Wann ist es freiberuflich wann nicht mehr?

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


Carbow
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Wann ist es freiberuflich wann nicht mehr?

von Carbow (31.03.2015, 13:06)
Hallo und guten Tag,
lese mir schon die ganze Zeit die Augen wund, aber - sorry - ich finde nicht wirklich die passende Antwort auf diese Frage:

Welche Tätigkeiten sind als Autor/Schriftsteller im Rahmen des Status "Freiberufler" enthalten?
Und welche nicht?

Ich habe bislang nur herausgefunden, dass der Verkauf eigener Bücher, Interviews und Lesungen durchaus zum typischen Autorendasein gehört und somit (steuerlich und rechtlich) zum Freiberufler passt.
Was noch?

Oder konkret anders gefragt: ist der Verkauf von kreativen, zum Buch passend betexteten und designten Lesezeichen darin noch enthalten?

In meinem Buch geht es u.a. um Tiere, ein Rentier zum Beispiel. Kann ich mich hinsetzen, ein Stabrentierzumausschneidenundausmalen auflegen und dies verkaufen?

Oder kann ich Fototassen mit meinem Logo verkaufen?
Oder Kalender oder sonstiges Werbeartikelgedöns mit Buchbezug verkaufen im Rahmen des freiberuflichen Schutzmantels?

VG,
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Richard Bercanay
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Re:

von Richard Bercanay (31.03.2015, 18:25)
Aber sicher kannst Du das. Wer sollte Dich daran hindern?

So lange Du auf eigene Rechnung arbeitest, bist Du Freiberufler, wenn Du als angestellter Autor arbeitest, bist nicht mehr Freiberufler.

Wenn Du allerdings im Angestellten-Verhältnis stehst oder für jemanden anderes arbeitest, dann ist die Frage nicht mehr so leicht zu beantworten. Dann hängt es vom konkreten Vertragsverhältnis ab, wobei es im Arbeitsrecht weniger darauf ankommt, was im Vertrag steht als auf das, was täglich gelebt wird.

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Judith
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Re:

von Judith (31.03.2015, 19:23)
Richard, "Selbständiger" und "Freiberufler" ist nicht unbedingt dasselbe.

Carbow, ich würde sagen, das ist eine Frage für den Steuerberater.

Im Übrigen vermute ich, mit der Bastelei von Lesezeichen und Tassen aus Bildern von pixelio.de wäre ohnehin nicht rechtens.

Grüßle
Judith
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Monika K.
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Re:

von Monika K. (31.03.2015, 19:40)
Ich verstehe die Frage so: Für welche Tätigkeiten muss ein Autor ein Gewerbe anmelden und welche übt er als Freiberufler aus?
Ich bin weder Rechtsanwalt noch Steuerberater und kann deshalb keine verbindliche Auskunft geben, aber in diesem Wikipediaeintrag steht u. a. folgende Definition für "Freier Beruf":
"eine selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit"

"Ein Angehöriger eines freien Berufs bleibt auch dann freiberuflich tätig, wenn er sich der Hilfe fachlich vorgebildeter Arbeitskräfte bedient. Voraussetzung ist, dass er aufgrund eigener Fachkenntnisse leitend und eigenverantwortlich tätig wird."

Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Freier_Ber ... schland%29

Die von dir geschilderten Beispiele entsprechen in meinen Augen alle einer schriftstellerischen oder künstlerischen Tätigkeit eines Freiberuflers. Aber das ist lediglich meine persönliche Meinung.

Gruß,
Monika
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mtg
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Re:

von mtg (31.03.2015, 20:03)
Judith hat geschrieben:
Im Übrigen vermute ich, mit der Bastelei von Lesezeichen und Tassen aus Bildern von pixelio.de wäre ohnehin nicht rechtens.

Ad 1) Wo steht im Eröffnungspost irgendwo etwas von pixelio.de?
Ad 2) Es gibt gerade bei pixelio.de Nutzungsbedingungen, die das erlauben. (Stichwort: kommerzielle Nutzung)

Carbow
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Re:

von Carbow (01.04.2015, 07:09)
Judith hat geschrieben:

Carbow, ich würde sagen, das ist eine Frage für den Steuerberater.

