Tot geborgen

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verseschmiedin
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Tot geborgen

von verseschmiedin (04.09.2015, 09:50)
Folgendes Gedicht schrieb ich aus aktuellem Anlass. Wieviele Bilder wie die des toten dreijährigen Jungen an der türkischen Küste brauchen wir noch, um das Flüchtlingselend wirksam zu bekämpfen?


Tot geborgen

Tot geborgen
auf unseren Armen
schreit Dein Leid
hinaus in die Welt,
schreit zu uns,
die wir alles bestimmen
mit unserer Macht
und unserem Geld.

Drei Jahre lang nur
währte Dein Leben
und war uns anscheinend
zu wenig wert,
dass wir Dich
aus Deinem Elend erlösten,
wir,
die wir noch niemals
verzweifelten Hunger gespürt.

Hast mit Deinen Eltern
ein besseres Leben gesucht,
woanders hier auf Erden,
stattdessen kam der Tod zu Dir,
und euer Traum
wird niemals Wirklichkeit werden.

Doch hast Du in Deinem Leben
auch keine Stimme gehabt,
so schreit Dein Tod in unser Gesicht:
Setzt dem Leiden nun ein Ende
und rettet die anderen,
wenn schon nicht mich!



(mehr Texte auf: www.facebook.com/gudrun.heller.autorin,
www.gudrunheller.wix.com/autorin)
Zuletzt geändert von verseschmiedin am 09.09.2015, 08:27, insgesamt 2-mal geändert.

hugo-wolff
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Re:

von hugo-wolff (04.09.2015, 23:50)
Wieviele Bilder wie die des toten dreijährigen Jungen an der türkischen Küste brauchen wir noch, um das Flüchtlingselend wirksam zu bekämpfen?


Ich habe in meinem Leben schon zuviele ähnlich erschütternde Bilder gesehen, um noch daran zu glauben, daß sie etwas ändern.

Und je älter ich werde, umso mehr komme ich zu der Überzeugung, daß die einzige Lösung jene wäre, die Wolfgang Borchert bereits 1947 in seinem Gedicht "Dann gibt es nur eins!"in die Welt hinaus geschrien hat:

(Auszug)

[Zitat]
Du. Mutter in der Normandie und Mutter in der Ukraine, du, Mutter in Frisko und London, du am Hoangho und am Missisippi, du, Mutter in Neapel und Hamburg und Kairo und Oslo - Muetter in allen Erdteilen, Muetter in der Welt, wenn sie morgen befehlen, ihr sollt Kinder gebaeren, Krankenschwestern fuer Kriegslazarette und neue Soldaten fuer neue Schlachten, Muetter in der Welt, dann gibt es nur eins:
Sagt NEIN! Muetter, sagt NEIN!
[Zitat Ende]

Hugo

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verseschmiedin
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Re:

von verseschmiedin (05.09.2015, 10:07)
Lieber Hugo-Wolff!

Du hast Recht, angesichts des Elends dieser Welt, das sich niemals zu ändern scheint, erscheint es oft unmöglich, dass einzelne Bilder davon wirklich etwas bewegen können, geschweige denn Worte.
Und doch sind es immer wieder einzelne Bilder oder Worte, die Menschen bewegen und aufrütteln und - selten genug - einen Prozess in Gang bringen, der Änderung bewirkt.
Auch wenn diese Änderung noch lange nicht das Elend beseitigt.

Aber ohne Hoffnung auf diese, wenn auch kleinen Änderungen, wäre es unmöglich, mit dem tatsächlichen Zustand der Welt zu leben.

Liebe Grüße
Gudrun



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Bardioc
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Re:

von Bardioc (05.09.2015, 11:14)
hugo-wolff hat geschrieben:
Wieviele Bilder wie die des toten dreijährigen Jungen an der türkischen Küste brauchen wir noch, um das Flüchtlingselend wirksam zu bekämpfen?


