Rückblenden

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Meran
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Rückblenden

von Meran (23.03.2017, 09:31)
Hallo und guten Morgen,

ich schreibe gerade einen neuen Roman und habe eine Frage bezüglich der Rückblenden. Da der Roman mit vielen Rückblenden versehen ist, stellt sich die Frage wie sinnvoll so etwas ist. Die Protagonistin, träumt, erinnert oder erzählt, Kapitelweise über ihre Kindheit. Das ist für die spätere Geschichte enorm wichtig.

Macht es mehr Sinn einfach bei ihrer Kindheit anzufangen und danach, sagen wir...20 Jahre später, mit dem eigentlichen Roman anzufangen oder sollte man besser mit Rückblenden arbeiten?

Vivatis
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Re:

von Vivatis (23.03.2017, 11:05)
Hallo Meran,

ich habe Derartiges schon oft in diversen Romanen gesehen. Meistens waren diese als eigene Kapiteln gekennzeichnet, oder auch zwischendurch in Kursiv verfasst.
Du könntest die Rückblenden in kursiv verfassen, allerdings ist dies für manche Leser - vor allem bei längeren Texten - schwer zu lesen. Mich persönlich stört dies aber nicht.

Wenn du eigene Kapitel in 'Normalschrift' verfasst solltest du aber oben eine Hinweise schreiben. Also wie 'Vor X Jahren oder 1995, etc. etc.'

Ich würde Rückblenden besser finden, als wenn du mit der Kindheit anfängst und dann einfach einen Zeitsprung machst. Ich würde mich dann als Leser fragen, was wohl dazwischen alles passiert war.
Mach Rückblenden aber beschränke diese auf das Wesentlichste.

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Meran
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Re:

von Meran (23.03.2017, 11:43)
Vielen Dank, so habe ich mir das auch gedacht :-)

LG
Meran

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Siegfried
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Re: Rückblenden

von Siegfried (23.03.2017, 13:50)
Meran hat geschrieben:
Da der Roman mit vielen Rückblenden versehen ist, stellt sich die Frage wie sinnvoll so etwas ist.


Genau das ist die zentrale Frage beim Thema Rückblende.

Ich persönlich bin ein ziemlicher Gegner der Rückblende, weil sie ein Hilfsmittel der einfachsten Sorte ist, dem Leser bestimmte Informationen beizubringen. Ich bevorzuge es, wenn ein Problem im aktuellen Handlungsstrang dargestellt wird, statt in eine Rückblende auszuweichen.

Ein Beispiel:

    Karl blickte die Felswand hinauf. Das waren zehn, vielleicht fünfzehn Meter, die noch vor ihm lagen. Dieses Bergmassiv allein als Freeclimber zu besteigen, war schon immer einer seiner Lebensträume gewesen. Karl griff in den Behälter an seiner Hüfte, der das Talkumpuder enthielt, um seine Hände für den letzten Ansturm auf den Fels vorzubereiten. Noch während seine Fingerspitzen im Puder badeten, hörte Karl ein dumpfes Grollen. Ein Grollen, das in ein helles Klackern überging. Dann zischte etwas haarscharf an Karls Kopf vorbei.
    Ein Steinschlag!
    Karl presste sich an die Felswand, so dicht es nur irgendwie ging. Wieder verfehlte ihn ein Felsstück nur knapp. Karls Atem ging stoßweise. Zum ersten Mal, seit er allein auf die Berge stieg, spürte er so etwas wie Angst. Das letzte Mal, als er Todesangst empfunden hatte, ja, wann war das? Damals, als er mit einem Militärflieger über Afghanistan unterwegs gewesen und unter Beschuss geraten war.

    Die schwere Transportmaschine der US Air Force vom Typ C-130 hatte bereits den größten Teil der Strecke hinter sich gebracht. Längst war die staubige Steppe Mittelasiens im Dunst verschwunden, während sich am südöstlichen Horizont gigantische Berge immer deutlicher vom Horizont abhoben.
    Karl saß im Laderaum des Frachtfliegers auf einem der seitlich angebrachten Sitze, nur notdürftig angegurtet, und betete mit geschlossenen Augen. Seit Stunden war er luftkrank und sehnte sich mit jeder Faser seines Körpers danach, endlich wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen.


Handlung 1: Gegenwart - Karl im Berg und in höchster Gefahr.
Handlung 2: Rückblende - Karl im Flugzeug irgendwo über Afghanistan

Wer hat als Leser nicht die Tendenz, die Rückblende einfach zu überblättern, um herauszufinden, ob der Steinschlag Karl erwischt oder nicht? Hier geht es nicht um einen Cliffhanger - dann müsste die Handlung zeitgleich irgendwo anders spielen. Hier findet sich ein Zeitsprung in die Vergangenheit. Also Rückblende.

Wenn es also darum geht, warum Karl einen Verdrängungsmechanismus gegen Angst aufgebaut hat, müsste man das intelligenter lösen. Das ist mühsam, zeugt aber von schriftstellerischer Qualität.

