Warum in einem großen Verlag veröffentlichen...

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Jasmin

Warum in einem großen Verlag veröffentlichen...

von Jasmin (09.11.2007, 16:16)
Hallo,

ich bin neu hier und möchte ein paar persönliche Erfahrungen mit Publikumsverlagen, Literaturagenturen und generell dem Thema "Buch veröffentlichen" loswerden. Vor einiger Zeit habe ich mich ganz bewusst gegen die Veröffentlichung in einem großen Verlag entschieden. Ich bin nachwievor bei einer großen Literaturagentur unter Vertrag, habe aber vor, auch dieser in nächster Zeit zu kündigen. Derartige Aktionen haben in meiner unmittelbaren Umgebung für Überraschung wenn nicht sogar Entsetzen gesorgt, frei nach dem Motto "Aber du wolltest doch immer ein Buch schreiben!"

Genau.

Ich wollte immer ein Buch schreiben (nicht nur eines, wenn möglich ganz viele), aber ich habe festgestellt, dass ein Buch zu schreiben, also eine Geschichte zu erzählen, und ein Buch zu veröffentlichen zwei ganz unterschiedliche Paar Schuhe sind.

Das Bücher-Schreiben ansich ist etwas intimes, persönliches, wo die innersten Gedanken, Wünsche und Träume freigelegt werden - bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. Natürlich ist mir klar, dass ein Buch zu veröffentlichen etwas anderes ist, dass man hier abgeklärter an die Sache heran gehen muss, sprich man muss seine kaufmännische Seite bemühen und für sich selbst die Werbetrommel rühren und dick auftragen, um zu verkaufen. Das habe ich einige Jahre lang aktiv gemacht, vorerst erfolglos, dann über den Weg der Literaturagenten. Dieser Weg hat mir gezeigt, dass die meisten Agenten wenig Idealismus für das Medium Lesen bzw. Buch anzubieten haben, auch hier geht es in erster Linie nur um den schnellen Euro. Wie oft habe ich mir anhören müssen, "was gerade auf dem Markt angesagt ist und verlangt wird", fast als wäre das eine Zauberformel, fast als wüssten Agenten (und auch Lektoren) genau, was der Buchmarkt wünscht, als gäbe es keine Bestsellerlisten, in denen sich Bücher tummeln, die mit dem Thema Literatur ansich nichts mehr gemeinsam haben. Wenn ich meine Geschichte so und so umformen könnte, sagte man mir, ja, dann sähe man Aussichten für mich, bei einer Agentur unterzukommen.

Irgendwann habe ich es dann geschafft, einen Vertrag mit einer großen Literaturagentur einzugehen. Zu allererst begannen wir und feilten gemeinsam an meinem Manuskript herum, das bis dato schon einige Ecken und Kanten einbüßen musste, und machten es "salonfähig", will heißen "marktfähig." Mein Agent versprach mir gute Chancen, bei den großen Publikumsverlagen a la Heyne, Droemer, Bastei etc. unterzukommen.

