Die Frau im Schilf

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AnGaWe
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Die Frau im Schilf

von AnGaWe (13.01.2013, 15:39)
Die Frau am See

Schon lange sitze ich reglos am Ufer, warte mit ausgeworfener Angel, hoffe, dass sie kommt.
In der Ferne ein leises Donnerrollen, Mücken umgarnen mich in der schwülen Abendluft.
Ich lege den Kopf schief, lausche, erwarte das vertraute Rauschen im Schilf, die verheißungsvolle Ankündigung ihres Eintreffens.
Niemals werde ich vergessen, wie sie erstmals vor mir in Erscheinung trat. Wie der dichte Uferbewuchs sich teilte, um ihre schmale Gestalt freizugeben. Wie die Gräser unter ihren bloßen Füßen wisperten und der Wind mit ihren langen dunklen Locken spielte.
Schon senkt sich die Sonne rot herab. Verbittert raffe ich meine Angelzeug zusammen. Sie wird nicht mehr kommen.


Kaum hatte ich mein Glas abgestellt, schenkte Nora bereits nach, präsentierte mir stolz den guten Jahrgang und ihre riesigen Brüste. Eingezwängtes, blaugeädertes Fleisch, das sie wie eine Waffe auf mich gerichtet hielt. Ein süßlicher Duft, der den Tiefen ihres Dekolletés entströmte, nahm mir fast den Atem.
Sie ließ sich auf meiner Armlehne nieder, schob mir eine Erdbeere in den Mund und bedachte mich mit einem zweideutigen Lächeln: „Später kannst du noch mehr haben“.
Ich schlug die Beine übereinander, setzte mich kerzengerade im Sessel auf. Sie presste ihr breites Becken in meine Seite. Der schwarze Stretch-Mini zog sich hoch und legte ein Stück ihrer schwammigen weißen Oberschenkel frei. Fordern legte Nora eine Hand auf mein Bein. Ich würgte die letzten Reste der Frucht hinunter und führte mein Glas zum Mund.
„Darling, ich glaube du hast genug getrunken – wir haben noch was vor“. Sie grinste anzüglich und nahm mir den Wein aus der Hand. Bei dieser Bewegung ließ sie bewußt eine ihrer harten Brustwarzen an meiner Wange entlang streifen.
Unendlich langsam erhob sie sich, stellte mein Glas auf das Beistelltischchen und griff in die Obstschale.
„Lust auf ein Dessert?“ Ihre kurze, dicke Zunge bohrte sich in die überreife Frucht. Der rote Saft troff nach allen Seiten hervor.
„Ich habe wirklich noch zu tun!“
„Ich auch …“ Noras feucht glänzende Lippen stülpten sich über meinen Mund. Dann schlug sie mit ihre pinken Krallen zu.
Ich weiß wirklich nicht, wann genau sie begann, mich dermaßen abzustoßen.

