Alter Film als Buch?

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


Benutzeravatar
Thorsten Schmidt
Beiträge: 79
Registriert: 04.06.2017, 11:45
Wohnort: Westerwald

Alter Film als Buch?

von Thorsten Schmidt (16.06.2017, 12:03)
Liebe Freunde der Literatur.

Ich habe eine rechtliche Frage, die mir eine Recherche im netz bislang nicht vernünftig beantworten konnte. Vielleicht ist jemandem von euch das Thema ja schon einmal untergekommen:
Nachdem ich bislang nur Sachbücher geschrieben habe, trage ich mich seit längerem mit dem Gedanken, mich auch mal an einem Roman zu versuchen.

Berufsbedingt und auch inspiriert durch verschiedene Filme lässt mich dabei das Thema eines verdeckten Ermittlers und der damit einhergehenden inneren Zerrissenheit nicht los. Einen der besten Filme zu diesem Thema habe ich erstmals als Kind gesehen. Er heißt "Mann ohne Ausweg" (Hongkong, 1981) und hat die Probleme und Tragik eines solchen "Jobs" meines Erachtens besser auf den Punkt gebracht als viele Hollywood-Produktionen danach. Leider ist der Film nahezu unbekannt und meines Wissens außer wenige Male in der ARD nicht ausgestrahlt worden.

Mir schwebt jetzt der Gedanke vor, basierend auf meiner Erinnerung die Handlung dieses Films, die eben ursprünglich in den 1970er Jahren in Hongkong spielt, ins Deutschland der Gegenwart zu übertragen. Ich würde also im Prinzip eine neue Geschichte schreiben, deren Handlungsstrang allerdings an den des Films angelehnt ist. Benötige ich dazu die Genehmigung des Rechteinhabers? Da der Film meines Wissens in Europa nie in den Verleih gelangt ist, sondern immer nur als Fernsehfilm ausgestrahlt wurde, wäre das sicher problematisch zu bewerkstelligen...

Ich hoffe, dass jemand eine Idee hat.

Viele Grüße
Thorsten

Benutzeravatar
Hannelore Goos
Beiträge: 541
Registriert: 04.05.2017, 15:11

Re: Alter Film als Buch?

von Hannelore Goos (16.06.2017, 13:41)
Es gibt Menschen, die denken gern, und Menschen, die schreiben gern. Leider sind das nicht immer dieselben. book:
(Aus einem Gartenforum)

Benutzeravatar
Thorsten Schmidt
Beiträge: 79
Registriert: 04.06.2017, 11:45
Wohnort: Westerwald

Re: Alter Film als Buch?

von Thorsten Schmidt (16.06.2017, 23:13)
Oh, super, da werde ich sicher fündig.
Dankeschön!

Benutzeravatar
Monika K.
Beiträge: 3248
Registriert: 28.02.2012, 21:45

Re: Alter Film als Buch?

von Monika K. (16.06.2017, 23:43)
Es gilt das Urheberrecht des Ursprungslandes, mit dem ich mich leider nicht auskenne.

Im deutschen Urheberrecht spielt die Schöpfungshöhe eine entscheidende Rolle bei der Frage, ob ein Werk oder bestimmte Bestandteile eines Werks, die man gern verwenden möchte, geschützt sind, und bei der Frage, ob das eigene neue Werk so stark von der "Inspirationsquelle" abweicht, dass es als eigenständiges Werk betrachtet werden kann, bei dem der Film nicht genannt werden muss. Da ich keine Anwältin bin, kann ich dazu keine Aussage treffen. Aber wie gesagt: Es gilt hier meiner Meinung nach ohnehin das Recht des Ursprungslandes.

Neben den rechtlichen gibt es auch noch moralische Aspekte, die man nicht außer Acht lassen sollte. Es ist möglich, dass ein Leser den Film kennt und dir auf irgendeiner Rezensionsplattform ein Plagiat vorwirft. Den eventuell darauffolgenden Shitstorm muss man erst einmal nervlich aushalten können, um sich auf solch ein Abenteuer einzulassen. Gerade als Selfpublisher kann man eher nicht auf Milde hoffen. Ich würde aus diesem Grund von einer 1:1 Nacherzählung mit lediglich neuem Setting und anderen Namen abraten und mir an deiner Stelle etwas Neues ausdenken und höchstens einzelne Elemente, die keine besondere Schöpfungshöhe aufweisen, stark verändert einarbeiten.

Gruß,
Monika
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

Benutzeravatar
mtg
Beiträge: 5531
Registriert: 20.01.2010, 09:59
Wohnort: Berlin

Re: Alter Film als Buch?

von mtg (17.06.2017, 08:11)
Die rechtliche Lage ist wahrscheinlich vergleichbar mit der Idee, einen Filmstoff erneut zu verwenden (Remake). Du solltest Dich an die Produktionsfirma wenden (suche mal unter www.imdb.com).

Benutzeravatar
Thorsten Schmidt
Beiträge: 79
Registriert: 04.06.2017, 11:45
Wohnort: Westerwald

Re: Alter Film als Buch?

von Thorsten Schmidt (17.06.2017, 10:12)
Monika K. hat geschrieben:
Neben den rechtlichen gibt es auch noch moralische Aspekte, die man nicht außer Acht lassen sollte. Es ist möglich, dass ein Leser den Film kennt und dir auf irgendeiner Rezensionsplattform ein Plagiat vorwirft.


