Welt-Oikos - Okumene und das Primat der oekonomischen Vernunft

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Franz Sternbald
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Welt-Oikos - Okumene und das Primat der oekonomischen Vernunft

von Franz Sternbald (04.11.2017, 14:31)
Auszug "Das pyramidale Prinzip 2.0", von Franz Sternbald:

... Bei der Beantwortung der Frage nach den zugrunde liegenden Zwecken und Absichten, bleibt als Resultat ein entschiedenes Unbehagen in Bezug auf den Charakter der ‚Pyramide’, wie er sich bereits mit seinen Zumutungen auf persönliche Lebensbereiche auswirkt. Insbesondere lohnt sich ein kritisches Ohr auf die ‚pyramidale’ Sprachregelung in den offiziellen Verlautbarungen. Jede Instanz formuliert auf eine ihr charakteristische Weise die Selbstvergewisserung seiner Existenzberechtigung, sowie die Begründung für den ausgreifenden Anspruch seiner Deutungsmuster auf alle Lebensbereiche.
Um das Denken innerhalb der Kategorien der ‚Pyramide’ zu halten, muß die Anwendung sprachlicher Mittel in allen Stilen, den Geist der ‚Pyramide’ transportieren.
Im Rahmen des menschlichen Bewußtseins, wird es z.B. immer unnachvollziehbar sein, sich das Bewußtsein einer Fledermaus zu vergegenwärtigen. Bei diesem Versuch käme man nur bis zu dem Ergebnis eines Menschen, der ‚glaubt’ eine Fledermaus zu sein, also zu einem lächerlich wirkenden, im Grunde tragischen Wahn von der Möglichkeit, die Grenze des Eigenbewußten überschreiten zu können. Als, in ähnlicher Weise lächerlicher Wahnwitz, wird, im Rahmen der vorherrschenden Verfassung der ‚pyramidalen’ Machtverhältnisse, die Frage nach einer Alternative angesehen.
Die Gesetzmäßigkeiten des Ökonomischen, nach denen der homo oeconomicus zwangsläufig handeln müsse, zu den Naturgesetzlichkeiten zu rechnen, heißt die Tatsache zu unterschlagen, daß das menschliche Handeln nicht in einem rein kalkulierbaren Rahmen gehalten werden kann. Was in den Naturwissenschaften längst anerkannte Tatsache ist, nämlich die nur auf Wahrscheinlichkeit bestimmbare Nichtlinearität in sog. ‚chaotischen’ Prozessen, kann weder in der Mikro- noch Makroökonomie zu befriedigenden Ertragsaussichten führen. Denn gerade im deterministischen Chaos der quasistabilen Vorgänge nach dem Prinzip des Schmetterlingseffekts (kleinste Ursache mit u.U. globaler Wirkung), liegt ein unverfügbar anarchistisches Potential zugrunde. Die Wirkmächtigkeit von menschlichen „Machenschaften“ erhebt sich längst über die ursprünglichen Gründe des „Seins“. Immer schafft der Mensch mit seiner Tat auch die Tatsachen mit denen er leben muß, und baut sich den Käfig seiner Vorstellung nach Kräften selbst. Er lebt also mit dem unauflöslichen Widerspruch, einer offenen Zukunft, vor der der Schleier seiner gegenwärtigen Erkenntnis liegt, und der zukünftigen Bestimmung der Konsequenzen seines gegenwärtigen Handelns.
Der ökonomische Mensch ist eine eindimensionale Verkürzung auf die Lebensform als Bündel von Bedürfnisparametern zur besseren Kalkulierbarkeit seines Handels in einem ihm aufgenötigten System, als wenn das Koordinatensystem des Kalküls nicht selbst im beständigen Wandel begriffen wäre, und damit seine Prämissen. Das Experiment bestätigt sinngemäß im Ergebnis nur die Bedingungen, unter denen der Menschenversuch der geldbasierten Tauschwirtschaft zuvor angelegt worden ist. Ein Denken außerhalb dieses willkürlichen Koordinatensystems scheint so wenig möglich zu sein, wie eine Welt vorstellbar ist, in der eine andere Physik herrscht. Daher rührt auch die Gleichsetzung der Ökonomie als ‚Naturwissenschaft’, obwohl sie wesentlich eine scholastische Theologie ist. Auf die axiomatische Begrifflichkeit der geldbasierten Ökonomie ist gewissermaßen das noch zu überwindende ‚ptolemäische’ Weltbild der Neuzeit gestützt....


ceterum: Charles Baudelaire schrieb einst an das Lektorat seines Verlegers: "Hände weg von meinem Komma! Wenn Ihnen die Setzung des Kommas nicht paßt, streichen Sie den ganzen Absatz, nur rühren Sie mein Komma nicht an! Es hat seine Existenzberechtigung."

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