Ein paar Webseiten zum Thema Rückblende:

http://www.schriftsteller-werden.de/kre ... itreissen/

http://www.autorenforum.de/datenbanken/ ... ben-teil-2

http://www.schreibwerkstatt.de/ruckblen ... 25702.html

http://www.schreibtischtaeter.com/ruckblende.html

http://www.lizzynet.de/36335908.php

http://bernard-mondae.de/die-vorgeschic ... erzaehlen/
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // alle Preise zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

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Meran
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Re:

von Meran (23.03.2017, 15:34)
Danke für eure Antworten

sommerwind
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Re: Rückblenden

von sommerwind (13.05.2017, 21:09)
Ich würde in der Zeit beginnen, in der die Haupthandlung des Romans spielt. Und von dort aus würde ich dann mit den Rückblenden beginnen.

Wenn das für dich und deine Geschichte passt, würde ich auch darüber nachdenken die Rückblenden besonders kenntlich zu machen. Mir als Leser macht es das, je nach Geschichte, leichter zwischen dem "Hier & Jetzt" und den Rückblenden hin und her zu springen.

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Hannelore Goos
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Re: Rückblenden

von Hannelore Goos (13.05.2017, 21:33)
Hallo,

Rückblenden sollten typografisch schon absetzt sein, aber keinesfalls kursiv schreiben - das ist ein "Auszeichnung" und wird in der Regel für die Betonung einzelner Wörter genommen. Es bietet sich eher die Ausgabe mit unterschiedlichen Zeichensätzen (Fonts) an, wenn der normale Text z. B. Linux Libertine ist, dann kann die Rückblende in Rockwell light sein.

Du kannst ja auf einer Seite mit verschiedenen Fonts ausprobieren, wie das aussieht; die Prüfung aber nie am Bildschirm, sondern immer mit einem Ausdruck machen. Auf Papier sieht manches anders aus.

Gruß
Hannelore
Es gibt Menschen, die denken gern, und Menschen, die schreiben gern. Leider sind das nicht immer dieselben. book:
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wellwell
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Re: Rückblenden

von wellwell (15.05.2017, 05:16)
Ich würde (bzw. tue es beim Schreiben auch schon ;)) die Rückblenden immer in einer anderen Schrift machen. Kann entweder kursiv sein oder gleich von Times New Roman auf Verdana oder so wechseln. Man sollte es nur klar erkennen können und vor allem gleich bei der ersten Rückblende merken, dass es sich um solch eine handelt.

Aber dein Thread ist ja schon etwas älter. Wie hast du es denn bis jetzt gemacht? Erzähl mal :)

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Monika K.
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Re: Rückblenden

von Monika K. (15.05.2017, 07:42)
Ich selbst benutze keinen E-Book-Reader, habe aber vor längerer Zeit von anderen gehört, dass sie dort ihre Lieblingsschriftart einstellen. Wie ist das dann, wenn man zwei verschiedene Schriftarten verwendet? Kann man die so festlegen, dass der Effekt nicht verloren geht bzw. dass sie nicht verändert werden können?

Gruß,
Monika
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ricochet
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Re: Rückblenden

von ricochet (18.05.2017, 09:16)
Zum Thema der Rückblenden allgemein stelle ich folgende Grundsatzüberlegungen zur Verfügung (Auszug aus einem meiner Essays):

