Hilfsverben

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Tanzmaus
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Hilfsverben

von Tanzmaus (26.07.2013, 11:21)
Hallo zusammen,


falls es schon einen ähnlichen Thread über dieses Thema gibt, würde ich mich freuen, wenn ihr mir den Link zeigt.

Ich habe momentan so meine Probleme mit den lieben Hilfsverben, denn ich finde sie häufiger in meinen Texten, als mir lieb ist. Oft weiß ich einfach nicht, wie ich sie umschreiben soll.



Hier ein paar Beispiele:



Mein Zimmer war nie besonders groß gewesen, aber das hatte mich auch nicht gestört, denn es war gemütlich – und ich fühlte mich hier Zuhause.

- drei von der Sorte. Furchtbar :(



Er konnte mich kaum ansehen, als er mir sagte, was geschehen war.

- eine Möglichkeit, die mir einfiel: Er konnte mich kaum ansehen, als er mir erklärte, was in dieser Nacht geschah.
Ob ich damit zufrieden sein soll, weiß ich allerdings auch nicht.



Als letztes eine Geschichte, die eine Mutter ihrer Tochter erzählt:
Es war einmal ein kleines Mädchen. Sie lebte mit ihren Eltern zusammen in einem kleinen Haus. Sie war stets nett und liebenswürdig, doch sie fühlte sich zu Hause nicht wohl. Ihr Vater wurde sehr oft wütend, und oft trank er abends zu viel. Doch ihre Mutter war krank und hatte nicht mehr die Kraft, sich ihrem Mann entgegenzusetzen. Das kleine Mädchen wollte ihrer Mutter helfen, denn sie sah, dass sie litt, doch sie wusste sich nicht zu helfen und ihr Vater war schlecht gelaunt wie jeden Abend.



Ich hoffe, ihr könnte mir irgendwie weiterhelfen.
Schon beim Schreiben möchte ich die Hilfsverben möglichst vermeiden, so weit es geht.


Viele Grüße,
Nicole

Daniela2013
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Re:

von Daniela2013 (26.07.2013, 14:58)
:D
Zuletzt geändert von Daniela2013 am 05.05.2017, 00:46, insgesamt 1-mal geändert.

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (26.07.2013, 15:13)
*Es war einmal ein kleines Mädchen. Sie lebte mit ihren Eltern zusammen in einem kleinen Haus. Sie war stets nett und liebenswürdig, doch sie fühlte sich zu Hause nicht wohl. Ihr Vater wurde sehr oft wütend, und oft trank er abends zu viel. Doch ihre Mutter war krank und hatte nicht mehr die Kraft, sich ihrem Mann entgegenzusetzen. Das kleine Mädchen wollte ihrer Mutter helfen, denn sie sah, dass sie litt, doch sie wusste sich nicht zu helfen und ihr Vater war schlecht gelaunt wie jeden Abend.*


Dein Problem beginnt mit dem "kleinen Mädchen" - das Mädchen ist sächlich, und plötzlich machst du es weiblich. (Sie / Es)
Es lebte mit den Eltern ....
Das kleine Mädchen wollte SEINER Mutter helfen ....
Guck dir den Text mal an. Ein Lösung: Gib dem Mädchen am Anfang einen Namen.
z.B. Johanna war ein kleines Mädchen, das mit seinen Eltrn ... Sie (Johanna)....
Ich finde Geschichten die mit "Es war einmal" beginnen fürchterlich altbacken...

haifischfrau
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Richard Bercanay
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Re:

von Richard Bercanay (26.07.2013, 15:14)
Da kann ich Daniela nur zustimmen. Es gibt bestimmte Zeitformen, die das Hilfsverb erfordern, weshalb die Verwendung von Hilfsverben auch kein Verbrechen sondern eine Notwendigkeit sind.

Blöd wird es, wenn man schreibt:

Im Zimmer sind Stühle. Hans ist auf dem Weg zu enem Stuhl. Sein Hemd ist blau und seine Hose ist schwarz. (Besser: Im Zimmer stehen Stühle. Hans ging zu einem der Stühle herüber. Er trug ein blaues Hemd und eine schwarze Hose.).

In dem im Beispiel genannten Sinne stellen sich einem wirklich die Nackenhaare auf, wenn da so viele Hilfsverben verwendet werden, bei bestimmten Zeitformen sind zur Bildung eben dieser Formen unverzichtbar.

