Insolvenz eines Verlages

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


Michaela Krug
Beiträge: 1
Registriert: 23.05.2015, 16:12
Wohnort: Retzstadt

Insolvenz eines Verlages

von Michaela Krug (23.05.2015, 16:20)
Hallo,
mein Verlag hat mir gerade angekündigt, dass er ein Insolvenzverfahren eröffnet hat. Habe 2013 mein erstes Buch dort veröffentlicht. Leider wurden bisher noch nicht sehr viele Exemplare verkauft. Gedruckt wurden (angeblich) 5.000 Exemplare, wobei ich schon lange den Verdacht habe, dass in diesem Verlag nicht alles so richtig läuft (habe mehr als 3.000 Euro bezahlt). Meine Frage: Habe ich irgendein Recht, meine Bücher wieder zu bekommen, sodass ich sie selbst vermarkten kann. Im Vertrag ist nur die Verramschung geregelt. Wie ist es bei Insolvenz des Verlages.
Vielen Dank für eine hilfreiche Antwort.

Herzliche Grüße
Michaela

holz
Beiträge: 370
Registriert: 29.11.2011, 09:20

Re:

von holz (23.05.2015, 17:50)
Dürfte dieser sein:

http://www.gnz.de/artikelansicht01/noti ... us-1393633

Der Insolvenzverwalter ist im Artikel genannt und sollte von Dir kontaktiert werden.

Benutzeravatar
hawepe
Beiträge: 7138
Registriert: 15.04.2007, 21:26
Wohnort: Berlin

Re: Insolvenz eines Verlages

von hawepe (23.05.2015, 18:34)
Hallo Michaela,

Michaela Krug hat geschrieben:
Meine Frage: Habe ich irgendein Recht, meine Bücher wieder zu bekommen, sodass ich sie selbst vermarkten kann. Im Vertrag ist nur die Verramschung geregelt. Wie ist es bei Insolvenz des Verlages.


Dummerweise sind es nicht deine Bücher, sondern Bücher des Verlages. Damit gehören sie aber in die Konkursmasse. Dass es ein DKZV ist, ändert daran nichts.

Ich kann dir auch nur empfehlen, dich an den Konkursverwalter zu wenden. Da es eher unwahrscheinlich sein dürfte, dass es ihm gelingt, die Bücher zu Geld zu machen, eine Vernichtung aber sogar noch Geld kosten würde, könntest du Glück haben.

Beste Grüße

Heinz

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5678
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re:

von Siegfried (23.05.2015, 19:54)
Ist der Verlag insolvent oder in Konkurs?

Da ist kleiner, aber feiner Unterschied.

Insolvenz heißt, dass ein Unternehmen Rechnungen nicht bezahlen kann und sich durch ein Gericht gegen Pfändungen schützen will. Als Folge des Insolvenzantrages wird die Geschäftsleitung durch einen Insolvenzverwalter ersetzt, der prüft, ob es für das Unternehmen Überlebenschancen gibt.

Mehr ist Insolvenz nicht.

Beim Konkurs besteht für das Unternehmen keine Rettungschance mehr. Dann wird alles, was im Unternehmen vorhanden ist, zu Geld gemacht, um die Gläubiger zufrieden zu stellen.

Wenn tatsächlich "nur" die Insolvenz besteht, dann können die Buchverträge weiter bestehen bleiben. Bei Konkurs ist alles vorbei.
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // alle Preise zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Sir Adrian Fish
Beiträge: 425
Registriert: 30.09.2007, 19:23
Wohnort: Hamburg

Re:

von Sir Adrian Fish (23.05.2015, 20:12)
@Siegfried

Danke! Wieder was dazu gelernt smart2 .

Benutzeravatar
Monika K.
Beiträge: 3175
Registriert: 28.02.2012, 21:45

Re:

von Monika K. (23.05.2015, 20:59)
Siegfried hat geschrieben:
Ist der Verlag insolvent oder in Konkurs?

Da ist kleiner, aber feiner Unterschied.

Insolvenz heißt, dass ein Unternehmen Rechnungen nicht bezahlen kann und sich durch ein Gericht gegen Pfändungen schützen will. Als Folge des Insolvenzantrages wird die Geschäftsleitung durch einen Insolvenzverwalter ersetzt, der prüft, ob es für das Unternehmen Überlebenschancen gibt.