Ich habe in meinem Leben schon zuviele ähnlich erschütternde Bilder gesehen, um noch daran zu glauben, daß sie etwas ändern.

Und je älter ich werde, umso mehr komme ich zu der Überzeugung, daß die einzige Lösung jene wäre, die Wolfgang Borchert bereits 1947 in seinem Gedicht "Dann gibt es nur eins!"in die Welt hinaus geschrien hat:

(Auszug)

[Zitat]
Du. Mutter in der Normandie und Mutter in der Ukraine, du, Mutter in Frisko und London, du am Hoangho und am Missisippi, du, Mutter in Neapel und Hamburg und Kairo und Oslo - Muetter in allen Erdteilen, Muetter in der Welt, wenn sie morgen befehlen, ihr sollt Kinder gebaeren, Krankenschwestern fuer Kriegslazarette und neue Soldaten fuer neue Schlachten, Muetter in der Welt, dann gibt es nur eins:
Sagt NEIN! Muetter, sagt NEIN!
[Zitat Ende]

Hugo


Weiß nicht, wie das Gedicht weitergeht, aber es sollte sich auch an die Jugendlichen wenden, die auch und gerade in Deutschland bis vor kurzem zum sog. Wehrdienst oder anderen Diensten gezwungen wurden. Unsere Moral -- ich nenne sie Lebensvergötzungsmoral -- ist schon ziemlich pervers: Jede kleinste Gewaltanwendung -- auch zum Zwecke der Selbstverteidigung -- verstößt gegen das demütigende staatliche Gewaltmonopol und zieht zuminstest eine Anklage nach sich, die Ursachen von Gewalt -- u. a. Mobbing -- werden ignoriert, dem Mobbing-Opfer wird ''fehlende Anpassung'' vorgeworfen, aber wenn es der Staat befiehlt, dann ist es in Ordnung und wird sogar von Dir erwartet, andere Menschen z. B. als Soldat für die Interessen des Staates oder derjenigen Leute, die aus ihm Nutzen ziehen -- umzubringen. Heute geht das sogar ohne eigenes Riskio, vom Computerarbeitsplatz aus, mit dem Joystick. Und die großen Religionsgemeinschaften spielen dabei mit. Wenn man wirklich etwas ändern will, dann muß man bereit sein, alles zu ändern, nicht nur kleinere Änderungen an der Oberfläche, die dann natürlich nichts bewirken. Dann muß man bereit sein, unsere Moral und insbesondere das Recht auf Leben neu zu definieren und das staatliche Gewaltmonopol abschaffen oder zumindest zurückfahren.

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verseschmiedin
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Re:

von verseschmiedin (05.09.2015, 11:50)
Lieber Bardioc!

Das Ziel muss sicherlich immer die große Veränderung sein - aber führen nicht letztlich die vielen kleinen Schritte dazu (wie zum Beispiel beim jahrzehntelang währenden Kampf gegen die Atomkraftwerke)?

LG
Gudrun



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hugo-wolff
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Re:

von hugo-wolff (05.09.2015, 12:05)
Hallo Bardioc!

Ich habe das Gedicht mal gerade gesucht. Hier der LInk:

http://www.joergalbrecht.de/es/deutsche ... sp?ID=1660

Explizit für Jugendliche hat Borchert keine Zeile eingefügt (wahrscheinlich, weil die alle im Krieg verreckt sind). Ob die Masse dieser Jugendlichen so eine Einsicht hat, möchte ich bezweifeln. Und der Rest hatte immerhin die Möglichkeit, den Wehrdienst zu verweigern (was übrigens gar nicht so schwer war). Nach Afghanistan wurden nur Freiwillige geschickt, um unsere Freiheit zu verteidigen (hüstel) - selber Schuld; meine Meinung.

