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Loxagon
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Ich bitte um Feedback

von Loxagon (16.08.2017, 13:56)
Da ich stark vermute, dass der Text (ich bin noch ganz am Anfang) einige Macken hat ... frage ich einfach mal nach, was man verbessern könnte und muss:

Im Manuskript sieht das natürlich besser als hier ... hier im Forum ist es leider eine "Wand of Text"

Seid ruhig gnadenlos, denn ich will natürlich besser werden. Und es geht mir jetzt nicht um Tippfehler (die sicherlich noch genug vorhanden sind) sondern eher um den Stil, welche Sätze besser anders geschrieben sein müssten.


Sandra van Berg hatte ein Problem. Die junge Frau von dreiundzwanzig Jahren, welche nach Meinung ihrer Familie und Freunde durchaus jeden Schönheitswettbewerb gewinnen könnte, hatte sehr große Schulden. Regelmäßig seufzte ihr Schuldenberater, und sah aus, als würde er am liebsten auf eines der Iduna-Hochhäuser der Stadt steigen und sich dann, von ganz oben, runterstürzen. Denn egal was Sandra auch tat – der Schuldenberg wuchs munter weiter, als sei er ein Pilz, der über Nacht in die Höhe schoss. Aber das war nicht länger das Problem Sandras und auch ihr Schuldenberater würde in Zukunft andere Probleme zu wälzen haben. Denn Sandras Problem war auch das Problem der Polizei, vor allem das von Kommissar Martin Hansen. Sandra van Berg war tot. So tot, wie jemand, der ermordet worden war, nur sein konnte. So ermordet, wie jemand nur sein konnte, um dessen Hände ein Strick gebunden war, und in dessen Hals ein langes Messer steckte. Der Strick war Beweis genug, dass ein Selbstmord unmöglich sein würde. Zumal auf dem Messer keinerlei Fingerabdrücke des Opfers vorzufinden waren, nur Blut und einige Spuren eines Reinigungsmittels. Scheinbar war das Messer frisch aus der Spülmaschine.
»Na, immerhin ...«, hatte der Amtsarzt gemeint, »... ist sie mit einem sauberen Messer ermordet worden. Wobei Ihnen das Arbeit machen wird. Denn Selbstmord ... nönönönöööö ... geht schlecht, wenn man keine Abdrücke hinterlässt. Es sei denn sie hätte Handschuhe getragen, aber ich sehe keine. Ergo: Mord.«
Dr. Herzog liebte es lange drum rum zu reden, als würde er ganze Bücher mit nur einer Aussage füllen wollen. Sandra lag, so tot wie man nur sein konnte, auf dem Küchenboden. Und dieser war voller Blut.
Wenn das die Putzfrau sieht, fällt sie direkt tot um!, dachte der Kommissar und seufzte.
»Gibt es Tatverdächtige?«
Der Arzt kicherte.
»Laut den Nachbarn: nönönönöööö! Diese Frau soll sehr beliebt gewesen sein. Keine Feinde, keine Neider, keine Gegner. Und das ist seltsam. Jeder hat Neider! Und von alleine ermordet sich ein Mordopfer auch nicht. Es sei denn, wir wären in einem Horrorfilm. Aber so einen Mumpitz gibt es ja nicht.«
Das mit dem Mumpitz sah jeder Zombie natürlich ganz anders, aber das soll nicht hierher gehören.
»Es fehlt faktisch nur noch die Heiligsprechung aus Rom, so beliebt war sie angeblich!«
»So beliebt ist niemand! Und Rom hat besseres zu tun, als eine Frau aus unserer ziemlich toten Stadt heilig zu sprechen.«

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Hannelore Goos
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Re: Ich bitte um Feedback

von Hannelore Goos (16.08.2017, 16:58)
Loxagon hat geschrieben:
Denn egal was Sandra auch tat – der Schuldenberg wuchs munter weiter, als sei er ein Pilz, der über Nacht in die Höhe schoss.

Das Bild stimmt nicht. Der Schuldenberg ist ja nicht über Nacht gekommen, sondern kontinuierlich gewachsen. Also wie ein Hefeteig im warmen Ofen (ist auch kein Superbild, vielleicht fällt dir etwas Besseres ein)

Loxagon hat geschrieben:
Der Strick war Beweis genug, dass ein Selbstmord unmöglich sein würde.