Ich bin geflohen. Ich habe mein Angelzeug in einen Korb geworfen und aufs Rad geschnallt. Mit jedem Kilometer schlug mein Herz ruhiger. Ich habe Noras platinblond gefärbten Haare, ihr Parfum und ihren üppigen Körper hinter mir gelassen.
Ich hockte mit ausgeworfener Leine in einer Uferlücke, reglos, mein Blick verlor sich im Wasser. So mag ich lange gesessen haben – in der Abgeschiedenheit unterliegt die Zeit vollkommen anderen Gesetzmäßigkeiten. Nichts war von Belang außer der Stille, die mich schützend umfing. Wind kam auf. Ein Zittern fuhr durch die Blätter der Espen und kleinere Vögel stieben in Schwärmen davon. Als es im dichten Schilf zu rauschen begann, schob ich es auf die starke Brise und zog meine Strickjacke enger um mich. Plötzlich begann der Röhricht sich systematisch, Meter für Meter, zu teilen. Als ich gebannt auf den dichten Bewuchs unweit meiner Uferlücke schaute, klaffte im Rohrdickicht bereits ein großer, dunkler Spalt. Dann spie die üppige Vegetation eine Frau aus. Einen Moment lang stand sie still und schaute sich um. Dann wurde sie meiner gewahr und ging auf mich zu.
Als sie, die Zierliche, all die hohe Stauden und Gräser am Gewässerrand passierte, um zu mir vorzudringen, wirkte sie wie ein Schatten, der einen grünen Mantel abstreift. Die Lampenputzer verneigten sich vor ihrer gertenschlanken Gestalt und die Farnwedel umschmeichelten ihre schmalen Fesseln. So schien es mir.
Als sie meine Uferlücke erreichte, lächelte sie. Ein wortloser Gruß, den ich mit einem Nicken erwiderte. Stumm setzte sie sich nieder,genau neben mir, kreuzte die Beine zum Schneidersitz, legte die Hände in den Schoß und blickte ins Wasser. Eine tiefe, alles durchdringende Ruhe ging von ihr aus und verlieh diesem Ort, meinem Refugium, eine mystische Atmosphäre. Versonnen wendete ich den Kopf und betrachtete die reglose Frau. Ihre langen, verspielten Locken standen in einem interessanten Kontrast zu ihrem herben Profil, das von einer stark gebogenen Nase dominiert wurde. Als ob sie meinen Blick gespürt hätte, wandt sie mir ihr Gesicht zu. Ihre Lippen, ungeschminkt und sanft geschwungen, öffneten sich zu einem Lächeln. Sie hob ihr Kinn und schaute mich an.
Es war weniger die außergewöhnliche Farbe, als vielmehr das subtile Leuchten ihrer tiefliegenden, grüngen Augen, das diese ungeheure Faszination auf mich ausübte. Diese Frau betrachtete mich mit einer Intensität, wie noch kein Wesen es je zuvor getan hatte.
„Wer bist du?“ wollte ich fragen, „Sag mir deinen Namen, damit ich dich nie verliere.“ Sie nahm einen Finger und legte ihn mir auf den Mund. Von der Ruhe, die sie ausstrahlte, ging ein Zauber aus, der mich bis ins Innerste rührte. Als sie schweigend meine Hand nahm, hätte ich weinen mögen.


Als ich den Flur betrat, war das Licht im Untergeschoss bereits gelöscht. Ich tappte durch den finsteren Korridor und schob meine schmutzigen Stiefel unter die Treppe. Wie ein Dieb schlich ich im Dunkel die Stufen hoch. Die Schlafzimmertür stand einen Spalt weit offen, gedämpftes Licht drang auf die Empore. Nora war offenbar noch wach. Leise betrat ich den Raum.
„Wie ich dich vermißt habe!“ Einladend schlug sie die Bettdecke zurück und streckte ihre vollen Arme nach mir aus. Ihr nackter Körper verströmte einen schweren Moschusduft vermischt mit dem Dunst feuchter Hitze. Meinen Kopf an ihrer Brust flüsterte sie mir aufreizende Dinge ins Ohr. Ich kniff die Augen zusammen. Zitternd zog sie mich aus und drängte sich an mich. Als ihre Finger meinen Bauchnabel umspielten und langsam abwärts glitten wünschte ich mir, sie würde meine Hand halten.
Ich schloß mich im Bad ein, verhängte den Spiegel, drehte den Heißwasserhahn bis zum Anschlag auf, stand still, mitten im Raum, atmete, lauschte. Das kräftige Rauschen vertrieb Noras Stöhnen aus meinem Kopf. Der komplette Raum war dampfgeschwängert, als ich endlich unter die Dusche stieg. Mit einer Bürste bearbeitete ich meinen Körper, schrubbte jede ihrer Berührungen von meiner Haut, bis sie glühte. Wasserdampf kondensierte an der Duschkabine und schlug sich in Form von tausenden und abertausenden Perlen nieder – jede von ihnen barg das Bild meiner unbekannten Frau im Schilf.
Ich stand in der Wanne, das Wasser lief nicht mehr. Ich ließ mich sanft vom Dunst umfangen wie von meiner kostbaren Erinnerung. Erst als all die Perlen zerlaufen und schließlich im Abguss versickert waren, verließ ich meinen sicheren Hort.

