Erfahrungen mit Shaker Media?

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hawepe
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Erfahrungen mit Shaker Media?

von hawepe (16.11.2007, 07:59)
Hallo,

hat jemand vielleicht bereits Erfahrungen mit Shaker Media gemacht?

Das Angebot hoert sich sehr gut an und eine Suche mit Google erbringt auch keine negativen Erfahrungsberichte.

Die Probleme mit Amazon scheinen allerdings noch gravierender als bei BoD zu sein.

Grund fuer meine Frage ist, dass ich mein naechstes Projekt auch als e-book veroeffentlichen moechte. Engelsdorf bietet das leider nicht und verlangt zudem eine Festabnahme von 30 Exemplaren. BoD ist mir fuer dieses Projekt zu teuer.

Geliebaeugelt hatte ich mit Lulu, aber dort gibt es so massive Probleme, dass ich es dort nur als e-book veroeffentlichen koennte. Bliebe also die Frage nach der printausgabe. e-book und Print aus einer Hand waeren mir aber ohnehin lieber.

Beste Gruesse,

Heinz.

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PaulPic
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Re:

von PaulPic (22.11.2007, 19:29)
Hallo Heinz,

meine Erfahrungen mit Shaker Media sind ausgezeichnet.

Das Angebot von Shaker Media ist ganz neu und offiziell erst zur Buchmesse in Frankfurt vorgestellt worden. Ich habe zunächst bei Lulu veröffentlicht (werde in dem anderen Thread noch was dazu sagen) und war nicht ganz zufrieden. Daher habe ich mich auf den Markt umgetan und bin auf Shaker Media gestoßen. Nun habe ich zwei Verträge unterschrieben und den Probedruck des ersten Buches bekommen, der noch wesentlich besser ist als das Referenzwerk von Lulu, was ich gar nicht zu hoffen gewagt hatte. Allerdings werde ich meine Bücher auch bei Shaker Media nicht als Download anbieten, weil das in meinem Fall nicht sinnvoll ist.

Wenn ich das Konzept richtig verstanden habe, möchte Shaker Media eine mittlere Position zwischen dem herkömmlichen Verlagswesen und dem Druck auf Anfrage einnehmen. Verlage übernehmen ja nicht nur das finanzielle Risiko, sondern wirken auch (und gerade dadurch) als Qualitätsfilter. Die meisten Bücher, die ich bei Lulu gesehen habe, müßten mit Recht von jedem Verlag abgelehnt werden; sie sind unter aller Kritik und im Grunde eine Zumutung. Das ist die unvermeidliche Konsequenz, wenn man einen freien Zugang schafft. Deshalb leistet sich Shaker Media ein Lektorat und hofft natürlich auf die Perlen im Markt, die entweder anderen Verlagen gar nicht angeboten werden oder dort keine Chance hätten, berechtigt oder nicht. Man darf schließlich nicht vergessen, daß die Verlage ja ihre Programme haben und nicht jedes Buch in jedes Programm paßt. Durch die verringerten Verlagsrisiken kann Shaker Media hier etwas großzügiger agieren. Da das Mutterhaus bisher mehr oder weniger ausschließlich im Wissenschaftsbereich tätig war, ergeben sich auch völlig neue Arbeitsfelder.

Das sind zum großen Teil Spekulationen meinerseits; so würde ich es auch machen, so macht es für mich Sinn. Shaker ist der erste Verlag mit einem gewissen Renommee, der die Vorteile dieses neuen Verfahrens für sich selbst auszunutzen weiß, nicht nur als Produktionsmethode, sondern als Publikationsmethode. Es ist verständlich, daß dafür eine eigene Tochtergesellschaft gegründet wird. Diese darf aber den eingeführten Namen benutzen. Shaker Media kann es sich also nicht leisten, den eigenen Ruf und den des Mutterhauses zu beschädigen, und dürfte deshalb nur solche Projekte annehmen, die wirklich vertretbar sind.

Druck auf Anfrage war bisher ein Angebot von Firmen, die - sowohl in den USA als auch bei uns - von Grossisten gegründet wurden (Libri, Ingram Books); darüber hinaus sind es nur Druckereien, die solche Dienste anbieten. Daß sich keinerlei Urteil über die Produkte anmaßen wollen, ist verständlich. Shaker Media ist der erste Verlag, der sich einmischt. Die können das, weil sie über die Produktionsmittel verfügen. Lulu besitzt selber keine Produktionsmittel, sondern nutzt in den USA und Großbritannien Lightning Source, eine Tochter von Ingram Books, einem der größten Grossisten, und soll auch in Deutschland Gespräche mit BoD führen. Lulu beabsichtigt auch nicht, eigene Produktionsmittel anzuschaffen, weil sich die Firma lediglich als Mittler versteht, was ich persönlich als unverständliche und vermutlich entscheidende Schwäche einschätze. Lulu kann eben für die technische Qualität nicht garantieren.

