2035-Ein Leben 15 Jahre nach COVID 19

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Jörg Galda
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2035-Ein Leben 15 Jahre nach COVID 19

von Jörg Galda (19.05.2021, 11:31)
Einen freundlichen Gruß an alle Forianer, Mitautoren, Leseratten und mitleidende Debütautoren, die wie ich mit Spannung erwarten, ob jemand ihr Buch lesen möchte.

Endlich ist es soweit! Mein erster Roman ist ab sofort verfügbar.

Schon beim Lesen des Titels wird der eine oder andere die Augen verdrehen, weil es schon wieder um Corona geht. Stimmt!
Mein Roman spielt im Jahr 2035 und bis dahin hat sich die Welt gewaltig verändert. Mein Protagonist „Grizzly“ lebt in einem kleinen Haus am Rande des Thüringer Waldes und hat sich gegen alle Widrigkeiten durchgesetzt und bis hierher überlebt. Es gibt keinen Strom, kein fließendes Wasser und auch keinerlei Geschäfte mehr. Er baut den Sommer über Getreide, Obst und Gemüse an und er geht zur Jagd. Auch an seinem Geburtstag, dem 14. Januar 2035 geht er hinaus in die Kälte, um seine Fallen zu kontrollieren und sein Glück bei der Jagd herauszufordern.
Rückblickend erfährt man, wie sich der Protagonist in den letzten fünfzehn Jahren durchgeschlagen hat. Natürlich berichtet er auch, wie sich die Pandemie im Laufe der Zeit entwickelt und die Welt verändert hat. Vom Zusammenbruch des Föderalismus, den ersten Stromausfällen und deren Konsequenzen sowie viele weitere Veränderungen, die es im Laufe der Jahre gegeben hat.

Mein Buch unterstützt keinerlei Verschwörungstheorien und ist auch keine düstere Endzeitgeschichte. Es erzählt einfach nur eine mögliche nahe Zukunft aus Sicht des Protagonisten.

Es würde mich freuen, wenn der eine oder andere Lockdown geschädigte Buchliebhaber sich trotz der Thematik noch zur Lektüre meines Buches hinreißen ließe.
Natürlich würde ich mich auch sehr über Rückmeldungen und Kommentare freuen.

Nachfolgend füge ich den Link zum Buch im BoD Shop und eine Leseprobe ein.

Schon jetzt besten Dank für Eure Aufmerksamkeit

Jörg Galda

https://www.bod.de/buchshop/2035-joerg- ... 3753472713

Leseprobe:

