Thorsten Lux: Stell dir vor, du stellst dich vor…

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Thorsten Lux
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Thorsten Lux: Stell dir vor, du stellst dich vor…

von Thorsten Lux (28.08.2016, 01:47)
Stell dir vor, du stellst dich vor und jemand kann sich darunter etwas vorstellen. Sich selbst vorzustellen, eine Selbstdarstellung vorzulegen, gehört vielfach zum ‚guten Ton‘. Es sei dem Leser solcher Texte gegönnt sich der Illusion hinzugeben, dass er anhand einer Ansammlung von Buchstaben etwas über den Menschen erfahren kann, der diese Buchstaben erdachte, darüber nachdachte, welche Angaben er über sich selbst machen will, was er besser nicht erwähnt, usw.

Was will man eigentlich mit einer solchen Darstellung der eigenen Daten beim Leser auslösen? Bringt es dem Leser des Textes beispielsweise etwas, wenn er weiß wann mein Geburtstag ist? Sieht er das was ich zu sagen habe vielleicht mit anderen Augen wenn er mich aus seiner eigenen Perspektive als alt oder jung wahrnimmt? Versuche ich damit eine Assoziation zu schaffen und inwiefern? Soll der Leser sich eventuell mit meinem Horoskop auseinandersetzen, oder sich Gedanken machen welche Persönlichkeiten vielleicht am gleichen Tag geboren wurden? Wird der Leser mit der Angabe wo ich aufwuchs Rückschlüsse darauf ableiten, ob ich vielleicht in einem Dialekt spreche, mich damit eventuell identifiziere, oder mich davon zu distanzieren versuche?

Soll ich den Leser dieser Zeilen versuchen mit Titeln, Funktionen, oder Stationen meines Lebens zu beeindrucken, oder vielleicht lieber mit einem kleinen Scherz um Sympathie werben? Ich könnte auch angeben welche Literatur ich mag, welche Musik ich bevorzuge, usw. Was hat der Leser davon? Vermutlich ebenso wenig als wenn ich schreiben würde, welches Gerichte ich besonders gerne mag, bei welcher Raumtemperatur ich mich besonders wohl fühle, oder ähnlich belanglose Angaben die beim Leser vielleicht den Eindruck erwecken sollen, einen ihm fremden Menschen damit besser zu kennen.

Sicherlich könnte ich mir auch einen Spaß daraus machen, zu versuchen Vorurteile zu bedienen und mich an der Vorstellung zu erfreuen, was der Leser meiner Zeilen sich dabei eventuell denken könnte, was er dabei empfinden könnte, usw. So könnte ich zum Beispiel schreiben, ob ich eher aus einer städtischen oder ländlichen Gegend komme, ich könnte Angaben zu meiner Bildungslaufbahn machen, ich könnte Angaben zu meiner Familie machen, usf.

Ist es vielleicht sinnvoll ein Foto hinzuzufügen? Mit welchem Zweck? Soll der Leser darüber nachdenken ob er mich nun als attraktiv empfindet? Vielleicht könnte der Betrachter des Fotos zu der Auffassung kommen, dass es persönlicher sei, wenn er wüsste ob ich nun groß, klein, dick, dünn, hell- oder dunkelhaarig bin, ob ihm mein Lächeln gefällt oder mein ernstes Gesicht ihm seriös erscheint, usw.

Wie sieht es mit den Erwartungshaltungen aus? Wer das hier liest, erwartet daraus etwas zu erfahren, nämlich wer ich bin. Um diese Frage zu beantworten müsste ich aber davon ausgehen, dass ich mir selbst über diese Frage abschließend gewiss bin. Es gibt das Sprichwort, dass jemand, der glaubt etwas zu sein, damit aufgehört hat, etwas zu werden. Will ich mir tatsächlich selbst dieses Zeugnis ausstellen?

Kann ich mich eigentlich dieser Selbstdarstellung entziehen? Nein, denn letztlich ist alles was ich schreibe oder verschweige eine Darstellung meiner Wahrnehmung. Jede Rolle und jeder Charakter den ich mir ausdenken kann, hat letztlich etwas mit mir selbst zu tun. Und tatsächlich ist auch der Versuch sich nicht selbst darzustellen wieder eine Art der Selbstdarstellung.

Also gut: um den ‚guten Ton‘ zu wahren:
Ich erblickte das Licht der Welt am 5. März 1971. Die Geburtsurkunde gibt an, dass es gerade 5 Minuten nach Mitternacht gewesen sei und der Ort meiner Geburt die Universitätsstadt Gießen im mittleren Hessen. Auf diese Angabe bin ich angewiesen, denn ich kann mich an diese Begebenheit nicht mehr erinnern. Institutionelles Lernen hat zwischenzeitlich stattgefunden. Deshalb kann ich dies auch klar benennen. Noch unklar ist hingegen, wann und wo mein Leben voraussichtlich zu Ende gehen wird...

Hilfe! - das wird so nichts.

Was schreibt ihr denn so, wenn der 'gute Ton' eine Selbstdarstellung von euch verlangt?
Zuletzt geändert von Thorsten Lux am 28.08.2016, 21:28, insgesamt 1-mal geändert.

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Richard Bercanay
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Re:

von Richard Bercanay (28.08.2016, 08:12)
Hallo Thorsten,

schön, daß Du hier bist! :-)

Bei meinen Selbstdarstellungen halte ich mich eher kurz. Wer mehr über mich wissen will, kann die sporadischen Informationen aus dem Internet aufsammeln. Der Leser meiner Bücher erfährt, daß ich Politikwissenschaftler und Krimiautor bin, und daß ich 2010 mit der Veröffentlichung von Büchern begonnen habe. Er erfährt, daß ich Jahrgang 1968 und gebürtig aus Aachen komme. Alles weitere interessiert ihn aus meiner Sicht vermutlich nicht, zumindest legen das die Anwahlraten meiner persönlichen Selbstvorstellung auf meiner Homepage, als ich dort noch einen Zähler hatte, nicht nahe.

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