Die Konditionen von Shaker Media sind mehr als fair. Noch ist das Programm klein und man kann sich dem einzelnen Projekt widmen. Das wird aber nach meiner Einschätzung nicht lange so bleiben. Wegen der Alleinstellung werden sich schnell viele Autoren melden, und wenn es Shaker Media dann gelingt, die eigenen Autoren auch zu positionieren, wenn also sowohl für den Verlag als auch für die Autoren als auch für die Buchhändler Gewinn dabei herausspringt, wird hier ein völlig neuer Markt geschaffen.

Ein Beispiel: Selbstverständlich gibt es vorgefertigten Titelmuster für die, die es nicht besser wissen. Man kann aber auch, wie bei Lulu, seinen eigenen Entwurf vorlegen. Bei BoD ist das nicht möglich. Man erkennt einen solchen Titel schon von weitem am einheitlichen Design. Man sieht: Selbstverlag, man schließt: kritiklos. Und meistens hat man recht.

Die Frage ist wirklich, was jemand will. Die Idee des Zuschußverlages ist ja nicht neu und hat schon immer gut funktioniert. Wer davon leben will, daß Menschen sich gedruckt sehen wollen, wird immer Erfolg haben. Insofern sind Lulu und BoD und all die anderen auf der richtigen Seite. Wer aber gute Bücher machen will, hat ganz andere Ansprüche. Ich habe den Eindruck, daß Shaker Media gute Bücher machen möchte. Jetzt fehlen die guten Autoren mit den guten Manuskripten.

Wenn ich mit meiner Einschätzung richtig liege, bedeutet das aber, daß alle diejenigen, die Manuskripte produzieren, die nicht wirklich gut sind und sich u.a. deshalb auch nicht verkaufen würden, bei Shaker Media ebenfalls nicht ankommen würden. Jetzt geht das Geheul natürlich wieder los, weil jeder sich und seine eigenen Manuskripte für das Größte hält, was ja vollkommen in Ordnung ist. Insofern wird also das grundsätzliche Problem, daß es irgendwo eine Meßlatte gibt, die von irgendwem irgendwie definiert wurde, nicht beseitigt, sondern im Gegenteil in diesem speziellen Markt überhaupt erst neu eingeführt.

Da auch Lektoren nicht unfehlbar sind, dürften dennoch bei Shaker Media viele Leute eine Chance bekommen, die anderswo nicht gegeben ist, weil einfach das Risiko für den Verlag viel geringer ist. Auch bei den großen Verlagen wird nicht jedes Buch ein Renner, aber jedes Buch bedeutet eine erhebliche Investition, und wenn sich das Buch nicht verkauft, kann es für den Verlag schnell tödlich werden. Deshalb sind die Verlage so entsetzlich vorsichtig. Um beim Bild zu bleiben: Die Meßlatte kann bei Shaker Media niedriger angesetzt werden.

Letzten Endes soll und muß der Leser entscheiden. Es gibt viele Geschichten von erfolgreichen Büchern, die zunächst systematisch abgelehnt wurden. Wie viele Autoren haben vorher resigniert und hätten vielleicht doch noch einen Verlag finden und einen Bestseller landen können? In diesem Sinne viel Glück und Erfolg!

Viele Grüße
Paul

PS: Sollte Shaker Media den Erfolg haben, den ich prognostiziere, werden natürlich andere Verlage schnell nachziehen wollen. Vermutlich produzieren viele Verlage zweifelhafte Bücher schon jetzt im Digitaldruck; Lightning Source arbeitet nach eigener Aussage überwiegend für Verlage und druckt eine Million Stück pro Monat mit einer durchschnittlichen Auflage von 1,8 Stück. Eine eigene Produktion und ein entsprechendes Internetportal zu gründen, ist freilich eine Aufgabe, der sich die meisten Verlage vermutlich nicht gewachsen fühlen werden.