1. Geburtstagskaffee
Es ist noch früh am Morgen vermutlich ungefähr 6:00 Uhr. Draußen ist es noch sehr dunkel, das kann ich durch mein kleines Fenster zum Garten hin gut gesehen.
Schon immer war ich ein Frühaufsteher, lange schlafen liegt mir offenbar nicht im Blut. Heute sollte der 14. Januar 2035 sein und damit mein 65. Geburtstag. Tatsächlich weiß ich es jedoch nicht wirklich genau. Im Grunde genommen spielt die Uhrzeit und auch das Datum schon lange keine wichtige Rolle mehr, aber ich bin ein Mensch der Rituale braucht. So ist eines meiner Rituale am Morgen meines Geburtstags, dass ich mir eine Tasse Kaffee aufbrühe.
Ich öffne heute mein letztes Paket Kaffee. Beim Aufschneiden der Vakuumverpackung vernehme ich sofort den angenehmen Duft des gemahlenen Kaffees. Das aufgedruckte Mindesthaltbarkeitsdatum zeigt 02/2026. Es ist also bereits seit etwa neun Jahren überschritten. In den letzten Jahren habe ich jedoch festgestellt, dass diese Überschreitung des Mindesthaltbarkeitsdatums keinerlei Einfluss auf die Genießbarkeit des Kaffees hat. Allerdings hat das Aroma wohl nicht mehr denselben, kräftigen Charakter, den es noch vor zehn Jahren hatte. Also nehme ich zwei Löffel des Kaffees und gebe sie in mein Stofftuch und binde es zu. Den Rest des Kaffees aus dem Paket fülle ich in ein großes Schraubglas, damit sich der Kaffee möglichst lange hält. Wie gesagt, es war mein letztes Paket und ich werde damit sehr sparsam umgehen. Wenn dieser Vorrat aufgebraucht ist, werde ich danach wohl nie wieder einen Kaffee zu trinken bekommen.
Normalerweise brühe ich mir morgens einen Pfefferminztee auf. Aber heute zur Feier des Tages soll es noch einmal eine Tasse Kaffee sein. Ich nehme den Wasserkessel, der fast immer auf meinem Ofen steht und gieße ganz langsam heißes Wasser über meinen Filterkaffee in die Blechtasse. Nun verteilt sich ein angenehmer Duft in meinem kleinen Zimmer. Nachdem der Kaffee einen kleinen Moment lang durchgezogen ist, nehme ich den Filter heraus und lege ihn auf die Ablage neben dem Ofen. Wenn der Kaffee getrocknet ist, kann ich Ihnen heute Abend ein zweites Mal aufbrühen. Natürlich ist der zweite Aufguss nicht mehr so gut wie der erste, aber man muss mit seinen Ressourcen gut haushalten, das ist etwas, dass ich im Laufe der Jahre gelernt und verinnerlicht habe.
Wenn ich meinen Kaffee genossen habe, werde ich das letzte Stück eines selbstgebackenen Fladens essen. Danach sieht es mit meinen Vorräten leider ziemlich mau aus. In meiner Vorratskammer stehen noch drei Gläser mit selbst eingekochtem Erbseneintopf, ein paar Gläser Linsen, ein halber Eimer Sauerkraut, einige Kartoffeln, Zwiebeln, Äpfel und noch ein paar andere Dinge. Außerdem hängt noch ein letztes Stück eines selbst geräucherten Schinkens an der Decke. Das Mehl ist mir ausgegangen!
Ich benötige jetzt dringend etwas Glück bei der Jagd. Bevor nicht neue Vorräte oder frisches Fleisch vorhanden sind, muss ich sehr stark rationieren. Wenn meine Speisekammer leer ist, bevor der Winter zu Ende geht, bleibt mir nur noch die eiserne Reserve. Die will ich jedoch erst angehen, wenn ich wirklich Hunger leiden muss.
Während ich an meinem Kaffee schlürfe, lege ich noch etwas Holz in meinen Ofen. Den Ofen habe ich vor etwa zehn Jahren selbst gemauert. Sein Kernstück ist ein alter Küchenofen mit Glastür und Kochfeld. Diesen Ofen hatte ich bereits etwa ein Jahr zuvor bekommen und mit einem einfachen Ofenrohr angeschlossen. Durch das Einmauern erreichte ich eine bessere Wärmespeicherung. Ich hatte noch einen Sack Mörtel und habe Steine verwendet, die ich aus einem verlassenen Haus ganz in der Nähe hergeschafft habe. Das kleine Haus war ähnlich wie meines und ursprünglich offenbar als Ferienhaus genutzt worden. Seit ich hier