Meier

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Fabula

Meier

von Fabula (11.04.2008, 08:50)
Im Familienbuch der Menschen, die in dem schönen Hof etwas abseits der Landstraße wohnten, stand ganz schlicht: „Meier“.
Es hatte sich eingebürgert, dass alle Leute im Dorf von „Nurmeier“ sprachen, wenn die Rede auf diese Familie kam. Die meisten Menschen wussten gar nicht, dass diese Bezeichnung falsch war, denn es war schon sehr lange her, dass es ein Gespräch gegeben hatte, das dazu führte, aus dem Namen „Meier“ nun „Nurmeier“ zu machen.
Herr Meier, der Großvater vom jetzigen Besitzer, hatte den Hof von einem Onkel geerbt. Er war aus dem Norden des Landes gekommen und hatte es anfangs sehr schwer, mit dem so anderen Menschenschlag im Süden klarzukommen. Wie es sich gehörte, hatte er seine Familie bei der örtlichen Behörde angemeldet.
„Sie heißen“ fragte der zuständige Beamte.
„Meier“.
„Wie? ‚Meier’? Vielleicht doch ‚Obermeier’. ‚Niedermier’, Hinterrmeier’, vielleicht sogar „Zuckmeier“ ?“
„Nichts dergleichen, nur „Meier“.
„Herrschaftszeiten! Warum nicht gleich so. Also, Herr ‚Nurmeier’ wo und wann sind sie geboren……..“
Mehrer Male versuchte Herr Meier diesem Beamten zu erklären, dass dieser sich im Irrtum befand, vergeblich. So wurde er mit seiner Familie auf diesen Namen „Nurmeier“ als wohnhaft in Burgeichen eingetragen.
Im alltäglichen Leben war das nicht weiter schlimm, und die Familie gewöhnte sich rasch daran, dass, wenn vom „Nurmeierbauer“ die Rede war, ihr Vater gemeint war.
Zu Unstimmigkeiten kam es jedoch, wenn die Post kam. Manche wichtigen Briefe wurden einfach vom Postamt des Dorfes zurückgeschickt mit dem Vermerk „Unbekannt“. Herr Meier hatte seine liebe Not, den Absendern die Situation zu erklären. Schließlich einigte man sich auf „Hof Nurmeier“ ohne Anrede, und das funktionierte.
Größere Schwierigkeiten gab es, als Mathias, der älteste Sohn heiraten wollte.
Seine Braut Vroni wollte nicht glauben, dass ihr Hias nur „Meier“ hieß, und dann auch noch Mathias. Es kostete den Bräutigam einen langen Abend mit schmachtenden Liedern vor ihrem Fenster, um diese Zweifel an seiner Identität auszuräumen. Richtig versöhnt war sie erst, als sie zum ersten Mal hörte:
„Die junge ‚Nurmeierbäuerin’ backt köstliche Kipferl.“

©Fabula

hwg
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Re:

von hwg (11.04.2008, 10:53)
:lol: Eine willkommene Vormittagslektüre! Gefällt mir sehr gut! thumbbup
Gruß vom Nurhans.

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Judith
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Re:

von Judith (11.04.2008, 11:46)
:lol: thumbbup Geschichten, wie sie das Leben schrieb! :lol:
Du willst mehr wissen? Bitte hier - meine Website.

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Birgit Fabich
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Re:

von Birgit Fabich (11.04.2008, 12:29)
wunderbar aus dem Leben :lol:

Versailles
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Re:

von Versailles (11.04.2008, 17:10)
thumbbup cheezygrin köstlich!
DIE COMTESSE ab sofort als "EDITION BOD"
www.comtesse-heloise.de

Autorenphoto von J. Nemeth, Photostudio Kannengiesser, 58095 Hagen (2007)

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Irrlicht
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Re:

von Irrlicht (11.04.2008, 17:46)
Etwa eine wahre Geschichte? :shock::

Zuzutrauen wäre es den Bajuwaren ja... cheezygrin

Fabula

Re:

von Fabula (11.04.2008, 17:54)
Dank an alle für die netten Komentare.
Leider setzen sich einige Klischees so fest, dass man sie für Texte missbraucht. Trotzdem hoffe ich, dass es nicht mal wirklich passiert.
Grüße
Fabula

hwg
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Re:

von hwg (11.04.2008, 17:58)
Vieles auf der Erde ist klischeehaft,
es kommt nur darauf an, was ein
Autor damit anstellt. :lol:

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Birgit Fabich
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Wohnort: Füchtorf

Re:

von Birgit Fabich (11.04.2008, 18:58)
manches ist so schräg,

cool5
soviel Fantasie hat niemand,
um sich das auszudenken

ich liebe solche Geschichten love1

julia07
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Wohnort: 87700 Memmingen

Re:

von julia07 (11.04.2008, 19:42)
Eine schöne Geschichte,
die weit weniger "schräg", klischeehaft oder abwegig ist, als man denken könnte!

Ich kenne sie nämlich genau anders herum und das ist absolut wahr:
Jemandem gefiel sein Allerweltsname in Kombination mit seinem frisch erworbenen Doktortitel nicht und so hat er penetrant über Jahrzehnte an den echten Namen eine kleine Endung drangehängt. Das zog sich von seinen Junggesellenpapieren über die Geburtsurkunden der Kinder bis hin zu seinem jetzigen Firmennamen. Irgendwann, als ein genauer Beamte die Sache auffliegen ließ, war es zu spät und man gestattete ihm, seinen Namen nun höchst offiziell zu ändern.

LG,
Julia

Fabula

Re:

von Fabula (12.04.2008, 07:05)
Wie schon gesagt, eigentlich sollte man gegen solche Vorurteile ankämpfen. Aber etwas Wahres ist meistens dran.
Danke für die weiteren Antworten.
Gruß
Fabula

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