Weil jede Erzählung irgendwann einmal anfangen muss, kommt es immer wieder vor, dass auf Geschehnisse, die sich vor dem Beginn zugetragen haben, zurückgegriffen werden muss. Das sind Rückblenden („Analepsen"). Das Gegenteil sind Vorblenden („Prolepsen“). Das sagt nichts über das Textvolumen aus, denn eine Rückblende kann sich auf einen eingeschobenen Nebensatz beschränken, einen Absatz, aber genauso ein ganzes Kapitel umfassen.
Es gibt den Grundsatz des chronologischen Berichtens, auch lineares Erzählen genannt. Das bedeutet, was vorher geschehen ist, sollte auch vorher erzählt werden. Der springende Punkt bei Rückblenden ist, dass dagegen verstoßen wird. Auf diese Weise wird die Leserin durch eine Rückblende aus dem natürlichen Fluss gerissen und in eine andere Zeit versetzt. Dies stellt ihr die Aufgabe, die Chronologie zu korrigieren. Zumeist empfindet die durchschnittliche Leserin Rückblenden als ärgerlich und nicht als literarische Delikatesse, denn sie verlangen eine intellektuelle Leistung. Das will gerechtfertigt sein. Rückblenden sind auch problematisch, weil sich die Aufmerksamkeit der Leserin nach vorne richtet. Sie will wissen, wie es weitergeht, und weniger, wie es dazu gekommen ist.
Der irritierende Effekt von Rückblenden kann selbstverständlich auch bewusst als Methode eingesetzt werden, den Text abwechslungsreich zu gestalten. Wobei damit vorsichtig umzugehen ist. Das mit der literarischen Raffinesse empfinden mehr die Autorinnen, die sich in dieser Erzähltechnik gefallen. Rück- und Vorblenden gaukeln eine Komplexität (verwechselt mit literarischem Anspruch) des Textes vor, die bei genauer Betrachtung meistens unnötig ist und daher nicht gerechtfertigt. Davon unbeeindruckt gefallen sich viele Literatinnen besonders darin. Ich möchte gar von einer Modeerscheinung reden. Deswegen sage ich es gleich: Ich bin kein Freund der Rückblenden. Zu oft begegnen mir Texte, in denen die Autorin darin schwelgt, obwohl es unnötig ist. Es ist Unsinn zu meinen, den literarischen Anspruch eines Textes durch Rückblenden zu erhöhen. Dem liegt der Fundamentalirrtum zugrunde, Unverständlichkeit hebe das literarische Niveau. Wie albern!
Dennoch sind Rückblenden gelegentlich unumgänglich. Die sprachlich korrekte Form, eine Rückblende darzustellen, ist bei einem typischerweise im Imperfekt geschriebenen Text das Plusquamperfekt, die Vorvergangenheit. Dadurch häufen sich die schwer zu lesenden, potthäßlichen Formulierungen mit „hatte“ und „war gewesen“ und dergl. Verständlich, wenn wir diese vermeiden wollen.
Auch deswegen stellt sich bei einer Rückblende zu allererst die Frage: Ist sie wirklich notwendig? Das ist sie, wenn sie in der Tat etwas dazu beiträgt, die aktuelle Handlung zu erhellen. Ist das der Fall, stehen wir vor einer kniffligen Aufgabe: Wie wechseln wir vom Haupttext in die Rückblende und wieder zurück? Ich bin unbedingt der Meinung, dass eine Rückblende als solche erkenntlich sein soll. Ratschläge, wie: „Schnell rein- und wieder rauswerfen, bevor die Leserin merkt, was Sache ist“ oder: „Bleib in deiner Zeit“ (Haupttempus beibehalten) halte ich für kontraproduktiv. Sie erschweren das Verständnis, weil wir eine zeitliche Linie vorgegaukeln, die gar nicht der inneren Logik der Ereignisse entspricht. Dann heißt es für die Leserin, die Geschichte in ihrer Gedankenwelt nachträglich korrigieren.
Gehen wir den Weg, eine Rückblende als solche zu kennzeichnen und trotzdem eine sprachlich elegante Schnittstelle zum Haupttext zu finden, stehen wir vor der Kardinalfrage: Wie? Dazu kursieren mehrere Methoden:

1. Wir beginnen mit vollendeter Vergangenheit (Plusquamperfekt), fahren dann in der Erzählzeit (Imperfekt) des Textes fort und schließen wieder mit vollendeter Vergangenheit ab. Dadurch setzt sich der Textteil deutlich vom Haupttext ab und die Irritation der Leserin hält sich in Grenzen.

2. Wir verpacken Rückblenden in direkte Rede, z. B.: "Das erinnert mich an damals, als Papa seinen Unfall hatte ..."

3. Es schreibt jemand ein Tagebuch, einen Brief, einen Bericht oder überhaupt ein Buch und die Rückblende bildet einen Teil davon. Oder jemand findet auf dem Dachboden einen uralten Liebesbrief der Tante Mitzi, das verschollene Testament Onkel Rudolfs taucht auf, ein Zeitungsbericht von anno dazumal erhellt die Ereignisse ... Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

3. Einen Prolog für die Rückblende nützen.

4. Kleinere Rückblenden sollten wir unbedingt sprachlich korrekt behandeln, nämlich, mit dem Plusquamperfekt.

5. Größere Rückblenden (ganze Kapitel oder wenigstens umfangreichere textliche Einheiten) können durch Mittel der Typografie unterstützt werden: andere Schriftart, Schrift kursiv setzen, usw.

6. Manchmal findet sich keine wirklich elegante Lösung für den Übergang. Je direkter dieser vor sich geht, desto mehr kennt sich wenigstens der Leser aus. Und um den geht es schließlich. In meiner Erzählung „Haikiki" habe ich mir mit folgendem Trick geholfen: „Ja, so war das gewesen, damals ..." am Ende einer Szene bzw. am Anfang der folgenden. Dazu sollte man wissen, dass ich die einzelnen Szenen mit zwei Leerzeilen abtrenne und der folgende Absatz mit einer Initiale beginnt. Diese explizite Kennzeichnung ist vielleicht eine Brutalo-Methode, doch weiß der Leser jedenfalls, wo es lang geht.

Als Summe dieser Überlegungen gelten folgende Grundsätze:

1. Rückblenden nur für wichtige Informationen.

2. Je kürzer die Geschichte, desto weniger Rückblenden.

3. Keine Rückblenden in Kinderliteratur (Überforderung).

4. Keine Rückblenden am Anfang (Ausnahme: Prolog).

5. Rückblenden in Rückblenden? Nie und nimmer.

6. Rückblenden unbedingt als solche kenntlich machen.



rico
Ich schreibe, also bin ich.

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