Die Zeit stimmt nicht, denn der Mord ist ja schon passiert. Lösung z.B. "... , dass ein Selbstmord unmöglich stattgefunden haben konnte." (Immer den Satz im Hinterkopf "Das Deutsche ist eine Sprache ohne <<würde>>", also vermeiden, wo es geht.
Loxagon hat geschrieben:
Sandra lag, so tot wie man nur sein konnte, auf dem Küchenboden. Und dieser war voller Blut.
Wenn das die Putzfrau sieht, fällt sie direkt tot um!, dachte der Kommissar und seufzte.

Zweimal "tot" kurz hintereinander. Das Ausrufungszeichen kann weg.

Loxagon hat geschrieben:
Das mit dem Mumpitz sah jeder Zombie natürlich ganz anders, aber das soll nicht hierher gehören
Falsche Zeit/Verbform. "Das sähe jeder Zombie . . ." (Konjunktiv)

Gruß
Hannelore
Gefährlich sind nicht dumme Menschen. Gefährlich sind intelligente Menschen mit dummen Ideen (Alex Jahnke)

Loxagon
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Re: Ich bitte um Feedback

von Loxagon (16.08.2017, 17:47)
Danke dir.

Dass man das Wort "würde" vermeiden soll (als Verb, nicht "Die Würde") habe ich bisher nie gehört. Aber nun gut, man lernt ja gern neues. Und ja ... die Zeitformen ... ich habe es einfach nicht gesehen. Aber als "Laie" bin ich froh, dass auch Profis immer wieder sagen, dass sie eigene Fehler nie sehen.

Das ganze soll am Ende eine Art "Regionaler Schmunzelkrimi" werden. Derzeit planen wir (also meine Mitautorin und ich) jeder einen Band. Wohin die Reise am Ende geht, wissen wir noch gar nicht. Wir wissen wieso der Mörder gemordet hat ... und der Rest? Ergibt sich halt. Und natürlich wissen wir, dass es alles in unserer Heimatstadt spielt.

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Siegfried
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Re: Ich bitte um Feedback

von Siegfried (16.08.2017, 18:00)
Hi, Loxagon!

Da du um Schmerzen bettelst cheezygrin , hier meine Eindrücke von diesem Textschnipsel:

Der Anfang des Textes schickt mich als Leser in eine falsche Erwartungshaltung. Nun soll es Leute geben, die genau das beabsichtigen bzw. die so etwas gut finden. Ich nicht. Schon gar nicht, wenn so eine Irreführung gleich zu Beginn des Textes stattfindet.

Loxagon hat geschrieben:
Sandra van Berg hatte ein Problem. Die junge Frau von dreiundzwanzig Jahren, welche nach Meinung ihrer Familie und Freunde durchaus jeden Schönheitswettbewerb gewinnen könnte, hatte sehr große Schulden. Regelmäßig seufzte ihr Schuldenberater, und sah aus, als würde er am liebsten auf eines der Iduna-Hochhäuser der Stadt steigen und sich dann, von ganz oben, runterstürzen. Denn egal was Sandra auch tat – der Schuldenberg wuchs munter weiter, als sei er ein Pilz, der über Nacht in die Höhe schoss. Aber das war nicht länger das Problem Sandras und auch ihr Schuldenberater würde in Zukunft andere Probleme zu wälzen haben. Denn Sandras Problem war auch das Problem der Polizei, vor allem das von Kommissar Martin Hansen. Sandra van Berg war tot.


Dieser Text schickt mich in die Erwartungshaltung, dass es hier um eine Frau geht, die wegen ihrer Schulden in Schwierigkeiten kommt. Für die ich also in einer bestimmten Form Mitgefühl entwickeln soll. Der letzte Satz zeigt mir aber, dass mindestens die Hälfte des Textes mich anlügt. Denn Sandra von Berg hat kein Problem mehr. Sie hat auch keine Schulden mehr. Ihre Schulden wachsen nicht mehr usw. usw. usw. Und wenn jemand tot ist, hat er auch kein Problem damit. Tot ist nämlich tot.

Wenn also die finanzielle Situation der Ermordeten von Bedeutung ist, dann würde ich die Probleme Sandras nicht als positiv existent darstellen, sondern genau umgekehrt.

