Self-Publishing was ist zu beachten?

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


Kayidan
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Self-Publishing was ist zu beachten?

von Kayidan (01.06.2015, 19:35)
Hallo,

ich weiß, diese Frage wurde hier schon oft gestellt, leider habe ich noch keine richtige Antwort gefunden.

Ich bin gerade dabei mein erstes Buch zu veröffentlichen auf meiner eigenen Website. Ich bin Hauptberuflich im Hotel angestellt. Welche rechtlichen Schritte muss ich beachten? Muss ich zum Gewerbeamt und vielleicht sogar ein Kleingewerbe beantragen? (Ich plane noch mehr Bücher zu veröffentlichen in den nächsten Monaten). Wie muss ich das ganze versteuern?

Könnt ihr mir bitte helfen? Ich bin echt verwirrt und kurz davor die Veröffentlichung abzusagen weil ich keinen Stress mit dem Finanzamt haben will.

Alan Smithee
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Re:

von Alan Smithee (01.06.2015, 20:11)

Kayidan
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Schon alles gelesen...

von Kayidan (01.06.2015, 20:57)
Ich habe mich schon durch alles durchgelesen. Die Frage ist eher muss ich mich irgendwo anmelden wenn ich neben meinem Beruf mit meinem Buch Geld verdienen will? Ich steige da wirklich nicht durch. Zumal ich sowieso bald eine Gewerbeanmeldung vornehmen möchte weil ich auch andere Artikel verkaufen möchte.

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Siegfried
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Re: Self-Publishing was ist zu beachten?

von Siegfried (01.06.2015, 22:46)
Hi!

Kayidan hat geschrieben:
Welche rechtlichen Schritte muss ich beachten?


Als Künstler (Autor), der ausschließlich seine eigenen Bücher vertreibt (oder vertreiben lässt), bist du kein Gewerbetreibender, sondern allenfalls Freiberufler (in Abgrenzung zu einem Hobbytreibenden, der gelegentlich ein paar Euro mit seinen Werken verdient). Im Regelfall auf nebenberuflicher Ebene. Daher ist rein handelsrechtlich keine Aktion von dir erforderlich.

Kayidan hat geschrieben:
Muss ich zum Gewerbeamt und vielleicht sogar ein Kleingewerbe beantragen?


Der Verkauf deiner Bücher, z. B. über BoD, ist kein Gewerbe. Du brauchst also keinen Gewerbeschein. Erst wenn du fremde Bücher (Handelsware) verkaufst, wirst du zum Gewerbetreibenden (§ 1 HGB).

Ein Kleingewerbe gibt es handelsrechtlich gar nicht. Das HGB kennt den Begriff des Kleinunternehmertums. Das sind Kaufleute, die im Gründungsjahr weniger als 17.500 Euro Umsatz bzw. in den Folgejahren weniger als 50.000 Euro Umsatz machen. Kleinunternehmer können sich von der Umsatzsteuerpflicht befreien lassen (der Kleinunternehmer berechnet keine USt, darf aber auch keine USt als Vorsteuerabzug berechnen). Außerdem ist der Kleinunternehmer von der Pflicht zur Buchführung/Bilanzierung befreit. Es reicht eine einfache Einnahme-Überschuss-Rechnung. Siehe auch § 19 HGB.

Kayidan hat geschrieben:
Wie muss ich das ganze versteuern?


Alle Einnahmen sowie alle Kosten aus deinen Buchveröffentlichungen werden im Rahmen der jährlichen Einkommensteuererklärung angegeben. Dafür gibt es die "Anlage S".

Der aus Buchverkäufen erwirtschaftete Gewinn wird im Prinzip auf die Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit ("Anlage N") aufgeschlagen und aus der Gesamtsumme ergibt sich dann die Steuerschuld gegenüber dem Finanzamt.

