Für Sachbuch: Urheberrechte für Texte aus Romanen

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


schlauefuus
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Für Sachbuch: Urheberrechte für Texte aus Romanen

von schlauefuus (11.01.2013, 18:06)
Hallo BoD-Gemeinde,

ich spiele mit dem Gedanken, mein erstes Buch verlegen zu lassen. Es handelt sich um ein Sachbuch, in dem ich versuche, dem Leser die luxemburgische Sprache und Kultur näherzubringen. Das Buch ist eigentlich so gut wie fertig und gerade in der "Testphase": Ich gehe es gerade mit einem Deutschen, der unsere Sprache lernen möchte, durch. Mal schauen, ob er danach tatsächlich Luxemburgisch kann cheezygrin

Es ist eigentlich wie ein handelsübliches Lehrbuch aufgebaut:
Der Leser erlernt Lektion für Lektion die Grundlagen vom Luxemburgischen, mit dem Ziel, später einmal tatsächlich der luxemburgischen Sprache mächtig zu sein. Jede Lektion ist in Themen gegliedert (z.B. Luxemburg-Stadt, die großherzoglich Familie, Traditionen und Gebräuche usw.).

Vorweg: Da ich erst seit Kurzem überlege, mit meinem Buch Profit zu machen, kenne ich mich noch nicht sehr gut im Urheberrecht aus. Ich möchte nur sichergehen, dass ich Niemandem zu nahe trete, was das Urheberrecht angeht. Sollten meine Fragen also ziemlich doof oder überflüssig auf euch wirken, entschuldige ich mich jetzt schon im Voraus :?


Weil im Buch auch Textverständnis auf dem Lehrplan steht, habe ich öfters ganze Texte aus diversen Romanen übernommen.
Darf ich das ohne Weiteres, wenn ich Autor, Buch, Auflage und Seite im Quellenverzeichnis nenne?

Muss ich davor den Verlag oder den Autor fragen, bevor ich den Text übernehmen darf? Oder reicht es, wenn ich den Autor nur darüber informiere, dass ich seinen Text benutze?


Ich habe auch diverse Fotos und Bilder im Manuskript eingefügt. Einige sind aus Artikeln aus dem Internet, beispielsweise:
© Guy Wolff / Cour grand-ducale / tous droits réservés

oder von Wikipedia
(Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert.)

Wie muss ich damit umgehen?

Und, damit ich euch in Zukunft nicht mehr nerven muss:
Kann ich irgendwo Informationen über Urheberrechte und ihre Bestimmungen/Auflagen finden?

Danke im Voraus für Eure Geduld. thumbbup

holz
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Re: Für Sachbuch: Urheberrechte für Texte aus Romanen

von holz (11.01.2013, 19:12)
schlauefuus hat geschrieben:
Muss ich davor den Verlag oder den Autor fragen, bevor ich den Text übernehmen darf? Oder reicht es, wenn ich den Autor nur darüber informiere, dass ich seinen Text benutze?


Wenn Text nicht gemeinfrei ( http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinfreiheit ), ist Abdruckgenehmigung erforderlich, siehe auf den Verlagsseiten unter Lizenzen.
Hier als Beispiel C.H. Beck http://rsw.beck.de/cms/?toc=Presse.75

Als Großzitat dürfte das nicht durchgehen. Zum Zitatrecht siehe
http://www.medienrecht-urheberrecht.de/ ... zitatrecht

schlauefuus hat geschrieben:
Ich habe auch diverse Fotos und Bilder im Manuskript eingefügt. Einige sind aus Artikeln aus dem Internet,
oder von Wikipedia (Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert.) Wie muss ich damit umgehen?


Urheber kontaktieren, Abdruckerlaubnis einholen.
Zu den CC-Lizenzen siehe
http://de.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons
Dort jeweils genau prüfen, ob kommerzielle Nutzung überhaupt erlaubt wird (oft nicht).

Weiterführende Infos zum Urheberrecht:
Dossier Urheberrecht
http://www.bpb.de/gesellschaft/medien/urheberrecht/

Dort kostenlos "Urheberrecht im Alltag" (PDF, 15 MB)
http://www.bpb.de/gesellschaft/medien/u ... d-eigentum

Urheberrecht Luxemburg
http://de.wikipedia.org/wiki/Urheberrec ... xemburg%29
http://www.eco.public.lu/attributions/d ... te_Lux.pdf

schlauefuus
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Re: Für Sachbuch: Urheberrechte für Texte aus Romanen

von schlauefuus (12.01.2013, 17:23)
Danke, das hat mir schon sehr viel geholfen.

holz hat geschrieben:
Wenn Text nicht gemeinfrei, ist Abdruckgenehmigung erforderlich, siehe auf den Verlagsseiten unter Lizenzen.