Ein Jahr ist nun verstrichen, und der Tenor jener Verlage, die nicht abgesagt haben, lautete: "die Autorin schreibt gut, aber das Thema ist uns nicht interessant genug, wir schauen uns aber gerne ihr nächstes Werk an." Für die meisten klingt so etwas wahrscheinlich sehr verheißend - ich musste die Thematik meines Manuskript nur noch etwas "interessanter" gestalten, will heißen, es nochmaligst umschreiben, böse Zungen würden sagen, die Thematik "reißerischer" gestalten. Ich bin kein Mensch, der keine Kritik vertragen kann, im Gegenteil, ich bin dankbar für jeden Tipp, meinem Manuskript noch den letzten Pepp geben zu können, oder die Dinge ein wenig mehr in die Richtung lenken zu können, in die sie führen sollen, und ich habe auch die eine und andere wertvolle Lektion gelernt, wie man mein Manuskript abseits jeglicher Marktwünsche besser machen kann, aber diese Jahre mit den Literaturagenturen und nunmehr der Verlagswelt haben mir gezeigt, dass von meinem ursprünglichen Manuskript letztendlich nicht viel übrig geblieben ist. Es handelt sich bei meinem Manuskript weder um eine dröge Geschichte, die lahm dahinplätschert, es sind auch alle Elemente wie Liebe, Eifersucht, interessante Dialoge, Spannung, Situationskomik etc. vorhanden, es geht nicht um einen Anfänger Debutroman, ich bin schon einige Jahre dabei, aber die Art und Weise, wie mein Manuskript sich verändern sollte, "nur" um einer Veröffentlichung in einem großen Verlag entgegen zu sehen, hat mich dann doch sehr stutzig gemacht. Ich habe mich hingesetzt und mir überlegt, warum ich eigentlich veröffentlichen will. Ist es wegen des Geldes? Wohl kaum, wie wir wissen, werden die wenigsten vom Schreiben reich. Ist es wegen der Bestätigung? Und wenn ja, ist es dann diese ganze Mühe wert, schlimmer noch, ist es das wert, dass man sein Manuskript, an dem das Herz hängt, derart umschreibt, dass vom wahren Kern gar nichts mehr zu erkennen ist? Und das alles nur, um in einem großen Publikumsverlag erscheinen zu können, wo man letztendlich ein Buch von vielen ist und durch all die Korrekturen wahrscheinlich auch ein Buch WIE viele andere ist?
Warum sind wir so versessen drauf, in einem richtigen Verlag zu veröffentlichen? Jeder, der schreibt, sollte sich diese Frage mal stellen und sich dann fragen, ob er nicht besser dran ist, wenn er selbst veröffentlicht. Ob nun bei BoD oder einem Kleinverlag oder im Eigenverlag soll dahingestellt sein, wichtig war für mich wieder Herr über meine Worte zu sein und den Spaß an der Sache wiederzufinden. Ich will nicht sagen, dass es leichter ist, einen Verlag zu finden, als selbst zu veröffentlichen, aber es gehört in meinen Augen genauso viel dazu, sein Buch selbst auf die eigenen Beine zu stellen. Warum BoD einen schlechten bis zu gehässigen Ruf genießt (generell die Branche des Eigenverlages) und warum bei BoD veröffentlichten Autoren nachwievor dieses Anhängsel "Ah, bis zu einem RICHTIGEN Verlag reichte es nicht." anhaftet, ist mir ein Rätsel. Für mich ist BoD nichts weiter als ein Instrument, mein Buch veröffentlichen zu können. Was ich dann daraus mache, ist meine Sache. Sicher, es gibt bei BoD viel "Schund", will heißen, grausige Coverentwürfe, grausige Geschichten, bei denen man wirklich weiß, warum sie es NICHT in einen großen Verlag gebracht haben, aber nichtsdestotrotz stecken hinter all diesen Büchern Autoren, denen ihr Buch immerhin so viel bedeutet, dass sie sich dahinterklemmen und den nicht minder mühsamen Weg der eigenen Veröffentlichung gehen. In meinen Augen ist der Weg der Eigenveröffentlichung (bei wem auch immer) der härtere Weg. Ich will nicht schlecht über die großen Verlage reden, aber hat man's bis dahin erst mal geschafft, ist vom eigenen Manuskript nicht mehr viel übrig, sprich bei der Unterschrift unter den Buchvertrag hat man's schon allerhand Leuten recht gemacht, gebuckelt und klein beigegeben. (Außer man ist nun das ganz große Genie und sie reißen's einem aus den Händen, aber wer ist das schon...)Es scheint vielmehr auch ein Zeichen der heutigen Zeit, der Gesellschaft, dass man als Schreiberling erst "wer ist", wenn man in einem richtigen Verlag was veröffentlicht hat. Ein "Dazwischen" gibt es nicht mehr. (Einfach zu singen reicht ja auch nicht mehr, man muss es schon bis zu RTL schaffen) Es wäre wünschenswert, dass sich ähnlich dem Independent Label in der Musikindustrie auch in der Bücherwelt eine unabhängige Szene bilden würde, was durch die fallenden Herstellungspreise bei Büchern mittlerweile viel einfacher zu vollziehen wäre als noch in der Vergangenheit. Für gerade mal 39,90 (BoD Classic) kann ich bei BoD mein 260 Seiten starkes Manuskript in ein wunderschönes Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen verwandeln. Ein Publikumsverlag hat mir "nur" ein Paperback angeboten. Ich kann meinem Buch das gewünschte Cover geben. Wenn ich mir die Cover der letzten Zeit bei Heyne anschaue (man sehe sich nur Love und Puls von Stephen King an), frage ich mich ernsthaft, ob mein Cover dort die nötige kreative Wertschätzung erfahren hätte. Ich kann den Titel meines Buches frei wählen, auch das war bei den großen Verlagen, nicht mal bei der Agentur möglich. Zuletzt hatte mein Manuskript vier verschiedene Titelläufe durchfahren, alles schon tausend Mal gehörte "Frauenliteratur" Titel. Bei BoD, bzw. im Eigenverlag ist mein Buch, ich will nicht sagen für die Ewigkeit, aber doch sehr viel länger erhältlich als bei den großen Verlagen. Erfahrungsgemäß sind dort Titel, die sich nicht all zu toll verkaufen (so wie wir) bereits nach 3-5 Jahren nicht mehr erhältlich. (Das ist meine Erfahrung, wenn jemand eine andere hat, lasse ich mich gerne belehren.)
Bitte versteht mich nicht falsch, ich möchte hier nicht über die großen Verlage jammern oder deren Kompetenz, was das Beurteilen von Manuskripten angeht, anfechten oder in Frage stellen, es gibt viel Mist auf dem Markt und eine Selektion tut Not, aber mir persönlich hat sich der Eindruck ergeben, dass letztlich nur die Leute eine Chance haben, die perfekt geschliffene Edelsteine einreichen und bereit sind, die eine oder andere Klinke zu putzen, bis sie ihre Unterschrift unter den Buchvertrag setzen dürfen. Es gibt natürlich auch Ausnahmen, aber meine Erfahrung ist ein bisschen wie bei Deutschland sucht den Superstar: Wie weit bist du als Schriftsteller bereit, für eine Veröffentlichung in einem großen Verlag zu gehen bzw. wie sehr bist du bereit, von deinen eigentlichen Buchwünschen abzurücken, nur um einer Veröffentlichung entgegen zu sehen? Wenn ich dann zurückblicke und sehe, weswegen ich eigentlich mal mit dem Schreiben begonnen habe, so steht das im krassen Gegensatz zu dem, was daraus geworden ist. Ich gehe jetzt wieder dorthin, wo ich hergekommen bin und werde veröffentlichen, was mir Freude macht - und nicht was eine Hundertschaft an Leuten für das Beste hält, und ich bin froh und dankbar, was ich bei BoD alles für mein bisschen Geld bekomme, und, nein, ich bekomme keine Toaster oder Staubsauger als Prämie, weil ich hier so gut über die spreche. Wenn es so etwas wie eine "alternaive Szene" gibt oder jemand derartiges plant, wäre ich für eine Nachricht dankbar. In diesem Sinne wünsche ich euch noch wundervolle Stunden in euren ureigenen Geschichten und habt eine schöne Weihnachtszeit (das darf man Anfang November doch schon sagen, oder?)
Liebe Grüße,
Jasmin