Dann kommt (leider) wieder Dein Haß auf den Staat zum Durchbruch. Daß der das Gewaltmonopol haben muß (!), ist eine der Voraussetzungen für eine funktionierende Demokratie. Auch ich bin nicht allzu zufrieden mit dem schmalen Grat, auf dem wir uns bewegen, wenn wir uns mal wehren müssen. Dennoch finde ich es immer noch besser wie das, was in anderen Ländern derzeit vor sich geht.

Und was das Mobbing oder (neudeutsch) Shitstorms angeht: Wenn man sich bei Facebook, Twitter und wie sie alle heißen, nackt (nicht nur im Sinne von Ausziehen) macht, muß man sich nicht wundern.

Heute hat jemand zu dem Bild des ertrunkenen Jungen sinngemäß geschrieben: Wieder ein Flüchtling weniger. Völlig uninteressant, was so ein Arschloch schreibt. Eigentlich. Doch was passiert? Tausende sind empört und ein paar hundert stimmen zu. Der Trottel hat also genau das erreicht, was er wollte.

Ich jedenfalls bin momentan sehr stolz auf die Bürger dieser Staates, die (wie in München) beweisen, was Menschlichkeit ist. Und über die viel zu wenig geschrieben wird - weil die wenigen anderen lauter schreien und bessere Schlagzeilen abgeben.

Für diese Anderen hat der "Postillion" übrigens eine tolle Lösung gefunden: "Studie: Abschiebung..." (2. Artikel) Hier der Link, mit dem ich mich verabschiede:

http://www.der-postillon.com/

Hugo

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verseschmiedin
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Re:

von verseschmiedin (05.09.2015, 17:15)
Hallo Hugo-Wolff!

Danke für Deinen Link zum Postillon vom 4.09., der Artikel trifft wirklich den Nagel auf den Kopf...

LG
Gudrun



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Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (05.09.2015, 22:18)
Zu deiner Eingangsfrage, Gudrun, steht die Antwort bei Michael Lüders, Wer den Wind sät, S. 100:

"Die Lage ist so verfahren, dass westliche Regierungen mit allen Beteiligten reden und verhandeln müssten. Das schließt Russland und China ausdrücklich mit ein. Geschehen wird es gleichwohl nicht, weil die amerikanische Politik einer hegemonialen Vernunft gehorcht, die nicht auf ein Gleichgewicht der Kräfte abzielt, sondern die politische und wirtschaftliche Vorherrschaft der USA weltweit zu sichern sucht. Vermutlich wird dieser fehlende Pragmatismus am Ende den Niedergang der Weltmacht noch beschleunigen."

Der konkreten Tragödie hier wirst du nicht mal in Ansätzen gerecht. Der kleine Junge hat keineswegs selbst "ein besseres Leben gesucht" - er wurde von seinem Vater einem seeuntüchtigen Boot anvertraut, ein Vabanque-Spiel, das in zivilisierten Staaten üblicherweise für den Erziehungsberechtigten strafrechtliche Konsequenzen hat. Dass die Leichen anschließend unter großer öffentlicher Beteiligung in der Heimatstadt Kobane beerdigt werden konnten, zeigt, dass hier von Flucht gar keine Rede sein kann. Es war ein - sicher gut begründeter - Auswanderungsversuch, für den ein hochriskanter Weg gefunden wurde und der dann ins Verderben führte. Die mediale Ausschlachtung dieses Falls ist hochproblematisch.

Mein hartes Urteil: Dein Gedicht ist der Politkitsch, wie er jetzt Hochkonjunktur hat.

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hugo-wolff
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Re:

von hugo-wolff (05.09.2015, 22:59)
Gudrun,

schreiben Sie Ihr Gedicht um. Schreiben Sie es für die unzähligen kleinen Kinder um, von deren Leichen keine Fotos existieren und auch keine von den Gräbern in der See.

Hugo

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verseschmiedin
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Re:

von verseschmiedin (06.09.2015, 08:46)
Lieber Hugo-Wolff,

manchmal ist es sinnvoller, ein Einzelschicksal als Sinnbild für das Schicksal vieler darzustellen.

