Inwieweit darf man/ich zitieren!?

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


Juan
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Inwieweit darf man/ich zitieren!?

von Juan (10.07.2008, 10:33)
In meinem Roman soll bei jedem neuen Kapitel ein Zitat zu lesen sein, meine Frage diesbezüglich ist, inwieweit darf ich zitieren und in wieweit darf ich die Namen der "zitierten" darunter schreiben?!...


zB.



Der Tod eines Mannes ist eine Tragödie, aber der Tod von Millionen ist nur eine Statistik.
J.Stalin


gut bei dieser person ist es evtl. nicht so tragisch aber wenn ich jetzt Menschen/Personen zitiere die noch lebendig sind, stellt sich mir die Frage, darf ich diesen Namen überhaupt in meinem Buch verfassen? Darf ich diese Person überhaupt zitieren?!
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hawepe
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Re: Inwieweit darf man/ich zitieren!?

von hawepe (10.07.2008, 10:44)
Hallo Andalucia,

Andalucia hat geschrieben:
In meinem Roman soll bei jedem neuen Kapitel ein Zitat zu lesen sein, meine Frage diesbezüglich ist, inwieweit darf ich zitieren und in wieweit darf ich die Namen der "zitierten" darunter schreiben?!...


Die Frage ist hier schon so oft und ausfuehrlich diskutiert worden, dass ich mich kurz fassen kann:

Ohne Verletzung des Urheberrechtes darf nur zitiert werden, wenn man sich mit dem Text oder dem Autor auseinandersetzt. Eine Quelle muss angegeben werden.

In allen anderen Faellen benoetigt man die Nutzungserlaubnis des Rechteinhabers, wenn man nicht eventuell Aerger und eine Rechnung bekommen moechte.

Beste Gruesse,

Heinz.

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hawepe
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Re: Inwieweit darf man/ich zitieren!?

von hawepe (10.07.2008, 10:52)
Hallo Andalucia,

habe vorhin meine Antwort zu frueh abgeschickt.

Andalucia hat geschrieben:
Der Tod eines Mannes ist eine Tragödie, aber der Tod von Millionen ist nur eine Statistik.
J.Stalin


gut bei dieser person ist es evtl. nicht so tragisch


Warum? Woher hast du dieses Zitat? Stalin konnte meines Wissens kein Deutsch. Fuer die deutsche Uebersetzung besitzt mit Sicherheit jemand die Nutzungsrechte.

Aber du darfst natuerlich das russische Original nehmen und selbst uebersetzen :-)

Beste Gruesse,

Heinz.

Juan
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Re:

von Juan (10.07.2008, 10:52)
danke für die info das hilft mir schon sehr.
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Juan
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Re:

von Juan (10.07.2008, 10:56)
also sprich für übersetzungen muss ihc mir da eh keine sorgen machen, wenn ich das jetzt richtig verstanden habe.

gut gut :lol: thumbbup
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hwg
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Re:

von hwg (10.07.2008, 11:05)
Nun ja, vielen Büchern sind Zitate noch lebender Personen vorangestellt, ohne dass bei den Betreffenden zwingend eine Erlaubnis eingeholt werden muss, zumindest nach österreichischem Recht. Das Buch behandelt jedoch keinesfalls die Person des Zitatenurhebers. In der Rechtsabteilung unserer Verwertungsgesellschaft ist auch kein einziger Fall einer diesbezüglichen Klageeinreichung bekannt.

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hawepe
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Re:

von hawepe (10.07.2008, 11:41)
Hallo Hans,

hwg (Moderator) hat geschrieben:
In der Rechtsabteilung unserer Verwertungsgesellschaft ist auch kein einziger Fall einer diesbezüglichen Klageeinreichung bekannt.


Ich nenne nur Kaestner. Die Erben verdienen inzwischen nicht wenig aus Ausmahnungen wegen unerlaubten Zitierens.

Beste Gruesse,

Heinz.

