Wem nützt die Kunst?

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Franz Sternbald
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Registriert: 19.09.2017, 11:17

Wem nützt die Kunst?

von Franz Sternbald (18.12.2017, 11:09)
aus dem Buch "Das pyramidale Prinzip 2.0" von Franz Sternbald

"...
In akademischen Künstlerkreisen wird wohl noch die Illusion des ‚freien Werks’ gepflegt, ohne sich dabei einzugestehen, daß „Kunst“ sich lukrativ nur am spekulativen Kunstmarkt behaupten kann. Der sogenannte freie Künstler ist aber stets in der prekären Lage, sich die Existenz zusätzlich mit berechenbarer, also unkreativer, Beschäftigung zu sichern (es sei denn, er stützt sich auf bereits vorhandenes familiäres Vermögen).
In dieser Weise unter das Joch der Verwertung innerhalb der Unterhaltungsindustrie gespannt, wird der Kunst die Rechtfertigung in Kategorien des Nutzens abverlangt. Die Unterteilung der künstlerischen Produktivität in high brow und low brow, sorgt dafür, daß das Kunstwerk seinen Wert aus der Schicht seiner Konsumententen zugewiesen bekommt. Als Abendunterhaltung zum Abschluß des wertschöpfenden Werktages (after work-Event), liegt ihr Dienst entweder im Herunterkühlen (chillen) der manischen Übertourigkeit, oder im nervenzerrüttenden Kitzel der ansonsten zu einer Rührung und Bewegung unfähiger Seelen. Dies besorgt die Skandalinszenierung von Theater und Oper.
Die Künstlerexistenz als Berufung gelingt allenfalls in der Personalunion als Performer und Promoter seines Werkes. Eine Sentenz von Nietzsche lautete sinngemäß: „Wenn das Werk spricht, soll sein Schöpfer schweigen!“. Wollte man dies konsequent befolgen, wäre an ein Auskommen nicht zu denken, denn es gilt: „Wer nicht wirbt, der stirbt!“. Somit liegt die Triebfeder nicht mehr im Willen zum Ausdruck, sondern in der Sorge um den Eindruck. Was einst als herausragende Einzelleistung ins Leben getreten war, sei es eine symphonische Dichtung, oder ein Roman, mußte sich zu seiner Zeit oft den Vorwurf der Unvermittelbarkeit ausgesetzt sehen. Das ist allemal das Schicksal des Unzeitgemäßen, daß es erst für künftige Augen und Ohren geschaffen ist. Der Künstler kann als Erzieher deshalb auch Avantgarde eines kommenden Geschlechts sein. Eine solche Äußerung muß allerdings in einer Zeit des nivellierenden Mittelmaßes anmaßend klingen. Durch die Abnutzung als Phrase von der Werbeindustrie, ist der Begriff der künstlerischen Avantgarde, von den ursprünglich tragischen Begleitumständen bereinigt worden. Der Erfolg der Kunst ist Teil der Kunst selbst geworden. Die Existenzform eines Franz Schubert oder Beethoven, muß unserer Zeit wesentlich unverständlich bleiben, bei aller Beteuerung der kulturbeflissenen Wertschätzung
In einem Akt der Aufhebung der ‚pyramidalen’ Wirtschaftsordnung, wäre es infolge dessen konsequent, den künstlerisch Tätigen vollständig vom ökonomischen Sachzwang freizustellen, wo es ihm nicht möglich ist Gebrauchswerk und Kunstwerk in seinem Leben zu vereinen. Eine vollständige Entbindung von der nutzenethischen Rechtfertigung der Künstlerexistenz ist ein Kulturauftrag, der vielleicht überhaupt erst nach der Überwindung der Plutokratie möglich. ..."

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