Ich warf den Haken aus und starrte gebannt ins Schilf. Die dichten Gräser wiegten sich leise im Wind. Ruhig und verlassen erstreckte sich der See in der Abendsonne.
Langsam begann ich, an meinem eigenen Verstand zu zweifeln. Ein beklemmender Gedanke, die unbekannte Frau als bloße Illusion abtun zu müssen. Ein Ruck fuhr durch meine Angelrute –endlich hatte einer angebissen. Ich holte die Schnur ein.
Plötzlich ein leises Rascheln im Uferbewuchs, das nach und nach zu einem gewaltigen Rauschen anschwoll. Schwärme kleiner Fische stoben davon, als sich schließlich der dichte Vorhang öffnete und den Blick auf die schöne Unbekannte freigab.
Sie faszinierte mich nicht minder als am Tag zuvor: Ihr perfekter Teint mit dem olivfarbenen Unterton, die fein modellierten Schultern, die mädchenhaft schmalen Hüften, ihre grünen Augen unter den großen, schweren Lidern – jedes Detail an ihr war das Abbild all meiner verschütteten Träume.
Sie kam auf mich zu, erfaßte sogleich meine Hand, die ich ihr bittend entgegenstreckte und schenkte mir einen stummen, tiefen Blick. Anmutig glitt sie zu Boden. Mit einem Nicken bedeutete sie mir, es ihr nach zu tun. Mit überkreuzten Beinen, die Handflächen nach oben und den Blick auf die glatte Wasseroberfläche gerichtet, versanken wir in gemeinsames Schweigen. Es war ihre bloße Präsenz, die mich restlos erfüllte. Die Bedachtsamkeit, die jeder ihrer Gesten zugrunde lag, sättigte mich und verlieh mir Wurzeln. An ihrer Seite war ich so viel mehr als ein willenloses Stück Treibholz.


In der Mittagspause ging das Telefon. Es war Nora. Ihr wäre langweilig. Sie läge gerade in Wanne, seife sich von oben bis unten ein und … Mir brach der Schweiß aus, ich mußte hier raus. In der Kantine brachte ich keinen Bissen herunter. Nach Feierabend würde ich direkt an den See fahren.

Über dem mannshohen Uferröhricht lag eine drückende Schwüle. Still war es. Kaum ein Luftzug fand seinen Weg durch den dichten Bruchwald, der meinen See vom besiedelten Umland abschirmte.Von Zeit zu Zeit vernahm ich ein leises Huschen, Plätschern und Flügelschlagen. Vereinzelt bewegten sich ein paar Halme, oder knackte ein Rohrkolben, ganz so, als berge der breite Schilfgürtel lediglich Teichrohrsänger und kleinere Amphibienarten, aber kein Geheimnis.
Es hatten bereits ein paar Schleien angebissen, als ich endlich das vertraute Rauschen vernahm. Als erstes erspähte ich ihre schlanken, sehnigen Arme, als sie die kräftigen Halme auseinanderbog. Schon trat sie aus dem wogenden Grün, das sich rasch hinter ihr schloß. Meine Uferlücke nahm sie auf. Der frische, saftige Gräserbestand umfasste uns. Feucht, warm und geborgen – wir waren zwei Föten im Leib ihrer Mutter.
Ich faßte sie sanft unter das Kinn und drehte ihren Kopf zu mir. Ihr Gesicht war ein perfektes Oval, madonnengleich umrahmt von langem, schwarzem Haar. Ich würde mich niemals satt daran sehen können. Plötzlich wünschte ich mir, ihre schweigenden Lippen zu berühren. Mit der Fingerspitze, ganz sacht, wie ein Windhauch. Sie nahm meine beiden Hände, umschloss sie ganz fest, als ob sie wüßte, daß ich gehalten werden musste.
Von dieser Frau ging ein Tiefsinn aus, der mich mit jeder Faser meines Wesens ergriff.

Als ich mein Büro betrat, hockte Nora auf meinem Schreibtisch. Ich bezweifelte, daß die Kantine Schuld an meinem plötzlichen Unwohlsein trug. Die oberen Knöpfe ihrer Bluse waren geöffnet. Ein dralles Bein lagerte auf meinen Akten, das andere thronte auf der Lehne meines Drehstuhls.
„Bring mir meine Unterlagen nicht durcheinander – bitte!“
Ich griff nach ihrem Oberschenkel, wollte ihn zur Seite drücken. Nora sah mich von unten herauf an und klimperte aufreizend mit den Wimpern. „So stürmisch heute?“
Sie schürzte die Lippen. Der pinke Gloss war bereits verlaufen. Energisch griff sie nach meiner Hand und führte sie unter ihren Rock. Dort, wo ich glattes Nylon erwartet hatte, war nichts. Sie führte meine Finger, leitete mich an. Ich dachte an das Ausweiden von Fischleibern.
Blackout.
Mein Auto parkte um die Ecke. Das Angelzeug lag bereits im Kofferraum.