fest wohne, habe ich dort allerdings noch nie jemanden gesehen. Vermutlich sind die Besitzer irgendwann verstorben und das Haus wurde einfach vergessen. Es hatte einen kleinen Anbau, der als Geräteschuppen genutzt wurde. Das Dach war eine einfache Holzkonstruktion mit einer Abdeckung aus Blechen. Ich habe das Dach abgetragen und die Materialien in einem der Räume des Hauses zwischengelagert. Dann habe ich die Wände abgerissen und die Steine zum Bau meines Ofens in mein Haus gebracht. In meinem ehemaligen Wohnzimmer habe ich dann diesen Ofen gemauert, der mir heute ganzjährig als Kochstelle und im Winter natürlich als Wärmequelle dient. Während der wärmeren Monate koche ich in der Regel draußen. Der Ofen hat beim Bau eine Luftzufuhr durch ein Rohr von unten bekommen, welches ich nach außen gelegt habe. So wollte ich verhindern, dass das Feuer zu viel Raumluft anzieht und somit der Sauerstoff zum Atmen knapp werden könnte. Das Prinzip hat sich als recht gut und funktionsfähig herausgestellt. Beim Mauern des Ofens hat mir mein Nachbar Uli geholfen, der inzwischen ein guter Freund geworden ist, mit dem ich mich regelmäßig treffe. Uli ist inzwischen 74 Jahre alt und seit acht Jahren Witwer. Seine Frau ist im Winter 2027 verstorben. Dieser Winter war extrem kalt und lang. Seine Frau hatte sich eine Lungenentzündung zugezogen, die sie nicht überlebt hat. Als Uli noch seine Frau hatte, haben wir uns nur hin und wieder mal getroffen oder besucht. Im Sommer, der auf den Tod seiner Frau folgte, kam er dann öfter mal zu mir, um mich um Hilfe zu bitten. Uli war früher Controller in einem großen Werk eines Automobilherstellers. Er ist ein durchaus schlauer Mann, der jedoch nie ein besonders großes handwerkliches Geschick hatte und dem bei vielen Dingen die praktischen Erfahrungen fehlten. Aber ich glaube der eigentliche Grund, warum er einen stärkeren Kontakt zu mir suchte, war seine plötzliche Einsamkeit.
Nachdem wir meinen Ofen fertig gebaut hatten, habe ich Uli geholfen, auch in seinem Haus einen ähnlichen Ofen zu bauen. Da Ulis Haus jedoch deutlich weiter weg liegt, war es eine ganz schöne Plackerei die Steine dorthin zu schaffen.
Jetzt ziehe ich mir erst einmal etwas Warmes über und gehe auf meine Toilette. Mein Plumpsklo liegt etwa 50 Meter von meinem Haus entfernt. Ich musste es im Sommer vor zwei Jahren neu anlegen, da die Grube unter meinem alten Plumpsklo voll geworden war. Zwar können fünfzig Meter im Winter sehr weit sein, im Sommer ist es allerdings wesentlich angenehmer, da man weniger Geruchsbelästigung hat. Nach dem Gang zur Toilette werde ich mich dann draußen im Schnee waschen, das heißt mit Schnee abreiben. Meine Wasservorräte muss ich heute erst auffüllen. Der Brunnen in meinem Garten ist aktuell leider eingefroren. Ich muss also im Laufe des Tages Wasser aus dem Fluss oder aus meiner Reservequelle im Wald holen, um wieder etwas im Haus zu haben. Meine Reservequelle ist tatsächlich eine echte Quelle, die ich vor Jahren im Wald gefunden und mir nutzbar gemacht habe. Unterhalb der Quelle habe ich ein Wasserreservoir angelegt, das mit einem Gitter abgedeckt ist. Wenn das Reservoir gefüllt ist, kann das Wasser überlaufen und bleibt somit immer frisch. Ich hoffe, dass das Wasser im Reservoir nicht auch gefroren ist. Wenn ich Wasser aus dem Fluss holen muss, kostet mich das deutlich mehr Zeit und Anstrengung, da der Weg fast dreimal so lang ist.
Natürlich könnte ich auch Schnee schmelzen, das ist jedoch nicht besonders effizient, da Schnee mindestens das zehnfache Volumen von flüssigem Wasser hat. Will man also einen Liter Wasser haben, muss man 10-15 Liter Schnee schmelzen. Zum Trinken oder mal einen Tee aufzugießen mag das reichen, jedoch nicht, wenn ich mich auch waschen will. Und das will ich! Ein gewisses Maß an Körperhygiene gehört für mich heute zu gutem Lebensstandard. Außerdem bilde ich mir ein, dass ich so nicht so leicht Gefahr laufe, krank zu werden.
