Wer ist Autor? Und: kostenloses ebook trotz gedrucktem Buch?

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


doppelschwarz
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Wer ist Autor? Und: kostenloses ebook trotz gedrucktem Buch?

von doppelschwarz (21.03.2017, 21:04)
Hallo zusammen,

ich habe ein altes Kochbuch meiner Oma, geschrieben in Sütterlin, abgetippt und möchte daraus ein gedrucktes Buch machen. Der eine Teil wird in Sütterlin sein, danach nochmal das gleiche in lateinischer Schrift. Das Buch an sich ist fertig, jedoch bin ich mir nicht sicher, wer jetzt eigentlich der Autor ist. Meine Oma oder ich? Bin ich hier der Verleger oder Herausgeber, da ich ja fast nichts zum Buch hinzugefügt habe (nur kurze Texte wie das Buch entstand)? Oder bin ich ein Mitautor?
Das Urheberrecht müsste als Rezeptsammlung bei meiner Oma liegen, die einzelnen Rezepte sind wohl nicht schützbar, da nur Mengen und kurze Anleitung.
Wie sichere mich am besten ab, damit nachher alles passt? Glaube zwar kaum, dass das nachher einen interessiert, aber sicher ist sicher. Und meiner Oma ist es egal, die freut sich auf das Buch.

Zweite Frage:
Kann ich das Buch in elektronischer Form (als pdf) auf meine Homepage setzen zum kostenlosen Herunterladen, obwohl das Buch in gedruckter Form Geld kostet (evtl. auch mit ISBN)? Es wird wohl nicht so viele Kunden geben, daher entgeht mir bzw. meiner Oma dadurch nichts. Besser ein paar Leser mehr glücklich machen, die daran Interesse haben, als 20 Euro (nicht) verdient.

Ich habe schon versucht, etwas dazu zu finden, war aber nicht erfolgreich, da das wohl beides Sonderfälle sind.

Vielen Dank für Eure Hilfe

doppelschwarz

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Udo Ehrich
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Re:

von Udo Ehrich (21.03.2017, 21:45)
Hat Deine Oma das Buch veröffentlicht und bist Du Erbe der Rechte, sprich, leben Deine Eltern nicht mehr und die Rechte sind an Dich übergegangen? Oder alternativ: Ist Deine Oma seit 70 Jahren tot?

Deine Frage läßt sich nicht so leicht beantworten, weil die zentrale Frage lautet, ob es sich bei der Rezepte-Sammlung um eine private Sammlung handelt, also Rezepte, die Deine Oma aus Zeitschriften abgeschrieben hat, oder ob es sich um ein Buch handelt, bei dem Deine Oma tatsächlich Autorin ist, beziehungsweise war.

Die Rezepte sind als Buch durchaus schützbar, denn wenn Deine Oma ein Buch mit Rezepten, die sie selbst entwickelt hat, veröffentlichte, dann liegen die Rechte selbstverständlich bei ihr mit allen Konsequenzen.

Zur zweiten Frage kann ich Dir eigentlich nur empfehlen, Dich direkt an BoD zu wenden. Meine Vermutung in dieser Hinsicht lautet allerdings, daß die Antwort eher Nein als Ja ist.


Meine Empfehlung wäre, zunächst einmal zu klären, welcher Natur die Rezepte-Sammlung ist und dann ggf. Rechtsrat bei einem Urheberrechtsanwalt einzuholen. Zwar ist nicht anzunehmen, daß Du von Deiner Familie rechtlich herangezogen wirst, aber es könnten Rechte anderer verletzt werden, und das kann richtig teuer werden. Eine entsprechende Beratung kann und darf aber nur ein entsprechender Anwalt durchführen.

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (21.03.2017, 22:00)
Willkommen im Forum, doppelschwarz!

