Mein Dörfchen in der Heiden

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Thomas von Kienperg
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Mein Dörfchen in der Heiden

von Thomas von Kienperg (25.06.2016, 13:35)
Mein Dörfchen in der Heiden
wie liegst du so verträumt
inmitten grüner Weiden
von Busch und Hag umsäumt.
Die Giebel deiner Häuser
umwallt der Lindenhain
und bunte Blütenreiser
das graue Tor von Stein.

Am alten Stadtgemäuer
die Heckenrose schwankt;
man sieht es kaum, vom Schleier
des Immergrüns umrankt.
Der Kirchenturm alleine
von Tuffstein, ganz ergraut,
hoch überm Eichenhaine
die Fluren überschaut.

Sieh dort die stillen Gassen,
den Wachturm, klotzig breit,
von altersgrauen Massen
des Burgwalls überdräut.
Den Täuber hört man girren
im Grün allüberall;
mit Sing und Sang umschwirren
die Sperlinge den Wall.

Am Markte steht umsponnen
vom lichten Weinspalier
des Dörfchens Marmelbronnen
und rauschet für und für!
Des Dorfkrugs steilen Giebel
vom Eppich halb verhüllt
ihn ziert ein Spruch der Bibel,
dazu ein frommes Bild!

Ringsum der Vöglein Reigen,
kaum einer Stimme Laut
wie dünkt dies holde Schweigen
so inniglich vertraut!
Hier walten noch Gefühle
voll stiller Heiterkeit
das laute Weltgewühle
wie liegt es, ach! – so weit!

Wenn Abendrot die Hügel
der Heide überstrahlt
und rosig sich im Spiegel
des Mühlenweihers malt.
Dann tönen die Schalmeien
hochjauchzend himmelan
beim abendlichen Reihen
auf grünem Wiesenplan.

Der Wolken Purpurschimmer
erlischt in hoher Luft
und sinkt mit Goldgeflimmer
zurück in blassen Duft.
Am Himmel über Wäldern
flammt hell die Abendglut,
rings auf den weiten Feldern
und in des Rohrbachs Flut!

Noch hier, noch dort bellt ferne
im Dämmerschein ein Hund;
dann Schweigen nur, und Sterne
nachts über stillem Grund!
Aus düsterm Eichendunkel
schwebt hell der Mond empor;
am Himmel, welch Gefunkel! –
der Nacht im Sternenchor!

So liegst du, weltvergessen,
seit je im grünen Grund;
die Erde dreht indessen
sich fort in ihrem Rund.
Mag alle Welt dich meiden
so bleibst du doch darum
mein Dörfchen in der Heiden
stets mein Elysium!
Thomas von Kienperg - "Le dernier chevalier véritable du romantisme"!

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Anke Höhl-Kayser
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Re:

von Anke Höhl-Kayser (26.06.2016, 12:09)
Wunderschön - das mag ich sehr gern! thumbbup
Es weckt Erinnerungen an die "Blaue Blume". :wink:
Bilder malen mit Worten: das ist dir sehr gut gelungen. Hut ab!

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (28.06.2016, 21:29)
Sehr schön! thumbbup

Gruß,
Monika
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Torsten Buchheit
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Re:

von Torsten Buchheit (30.06.2016, 09:01)
Klasse! Super gelungen!
Heiteres Gartenlexikon - Heiteres Heimwerkerlexikon - Irgendwas mit Wuppertal - Im Dutzend witziger

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Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (13.07.2016, 21:41)
Als Prosaiker wie als Prosaist stört mich hier ein eklatanter Widerspruch innerhalb des Textes: Mal ist vom "Dörfchen" die Rede, mal wird uns eine kleine alte Stadt vorgeführt, mal der Dorfbrunnen, mal die Stadtmauer. Was denn nun? Gerade in unserer traditionellen Kulturlandschaft sind die beiden Siedlungsformen Stadt und Dorf in Struktur und äußerem Bild ganz unterschiedlich gestaltet. Was sie in jüngerer Zeit zumeist einander angeglichen hat - oft zu einem konturlosen Siedlungsbrei - , ist Auswirkung moderner Entwicklung des Verkehrs, der Wohnformen und radikal veränderter Berufswelt. Das aber eignet sich gerade nicht für Verse à la Blaue Blume.

Ich würde hier gar nicht rummosern, wenn nicht die vorangegangenen Kommentare so unkritisch daherkämen. Ist der Mangel des Textes, das Unvereinbare in den Details, sonst keinem aufgefallen? Oder sind wir hier nur, um uns gegenseitig hochzujubeln? Ausnahme: politische Differenzen! Da wird dann umso strenger auf Exaktheit im Sinne von Linientreue geachtet.