Es ist mir schon klar, dass es sich komisch anhören muss, wenn ich behaupte, dass Körperhygiene für mich ein Stück Lebensqualität darstellt. Noch vor fünfzehn Jahren war das tägliche heiße Duschen für mich so selbstverständlich, wie für die meisten Menschen der sogenannten westlichen Welt. Als ich das kleine Häuschen, in dem ich lebe, im Jahre 2021 gekauft habe, war es nur als Ferienhaus gedacht. Etwas mehr als ein Jahr zuvor Anfang des Jahres 2020 begann in meiner Heimat Deutschland sowie in der ganzen Welt die Corona Pandemie. Durch Lockdowns, Kontaktbeschränkungen und Reiseverbote waren in diesem Jahr gewohnte Urlaube im Ausland so gut wie nicht möglich. Damals erschien mir die Idee ein kleines Ferienhaus zu kaufen, als eine gute Alternative für die nahe Zukunft. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nie vorgehabt, dauerhaft in diesem Häuschen zu wohnen. Trotzdem war es natürlich mit einer Toilette, Dusche, einer Küche und vielen Elektrogeräten ausgestattet, die den Aufenthalt angenehm machen sollten.
Seit 2024 Strom und Wasser ausgefallen sind, musste ich mir jedoch für einige Dinge neue Lösungen einfallen lassen. Im Laufe der Jahre habe ich mir mit viel Kreativität und Materialien, die bereits vorhanden waren oder die ich in der näheren Umgebung organisieren konnte, einige Annehmlichkeiten der Zivilisation zurückerobert. Beispielsweise meine Dusche habe ich im Jahr 2025, als klar war, dass Strom und Wasser wohl nie wiederkämen, umfunktioniert. Bis dahin hatte ich in meinem Häuschen in allen Räumen alte Rippenheizkörper, die an eine Gasheizung angeschlossen waren. Da auch Gas schon seit über einem Jahr nicht mehr zur Verfügung stand, legte ich die Heizung still, baute die Heizkörper aus und installierte sie auf meinem Dach. Mit Rohren, die ich aus der Wand geschlagen habe, habe ich die Heizkörper untereinander verbunden und ein Rohr ins Innere meines Hauses geleitet. Im Haus habe ich das Rohr an meiner Dusche angeschlossen. Im Sommer befülle ich die Heizkörper über einen Trichter mit Wasser. Bei schönem Wetter und Sonnenschein heizt sich das Wasser auf, sodass ich regelmäßig heiß duschen kann. Im Winter lasse ich das Wasser natürlich ab, da meine Sorge zu groß ist, dass bei Frost die Heizkörper zerplatzen.
Einen Heizkörper habe ich neben meinem Ofen aufgestellt und dann mit viel Lehm direkt mit dem Ofen verbunden. Auch hier kann ich Wasser einfüllen und über einen kleinen Hahn unten wieder herauslaufen lassen. Einerseits dient der Heizkörper mir als Speicher für warmes Wasser, andererseits auch als Wärmespeicher in der Nacht. Denn gerade in diesem Winter war es wieder häufig sehr kalt. Wenngleich der bisher kälteste und härteste Winter der im Jahre 2027 war.
Damals hatten wir Schnee von Oktober bis weit ins Frühjahr hinein. Leider hatte ich viel zu wenig Brennholz gelagert, was mich dazu zwang, regelmäßig Nachschub aus dem Wald zu holen. So manches Mal dachte ich, dass ich den Winter wohl nicht überleben würde. Aber irgendwann kam dann der Frühling und ich machte Pläne, um solch einer Situation nicht erneut ausgeliefert zu sein.