Tanzmaus
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Re:

von Tanzmaus (26.07.2013, 15:21)
Danke für eure Hilfe.

@ haifischfrau

book: Oh weh, natürlich, das hatte ich gar nicht bemerkt, danke!
Den Namen kann ich anfangs aber leider nicht geben, weil die Mutter ihrer Tochter das erzählt und es eigentlich ihre eigene Geschichte ist. Das erfährt die Tochter allerdings erst später, das ,,altbacken'' ist extra so gemacht, weil die Mutter es eben wie eine Geschichte ihrer kleinen Tochter erzählen will, um damit von der Realität abzulenken. ,,Es war einmal'' hat somit (für mich persönlich) immer etwas von einem Märchen und da sie am Ende auf den Schutzengel eingeht, der ihr in dieser Situation geholfen hat, finde ich es persönlich gar nicht so schlimm.

Viele Grüße,
Nicole

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mtg
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Re:

von mtg (26.07.2013, 16:28)
Hi Nicole,

warum ziehst Du es dann nicht genau so auf und nimmst den Leser mit in die Geschichte?

»Es war einmal ein kleines Mädchen«, begann die Mutter zu erzählen und blickte dabei íhrer Tochter in die Augen.
»Ein Mädchen so wie ich?«
»Ja, so wie Du - aber auch wieder ganz anders. Denn dieses Mädchen lebte zwar bei ihren Eltern, aber glücklich war sie nicht. Obwohl sie immer nett und freundlich zu sein versuchte, war der Vater oft böse und schimpfte mit ihr - vor allem, wenn er trank. Und er trank viel ...
»Hatte das Mädchen denn keine Mutter, die es schützen konnte?«
»Doch - eine Mutter hatte es. Aber sie war krank und schwach. Ihr fehlte einfach die Kraft, sich ihrem Mann entgegenzustellen. Das kleine Mädchen sah, wie sie litt, aber wusste auch nicht, wie sie ihrer Mutter helfen konnte ...
Zuletzt geändert von mtg am 26.07.2013, 16:59, insgesamt 1-mal geändert.

Tanzmaus
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Re:

von Tanzmaus (26.07.2013, 16:59)
@ mtg: toll, das ist eine gute Idee :) danke! angle:

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Judith
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Re:

von Judith (26.07.2013, 21:14)
Wenn man aus "das Mädchen" einfach mal "die Kleine" macht, kann man von der Sache zu "sie" wechseln. Matthias ist versehentlich auch hin- und hergerutscht. :wink:
Du willst mehr wissen? Bitte hier - meine Website.

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mtg
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Re:

von mtg (26.07.2013, 21:45)
Judith hat geschrieben:
Matthias ist versehentlich auch hin- und hergerutscht. :wink:

Das ist ein Unterstellung *grins* ... ich sehe das an dieser Stelle nicht so dogmatisch, da ich auch einem Mädchen das weibliche Geschlecht nicht abspreche, wie das hingegen unter Frauen offensichtlich so üblich ist ... :-) *duckundweg*

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (26.07.2013, 22:10)
Och Matthias, kann ja mal passieren. Judith ist da definitiv näher am Ball - bzw. am Röckchen. Dass weiland einer das weiblichen Kind zum Neutrum gemacht hat, können wir nicht mehr ändern - allerdings muss, wer sich grammatikalisch dem Kind widmet, das ganz konsequent tun.

Bei derartigen Sätzen halte ich es am liebsten mit den Polizisten, die eine Leiche vor dem Gymnasium fanden. ...Wie schreibt man Gymnasium? Komm, Kollege, wir schaffen die Leiche vor die Post.

Also: Mädchennamen oder die Kleine (meinetwegen auch die Lütte), die Tochter....

(Mit den Fräulein haben wir dasselbe Problem!) :)
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (27.07.2013, 00:49)
Haifischfrau hat geschrieben:
Dass weiland einer das weiblichen Kind zum Neutrum gemacht hat, können wir nicht mehr ändern - allerdings muss, wer sich grammatikalisch dem Kind widmet, das ganz konsequent tun.


Sorry, wenn ich mich da einmische ... aber "das Mädchen" ist immer der Ausdruck innerhalb der deutschen Sprache, mit dem ich den Einstieg mache, wenn Kursteilnehmer mit Migrationshintergrund Deutsch lernen sollen.