Ich bin zwar keine Anwältin und kann keine verbindliche Auskunft geben, aber ich bin der Ansicht, dass deine Oma Autorin des Buchs ist, weil sie den Inhalt geschrieben hat, und du Herausgeber(in) bist, weil du den Inhalt für die Veröffentlichung aufbereitest. Du kannst aber auch auf die Nennung deines Namens verzichten und lediglich den Upload für deine Oma vornehmen. Dann wäre deine Oma Vertragspartnerin von BoD (oder eines anderen Dienstleistungsverlags), und du würdest sozusagen beratend an ihrer Seite sitzen. Als Mitautor hingegen müsste man schon einen ausreichend großen Teil des Inhalts beisteuern. Das sehe ich in diesem Fall nicht.

Ob das Urheberrecht bei deiner Oma liegt, hängt auch davon ab, woher die Rezepte stammen und ob sie so originell sind, dass eine ausreichende Schöpfungshöhe erreicht wird.

Ob du das Buch nebenher kostenlos anbieten kannst, hängt davon ab, bei welchem Verlag du veröffentlichst. Wenn du Print und E-Book über BoD veröffentlichst, trittst du die Veröffentlichungsrechte während der Vertragslaufzeit an BoD ab. (Bei CreateSpace und KDP ist das meines Wissens nicht so.) Wenn du nur Print und kein E-Book über BoD veröffentlichst, kannst du das E-Book woanders veröffentlichen.
Hier kannst du dir die Verträge ansehen:
https://www.bod.de/hilfe/downloads.html

Gruß,
Monika

@Udo Ehrich
Die Oma scheint ja noch am Leben zu sein, wenn sie sich auf das Buch freut.
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

doppelschwarz
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Re:

von doppelschwarz (21.03.2017, 22:23)
Wow, das geht ja schnell hier.
Es leben noch alle Beteiligten (Oma und alle Nachkommen), da sehe ich auch keine Probleme.
Die Rezepte sind aus ihrer Schulzeit (Landwirtschaftsschule zur Kriegszeit) und stehen handschriftlich in einem Heft. Ob sie sie ab- oder mitgeschrieben hat weiß ich nicht, könnte ich aber fragen. Originell sind die Rezepte nicht, nur lecker :-) Alles nach dem Motto: Mehl mit Eiern vermengen, Salz dazu, kneten, formen und backen. Kurz und knapp.

Wenn meine Oma die Autorin ist muss ich sie mal fragen, ob sie eine richtige Veröffentlichung will oder ob es dann bei eigenen Exemplaren für Freunde und Familie bleibt. Ist ihr vermutlich dann zu viel mit fast 90 Jahren, kommt ja dann noch die Steuer usw. dazu.

Danke schonmal für die schnelle Hilfe.

Eris Ado
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Re:

von Eris Ado (21.03.2017, 23:14)
doppelschwarz hat geschrieben:
Wenn meine Oma die Autorin ist muss ich sie mal fragen, ob sie eine richtige Veröffentlichung will oder ob es dann bei eigenen Exemplaren für Freunde und Familie bleibt.


Wenn sie die Rezepte nur mitgeschrieben oder abgeschrieben hat, dann ist sie nicht die Autorin. Die Frage ist dann, woher die Rezepte stammen. Sind alle aus einem Buch, dann ist es problematisch diese Rezepte wieder zu veröffentlichen.
https://irights.info/artikel/nichts-anb ... assen/5523

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (22.03.2017, 07:53)
Ich sehe es auch so, dass du bei der Frage zum Urheberrecht selbst abwägen musst, wie die Rezepte einzuordnen sind. Da deine Großmutter die Rezepte wahrscheinlich als junges Mädchen mitgeschrieben hat, könnten sie inzwischen zusätzlich gemeinfrei sein. Dann wäre sie zwar noch immer nicht Autorin, aber man würde keine Rechte verletzen und könnte die Umstände in einem Vorwort näher erklären und sie dort namentlich nennen. Du wärst dann Herausgeber(in).
Siehe § 64 UrhG
http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/

"BoD Fun" wäre eine Möglichkeit, wenn du dir beim Urheberrecht nicht sicher bist.

doppelschwarz hat geschrieben:
Wenn meine Oma die Autorin ist muss ich sie mal fragen, ob sie eine richtige Veröffentlichung will oder ob es dann bei eigenen Exemplaren für Freunde und Familie bleibt. Ist ihr vermutlich dann zu viel mit fast 90 Jahren, kommt ja dann noch die Steuer usw. dazu.