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Seshmosis
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Re:

von Seshmosis (09.11.2007, 19:45)
Hallo Jasmin,

herzlich willkommen!

Ich kann Dein Posting und Deine Gefühle sehr gut verstehen. Mein Weg war von BoD zu einem großen Verlag (Heyne), wobei ich aber weiterhin manche Projekte bei BoD machen werde.
Ich habe mich vor kurzem von meinen Agenten getrennt, weil wir einfach nicht zusammengepaßt haben. Meine Erfahrungen in diesem Bereich Agentur/Verlage sind den Deinen sehr ähnlich.
Zumindest habe ich das Glück, dass ich meine Nomadengott-Saga nach meinen Vorstellungen weiter schreiben kann und von meinen Lektorinnen auch darin unterstützt werde, meinem Stil treu zu bleiben.

Ich wünsche Dir, dass Du Deinen eigenen Weg findest.

Mit großen Respekt vor Deiner Entscheidung - Seshmosis, der Schreib-Nomade

Laura
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Re:

von Laura (09.11.2007, 20:35)
Hallo Jasmin, ich habe deinen Beitrag mit großem Interesse gelesen.

Die von dir gesuchte alternative Verlags- bzw. Literaturszene gibt es tatsächlich. Da sind zum Einen die zahlreichen Kleinverlage und zum Anderen die Hobbyautorengruppen, die in Eigenregie Bücher realisieren, meist in Zusammenarbeit mit einem Kleinverlag.

Für mich persönlich war diese alternative Szene, in der ich mich ein paar Jahre getummelt habe, aber auch keine echte Alternative. Auch hier musst du es allen möglichen Leuten recht machen, nach dem Mund reden usw. Ganz zu schweigen von der Katzbuckelei vor Kleinverlagen, die nicht viel zu bieten haben dafür aber jede Menge Forderungen an die Autoren stellen und auf die geringste Kritik mimosenhaft empfindlich reagieren. Deshalb habe ich mich jetzt auch für BoD entschieden. U.a. auch, um die Freude am Schreiben wieder zu finden. Ich könnte noch eine Menge sagen, habe das hier auch schon mal an anderer Stelle getan und will mich nicht endlos wiederholen. LG Laura