Das hat in der Regel geklappt. Nur bei einem Text bin ich mir nicht sicher, was ich tun soll:
Auf der Verlagsseite ist das Buch nicht mehr im Katalog gelistet. Es scheint auch nicht mehr im Handel erhältlich zu sein. Andere Bücher vom gleichen Autor werden aber noch verkauft.

Im Impressum ist der Autor nicht namentlich genannt:

© éditions Phi
ASTI - Association de soutien aux travailleurs immigrés
Titelbild und Zeichnungen: xxx
Foto: xxx
Layout: xxx
Druck: xxx

ISBN: xxx


Bedeutet das, dass der Autor seine Rechte an den Verlag abgetreten hat? Und wenn das Buch nicht mehr verkauft wird, muss ich mich dann trotzdem an den Verlag wenden oder kann ich mich dann einfach beim Autor erkundigen? book:

Danke nochmal holz, du hast mich schon über Vieles aufgeklärt.

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Richard Bercanay
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Re:

von Richard Bercanay (12.01.2013, 18:40)
Ohne Experte zu sein: Meines Wissen verfallen Rechte erst nach 50 Jahren. Um sicherzugehen sollte man allemal den Verlag, beziehungsweise die Autoren kontaktieren. Daß ein Buch nicht mehr verlegt wird bedeutet nicht, daß der Autor kein Urheberrecht mehr hat.

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Richard Bercanay
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Re:

von Richard Bercanay (12.01.2013, 18:44)
Nochmals: Der Autor tritt seine Urheberrechte nicht an den Verlag ab, sondern nur die Vertriebsrechte. Das Eigentum am Text verbleibt in der Regel beim Autor, es sei denn, es wurde anderes vereinbart. Das Impressum, das Du hier zitierst, sagt darüber nichts aus. Also kannst Du getrost davon ausgehen, daß die Rechte am Text selbst beim Autor liegen und er nur das Recht zum Vertrieb abgetreten hat, was Du hier ja auch tust, wenn Du Dein Buch bei BoD veröffentlichst.

Wenn ein Buch also nicht mehr verlegt wird, wandern die Vertriebsrechte in der Regel auch zum Autor zurück. Er bleibt aber auch die ganze Zeit Inhaber der Urheberrechte am Text, wie gesagt, sofern nicht etwas anderes vereinbart wird.

schlauefuus
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Re:

von schlauefuus (12.01.2013, 19:15)
Richard: Danke, das mit dem Vertriebsrecht hatte ich wohl verpennt...

Es hat sich herausgestellt, dass der Autor mit anderen Kollegen einen eigenen Verlag gegründet hat und nun ausschließlich durch ihn seine Bücher an den Mann bringt. Ich kann mich demnach beim Autor selbst melden, zumal er der Ansprechpartner des Verlags ist.
Zwei Fliegen mit einer Klappe, sozusagen...

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hawepe
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Re:

von hawepe (14.01.2013, 08:21)
Hallo Richard,

Richard Bercanay hat geschrieben:
Nochmals: Der Autor tritt seine Urheberrechte nicht an den Verlag ab, sondern nur die Vertriebsrechte.


Nein, er tritt die Nutzungsrechte ab.

Das Eigentum am Text verbleibt in der Regel beim Autor, es sei denn, es wurde anderes vereinbart.


Und nochmals nein, der Autor bleibt IMMER Urheber, ein Abtreten des Urheberrechtes ist gesetzlich ausgeschlossen. Vollständig abtreten kann er immer nur das Nutzungsrecht.

Das Impressum, das Du hier zitierst, sagt darüber nichts aus.


Genau, das Impressum sagt lediglich aus, wer rechtlich für die vorliegende Veröffentlichung verantwortlich ist.

Wenn ein Buch also nicht mehr verlegt wird, wandern die Vertriebsrechte in der Regel auch zum Autor zurück.


Wenn ein Buch nicht mehr LIEFERBAR ist und der Verlag kein Nutzungsrecht für eine Neuauflage hat oder das Recht für eine Neuauflage nicht nutzt, dann kann der Autor wieder selbst frei über seinen Text verfügen.

Das ist übrigens der Knackpunkt, an dem viele DKZV ansetzen. Weil die Bücher noch lieferbar sind, müssen Autoren ihre dort veröffentlichten Texte faktisch lebenslang als verbrannt abschreiben.

Beste Grüße

Heinz

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