Mehr ist Insolvenz nicht.

Beim Konkurs besteht für das Unternehmen keine Rettungschance mehr. Dann wird alles, was im Unternehmen vorhanden ist, zu Geld gemacht, um die Gläubiger zufrieden zu stellen.

Wenn tatsächlich "nur" die Insolvenz besteht, dann können die Buchverträge weiter bestehen bleiben. Bei Konkurs ist alles vorbei.


Meines Wissens ist "Konkurs" eine umgangssprachliche (oder auch veraltete) Bezeichnung für die Insolvenz. Wie ein Insolvenzverfahren abläuft, kann man am besten selbst hier nachlesen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Insolvenzr ... schland%29

Es ist jedoch richtig, dass ein Insolvenzverfahren (früher: Konkursverfahren) in mehreren Schritten abläuft und es nicht zwingend zur Abwicklung des Unternehmens kommen muss. Manche Firmen bestehen noch viele Jahre unter des Führung eines Insolvenzverwalters weiter, manche finden sogar einen Weg aus der Insolvenz. (Konkurs war übrigens, wenn ich richtig informiert bin, die Bezeichnung für den Vorgang des "Zusammenlaufens" der Gläubiger, die ihre Ansprüche anmelden. Die Abwicklung nannte man "Konkursabwicklung".)
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

Benutzeravatar
ricochet
Beiträge: 806
Registriert: 13.12.2009, 16:58
Wohnort: Graz

Re:

von ricochet (24.05.2015, 07:40)
Hallo Michaela,

das Entdscheidende hat hawepe gepostet: Eigentümer "deiner" Bücher ist der Verlag. Somit sind sie Teil der Konkursmasse, über deren Schicksal erst entschieden wird. Die typische Vorgangsweise ist die, dass der Masseverwalter einen Buchhändler sucht, der den gesamten Warenbestand in Bausch und Bogen abnimmt.
Üblicherweise haben Autorenverträge auch Klauseln, die sich auf die Beendigung der verlegerischen Tätigkeit beziehen. Sieh dort mal nach.

LG


rico
Ich schreibe, also bin ich.

Benutzeravatar
mtg
Beiträge: 5477
Registriert: 20.01.2010, 09:59
Wohnort: Berlin

Re:

von mtg (24.05.2015, 09:34)
Monika K. hat geschrieben:
Meines Wissens ist "Konkurs" eine umgangssprachliche (oder auch veraltete) Bezeichnung für die Insolvenz.

-> http://www.gruenderlexikon.de/magazin/w ... -insolvenz

Benutzeravatar
Monika K.
Beiträge: 3175
Registriert: 28.02.2012, 21:45

Re:

von Monika K. (24.05.2015, 10:44)
mtg hat geschrieben:
Monika K. hat geschrieben:
Meines Wissens ist "Konkurs" eine umgangssprachliche (oder auch veraltete) Bezeichnung für die Insolvenz.

-> http://www.gruenderlexikon.de/magazin/w ... -insolvenz


Selbe Website, anderer Link:
http://www.gruenderlexikon.de/konkurs
Ich zitiere: "Wer heute von einem Konkurs spricht, meint die Insolvenz."

Und noch ein Link von mir zum aktuell gültigen Recht, falls Wikipedia "bäh" ist:
http://www.gesetze-im-internet.de/inso/

Die Insolvenzordnung gilt seit 1.1.1999 und löste die vorher gültige Konkursordnung (Westdeutschland) und die auf DDR-Recht basierende Gesamtvollstreckungsordnung (1990) ab.
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5678
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re:

von Siegfried (25.05.2015, 10:48)
Begrifflichkeiten hin, Begrifflichkeiten her. cheezygrin

Entscheidend ist, ob sich der Verlag im Insolvenzschutz (das Unternehmen schützt sich aufgrund von Liquiditätsproblemen mittels Antrag auf Insolvenz gegen Pfändungen durch Gläubiger) oder ob er sich in der Abwicklung befindet (das Unternehmen wird durch den Insolvenzverwalter mangels vorhandener Masse geschlossen).