LG
Gudrun



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verseschmiedin
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Re:

von verseschmiedin (06.09.2015, 08:48)
Lieber Arno Abendschön,

tut mir leid, dass Dir das Gedicht nicht gefällt. Geschmäcker sind eben unterschiedlich - oder wie es so schön heißt: chacun a son gout...

LG
Gudrun




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Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (06.09.2015, 11:03)
Gudrun, ich finde es peinlich für dich, aus einer Grundsatzfrage, die mit Wissen und Ethik zusammenhängt, eine Geschmacksfrage zu machen. Du bewegst dich damit allerdings, falls dich das beruhigt, ganz auf der Höhe der Zeit. Gefühl und Wellenschlag, und sonst gar nichts.

Hier stellt sich doch, wenn man schon vom Besonderen aufs Allgemeine schließen will, die Frage nach Motiven und Einstellung solcher Eltern. Hier in Berlin kommen jetzt jede Woche ca. 50 minderjährige Flüchtlinge allein an - nur in Berlin! Neulich war ein Elfjähriger darunter. Die meisten werden von ihrer Familie mit etwas Geld allein auf die Reise via Mittelmeer oder Balkan geschickt. Da zeigt sich nicht nur der Existenzdruck daheim, sondern auch eine bestimmte Mentalität und fatalistische Haltung. Nebenbei: Die normale Arbeit des Jugendamtes (Mündelbetreuung) ist faktisch zum Erliegen gekommen.

Im konkreten Fall hat Kanada ein Einwanderungsvisum für die kurdische Familie aus Kobane verweigert. Willst du das kritisieren? Dann tu das, statt allgemein rumzujammern. Kanada hat allerdings eine vorbildliche Willkommenskultur, im Unterschied zu dem Brimborium bei uns.

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hugo-wolff
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Re:

von hugo-wolff (06.09.2015, 12:56)
Ihr letztes Posting, lieber HerrAbendschön, geht nun wirklich ein bißchen zu weit.

Sie wissen sicher, wie "Geschmacksfrage" gemeint ist/war und daraus eine Peinlichkeit zu machen... na ja, lassen wir das.

Viel mehr stört mich, daß Sie jemanden seine Betroffenheit in Abrede stellen. Das fragliche Bild ist wichtig, weil es eben genau dieses Gefühl bei den meisten Menschen erzeugt (zumindest vorübergehend). Wenn man dieses Bild betrachtet, stellt sich bei den wenigsten Menschen die Frage nach den Motiven der Eltern, da seien Sie mal sicher. Zumal die Eltern bei dem Unglück dabei waren und auch die Ehefrau (und ein weiteres Kind?) ertrunken sind.

Und noch etwas: Auch ich fand die Nachricht über die irre große Zahl von Kindern, die alleine auf die Flucht geschickt werden, schockierend. Ich hatte bisher keine Ahnung, daß es Eltern gibt, die so etwas tun.

Nur kann man das (bevor man keine wirklichen Hintergründe kennt), auch ganz anders sehen: Wie groß muß die Not, die Verzweiflung, die Angst sein, bevor Eltern so etwas tun!? Ich zumindest maße mir dazu kein Urteil an. Und das das Jugendamt dadurch nun soviel Arbeit hat, geht mir nun wirklich am Allerwertesten vorbei.

Ich lese gerade noch vom Brimborium unserer Willkommenskultur. Das Brimborium, das sich derzeit in München und Wien abspielt hebt sich m.E. wohltuend von jenem in Ungarn und den anderen europäischen Partnern ab. Von Kanada, das keinen Platz für einen kleinen Jungen hatte, mal ganz abgesehen.

Hugo

Bardioc
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Re:

von Bardioc (06.09.2015, 13:40)
verseschmiedin hat geschrieben:
Lieber Bardioc!

