Was ist Wahrheit?

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MichaelHA
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Was ist Wahrheit?

von MichaelHA (10.04.2013, 19:20)
Was ist Wahrheit?



Pilatus ist ratlos. „Was ist Wahrheit?“, sagte er vor
Tagen noch. Doch das war eine bloße Ausflucht.

In diesem gütigen Manne aus Nazareth konnte er
kein Unheil erkennen.

Weshalb waren die Juden so erbost?

Als er schließlich seine Hände in vermeintlicher Unschuld
wäscht, da spürt er die Angst dennoch schuldig geworden
zu sein.

Nachts quälen ihn seither Dämonen und tagsüber ist er nur
noch ein Schatten seiner selbst.

Wenn da nicht auch noch seine Frau wäre, die dem Manne
aus Nazareth die Hand reichte und vor seinem Blicke die
Augen niederschlug.

Ja, sie traf sich seither sogar heimlich mit seinen Anhängern,
erzählte von der Auferstehung und dass sie wahrlich zum
Glauben kam.

„Wie soll das alles nur enden?“, flüstert der weiterhin ratlose
Pilatus, Statthalter zwar, - noch ist er es -, doch im Augenblick
wäre er am liebsten der geringste seiner Knechte.

„Was ist Wahrheit?“, wiederholt er nochmals und sieht sogleich
den hageren Mann aus Nazareth vor sich, der ihn aus gütigen
Augen durchdringlich ansah.

Ja, dieser war die Wahrheit. Und sie wurde von ihm, Pilatus,
nicht erkannt.

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Siegfried
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Re: Was ist Wahrheit?

von Siegfried (10.04.2013, 20:39)
MichaelHA hat geschrieben:
„Was ist Wahrheit?“, wiederholt er nochmals und sieht sogleich
den hageren Mann aus Nazareth vor sich, der ihn aus gütigen
Augen durchdringlich ansah.

Ja, dieser war die Wahrheit. Und sie wurde von ihm, Pilatus,
nicht erkannt.


Wahrheit ist das, was die Mehrheit der Menschen dafür hält.

Just my 2 Cents ...

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MichaelHA
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Re:

von MichaelHA (11.04.2013, 02:15)
Das wäre ja noch schöner, wenn die Menschheit gewissermassen demokratisch "abstimmen" könnte, ob es einen Gott und ggf. welchen gibt.

Das ist wirklich zu einfach. Es heißt doch: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich" (Joh 14,6).

Beste Grüße

MichaelHA

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Nicolas Fayé
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Re:

von Nicolas Fayé (11.04.2013, 07:14)
Das ist nun aber auch zu einfach. Eine Religion rauspicken, nett verpacken und als Wahrheit verkaufen. Geht gar nicht. Man sollte alle Religionen als gleichberechtigt betrachten und jeder sollte (frei nach dem alten Fritz) nach seiner Facon selig werden und andere auch danach selig werden lassen. Dann gäbe es weitaus weniger religiösen Fundamentalismus, der sowieso nur in Gewalt ausartet (von allen Seiten). Dann wäre es wesentlich freundlicher auf der Welt.

(ich leg auf Siegfrieds 2 Cent auch mal meine drauf) cool5
Viele Grüße von Nicolas

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MichaelHA
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Re:

von MichaelHA (11.04.2013, 07:26)
Es gibt dazu ein wunderschönes Buch des italienischen Philosophen Pietro Archiati: Die Weltreligionen. Wege des Menschen zu sich selbst.

Da steht dann alles weitere Wissenswerte drin.

Beste Grüße

MichaelHA

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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (11.04.2013, 09:25)
Ich lege auf Siegfrieds 2 Cent und auf Nicolas' 2 Cent noch 2 Cent drauf und möchte die Wahrheit sehen.
cheezygrin
Warum hat der Zimmermann eigentlich immer vor seinen Philosophien gesagt; wahrlich, ich sage euch ... ? Wenn er doch die reine Wahrheit verkörperte. Hat man seinerzeit so viel beschissen? Natürlich! Die Menschen haben sich selbst beschissen, weil sie sich einen Messias herbeisehnten, der letztendlich alles behaupten durfte.
@ Erzengel HA, das ist die Wahrheit!

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MichaelHA
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Re:

von MichaelHA (11.04.2013, 09:34)
Ich kann niemanden zu seinem Glücke zwingen. Daher nochmals der Tipp zu dem Buche von Pietro Archiati:

http://www.amazon.de/Die-Weltreligionen ... 867726108/

Beste Grüße

MichaelHA

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (11.04.2013, 11:10)
MichaelHA hat geschrieben:
Das wäre ja noch schöner, wenn die Menschheit gewissermassen demokratisch "abstimmen" könnte, ob es einen Gott und ggf. welchen gibt.


