Zwischenfrage: Aktuelle Situation im Vertrieb

ISBN, VLB, Barsortiment, E-Book-Verleih und Buchhandel: Alles rund um den Buchvertrieb.


mops
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Zwischenfrage: Aktuelle Situation im Vertrieb

von mops (08.05.2017, 17:18)
Hallo allerseits,

persönlich stehe ich kurz vor der Fertigstellung meines ersten Buches, das den Beginn einer ganzen Serie markieren soll. Insofern recherchiere ich natürlich auch viel in Sachen Produktion und Vertrieb. Als freischaffender Autor (mit ggf. zwangsweisen Verlagsambitionen) kam ich natürlich zunächst einmal auch nicht an BoD vorbei.

Das Ganze erzeugt aber ein gewisses Unwohlsein in meiner Magengegend. Einerseits hatte ich bereits mit Print-on-Demand geplant, da dies für freie Autoren eigentlich ideal sein sollte. Nun las/hörte ich in den vergangenenen Monaten aber vielfach davon, dass entweder haufenweise fehlerhafte Bücher von BoD verschickt wurden oder dass es massive Listungsprobleme bei Amazon, Libri und Umbreit gab/gibt. Wie sieht das eurer Erfahrung nach inzwischen aus? Hat sich die Gesamtsituation inzwischen verbessert, so dass man guten Gewissens zu BoD greifen kann? Wie gut (oder schlecht) funktioniert derweil die Versorgung der Barsortimente, die ja durch BoD versprochen wird?

Bei all dem Print-on-Demand-Ärger, der mir in verschiedenen Foren inzwischen entgegenwehte, beginne ich nun schon (mehr oder weniger gezwungenermaßen) darüber nachzudenken einen eigenen Verlag zu gründen.

Ja - das hat Vor- und Nachteile. Man muss sich um Dinge, wie VLB, Pflichtexemplare, Produktion, Vertrieb an Barsortimente sowie ISBN/Verlagsnummer kümmern. Klar. Aber andererseits weiß man dann auch was man hat. Mit nur einem Titel im Programm wäre es Unsinn (aber wir überlegen da schon weiter und sind mehrere potentielle Autoren). Dennoch stellt sich die Frage nach der Praktikabilität von BoD...

Ich bitte um ehrliche - ungeschminkte - Erfahrungsberichte. Gerade weil wir erst anfangen, wollen wir unseren Ruf ja nicht gleich zu Beginn ruinieren. Oder anders ausgedrückt, eventuell könnten uns Fehler/Probleme anderer erspart bleiben. ;)


Cheers,
Mops

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Hannelore Goos
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Re: Zwischenfrage: Aktuelle Situation im Vertrieb

von Hannelore Goos (08.05.2017, 19:58)
Hallo Mops,

wir (mein Mann und ich) machen seit ca. 18 Jahren Bücher, mit regulären Verlagen, mit BoD, mit Shaker Media und Gigabook (einem niederländischen On-Demand-Anbieter). Probleme gibt es überall. Bei Verlagen kannst du einen Verleger erwischen, der über das Cover, die Illustrierung, den Preis bis zu Inhalten alles bestimmen will; Verlagsverträge beinhalten in der Regel auch einen vollständigen Übergang der Rechte weltweit. Wenn man wie wir dreisprachig ist, kann man dann nicht einfach eine englische oder niederländische Übersetzung machen - das muss dann der Verlag genehmigen.

Bei anderen On-Demand-Anbietern ist die einmalige oder fortlaufende Selbstbeteiligung häufig sehr hoch - oder die Qualität mies - oder das Buch wird überhaupt nicht bei großen Internet-Anbietern geführt, weil der Verlag mit einem Großhändler zusammenarbeitet, der einen Mindestumsatz verlangt (was dir mit einem Kleinverlag natürlich auch passieren kann).

Natürlich gibt es bei BoD mal Fehldrucke oder Verzögerungen in der Auslieferung; für Fehldrucke habe ich immer kostenlosen Ersatz bekommen. Verzögerungen muss man von vornherein einplanen. Das hat sich sehr verbessert. Als ich bei BoD anfing, waren 6 Wochen für eine Erstveröffentlichung normal.

Alle diese Erfahrungen haben uns überzeugt, bei BoD zu publizieren, z. Zt. haben wir 31 Titel dort, 5 weitere sind in der Warteschleife. Ich denke, dass in Foren hauptsächlich Leute schreiben, die schlechte Erfahrungen gemacht haben, möglicherweise auch, weil sie keine Vergleichserfahrungen haben. Wer zufrieden ist, schreibt nicht im Forum - das ist in allen Bereichen so, nicht nur in Bezug auf das Büchermachen. Wir bleiben inzwischen bei BoD bzw. kehren mit den entsprechenden Titeln reumütig zurück.