Wenn geklärt ist, dass deine Großmutter die Autorin ist, gibt es folgende Möglichkeit: Du lässt dir von ihr kostenlos die Rechte für eine Veröffentlichung über BoD übertragen, nennst sie zwar als Autorin, trittst selbst aber als Herausgeber(in) auf. Dann bist du Vertragspartner von BoD, die Einnahmen gehen an dich, und du musst sie versteuern. Aber es sieht ja danach aus, dass sie nicht die Autorin ist, da ihr die Rezepte 1:1 aus der Mitschrift übernehmen und nicht sprachlich umfangreich aufbereiten wollt.

Gruß,
Monika
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (22.03.2017, 13:15)
Auskunft von einem Anwalt zum Thema "Urheberrecht auf Kochrezepte" (von mir grob zusammengefasst):

Eine Zutatenliste stellt keine schöpferische Leistung dar, die einem Urheberrechtsschutz unterliegt

Beispiel:
750 g Mascarpone
175 g Zucker
5 Eier
1 große Packung Löffelbisquit
200 ml Espresso
100 ml Marsala
1 - 2 Teelöffel Kakaopulver

Eine Anleitung in Form einer rein mechanischen Vorgehensweise stellt keine schöpferische Leistung dar, die einem Urheberrechtsschutz unterliegt

Beispiel:
Man gebe den Zucker in eine Rührschüssel. Die Eier werden aufgeschlagen, Eigelb und Eiweiß voneinander getrennt und das Eigelb zum Zucker in der Rührschüssel hinzugefügt. Nun wird das Zucker-Eigelb-Gemisch mit einem Mixer verrührt, bis sich eine Creme gebildet hat ...

Sollten sich im Rezept Dinge befinden wie etwa die Herkunftsgeschichte des Gerichtes, historische Besonderheiten, persönliche Erlebnisse oder sonstige Anekdoten, heben diese Textteile das Rezept auf eine schützenswerte Schaffenshöhe. Jetzt ist das Rezept urheberrechtlich geschützt.

Im Detail nachzulesen unter

http://www.frag-einen-anwalt.de/Urheber ... 13213.html
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // zzgl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (22.03.2017, 13:58)
Es geht ja nicht um ein einzelnes Rezept, sondern um eine ganze Rezeptsammlung, die eine Lehrerin als Unterrichtsmaterial zusammengestellt und wahrscheinlich als Tafelanschrieb oder Diktat an ihre Schülerinnen weitergegeben hatte. Da kann nicht jetzt plötzlich eine Schülerin die Autorin dieser Rezeptsammlung sein. "Sich Wissen aneignen" darf man beim Urheberrecht nicht wörtlich nehmen. angle:

Da finde ich Eris Ados Link sehr aufschlussreich, da dort auch von Rezeptsammlungen die Rede ist. Demnach ist die Lehrerin weiterhin die Urheberin der Rezeptsammlung.

Ich finde in diesem speziellen Fall den Aspekt, dass dieser Unterricht wahrscheinlich vor etwa 75 Jahren stattfand, interessant. Man kann daraus zwar nicht schließen, dass die Lehrerin bereits 70 Jahre tot ist, aber die Wahrscheinlichkeit, dass irgendjemand wegen des Urheberrechts Ärger macht, ist sicherlich gering. Es ist durchaus möglich, dass die Rezeptsammlung wesentlich älter ist und gar nicht von dieser Lehrerin zusammengestellt wurde, sondern aus ihrem Studium (oder ihrer Ausbildung) stammt und von ihr ebenfalls nur abgeschrieben wurde.

Ich kann keinen Freibrief ausstellen, hätte aber in diesem Fall als Herausgeberin keine Bauchschmerzen. Allerdings würde ich die Großmutter nicht als Autorin der Rezeptsammlung nennen, sondern (wie oben bereits geschrieben) die Herkunft der Rezpte in einem Vorwort schildern und dadurch der Pflicht, eine Quelle anzugeben, nachkommen.