Franz W. Bauer

BoD + Amazon = der zukünftige Weg

von Franz W. Bauer (09.11.2007, 21:29)
Liebe Jasmin,

dein Thema ist das Thema vieler Autorinnen und Autoren, die sich hier tummeln und ich sehe in deiner Schilderung meine Meinung wieder bestätigt, die ich in diesem Forum an anderer Stelle in ähnlicher Weise schon kundgetan habe:

Ich denke, dass "BoD" als Alternative zu herkömmlichen Verlagen im Zusammenwirken mit "Amazon" (beides, BoD und Amazon sehe ich als Vorreiter, aber auch als Synonyme für alle anderen das Internet nützenden Aktivitäten dieser Art) immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Abgesehen davon, dass viele, sehr viele Bücher, die von Verlagen herausgebracht werden, keinesfalls deswegen schon inhaltlichen und/oder formmäßigen Qualitätsansprüchen gerecht werden und oft, allzuoft, unter "ferner liefen" zu finden sind oder, kaum auf dem Markt, schon wieder verramscht werden, liegt die Zukunft meiner Meinung nach eben im Internet und seinen Möglichkeiten, die es vor wenigen Jahren noch nicht gegeben hat.

Immer mehr Buchhandlungen sperren zu und immer mehr Kunden bestellen - hauptsächlich - bei Amazon. Dort zu "stöbern" und sich Infos zu holen, ist jedem Buchhandlungs-Angebot überlegen und Bücher, die Qualität haben, werden mit Sicherheit gekauft, weiterempfohlen, weiter gekauft - egal, ob sie nun über BoD kommen oder von einem "richtigen" Verlag.

Bücher werden vielleicht insgesamt ein wenig teurer werden. Aber ein inhaltlich wirklich gutes Buch bietet sowieso einen großen Mehrwert, der den Preis rechtfertigt. Für schlechte Bücher ist jeder Preis zu hoch. Mit der Zeit wird sich der Buchmarkt neu regeln und sowohl die herkömmlichen Verlage, egal ob groß oder klein, wie auch die Buchhändler, werden an Wichtigkeit verlieren.

Ich bin froh, dass es BoD gibt. Ich habe mein bislang erstes und einziges Buch vor zwei Jahren herausgebracht, viel dabei gelernt, viel dafür getan, und jetzt läuft es von alleine. Hätte ich auf das Wohlwollen eines Verlags gewartet, säße ich vielleicht jetzt frustriert hier und hätte schon das Handtuch geworfen.

So aber entsteht diesen Winter mein zweites Büchlein wieder über BoD und ich werde es mit meinen besten Wünschen auf den Weg schicken hinein in die große weite Welt - voll Vertrauen, dass es wächst und gedeiht und mir selbst und vielen anderen Freude bereitet.

Das war mein Erfahrungsbericht für dich - und ich wünsche dir viel Erfolg ohne die Krücke Verlag - denn dass du auf eigenen Beinen wahrscheinlich schneller weiterkommst, als an der Verlagsleine, erscheint mir sehr wahrscheinlich.

Viel Glück! :lol:

Franz

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Judith
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Re:

von Judith (10.11.2007, 00:04)
Hallo Jasmin,

erstmal willkommen in diesem Forum!

Ich gehöre noch zu den Hoffenden, die gerne ein Buch bei einem großen Verlag unterbringen würden. Aber ich kann dich sehr gut verstehen. Wenn mein Buch sich vollkommen verändern würde, im Prinzip gegen meinen Willen, weiß ich nicht, ob ich mitziehen würde.

Eine Bitte: Wenn du etwas mehr Abschnitte machst und auch noch eine Leerzeile dazwischen, können wir deine Beiträge besser lesen. :P

Grüßle,
Judith
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hwg
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Re:

von hwg (10.11.2007, 07:36)
Guten Morgen Jasmin,
- und vorerst: einen herzlichen Willkommensgruß!

Deinen "Frust" hinsichtlich herkömmlicher Verlagspraktiken kann ich nachvollziehen. Dass jeder Autor vorerst von seinem Können und dem daraus resultierenden Werk überzeugt ist, gehört zum Selbstverständnis.

Deshalb haben BoD-Produktionen auch einen derart starken Zulauf. Ob die Verkaufserfolge des Buches mit den Erwartungen des Autors Schritt halten, steht auf einem anderen Blatt.

Die Auflagenhöhen der jeweiligen Bücher werden ja als "Geheimsache" gehandelt und überschreiten, soviel ich in Erfahrung bringen konnte, selten die 100-Exemplare-Marke (von Ausnahmen abgesehen).