Im Übrigen vermute ich, mit der Bastelei von Lesezeichen und Tassen aus Bildern von pixelio.de wäre ohnehin nicht rechtens.

Grüßle
Judith


Ja, vermutlich wäre das besser.
Ich dachte naiverweise, dass es irgendwo so ähnlich den Katalogberufen der Freiberufler auch ein "Unterkatalog" der typischen Tätigkeiten der einzelnen Freiberufe gäbe...


Nene, nix pixelio und Co. Alles "handmade", zumindest die Texte und Designs.
VG,
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Carbow
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Re:

von Carbow (01.04.2015, 07:11)
Monika K. hat geschrieben:

Die von dir geschilderten Beispiele entsprechen in meinen Augen alle einer schriftstellerischen oder künstlerischen Tätigkeit eines Freiberuflers. Aber das ist lediglich meine persönliche Meinung.

Gruß,
Monika


Vielen Dank Monika,
ja, so sehe ich das eigentlich auch. Dachte eben nur, dass es dafür (den Wikipedia-Eintrag kenne ich) irgendeine Referenz gäbe.
Trotzdem Danke für die persönliche Meinung.
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Carbow
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Re:

von Carbow (01.04.2015, 07:43)
Bis jetzt habe ich unbefriedigenderweise nur dieses hier gefunden:

http://www.erfolg-als-freiberufler.de/s ... igkeit.php

Ich muss wohl doch eine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (01.04.2015, 10:38)
Carbow hat geschrieben:
Monika K. hat geschrieben:

Die von dir geschilderten Beispiele entsprechen in meinen Augen alle einer schriftstellerischen oder künstlerischen Tätigkeit eines Freiberuflers. Aber das ist lediglich meine persönliche Meinung.

Gruß,
Monika


Vielen Dank Monika,
ja, so sehe ich das eigentlich auch. Dachte eben nur, dass es dafür (den Wikipedia-Eintrag kenne ich) irgendeine Referenz gäbe.
Trotzdem Danke für die persönliche Meinung.
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Wikipedia nennt in dem Artikel zwei hochwertige Quellen, die sogar verlinkt sind: (§ 18 EStG und § 1 PartGG)
Mir ist nicht klar, was dein Problem ist. Hast du Bedenken, dass das Entwerfen spezieller Tassen keine künstlerische Tätigkeit ist?
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mtg
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Re:

von mtg (01.04.2015, 10:39)
Ich vermute, dass hier die klassische Frage im Raum steht, ob ein Gewerbe angemeldet werden muss ... auch wenn's sehr verklausuliert formuliert wurde.

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (01.04.2015, 10:45)
mtg hat geschrieben:
Ich vermute, dass hier die klassische Frage im Raum steht, ob ein Gewerbe angemeldet werden muss ... auch wenn's sehr verklausuliert formuliert wurde.


Ja, das nahm ich oben schon als Basis für meine Antwort:
Monika K. hat geschrieben:
Ich verstehe die Frage so: Für welche Tätigkeiten muss ein Autor ein Gewerbe anmelden und welche übt er als Freiberufler aus?


Du hast doch eigentlich Erfahrung auf dem Gebiet, oder bist du kein Freiberufler? Ist es noch eine künstlerische Tätigkeit, wenn man ein Motiv entwirft und Tassen damit bedrucken lässt, oder schon ein Gewerbe?
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mtg
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Re:

von mtg (01.04.2015, 10:52)
Monika K. hat geschrieben:
Du hast doch eigentlich Erfahrung auf dem Gebiet

Nein, habe ich nicht. Ich bin seit 23 Jahren Gewerbetreibender, insofern haben sich Fragen dieser Art mir nie gestellt.

