Zwar, aber

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Klonschaf
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Zwar, aber

von Klonschaf (20.12.2013, 17:04)
Also - zur Sache.

Seit etwa zwei bis drei Monaten merke ich, dass in Zeitungsartikeln immer wieder Zwar-aber-Sätze durch einen Punkt zerhackt werden. Ich meine, normalerweise beschäftige ich mich nicht mit so was, aber in dem Fall ist das anders. Vielleicht, weil ich den Sinn dieser Marotte absolut gar nicht kapiere, kann es drehen und wenden wie ich will, ich kann es nicht nachvollziehen. Zwar-aber mit Punkt getrennt ... das kommt mir voll absurd vor. Und es ist überall zu finden, nicht nur auf Bild.de. Wirklich überall neuerdings.

Vielleicht bin ich ja alleine damit, aber ich finde das irgendwie schwachsinnig, und mir leuchtet der Grund nicht ein, warum das Komma neuerdings durch einen Punkt ersetzt wird?


Zwar ging er ein Bier holen. Aber er trank es nicht.

Was soll das?

Ich meine, seit jeher sind die beiden Sätze durch zwar-aber sozusagen fest miteinander verlinkt, und das Komma signalisiert die enge Zusammengehörigkeit, das weiß doch echt jeder. Kann man da durch einen Punkt mehr Klarheit für den Leser rausholen? Das wäre ja die einzige Begründung für die Marotte, oder?

Was soll das, ich kapier es echt nicht.



Irgendwie ist das wohl gerade sprachlich schick, aber warum?

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buchselstabe
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Re:

von buchselstabe (20.12.2013, 17:38)
[Satire Ein]

Dem Bildungsniveau (nicht verwechseln mit Bildungsnivea) angepasste kurze Sätze. Rückbezüglichkeiten mit Komma überfordern die Unterschicht und viele Redakteure. Wobei ich mich gerade frage, ob diese Bezeichnung ein geschützer Begriff ist - vermutlich nicht.

[Satire Aus]
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Klonschaf
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Re:

von Klonschaf (20.12.2013, 18:43)
@buchselstabe cheezygrin


Okay ... ja, mag sein, die Absicht dahinter ist, seine Gedanken prägnant und leicht fasslich darzustellen. Das wäre ja keine schlechte Sache, nur: Mit dieser Begründung könnte man dann Haupt- und Nebensätze künftig per Punkt trennen. Sieht gleich viel einfacher aus (ist es aber in Wahrheit nicht). Das Komma ist bekanntlich total nützlich, um einen Satz in kleinere Einheiten zu unterteilen - irgendwie schwachsinnig, diese Gliederungsmöglichkeit zu verschenken und/oder wegzurationalisieren. Also im Fall von zwar-aber mit Punkt sag ich mal: Ziel verfehlt, der Inhalt wird nicht fasslicher, sondern im Gegenteil unnötig verkompliziert (weil die beiden Teile ganz klar zusammengehören).

Daher mein Fazit: Zwar-aber mit Punkt ist ein dämlicher Manierismus.

So was regt mich echt auf, da gibt es keinen Mehrwert an Klarheit oder sonstwas ... nur Manierismus.

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buchselstabe
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Re:

von buchselstabe (20.12.2013, 19:30)
book:

Ich finds auch Sch.....
Jeden Tag entdecke ich Dinge, die mein Sprachempfinden foltern. :shock::

Es fehlt wohl, wie bei vielen anderen Dingen auch, an Bildung.

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Torsten Buchheit
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Re:

von Torsten Buchheit (21.12.2013, 07:32)
Ich finde, daß beide Varianten ihre Berechtigung haben.

Zwar ging er ein Bier holen, aber er trank es nicht.

Hier sind beide Satzteile eng mit einander verbunden. Würde man den Satz vorlesen, wäre nur eine kurze Pause zwischen den Satzteilen, beide Satzteile wären gleich stark betont und gleichwertig.


Zwar ging er ein Bier holen. Aber er trank es nicht.

Die Einzelsätze sind stärker voneinander getrennt. Würde man diese vorlesen, wäre eine längere Pause zwischen den Sätzen. Der zweite Satz wäre viel stärker betont und gewichtiger als der erste.