Im ersten Fall wird mit den Gläubigern ein Forderungsverzicht ausgehandelt, ggf. müssen Mitarbeiter auf Lohnanteile verzichten bzw. wird das vorhandene Personal reduziert, das Unternehmen wird innerhalb einer bestimmten Frist finanziell wieder auf die Beine gestellt und kann weiterarbeiten. Dazu gehört dann auch, dass die vorhandenen Bücher sich weiter im Vertrieb befinden und bestehende Verträge erfüllt werden können. Zweck dieses Vorgehens ist, das Unternehmen und zumindest einen Teil der Arbeitsplätze zu erhalten.

Im zweiten Fall wird brutal alles zu Geld gemacht, was an Werten vorhanden ist. Dazu gehört auch, dass vorhandene Buchauflagen dem Altpapierhändler übergeben werden, um noch ein paar Euro herauszuschlagen. Aus dem dann vorhandenen Restkapital werden die bestehenden Forderungen - zum Teil - beglichen. Zuerst werden jene Gläubiger zufriedengestellt, die unter Eigentumsvorbehalt geliefert haben. Diese Werte zählen nämlich nicht zur ... ja, wie heißt es denn nun? ... Insolvenzmasse (früher: Konkursmasse). Vorne stehen dann die Löhne, die berufliche Vorsorge, die Sozialversicherungen, die diversen Steuern. Erst dann folgen die Schulden aus eingekauften Leistungen.

Es ist richtig, dass seit 1999 ein neues Insolvenzrecht besteht, das insbesondere im Hinblick auf die Privatinsolvenz eingeführt wurde. Da aber eine Insolvenz nicht zwingend zur Abwicklung des Unternehmens führt (siehe Insolvenz zum Pfändungsschutz vs. Insolvenz mit Abwicklung) hat Volkes Mund weiterhin sprachlich eine klare Unterscheidung getroffen - auch wenn die Begrifflichkeiten nicht gesetzeskonform sind. Ist das Unternehmen nicht zu retten, nennt der einfache Mann auf der Straße diesen Zustand konkurs.

Die Problematik der sprachlichen Uneindeutigkeit findet sich auch im Zeitungsartikel. Da heißt es:

"Am Montag hat das Unternehmen am Hanauer Amtsgericht einen Insolvenzantrag gestellt. Nun soll ein Investor gefunden werden, der den Verlag aus der drohenden Insolvenz herauskauft und die Arbeitsplätze sichert."

Wenn ein Unternehmen einen Insolvenzantrag stellt, ist es in der Insolvenz. Wie da eine Insolvenz noch drohen kann, ist für mich - sprachlich - nicht nachvollziehbar. Der Gesetzgeber formuliert hier unsauber, nicht Volkes Stimme.

Für Michaela ist einzig und allein entscheidend, ob der Verlag durch den Insolvenzantrag Zeit gewinnen kann, um wieder auf die Beine zu kommen (Zitat aus dem Zeitungsartikel: "Nun soll ein Investor gefunden werden [...]") oder ob der Verlag tatsächlich abgewickelt wird, d. h. er wird dichtgemacht.
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // alle Preise zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Benutzeravatar
mtg
Beiträge: 5477
Registriert: 20.01.2010, 09:59
Wohnort: Berlin

Re:

von mtg (25.05.2015, 12:54)
Siegfried hat geschrieben:
Begrifflichkeiten hin, Begrifflichkeiten her. cheezygrin

Du weißt doch: Es hilft manchen Leuten mehr, wenn sie sich an Begrifflichkeiten festhalten können. Dann müssen sie sich nicht um Inhalte kümmern.

Ich denke, dass Deine und Heinz' Kommentare für Michaela hilfreicher waren und wünsche ihr, dass sie da gut 'rauskommt.

Immerhin kann es ja nun sein, dass die Klagen über den Wagner-Verlag zurückgehen ...

Benutzeravatar
Monika K.
Beiträge: 3175
Registriert: 28.02.2012, 21:45

Re:

von Monika K. (25.05.2015, 13:05)
Siegfried hat geschrieben:
Begrifflichkeiten hin, Begrifflichkeiten her. cheezygrin


Es war ursprünglich gar nicht meine Absicht, lange über Begrifflichkeiten zu diskutieren. Wenn jemand das Wort "Konkurs" verwendet, falle ich ihm ganz bestimmt nicht ins Wort, denn jeder weiß, was damit gemeint ist. Nur konnte Michaela schlecht die Frage beantworten, ob eine Insolvenz oder ein Konkurs vorliegt, da es sich dabei in Deutschland um Synonyme handelt. Ich möchte auch nicht die Unterschiede zwischen der alten Konkursordnung und der neuen Insolvenzordnung herausarbeiten, die nicht nur die Privatinsolvenz betreffen. Das würde zu weit vom Thema des Threads wegführen.