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Re:

von Monika K. (01.04.2015, 11:03)
Ah! Entschuldige.
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Martin Eller
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Autoren sind Freiberufler

von Martin Eller (01.04.2015, 14:07)
Autoren, (Schriftsteller, Maler, Zeichner usw.) sind eindeutig Freiberufler, wie in § 18 Abs. I Nr. 1 EStG definiert: sie sind die künstlerischen Berufe, die auch das KSVG (Künstlersozialversicherungsgesetz) definiert. Gegen den Einwand eines Finanzamtes, bei irgendeiner Tätigkeit handele es sich um eine gewerbliche, kann die Gewerbeordnung und das HGB entgegen gehalten werden: sind die Berufe nicht als "anerkannte Ausbildungsberufe" registriert, gibt es bei Kammern keine Ausbildungsordnungen, in der GewO keine Gewerbesteuerpflicht (an die Stadt/Gemeinde), gibt es keinen "in besonderer Weise eingerichteten kaufmännischen Geschäftsbetrieb", also kein Handelsgewerbe nach HGB, oder andere Einschränkungen (s. u.) kann das Finanzamt sich nicht durchsetzen. In der Regel akzeptieren Finanzämter z. B. die Registrierung eines Autors bei der Künstlersozialkasse oder schon die Mitgliedschaft in irgend einem künstlerischen Berufsverband.

Die gerne geübte Art mancher Finanzämter, einfach die Nicht-Künstlereigenschaft zu behaupten, darf einem nicht so einfach aus dem Konzept bringen; eine relativ einfache und nicht teure Sache ist es für jeden Bürger, so einen Vorgang selbst vor das Finanzgericht zu bringen; spätest dort wird der Richter das Finanzamt nach einer dezidierten Begründung fragen, die u. U. schwer fallen wird.

In Zweifelsfällen kann man die "Anlage 2 (zu § 12 Abs. 2 Nr. 1 und 2 UStG) Liste der dem ermäßigten Steuersatz unterliegenden Gegenstände" überprüfen:

http://dejure.org/gesetze/UStG/Anlage2.html

Stehen die eigenen Produkte da eindeutig drin, hier z. B. unter Nr. 49 oder 53, ist der Produzent ein Angehöriger der freien Berufe (wenn er nicht zugleich ein Handelsgewerbe nach HGB betreibt). In den geschilderten Fällen ist es jedoch problematisch:

ist der Verkauf von kreativen, zum Buch passend betexteten und designten Lesezeichen darin noch enthalten?


- Das nur, wenn es sich nicht um einen ausgesprochenen Werbeträger für das Buch handelt (Nr. 49 a aus Anlage 2 zu § 12 Abs. 2 Nr. 1 und 2 UStG).

In meinem Buch geht es u.a. um Tiere, ein Rentier zum Beispiel. Kann ich mich hinsetzen, ein Stabrentierzumausschneidenundausmalen auflegen und dies verkaufen?


- Das könnte mit dem "Bilderalben, Bilderbücher und Zeichen- oder Malbücher, für Kinder" aus Nr. 49 c zusammenfallen (warum die wohl nicht Steuerbegünstigt werden?).

Oder kann ich Fototassen mit meinem Logo verkaufen? Oder Kalender oder sonstiges Werbeartikelgedöns mit Buchbezug verkaufen im Rahmen des freiberuflichen Schutzmantels?


- Das viele unter "Veröffentlichungen, die überwiegend Werbezwecken (einschließlich Reisewerbung) dienen" und wäre nicht Umsatzsteuerbegünstigt - und damit sehr wahrscheinlich keine künstlerische/schriftstellerische, freiberufliche Tätigkeit.[/b]
Zuletzt geändert von Martin Eller am 02.04.2015, 10:13, insgesamt 1-mal geändert.

holz
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Re: Wann ist es freiberuflich wann nicht mehr?

von holz (01.04.2015, 15:44)
Carbow hat geschrieben:
Oder kann ich Fototassen mit meinem Logo verkaufen?
Oder Kalender oder sonstiges Werbeartikelgedöns mit Buchbezug verkaufen im Rahmen des freiberuflichen Schutzmantels?


Bezüglich Verkauf von Werbeartikeln zum eigenen Buch hatte diese Autorin beim Finanzamt Rücksprache gehalten (Aussage vom Finanzamt: Gewerbe).
http://www.vomschreibenleben.de/wann-mu ... -anmelden/
(dort unter "Gewerbe bei Werbemaßnahmen")

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