Per Schattelraumschiff zur Welterde

Euer Forum für Diskussionen zum Thema Self-Publishing und Buchveröffentlichung.


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Anselm
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Per Schattelraumschiff zur Welterde

von Anselm (24.01.2015, 16:34)
Die Satirezeitschrift "Der Postillon" (!) weist auf das Buch "Die Abenteuer des Stefón Rudel" hin. Schon die Buchbeschreibung ist lesenswert, der "Blick ins Buch" erst recht und die Kommentare besonders. Spätestens nach deren Lektüre - der des Buchs bedarf es nicht mehr - ist die Frage geklärt, ob es ein Segen für die Menschheit ist, dass es immer mehr Selfpublishing-Verlage gibt, die sehr preisgünstig praktisch jedes Manuskript herausgeben, sogar mit ISBN-Nummer und allem Pipapo. Der obiges Machwerk herausgebende "united p.c. Verlag" veröffentlicht "jedes Buch auf unser Risiko! Garantiert und kostenlos!" Der ohnehin nicht glänzende Ruf der Selbstverleger schmilzt wie Schnee an der Sonne. Gut, dass Reich-Ranicki das nicht mehr erlebt hat.

Gruß, Anselm
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Streusalzwiese
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Re:

von Streusalzwiese (24.01.2015, 16:53)
Reich-Ranicki hat das schon noch erlebt. Das Buch kam 2012 auf den Markt, und sorgt immer wieder für Gesprächsstoff.
Warum auch immer. Es gibt sicher Bücher, die noch schlechter sind.

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Anselm
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Re:

von Anselm (24.01.2015, 17:04)
Tatsächlich. Da hat "Der Postillon" ja nicht gerade das Neueste vom Tage hervorgeholt. Der Ruf des Selfpublishig wird dadurch allerdings nicht besser.

Gruß, Anselm
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Mayk
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Re:

von Mayk (24.01.2015, 18:27)
Ich hab mir dieses Highlight gerade mal angeschaut ... meine Fresse. Die Rezensionen sind Gold; ich hab ja teils gebrüllt vor Lachen.

Mist ist indes natürlich wirklich, dass man als bod-Autor mit sowas in einen Topf geworfen wird und man deshalb z.B. keine Autorenseite bei lovelybooks bekommt, weil man, Zitat E-Mail Lovelybooks, "nicht für jedes Werk eine Qualitätsprüfung durchführen kann". Verstehe ich irgendwo auch; und als ich selbst noch für einen der größten deutschen Belletristikverlage arbeitete (nicht als Autor, auf der anderen Seite der Macht), hatte ich sehr ähnliche Vorurteile. Nun bin ich selbst bod-Autor, weil ich meine Kurzgeschichten zu einer bestimmten Zeit draußen haben wollte, und wusste, dass es für vorab Veröffentlichtes sowie Kurzgeschichten generell ohnehin kaum einen Markt gibt.

Ich bin mit den bod-Leistungen auch sehr zufrieden bisher. Das miese Image lässt mich aber doch sehr überlegen, ob ich für meinen Roman nicht doch versuche, einen Publikumsverlag zu finden. (Wobei ich jetzt schon ahne, dass eine bod-Veröffentlichung im Exposee eher nach hinten los geht.)

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mtg
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Re:

von mtg (24.01.2015, 18:40)
Ich halte es nach wie vor für problematisch, wenn man die Qualität anderer Bücher – und sie sie noch so schlecht – pauschal zum »BoD-Maßstab« erhebt. Das hat für mich immer so'n bisschen das »Gschmäckle«, dass man hinter seinem eigenen Werk nicht steht ... und jedes Buch, jeder Autor hat zumindest die Chance, Qualität abzuliefern.

Ich bin auch bei lovelybooks mit einer Rezension drin, weil das Thema des Buches offensichtlich wichtiger war als der Verlagsdienstleister. Wer natürlich den 25. Vampirroman, den 157. Fantasyroman oder dergl. veröffentlicht, muss sich vor allem im Genre messen lassen. Und wenn Sprachstil, Figurenaufbereitung oder Setting schlecht sind, ist das kein BoD-Problem, sondern ein Problem des Autors.

Übrigens gibt es etliche Autoren (Nele Neuhaus, Gerd Scherm oder Barbara Schilling, um einfach mal drei Beispiele aus diesem Forum zu nennen), die vom on-demand erfolgreich zum klassischen Verlag gewechselt sind.

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Mayk
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Re:

von Mayk (24.01.2015, 18:47)
Danke für die Infos, Matthias!
Dann gibt es wohl doch Publikumsverlage "mit ohne" Vorurteile. Wenn man mit seiner Literatur dann noch eine thematische Nische besetzt (und das qualitativ anspruchsvoll),hat man zweifelsohne einen Startvorteil.
Das ermutigt. Und ja, du hast natürlich Recht: Die guten Bücher sollten den Maßstab setzen, nicht die schlechten. Ich gebe auch offen zu, das ich mich für meine frühere Arroganz als Verlagsmitarbeiter schäme. Für mich war damals klar: Wer selbst verlegt, hat nur nichts Besseres gefunden. Das sehe ich natürlich nicht mehr so. Vielmehr würde ich bod mittlerweile einigen Klitschen mit narzisstischen Verleger_innen, seltsamen Autoren und -Programmen ausdrücklich vorziehen. Ein "richtiger" Verlag kann auch mies fürs Image sein, wenn es der Falsche ist ...