Das Schilf rauschte – endlich würde sie kommen. Mir lag so viel auf der Seele, ich wollte diesen unerträglichen Ballast in ihre Hände legen und all meine Liebe in ihre grüngesprenkelten Augen träufeln. Wie sehnte ich mich danach, ihrem ruhigen Atem zu lauschen und unsere Spiegelbilder auf der glatten Wasseroberfläche vereint zu sehen. Die Gräser wisperten unter der Last bloßer Füße. Ich drehte mich um.
Da stand sie, bis zum Gürtel entblößt. Sie trat auf mich zu und legte meine schlaff herabgesunkene Hand auf ihren Bauch. Ihr Fleisch war straff und fest. Ich stand wie versteinert, war unfähig, mich zu rühren. Sie löste sich von mir, befeuchtete ihre Lippen und warf das lange Haar zurück. Ihre Brüste leuchteten strahlendweiss in der Abendsonne. Zwei Fremdkörper, die sich bleich von ihrem kräftigen Hautton abhoben. Wie Zwiebeltürmchen reckten sich die erregten Knospen aus dem dunklen Warzenhof. Behutsam ergriff sie meine Hände, formte daraus zwei Schalen und presste sie auf ihre straffen Wölbungen. Die roten Spitzen bohrten sich in meine Handflächen, fraßen sich tief in mein Fleisch. Ich wollte schreien, doch sie drängte mich rückwärts in das Schilf, aus dem sie gekommen war. Sie zog mich auf sich, in sich, machte mich zum Dorn in ihrem Fleisch. Ein Unwetter zog auf. Mit jedem Gewittergrollen zwang sie mich in einen schnelleren Rhytmus. Ihre Hände, statt mich zu halten, krallten sich in den Boden.
Ich stürzte, geriet ins Trudeln, ein wilder Strudel verschlang mich. Verzweifelt ruderte ich mit den Armen, streckte die Finger nach ihr aus und umfasste ihren Hals.
Mit aller Gewalt entlud sich der Donner in ihr. Sie war plötzlich still, ganz still.
Als ich mich von ihr löste war ich voller Schlamm. Ich wusch meine schmutzigen Hände im Tümpel. Dann raffte ich mein Angelzeug zusammen und fuhr heim. Zu Nora.
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AnGaWe
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Bitte um Hilfe/konstruktive Kritik

von AnGaWe (15.01.2013, 10:55)
Hallo liebe Forenmitglieder und Gäste,
vor einigen Tagen habe ich meine erste Kurzgeschichte hier ins Netz gestellt und warte seither bangend um Hilfestellung.
Wie gesagt, es ist das erste Mal, dass ich mich an einer Kurzgeschichte versucht habe und bin mir daher ein wenig unsicher. Eine Meinung dazu wäre schön, oder, wenn möglich, eine Art Hilfestellung von jemandes Seite, der ein wenig bewanderter mit Kurzgeschichten ist.
Und , nun bin ich so dreist noch direkt zu sagen, was ich mir wünschen bzw. nicht wünschen würde: also bitte kein "sauschlecht" oder "superklasse", das nützt mir nichts! Ich bitte Euch um eine Begründung. Warum gut/schlecht, was wäre verbesserungswürdig, was ist eventuell bereits gut, woran sollte ich arbeiten. Wie wirkt die Geschichte auf Euch, kann man sie überhaupt verstehen , habe ich den Einstieg gut gewählt oder hätte ich vielleicht ganz anders beginnen sollen, ist es zu langatmig, oder zu kitschig, ist der Satzbau in Ordnung usw.
Also, falls jemand Zeit und Lust zum Lesen und Kommentieren hat...
Danke im voraus!
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Re:

von yggdrasil (15.01.2013, 12:42)
Schreiben kannst Du - sehr gut. Die Story finde ich auch sehr gelkungen - mystisch.

Den ersten Absatz würde ich komplett weglassen, beginnen mit Nora. Zack- rein in die Geschichte. Den Schluss empfinde ich als rätselhaft, gut.

Ein paar Flüchtigkeits- und Tippfehler (ß statt ss; grüngen statt grünen usw.), aber - soweit ich es beurteilen kann, hat es alle Elemente einer Kurzgeschichte.

Vielleicht solltest Du in ein reines Autorenforum wechseln, dort findest Du mehr Hilfe, als hier.

