Wohin gehen wir?

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Seshmosis
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Wohin gehen wir?

von Seshmosis (24.02.2016, 09:26)
Wohin gehen wir?

Dieses täglich zigfach geträufelte Gift
Dieser Medien-Wettlauf der Eilmeldungen
Dieser Wettbewerb der Negativ-Sensationen
Dieser hemmungslose Empörungs-Exhibitionismus

Wohin gehen wir?
Und wen zertreten wir auf unserem Weg?

Wut und Zorn wachsen Tag für Tag
Aus Gerechtigkeitsgefühl wird Lynchlust
Hilflosigkeit mutiert zu brennendem Hass
Fakten verbrennen auf dem Scheiterhaufen der Angst

Wohin gehen wir?
Und lassen dabei uns selbst zurück …


© Gerd Scherm

hugo-wolff
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Re:

von hugo-wolff (24.02.2016, 09:43)
Ohne weiteren Kommentar, Gerd:

Sehr gut und berührend!

Hugo

Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (24.02.2016, 17:55)
Seshmosis, was erwartest du denn - unser Land steckt in der schwersten Staatskrise seit Gründung der Bundesrepublik. Deutschland leistet sich die dritte große Pleite innerhalb von hundert Jahren. Zwangsläufig muss sich das auch in den Medien widerspiegeln. Das ist jetzt keine der Komtemplation förderliche Zeit, leider. Und richte dich für den weiteren Verlauf des Jahres mal auf noch viel mehr Katastrophenmeldungen ein. Es scheint, dass das Entwicklungmodell, das die letzten Jahrzehnte weltweit geprägt hat, an sein Ende kommt. Ein solcher Umbruch kann nicht ruhig und geräuscharm vonstatten gehen.

Arno Abendschön
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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (27.02.2016, 03:01)
Arno Abendschön hat geschrieben:
Seshmosis, was erwartest du denn - unser Land steckt in der schwersten Staatskrise seit Gründung der Bundesrepublik. Deutschland leistet sich die dritte große Pleite innerhalb von hundert Jahren. Zwangsläufig muss sich das auch in den Medien widerspiegeln. Das ist jetzt keine der Komtemplation förderliche Zeit, leider. Und richte dich für den weiteren Verlauf des Jahres mal auf noch viel mehr Katastrophenmeldungen ein. Es scheint, dass das Entwicklungmodell, das die letzten Jahrzehnte weltweit geprägt hat, an sein Ende kommt. Ein solcher Umbruch kann nicht ruhig und geräuscharm vonstatten gehen.

Arno Abendschön

Oh oh, wenn Bürokraten Arbeit kriegen, geht die verdammte Welt unter.

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Seshmosis
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Re:

von Seshmosis (27.02.2016, 09:21)
Thomas Becks hat geschrieben:
Oh oh, wenn Bürokraten Arbeit kriegen, geht die verdammte Welt unter.


thumbbup dozey:

Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (27.02.2016, 20:43)
Nun, etwas ins Läppische ziehen, wenn man argumentativ nicht weiter weiß, was ist das? Auch eine Art von Offenbarungseid. Passt insofern zur gescheiterten Politik.

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Seshmosis
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Re:

von Seshmosis (28.02.2016, 11:01)
@ Arno:

Schade, dass Du so gar keinen Zugang zur Poesie hast.
Wie kommst Du auf die Vermutung, mir würde es um "Kontemplation" gehen?
Wie kommst Du auf die irrige Ansicht, ich hätte Angst vor schlechten Nachrichten?
Mir geht es darum, dass jeder TV-Sender den anderen mit Katastrophenmeldungen übertreffen will.
Darum, dass Menschen auf Menschen gehetzt werden.
Darum, dass wie immer die Wahrheit und die Fakten auf der Strecke bleiben.
Und dies alles, durch meine Augen gesehen, formuliert, was dies mit MIR macht.

Wenn Du keinen Zugang zu solchen Texten hast, dann halt einfach mal Deine Finger still.
Die Welt erwartet nicht zu jedem Gedicht Deine "real-politischen" Kommentare.

Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (28.02.2016, 20:46)
Seshmosis, inwiefern ich überhaupt Verständnis für Lyrik zu entwickeln imstande bin, dürfte sich aufgrund unseres bisherigen spärlichen Kontaktes wohl einer zuverlässigen Beurteilung durch dich entziehen.

Und meine Finger halte ich dann still, wenn mir danach ist. Du entscheidest darüber nicht mehr, wenn du etwas veröffentlicht hast.

Deine Auffassung, TV-Sender wollten einander mit Katastrophenmeldungen überbieten, ist so generalisiert, wie von dir geäußert, leicht zu widerlegen. Heutzutage machen Medien auch Politik mit Nachrichten, sei es mit aufwühlenden, sei es durch Herunterspielen oder Verschweigen eben derselben. Für Letzteres Beispiel 1: ARD und ZDF zum Kölner Silversterabend anfänglich. Beispiel 2: Tagesschau von heute Abend. Kein einziges Wort darin über die aktuelle Entwicklung auf dem Balkan, dafür sehr ausführlich über den Fauxpas von Frau Steinbach. So wird versucht, die Wahlen in zwei Wochen zu beeinflussen.

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hugo-wolff
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Re:

von hugo-wolff (28.02.2016, 23:32)
Herr Abendschön,

da ist Ihr Einfühlungsvermögen wieder mal auf der Strecke geblieben, nicht wahr?

Die entscheidenden Sätze von Gerd sind:

1. (Und) dies alles, durch meine Augen gesehen, formuliert, was dies mit MIR macht.