Ich erwähnte ja bereits, dass ich ein Mensch bin, der seine Rituale benötigt. Deshalb gibt es bei mir regelmäßig wiederkehrende Termine, an die ich mich möglichst penibel halte. So steht bei mir an jedem zweiten Wochenende das Sammeln und Aufstocken von Feuerholz auf dem Kalender. Wenn ich Kalender sage, meine ich damit meine Wand. Auf dieser führe ich seit Anfang 2027 meinen Kalender. Begonnen habe ich damit am 1. März 2027, geschätzt. Geschätzt bedeutet in diesem Zusammenhang, dass ich versucht habe, anhand von Wetter, Dauer des Tageslichts und ungefährer Zurückrechnung festzulegen, welches Datum wir haben. In etwa dürfte dies auch stimmen. Letzten Endes ist es nicht besonders wichtig, wie genau es ist. Um jedoch ein gewisses Zeitgefühl zu behalten, schien mir die Führung des Kalenders doch als sinnvoll. Außerdem hilft es mir Verabredungen mit dem letzten mir verbliebenen Menschen zu treffen, zu dem ich Kontakt habe. Es ist Uli, mit dem ich mich regelmäßig zur Jagd, zum Angeln oder zu Organisationstouren treffe. Wir haben sogar Uhren. Es sind Uhren, die eigentlich für Kinder bestimmt waren und mechanisch funktionieren. Auf der Rückseite kann man die Uhren aufziehen, sodass sie etwa zwei Tage lang durchlaufen. Meine Uhr hat auf dem Zifferblatt eine Micky Maus. Die Uhren haben wir uns aus einem der letzten von uns selbst angelegten Läger aus dem Ort mitgebracht. Niemand sonst brauchte sie.
Ich nehme meine Uhr regelmäßig auch mit, wenn ich in den Wald gehe. Schon alleine um einen Anhaltspunkt dafür zu bekommen, wie viel Zeit mir bis zum Einbruch der Dunkelheit bleibt. Gerade im Winter versuche ich immer bei Tageslicht zurück in meinem Haus zu sein. Der Aufenthalt im Freien bei Dunkelheit kann schnell sehr gefährlich werden. Auch wenn ich immer gut ausgerüstet bin, möchte ich nur sehr ungern außerhalb meines Hauses übernachten müssen. Einerseits wird es im Winter teilweise extrem kalt, so dass die Gefahr zu erfrieren sehr groß ist. Andererseits gibt es viele wildlebende Tiere, die einem hier sehr gefährlich werden können. Damit meine ich nicht einmal die Wolfsrudel die in dieser Region leben, da diese Menschen in der Regel meiden. Tatsächlich können Wildschweine und wildlebende Hunde sehr schnell viel gefährlicher werden.
Ja, tatsächlich gibt es hier wieder reichlich Wölfe. Noch im Jahr 2020 gab es in Deutschland ungefähr fünfhundert Wölfe. Mittlerweile dürften es vermutlich Tausende sein. Was in der Verhältnismäßigkeit gegenüber wildlebenden Hunden sicher nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Mit den Wölfen hatte ich in den letzten Jahren allerdings keine Probleme. Ganz im Gegenteil, im vergangenen Jahr sind mir gleich drei Tiere in die Falle gegangen. Wolfsfelle sind sehr dicht und wärmen sehr gut, wenn man es versteht sie richtig zu verarbeiten. Zwar bin ich kein Profi, aber auch in diesem Bereich schlage ich mich inzwischen recht passabel.
Bevor ich gleich losziehe, gieße ich mir noch etwa einen Liter Pfefferminztee auf. In meiner Edelstahl-Thermoskanne habe ich so noch für ein paar Stunden etwas Warmes zu trinken bei mir. Noch viel wichtiger ist jedoch meine Umhängetasche, die ich immer bei mir habe. In ihr habe ich einen Feuerstein, etwas getrocknete Birkenrinde, eine kleine Spule mit Draht, ein zusätzliches Messer, ein Tuch mit ein paar Stücken Schinken und ein Feuerzeug. An meinem Gürtel trage ich ein Messer mit einer etwa 20 cm langen Klinge. Auf der anderen Seite trage ich eine kleine Axt, an einer selbstgebastelten Gürtelschlaufe. Zusätzlich ziehe ich momentan nie ohne meine Schneeschuhe und meinen Schlitten los.
Beides habe ich mir im Sommer selbst gebaut. Für den Schlitten habe ich eine Holzkonstruktion zugeschnitten und vernagelt, die ich dann von unten mit einem gebogenen Aluminiumblech versehen habe. Bei aktuell 20 bis 30 cm Schnee ist der Schlitten ein gutes Transportmittel für den Fall, dass ich Wild erlegen kann oder in einer meiner aufgestellten Fallen finde. Wenn nicht, kann ich auf dem Nachhauseweg noch etwas Holz darin sammeln, um so die Vorräte wieder aufzustocken.