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Dalma Lee
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Re:

von Dalma Lee (22.11.2007, 19:43)
Bei Shaker Media komme ich bei einem Buch mit ca. 200 Seiten auf einen Endpreis vonüber 20 Euro, bei BoD kommt man da wesentlich günstiger weg (der Kunde).
Ist das nur eine falsche Rechnung von mir? :cry:

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PaulPic
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Re:

von PaulPic (22.11.2007, 22:39)
Mag sein; in meinem Fall sind die Preise sehr in Ordnung. Shaker produziert mein Buch günstiger als Lulu in einer viel besseren Qualität, aber es hat auch fast 800 Seiten und ist überwiegend farbig, also gar nicht repräsentativ für die überwiegende Mehrzahl der Produktionen.

BoD kann hier überhaupt nicht mitspielen, die verlangen ein Vielfaches. Das wäre überhaupt nicht akzeptabel. Und diverse Druckereien verlangen noch viel mehr - eine wollte 700 EUR für ein Buch haben, bei 30 Stück immer noch 130 EUR pro Stück. Da sind sie dann aber schon unter dem Niveau von BoD. Außerdem waren die Probeausdrucke farblich voll daneben.

Eine Freundin von mir hat sich ebenfalls die Kalkulation angeschaut und auch angemerkt, daß die Preise viel zu hoch sind. Sie will in einer benachbarten Druckerei produzieren lassen, muß dafür aber 100 Stück abnehmen. Bei BoD geht es ja wohl auch unter Umständen um diese Größenordnungen.

Hes
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Re:

von Hes (27.11.2007, 15:51)
Hallo,

die Preiskalkulationen auf der Website des Verlages sind nicht immer in Stein gehauen. Ich hab' damals das Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat angeschrieben (http://www.ruckzuckbuch.de), weil mir am Herzen lag, dass mein Gedichtband später weniger als 10 EUR kostet.

Die haben mir sofort zurückgeschrieben, dass solche Wünsche immer machbar sind.

Eins sollte Dir aber klar sein: Das heißt auch, dass der Verdienst pro Buch geringer ist.

Büddeschön - Hes

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SandraR
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Re:

von SandraR (27.11.2007, 16:06)
Was mir beim durchlesen der Webseiten von Shaker aufaellt, keine Info ueber die Firma wie lange sie schon existiert und kein Wort darueber ob Sie mit einem Grossisten zusammen arbeiten zB. Libri. Tun Sie dies nicht, wuerde ich anraten davon abstand zu nehmen da der Grossist das A und O fuer den Buchhandel darstellt.
Zudem in meinem Fall kaeme ein Buch, dass im Dezember erscheint um ganze 4 Euro dem Kunden im Buchhandel teurer. Bei gleicher Seitenzahl etc. allerdings mit einem uebertrieben hohen Honorar den sorry, 4.50 Honorar pro Buch sind zu viel fuer das Buch, den dies wird auf den Kunden umgelegt. So finde ich die Kalkulation bei BoD besser, wo man sein Honorar letztlich selber bestimmt, ueber den Kaufpreis.
Richtig ist, ab 200 Seiten muss man das Format wechseln sonst wird ein Buch in den Herstellungskosten bei BoD zu teuer.
Bei 800 Seiten davon viele Farbseiten wuerde ich mich mal bei einem normalen Drucker umsehen, dies duerfte ueberhaupt die billigste Variante sein.
Kleiner Tipp, Polen gilt als gut und guenstig. Papierpreise sind in Osteuropa tatsaechlich tiefer als zB. in Deutschland.
Uebrigens einen Grundpreis fuer das Laden der Datei etc. habe ich auf den Webseiten auch nicht gefunden, somit erscheint mir dann das Angebot eher nicht transparent. Den zuerst will ich eigentlich immer wissen was mich der Schmerz kostet:)))
http://russland-buecher.ru und http://twitter.com/russlandbuecher und bei Facebook, XING und Brainguide Sandra Ravioli

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hawepe
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Re:

von hawepe (27.11.2007, 16:31)
Hallo Sandra,

SandraR hat geschrieben:
So finde ich die Kalkulation bei BoD besser, wo man sein Honorar letztlich selber bestimmt, ueber den Kaufpreis.


Das geht auch bei Shaker Media. Wenn man eine Kalkulation durchgefuehrt hat, kann man zu dieser Kalkulation einen anderen Buchpreis eingeben, der dann eben u.a. das Honorar reduziert.

Ich habe jedenfalls gestern mal ein paar Fragen an Shaker gemailt und wenige Stunden spaeter eine Antwort erhalten.