Warum dir die zweite Variante im Moment häufiger auffällt. weiß ich nicht. Auch nicht, ob es Absicht oder Zufall oder eine Modeerscheinung ist. Ich habe es nicht bemerkt, aber ich lese auch nur selten in der Bild-Zeitung (weil die immer so schwere lange Wörter und viel zu wenig Bilder haben), und auf Bild.de lese ich auch kaum (weil ich gar kein Internet habe).
:wink: cheezygrin
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Klonschaf
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Re:

von Klonschaf (21.12.2013, 08:37)
@Torsten


Nee, es ist eben nicht nur auf Bild.de. Kurz bevor ich den Faden hier aufgemacht habe, hatte ich die Marotte in einem Artikel auf der taz gelesen, davor auf FAZ und Zeitonline, Spiegel ... einfach überall.

Und ich bin normalerweise nicht gerade der Verfechter der reinen Lehre und kulant was so Sprachmarotten angeht und reg mich eigentlich nie auf (es zwingt mich ja niemand, Marotten zu übernehmen). Im Fall des zwar-aber regt es mich aus irgendeinem Grund total auf und es ist so, dass ich bis vor ein paar Monaten NIE die Variante mit Punkt gelesen habe. Wirklich nie, und ich glaube nicht, dass ich das früher nur so überlesen habe.


Von mir aus kann man das mit dem Pausen-Punkt gelten lassen, kein Problem; aber dann kann man das auch generell für Nebensätze so handhaben, um die besonders "effektvoll" hervorzuheben. Na ja, ich finde das sozusagen übermotiviert. Der Punkt wird hier einfach falsch eingesetzt. Und als effektvoller Pausengeber kann der Gedankenstrich herhalten.


Er würde ja ein Auto kaufen. Wenn er denn Geld hätte.

Dass sein Handeln derartige Konsequenzen zeitigen würde. Das wäre ihm niemals in den Sinn gekommen.

Letztlich gibt es aber in solchen Sprachfragen kein richtig oder falsch. Wenn sich die Mehrheit der Leser nicht daran stört und es sich für sie richtig anfühlt, dann ist es eben auch richtig.

Ich muss mich dann dran gewöhnen und irgendwann fühlt es sich womöglich auch für mich richtig an.

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Torsten Buchheit
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Re:

von Torsten Buchheit (21.12.2013, 10:27)
Ich bin nicht so belesen, daß ich jetzt sagen könnte, es würde hier oder hier vermehrt auftauchen. Ich kenne aber beide Varianten schon immer, und verwende sie - da ich ein Freund leiser Zwischentöne bin - auch schon immer. Aber nicht zufällig, sondern schon recht bewußt.

Klonschaf hat geschrieben:
@Torsten

Dass sein Handeln derartige Konsequenzen zeitigen würde. Das wäre ihm niemals in den Sinn gekommen.


Diese Variante halte ich für falsch.

Ich würde sie in diesen Fällen durchgehen lassen:

Dass sein Handeln derartige Konsequenzen zeitigen würde! Das wäre ihm niemals in den Sinn gekommen.

Dass sein Handeln derartige Konsequenzen zeitigen würde!? Das wäre ihm niemals in den Sinn gekommen.
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Klonschaf
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Re:

von Klonschaf (21.12.2013, 10:59)
Torsten Buchheit hat geschrieben:
Ich bin nicht so belesen, daß ich jetzt sagen könnte, es würde hier oder hier vermehrt auftauchen. Ich kenne aber beide Varianten schon immer, und verwende sie - da ich ein Freund leiser Zwischentöne bin - auch schon immer. Aber nicht zufällig, sondern schon recht bewußt.


Okay, wenn du das sagst - möglicherweise habe ich das bisher immer überlesen und gar nicht bemerkt. Möglich, wenngleich sonderbar. Ich dachte jetzt echt felsenfest, das sei total neu und würde erst seit ein paar Monaten praktiziert.

EDIT: Ja, sieht so aus, als hätte ich das einfach überlesen und nie bemerkt. Die Sache gibt es offenbar schon länger, habe gegoogelt und einen Blogeintrag von 2011 gefunden: http://dnesser.wordpress.com/2011/09/23/zwar-aber/

Torsten Buchheit hat geschrieben:

Ich würde sie in diesen Fällen durchgehen lassen:

Dass sein Handeln derartige Konsequenzen zeitigen würde! Das wäre ihm niemals in den Sinn gekommen.

Dass sein Handeln derartige Konsequenzen zeitigen würde!? Das wäre ihm niemals in den Sinn gekommen.


Ja, die beiden von Dir gebrachten Varianten finde ich auch okay.