Auch meine Schneeschuhe habe ich im vergangenen Sommer selbst angefertigt. Dazu habe ich Weidenruten entrindet und auf einem Gitter über Wasserdampf erhitzt. Die Ruten werden dadurch biegsam ohne zu splittern. Ich habe die Ruten dann in eine Art Schablone eingespannt und miteinander verbunden. Wenn das Holz ausgekühlt ist, bleibt es mehr oder weniger in der neuen Form und muss dann durchtrocknen.
Natürlich war es ein langer Prozess, dorthin zu kommen, wo ich heute stehe. Viele meiner Fertigkeiten beruhen auf Wissen aus der Vergangenheit, welches ich mir durch Bücher und Reportagen im TV und Internet angeeignet habe. Der weitaus größere Teil beruht allerdings auf dem Prinzip „Lernen durch Erfahrung und Versuch“ und beileibe nicht alles hat beim ersten Mal geklappt.
Ich denke hier nur an das erste Fell, das ich zu gerben versucht habe. Meine Güte war das ein Fehlschlag! In Ermangelung anderer Möglichkeiten wollte ich das Fell mit der Hirnmasse des Tieres gerben. Das ist eine bei Indianern jahrhundertelang genutzte und bewährte Methode, um Felle zu konservieren. Gelesen habe ich das in einem Kinderbuch. Allerdings ist die genaue Vorgehensweise dort nicht detailliert beschrieben. Entsprechend ist mein erster Versuch auch gründlich danebengegangen.
Eine Regel lautet, dass jedes Tier genügend Hirnmasse hat, um sein eigenes Fell damit zu gerben. Bis ich allerdings das Fell entsprechend vorbereitet von Fett und Fleischresten befreit und auf einen Rahmen gespannt hatte, sah es schon aus wie ein Schweizer Käse. Das Gehirn des Tieres war zwischenzeitlich von der Sonne extrem erwärmt worden. Das führte bereits beim Auftragen der Hirnmasse, die ich zuvor in etwas Wasser gelöst hatte, zu einem erbärmlichen Gestank. Aufgrund meines Mangels an Erfahrungen mit dieser Methode, dachte ich das muss wohl so sein. Auch wusste ich nicht, wie lange die Masse auf die Haut einwirken muss. Hier waren zwei Tage wohl eindeutig zu lang, vor allem, da ich das Hirn nur oberflächlich verteilt habe. Ich habe später stundenlang versucht den Gestank vom Fell zu waschen, was mir nicht gelungen ist. Stattdessen zerriss ich das Fell dabei in immer kleinere Stücke. Am Ende habe ich das Fell nach drei Tagen mühseliger Arbeit komplett zerschnitten und dann als Köder für Fallen zur Seite gelegt.
Im Laufe der Zeit habe ich die Methode jedoch für mich so weit angepasst, dass das Ergebnis zufriedenstellend ist. Einige der Felle habe ich in den letzten Jahren zu Decken und Kleidungsstücken weiterverarbeitet. So kommt es, dass ich heute meine selbst genähte Wolfsfellmütze und meine Wolfsfellhandschuhe anziehen kann. Genauso wie meinen Fellmantel.
Ich habe mir diese Art zu leben nicht ausgesucht, sondern die Umstände haben mich in dieses Leben gedrängt. Trotzdem versuche ich jeden Tag das Beste daraus zu machen, den Lebensmut nicht zu verlieren und mir so mein eigenes Überleben zu sichern.
2. Wie alles begann / 2020
Ich war nie ein sehr pessimistischer Mensch und auch nicht übermäßig ängstlich. Als jedoch im Jahre 2020 die Corona Pandemie in Deutschland und der Welt angekommen war, befürchtete ich, dass aus ihr noch eine sehr dramatische Situation entstehen könnte. Im Frühjahr dieses Jahres habe ich mich, wie viele andere Menschen auch, mit Lebensmitteln bevorratet. Mir war jedoch schnell klar, dass für den Fall, dass eine Versorgung zusammenbrechen sollte, diese Vorräte nicht besonders lange reichen würden. Von der damaligen Regierung wurde jedoch immer beteuert, dass auch in Zukunft die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Artikeln des täglichen Bedarfs sichergestellt sei. Im Laufe dieses Jahres bestätigte sich dies auch.