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (13.07.2016, 21:58)
Arno Abendschön hat geschrieben:
Ich würde hier gar nicht rummosern, wenn nicht die vorangegangenen Kommentare so unkritisch daherkämen. Ist der Mangel des Textes, das Unvereinbare in den Details, sonst keinem aufgefallen? Oder sind wir hier nur, um uns gegenseitig hochzujubeln? Ausnahme: politische Differenzen! Da wird dann umso strenger auf Exaktheit im Sinne von Linientreue geachtet.

Arno Abendschön


Mit anderen Worten: Wenn mir etwas gefällt, muss es automatisch schlecht sein. Um andere Forenmitglieder zu schützen, muss ich also ab sofort das Maul halten, damit sie nicht deinen Zorn auf sich ziehen. Wie erbärmlich! Dass es Dörfer gibt, die direkt an Städte grenzen, ist dabei unerheblich, da es dir ja darum gar nicht geht. angle:

Monika
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Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (13.07.2016, 22:22)
Monika, es geht mir sehr wohl auch um das sachlich Falsche in diesem Beispiel einer drittklassig epigonalen Lyrik. Das habe ich ja gerade oben dargelegt. Eben "die Dörfer, die direkt an Städte grenzen", haben fast nichts mehr mit dem in den Zeilen hier Beschworenen gemein. Gerade weil ich oft und gern in wenig berührten historischen Kleinstädten wie auch in gut konservierten Dörfern in Brandenburg unterwegs bin, stößt mir die falsche Romantik in den Zeilen hier sauer auf.

Aber wie gesagt: Noch mehr stört mich, dass sich hier fast alles nur noch um Marketing dreht und Qualität kaum noch eine Rolle spielt.

Deine (gespielte?) Empörung beeindruckt mich übrigens nicht sehr.


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Thomas von Kienperg
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Sie bezeichnen sich im Obigen selbst als Prosaiker ...

von Thomas von Kienperg (14.07.2016, 07:53)
... und tun das mit Recht, wenn Sie damit einen ganz und gar poesiebefreiten Menschen meinen; nun ja, die Grazien sind (bei Ihnen) leider ausgeblieben!
Nur eine geistige Krämerseele kann sich an jenem "eklatanten Widerspruch" aufhängen, der zwischen einem kleinen Städtchen oder einem etwas größeren Dörfchen besteht! Übrigens ist der Titel Ihres letzten Beitrages fast programmatisch: nur sollten Sie ihn vielleicht von "Ich hatte ein Problem" in "Ich habe ein Problem" umbenennen ...

Mit den besten Empfehlungen
Zuletzt geändert von Thomas von Kienperg am 15.07.2016, 08:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (14.07.2016, 11:01)
Thomas, hier geht's primär nicht um mich, sondern darum dass du mit Bildern und Begriffen hier ein in sich nicht stimmiges Panorama geschaffen hast. Herausgekommen ist eine Art Disneyland. Das sagt dir einer, der sich in Mitteleuropa auf dem Land einigermaßen auskennt, auch in Österreich.

Eine Poesie, bei der die Details so ins Auge springend nicht zusammenpassen, taugt nichts.

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Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (14.07.2016, 12:54)
Tipp: Besucht mal die Website von Kienperg. Besonders lohnend seine Aufsätze, z.B. Über den rechten Umgang mit Frauenzimmern.

Da finden sich herrliche Sachen, z.B.: So ist etwa eine Frau, die tugendhaft und sittsam, welche unter ganz gewissen Umständen aber auch jegliche Scham abzulegen und sich ihrem Manne voll und ganz hinzugeben versteht, der höchsten Ehren würdig.

Oder: Man bedenke also, daß die Frau sehr wohl der nötigen Zucht und Ordnung bedarf; es hat sich allezeit schon als falsch erwiesen – welchen Gegenstand dies auch immer betreffen mag – die Zügel ganz und gar aus der Hand zu legen.

Man kann noch über viele andere Themen bei ihm Interessantes finden. Bei meinem gestrigen Kommentar kannte ich Kienpergs geistigen Hintergrund noch nicht. Ich habe ihn jedoch aufgrund seines Textes ein wenig gewittert. Seltsam, dass eben jenen, die sich sonst so viel auf ihre eigene zeitgemäße Progressivität, Liberalität usw. zugutehalten, nichts aufgefallen ist.