Die Gründung eines eigenen Verlags würde ich mir gut überlegen. Die Nebenkosten sind enorm. Da würde ich mich erst einmal beim Börsenverein erkundigen, obwohl der - so weit mir bekannt - On-Demand-Verlagen sehr kritisch gegenübersteht.

Wichtiger ist in meinen Augen, dass wirklich gute Bücher hergestellt werden, also nicht mit einem Schreibprogramm, das noch nicht einmal registerhaltigen Satz erlaubt, sondern mit einem richtigen Setzprogramm z.B. Scribus, das Open Source und kostenlos ist. Ein Grundlagenwerk in Typografie sollte man sich auch gönnen, wenn man "richtige" Bücher machen will. Die Anleitungen bei BoD in allen Ehren, aber jeder Fachmann hält einfach nur eine Buchseite gegen das Licht und sieht, wie laienhaft das gesetzt ist. Damit wird dem On-Demand-Druck eigentlich ein Bärendienst erwiesen.

Falls du weitere Auskünfte möchtest - wenn ich kann, helfe ich dir gern weiter.

Gruß
Hannelore
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holz
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Re: Zwischenfrage: Aktuelle Situation im Vertrieb

von holz (09.05.2017, 09:31)
Nutze (nutzte) BoD auch für eigenen Verlag.
Lieferung über Libri klappt. Buchhändler, die dort nicht angebunden sind, vermittle ich direkt an BoD, klappt ebenfalls.

Über Amazon läuft leider noch immer nichts. Nur drei von 30 Titeln sind auf Lager, der Rest lediglich Marketplace, nicht verfügbar oder 1-2 Monate Wartezeit.
Ein Autor ging mir deshalb verlustig, er nutzte das Angebot eines größeren Verlags und wechselte mit seinem Buch.
Mit Besserung rechne ich nicht mehr, die Mehrzahl der Titel habe ich aufgekündigt.

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Hannelore Goos
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Re: Zwischenfrage: Aktuelle Situation im Vertrieb

von Hannelore Goos (09.05.2017, 09:53)
holz hat geschrieben:
Über Amazon läuft leider noch immer nichts. Nur drei von 30 Titeln sind auf Lager, der Rest lediglich Marketplace, nicht verfügbar oder 1-2 Monate Wartezeit.


Das liegt aber nicht an Amazon, sondern an der Vertriebsphilosophie von Amazon. Mir ist es mit Shaker (der ja ein großer renommierter Wissenschaftsverlag ist) genauso gegangen.

Gruß
Hannelore
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Monika K.
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Re: Zwischenfrage: Aktuelle Situation im Vertrieb

von Monika K. (09.05.2017, 10:16)
Hannelore Goos hat geschrieben:
Das liegt aber nicht an Amazon, sondern an der Vertriebsphilosophie von Amazon.


Erklärst du mir bitte, was du damit meinst? Gerade für die Vertriebsphilosophie von Amazon ist doch allein Amazon verantwortlich.

Gruß,
Monika
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

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Hannelore Goos
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Re: Zwischenfrage: Aktuelle Situation im Vertrieb

von Hannelore Goos (09.05.2017, 10:39)
Hannelore Goos hat geschrieben:
holz hat geschrieben:
Über Amazon läuft leider noch immer nichts. Nur drei von 30 Titeln sind auf Lager, der Rest lediglich Marketplace, nicht verfügbar oder 1-2 Monate Wartezeit.


Das liegt aber nicht an BoD, sondern an der Vertriebsphilosophie von Amazon. Mir ist es mit Shaker (der ja ein großer renommierter Wissenschaftsverlag ist) genauso gegangen.

Gruß
Hannelore

P.S. Alle Bücher, die wir bei BoD direkt haben, sind auf Amazon gelistet, außer zweien, die nicht für den internationalen Vertrieb freigegeben sind.
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holz
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Re: Zwischenfrage: Aktuelle Situation im Vertrieb

von holz (09.05.2017, 10:51)
Hannelore Goos hat geschrieben:
Das liegt aber nicht an BoD, sondern an der Vertriebsphilosophie von Amazon.


Zu diesem Thema gibt es bereits einen umfangreichen Thread, müssen wir hier nicht weiterführen.

Bei wem der Schwarze Peter liegt, ist mir mittlerweile egal.

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Monika K.
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Re: Zwischenfrage: Aktuelle Situation im Vertrieb

von Monika K. (09.05.2017, 10:57)
Hannelore Goos hat geschrieben:
Das liegt aber nicht an BoD, sondern an der Vertriebsphilosophie von Amazon.

Danke. cool5

Gruß,
Monika

@holz
Ich kann das sehr gut verstehen. :(
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