Oh, die Menschheit stimmt tatsächlich "gewissermaßen demokratisch" über solche Dinge ab. cheezygrin

Jahrhundertelang glaubten die Menschen, die Erde sei eine Scheibe. Das galt als Wahrheit, weil die Mehrheit der Menschen es als wahr annahm. Wer was anderes behauptete, war Ketzer - und hatte mit Konsequenzen zu rechnen. Wahr ist, was die Mehrheit dafür hält.

Über Tausende von Jahren war Sklavenhaltung absolut legitim. Wer den Krieg verlor, wer die falsche Hautfarbe hatte, wer der falschen Religion angehörte, musste damit rechnen, als Sklave zu enden. Die Überlegenheit des einen Volkes, der einen Hautfarbe, der einen Religion führte zum Gedanken, dass ein Prinzip von Herrschaft und Sklaventum eben wahr ist. Ob Rom, das Osmanische Reich oder die USA bis zum Bürgerkrieg - die Idee der Sklavenhaltung ist wahr, weil die Mehrheit der Bevölkerung diese Idee als solche akzeptiert.

Eine andere Aussage ist, dass es im Universum nichts gibt, das sich schneller als das Licht bewegt. Das betrachten wir als wahr. Warum? Weil die Mehrheit es so festlegt. Eine andere Annahme, vor allem unter Wissenschaftlern, gilt als Spinnerei.

Die Mehrzahl der Menschen hält die Menschenrechte als Rechte des Einzelnen und als Schutz des Einzelnen für wahr. Das führt auf der Erde zu einem ganz bestimmten Weltbild (dem westlichen Weltbild), das anderen Gesellschaften mehr oder minder zwangsweise übergestülpt wird. Eine Gesellschaftsordnung, in dem das Wohl der Gemeinschaft über dem Wohl des Einzelnen steht, gilt als falsch.

Die Kreationisten glauben, die Erde sei nicht älter als knapp 10.000 Jahre. Sie betrachten z. B. die C14-Methode zur Bestimmung des Alters von abgestorbenem organischen Gewebe als Betrug. Würden die Kreationisten eine entsprechenden Anhängerschaft haben wie etwa das Christentum, dann wäre das Alter der Erde mit 10.000 Jahren schlicht wahr.

Wurde John F. Kennedy von der Mafia, den Kubanern, der US-amerikanischen Waffenlobby oder doch von Lee Harvey Oswald erschossen? Als wahr gilt, was die Mehrheit der Menschen glaubt.

Ob man nun an den Urknall oder die göttliche Schöpfungsgeschichte glaubt, ob Jesus von Nazareth nun Sohn Gottes oder doch nur ein Prophet in einer langen Reihe ist, das muss jeder selbst festlegen. Letztlich bleibe ich bei meiner Aussage: "Wahr ist, was die Mehrheit der Menschen dafür hält." Und die Menschheitsgeschichte lehrt uns, dass angeblich unumstößliche Wahrheiten durch "Mehrheitsbeschluss" - meist als "neue Erkenntnis" verklausuliert - geändert werden können. Letztlich ist auch die "neue Erkenntnis" nichts anderes als die Annahme der Mehrheit, dies sei wahr.

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Nicolas Fayé
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Re:

von Nicolas Fayé (11.04.2013, 11:16)
Der Hinweis auf Archiati ist keine Antwort, sondern wieder nur der Versuch, eine von vielen möglichen Religionen als die einzig wahre zu verkaufen. Der Männe ist nicht neutral. Hierzu mal eine kleines Zitat aus seinem Lebenslauf "Er studiert Theologie und Philosophie an der Gregoriana in Rom und später an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. ... Von 1981 bis 1985 ist er Dozent in einem Priesterseminar in Südafrika."

Was ist denn mit denen, die z.B. die vergöttlichte tibetanische Wanderameise anbeten? Oder Caligula? Das wären auch Religionen und hätten den gleichen Anspruch, wahr zu sein, wie die "anerkannten" Religionen.
Viele Grüße von Nicolas



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AngelikaL
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Re:

von AngelikaL (11.04.2013, 11:46)
Ich kann mich Siefried und Nicolas nur anschließen. Es gibt nicht die eine Wahrheit, obwohl einige denken, sie hätten die Wahrheit gepachtet und könnten daher Anspruch darauf erheben, dass die ihrige die einzig wahre ist. Es gibt über 7 Milliarden verschiedene Wahrheiten und ja, es gilt das, was die Mehrheit als allgemeingültige Wahrheit definiert. Dabei geht es nicht immer fair zu, es hat noch niemand herausgefunden, wie es besser funktionieren könnte. Vielleicht ist es auch gut so, denn so ändert sich das was wahr ist immer wieder, wird korrigiert und neu definiert. So funktioniert Leben und Evolution: Korrektur und Veränderung. Jeder sollte seine Wahrheit kundtun können und nicht dafür diskriminiert werden. Der Schutz des Glaubens von Minderheiten sollte nicht vernachlässigt werden. Nur so können wir aus dem Vollen schöpfen, indem wir Unterschiede zulassen. Wenn wir uns öffnen und den Willen haben, uns mit der Denkart anderer Menschen, Kulturen und Religionen auseinanderzusetzen, auch wenn diese sich konträr zu unserer eigenen verhält, dann folgt die Toleranz auf dem Fuße. Wir werden erkennen, dass dies keine Gefahr in sich birgt, sondern dass Gegensätze in Denkweise, Religion und Weltanschauung eine Bereicherung in unserem Leben sein werden.