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (14.07.2016, 13:23)
Tja, Arno, deine Geisteshaltung witterte ich in den Texten, die du hier früher vorgestellt hast, auch jahrelang nicht. Kann vorkommen und ist sehr leicht zu erklären. cool5
Hierbei und auch bei meinem Kommentar oben handelt es sich nicht um Empörung, sondern um Sarkasmus. Dass man den nicht erkennt, kann ebenfalls vorkommen.
Ansonsten überlasse ich euch Männern gern das Feld, denn hier scheinen sich ja die richtigen Diskussionspartner getroffen zu haben. *Popcorntüte hervorhol*

Monika
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Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (14.07.2016, 18:09)
Monika, zu deinem Schlusssatz: Eher läge doch eine Diskussion zwischen dir und diesem Mohammed von Kienperg nahe. Willst du nicht lieber selbst mit ihm über Frauenrechte und Frauennatur disputieren? Ich bin da nicht so firm.

Für dein Poesiealbum noch ein paar Zitate von Kienperg über Frauen an sich:

So wissen wir inzwischen zum Beispiel, daß die Frauen Intrigantinnen ganz ohnegleichen sein können.

Wir wissen das? Nicht dass ich wüsste. - Oder:

Wir haben weiter oben schon über die Flatterhaftigkeit der Frau gesprochen und derselben den ihr gebührenden Rang angewiesen ...

Aber Kienperg weiß Rat:

Gewiß ist es höchst verwerflich, körperliche Züchtigung an einer Frau zu üben; davor aber hüte man sich, sich mit falscher Ritterlichkeit zu gürten! ... Es ist – so sehr man indessen bestrebt sein sollte, dergleichen zu vermeiden – eine fälschliche Annahme, daß körperliche Züchtigung gar keine Bürgerrechte im Reich der Erziehung für das Leben genösse.

Und gleich danach spricht er über die engstirnige und kleingeistige Paragraphenreiterei unserer Kodexbücher und vom rechten Ehrbegriff, der schon mal den Ausschlag gibt.

Tja, ich fürchte, der meint das ernst. Pass also gut auf dich auf, Monika.

Zu seinen Gunsten sei gesagt: Er ist hier mit offenem Visier erschienen. Aber ihr - der treffliche mtg war auch wieder dabei - habt euch nicht die Mühe gemacht, genau hinzuschauen, was an Erzreaktionärem hinter seiner pseudoromantischen Kulissenschieberei steckt und seinen anachronistisch-blutleeren Imitationen respektvoll Beifall gezollt.

Er hat noch viele andere Themen: z.B. Wahlen, politische Parteien, Bildung. Erste Kostproben machen mich neugierig auf mehr.


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Monika K.
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Re:

von Monika K. (14.07.2016, 18:36)
Arno Abendschön hat geschrieben:
Monika, zu deinem Schlusssatz: Eher läge doch eine Diskussion zwischen dir und diesem Mohammed von Kienperg nahe. Willst du nicht lieber selbst mit ihm über Frauenrechte und Frauennatur disputieren? Ich bin da nicht so firm.

Da täuschst du dich gewaltig in mir. Es ist nicht meine Art, Diskussionen über andere Themen in einem Gedichtvorstellungsthread zu starten. Das ist doch deine Spezialität. Hier geht es einzig und allein um das vorgestellte Gedicht und nicht, wie von dir oben schon gestreift, um zurückliegende Diskussionen über Politik aus anderen von dir gekaperten Threads oder persönliche Ansichten des Verfassers.

Aber zumindest zitierst du nun Sätze aus seiner Feder. Im letzten Posting hattest du dir zwei eindeutig als solche gekennzeichnete indirekte Zitate herausgesucht. Absicht oder Unvermögen? Wir können es uns aussuchen. Provozieren kann man mich auf diese Weise jedenfalls nicht. Ich amüsiere mich über deinen Eifer, mit dem du hier diesen Aufsatz zerpflückst. Kennst du keine bessere Lektüre, mit der du dir die anscheinend reichlich vorhandene Langeweile vertreiben kannst? Ach, nein, ich will es nicht wissen. Sonst folgen noch mehr Links zu Artikeln, die mich nicht interessieren.

Arno Abendschön hat geschrieben:
Pass also gut auf dich auf, Monika.

Ja, die Warnung ist angebracht. Wissen wir doch, wohin solche Diskussionen führen können. Womöglich kann demnächst "Tucholsky" im Amazon-Rezensionsbereich plötzlich auch nicht mehr länger schweigen.

Arno Abendschön hat geschrieben:
Zu seinen Gunsten sei gesagt: Er ist hier mit offenem Visier erschienen. Aber ihr - der treffliche mtg war auch wieder dabei - habt euch nicht die Mühe gemacht, genau hinzuschauen,

mtg? Wo? Vielleicht solltest du auch mal genauer hinsehen? Vorschlag: Besprich das alles besser mit Púca Harvey, der hier auch vehement seine Meinung vertritt.

Monika
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mtg
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Re:

von mtg (14.07.2016, 19:05)
Arno Abendschön hat geschrieben:
- der treffliche mtg war auch wieder dabei -

War er das? Was schrieb er Treffliches?

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