Sandra von Berg hatte keine Probleme mehr. Jetzt nicht und auch nicht in der Zukunft. Ihre Schulden - egal. Der regelmäßige Ärger mit dem Schuldenberater - vorbei. Die allmorgendliche Sorge um das eigene gute Aussehen - dahin. Denn Sandra von Berg war tot. Sie war so tot, wie man nur sein konnte. Und das mit dreiundzwanzig.


Nächstes Problem: Mir wird aus diesem Textschnipsel nicht klar, aus wessen Perspektive die Geschichte erzählt wird. Momentan ist alles eine Beschreibung aus Sicht einer Kamera, die oben über der Szenerie aufgehängt ist. Was geschieht, wird wie in einem Bericht geschildert, aber nicht perspektivisch erzählt. Das ändert sich - ansatzweise - erst mit dem inneren Monolog des Kommissars.

Also: Die tote Sandra nicht aus einer neutralen Perspektive beschreiben, sondern - mitsamt Gedanken und Gefühle - aus Sicht des Kommissars. Und immer daran denken: Ein Mensch "sieht" nicht nur, er "riecht, hört, schmeckt und fühlt" auch. Eine Szene kann auch mit allen fünf Sinnen eines Menschen dargestellt werden.

Kommissar Martin Hansen betrachtete die Tote vor ihm. Die junge Frau war an den Händen gefesselt. Quer in ihrem Hals steckte ein langes Küchenmesser. Für einen Augenblick glaubte Hansen, das Blut der Toten zu riechen, das sich auf dem Boden in einer großen Lache ausgebreitet hatte. Ein ekelhafter Geruch. Hansen schüttelte sich unwillkürlich. Dann kniete er sich nieder und streckte die Hand aus. Vorsichtig berührte er die Handgelenke der Toten. Kalt. Die Frau war kalt. Hansens Finger strichen über das raue Hanfseil, mit dem die Tote gefesselt worden war. Was für ein Vieh hat diese schöne Frau umgebracht, fragte er sich stumm.

Hansen wandte sich dem Arzt zu. "Und, Dr. Herzog? Was können Sie mir sagen?"

"Nicht viel. Sie ist etwa acht Stunden tot. Die Leichenstarre ist voll ausgeprägt. Und es handelt sich definitiv nicht um Selbstmord."

Hansen sah auf. "Ach ja?"

"Ja", antwortete Dr. Herzog. "Oder das hier ist der intelligenteste Selbstmord aller Zeiten."

Idiot, rannte es quer durch Hansens Schädel. Warum muss ich immer mit solchen Trotteln zusammenarbeiten?

"Da wir ja nun wissen, dass wir es nicht mit einem Selbstmord zu tun haben", sagte Hansen bissig, "sollten wir uns überlegen, wer einen Grund hat, diese Frau auf so grässliche Weise zu ermorden."

Dr. Herzog deutete mit der Hand auf das Messer. "Die Jungs von der Spurensicherung haben am Messer keine Fingerabdrücke gefunden. Nichts, gar nichts. Nur ein paar Reste eines Reinigungsmittels. Als wenn das Messer direkt aus der Spülmaschine gekommen wäre."

"Gibt es Tatverdächtige?" Hansen blickte sich nach seinen Kollegen um.

Dr. Herzog schüttelte den Kopf und kicherte. Hansen sah den Mediziner lange und nachdenklich an. Der gehört doch in die Landesklinik, dachte er.

"Das Opfer soll bei den Nachbarn sehr beliebt gewesen sein", fuhr Dr. Herzog fort. "Keine Feinde, keine Neider, keine Gegner. Eigentlich komisch. Jeder hat doch Neider. Selbst ich!" Wieder kicherte er. "Vielleicht haben wir es hier mit einer Heiligen zu tun."

Hansen erhob sich. "Keine Feinde, keine Neider, keine Gegner", wiederholte er. "Mindestens ein Mensch hat diese Frau aber so sehr gehasst, dass er ihr ein Messer in den Hals gejagt hat."

"Richtig"; sagte Dr. Herzog. "Denn es ist ja eindeutig kein Selbstmord!"

Jetzt sah Hansen den Arzt böse an. "Verschwinden Sie!", zischte er.


So in etwa könnte das aussehen. Aber nur in etwa. cheezygrin
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