Gruß,
Monika
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (22.03.2017, 15:09)
Monika K. hat geschrieben:
Da kann nicht jetzt plötzlich eine Schülerin die Autorin dieser Rezeptsammlung sein.


Wie wäre es dann mit "Gesammelt und zusammengestellt von Gabi Mustermann" (Gabi Mustermann = Verfasserin des Buches)?

Ich habe das auch mal so gemacht, um den Druck des Quellennachweises aus dem Buch zu nehmen (das wäre nämlich der nächste Punkt, der bei einer Rezeptsammlung eine Rolle spielen könnte: Woher stammt das einzelne Rezept? Gibt es eine Quelle oder hat sich Autorin/die Herausgeberin das Rezept selbst ausgedacht?). Bei mir ging es um eine Sammlung von Kurzbiographien und Legenden aus bestimmten Gebieten. Hat bis heute niemanden gekümmert, ob ich überhaupt das Recht habe, diese Biographien und Legenden nachzuerzählen.

Zu Rezeptsammlungen siehe hier (Stichwort: Sammlung und Zusammenstellung):

https://www.wibucenter.de/shop/item/978 ... denes-buch

https://www.amazon.de/Unser-Kochbuch-Re ... B00J484UCI

http://www.buecher.de/shop/schnelle-kue ... /40523693/


Wenn tatsächlich auf einem Rezeptbuch ein Urheberrecht liegt, darf man dann das vorgestellte Rezept überhaupt benutzen? Verstößt die Benutzung eines Buches u. U. schon gegen das Urheberrecht?

Nur zum Vergleich:
Öffentliche Lesungen aus einem urheberrechtlich geschützten Werk bringen vermutlich Ärger, wenn man keine Erlaubnis vom Autor / Verlag hat.
Darf in der Öffentlichkeit (Buchclub in der Kneipe) über ein Buch diskutiert werden, wenn dabei das Buch direkt benutzt wird?
Kann ein Fernsehkoch ein x-beliebiges Kochbuch in seiner Sendung benutzen, ohne die Erlaubnis des Autors bzw. des Verlages zu haben?

Mittlerweile ist ja so, dass Straßenmusikanten oder Kindergärtnerinnen Ärger wegen Urheberrechtsverletzungen bekommen, wenn sie Lieder singen (in der Fußgängerzone bzw. im Kindergarten), für die sie nicht die erforderlichen Rechte haben.
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mtg
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Re:

von mtg (22.03.2017, 15:35)
Siegfried hat geschrieben:
Monika K. hat geschrieben:
Da kann nicht jetzt plötzlich eine Schülerin die Autorin dieser Rezeptsammlung sein.


Wie wäre es dann mit "Gesammelt und zusammengestellt von Gabi Mustermann" (Gabi Mustermann = Verfasserin des Buches)?


Das wäre auch mein Vorschlag gewesen, im Sinne eines Titels wie »Aus Oma Gabis Küche«, »Meiner Oma in den Topf geguckt« o.ä. …

Und Du fungierst als Herausgeber. Das ist kein Problem und kann so auch via BoD in den Handel gehen, wenn gewünscht.

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (22.03.2017, 16:48)
"Gesammelt von"
Ich sehe da einen kleinen Unterschied bei diesen privaten Rezeptsammlungen. In der Generation meiner Großeltern hatten viele Frauen solche handschriftlichen Sammlungen, in die sie alte Familienrezepte und Rezepte, die sie von Freundinnen erhalten hatten, eintrugen. Manche waren in Stellung und schrieben Teile aus den Sammlungen der dortigen Hausfrau oder Köchin ab. Diese Sammlungen sind selbst zusammengestellt, und der Hinweis "Alte Rezepte aus der XY Region, gesammelt von Gabi Mustermann" wäre treffend. Man könnte, weil es sich um Rezepte handelt, an denen man ja (wie bereits gesagt) nur in Ausnahmefällen das Urheberrecht erlangen kann, die Sammlerin auch gern als Autorin der Rezeptsammlung angeben, da das Zusammentragen eine eigene schöpferische Leistung darstellt. (Siehe §4 UrhG)
Hier in diesem Fall handelt es sich aber streng genommen um ein Schulheft aus dem Kochunterricht. Wenn ich es richtig verstehe, soll der Inhalt unverändert ins Buch wandern, und die Eigenleistung besteht aus Buchsatz etc. Da hat die damalige Lehrerin (oder deren Lehrerin) die Vorarbeit geleistet. Deshalb gab ich obige Antwort.
Siegfried hat in seinem Beispiel die Texte selbst ausgewählt und zusammengestellt. Daher kann man das schlecht vergleichen. Ich sehe da eher eine Parallele zu seinen Schulungsunterlagen. Die darf ein Schüler auch nicht einfach unter eigenem Namen veröffentlichen.