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SandraR
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Re:

von SandraR (10.07.2008, 13:13)
Es gibt zB aphorismen.de etc. googeln hilft, dort unter Sachgebieten findet man viele schoene Zitate von Leuten die garantiert schon viele Jahre die Wuermchen fuettern zB. Goethe. Dazu noch die Quelle nennen unter dem Zitat und gut ist es.
http://russland-buecher.ru und http://twitter.com/russlandbuecher und bei Facebook, XING und Brainguide Sandra Ravioli

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Siegfried
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Re: Inwieweit darf man/ich zitieren!?

von Siegfried (10.07.2008, 13:57)
Hi!

Andalucia hat geschrieben:
In meinem Roman soll bei jedem neuen Kapitel ein Zitat zu lesen sein, meine Frage diesbezüglich ist, inwieweit darf ich zitieren und in wieweit darf ich die Namen der "zitierten" darunter schreiben?!...


Zitate betreffen das Urheberrecht und sind unter bestimmten Bedingungen erlaubt, auch ohne dass die Einwilligung der betroffenen Person (oder Nachfahren) eingeholt werden muss.

Zitate müssen auf jeden Fall mit Quellenangabe versehen werden (Vorschrift gemäß §63 UrhG), Zitate dürfen nicht verändert werden, können aber gekürzt werden, sofern dadurch der ursprüngliche Sinn nicht verfälscht wird (§62 UrhG).

Beim Zitat wird zwischen Großzitat (komplettes Werk wird zitiert - nur in wissenschaftlichen Arbeiten erlaubt), Kleinzitat (einzelne Sätze) sowie Bild-/Ton-/Filmzitat unterschieden.

Beim Kleinzitat (darum dürfte es in deinem Falle gehen) muss der Zweck erkennbar sein, d. h. es muss ein Bezug zwischen dem Zitat und deinem Text erkennbar sein.

Das deutsche Urhebergesetz dazu lautet:

UrhG hat geschrieben:
UrhG §51 Zitate

Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes zum Zweck des Zitats, sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist. Zulässig ist dies insbesondere, wenn

1. einzelne Werke nach der Veröffentlichung in ein selbständiges wissenschaftliches Werk zur Erläuterung des Inhalts aufgenommen werden,
2. Stellen eines Werkes nach der Veröffentlichung in einem selbständigen Sprachwerk angeführt werden,
3. einzelne Stellen eines erschienenen Werkes der Musik in einem selbständigen Werk der Musik angeführt werden.


Wie gesagt:
Kleinzitat, das einen Bezug zu deinem Text hat, mit Angabe der Quelle - kein Problem!

Grüße
Siegfried

(Gemäß Rechtsdienstleistungsgesetz soll dieser Beitrag keine Rechtsberatung darstellen und auch keine Beratung durch einen Rechtsanwalt, Rechtsbeistand, Steuerberater oder Patentanwalt ersetzen)

Juan
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Re:

von Juan (10.07.2008, 14:00)
also die kleinzitate sind alle mit dem thema des buches verbunden bzw beziehen sich auf die geschichte vorkommnisse die ich dort erzählte, steht also in direkter verbindung.. und wenn liegen maximal ein paar seiten dazwischen :P
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (10.07.2008, 14:29)
Nachtrag:

Bei dem von Hawepe geschilderten Fall der kostenpflichtigen Abmahnung durch die Kästner-Erben wegen eines unerlaubten Zitates ging es um das Zitieren von drei Kästner-Gedichten.

Ein Gedicht gilt aber als ganze Einheit und stellt somit ein Großzitat dar - und genau das ist nur in wissenschaftlichen Werken erlaubt.

Also Vorsicht beim Zitieren ganzer Gedichte - auch wenn es nur aus vier Versen besteht.

Ebenfalls unzulässig sind Zitatsammlungen, da hier keine Eigenleistung des Autoren vorliegt. Mit anderen Worten: Entfernt man alle Zitate, bleibt nichts eigenes übrig - und das geht nicht.

Grüße
Siegfried

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hawepe
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Re:

von hawepe (10.07.2008, 14:42)
Hallo Siegfried,

Siegfried hat geschrieben:
Bei dem von Hawepe geschilderten Fall der kostenpflichtigen Abmahnung durch die Kästner-Erben wegen eines unerlaubten Zitates ging es um das Zitieren von drei Kästner-Gedichten.