Das sind meine 2 Cent und ist meine Wahrheit. ;)
LG Angelika

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MichaelHA
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Re:

von MichaelHA (11.04.2013, 12:41)
Wahrheit ist aber eine objektive Konstante - lauter subjektive Einzelmeinungen erbringen daher noch lange nicht die "Wahrheit" als Ergebnis. Das müsste aber spätestens seit Kant und Watzlawick bekannt sein, dass Wahrheit nur unter pluralistischen Bedingungen herstellbar ist, nicht aber durch schlecht informierte Mehrheiten.
Thomas Kuhn stellte z.B. fest, dass sich gesellschaftliche Paradigmen, also die Annahme darüber, was wahr und gültig ist, ständig im Flusse befinden. Würde eine Wahrheitsentscheidung quasi demokratisch per Mehrheitsentscheid zustandekommen, so fehlte das notwendige pluralistische Moment, der erforderliche Minderheitenschutz, denn die Minderheiten von heute können die Mehrheiten der Zukunft sein, wenn man deren wissenschaftliche Existenz nicht von vorneherein radikal verhindert.
Die einstmals verfolgten Christen wurden zur weltbeherrschenden Religion.
Die ehemaligen Ketzer um Luther konnten sich weltweit als die protestantische Alternative etablieren, und die noch von Aristoteles und Sokrates abgelehnte attische Demokratie wurde zum weltweiten Idealstaat verklärt.
Insgesamt kann eigentlich nur eine Wissenschaftstheorie des "Anything goes" die erforderlichen Voraussetzungen für genügend Pluralität in der Wissenschaft garantieren. Was heute als Parawissenschaft angesehen wird, etwa die Homöopathie könnte eines Tages die Medizin der Zukunft sein.

Beste Grüße

MichaelHA

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (11.04.2013, 12:47)
Nicolas Fayé hat geschrieben:
Was ist denn mit denen, die z.B. die vergöttlichte tibetanische Wanderameise anbeten? Oder Caligula? Das wären auch Religionen und hätten den gleichen Anspruch, wahr zu sein, wie die "anerkannten" Religionen.


Was ist mit denen, die nichts und niemanden anbeten? Die einfach jede (!!!) Form von Religion für sich ablehnen und den Standpunkt vertreten: "Ich lasse mir von niemandem vorschreiben, was und wie ich zu glauben habe!" cheezygrin

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MichaelHA
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Re:

von MichaelHA (11.04.2013, 12:52)
Buddhisten haben z.B. keinen festen Gottesbegriff, sie beten niemanden an, meditieren aber dafür für ihre eigene spirituelle Fortentwicklung.

Ich persönlich halte den Buddhismus durchaus für eine Alternative.

Vielleicht gibt es eines Tages eine etablierte Konvergenz zwischen Buddhismus und Christentum. Heute gibt es dazu schon einen Keim,
"Die Christengemeinschaft" http://www.anthrowiki.at/Christengemeinschaft

Beste Grüße

MichaelHA

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Nicolas Fayé
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Re:

von Nicolas Fayé (11.04.2013, 12:52)
MichaelHA hat geschrieben:
Wahrheit ist aber eine objektive Konstante - lauter subjektive Einzelmeinungen erbringen daher noch lange nicht die "Wahrheit" als Ergebnis.


Das nenne ich jetzt mal den sprichwörtlichen Schuß ins Knie. cheezygrin
Auch das Christentum (oder jede andere Religion) besteht aus lauter subjektiven Einzelmeinungen, dem einzig wahren Glauben anzuhängen. Gemäß deiner eigenen Argumentation ist das aber noch kein Beweis der "Wahrheit", ergo ist der Beweis nicht erbracht. cheezygrin
Viele Grüße von Nicolas



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MichaelHA
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Re:

von MichaelHA (11.04.2013, 12:55)
Klar, deshalb bin ich auch im Januar dieses Jahres aus der kath. Kirche ausgetreten, weil einsehen muss, dass relative Mehrheiten noch lange keine Wahrheit repräsentieren.

Beste Grüße

MichaelHA

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