Jetzt ist alles eine Frage der Kalkulation, aber fuer das naechste Projekt tendiere ich doch sehr zu Shaker.

Beste Gruesse,

Heinz.

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PaulPic
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Re:

von PaulPic (27.11.2007, 16:35)
Was mir beim durchlesen der Webseiten von Shaker aufaellt, keine Info ueber die Firma wie lange sie schon existiert und kein Wort darueber ob Sie mit einem Grossisten zusammen arbeiten zB. Libri.

Vielleicht wäre etwas mehr Recherche angebracht - so schwer ist es ja nicht. Shaker Media ist ein Tochterunternehmen des Shaker Verlags. Auf der Homepage http://www.shaker-media.eu/de/ wird unmittelbar darauf hingewiesen:

Herzlich willkommmen bei Shaker Media, dem Verlag für Buch- und Digitalpublikationen. Als Mitglied der renommierten Shaker Verlagsgruppe sind wir in den Bereichen Sachbuch und Belletristik tätig.

Die Homepage des Mutterunternehmens http://www.shaker.de/ bringt sofort die Unternehmensbeschreibung:

Wir sind als Verlagsunternehmen mit Standorten in Deutschland und den Niederlanden vertreten. In den letzten 20 Jahren hat sich unser Tätigkeitsgebiet von rein wissenschaftlichen Publikationen zu einem breitgefächerten Themenspektrum hin entwickelt. Unser Programm umfasst derzeit mehr als 17.500 lieferbare Titel aus einer Vielzahl von Fachgebieten. Alle Titel erscheinen bei uns als Buch und gleichzeitig auch online als pdf-Datei.

• Institutsreihen
• Tagungs- und Konferenzbände
• Vorlesungsskripte

weiter ...

Man kann selbst bestimmen, ob man seine Bücher über den Großhandel oder nur über den Verlag zur Verfügung stellen möchte - der Großhandel verdient natürlich ebenfalls. Welche Wahl man trifft, entspricht den persönlichen Vorlieben und der Einschätzung der eigenen Interessen. Wenn man ein Projekt anlegt, wird man irgendwann eben auch nach dieser Wahlmöglichkeit gefragt.

Die Listung im Verzeichnis der lieferbaren Bücher und bei den Online-Händlern ist davon unabhängig, weil der Verlag diese und auch die Buchhandlungen direkt beliefert. Buchhandlungen bestellen nur lieber beim Grossisten und weniger gern direkt beim Verlag.

Im übrigen besteht hier noch die Möglichkeit, mit wirklichen Personen zu kommunizieren, per E-Mail und per Telefon. Wie lange das noch möglich sein wird, ist natürlich die Frage. Ich würde es einfach mal probieren, statt mich in Spekulationen zu verrennen.

Auf der Seite der Muttergesellschaft finden sich Fotos von den Messeteilnahmen der vergangenen Jahre. Auch auf der Seite von Shaker Media wird auf die Buchmesse verwiesen: http://www.shaker-media.eu/de/Buchmesse ... hmesse.asp - dort hätte man persönlich Kontakt aufnehmen können, wenn man es denn rechtzeitig gewußt hätte :D

Im übrigen ist Shaker Media erst auf der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt vorgestellt worden. Eine entsprechende Pressemeldung findet sich unter http://www.openpr.de/news/162502/Presse ... Media.html

Uebrigens einen Grundpreis fuer das Laden der Datei etc. habe ich auf den Webseiten auch nicht gefunden, somit erscheint mir dann das Angebot eher nicht transparent. Den zuerst will ich eigentlich immer wissen was mich der Schmerz kostet:)))

Das kann ich nicht nachvollziehen. Als ich auf diese Seite stieß, ist mir sofort klargeworden, daß es hier keine versteckten Kosten gibt. Hier wird sehr fair gearbeitet - allerdings nicht mit jedem und nicht mit jedem Produkt. Das ist - wenn man so will - der Pferdefuß. Es ist eben nicht einfach nur eine Möglichkeit, billig und einfach zu eigenen Büchern zu kommen, sondern ein wirkliches Verlagsangebot. Es gibt einen Lektor, mit dem man es dann zu tun bekommt cheezygrin