Ich hatte nicht vor, das als meine Idee zu verkaufen. Vielmehr hatte ich daran gedacht, im Nachwort expressis verbis den Film zu benennen und die Gründe, die mich zum Buch bewegt haben, zu erläutern. Eine offene Hommage quasi.

Aber dein Einwand hat vieles für sich. Ich werde mal darüber nachdenken.

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5720
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re: Alter Film als Buch?

von Siegfried (17.06.2017, 14:41)
Thorsten Schmidt hat geschrieben:
Vielmehr hatte ich daran gedacht, im Nachwort expressis verbis den Film zu benennen und die Gründe, die mich zum Buch bewegt haben, zu erläutern.


Genau das würde ich auf gar keinen Fall machen. Wenn man durch einen Film o. ä. zu einem eigenen Buch angeregt wird, dann sollte man den eigenen Text möglichst weit weg von der Vorlage aufsetzen.

Nur mal ein paar Beispiele:

Berlin, Gegenwart. Ein türkischstämmiger Junge verliebt sich in ein Mädchen aus erzkatholischem Hause. Sie können sich immer nur heimlich treffen. Irgendwann gerät der Junge mit seiner Clique durch einen dummen Zufall in Konflikt mit der Polizei. Eigentlich müsste er jetzt bei Verwandten untertauchen, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Er will aber nicht gehen - denn da ist ja seine große Liebe. Und ausgerechnet jetzt fliegt das Geheimnis der beiden auf. Seine Eltern wollen ihn jetzt sogar zurück in die Türkei schicken, ihre Eltern sehen in ihrer eigenen Tochter ein "gefallenes Mädchen" und wollen sie in ein kirchliches Internat abschieben. Die beiden Liebenden wollen aus ihren jeweiligen gesellschaftlichen Gruppe ausbrechen und fliehen, sterben aber bei einem - eventuell bewusst herbeigeführten - Verkehrsunfall.

So, was ist das jetzt? Ein Roman, abgeschrieben von der "West Side Story"? Oder doch nur eine Kopie von "Romeo und Julis"? Wer klagt gegen dieses Buch? Die Rechtsnachfolger von Leonard Bernstein? Oder die Produktionsgesellschaft United Artists/Mirisch Company des Filmes von 1961? Oder die Shakespeare-Company aus Großbritannien?

Anderes Beispiel:

Deutschland, heute. Sie ist ein junges Flüchtlingsmädchen, das über das Mittelmeer nach Deutschland geflohen ist. Sie spricht kein Deutsch, kann nicht Lesen und Schreiben und mit dem Rechnen ist es auch nicht sehr weit her. Sie gerät an einen Mann, der sie - neben einigen anderen Flüchtlingen - unterrichten soll. Sehr schnell erkennt der Mann, dass das Mädchen ausgesprochen intelligent ist. Sie erlernt die Sprache, Schreiben, Lesen und erwirkt zudem auch jede Menge Kenntnisse über Kultur und gesellschaftliche Regeln. Der Mann fördert das Mädchen nach Kräften und will ihr ein neues, gutes Leben ermöglichen. Er geht mit ihr zu allen mögichen gesellschaftlichen Ereignisse und sucht für sie einen Einstieg in einen Beruf. Was beide erst spät feststellen: Sie haben sich ineinander verliebt. Ist ihre Beziehung für ihn gesellschaftlich durchzustehen? Wird sie durch diese Liebe von ihrem eigenen, selbstbestimmten Leben abgehalten?



Auch hier die Frage: Droht eine Plagiatsklage, weil das Buch - mit einem anderen Setting - die Geschichte von "My Fair Lady" nacherzählt? Oder ist diese Geschichte ein Rechtsverstoß gegenüber George Bernard Shaws "Pygmalion"?

Im Prinzip sind die Geschichten, die wir heute schreiben, im Kern alle längst erzählt worden. Damit wären alle Geschichten Plagiate. Meiner Meinung nach macht die individuelle Sicht auf das Kernthema und damit die eigene Ausführung der Geschichte einen Text einzigartig. Exaktes Abschreiben, etwa von Dialogen o. ä., ist natürlich nie gut.
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // alle Preise zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Benutzeravatar
Thorsten Schmidt
Beiträge: 79
Registriert: 04.06.2017, 11:45
Wohnort: Westerwald

Re: Alter Film als Buch?

von Thorsten Schmidt (17.06.2017, 15:16)
Siegfried hat geschrieben:
Exaktes Abschreiben, etwa von Dialogen o. ä., ist natürlich nie gut.


Das hatte ich ohnehin nicht vor.
Aber deine Ausführungen enthalten zwingende Argumente. Danke dafür!

Zurück zu „Rechtliches, Verträge und Co.“


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste

Über BoD

BoD™ ist die führende deutsche Self-Publishing-Plattform. Seit mehr als 20 Jahren sind wir die Anlaufstelle für das einfache, schnelle und verlagsunabhängige Veröffentlichen von Büchern und E-Books. Bereits mehr als 40.000 Autoren haben sich mit uns den Traum vom eigenen Buch erfüllt.