Wie die Sterne entstehen

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ascania
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Wie die Sterne entstehen

von ascania (19.06.2016, 14:22)
Titel: Wie die Sterne entstehen
Autor: Hagen von Kornbach

Verlag: Books on Demand
ISBN: 978-3739221953
Seiten: 232
Preis: 19,99

Der Autor über das Buch:

Kann man eine schwule lovestory zwischen einem Afrikaner und einem DDR-Studenten in Ost-Berlin der 60 er ansiedeln und mit einer polnisch - deutschen Familiengeschichte und einem Agentenkrimi verweben?

Klappentext:

Wir tauchen ein in das Leben des Erzählers und seines afrikanischen Freundes als Studenten in Ost-Berlin Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre, den letzten Jahren der Ulbricht-Ära. Der eine behütet und mit dem Anspruch aufgewachsen, nur durchhalten und sich dem jeweiligen politischen Regime entziehen zu müssen, um sich nicht schuldig zu machen, der andere mit der Sicht "von aussen", stürzen sie sich in ein ausschweifendes Leben, das dem Duo eine willkommene Tarnung ihres Planes ist, nach Abschluß des Studiums nach London zu gehen. Den jungen Männern ist längst klar, dass sie sich lieben. Sie sind entsetzt über den Verfall der Städte und die Gleichgültigkeit der Menschen. Dank seiner Großmutter besitzt er einen polnischen Reisepass.
Bald machen Sie aus ihrer Liebe keinen Hehl, haben aber gleichzeitig Angst, enttarnt zu werden. Am Tag nach Übergabe der Abschlusszeugnisse kommt Thomas, der Afrikaner, bei einem Verkehrsunfall ums Leben, als eine Strassenbahn wegen eines maroden Gleisbettes auf eine Gruppe Passanten stürzt. Herr K, der Erzähler, wird nach Polen in ein Kloster gebracht um einer Befragung durch die DDR-Behörden zu entgehen. Das geschieht in einer für den Erzähler nicht geahnten Allianz seiner Großmutter, Mitarbeitern des Britischen Geheimdienstes, seiner Englischlehrerin Fräulein Dr. Sölle, die als Pensionärin inzwischen in London lebt, und seines Mentors Dr. Schwarz. Herr K bleibt nach seinem Aufenthalt bei den Brüdern des Hl. Philip Neri in Polen. Er verliebt sich in den jungen Arzt Adam Fuks. Jahre nach dem Unfalltod des Freundes, gibt der britische Geheimdienst Akten frei. Er und Adam reisen nach London. Dort und nach Einsicht in seine Stasiakten erkennt er die Zusammenhänge und dass sein Leben vom ersten Tag an mit einem bestimmten Ziel verbunden war

Inhalt:

Erotisch, aufregend, ironisch und gut erzählt
Hagen von Kornbach bringt dem Leser das Leben des schwulen Erzählers nahe, seine behütete Kindheit und die abgeschlossene Welt seiner Familie in der DDR und in Polen. Das Erwachsensein beginnt plötzlich mit dem Studium in Ost-Berlin und seinem afrikanischen Zimmergenossen Thomas, der genauso unvermittelt in sein Leben tritt wie die Erkenntnis, dass die DDR nicht das Land ist, in dem er leben will.
Je mehr Herr K von der sozialistischen Wirklichkeit bedrängt wird, desto mehr wird er von Thomas beschützt und soweit es geht, davon abgeschirmt.
Nach einer Phase gemeinsamer Ausschweifung entspinnt sich eine Liebesgeschichte der ungleichen jungen Männer, die der Autor in den archaisch anmutenden erotischen Passagen sehr ausdrucksstark beschreibt, besonders gelingt es ihm, die Nähe das Paares zueinander deutlich zu machen.
Sie erleben den Zerfall der Städte, die Teilnahmslosigkeit der Menschen und den alltäglichen Rassismus in der DDR. Ein erzählerisches Glanzstück ist das Zusammentreffen der beiden mit Dr. Kessler in Parchim. Der Plan, nach dem Studium nach London zu gehen, ist fast zwingend.
Diese Liebesgeschichte zwischen Herrn K und dem Ghanaer Thomas ist verwoben mit der Geschichte der deutsch-polnischen Familie des Herrn K, wiederum festgemacht an sehr schön erzählten Kindheitserinnerungen und einer Agentenstory, die sich von seiner frühen Kindheit bis zur Jetztzeit durchzieht, in die die Hauptakteure des Buches verwickelt sind
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KTW
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Re:

von KTW (20.06.2016, 12:07)
Sind der Autor (Hagen von Kornbach) und der Benutzer (ascania) dieselbe Person?

ascania
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Re:

von ascania (20.06.2016, 12:27)
nein, warum?