Thorben
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Re:

von Thorben (17.01.2008, 16:51)
Ich habe vor einigen Tagen shaker media eine Mail mit einigen ersten Fragen geschickt - bis jetzt lässt die Antwort leider auf sich warten.
@Paulpic: Warum denkst du, dass shaker media nicht jeden - außer den grundsätzlich abgelehnten Werken, die rassistische und ähnliche Ansichten vertreten - Autoren veröffentlicht, und dass ein Lektor sich das Buch anschaut? Nach meiner Kenntnis bietet shaker media Autoren an, ihr Buch von ihnen digital drucken zu lassen und es zu vertreiben. Ein klassischer BoD-Anbieter also, mit fairen Konditionen zudem. Dass shaker media die Tochter eines Verlages ist, spielt da keine Rolle. BoD ist auch Bertelsmann-Tochter. Beide sind, denke ich, Dienstleister. Liege ich falsch?

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Yuki
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Re:

von Yuki (17.01.2008, 17:06)
Hallo Thorben,

ich habe auch an Shaker Media geschrieben und habe nach ca. einer Woche eine Antwort erhalten (Die Frage war, ob auch Jugendbücher ins Programm passen). Nun wurde ich gebeten doch bitte mehr Infos zu schicken. Ich denke mal, dass sie es zumindest einen kleinen Eindruck davon haben wollen, was die Autoren so schreiben.

Liebe Grüße Yuki

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PaulPic
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Re:

von PaulPic (18.01.2008, 00:35)
@Thorben: Es geht nicht um Dienstleistung, sondern um ein Geschäftsmodell. Wenn ich einen Verlag hätte, wäre ich Verleger, und damit zwar Dienstleister, aber doch mit einem speziellen Interesse. Wenn ich eine Druckerei hätte, wäre ich auch Dienstleister und würde alles drucken, womit ich Geld verdienen kann, um damit meine Lebenshaltungskosten und die meiner Mitarbeiter bestreiten zu können. Als Verleger würde ich aber nur die Bücher verlegen wollen, die mich interessieren. Mein Leben wäre zu kurz, um alles verlegen zu können, außerdem könnte ich für viele Bücher gar keine Energie mobilisieren, sie würden mich belasten. Ich würde deshalb versuchen, die Bücher zu finden, die mich begeistern, auf die ich stolz sein könnte, wenn es für mich Zeit ist, zu gehen.

Die typische Aufgabe des Verlegers ist es, das Risiko auf sich zu nehmen, und das wird immer schwieriger, das Risiko wird immer größer. Ich würde deshalb die Chancen, die der Digitaldruck für mich als Verleger bietet, erkennen und für mich nutzen wollen. Ich könnte mit weniger Kapital mehr gute Bücher produzieren und den Markt antesten. Es wundert mich, daß andere Verlage nicht so denken, aber sie haben es vielleicht nicht nötig oder aber sie tun es schon und hängen es nicht an die große Glocke.

Was aber nun, wenn ich als Verleger in einem Bereich etabliert bin, wo ich mich zu Hause fühle, aber keine großen Entwicklungschancen sehe? Ich müßte einen neuen Bereich erschließen. Wie soll ich das aber tun? Da ich dort nicht bekannt bin, werde ich nicht mit Manuskripten überschüttet wie die anderen Verlage. Ich könnte Kontakt zu Agenten aufnehmen und meine Bereitschaft signalisieren, junge Talente zu fördern. Damit hätte ich zwar einen Teil des Qualitätsproblems gelöst, nämlich durch die Agenten, aber gleichzeitig auch den wesentlichen Teil meiner eigenen Aufgabe abgegeben, denn es ist ja gerade die Aufgabe des Verlegers, die Talente zu erkennen. Wenn ich das an die Agenten delegiere, bin ich wenig mehr als ein Zwischenglied. Das widerspricht meinem Selbstverständnis.

BoD ist Tochterunternehmen von Libri, dieses gehört zu Tschibo und hat nach meiner Kenntnis nichts mit Bertelsmann zu tun; Bertelsmann bietet mit Media on Demand ähnliche Dienste an wie BoD, ist mithin Konkurrent. Libri ist Großhändler und Logistikunternehmen, hat deshalb überhaupt keine verlegerischen Ambitionen. Ähnlich sieht es bei Lulu aus; die sind einfach nur Zwischenglied, akquirieren die Aufträge im Internet und lassen diese von Lightning Source drucken, die wiederum ein Tochterunternehmen von Ingram sind, einer der großen Grossisten und Logistiker in der USA, also ebenfalls kein Verleger. BoD und Lulu spielen demnach in einer ganz anderen Liga, mit denen hätte ich gar nichts zu tun. Deren Geschäftsmodell entspricht eher dem einer Druckerei.