Das Ziel muss sicherlich immer die große Veränderung sein - aber führen nicht letztlich die vielen kleinen Schritte dazu (wie zum Beispiel beim jahrzehntelang währenden Kampf gegen die Atomkraftwerke)?


Das Ziel muß eine gerechte und faire Gesellschaft in einer lebenswerten Umwelt sein.

Viele kleine Schritte müssen nicht unbedingt zum Ziel führen, z. B. bei einer Folge, die gegen einen Grenzwert konvergiert, diesen Wert aber nie erreicht. Natürlich hat die Umweltbewegung der 70er und 80er Jahre des letzten Jahrhunderts (mit riesigem Aufwand) einiges erreicht, gerade was den Atomausstieg angeht, aber ob der wie geplant kommt, ist noch fraglich. Und da ist ja noch des Problem der Endlagerung des bisherigen Abfalls und die Folgen von Tschernobyl und Fukushima u. a. Und außerdem macht radioaktiver Fallout nicht vor Landesgrenzen halt, d. h. solange nur ein Land aussteigt haben wir nichts gewonnen.

Widersprechen Sie dem Antrag auf Neustart der Rissereaktoren Tihange 2 und Doel 3

Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass das Atomkraftwerk Fessenheim sofort stillgelegt wird

Und bei akuten Problemen helfen ''kleine Schritte'' sowieso nicht. Hier ist sofortiges, beherztes Handeln angesagt.

Seenotrettung für Flüchtlinge jetzt!

Für ein Verbot fremdenfeindlicher Demos unmittelbar vor Flüchtlingsheimen! #HeimeOhneHass

#merkelmachwas - 10 Mrd Euro Soforthilfe für Gemeinden zur Flüchtlingsversorgung

Bardioc
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Re:

von Bardioc (06.09.2015, 14:44)
hugo-wolff hat geschrieben:
Explizit für Jugendliche hat Borchert keine Zeile eingefügt (wahrscheinlich, weil die alle im Krieg verreckt sind). Ob die Masse dieser Jugendlichen so eine Einsicht hat, möchte ich bezweifeln. Und der Rest hatte immerhin die Möglichkeit, den Wehrdienst zu verweigern (was übrigens gar nicht so schwer war).

Wenn die Erwachsenen eh nie zuhören, ... niemandem sollte die Einsichtsfähigkeit abgesprochen werden. Das mit dem Wehrdienst verweigern ging nur gegen Ende der ''Wehrpflichtära'' relativ einfach. Davor ging es nur über eine verlogene ''Gewissensprüfung''.

Nach Afghanistan wurden nur Freiwillige geschickt, um unsere Freiheit zu verteidigen (hüstel) - selber Schuld; meine Meinung

Klingt so, als ob das schon Jahrzehnte zurückläge.

Natürlich können Sie der Meinung sein, daß diejenigen, die nach Afghanistan gingen bzw. gehen, selber schuld sind. Auch schon in der Wehrpflichtära wurde Werbung für die Bundeswehr gemacht, z. B. in der Bravo, und heute scheint das auch an Schulen erlaut zu sein, siehe Einführung von militärfreien Schulen.

Dann kommt (leider) wieder Dein Haß auf den Staat zum Durchbruch.

Sorry, aber ich habe allen Grund dazu!

Daß der das Gewaltmonopol haben muß (!), ist eine der Voraussetzungen für eine funktionierende Demokratie.