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KTW
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Re:

von KTW (20.06.2016, 13:17)
Weil der Benutzername ascania hier im BOD-Forum mit der Webseite des Autors Hagen von Kornbach verbunden ist. Dort ist unter REVIEW eine Art Rezension (?) vom 07.05.2016 (lovelybooks) von ascania zu finden.

Liegt ja dann irgendwie nahe, das der Autor und der Benutzer dieselbe Person sind. Zudem wohnt ascania lt. Benutzerprofil in Poznan (Posen)/Berlin und der Autor ebenfalls.

Aber wenn dem nicht so ist, ist es auch ok. Wahrscheinlich habe ich nur gerade einen Logikfehler.

Ich wollte den Autor auch nur um eine Leseprobe von 1-2 Seiten aus der Mitte des Buches bitten.

ascania
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Re:

von ascania (20.06.2016, 13:28)
Leseprobe:
Doch ein wenig länger als 2-3 Seiten

Herr K war sechs oder sieben Jahre alt und mit seiner Mutter auf Reisen. In Berlin hatten sie den ersten Zug nach Posen bestiegen und sollten dort von Rafaels Vater abgeholt werden. Der Junge sollte den Sommer in Rajewo verbringen und die Mutter wollte nach zwei oder drei Tagen der Erholung zurückreisen, um dann nach einigen Wochen erneut zu kommen und beide Jungen nach Kornbach zu bringen, wo sie noch weitere Wochen gemeinsam verbringen sollten. Gleich beim ersten Halt hinter der Grenze in Rzepin, die Zöllner hatten gerade den Zug verlassen und warteten auf dem Bahnsteig auf den Gegenzug, stieg ein Fahrgast zu und setzte sich in das Abteil, in dem Herr K und seine Mutter saßen. Ein Herr, ein eleganter Herr unbestimmten Alters, gekleidet wie ein Engländer in den zwanziger Jahren mit Kniehosen, Tweedsakko, einer Kappe mit Schirm aus demselben Material wie das Sakko, mit halbhohen Schnürschuhen und einem schwarz lackierten Gehstock mit glänzendem Knauf. Das Auffallendste an Herrn Kazimierz, so stellte er sich den Reisenden vor, die im Abteil saßen und nach der Zoll- und Passkontrolle durchatmeten, war ein Oberlippenbart oder besser gesagt ein Oberlippenbärtchen. Nicht ein Bart der herkömmlichen Art, dessen üppiges Wachstum nur mühsam im Zaum gehalten das Gesicht zwischen Nase und Mund wild bewuchert, sondern ein Bärtchen. Gestutzt, beschnitten und in seiner Dünnheit erbärmlich wirkend, zusammenrasiert auf eine Stärke, die aus nur höchstens vier oder fünf Reihen mausgrauer Haare bestand. Es wäre ja noch wirkungsvoll gewesen, wenn diese ausrasierte Akkuratesse bei seiner Morgentoilette entstanden wäre, aber, und das hatte das Kind sogleich bemerkt, die letzte Rasur lag Tage zurück und so wirkte Herr Kazimierz trotz seiner aufgesetzten Eleganz wie die Karikatur dessen, das er darstellen wollte. Diese Beobachtungen ermutigten den Jungen, diesen Herrn genauer zu betrachten. Er kannte andere Männer mit Bart, Onkel Jozef zum Beispiel oder Onkel Karol vom Nachbarhof, der ihn und Rafael immer abküsste und sie ´meine Jagula-Kinder´ nannte. Die Kinder wollten immer mit ihren Nasen den Bart von Onkel Karol berühren, weil es so kitzelte. Das waren stattliche Bärte, selbst wenn sich die Onkel nicht jeden Tag rasierten, sondern nur am Sonntag, bevor sie in die Kirche gingen, und einmal in der Woche zwischendurch, oder wenn Gäste erwartet wurden. Aber so etwas, wie Herr Kazimierz trug, nein. Der hatte inzwischen eine Unterhaltung begonnen und