Trotzdem beschäftigte mich die Frage, wie sich die Welt durch die Pandemie verändern würde. Im Laufe des Jahres wurde immer deutlicher, dass die vielgelobte Globalisierung der letzten Jahrzehnte auch seine Nachteile hatte. Erstmals wurde dies vielen Regierungen klar, als es nicht ausreichend Schutzmasken gab, da diese mittlerweile nur noch in Asien produziert und von dort in alle Welt exportiert wurden. Schnell kamen Zweifel auf, ob so eine Versorgung mit wichtigen Gütern zukünftig noch sichergestellt werden könnte. In vielen Ländern wurde beschlossen, zukünftig wieder selbst wichtige Medikamente, Schutzausrüstungen, medizinische Hilfsmittel und viele Dinge mehr im eigenen Land herzustellen und auch zu bevorraten. Hierzu wurde viel Geld in die Hand genommen, um für die Zukunft besser gewappnet zu sein.
Gleichzeitig führten die Auswirkungen der Pandemie, beziehungsweise die Maßnahmen, die zur Eindämmung beschlossen wurden, zu großen Veränderungen der wirtschaftlichen Situation weltweit. Man sah wie Firmen in die Pleite gingen, Existenzen ruiniert wurden und immer mehr Menschen ihre Arbeit verloren und das weltweit. Jedoch waren die Veränderungen im Jahr 2020 noch recht überschaubar und auch die Einschränkungen durch die Gegenmaßnahmen der Regierung waren noch für die meisten Menschen ein Luxusproblem.
Kontaktbeschränkungen, regional und zeitlich begrenzte Ausgangssperren, Maskenpflicht sowie das Einhalten von verschärften Hygienebedingungen veränderten den Umgang der Menschen untereinander zwar gewaltig, waren jedoch alle erträglich. Die damaligen Nachrichten wurden vom Thema Corona oder Covid19, wie der Virus offiziell benannt wurde, geprägt. Immer neue Meldungen über Neuinfektionen, Zahlen der Patienten in Krankenhäusern und Zahlen der Verstorbenen beschäftigten die Bevölkerung. Es gab ethische Diskussionen über die Notwendigkeit und Durchführung einer Triage in Krankenhäusern, die Einführung von verpflichtenden Impfungen und vieles mehr. Es wurde diskutiert über Lockdowns, erste und zweite Wellen, Impfstrategien, internationale Zusammenarbeit und gegenseitige Solidarität bei der weltweiten Verteilung von Impfstoffen. Am Ende all dieser Diskussionen standen zum Jahresende 2020 ca. 80 Millionen Infizierte weltweit, knapp zwei Millionen Tote und viele Fragezeichen zu Buche.
Obwohl das Virus seinerzeit offenbar in China von Tieren auf den Menschen übertragen wurde, waren die Chinesen im Jahr 2020 weniger stark betroffen von den Auswirkungen der Krankheit als andere Staaten. Nachdem sich das Virus im Laufe einiger Wochen rund um den Globus verteilt hatte, war schnell zu sehen, welche Staaten am stärksten mit den Auswirkungen zu kämpfen hatten. Die damaligen Vereinigten Staaten von Amerika hatten zum Jahresende 2020 bereits rund 350.000 Tote zu beklagen. In Brasilien und Indien waren es jeweils rund 200.000 Tote und in Europa waren England mit 80.000 Toten und Frankreich mit etwa 70.000 Toten die traurigen Spitzenreiter. In Deutschland lag die Zahl der Toten bei etwa 35.000. Zum Ende des Jahres 2020 kamen dann die ersten Impfstoffe zur Zulassung und auf den Markt. Die Hoffnung auf ein absehbares Ende der Pandemie stieg.
Das Jahr 2020 wurde jedoch auch noch von anderen Entwicklungen stark geprägt. Schon in den Jahren zuvor war zu sehen, dass immer mehr Menschen bereit waren, für ihre Meinung auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. In diesem Jahr gab es weltweit Demonstrationen gegen die Schutzmaßnahmen der jeweiligen Regierungen im Rahmen der Pandemie. Auch in Deutschland gab es viele solcher Demonstrationen, bei denen sich Leugner der Pandemie mit Impfgegnern, Verschwörungstheoretikern und rechten Krawallmachern vermischten. Regelmäßig kam es bei Demonstrationen .............................
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sommerwind
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Re: 2035-Ein Leben 15 Jahre nach COVID 19

