Verrückte Tage

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DerToteDichter
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Verrückte Tage

von DerToteDichter (12.02.2008, 14:12)
Nebel zieht durch die Gassen der Trauer und Not,
Eine finstere Zeit hat uns fest im Griff.
Leichen im Keller, Leichen im Kot,
Der blutrote Himmel, er weint bitterlich!

Wölfe mit Gewehren aus Asche und Blut,
Sie sind unsre Herrscher, unterdrücken uns.
Geranien durchwuchern Gebäude aus Stahl,
Sie preisen, verehren den allmächtigen Baal.

Hellden gefallen, begraben und tot.
Sie bekämpften Moloch, bezahlten mit Blut.
Der Tote ist mächtig, ihn nähret die Glut.
Kinder betteln und betteln um ein Stückchen Brot.

Edit: (ohne Reim)

Nebel zieht durch die Gassen der Trauer und Not,
Eine finstere Zeit hat uns fest im Griff.
Leichen im Keller, Leichen im Hof,
Der blutrote Himmel, er weint bitterlich!

Wölfe mit Gewehren aus Asche und Tod,
Sie sind unsre Herrscher, Aufstand unmöglich.
Geranien durchwuchern Gebäude aus Stahl,
Sie preisen, verehren den mächtigen Baal.

Helden sind gefallen, begraben und tot.
Sie bekämpften Moloch, bezahlten mit Blut.
Der Tote ist mächtig, ihn nähret der Mief.
Kinder betteln um Leben, gezeichnet durch Not.
Zuletzt geändert von DerToteDichter am 13.02.2008, 10:55, insgesamt 4-mal geändert.

Weasel

Re:

von Weasel (12.02.2008, 14:18)
Deine Werke erinnern mich immer häufiger an das expressionistische Jahrzehnt (Wolfenstein, Heym und Co).

Gruß Weasel

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arno63
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Re:

von arno63 (12.02.2008, 16:20)
Hallo, toter Dichter

das ist einfach zu dicke aufgetragen.

Außerdem sind manche heftigen Bilder nicht nachzuvollziehen: "Gewehre aus Asche und Blut"??? "Geranien" können nicht wuchern. Man stellt sich die Balkonblumen vor und schon ist das "Bild" lächerlich.
Der "Baal" ist auch nur für die jüdische Überlieferung ein böser Gott.

Wieso ist "der Tote" plötzlich mächtig, wo doch alles darnieder liegt?

Außerdem: Wenn schon Reime, dann durchgängig nach einem Plan, gilt ebenso für den Rhythmus in den Versen.
Manche haben eine so dicke Haut, dass sie ohne Rückgrat aufrecht stehen können.

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DerToteDichter
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Re:

von DerToteDichter (12.02.2008, 16:31)
Geranien stehen für die Spießergesellschaft, die alles überwuchert. Die Asche und das Blut riefen die Gewehre hervor. Und Baal finde ist eben ein jüdisches Bild, das hier verwendet wird. Von daher finde ich es schon schlüssig, also ich fands gut. Dadurch, dass sich die Reime immer abwechseln wollte ich die Verrücktheit darstellen und dass es in unserer Welt keinen Plan und kein System mehr gibt. Der mächtige Tote ist Moloch.

Grüße,

Philipp

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arno63
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Re:

von arno63 (12.02.2008, 19:23)
Na, dann ist einiges geklärt.

Da das Ganze ja so eine Art Apokalypse ist - soll das fiktiv sein oder meinst du mit "uns" die Gegenwart? Da wüsste ich gar nicht, wieso das zutreffen sollte - außer vielleicht die vergangenen Weltkriege.
Manche haben eine so dicke Haut, dass sie ohne Rückgrat aufrecht stehen können.

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DerToteDichter
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Re:

von DerToteDichter (12.02.2008, 19:34)
Das muss dir überlassen sein, was damit gemeint ist ;)
Ich liebe diese Welt nicht. Ich liebe sie ganz entschieden nicht. Die Gesellschaft, in der ich lebe, widert mich an. (Houellebecq)

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (12.02.2008, 20:18)
Hallo Philipp,

was treibt dich, so zu schreiben? Ich lese daraus einen großen Pessimismus, viel Traurigkeit!
ES gibt viel dichterische / künstlerische Freiheit - dennoch würde ich dir empfehlen, entweder treffend zu reimen oder das Reimen zu unterlassen, es klingt einiges etwas gequält und ich sehe keinen Rhythmus. Vielleicht gelingt dir deine Aussage besser und treffender, wenn du dich vom Reimen lossagst?