erzählte gerade einer älteren Dame, die sich in Begleitung einer schüchternen jungen Frau befand, dass er auf dem Weg nach Warschau zu seiner dort verheirateten Schwester sei, um sie um etwas Geld für die dringend notwendige Dachreparatur des elterlichen Hauses zu bitten, das er nunmehr als Witwer bewohnte und in Ordnung zu halten hatte. Wie gut, dass es seinerzeit gelungen war, die Schwester standesgemäß zu verheiraten, betonte er mehrmals. Er nannte auch mehrere Titel und akademischen Grade des Schwagers, mit denen der Siebenjährige nichts anfangen konnte, und sah dabei bedeutungsvoll um sich. Die Dame nickte freundlich, lächelte und sagte, an ihre Begleiterin gerichtet: „Lass uns in den Speisewagen gehen, meine Liebe, wir sollten etwas zu uns nehmen, nachdem der Zoll endlich durch ist.“ Der Herr aus Rzepin wippte mit dem Stock und schlug ihn sanft auf den Boden, der silberne Knauf blitzte. Man sah, dass er überlegte, wie er ein Gespräch mit der allein reisenden jungen Frau, die begleitet von einem Knaben von höchstens acht Jahren, am Fenster saß, beginnen könnte. Jetzt war neben Herrn Kazimierz und dem Kind und seiner Mutter nur noch ein Mann mit Glatze im Abteil, ein „Geschäftsreisender“ würde die Großmutter sagen, also jemand, der gegen ein Entgelt Dokumente, Schmuck oder andere Wertgegenstände für Menschen über die Grenze brachte, die diese bei ihrer Flucht oder, bevor sie vertrieben worden waren, vertrauenswürdigen Nachbarn, Freunden oder Verwandten zur Aufbewahrung gegeben oder einfach irgendwo vergraben hatten. In den ersten Jahren nach dem Krieg wurde in erster Linie Geld oder Schmuck über die Grenze gebracht. Jetzt waren gewisse Dokumente wichtig, die zur Beantragung von Entschädigungen im Westen erforderlich waren, wie Grundbuchauszüge, Katasterpläne, Kaufverträge und dergleichen. Der Mann mit der Glatze sah, jedes Mal wenn Herr Kazimierz etwas sagte, demonstrativ aus dem Fenster und holte tief Luft. Er erweckte den Eindruck, Herrn Kazimierz nicht zu schätzen. Man kann davon ausgehen, dass das Herrn Kazimierz nicht verborgen geblieben war und so richtete er sein Gesprächsbedürfnis vorerst auf das Kind. „Nun, wohin auf großer Fahrt, junger Mann?“ Herr Kazimierz sprach einen Dialekt, den das Kind nicht kannte. Es hörte zwar, dass es Polnisch war, verstand auch das Gesagte, aber die Art und Weise, wie Herr Kazimierz die Worte benutzte und vor allem wie er sie aneinander reihte, um einen Satz daraus zu bilden, waren dem Kind fremd. Als das Kind nicht antworten wollte, mahnte es die Mutter: „Nun antworte doch, wenn Herr Kazimierz dich so freundlich fragt!“ „Ich weiß es nicht.“ Und als Herr Kazimierz den Jungen mit großen Augen anschaute, sagte er noch einmal: „Ich weiß es wirklich nicht.” Er hielt sich damit genau an die Anweisungen des Vater, was er in solchen Situationen zu antworten habe. Es blieb der Mutter nichts weiter übrig, als die Beantwortung dieser und der weiteren Fragen selbst zu übernehmen. „Und wie gut der junge Mann spricht“, lobte Herr Kazimierz. „Ja, meine Mama setzt sehr viel daran, dass der Junge ordentlich lernt.“, sagte die Mutter. „Das soll sie mal der Oma sagen, dass ich viel besser spreche als Herr Kazimierz.