2. Die Welt erwartet nicht zu jedem Gedicht Deine "real-politischen" Kommentare.

Hugo

Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (29.02.2016, 21:01)
Hugo, das stimmt so nicht. Der Text verwendet wiederholt das Wort "wir", er spricht also von einer Pluralität, macht Aussagen über sie. Dagegen kommt das von dir hineininterpretierte Ich bzw. "mir" im Wortlaut gerade nicht vor. Ausgangspunkt des Textes ist der Sensationsjournalismus, so wie ihn der Verfasser oder vielleicht auch ein gedachtes Lyrisches Ich sieht. Besonders das "wir" in der vorletzten Zeile zeigt deutlich an, dass es hier um ein allgemeines zeittypisches Phänomen und die Kritik daran geht.

Und natürlich wird ein solches Gedicht jetzt nicht zufällig veröffentlicht. Die Begriffe "Lynch-Lust" und "brennender Hass" zeigen deutlich seine Tendenz an. Es ist ein politisches Gedicht, das - vergeblich - versucht, sich indirekt für eine Beschränkung in der Berichterstattung und Kommentierung einzusetzen. Was sind denn die "Negativ-Sensationen"? Es ist unsere Aktualität, mit der wir uns auseinandersetzen müssen.

Hugo, verlass dich drauf: Du wirst mich hier nicht mundtot machen. Von Zeit zu Zeit picke ich mir auch weiterhin dies und das heraus.

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mtg
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Re:

von mtg (29.02.2016, 21:49)
Ehrlich gesagt, bin ich gerade schockiert. Hier herrschen ja dieselben bekloppten Töne, die ich sonst nur bei "besorgniserregenden Bürgern" so hasse ...

Man kann natürlich in jedes Komma ein Illuminatenzeichen hinein geheimsen, wenn man das unbedingt will. Und ich habe das Gefühl, dass hier jemand will.

Wenn Gerd von "wir" schreibt, und Du, Arno, Dich nicht angesprochen fkühlst, dann könnte das doch einfach daran liegen, dass Gerd Dich eben nicht in sein Nachtgebet mit eingeschlossen hat.

Und "mundtot" ... Also ehrlich. 2. Gruppe Kindergarten? *kopfschüttel*

hugo-wolff
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Re:

von hugo-wolff (29.02.2016, 22:24)
Ich habe die Angewohnheit zu antworten, wenn ich angesprochen werde. Diesmal hat Matthias mir dankenswerterweise die Worte aus dem Mund genommen.

Hugo

Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (01.03.2016, 11:17)
Matthias, ich bin weiterhin überzeugt, dass ich das Gedicht und seinen Hintergrund zutreffend aufgefasst habe. Die Reihenfolge der Begriffe "Gift - Empörungsexhibitionismus - zertreten - Wut - Zorn - Lynchlust - Hass - verbrennen - Scheiterhaufen - Angst" zeigt sehr deutlich an, worum es hier geht. Es ist ein politisches Gedicht, das in der jetzigen Situation Stellung bezieht und eine Forderung erhebt: den "Negativ-Sensationen" möglichst wenig Raum zu geben bzw. Gehör zu schenken.

Und jetzt noch was Persönliches: Zu den "Negativ-Sensationen" gehört für mich seit Mittwochabend die vor Tagen bekannt gewordene Absicht des Senats von Berlin, in meiner Wohnstraße gleich zwei Moduläre Unterkünfte für Flüchtlinge (MUF) zu errichten. Da pro Komplex laut Vorgaben etwa 400 Personen untergebracht werden sollen, bedeutet das: demnächst 800 Migranten hier in dieser Straße, d.h. dann annähernd die Hälfte der Bewohner der Straße, und zwar überwiegend arabisch. Jeder Anhänger der "Willkommenskultur" sollte sich selbst mal ganz ehrlich die Frage beantworten: Würde mir das in meinem Viertel zusagen, z.B in Charlottenburg?

Für die mit den Senatsplänen nicht Vertrauten: Die MUFs sind primitive Unterkünfte in Betonfertigteilbauten, die einige Jahrzehnte halten sollen. Abgeschlossene Wohnungen gibt es nur unten, in den Etagen Einzel- und Doppelzimmer mit Gemeinschaftsküchen und -bädern. Es ist absehbar, dass so zusammengepfercht nur die bleiben werden, die nichts Besseres finden werden. Jedes MUF-Quartier ist die Keimzelle von Verslumung, denn die Nachbarschaft wird sich selbstverständlich negativ verändern. Auch ich werde dann nicht hier bleiben.

Segregation und ihre Folgen würde auch ein Thema sein, wenn man denn zu inhaltlicher Diskussion überhaupt bereit wäre. Aber Schweigen, Niederzischen und das Abspulen der immergleichen Abwehrformeln sind wohl bequemer. Helfen wird es nichts. Zorn und Verachtung gegenüber den Verantwortlichen für die Misere werden zwangsläufig weiter zunehmen und sich auch massiv äußern.

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Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (02.03.2016, 17:56)
Was ich zuletzt oben an der Senatsplanung kritisierte, schätzt die linksliberale "Berliner Zeitung" in einem redaktionellen Kommentar von Ulrich Paul ("Neue Ghettos verhindern", 25.2.16) so zutreffend wie im Ausdruck zurückhaltend so ein:

Klar ist: Hier soll eine neue Kategorie von Wohnraum in Berlin entstehen. Wohnraum mit eher unterdurchschnittlichem Ausstattungsniveau. Für die Gebiete, in denen die Unterkünfte entstehen, ist das schwierig. Denn eine Aufwertung erfahren sie auf diese Weise nicht.



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Franz Hose
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Re:

von Franz Hose (02.03.2016, 18:56)
Arno Abendschön hat geschrieben:
Nun, etwas ins Läppische ziehen, wenn man argumentativ nicht weiter weiß, was ist das?

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