Ich beschäftige mich nun eher mit der Frage, ob es wirklich ratsam ist, die eigenen Bücher aufzukaufen, falls sich die Möglichkeit bietet. Zum einen steht ja in anderen Threads zu diesem Verlag die Frage im Raum, ob die Bücher tatsächlich in der hohen Stückzahl gedruckt wurden. Ein Insolvenzverwalter wird dazu eher eine ehrliche Antwort liefern als die Firmenleitung, sodass sich daraus vielleicht ein Anspruch aus dem nicht erfüllten Buchvertrag ableiten lässt. Da ich keine Anwältin bin, kann ich das aber nicht einschätzen. Zum anderen sollte man sich gut überlegen, zu welchem Preis man die vorhandenen Bücher erwerben möchte. Ich selbst werfe ungern gutes Geld schlechtem hinterher und würde lediglich eine überschaubare Anzahl, bei der ich mir sicher bin, dass ich sie verkaufen kann, zum Altpapierpreis plus Portokosten abnehmen. Sobald das Werk frei ist, würde ich es über BoD oder einen ähnlich günstigen Anbieter veröffentlichen und die chaotische Zeit bei diesem DKZV ganz schnell vergessen.

Gruß,
Monika
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

holz
Beiträge: 370
Registriert: 29.11.2011, 09:20

Re:

von holz (25.05.2015, 15:59)
Monika K. hat geschrieben:

Zum einen steht ja in anderen Threads zu diesem Verlag die Frage im Raum, ob die Bücher tatsächlich in der hohen Stückzahl gedruckt wurden.


Unwahrscheinlich.
Der Verlag druckt z.B. beim Buchangebot Modell 1a die Auflage von 2000 Exemplaren jeweils in 200er-Stückelungen (Nachdruck weiterer 200, wenn nur noch 50 Exemplare vorhanden sind). Dürfte bei 5000 nicht anders sein.

Genaues wissen Verlagsvertrag book: und Insolvenzverwalter smart2 .

Benutzeravatar
Nicolas Fayé
Beiträge: 1480
Registriert: 15.11.2009, 15:56
Wohnort: Aix-la-Chapelle

Re:

von Nicolas Fayé (25.05.2015, 16:54)
Mal ganz ehrlich, was in diversen Threads über den Wagnerverlag geschrieben wurde, hält sich mein Mitleid für diese Firma stark in Grenzen.
Viele Grüße von Nicolas

Geduld ist eine Tugend
http://www.romanzeit.de
---------------------------------------------------

Benutzeravatar
hawepe
Beiträge: 7138
Registriert: 15.04.2007, 21:26
Wohnort: Berlin

Re:

von hawepe (25.05.2015, 19:13)
Hallo,

auch wenn immer wieder gerne das Gegenteil behauptet wird, in Deutschland gibt es keine gesetzlichen Vorschriften, wie Unternehmen ihre Vertragsleistungen erbringen müssen.

Wenn ein Verlag sich verpflichtet, von einem Titel 5000 Exemplare zu drucken und unter das Volk zu bringen, darf er jedes Exemplar einzeln drucken, aber auch gleich 5000 Exemplare. Wie er seine vertragliche Verpflichtung erfüllt, ist alleine ihm überlassen.

Allerdings besteht auch in der HInsicht Vertragsfreiheit, dass natürlich auch vertraglich vereinbart werden darf, dass tatsächlich sofort die Gesamtauflage gedruckt wird. Bislang sind allerdings noch alle Autoren den Nachweis schuldig geblieben, dass sie tatsächlich einen solchen Vertrag erhalten haben.

Beste Grüße

Heinz

Zurück zu „Rechtliches, Verträge und Co.“


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste

Über BoD

BoD™ ist die führende deutsche Self-Publishing-Plattform. Seit mehr als 20 Jahren sind wir die Anlaufstelle für das einfache, schnelle und verlagsunabhängige Veröffentlichen von Büchern und E-Books. Bereits mehr als 40.000 Autoren haben sich mit uns den Traum vom eigenen Buch erfüllt.