Verleger sind ähnlich wie Galeristen Leute, die ihr Unternehmen mit ihrer gesamten Persönlichkeit prägen - jedenfalls war es im Verlagswesen in der Vergangenheit so, im Kunsthandel ist es immer noch so. Soweit ich sehe, gibt es im Verlagswesen Bereiche, die man wie eine beliebige Firma führen kann, aber in anderen spielt nach wie vor die Einzelpersönlichkeit eine große Rolle, auch wenn es ein angestellter Geschäftsführer ist. Da nun der Verleger selbst nicht alles tun kann, beschäftigt er Lektoren. Die Lektoren kommen nun auch wiederum im Regelfall eher aus der Literatur als aus der Betriebswirtschaft. Manche Leute meinen sogar, daß Lektoren verhinderte Autoren sind. Auf jeden Fall dürften die Lektoren Leser sein, und zwar von Büchern, die von Verlagen herausgegeben werden, nicht von Geschäftsbüchern und Bilanzen.

Also würde ich als Verleger vermutlich den Weg zu den Agenten doch nicht nehmen. Wie komme ich jetzt an die guten Autoren? Ich spekuliere darauf, daß es mehr gute Autoren gibt, als die anderen Verlage veröffentlichen können. Unter diesen möchte ich die Perlen finden. Also mache ich ein Angebot und hoffe, daß die richtigen Leute mir ein Angebot machen. Dabei muß ich mich unbedingt davor hüten, daß die falschen Leute mir ein Angebot machen, denn dann habe ich nur Arbeit und komme nicht an mein Ziel. Ich möchte ja gute Bücher veröffentlichen, nicht irgendwelche. Schon die herkömmlichen Verlage haben wahnsinnig viel Arbeit mit Manuskripten, die sie nicht haben wollen.

Mit anderen Worten: Qualität ist auch für mich wie für jeden anderen Verleger die notwendige Voraussetzung zum Handeln. Wenn es nur um das Verlegen von Büchern ginge, könnte ich mir das sogar bezahlen lassen - es gibt genug Leute, die erhebliche Beträge dafür lockermachen, daß jemand ihre Bücher herausbringt. Das wäre wieder ein anderes Geschäftsmodell: Die Ausbeutung der menschlichen Eitelkeit. Ich wüßte, daß die Bücher nichts taugen, für die ich mich gut bezahlen lasse. Dabei müßte ich mich noch nicht einmal schlecht fühlen, denn die Dienstleistung, die ich erbringe, ist ganz real: Autoren von Zuschußverlagen bekommen genau das, wofür sie bezahlen.

Ich müßte darauf vertrauen, daß mein Angebot genau diejenigen Autoren anspricht, die ich gewinnen möchte. Das braucht Zeit. Zunächst muß mein Angebot vertrauenswürdig sein, ich muß signalisieren, daß ich kein Zuschußverlag bin und nicht am Autor verdienen will, ich muß aber auch deutlich machen, daß ich nicht alles drucke, was geschrieben wurde.

Das ist nicht nur für die Autoren wichtig, sondern auch für die Leser, denn die sollen ja schließlich die Bücher kaufen und damit meinen Lebensunterhalt und den der Autoren finanzieren. Wenn die Leser nach mehreren Stichproben merken, daß es in meinem Verlag nur Schrott gibt, werde ich kein Bein mehr an den Boden bekommen. Das muß ich also dringend vermeiden, denn letzten Endes sind es die Leser, die entscheiden, ob ich und mit mir meine Autoren vor die Hunde gehe oder nicht. Von Anfang an müssen die Bücher, die ich verlege, digital oder nicht, einem Anspruch genügen, den ich definiere und mit Hilfe dessen ich sowohl Autoren als auch Leser anziehen kann.

So verstehe ich den Ansatz von Shaker, so würde ich es machen, wenn ich Shaker wäre. Ich würde mich nicht als klassischen BoD-Dienstleister auffassen, sondern als Verleger, der dieselbe Technologie nutzt, die die klassischen BoD-Dienstleister nutzen. In diesem Sinne ist die Technologie unwesentlich und hat lediglich etwas mit den Kostenstrukturen und dem Risiko zu tun. Umgekehrt könnte man die klassischen BoD-Dienstleister als Ersatz für die Zuschußverlage auffassen, die dasselbe für sehr viel weniger Geld leisten und dafür nicht nach der Qualität fragen.