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AnGaWe
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danke

von AnGaWe (15.01.2013, 13:04)
Danke für die Antwort: mit so einer positiven Reaktion hätte ich niemals im Leben gerechnet. Ich bin wirklich sehr überrascht, und auch froh, natürlich.

Die Fehler stimmen. Nach wie vor kämpfe ich mit ss anstelle von dem alten ß...

Und die Idee, den ersten Absatz wegzulassen, erscheint mir eine sehr gute!
Da wäre ich nie selbst drauf gekommen. Man selber ist ja auch eher betriebsblind...

Danke nochmal für die Anregung. Dein Lob ermutig mich wirklich und ich werde die Geschichte überarbeiten.
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Isautor
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Re:

von Isautor (15.01.2013, 14:10)
Was ich mir noch gewünscht hätte als Leser: Ich mag es schon gerne angedeutet, aber doch so, dass man sich einigermaßen sicher ist, was passiert. Ich bin mir jetzt nicht sicher, hat er die Frau wirklich gesehen, war sie immer nur eine Fantasie oder hat er am Schluss eine echte Frau ermordet? Und warum bleibt er bei Nora? Warum trennt er sich nicht von ihr? Das hab ich mich gefragt beim Lesen.
Dieser Kunstgriff mit den Wechseln zwischen den Welten, den kann man machen, aber ich glaube, da geht noch mehr.
Zum Beispiel sind sehr viele Beschreibungen enthalten. Und du verwendest sehr viele Adjektive. Wenn man zwei Personen intensiv miteinander zeigt in einem Abschnitt, kommt man oft nicht um die Adjektive herum. Zum Beispiel die Beschreibung von Noras Äußerem, das unangenehm ist, da würde ich das lassen. Aber in den Schilfszenen, da könnte man viele Wörter rausnehmen.
Wenn man einmal erwähnt hat, dass der Bewuchs dicht ist, muss das zwei Sätze nicht nochmal sagen, sondern der Leser hat das Bild bereits vor Augen.
Seid gegrüßt,

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AnGaWe
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Re:

von AnGaWe (15.01.2013, 14:34)
Auch das scheinen wir wertvolle Hinweise zu sein. Danke, Isautor.
In puncto Adjektive gebe ich Dir vollkommen recht, das was auch mein Empfinden ( und ich hatte bereits einige herausgelöscht, beovr ich den Text online gestellt hatte...) aber ich wollte eben mal sehen, wir Ihr anderen den Text empfindet.
Und ja, es war von mir schon gedacht, daß die Frau real war und er sie umgebracht hat, da er sich von ihr getäuscht fühlte. Am Ende war sie ja nicht so, wie er sie sich erhofft hatte ( fein und tiefsinnig und voller Verständnis; es war ja keine platonische Liebe, die er sich erhofft hatte, doch auch ein "fleischliches Begehren" der Unbekannten) und darüber war er nicht nur maßlos entsetzt (da getäuscht und enttäuscht) daß er sie ihm Wahn umgebracht hatte. Ja, warum ging er zu Nora zurück? Weil sie sein Heim war und das, was er kannte. Viele Menschen flüchten sich ins Altbekannte zurück, auch wenn sie wissen, dass es ihnen nicht gut tut...
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yggdrasil
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Re:

von yggdrasil (15.01.2013, 14:46)
Isautors Kritik ist natürlich fundierter, als meine. Ich finde die Geschichte sehr gut lesbar, sie gefällt. Ich hatte es auch so verstanden, wie Du in Deiner Antwort an Isautor geschrieben hast. Dass er so sang- und klanglos zu Nora zurück kehrt - aus "Gewohnheit" - das gefällt mir nicht so gut. Ich hätte es so gewählt, dass er sie dann auf der Stelle verlässt.

Aber gut so.

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AnGaWe
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Re:

von AnGaWe (15.01.2013, 14:58)
Hallo Yggdrasil,

daher ist es auch gar nicht schlecht, denke ich, wenn eine Geschichte Raum für Interpretationen läßt. Jeder denkt sich ein wenig etwas anderes an Bedeutung hinein. Zumindest ich habe derlei Geschichten, die viel Raum für eigene Gedankenarbeit lassen, in der Schule am meisten geliebt.
Ach ja, Schule, das ist schon lange her...
Aber was haben wir uns im Deutsch LK oft die Köpfe heiß geredet über Kafka und co.