Sir Adrian Fish
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Re:

von Sir Adrian Fish (24.01.2015, 23:57)
Vielen Dank für die Erheiterung an einem kalten und tristen Winterabend... ich habe tränen gelacht. Jetzt bin ich auf der Suche nach jemandem, der baldigst Geburtstag hat und von dem ich nie wieder eingeladen werden möchte.

Manchmal gibt es so Sachen, von denen glaubt man gar nicht, dass sie gibt, geschweige denn überhaupt geben kann.

Die Realität schreibt doch immer noch die besten Geschichten...

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Klopfer
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Re:

von Klopfer (25.01.2015, 04:14)
Ich hab zu dem Buch im vorletzten Jahr eine ausgiebige Besprechung mit vielen Zitaten aus dem Buch geschrieben.

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (25.01.2015, 10:14)
Vielleicht irre ich mich, aber ich glaube weiterhin, dass die meisten Leser gar nicht darauf achten, ob ein Buch aus einem Verlag oder einem Dienstleistungsverlag wie BoD stammt. Schlechte Bücher von Selfpublishern sehe ich deshalb auch nicht als Ursache für schlechte Verkaufszahlen bei guten Büchern.

Der Gedanke "Die schaden unserem Ruf!" liegt sicherlich im ersten Moment nahe, aber er hat in meinen Augen auch einen kleinen Beigeschmack. Als BoD-Autorin könnte ich natürlich sehr einfach auf andere BoD-Autoren herabsehen, ihre schlechten Bücher kritisieren und ihnen nahelegen, das Veröffentlichen zu unterlassen, um "unserem Ruf" nicht zu schaden. Stattdessen frage ich mich manchmal ernsthaft, ob ich mit meinen eigenen Büchern "unserem Ruf" schade. Wer sagt denn, dass meine Bücher zu den "guten" gehören? Und wer ist mit "unserem" gemeint? Die Frage, welche Bücher eine Daseinsberechtigung haben und welche nicht, führt uns sehr schnell aufs Glatteis. Bei dem oben erwähnten Werk, von dem die meisten von uns sicherlich bereits gehört haben, ist die Antwort vielleicht etwas eindeutiger, weil es ein extremer Einzelfall ist. Ein Einzelfall wäre aber auch kein Problem für "unseren Ruf".

Als ich zum ersten Mal von diesem Buch hörte und ein bisschen recherchierte, musste ich herzlich lachen. Seither habe ich keinen weiteren Gedanken daran verschwendet.

Gruß,
Monika

edit:
Kleine Anmerkung zu LovelyBooks: Eine eigene Autorenseite, mit der man z.B. Leserunden offiziell betreuen kann, bekommt man als reiner BoD-Autor in der Regel nicht. Aber unsere Bücher werden dort automatisch gelistet und können von jedem rezensiert werden, der angemeldet ist.
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

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Mayk
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Re:

von Mayk (25.01.2015, 16:50)
Klopfer hat geschrieben:
Ich hab zu dem Buch im vorletzten Jahr eine ausgiebige Besprechung mit vielen Zitaten aus dem Buch geschrieben.


Moin Klopfer,

ich brech zusammen vor Lachen ... großartig! Danke und alle Achtung, dass du dir das Machwerk offenkundig wirklich von A-Z angetan hast book: :shock:: thumbbup

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Klopfer
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Re:

von Klopfer (25.01.2015, 22:41)
Vielen Dank fürs Lob! angle: Ich brauchte auch wirklich viele Pausen, einmal ganze zwei Wochen, bis ich weiterlesen konnte.

Streusalzwiese
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Re:

von Streusalzwiese (26.01.2015, 17:39)
Das Buch verkauft sich gut.
(Vielleicht gibt es bald eine Fortsetzung)

Sir Adrian Fish
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Re:

von Sir Adrian Fish (26.01.2015, 18:54)
Streusalzwiese hat geschrieben:
Das Buch verkauft sich gut.
(Vielleicht gibt es bald eine Fortsetzung)


Die Versuchung ist auch relativ groß, wenn nur der Buchpreis so hoch wäre...

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (26.01.2015, 19:27)
"Je schlimmer der Verkehrsunfall, desto mehr Leute bleiben stehen, um zu gaffen", sagt eine Figur in meiner Satire zum Thema Covergestaltung, aber hier passt der Satz auch. angle: Vielleicht ist es dem Autor aber auch gelungen, bei seinen Lesern einen Nerv zu treffen. Schade, dass er nicht hier im Forum angemeldet ist. Er könnte uns wertvolle Tipps geben, wie man ein erfolgreiches Buch schreibt. cool5
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