Ich habe eben mal etwas gruendlicher recherchiert als bisher. Es stimmt, es geht offenbar in keinem der Faelle um ein kurzes Zitat, sondern immer um die Veroeffentlichung ganzer Gedichte. Wieso sich die Ertappten dann allerdings so aufregen, weiss ich nicht.

Beste Gruesse,

Heinz.

hwg
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Re:

von hwg (11.07.2008, 07:59)
Mein Hinweis hat sich auch auf das "Kleinzitat" bezogen.

Was glaubt Ihr wohl, wie oft Kästners "...das Leben ist
nun mal lebensgefährlich..." zitiert worden ist, ohne dass
irgend ein Einspruch seitens der Erben erfolgt ist? Und
dieses Zitat ist wohl mit vielen Buchinhalten in irgend ei-
ner Weise in Verbindung zu bringen... :lol:

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DermitderTastaturtanzt
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Re:

von DermitderTastaturtanzt (16.07.2008, 19:20)
An dieser Stelle eine kleine Anekdote zum Thema "Zitate":

Ein Freund von mir hat vor einigen Jahren im Deutschunterricht die Aufgabe bekommen, eine Hausarbeit über ein frei wählbares Thema zu schreiben. Eine der Vorgaben war: Wenn er irgendwo etwas aus einer fremden Quelle zitiert und dieses Zitat mehr als zwei Wörter umfasst, dann sollte er dieses Zitat als solches kennzeichnen und die Quelle nennen.

Mein Freund hat sich für das Thema "Australien" entschieden, weil er seit seiner Kindheit ein begeisterter Fan dieses Landes ist. Also hat er seine Hausarbeit über dieses Thema geschrieben.

Ziemlich zu Anfang der Hausarbeit hat er einen kurzen Text von einer Homepage zitiert, diesen Text auch als Zitat gekennzeichnet und die Adresse der Homepage angegeben. Im weiteren Verlauf seiner Arbeit hat er noch viele Male Passagen aus dieser Homepage übernommen, diese aber nicht mehr als Zitat gekennzeichnet.

Was dann passiert ist, hat er mir im Nachhinein wie folgt beschrieben:
Seine Lehrerin muss sich abends daheim hingesetzt haben, um seine Hausarbeit durchzusehen. Sie ist auf das erste Zitat gestoßen und hat den Rechner angeworfen, um die Quelle nachzuprüfen. Soweit, so gut.
Dann hat sie den Rest der Hausarbeit durchgesehen und anschließend auf der Homepage gestöbert. Dabei ist ihr aufgefallen, dass mein Freund viele Textpassagen dieser Homepage übernommen, diese aber nicht als Zitat mit Quellenangabe kenntlich gemacht hat. Also hat sie zum Rotstift gegriffen und alle fehlenden Zitatangaben angestrichen.
Die Hausarbeit war umfangreich. Die Korrektur hat wohl insgesamt gut drei Stunden gedauert.

Als die Lehrerin schließlich endlich fertig war, hat sie sich noch die Mühe gemacht, ins Impressum der Homepage zu sehen, weil sie neugierig war, wer so viele Infos über Australien auf einer einzigen Homepage zusammengetragen hat. Und da leuchtete ihr dann als Verfasser der Name meines Freundes entgegen ...

Da die Pflicht zum Kenntlichmachen der Zitate sich nur auf fremde Quellen bezog, mein Freund sich hier aber lediglich selbst zitiert hat, waren somit alle angestrichenen fehlenden Zitatangaben hinfällig ...

Etwa eine Woche später muss sie ihm die Hausarbeit im Unterricht zurückgegeben haben, mit einem schiefen Lächeln und dem Kommentar, mein Freund solle froh sein, dass er in diesem Moment nicht neben ihr gestanden hätte ...

*breitgrins*

wortaholic

Re:

von wortaholic (16.07.2008, 19:25)
das stichwort ZITAT bei wikipedia sollte eigentlich alle fragen diesbezüglich klären.

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