Mehr als Anonyma

Präsentiert euren Reiseführer, Bildband, euer Koch- oder Lehrbuch, eure Biografie oder Monografie.


Benutzeravatar
ClarissaS
Beiträge: 13
Registriert: 12.09.2013, 06:36
Wohnort: Hannover

Mehr als Anonyma

von ClarissaS (12.09.2013, 07:25)
Titel: Mehr als Anonyma
Autor: Clarissa Schnabel

Verlag: BoD
ISBN: 978-3-7322-4506-2
Seiten: 244
Preis: 13,90

Der Autor über das Buch:

Die Biographie war ein Projekt, das mir sehr am Herzen lag und liegt. Schon allein die Erlebnisse während der Recherche wären ein eigenes Buch wert! ("The Making of…") Ich hatte das ungeheure Glück, Kontakt zu den nächsten Angehörigen der handelnden Personen aufnehmen zu können, und wurde von ihnen mit einer Herzlichkeit aufgenommen, die mich wirklich beschämte. Ist nicht selbstverständlich in unserer Zeit. Auch deshalb hoffe ich, daß Marta Hillers', Trude Sands und Hans W. Hillers' Geschichte ein bißchen bekannter wird.

Klappentext:

Als Autorin ihrer anonym veröffentlichten Tagebuchaufzeichnungen vom 20. April bis 22. Juni 1945 wurde Marta Hillers 2003 posthum weltbekannt. Nun, zehn Jahre später, erscheint erstmals eine Biographie der deutsch-schweizerischen Journalistin, Drehbuch- und Hörspielautorin: Ein Leben jenseits der "Anonyma" – vom Kaiserreich bis ins 21. Jahrhundert, von Krefeld über Moskau und Berlin bis nach Basel.

Inhalt:

Vorwort
Kapitel 1: Kindheit und Jugend in Krefeld
Kapitel 2: Zwischen allen Stühlen
Kapitel 3: In der Straße des Roten Barons
Kapitel 4: Zusammenbruch
Kapitel 5: Neuanfang
Kapitel 6: Die Schriftstellerin?
Kapitel 7: Basler Jahre

Anhang:

Ausgewählte Bibliographie
… von Marta Dietschy-Hillers
… von Hans Wolfgang Hillers
… von Trude Sand

Medienempfehlungen zum Thema
Massenvergewaltigungen 1944/45
sowie Leben im Nachkriegsdeutschland