Ich merke anhand der Kritikpunkte, daß da noch viel herauszuholen ist, u.a. aus dieser Geschichte, als auch aus weiteren Ideen, die ich noch nicht ansatzweise zu Papier gebracht habe, dies aber mit Sicherheit tun werde. Bisher habe ich nur für Kinder geschrieben ( oder für junge Mütter), werde dies aber ausweiten und mir auch andere Themen vornehmen, das genre wechseln. Ach ja, wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich noch so viel schreiben wollen...
Danke für Eure Kritik , Isautor und Yggdrasil und ggf äußert sich ja der eine oder andere Autor(in) noch.

lg,Anne
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Monika K.
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Re:

von Monika K. (16.01.2013, 10:28)
Ich antworte nur als Leserin, da ich Satirikerin und keine Romanautorin bin.

Die Geschichte enthält ein paar Tippfehler und müsste vor einer Veröffentlichung noch einmal dahingehend überprüft werden. Aber beim Lesen haben sie mich nicht sonderlich gestört. Erwähnen möchte ich:
"pinken Krallen" --> "pinkfarbenen Krallen"
"Ihr wäre langweilig." --> "Ihr sei langweilig."

Zum Inhalt:
Das Genre ist nicht ganz das, was ich normalerweise lese. Trotzdem fand ich die Geschichte spannend und habe sie gerne gelesen. Ich hätte ebenfalls etwas weniger Adjektive verwendet, aber ich empfand sie nicht als extrem störend. Der Wechsel zwischen den Handlungsorten und das parallele Erzählen der Handlungen ist dir meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Für mein Empfinden sind die beiden weiblichen Figuren ein klein wenig zu übertrieben dargestellt, aber das ist Geschmackssache. Ich mag keine zu starken Gut-Böse-Unterscheidungen, aber sie sind sehr beliebt und kommen bei vielen Lesern gut an.

Über Isautors Einwand, dass man sich die Frage stellt, warum er Nora nicht verlässt, habe ich auch nachgedacht. Man fragt sich das häufig mal bei anderen Paaren, oder? Insofern ist die Darstellung sogar sehr realistisch. Viele Menschen sind in unglücklichen Situationen gefangen und zu feige auszubrechen. Stattdessen lassen sie ihren Frust an Dritten aus. Genau diese Verhaltensweise kommt am Ende der Geschichte zum Tragen. Deshalb finde ich den Schluss super und auf den zweiten Blick gar nicht so unrealistisch, wie ich zuerst dachte. thumbbup

Gruß, Monika
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

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SandraR
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Re:

von SandraR (16.01.2013, 12:00)
Grundsätzlich nette Geschichte! Im 4. Abschnitt nehmen die Schachtelsätze etwas überhand. Würde ich unbedingt so umschreiben, dass auch mal ein Punkt gesetzt werden kann.
Der erste Abschnitt ist für mich abschreckend kitschig. Weniger wäre da mehr, oder wie schon vorgeschlagen wurde, einfach streichen cheezygrin
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AnGaWe
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Re:

von AnGaWe (16.01.2013, 14:20)
Dankie Monika und Sandra für die Rezension und Verbesserungsvorschläge. Sandra's "abschreckend kitschig" des ersten Absatzes klang mir noch im Kopf, als ich mir erneut (bestimmt zum 20. Mal) den ersten Absatz durchgelesen habe (aber dieses Mal laut!!!!! Und das macht einen riesigen Unterschied zu leise!) und auf einmal bin ich in schallendes Lachen ausgebrochen. Ich war ja schon vor 2 Tagen so weit, einzusehen, dass man den ersten Absatz am besten wirklich streicht.
Ja, Sandras Worte im Kopf, habe ich nun selbst vollends, quasi mit "fremden Ohren" diesem Anfang der Geschichte gelauscht und muss sagen, JA: ES IST KITSCHIG.
Also: gestrichen!

Die zahlreichen Adjektive waren schon immer mein "Fehler", wenn man das so nennen darf, und ich werde mich in Zukunft strenger kontrollieren in diesem Punkt.

Ansonsten bin ich wirklich platt, dass die Geschichte im großen und ganzen gefällt, damit hätte ich gar nicht gerechnet, schon gar nicht in diesem Forum. Wie gesagt, es war der erste Versuch einer Kurzgeschichte und eure Rezis ermutigen mich, weiter daran zu arbeiten.
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