“, dachte sich das Kind. Jener hatte sich inzwischen soweit offenbart, dass er dem Vernehmen nach aus Galizien, genauer gesagt aus Drohobycz stammte, einer mittelgroßen Stadt südlich von Lwów und dass es ihn, seine inzwischen verstorbene Gattin und seine Eltern in den Wirren des Krieges, vor allem aber in den Jahren danach, nach Rzepin verschlagen habe, wo die Eltern ein Haus hatten, oder erwerben konnten, eben das Haus, um dessen Dachreparatur es jetzt ging. Und wie schlecht die Geschäfte liefen, Herr Kazimierz betonte es mehrmals und wiegte bedenklich den Kopf dabei. Der Junge wollte gerade fragen, welcher Art seine Geschäfte wären, aber ein strafender Blick der Mutter hielt ihn davon ab. Die Zeit schlich dahin und Herr Kazimierz hatte ausreichend Gelegenheit, die Mutter auszufragen. „Ich habe Ihren Namen nicht gut verstanden, gnädige Frau.“, sagte er, an die Mutter gerichtet, „mein Deutsch, nein, Sie müssen entschuldigen.“ Sie nannte ihren Namen noch einmal, aber Herr Kazimierz konnte nichts damit anfangen und erlaubte sich nach ihrem Mädchennamen zu fragen. Nachdem sie auch ihn genannt hatte, erhob sich Herr Kazimierz, um sich gleichzeitig zu verbeugen und zu sagen, wie sehr er sich freue, jemanden aus dieser Familie zu treffen und ohne jede Etikette, einfach so im Wagon eines Zuges. Der Junge fragte sich, wie es Herrn Kazimierz in seiner erbarmungswürdigen Schäbigkeit gelingen konnte, die Mutter zu veranlassen, alles von der Familie, den Umständen, in denen sie lebte, den einzelnen Familienmitgliedern und ihren Lebensumständen, von der Großmutter, von Rajewo, von ihrem Sohn, von Rafael, von Onkel Jozef, der Größe seines Hofes, von Kornbach und dem Anwesen dort, wirklich alles zu erzählen, und zwar freiwillig. Hatten nicht die Mutter selbst, aber insbesondere der Vater und die Großmutter den Jungen dahingehend angehalten, Fremden Fragen der Art, wie Herr Kazimierz sie stellte, nicht zu beantworten, notfalls zu sagen: „Das weiß ich nicht.“ oder wegzugehen und den Neugierigen einfach stehenzulassen? Herr Kazimierz zeigte wahres Interesse an all diesen Dingen, die ihn nichts angingen und von denen er gerade eben erst jetzt in diesem Augenblick erfuhr und dennoch so tat, als wären sie ihm seit Jahren vertraut und die Erzählungen der Mutter lediglich eine willkommene Auffrischung des ihm schon lange Bekannten. Es störte ihn nicht, dass inzwischen der schlechte Zustand seiner Garderobe nach den Stunden der Zugfahrt allen Mitreisenden zur Kenntnis gekommen war, wohl auch der Mutter, die aber keinen weiteren Blick darauf verwendete und kein Wort darüber verlor. Kurz bevor der Zug in den Hauptbahnhof in Posen einfuhr, verkündete Herr Kazimierz, seine Reisepläne geändert zu haben und ebenfalls in Posen aussteigen zu wollen. Der Zug rollte noch langsam, aber Herr Kazimierz sprang flink auf den Peron und hielt, seine Schritte beschleunigend und dem noch rollenden Zug folgend, seine Rechte der offenen Waggontür entgegen, um den Damen herauszuhelfen zu können, sobald der Zug zum Stehen gekommen sein würde. Herr Kazimierz unternahm jede Mühe, den Damen behilflich zu sein, nicht ohne sich mit einem Handkuss zu verabschieden und seine weiteren Dienste anzubieten, zum Beispiel einen Wagen oder einen Träger zu rufen. Auch der Mutter des Knaben half er aus dem Zug, während dieser noch in der offenen Wagontür stand und darauf wartete, aussteigen zu können, wenn nur endlich Platz vor der Türe wäre. Herr Kazimierz hielt mit