Herkömmliche Verlage, ob groß oder klein, betrachten ihre Bücher (auch) als Produkte, welche auf dem Büchermarkt "bestehen" sollen (müssen).
Dabei wird eben auf gewisse Trends bei der Leserschaft gesetzt.

Es gibt eben auch eine Unzahl von Erfindern, deren "revolutionäre" Ideen nie in die Tat umgesetzt werden. Man schaue sich bloß die Anmeldungen bei den Patentämtern an, sie gehen in die Tausende - und wieviele erblicken in Form eines brauchbaren Ergebnisses tatsächlich das Licht der Warenwelt?

Selbstverständlich wünsche ich jedem BoD-Autor und Eigenverleger, dass er mit seinem Bemühen Erfolg - wie immer man diesen definieren mag - hat. Doch angesichts der vielen Neuerscheinungen in "normalen" Verlagen von Büchern bislang unbekannter deutschsprachiger Autoren denke ich, dass - zumindest für einen Berufsautor - weiterhin kein Weg an einem der auch im Buchhandel anerkannten Verlage vorbeiführt, trotz aller vorhandenen Schwierigkeiten.

Für Deine schriftstellerische Arbeit und den damit verbundenen Zukunftsplänen rufe ich Dir ein dreifaches Toi, toi, toi zu!

Gruß aus der Steiermark!

Jasmin

Herzlichen Dank ...

von Jasmin (10.11.2007, 17:50)
für eure lieben und aufbauenden Willkommensgrüße, besonderer Dank an Franz und Seshmosis für eure Beiträge, die mich nochmals bestätigt haben, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich hatte erst gezögert, ob ich hier so offen schreiben kann - meine Erfahrungen mit Foren sind nicht die besten -, aber jetzt sehe ich, dass ich hier gut aufgehoben bin.

Leider bin ich eher durch Glück auf diese Seite gestoßen, auf der BoD Seite habe ich vergeblich eine Verlinkung gesucht - oder ist dort gar keine vorhanden?

Nochmals Danke,
liebe Grüße,
Jasmin

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (11.11.2007, 12:39)
Hallo und Moin, Jasmin.

Toller Beitrag! Wie oft habe ich mich über die ablehnende Haltung, die den Bod-Verlagen engegengebracht wird, aufgeregt. Gut, es gibt unter den Dienstleistungsverlagen (werfe ich mal alle in einen Topf) einige schwarze Schafe (über die ich mich auch aufrege), aber das Prinzip als solches ist doch völlig in Ordnung. Warum sollen große Verlage bestimmen, was/wie veröffentlicht wird, und was/wie nicht? Das "Risiko" der großen Verlage ist eh meist gering, da sie sich oftmals auf das verlassen, was ohnehin läuft. Der Vergleich mit DSDS ist absolut treffend. Es kommt gar nicht darauf an, ob etwas gut ist, es kommt darauf an, ob sich etwas gut verkauft - erkläre dem potenziellen Kunden, dass das, was er da hört (liest) das Beste vom Besten ist - auch wenns sch... ist. Am "Produkt" wird solange herumgebastelt, bis es potenziell JEDEM gefällt. Mit "Kunst" hat das nicht mehr viel zu tun.
Gut, als Autor muss man sich entscheiden, was einem wichtiger ist - Erfolg (dann muss man sich anpassen) oder Freiheit (dann nicht) - jedem das seine.
Aber wenn ich Stimmen höre wie: "Ich kämpfe gegen Zuschussverlage" - sprich, gegen Autoren, die für ihr Buch bezahlen, dann heißt das nichts anderes, als dass diese Person gegen ALLE Autoren (und deren Verlage) kämpft, die in Eigenregie - oder wie auch immer - ihr Buch veröffentlichen. Oder noch schlimmer: Gegen ALLE, die sich nicht dem Markt anpassen. Ich finde das überheblich und dumm. Klar, ich kann jeden dazu beglückwünschen, wenn er bei einem "echten" Verlag unterkommt und da auch noch relativ freie Hand hat, aber dieses Glück ist eben nicht jedem gegeben, ganz zu schweigen von dem berühmten Vitamin B. Ich meine, wie viele "Autoren" haben nur deshalb einen Vertrag bekommen, weil sie schon bekannt sind - auf einem anderen Sektor. (Man denke nur mal an die ganzen unsäglichen Biographien und die ganzen Schauspieler, die meinen, auch noch ein Buch schreiben zu müssen) Die "normalen" Verlage wollen auch nur Geld verdienen. Punkt! Einem Dienstleister vorzuwerfen, er macht mit dem "Ego" des Autoren Geld, zieht nicht wirklich. Wer verkauft, will Geld - Punkt!
Ok, mehrere tausend Euronen für eine Veröffentlichung zu zahlen ist Unsinn, aber mit ein wenig Recherche kann sich jeder selbst ausrechnen, wie viel es kostet, einen Selbstverlag aufzumachen und sein Buch selbst zu produzieren. Wenn dann ein Dienstleister für ähnliches Geld die Arbeit übernimmt - warum soll man das nicht in Anspruch nehmen? Ich gehe schließlich auch ins Restaurant, obwohl ich selber kochen kann.