Unterschied Einzelrezept - Rezeptsammlung
Wir hatten das Thema kürzlich bei Sprichwörtern. Bei einzelnen Rezepten oder Witzen ist es ähnlich: Man kann keinen Urheber ausfindig machen, bzw die Schöpfungshöhe reicht nicht aus, damit das Urheberrecht greift. Daher ist es kein Problem, wenn man ein Rezept, das es in der Form häufig gibt, aus einer Sammlung herausnimmt, es in eigenen Worten formuliert und in eine eigene Sammlung einfügt. Die Links von Eris Ado und Siegfried bestätigen das auch. Anders sieht es mit einer ganzen Rezeptsammlung aus. Die hat (siehe oben) jemand zusammengestellt, und der hat dadurch das Urheberrecht an der Sammlung als Ganzes. (Ähnlich wie bei der Sprichwortsammlung.) Keiner darf diese Sammlung einfach unter eigenem Namen nachdrucken. Wird die Sammlung gemeinfrei, braucht man für eine Veröffentlichung keine Erlaubnis des Urhebers der Sammlung, aber selbst kann man nicht Urheber der Sammlung werden. Dazu muss man selbst auswählen und zusammenstellen.

Quellennachweis
Bei "Quelle" denkt man automatisch an einen Buchtitel und einen Autor, weil in den allermeisten Fällen eine Quellenangabe so erfolgt. Aber auch "Rezepte aus dem Hauswirtschaftsunterricht an der XY-Schule aus dem Jahr ????" ist eine Quellenangabe. Die Angabe erfolgt immer nach bestem Wissen und Gewissen. Wer Sagen und Geschichten aus einer Region sammelt und nacherzählt, nennt am Ende des Buchs entweder die Bücher, die er verwendet hat oder schreibt z.B. "Die Geschichten wurden mir von Bewohnern eines Seniorenzentrums erzählt, die nicht namentlich genannt werden wollen." Denn irgendwoher hat man die Texte, die man nacherzählt und somit "sinngemäß zitiert".
Ein Argument zieht bei mir nicht: "Bis jetzt hat sich keiner beschwert." Wenn man Quellen verwendet, nennt man sie.

"Lieder singen"
Da geht es, glaube ich, eher um die GEMA. Und damit kenne ich mich nicht aus.

"Diskussion im Buchklub"
Dabei wird das Buch nicht komplett vorgelesen, sondern einzelne Zeilen werden zitiert und bilden die Grundlage für eine Diskussion. Das ist vom Zitatrecht abgedeckt. Das gilt übrigens auch für eine Buchbesprechung in einer Zeitschrift, wenn sich ein Kritiker mit dem Werk auseinandersetzt, oder für Sekundärliteratur, wenn ein Autor sich intensiv mit einem literarischen Werk auseinandersetzt.

Habe ich jetzt alle Punkte, oder fehlt noch etwas?