seiner rechten Hand die der Mutter, um sie an seinen Mund zu führen, und mit seiner linken schob er ihren Handschuh etwas zurück und war im Begriff, mit seinen Lippen und dem widerwärtigsten Bärtchen, dass das Kind jemals gesehen hatte, die Mutter zur berühren und ihr die Hand zu küssen. Dabei blickte er mit eisgrauen Augen um sich, wie ein Raubtier, das kurz davor war, die in die Enge getriebene Beute zu erlegen, in Stücke zu zerreißen und zu verschlingen. In diesem Moment sprang der Junge vom Wagon auf den Bahnsteig, entriss Herrn Kazimierz die Hand der Mutter, reichte ihm statt dessen die seine und sagte: „Auf Wiedersehen, Herr Kazimierz.“ Noch bevor dieser die Hand des Kindes ergreifen konnte, trat der Junge Herrn Kazimierz so kräftig gegen das Schienbein, dass dieser vor Schmerz das Gesicht verzerrte und leise aufschrie. „Mein Gott, Kind“, sagte seine Mutter, „was ist denn in dich gefahren? Entschuldige dich bei Herrn Kazimierz!“ „Entschuldigen Sie!“, sagte das Kind. Herr Kazimierz ließ sich indessen nicht beirren und machte sich erbötig, für die junge Frau und ihren Sohn einen Wagen rufen zu wollen. „Bitte machen Sie sich keine Mühe, Herr Kazimierz, zu freundlich, mein Vetter wird gleich hier sein und uns abholen.“ Onkel Jozef und Rafael hatten die Ereignisse aus der Ferne gesehen und als die Mutter den Vetter und seinen Sohn mit Herrn Kazimierz bekannt gemacht hatte und dieser zuerst Onkel Jozef und dann Rafael die Hand zur Begrüßung reichte, trat auch Rafael Herrn Kazimierz an das Schienbein. Onkel Jozef bemühte sich den Eindruck zu vermitteln, es nicht gesehen zu haben und die junge Frau schnappte nach Luft, doch bevor sie etwas sagen konnte, fragte Onkel Jozef, wie denn die Reise gewesen sei. Der Zug rollte langsam an und Herr Kazimierz sprang behände auf. Er drehte sich nach den Kindern um, presste die Lippen zusammen, strich sich über das Bärtchen und sah die Kinder aus seinen mausgrauen Augen böse an. Als die Jungen sicher waren, dass die Erwachsenen es nicht sehen konnten, steckten sie Herrn Kazimierz die Zunge heraus und winkten ihm. Erst zögerte er ein wenig, aber dann winkte er zurück und lachte. Herr Kazimierz hatte nicht nur Humor, er verstand auch Spaß. „Warum hast du ihn auch getreten?“ „Ich wollte so mutig sein wie du.“, sagte Rafael und sie rannten den Erwachsenen hinterher. „Ich weiß es noch“, sagte Rafael, „und zu Hause hat deine Mutter die Geschichte erzählen müssen und mein Vater behauptete, dass du sie in letzter Minute aus den Klauen des Herrn Kazimierz befreit hättest, der ein gesuchter Betrüger und galizischer Heiratsschwindler sei.“ Im Laufe der Jahre, nachdem dieses Ereignis hunderte Male nacherzählt worden war, mutierte der arme Herr Kazimierz aus Rzepin, gebürtig aus Drohobycz bei Lwów in Galizien zum Bordellbesitzer, der, nur scheinbar auf Reisen befindlich, unerfahrene Frauen in seine Gewalt zu bringen versuchte, um sie in die Prostitution zu treiben, namentlich sollte er Bordelle unterhalten, die von russischen Offizieren aufgesucht würden.
Zuletzt geändert von ascania am 22.06.2016, 08:40, insgesamt 1-mal geändert.

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Re:

von KTW (20.06.2016, 14:11)
Danke für die Leseprobe. Somit konnte ich mir eher einen Eindruck von dem Buch machen.

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