Denen erzähle ich dann immer, dass 80% der eingeborenen Deutschen nicht wissen, warum es "der Junge" (männlich, weil männlichen Geschlechts) und "das Mädchen" (sächlich, obwohl weiblichen Geschlechts) heißt. Und sich deshalb niemand von meinen Kursteilnehmern schämen soll, weil er oder sie die deutsche Sprache nicht vollständig beherrscht ... Offenbar stimmt meine Behauptung ... cheezygrin


Das Geheimnis, das sich hinter dem Begriff "das Mädchen" versteckt, ist eigentlich sehr offenkundig.

Hängt einfach mal an das durch und durch männliche "der Mann" die Endung "-chen" an - was bekommt ihr dann? Richtig! "Das Männchen".

Oder:"Der Herr" ... "Das Herrchen"

Oder: "Die Frau" ... "Das Frauchen"

Die Endung "-chen" ist im Deutschen eine Verkleinerungsform, und Verkleinerungen sind im Deutschen immer im Neutrum: "Das Bübchen", "Das Jungchen", "Das Hundchen".

Zurück zu unserem "Mädchen". Die eigentliche Form für dieses weibliche Lebewesen war einmal "Die Maid", als Altersabgrenzung zu "Die Frau". Aus der Verkleinerungsform "Das Maidchen" hat sich "Das Mädchen" ergeben. Der Begriff "Die Maid" ist im Laufe der Jahrhundert ungebräuchlich geworden - ausgenommen bei Tony Marshall und seinem Schlager "Schöne Maid" ... cheezygrin

Den gleichen Effekt gibt es auch bei der Verkleinerungsform "-lein" ... "Das Männlein", das im Walde steht ...

Es ist also mitnichten so, wie viele Kampf-Emanzen behaupten, dass die männlich geprägte Sprache des Deutschen dem jungen weiblichen Menschen das Geschlecht geraubt hat. Diese Kampf-Emanzen sind einfach zu blöd, mal in der deutschen Sprache nachzuforschen, warum es einen entsprechenden sprachlichen Ausdruck gibt. Bei "Das Jungchen" oder "Das Männchen" schweigt die Emanze beredt! ...


So in etwa erhalten bei mir Migranten ihren Einstieg in den Deutsch-Unterricht. Es wird in der Runde gelacht und die Hemmschwelle, einen Fehler im Deutschen zuzugeben, ist deutlich gesunken. Denn 80% der eingeborenen Deutschen können es ja auch nicht besser ... cheezygrin
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Tanzmaus
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Re:

von Tanzmaus (27.07.2013, 11:01)
Wieder was gelernt thumbbup

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (27.07.2013, 12:57)
Nö Siegfried! Es geht zunächst um DAS Kind - egal, ob Männlein oder Weiblein. Das Kind ist sächlich.
Deine Ausführungen sind mir (selbstverständlich) bekannt und ich bin auch nicht in meiner femininen Ehre verletzt (behauptet auch keiner)!
Es geht mir ausschließlich um die Grammatik - ich denke, du verstehst was ich meine. angle:

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (27.07.2013, 14:06)
Haifischfrau hat geschrieben:
Nö Siegfried! Es geht zunächst um DAS Kind - egal, ob Männlein oder Weiblein. Das Kind ist sächlich.


Dann verstehe ich aber deinen Einwand nicht, dass jemand "weiland einer das weiblichen Kind zum Neutrum gemacht hat, können wir nicht mehr ändern". Möchtest du die Formen "der Kind" (wenn männlich) und "die Kind" (wenn weiblich) haben? Das männliche Kind ist ja auch Neutrum.

Das wäre eine Änderung, die wir an vielen Stellen durchziehen müssten: "Der Wesen" (wenn männlich), "die Wesen" (wenn weiblich); "der Objekt" (wenn männlich), "die Objekt" (wenn weiblich). Ist dein Beitrag so zu verstehen?
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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (27.07.2013, 18:17)
Asche auf mein Haupt! Mein ganzer Satz ist missverständlich formuliert.
Das Kind ist sächlich, das Mädchen auch, und der Junge ist männlich.
Das ist kein feministischer Quark, sondern eine Feststellung. Als nichtdeutsche Muttersprachlerin kann ich dem Neutrum wenig abgewinnen, es ist nicht logisch und stellt einen vor grammatikalischen Herausforderungen.

Fakt: Beim Mädchen müssen wir, anders als beim Jungen, eine grammatikalische Hürde überschreiten - und in sehr vielen Büchern (und Übersetzungen) werden dabei Fehler gemacht.

haifischfrau
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