Besonders lustig sind die Personen, die sich als Autoren bezeichnen, und (subjektiv) Müll abliefern, aber am lautesten gegen Dienstleister wettern. Nach der Devise: "Ich bezahle doch nicht für meine Arbeit!" Ähm, Moment ... Arbeit? Natürlich ist das Schreiben Arbeit, aber wer hat diese Autoren gezwungen, sich diese Arbeit zu machen? Wenn wir für alles, was wir freiwillig tun, Geld erwarten ... prost Mahlzeit.

Also, jedem MUSS freigestellt sein, sein Werk auf die Art und Weise zu veröffentlichen, wie er es möchte. Und wenn er sich dazu entscheidet, sein Werk SEIN Werk bleiben zu lassen und sich nicht dem Markt anzubiedern, dann ist das in Ordnung.
Er sollte sich nur überlegen, wie viel er bereit ist dafür zu zahlen.

Ach, mir würde noch so viel mehr zu dem Thema einfallen ...

Laura
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Re:

von Laura (11.11.2007, 14:49)
Aber eine Leserzielgruppe sollte man als Autor schon im Auge haben, für die man schreibt, sonst kann man sein Manuskript gleich in der Schublade lassen.
Ich denke, das mit der Leserzielgruppe sollte eigentlich auch für BoD - Autoren gelten oder wie immer man in Eigenregie veröffentlicht. Gruß Laura

hwg
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Re:

von hwg (11.11.2007, 16:58)
Guten Tag Hakket!

Deine "Schimpforgie" gegenüber Autoren, die sich für einen herkömmlichen Verlag entschieden haben, ruft meinen Widerstand hervor.

Wo ist der Beweis für Deine Feststellung, jeder Autor, der in einem "richtigen" Verlag veröffentlicht, m u s s sich einem "Geschmacksdiktat" beugen? Und wenn dem so sein sollte, ist es ebenso des Autors freie Entscheidung, wie wenn er einen Eigenverlag gründet.

Wer hat den Autor gezwungen, ein professioneller Autor zu sein und für seine Arbeit ordentlich honoriert zu werden? Ebenso wenig zwingt wer wen, irgend einen anderen Beruf zu ergreifen, in dem er möglicherweise sein Arbeitsleben lang unglücklich ist oder arbeitslos wird.

Ob ein literarischer Text künstlerischen Ansprüchen genügt, beurteilen eben vorerst Lektoren und schlussendlich die Leser und eher nicht "konkurrierende" Freizeitautoren, die ihre gedruckten Werke selber finanzieren.

Dagegen habe ich überhaupt nichts - jeder denkende Mensch hat ein Hobby, wofür er mitunter bereit ist, viel von seinem Geld auszugeben.
Nur das Schimpfen auf Autoren, die im Gegensatz dazu mit ihrer Arbeit Geld verdienen (wollen), bringt überhaupt nichts. Weder den einen noch den anderen.

Da wir hier ja in einem Diskussionsforum sind, erlaube ich mir diese Antwort.

Kollegialen Gruß aus der Steiermark!

hwg
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Re:

von hwg (11.11.2007, 17:15)
Hallo Hakket,

habe soeben Cover und Inhaltsangabe von "Die Katze..." gesehen bzw. gelesen. Schaut prima aus und verspricht eine interessante Lektüre.

Wenn wir auch manchmal unterschiedlicher Meinung sind - toi, toi, toi
für den Buchabsatz! Ich habe ja glatt verschwitzt, dass Du (auch) Verleger bist.

Gruß aus der Steiermark!

M-F Hakket
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Registriert: 20.08.2009, 13:37

Re:

von M-F Hakket (11.11.2007, 20:08)
Hallo hwg,
kam das so rüber, dass ich diese Autoren angreife? Das lag mir fern.
Ich wollte diese Autoren nicht angreifen. Schon gar nicht die Autoren, die sich für einen herkömmlichen Verlag entscheiden. Vielleicht habe ich mich auch falsch ausgedrückt und sicher verallgemeiner ich vieles - sonst würde man auch vom hunderdstel ins tausendstel kommen.

