrag eingetragen hat, habe ich folgenden Gedankengang aufgeschrieben. [Ich finde garede keinen richtigen Anschluss ...]

Humor ist gar nicht das richtige Wort, um das zu beschreiben, wovon wir hier sprechen. Humor ist eine Eigenschaft des Autors und des Lesers. Wir reden hier aber von Komik.

Um auf Siegfrieds Frage zurückzukommen: Der Autor sollte Humor haben. Aber das, was er schreibt, muss zur Kategorie Komik gehören. Um Leser zum Lachen zu bringen, brauchen die wiederum auch Humor (jeder seinen eigenen). Dabei muss also die Chemie zwischen den einzelnen Komponenten stimmen, sonst klappt es nicht mit den Erwecken des Humors.

Hier mal ein eben erlebtes Beispiel, was für mich unter Komik fällt. Ich habe darüber sehr lachen müssen, weil ich überrascht wurde. Die Ausgangssituation war aber vermutlich gar nicht so gemeint:

Als ich eben einen Blick ins Forum geworfen habe, stand als oberster Beitrag dieser Thread hier. Aaah, Humor, gutes Thema! Mal sehen, was da steht… - Dann habe ich gesehen, dass dieser Thread von Siegfried gestartet wurde, und ich habe mir ernsthaft überlegt, ob ich das überhaupt lesen soll. Nix für ungut, Siegfried, aber ich habe erwartet, dass Dein Beitrag sehr lang, kritisch und analytisch sein würde. Durch Deine Akribie sind Deine Beiträge in der Regel so lang, dass ich sie gar nicht immer lese (das ist mein eigenes Problem). Jedenfalls, das waren die Charakteristika, die hier zusammengekommen sind. Als ich den Thread dann doch geöffnet habe, bin ich fast geplatzt vor Lachen, weil nur eine kurze Frage da stand.

(... und siehe da, jetzt fangen alle anderen an, sich über Siegfrieds kurze Frage seitenlang darüber auszulassen!)

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Grit
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Re:

von Grit (05.01.2012, 09:50)
M.E. dürfte sich Humor je nach Buchgenre unterschiedlich darstellen.

Ich habe bei Werken mit autobiografischem Inhalt die Erfahrung gemacht, dass einfach nur gnadenlose Ehrlichkeit humorig wirken kann. Meiner Meinung nach hat Hape Kerkeling z.B. in seinem Buch "Ich bin dann mal weg" viel mehr Humor bewiesen, als ich es aus seinen Sketchen etc. bisher kannte.

LG Grit

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