Grundsätzlich gilt: Erst einmal das Buch schreiben, dann das Buch verkaufen und erst dann die Gewinne versteuern. Im Notfall helfen einem die Leute auf dem Finanzamt bei solchen Steuerfragen.
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // alle Preise zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

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Re: Self-Publishing was ist zu beachten?

von henxl@gmx.de (11.07.2017, 12:53)
Hallo,
das stimmt so nicht.
Bei der Einkommensteuer ist man steuerpflichtig, wenn man mit Gewinnerzielungsabsicht handelt und auf Dauer einen Gewinn (mehr Einnahmen als Ausgaben) erzielt, ansonsten handelt es sich um sog. "Liebhaberei". Hierfür ist eine Prognose aufgrund einer Kalkulation erforderlich, die das Finanzamt prüfen wird.

Bei der Umsatzsteuer kann die Kleinunternehmer-Reglung in Anspruch genommen werden, wenn die Einnahmen im Vorjahr nicht mehr als 17.500 Euro und im laufenden Jahr voraussichtlich nicht mehr als 50.000 Euro betragen. Die Grenze von 17.500 Euro gilt als in jedem Jahr!
Auch bei einkommensteuerlicher "Liebhaberei" unterliegen die Einnahmen der grundsätzlich Umsatzsteuer bzw. gilt die Kleinunternehmer-Regelung.

Viele Grüße
Heinz

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Siegfried
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Re: Self-Publishing was ist zu beachten?

von Siegfried (11.07.2017, 13:12)
henxl@gmx.de hat geschrieben:
Hallo,
das stimmt so nicht.


Was stimmt nicht? Bitte konkretisieren, dann kann man auch diskutieren. :wink:

Generelle Empfehlung für Self-Publisher:

http://www.selfpublisherbibel.de
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Re: Self-Publishing was ist zu beachten?

von henxl@gmx.de (11.07.2017, 17:06)
Hallo,

was nicht stimmt, habe ich doch geschrieben:
In allen Jahren darf man die Umsatzgrenze von 17.500 Euro nicht überschreiten, um Kleinunternehmer zu bleiben.

Konkret ist die Prüfung am Beginn eines Jahres wie folgt vorzunehmen:
Liegt der Umsatz im abgelaufenen Jahr unter 17.500 Euro und im kommenden Jahr voraussichtlich unter 50.000 Euro.
Wenn ja, kann für ein weiteres Jahr die Kleinunternehmer-Regelung in Anspruch genommen werden.

Viele Grüße
Heinz

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Hannelore Goos
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Re: Self-Publishing was ist zu beachten?

von Hannelore Goos (11.07.2017, 18:17)
henxl@gmx.de hat geschrieben:
was nicht stimmt, habe ich doch geschrieben:
In allen Jahren darf man die Umsatzgrenze von 17.500 Euro nicht überschreiten, um Kleinunternehmer zu bleiben.


Was ist gut daran, Kleinunternehmer zu bleiben? Ich habe schon einmal geschrieben: Bei Büchern nimmt man 7 % MWSt. ein, die Betriebsausgaben, Fachliteratur, Arbeitsmittel, Masteringgebühren usw. unterliegen in der Regel 19% Umsatzsteuer. Unterm Strich bleibt da logischweise jedes Jahr etwas übrig.

Gruß
Hannelore
Es gibt Menschen, die denken gern, und Menschen, die schreiben gern. Leider sind das nicht immer dieselben. book:
(Aus einem Gartenforum)

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Re: Self-Publishing was ist zu beachten?

von henxl@gmx.de (12.07.2017, 11:53)
Hallo,

wichtig war mir, dass die Umsatzgrenze für Kleinunternehmer in allen Jahren 17.500 Euro beträgt.

Ob ich als Kleinunternehmer zur Regelbesteuerung optiere, ist eine andere Frage, die jeder für sich entscheiden muss.
An diese Option ist man 5 Jahre gebunden (§ 19 des Umsatzsteuergesetzes)
Die Kleinunternehmer-Regelung vereinfacht viel.
Ob ein Vorsteuer-Überschüss verbleibt, ist nicht immer sicher. Wenn die Einnahmen mehr als das rd. 2,7fache der Ausgaben mit Vorsteuerabzug betragen, muss man Umsatzsteuer zahlen.