Literaturverzeichnis

Einzelnachweise
Bildnachweis


Leseprobe

„Weshalb interessieren Sie sich dafür?“ Eine Frage, in zahllosen Variationen gestellt. Sicherlich eine berechtigte Frage, vom Standpunkt der Fragenden aus gesehen. Eine Antwort zu finden, fiel mir, der Interessierten, nicht immer leicht.
Jedoch: Wen hatte es nicht interessiert, wer hatte sich beim Lesen ihrer scharf beobachteten, lebendig geschilderten, von unerwartetem Humor und lebensbejahendem Optimismus durchzogenen Tagebuchaufzeichnungen vom 20. April bis 22. Juni 1945 nicht gefragt, wer diese „Frau in Berlin“ gewesen sein mochte – und wie es weiterging? Was geschah, nachdem sie den Leser inmitten des zur Verteilung stehenden Berlins, inmitten von Ruinen und Hunger, Unsicherheit über persönliche wie nationale Zukunft und vorsichtigem Neubeginn zurückließ?
Einige kurze Blicke in die „Zeit danach“ bot sie selbst durch die in den laufenden Text eingebetteten Ergänzungen zum Tagebuch, jedoch meist nur andere Personen betreffend. Sie erwähnt Amerikaner im Stadtteil.
Wie ging es weiter?
Am 16. Juni 2001 starb in Basel Marta Dietschy-Hillers im Alter von 90 Jahren. Außer Angehörigen und Freunden und vielleicht einigen Honoratioren der Stadt nahm wohl niemand davon Kenntnis. Warum auch? Wer erinnerte sich schon an den Namen einer unbedeutenden Journalistin, die seit den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts einige Artikel in deutschen und schweizerischen Blättern sowie ein Sachbüchlein veröffentlicht hatte?
Erst als ihre Freundin und literarische Nachlaßverwalterin Hannelore Marek, die Witwe des 1972 verstorbenen Kurt W. Marek (C. W. Ceram), nach Martas Tod den Verleger Hans Magnus Enzensberger kontaktierte, geriet ein Stein ins Rollen. Enzensberger hatte bereits nach Gründung seines Verlages 1985 versucht, die Autorin eines sechsundzwanzig Jahre zuvor anonym veröffentlichten Buches mit dem Titel Eine Frau in Berlin ausfindig zu machen. Auf gut Glück wandte er sich an Hannelore Marek, deren verstorbener Mann ein Vorwort für die amerikanische Erstausgabe von 1954 verfaßt hatte, in dem er seine Rolle bei der Veröffentlichung dieser Tagebuchaufzeichnungen schilderte. Frau Marek kannte tatsächlich die Verfasserin, wußte aber zu berichten, daß diese eine Neuauflage, wie Enzensberger sie beabsichtigte, zu ihren Lebzeiten ablehnte.
Nun, nach dem Tode der Autorin, erteilte die vielleicht der Freundin posthum zu Würdigung verhelfen wollende Hannelore Marek einer Wiederveröffentlichung ihren Segen. Mit kleinen Änderungen (eher kosmetischer denn inhaltlicher Natur) erschien Eine Frau in Berlin 2003 in der Verlagsreihe Die Andere Bibliothek und nahm den deutschsprachigen Buchmarkt im Sturm. Es folgten Übersetzungen in bisher zweiundzwanzig Sprachen. Der Regisseur Max Färberböck adaptierte den Stoff für einen Film, der zwar mit der literarischen Vorlage so gut wie nichts gemeinsam hat, immerhin jedoch durch seine russischen Darsteller auch für Aufmerksamkeit in deren Heimat sorgte und somit eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem in Rußland bis heute totgeschwiegenen Thema der Massenvergewaltigungen deutscher Frauen und Mädchen durch Angehörige der Roten Armee ermöglichte. 2010 erfolgte sogar eine Umsetzung des Stoffes für ein Theaterstück im Pariser Théâtre du Rond Point.
Bereits im Erfolgsjahr 2003 enthüllte Journalist Jens Bisky in der Süddeutschen Zeitung den Namen der Autorin sowie Details aus ihrem Leben und stellte die Authentizität des Buches in Frage. Was folgte, war eine von den unterschiedlichsten Standpunkten geführte Debatte über Für und Wider seiner Thesen. Auch eine Begutachtung des Manuskriptes und der Originalaufzeichnungen durch den Tagebuchexperten Walter Kempowski blieb ohne endgültiges Ergebnis, doch urteilte er, daß zumindest die der Buchfassung zugrundeliegenden Tagebuchnotizen echt seien.

Und dabei ist es geblieben.
Als ich auf Umwegen an Eine Frau in Berlin geriet, hatte sich der Sturm gelegt, existierte ein Wikipedia-Artikel (oft kopiert). Vermutungen wurden als Fakten akzeptiert.
Auf mein Blog, in dem ich Buch und Film besprach, stießen noch Mitte 2012 Interessierte durch Suchanfragen, die diese „Fakten“ hinnahmen. Das bewies ungebrochene Faszination mit den Hintergründen des Buches, aber auch den Bedarf an besserer Information.
An einem milden Januartag 2012 stand ich zum ersten Mal an Martas Grab. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keinerlei Vorstellung davon, daß sich dieses reine Privatinteresse zum Projekt einer Biographie ausweiten sollte, daß ich ein halbes Jahr später auf der Suche nach Informationen durch ganz Deutschland reisen, internationale Kontakte knüpfen, wildfremde Menschen mit wer weiß wie aufgenommenen Anfragen überfallen würde…

(Aus dem Vorwort)


Die Biographie auf BoD: https://www.bod.de/index.php?id=1132&objk_id=1073276
Das Blog zur Biographie: http://mehralsanonyma.twoday.net/[/i]

Zurück zu „Buchvorstellung: Ratgeber, Sach- und Fachliteratur“


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Über BoD

BoD™ ist die führende deutsche Self-Publishing-Plattform. Seit mehr als 20 Jahren sind wir die Anlaufstelle für das einfache, schnelle und verlagsunabhängige Veröffentlichen von Büchern und E-Books. Bereits mehr als 40.000 Autoren haben sich mit uns den Traum vom eigenen Buch erfüllt.