Was die Reaktionsgeschwindigkeit betrifft, habe ich schon vor Wochen prophezeit, daß sich das Angebot von Shaker schnell herumsprechen wird und sie dann überschwemmt werden. Wenn sie ihre Aufgabe ernstnehmen, müssen sie ja zumindest so viel Zeit und Energie investieren, um im Zweifel eine Ablehnung rechtfertigen zu können. Werden sie aber mit guten Arbeiten überschwemmt, haben sie noch mehr Arbeit, denn die müssen ja alle betreut werden.

Nun könnte man das mit entsprechendem Personalzuwachs in den Griff bekommen, aber das müßte erstens finanziert werden können und zweitens geht es ja nicht nur darum, Leute einzustellen, diese Leute müssen ja so eingearbeitet werden, daß sie die Firmenphilosophie umsetzen können. Das alles geht nicht von heute auf morgen, also wird es Engpässe geben. Bis mit diesem Konzept wirklich Geld verdient wird und die Expansion finanziert werden kann, vergeht viel Zeit.

Es sei denn man findet auf Anhieb den großen Lottogewinn, den Millionenseller, der innerhalb von drei Wochen 400.000 mal verkauft wird - ob das wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher ist als den Jackpot zu knacken, kann ich nicht beurteilen.

Bei vielen etablierten Verlagen stand tatsächlich ein solcher Glücksgriff am Anfang - vielleicht sollte man besser sagen, daß nur die Verlage überlebt haben, denen ein solcher Glücksgriff vergönnt war, und alle anderen sind schnell wieder untergegangen. Aber darüber weiß ich auch zu wenig.

Das Geld ist aber eigentlich nachrangig; wichtiger ist die Entwicklung des Programms, der Qualitätskriterien, des Gespürs für den Markt. Wenn das alles stimmt, kommt das mit dem Geld schon von allein (siehe "The Seven Laws of Money", eines der ersten Bücher, die digital produziert wurden).

julia07
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Re:

von julia07 (18.01.2008, 08:48)
PaulPic hat geschrieben:
Verleger sind ähnlich wie Galeristen Leute, die ihr Unternehmen mit ihrer gesamten Persönlichkeit prägen - jedenfalls war es im Verlagswesen in der Vergangenheit so, im Kunsthandel ist es immer noch so.

Ein mir bekannter Galerist sagt genau das Gegenteil! Er kann schon lange nicht mehr das einkaufen und auf Lager nehmen, was ER für gute Kunst hält, sondern das, wonach die Käufer verlangen, weil es den Zeitgeist repräsentiert.

PaulPic hat geschrieben:
Ich möchte ja gute Bücher veröffentlichen, nicht irgendwelche. Mit anderen Worten: Qualität ist auch für mich wie für jeden anderen Verleger die notwendige Voraussetzung zum Handeln.

Das wäre eine noble Idee, die sich in den allermeisten Fällen aber nur noch verantwortliche Individualisten leisten können, die zusätzlich auch noch ein prima Finanzpolster haben, welches es ihnen möglich macht, ein gewisses Risiko zu tragen. Qualität kostet erst einmal Geld und das will kaum jemand investieren. Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich habe aufgrund meiner Berufserfahrungen sehr viele Managementfehler kennen gelernt, die verhindern, dass am Ende gute Qualität herauskommt - und ich habe darüber sogar ein Buch geschrieben.

PaulPic hat geschrieben:
So verstehe ich den Ansatz von Shaker, (...) Ich würde mich nicht als klassischen BoD-Dienstleister auffassen, sondern als Verleger, der dieselbe Technologie nutzt, die die klassischen BoD-Dienstleister nutzen. In diesem Sinne ist die Technologie unwesentlich und hat lediglich etwas mit den Kostenstrukturen und dem Risiko zu tun.

Damit wäre das Konzept zum Scheitern verurteilt, denn es baut, wegen der hohen Produktionskosten für Digitaldruck, eben nicht auf Individualismus, sondern auf Masse.

PaulPic hat geschrieben:
Was die Reaktionsgeschwindigkeit betrifft, habe ich schon vor Wochen prophezeit, daß sich das Angebot von Shaker schnell herumsprechen wird und sie dann überschwemmt werden. (...) Werden sie aber mit guten Arbeiten überschwemmt, haben sie noch mehr Arbeit, denn die müssen ja alle betreut werden.