Das ist Ihre Meinung. Ich bezweifele allerdings, daß unsere "Demokratie" funktioniert. Hätten wir eine funktionsfähige Demokratie, sähe vieles ganz anders aus und viele der Petitionen bei Change.org oder anderen Petitionsplattformen wären nicht nötig. Hätten wir eine funktionsfähige Demokratie würde die Regierung auf die Wünsche der Bevölkerung eingehen, z. B. für ein deutsches Mobbing-Strafgesetz oder für besondere Rechte für Mobbingopfer oder Werden Sie endlich dem Schutz von Mobbing-Opfern gerecht und schaffen entweder eine eigene Strafrechtsnorm „Mobbing“ oder einen neuen Qualifikationstatbestand im Rahmen der §§ 224 und 226 StGB. Dies geschieht aber in unserer Scheindemokratie so gut wie nicht, selbst dann nicht, wenn ganz offensichtlich Grundrechte verletzt werden.

Gerechtigkeit und Freiheit von Michael Perez!!!! Opfer der Justiz und der Psychiatrie.

Leisten Sie keine Beihilfe zu einem Justizskandal

Gisela Mueller: Justiz-Paradoxon oder Justiz-Willkür

Strafbarkeit von Rechtsbeugung wiederherstellen, Bürgergerichte einführen !

Norbert Blüm: Einspruch! Wider die Willkür an deutschen Gerichten.

TTIP: Kein Abbau von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit!

Auch ich bin nicht allzu zufrieden mit dem schmalen Grat, auf dem wir uns bewegen, wenn wir uns mal wehren müssen.

Genau das ist das Problem: Wenn wir uns mal wehren MÜSSEN, dann werden wir durch unseren Staat kriminalisiert, wenn wir von besagtem ''schmalen Grat'' abweichen. Dies ist aber in einer solchen Situation mehr als wahrscheinlich! Das hat mit Gerechtigkeit und Fairneß nichts zu tun, und das ist es, was ich einfordere. Wenn man angegriffen wird, kann NIEMAND von einem erwarten, daß man erst zum Strafgesetz greift, um nachzuschlagen, was man darf und was nicht.

Wenn man gemobbt wird, ist es sehr viel wahrscheinlicher, daß man sich körperlich wehrt. Es werden die Opfer von mentaler, aber auch körperlicher Gewalt -- Mobbing -- deshalb auch noch benachteiligt und kriminalisiert, wenn sie sich dagegen wehren. Die mentalen, sozialen, persönlichen und finanziellen Folgen von Mobbing werden aber ignoriert oder totgeschwiegen. Durch unsere jetzige Regelung kann der Mobbing-Terrorist massiven Schaden verursachen -- bis hin zum Selbstmord des Mobbing-Opfers -- ohne dafür belangt zu werden.

In einem solchen Fall wäre eine Regelung wie die bei Unfällen besser: Der Helfer wird nicht belangt, selbst wenn er bei der Hilfeleistung Fehler macht. Daß dies nicht so ist, zeigt, wie menschenverachtend und wie realitätsfern unsere Gesetzgebung letztlich ist.

Dennoch finde ich es immer noch besser wie das, was in anderen Ländern derzeit vor sich geht.

Für unser Land sind nur wir zuständig. Wir sollten uns nicht hinter den Fehlern anderer verstecken.

Heute hat jemand zu dem Bild des ertrunkenen Jungen sinngemäß geschrieben: Wieder ein Flüchtling weniger. Völlig uninteressant, was so ein Arschloch schreibt. Eigentlich. Doch was passiert? Tausende sind empört und ein paar hundert stimmen zu. Der Trottel hat also genau das erreicht, was er wollte.

Die Leute schauen zu viel fern! Und sie vergessen zu schnell, daß auch viele Deutsche am Ende des 2. Weltkriegs Flüchtlinge = Heimatvertriebene waren.

Ich jedenfalls bin momentan sehr stolz auf die Bürger dieser Staates, die (wie in München) beweisen, was Menschlichkeit ist. Und über die viel zu wenig geschrieben wird - weil die wenigen anderen lauter schreien und bessere Schlagzeilen abgeben.

"Dieser Staates"? Der Bundesrepublik oder des Freistaates Bayern?
Zuletzt geändert von Bardioc am 06.09.2015, 15:06, insgesamt 7-mal geändert.

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