Gruß,
Monika
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doppelschwarz
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Re:

von doppelschwarz (22.03.2017, 21:18)
Danke schon einmal für die Aufklärung. Dass das Ganze so kompliziert ist hätte ich nicht gedacht, aber ist ja bei Rechtssachen normal.
Die Idee mit "gesammelt/zusammengetragen von" finde ich gut, dann ist gleich klar, dass man sich nicht mit fremden Federn schmücken will. Ein paar Rezepte kamen vermutlich auch außerhalb der Schule dazu, meine Oma war damals auch in Stellung (war damals wohl so üblich, wenn man nicht selbst Angestellte hatte). Da das Originale Heft auch die Aufschrift Kochbuch hat, habe ich als Titel "Oma ...s Kochbuch" mit Untertitel "Abschrift des handschriftlichen Kochbuchs" gewählt, in der Widmung (2 Seiten weiter) verweise ich auf die Entstehung in der Landwirtschaftsschule. Den Untertitel werde ich dann einfach erweitern auf "..., zusammengetragen von ..." (anstatt Autor). Dadurch wird es vermutlich nicht 100%ig rechtssicher, aber ich denke, dieses Risiko kann ich eingehen.

Um dem Thema Steuer usw. aus dem Weg zu gehen wird es dann nur eine private Auflage geben, so war es ursprünglich mal geplant. Dann kann sich auch keiner dran bereichern. Müssen ab 25 Stück auch dann Exemplare in die Landes- und Staatsbibliothek geliefert werden?

Die Rezepte an sich sind sehr kurz, komplett ohne schmückende Worte, also einzeln nicht schützenswert. Wenn, dann nur die Sammlung.

Danke nochmals für die schnelle und gute Hilfe, dann wird es doch noch mal so weit sein, das Buch in den Händen zu halten (und stolz zu sein, waren immerhin ca. 150 Seiten Sütterlin in Handschrift zu entziffern und danach zu setzen).

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (23.03.2017, 23:49)
doppelschwarz hat geschrieben:
Um dem Thema Steuer usw. aus dem Weg zu gehen wird es dann nur eine private Auflage geben, so war es ursprünglich mal geplant. Dann kann sich auch keiner dran bereichern. Müssen ab 25 Stück auch dann Exemplare in die Landes- und Staatsbibliothek geliefert werden?


Wenn du das Werk nur als BoD Fun drucken lässt, müssen meines Wissens gar keine Pflichtexemplare abgeliefert werden. Falls du dich doch noch für eine Veröffentlichung mit ISBN entscheidest, musst du trotzdem nichts selbst abliefern, da BoD dies übernimmt:
https://www.bod.de/hilfe.html?cmd=SINGL ... -deutsche-

Gruß,
Monika
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Re:

von mtg (24.03.2017, 07:53)
Monika K. hat geschrieben:
Wenn du das Werk nur als BoD Fun drucken lässt, müssen meines Wissens gar keine Pflichtexemplare abgeliefert werden.

Ich habe für die Familie mal die Lebensgeschichte meines Großvaters als Buch (Auflage 25 Ex. ohne ISBN) drucken lassen, darüber aber auf meiner Website berichtet. Irgendwann kam ein Brief von der Nationalbibliothek, dass ich zur Abgabe von zwei Exemplaren verpflichtet sei, weil die Nationalbibliothek alle Bücher aufnimmt, die veröffentlicht werden … unabhängig von ihrer Marktpräsenz oder Zielgruppe.

In einem anderen Buch habe ich bei »Über den Autor« von einem Buchprojekt geschrieben, das allerdings immer noch nicht realisiert worden ist … von der Nationalbibliothek kam irgendwann die Aufforderung, zwei Exemplare dieses Buches einzureichen, woraufhin ich erst einmal klarstellen musste, dass es dieses Buch noch nicht gibt.

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (24.03.2017, 10:15)
Übernimmt BoD auch bei Fun-Projekten automatisch die Ablieferung der Pflichtexemplare, oder muss man das selbst tun?

(off topic)
Ein wenig paranoid könnte man schon werden, wenn man sich vorstellt, dass man z. B. auf einer Homepage nebenbei erwähnt, das Tagebuch der Großtante ausschließlich als Geschenk für die umfangreiche Verwandschaft drucken lassen zu wollen, und plötzlich will die Nationalbibliothek alle Geheimnisse des damals jungen Herzens mitlesen können. Eigentlich ist das ein Eingriff in die Privatsphäre. In einem Sozialkaufhaus werden alle Druckwerke, die privat aussehen und keine ISBN haben, aus diesem Grund aussortiert und nicht weiterverkauft.

Gruß,
Monika
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