Klar, jeder soll sich selbst entscheiden, wie viel er sich in sein Manuskript reinreden lässt,- wenn man veröffentlicht wird und man hat freie Hand - umso besser - ist aber eben nicht die Regel. Außerdem ist es schon schwierig zu bestimmen, wo das "Reinreden" anfängt. (Und wenn Heyne oder Lübbe oder wer auch immer gesagt hätte - wir machen "Die Katze" - hey, dann wäre es mir wurscht, wie viel die mir reinreden!)

Es läuft doch eher oft so: "Schreiben Sie uns mal was in der und der Richtung mit so und so vielen Anschlägen. Mit den und den Charakteren für die und die Zielgruppe." Ist ja ok - wenn man das will. Dann erhält man einen Vertrag für drei weitere Bücher, die aber bitteschön denselben Stil und dieselbe Thematik haben sollen.
Hohlbein schreibt nun mal nur Horror/Fantasy. Würdest du einen Liebesroman von ihm kaufen?

Wenn, dann greife ich die an, die so furchtbar gegen die Dienstleister meckern und sich eben die Freiheit erlauben, Autoren, die für ihre Bücher bezahlen, anzufeinden und diese Autoren pauschal als "Nichtskönner" zu titulieren - das ist mir halt oft passiert. Wobei ich denen nun auch wieder nicht das Recht absprechen kann, dieses zu tun.

Ich finde es besch..., wenn irgendwelche C-Promis von Verlagen den roten Teppich vor die Nase gelegt bekommen. Es interessiert gar nicht, was oder wie die schreiben - es zählt nur der Name. Des Verlagsgeschäft ist (Verallgemeinerung!) inzwischen derart abgebrüht. Glaubst du, Hape Kerkeling hat seinen Bestseller "Ich bin dann mal wech" "aus freien Stücken" geschrieben? Glaubst du, Eva Herrmann erzählt in Interviews diesen Unsinn, weil sie es nicht besser weiß? Ha, ha! Das nennt sich Marketing.
Gegenüber den Autoren, die sich wirklich etwas ausdenken (wollen), finde ich das unfair. Und eben diese Autoren haben oft nur eine Chance IHRE Geschichte in die Öffentlichkeit zu bringen, wenn sie zahlen. Schön ist das nicht - aber es ist eben (oft) so.

Also nochmal - die Autoren, die bei normalen Verlagen sind, beneide ich, ganz ehrlich, egal, ob und wie sie sich reinreden lassen.

Was die Hobbyautoren angeht - ich habe sehr oft in Foren gelesen, dass sie sich für den neuen Ghoete halten (was sie ja dürfen) und zuhause schmollen, weil niemand ihr Manuskript will. Wenn man dann empfiehlt, zu einem Dienstleister zu gehen, dann kommt halt die Antwort: "Ich bezahl doch nicht für meine Arbeit!" Ok, aber dann KANN es sein, dass ihr Manuskript in der Schublade versauert.

Wenn jemand mit seinem Hobby Schreiben Geld verdienen will, dann muss er zumindest damit RECHNEN, dass er nicht mehr ALLE künstlerischen Freiheiten hat.

Ach - schwierig.
Manchmal rege ich mich auch schnell auf - aber auch schnell wieder ab. Und dass wir nicht immer einer Meinung sind - hey, das ist doch das Salz in der Suppe, oder? cheezygrin

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Re:

von hwg (12.11.2007, 07:56)
Guten Morgen Hakket!

Salz in der Suppe mag ich, sie darf nur nicht versalzen sein. :lol:
Ich diskutiere gerne - und da dürfen Emotionen ja ihren Platz
haben.

In diesem Sinn Aufwiederlesen!

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Re:

von Ilo70 (12.11.2007, 08:40)
Hallo ihr erregeten Gemüter, :wink:

da mich die Erregung anzuziehen scheint, auch von mir ein bisserl Salz.

Ich bin Sängerin, mit allem "drum und dran".
Die halbe Welt (okay eine Übertreibung) bekniet mich, ich soll mich doch
auch mal bewerben, bei Dieter, Stefan oder dem "D". Auf meine Frage hin "warum", wirft man mir einen verwunderten Blick zu. "Warum denn nicht?", kommt die Gegenfrage, "du bist doch gut.".

Meine Antwort ist dann meist und für mich ungewöhnlicher Weise, kurz und bündig. "Weil ich keinen Bock habe, mich von Leuten beurteilen zu lassen, die entweder im "Auftrag Gottes/Sender" unterwegs sind oder, lasst es mich milde ausdrücken, das morgendliche große Geschäft aus irgendwelchen Gründen nicht vollständig oder garnicht erledigen konnten und deshalb an einer monströs schlechten Stimmung leiden. D.h. eher die anderen, als sie selbst. Alles im Sinne des Marketing's.