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (21.12.2013, 11:16)
Hm, mir verursacht so ein Ausdruck Zähneknirschen und Hirnwindungsblähungen. "Zwar holte er ein Bier. Aber er trank es nicht." Wieso dnen "zwar"? Da muss doch ein Kontext her, der den Sinn des Ganzen erst ermöglicht. "Er holte ein Bier, trank es aber nicht." "Er holte ein Bier. Aber er trank es nicht." Häh????

Ehrlich gesagt, ist mir so eine Konstruktion noch nie untergekommen. Vielleicht ist auch nur das Beispiel nicht besonders glücklich gewählt?

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Klonschaf
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Re:

von Klonschaf (21.12.2013, 11:21)
@Haifrau


Es geht einfach nur grundsätzlich um die Trennung der beiden Teilsätze der Zwar-aber-Konstruktion durch einen Punkt anstelle des Kommas, nicht um den tieferen Sinn des Beispielsatzes.
Zuletzt geändert von Klonschaf am 21.12.2013, 11:43, insgesamt 1-mal geändert.

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Torsten Buchheit
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Re:

von Torsten Buchheit (21.12.2013, 11:32)
Obzwar er sich ein Bier bringen ließ, trinken tun tat er es indes nicht. :P :wink:
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Klonschaf
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Re:

von Klonschaf (21.12.2013, 11:33)
cheezygrin

Muhaha!

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (21.12.2013, 18:13)
Danke Klonschaft. So oder so, für mich klingt so eine Konstruktion (mit oder ohne Bier) einfach nur bescheuert. Einen Satz mit "zwar" zu beginnen, muss wohl überlegt sein.
Vielleicht ist die Zunahme derartiger Formulierung der fortschreitenden Analphabetisierung der Bevölkerung geschuldet? :twisted:

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (22.12.2013, 10:15)
Klonschaf hat geschrieben:
@Torsten


Nee, es ist eben nicht nur auf Bild.de. Kurz bevor ich den Faden hier aufgemacht habe, hatte ich die Marotte in einem Artikel auf der taz gelesen, davor auf FAZ und Zeitonline, Spiegel ... einfach überall.


Mir fiel das vor ein paar Tagen bei Spiegel-Online auch auf. Der Satz begann mit dem Zwar-Teil, dann folgten zwei Nebensätze, Punkt, kurzer Hauptsatz, und erst dann kam der Aber-Teil. Man hätte das alles locker in einen Satz packen können. Das hätte bei mir den Lesefluss bestimmt nicht so unterbrochen wie der Punkt und der kurze Hauptsatz, aber heutzutage werden Leser leider für Volltrottel gehalten, die nicht in der Lage sind, einen Schachtelsatz zu begreifen.

Natürlich kann man aus dramaturgischen Gründen einen Punkt setzen. Dadurch entsteht beim Lesen die Kunstpause, die man beim Sprechen gezielt einsetzt, um zum Beispiel eine Pointe vorzubereiten. Das sind jedoch stilistische Mittel, die in einem normalen Zeitungsartikel nichts verloren haben.

Eine andere SPON-Marotte war der merkwürdige Gebrauch des Worts "zunächst" zusammen mit dem Präteritum. Beispiel: "Die Ursache des Unglücks war zunächst unklar." Vielleicht sehe ich das falsch, aber ich erwarte, dass danach noch ein Satz folgt, der die neuen Erkenntnisse erläutert. Aber als Schlusssatz ist die Formulierung ungeeignet. Ich würde statt "war zunächst" dann eher "ist noch immer" verwenden. Aber das klingt vielleicht nicht chic genug. Inzwischen fällt es mir nicht mehr auf. Entweder haben sie es sich abgewöhnt, oder ich habe mich daran gewöhnt. zwinker::
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

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buchselstabe
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Re:

von buchselstabe (22.12.2013, 10:59)
Ich glaube man gewöhnt sich an dieses komische "zunächst", weil

- es zu häufig auftritt

- man wohl immer unkritischr konsumiert

Letzteres wohl teilweise aus einem unbewußtem Selbstschutz.
Wenn ich mich über jedes Verbrechen an der Deutschen Sprache aufrege, dürfte ich z.B. kein B3 oder Antenne Bayern hören (komme ja schließlich aus Franken, also hört man lokal) oder würde mich den ganzen Tag genau einmal ärgern, vom Ein- bis zum Ausschalten des Radios.

Und wenn Bild.de Verfehlungen auf Spiegel.de überschwappen, wen wundert es, wenn Chefredakteure so einfach auszutauschen sind.

Das soll aber nicht entschuldigen, dass dieser Schwachsinn um sich greift.
Zuletzt geändert von buchselstabe am 22.12.2013, 11:03, insgesamt 1-mal geändert.

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