Viele Grüße
Heinz

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Siegfried
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Re: Self-Publishing was ist zu beachten?

von Siegfried (12.07.2017, 13:20)
henxl@gmx.de hat geschrieben:
Die Kleinunternehmer-Regelung vereinfacht viel.


Sie macht aber auch manchmal Probleme. Besonders beim Vertrieb an Wiederverkäufer. Die würden nämlich sehr gerne den Einkaufspreis durch Abzug der Vorsteuer weiter senken. Das können sie aber bei Kleinunternehmern nicht. Deshalb üben Wiederverkäufer deutlichen Druck auf Kleinunternehmer aus, den Preis weiter zu senken.
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Re: Self-Publishing was ist zu beachten?

von henxl@gmx.de (12.07.2017, 16:05)
Hallo,

ausgehend davon, dass die Kleinunternehmer-Regelung günstiger ist als die Regelbesteuerung:

Wenn ein Buch 10,70 Euro kosten soll, muss man bei der Regelbesteuerung 0,70 Euro ans Finanzamt bezahlen, verbleiben 10,00 Euro
Als Kleinunternehmer kann man also das Buch für 10,00 Euro verkaufen und hat den gleichen Ertrag.

Viele Grüße
Heinz

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Re: Self-Publishing was ist zu beachten?

von Siegfried (12.07.2017, 18:31)
henxl@gmx.de hat geschrieben:
Wenn ein Buch 10,70 Euro kosten soll, muss man bei der Regelbesteuerung 0,70 Euro ans Finanzamt bezahlen, verbleiben 10,00 Euro
Als Kleinunternehmer kann man also das Buch für 10,00 Euro verkaufen und hat den gleichen Ertrag.


Richtig.
Was aber, wenn eine Anfrage von einem Shop vorliegt, der das Buch gerne selbst verkaufen möchte?

Wenn der Kleinunternehmer das Buch selbst für 10,- Euro verkauft, muss der Händler das Buch ebenfalls für 10,- Euro verkaufen. Nur: Der Händler ist USt-pflichtig und muss daher einen Teil der 10,- Euro ans Finanzamt abgeben (konkret: 0,65 Euro).
Diese 65 Cent Einnahmeverlust holt sich der Händler durch entsprechende Einkaufskondition vom Kleinunternehmer zurück. Denn: Da der Kleinunternehmer keine USt berechnen darf, hat der Händler keine Vorsteuer, die er sich vom Finanzamt zurückholen kann.
Die Folge: Bei USt-pflichtigen Wiederverkäufern haben Kleinunternehmer einen schweren Stand.

Die WIederverkäufer sind im Einkauf bretthart. Ein Buch von mir ist knappe zwei Jahre im Shop des Überseemuseums Bremen verkauft worden. Ich habe denen zwei Angebote gemacht: 30 % Provision im Einkauf mit Remissionsrecht oder 40 % Provision ohne Remission. Interessanterweise (oder auch: logisch) hat sich der Shop für die 40-%-Variante entschieden. cheezygrin Und da ich USt-pflichtig bin, gab es keine Probleme wegen der Vorsteuer.
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Re: Self-Publishing was ist zu beachten?

von henxl@gmx.de (12.07.2017, 23:50)
Hallo,

ich bin weder Autor noch Händler, sondern beschäftige mich mit Steuerrecht. Bei der jetzigen Diskussion kann ich mehr nicht mitreden.

Mir ginge es um die falsche Information zum Kleinunternehmer.

Zu der Umsatzsteuerproblematik noch eine weitere Information: Nach § 25a des Umsatzsteuergesetzes (sog. Differenzbesteuerung) braucht der Händler die Umsatzsteuer nur von seiner Marge und nicht vom Verkaufspreis zu bezahlen, wenn er ohne Vorsteuerabzug einkauft.

Viele Grüße
Heinz

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