von sommerwind (21.05.2021, 14:23)
Hallo Jörg,
ja es stimmt, ich dachte auch kurz „schon wieder dieses Thema“, aber auf der anderen Seite finde ich es schon sehr interessant, wie verschiedene Menschen sich mit diesem einen Thema auseinandersetzen und welche Geschichten daraus entstehen!
Du musst dich wirklich sehr mit dem Thema „Survival“ auseinandergesetzt haben, ich finde es wirklich interessant wie du das Gerben von Fellen beschreibst. Auch beim Beschaffen von Wasser hatte ich mich selbst kurz dabei ertappt, wie ich mir dachte „da müsste doch genug Schnee sein, ich würde einfach Schnee schmelzen“ und schon kam in der nächsten Zeile deine Antwort darauf angle: .
Also ja es ist ein Thema, das uns immer noch begleitet, aber gerade deshalb ist es interessant und ich kann mir schon sehr gut vorstellen, dass deine Geschichte erfolgreich wird. Ich habe mich selbst auch schon das ein oder andere Mal gefragt wie sich die ganze Situation weiterentwickeln könnte und mir auch schon ein paar Ansätze überlegt :wink:

Jörg Galda
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Re: 2035-Ein Leben 15 Jahre nach COVID 19

von Jörg Galda (21.05.2021, 17:11)
Hallo Sommerwind,

danke für Dein Feedback!
Ja, ich habe vieles recherchiert, dabei habe ich selbst viele neue Dinge gelernt.
Wusstest Du, dass man aus Kastanien wunderbar Waschmittel herstellen kann? :lol:
Kostet nichts und ist gut für die Umwelt!
Es würde mich freuen, Dich zukünftig zu meinen Lesern zählen zu dürfen, um dann ein Feedback zum gesamten Buch zu erhalten.

Beste Grüße
Jörg

sommerwind
Beiträge: 16
Registriert: 22.04.2017, 20:53

Re: 2035-Ein Leben 15 Jahre nach COVID 19

von sommerwind (25.05.2021, 10:59)
Hallo Jörg,
Ja doch das mit den Kastanien habe ich schon einmal wo gelesen, ausprobiert habe ich es allerdings noch nicht :wink:
Gerne, gerne!

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