Diese Menschen suchen nicht nur gute Sänger oder Tänzer, auch die Sendung ansich, das Format ist völlig darauf ausgelegt, dass möglichst viele Menschen dabei zusehen. Je dramatischer die Sendung, desto höher die Einschaltquote und somit die Zufriedenheit des Senders. So läuft das Geschäft. Die Sänger sind da nur Beiwerk bzw. Mittel zum Zweck.

Wenn man das kann, sich zu "prostituieren", dann finde ich das in Ordnung. Ich neide ihnen nichts, weder dem Bohlen, noch den anderen oder auch den Künstlern, die ihre Knete damit verdienen und gönne ihnen das von ganzem Herzen was sie erreichen.
Immerhin haben sie vielleicht die Möglichkeit mit ihrem Geld irgendwann das tun zu können, was ihnen gefällt - auch und gerade als Künstler.

Für mich kommt das nicht in die Tüte. Ich kanns einfach nicht. Deshalb komme ich nicht auf die Idee jemanden schlecht zu machen oder auch minderwertig, selbst wenn es offensichtlich so ist, was seine Leistung in der gefragten Sparte angeht, ich denke da z.B. an Daniel Kübelböck - näääknäääk. dozey:

Hier gehts nämlich nicht um eine individuelle Qualität der Kunst, sondern um die Formbarkeit und den Marktwert eines Wesens/Produktes - in welcher Intensität auch immer mit Talent bedacht. Es ist völlig egal, wie gut sie tatsächlich sind. Die Frage ist, wie gut können sie gemacht werden? Wie gut ist das Endprodukt, das Gesamtkunstwerk? Und damit, wie hoch der Ertrag für die Großen?

Ich habe meinen Weg gewählt um meinem Gesangstalent gerecht zu werden. Nach meinen Vorstellungen und meinen Wünschen und Zielen. Allerdings und das ist auch die Konsequenz, im Falle eines Falles, auch nach meinem Portemonnaie. Ob ich nun gut oder schlecht bin.

Jeder sollte das für sich entscheiden aber auch mit den Konsequenzen leben, letztendlich egal mit welchen. Das Leben ist nun Mal eines der härtesten. Und man muss der Realität ins Auge blicken. Wir können jammern und uns bedauern oder über Systeme schimpfen, wie ignorant die anderen sind, oder, wir versuchen einen Weg zu finden, eine Entscheidung zu treffen und unsere Energien nicht mit Kummer, Kram und Ärger zu verplempern. Dafür ist das Leben irgendwie zu kurz.

Liebe Grüße

ilo

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rigoberto
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Spannende diskussion

von rigoberto (12.11.2007, 09:50)
Guten Morgen miteinander,

wahnsinnig wie viel hier immer geschrieben wird. Aber das Thema ist halt mit das wichtigste beim Schreiben. Wer soll mich lesen? Wie komme ich zum Leser?

Wer sich hinsetzt und sagt, ich schreibe jetzt für die Zielgruppe Xy oder zu einem bestimmten Thema , der wird – sieht man mal von Sachbüchern ab – Schriffbruch erleiden. Letztlich schreibt jeder für sich selbst. Aus jedem Schriftsteller drängt eine Geschichte nach draußen. Will er sie veröffentlichen, so ist es nicht mehr seine und die geschriebenen Worte verändern ihren Sinn durch den Leser. Wenn ich jetzt für meine Geschichte Leser finde, die sie auch noch gut finden, kaufen, verschenken und so zum Weiterverkauf anregen, bin ich wirklich echt dankbar. Ich glaube, mehr sollte man nicht erwarten.

Einen Universalweg zur Veröffentlichung gibt es nicht. Jeder muss selbst das Beste für sich finden. Ich habe eine Lektorin gefunden, die meine Erzählung "Nelly im Schnee" wunderbar redigiert hat. Das war ein kreativer Prozess.

Siehe: http://www.buchverlag-stangl.de/25,0,-b ... ndex,0.php

Und ich muss sagen, einfach so bei Bod veröffentlichen, also ohne Lektor, halte ich für fatal. Nicht nur wegen der Orthografie, sondern vor allem inhaltlich gesehen. Der Autor kann nie sein eigener Leser sein.

so jetzt aber ab zur Arbeit

Christoph cheezygrin cheezygrin
Es grüßt herzlich

Christoph

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