Die Traurigkeit, die dein Gedicht vermittelt, tut schon weh!

Gruß
Maryanne
NEU: Die Baumwollfarmerin. Roman

Weasel

Re:

von Weasel (12.02.2008, 20:53)
Also, mir gefällt dieses Gedicht...die Nilder sind sehr kraftvoll und die pessimistische Haltung des Autor kommt gut rüber...

@ Haifischfrau: meiner Meinung nach können Gedichte ruhig auch negative Gefühle rüberbringen, Gedicht sind ja da, die Gefühle des Autors zu verdeutlichen, egal ob das schöne oder schlechte Gefühle sind.

Und um noch einmal auf meinen ersten Kommentar zurückzukommen, hier ist eins der expressionistischen Gedichte, die ich meinte:

1 Auf einem Häuserblocke sitzt er breit.
2 Die Winde lagern schwarz um seine Stirn.
3 Er schaut voll Wut, wo fern in Einsamkeit
4 die letzten Häuser in das Land verirr’n.

5 Vom Abend glänzt der rote Bauch dem Baal,
6 die großen Städte knieen um ihn her.
7 Der Kirchenglocken ungeheure Zahl
8 wogt auf zu ihm aus schwarzer Türme Meer.

9 Wie Korybanten-Tanz1 dröhnt die Musik
10 der Millionen durch die Straßen laut.
11 Der Schlote Rauch, die Wolken der Fabrik
12 ziehn auf zu ihm, wie Duft von Weihrauch blaut.

13 Das Wetter schwelt in seinen Augenbrauen.
14 Der dunkle Abend wird in Nacht betäubt.
15 Die Stürme flattern, die wie Geier schauen
16 von seinem Haupthaar, das im Zorne sträubt.

17 Er streckt ins Dunkle seine Fleischerfaust.
18 Er schüttelt sie. Ein Meer von Feuer jagt
19 durch eine Straße. Und der Glutqualm braust
20 und frißt sie auf, bis spät der Morgen tagt.

ist von Georg Heym. Du scheinst die gleiche Auffassung zu vertreten wie die Dichter des Expressionismus (Die Gesellschaft wird zu Grunde gehen, alles ist böse, der Verlust des Individuellen, bla, bla, bla)

Aber wie gesagt, mach weiter so, mir gefällts! thumbbup

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DerToteDichter
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Re:

von DerToteDichter (13.02.2008, 09:16)
Thx für eure Kommentare Weasel und Haifischfrau. Es war auch mein erstes Gedicht, das sich gereimt haben sollte :). Normalerweise reimen sie sich nicht, was mir persönlich auch besser gefällt.

Es sollte so eine Art Apokalypse sein, hoffe, das ist mir gelungen.
Ich liebe diese Welt nicht. Ich liebe sie ganz entschieden nicht. Die Gesellschaft, in der ich lebe, widert mich an. (Houellebecq)

Weasel

Re:

von Weasel (13.02.2008, 10:17)
Zur überarbeiteten Form:

Ich finde, folgende zwei Verse passen noch nicht ganz (rein von der Melodie her):

Sie sind unsre Herrscher, kein Aufstand möglich.

und

Kinder betteln um Leben und werden verbrannt.

aber ansonsten ist dir die Apocalypse super gelungen thumbbup

hwg
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Re:

von hwg (13.02.2008, 10:28)
Viele Poeten haben etwas gegen gereimte Verse.
Dabei erfordert gerade diese Schreibart viel
sprachliche Disziplin. Diese geht mir bei etlichen
Gedichten in "freier Form" oft ab. Phantasiereiche
Formulierungen sind ja gut und schön, doch wenn
das Gedicht so ganz ohne Rhythmus "daherkommt",
fällte es m i r schwer, es gut zu finden.

Damit ist jedoch keine Kritik an die hier geposteten
Gedicht verbunden. Meine Zeilen sind bloß eine all-
gemein gehaltene Überlegung.

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DerToteDichter
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Re:

von DerToteDichter (13.02.2008, 10:56)
So, habs nochmal verbessert. Ist es besser so?
Ich liebe diese Welt nicht. Ich liebe sie ganz entschieden nicht. Die Gesellschaft, in der ich lebe, widert mich an. (Houellebecq)

Weasel

Re:

von Weasel (13.02.2008, 11:26)
thumbbup

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