Und damit sind wir wieder bei BoD, denn genau das ist dort ja geschehen.

PaulPic hat geschrieben:
Bis mit diesem Konzept wirklich Geld verdient wird und die Expansion finanziert werden kann, vergeht viel Zeit. Es sei denn man findet auf Anhieb den großen Lottogewinn, den Millionenseller, der innerhalb von drei Wochen 400.000 mal verkauft wird

Diesen kann aber niemand mit Digitaldruck verwirklichen...

LG, Julia

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Re:

von PaulPic (18.01.2008, 10:24)
julia07 hat geschrieben:
Diesen kann aber niemand mit Digitaldruck verwirklichen...

Natürlich nicht. Der Digitaldruck dient nur zum Testen. Sobald sich abzeichnet, daß eine höhere Auflage interessant ist, wird man auf Offset umstellen.

Selbstverständlich sind das alles meine Phantasien, ich habe mit Shaker nur als Kunde zu tun. Zwei Bücher von mir sind gerade bei Shaker herausgekommen, eines in zwei verschiedenen Ausführungen, um auch eine preiswerte Ausgabe zu ermöglichen (bei dem einen ist meines Erachtens der Preis falsch, möglicherweise mein Fehler, und die Leseprobe betrifft die andere Ausgabe, ich habe das gestern reklamiert), und vielleicht habe ich Glück gehabt, weil ich der erste war. Heute hätte ich möglicherweise schon keine Chance mehr. Wer weiß?

Was den Galeristen betrifft, so ist der natürlich zu bedauern. Ich habe den Eindruck, daß die meisten Galeristen nicht wissen, was Kunst ist, und lediglich Händler sind, die gefragte Ware anbieten und ihr Fähnchen jeweils nach dem Wind richten, wogegen ja im Prinzip auch nichts einzuwenden ist. Wenn man aber nicht tun kann, was man tun möchte, ist das fatal.

Die Galeristen, die ich im Auge hatte - vielleicht gibt es solche Galeristen auch nicht mehr, ich kenne mich auch da nicht sehr gut aus - haben versucht, ihre Kunden von ihrem Urteil zu überzeugen. Wie bei den Verlegern wird es solche Galeristen geben, denen das gelingt und die sich über die Jahre hin halten können, und solche, denen das nicht gelingt und die sich dann entweder korrumpieren lassen oder etwas anderes machen. Möglicherweise gibt es auch noch Galeristen, denen es Spaß macht, ihren Kunden Mist anzudrehen. Im Grunde ist das wie bei den Zuschußverlagen: Die Kunden bekommen ja genau das, was sie wollen, der Galerist muß sich also gar nicht schlecht dabei fühlen.

Man kann diese Argumentation sogar noch fortsetzen: Wenn der Künstler den Scheiß macht, den der Käufer haben will, muß der sich wieder schlecht fühlen noch mit seinem Kram identifizieren. Angeblich soll ja Marcel Duchamps versucht haben, das Publikum herauszufordern, was ihm nicht gelungen ist, denn sie haben ihm jeden Einfall abgenommen. Gibt es so etwas auch in der Literatur? Aus der Musik kenne ich es: Herbie Hancock soll mal sinngemäß gesagt haben: "Wenn dem Publikum drei Akkorde zuviel sind, geben wir ihm eben nur zwei!"

Die Frage ist hier also, wie überall: Wer war eher da, die Henne oder das Ei? Möchte ich reagieren oder möchte ich agieren? Will ich mich treiben lassen oder Einfluß nehmen? Man darf sich allerdings nicht überschätzen. Den Irrsinn der Welt wird man weder aufdecken noch verhindern noch umpolen können. Eine gehörige Portion Humor erleichtert manches.

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Re:

von julia07 (18.01.2008, 11:15)
Versteh' mich nicht falsch. Im Prinzip gebe ich Dir ja Recht, aber eben nur im Prinzip... :wink:
Wie war das nochmal mit Radio Eriwan...
LG, Julia

Nicole
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Re:

von Nicole (24.01.2008, 21:56)
Hallo,

also die Prüfung der Qualität der Manuskripte und Inhalte und eine hohe Anzahl von Publikationen schließt sich doch nicht aus. Ist doch eher eine Frage der Kriterien und der Organisation. Ich gebe mir alle Mühe das für mich bestmögliche Manuskript abzuliefern, macht doch vermutlich jede(r) engagierte Autor(in).

Ciao

Nicole
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