Anfang einer Novelle

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Lilian
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Anfang einer Novelle

von Lilian (31.07.2008, 12:02)
Hallo!

Wir (meine Co-Autorin und ich) "basteln" gerade am Aufbau einer Novelle. (sprich: Sprache, Rechtschreibung, Tippfehler usw. sind noch nicht entscheidend, kommt alles später noch).

Uns interessieren für den Aufbau zwei Dinge:

1. Raphael wird von seinem Kammerdiener zum Hafen gebracht. Dieser spielt im Verlauf der Geschichte jedoch keine Rolle mehr, der Kommilitone, zu dem er sich dann gesellt hingegen schon. Entsteht durch den Auftritt des Dieners dennoch der Eindruck, als werde er später noch wichtig sein?

2. Eine (nicht sehr ergiebige) Testleserin meinte, man ahne, der Text spiele in einem früheren Jahrzehnt, aber es wäre besser, wenn man gleich wüsste, in welchem. Findet das hier noch jemand oder ist es ausreichend, wenn die Jahreszahl drei Kapitel weiter genannt wird - so, wie es jetzt ist?


Und hier natürlich noch der entsprechende Anfang:

„Bald wird man hier kaum noch atmen können.“ Mit gerümpfter Nase steigt Raphael aus dem schwarz lackierten, klobigen Wagen der von Nantwigs, der wie eine motorisierte Kutsche anmutet. Fischiger Geruch und der Gestank nach Fäkalien dringt vom Wasser, dessen Oberfläche ölig zu schimmern scheint, zu ihm herüber Nur wenige hundert Meter vom Fährhafen entfernt leitet die Stadt ihre Abwässer ungefiltert in den See.
„Das Denkmal könnten sie auch mal wieder reinigen“, murmelt Raphael, sieht dabei zu der aus Bronze gegossenen, schon an einigen Stellen grün angelaufenen Reiterstatue hinüber, die auf dem Vorplatz des Hafens die Reisenden grüßt.
„Du könntest dich bei Stadt darüber beschweren und eine Denkmal-Putz-Aktion fordern“, frotzelt sein Kammerdiener Tobias und schließt die Tür des Fonds mit der vorgeschriebenen Verbeugung, um bei einem zufälligen Beobachter keinen Verdacht entstehen zu lassen.
„Sie würden lieber sterben, als Geld in die Instandsetzung von Kunst zu investieren. Schon allein für den Vorschlag würden sie mich für unzurechnungsfähig erklären und sofort wegsperren.“ Doch sogar das mitgenommene, trübselige Bild des Hafens kann Raphaels Freude nicht trüben, Bad Gooteleis endlich einmal verlassen zu können. Schon oft beobachtete er die Fähren, die Passagiere hinüber in eine - seiner Vorstellung nach - vollkommen andere Welt bringen. Und dieses Mal gehöre ich tatsächlich zu ihnen!, jubelt es in ihm. Das Glück wäre für ihn perfekt gewesen, hätte Tobias – sein einziger Vertrauter - ihn begleitet. Aber nein, ich muss mich mit Michael herumschlagen ...
Nachdem er sich von Tobias verabschiedete, strebt Raphael auf seinen langjährigen Schulkameraden und Kommilitonen Michael von Karmann zu, der bereits am Fähranleger steht.


LG Lilian
I'm running into the water to drown in your soul.

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Maya

Re:

von Maya (31.07.2008, 14:29)
Hallo Lilian,

bevor es ein anderer tut:
Zu viele Details.

Ich habe das auch schon zu hören bekommen. dozey:
Und für meinen Geschmack zu verschachtelte Sätze. Jedenfalls für den Anfang.

Jetzt zu den Punkten, die du wissen wolltest:

1.
Ja. So wie ihr den Diener beschreibt und in die Handlung einführt erscheint es wirklich so, als würde er nachher noch eine bedeutende Rolle erhalten.

2.
Nein, finde ich nicht. Der Leser kann sich ja denken, dass die Geschichte in der Vergangenheit spielt. Ich finde es reicht, wenn du das genaue Jahr erst später einfließen lässt.
Schau dir nur die ganzen anderen Romane an, die in der Vergangenheit spielen. Da bekommt man auch nicht gleich die genauen Jahreszahlen gesagt.

Viel Erfolg noch!

Gruß Maya

PS: Ist es Absicht, dass ihr in der Gegenwart erzählt?

Maya

Re: Anfang einer Novelle

von Maya (31.07.2008, 14:32)
Lilian hat geschrieben:

„Du könntest dich bei Stadt darüber beschweren und eine Denkmal-Putz-Aktion fordern“, frotzelt sein Kammerdiener Tobias ...


Nur noch eine Frage:

Kommt ihr zwei aus Baden-Württemberg??
So viel ich weiß sagt man nur bei uns "frotzeln".

Würde ich deswegen auch rausnehmen - Dialekt ist glaub nur während eines Dialogs ok.

Gruß Maya

Lilian
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Re:

von Lilian (31.07.2008, 15:44)
Maya hat geschrieben:
1.
Ja. So wie ihr den Diener beschreibt und in die Handlung einführt erscheint es wirklich so, als würde er nachher noch eine bedeutende Rolle erhalten.

2.
Nein, finde ich nicht. Der Leser kann sich ja denken, dass die Geschichte in der Vergangenheit spielt. Ich finde es reicht, wenn du das genaue Jahr erst später einfließen lässt.
Schau dir nur die ganzen anderen Romane an, die in der Vergangenheit spielen. Da bekommt man auch nicht gleich die genauen Jahreszahlen gesagt.

Viel Erfolg noch!

Gruß Maya

PS: Ist es Absicht, dass ihr in der Gegenwart erzählt?


Hallo Maya!

Gut, damit bestätigst du sowohl bei 1. als auch bei 2., was wir uns auch schon überlegt hatten ;-)
Der Diener hatte ursprünglich eine größere Rolle, daher dieser "Auftritt", aber im Nachhinein ... na ja, man ist eben etwas "betriebsblind", wenn man lange an etwas "bastelt".

Ja, natürlich ist der Präsens Absicht ;-)
Ich weiß, dass er nicht sehr beliebt ist, aber wir lieben ihn ;-)
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Lilian
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Re: Anfang einer Novelle

von Lilian (31.07.2008, 15:47)
Maya hat geschrieben:
Nur noch eine Frage:

Kommt ihr zwei aus Baden-Württemberg??
So viel ich weiß sagt man nur bei uns "frotzeln".

Würde ich deswegen auch rausnehmen - Dialekt ist glaub nur während eines Dialogs ok.

Gruß Maya


Nö - Niedersachsen bzw. NRW. Ich kenne das auch nicht als Dialektwort, sondern eher als ziemlich altes Wort für "necken", das später einen leicht spöttischen Klang bekam ...

LG Lilian
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Zoba
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Re:

von Zoba (31.07.2008, 16:56)
Hi,

1. ja

2. ja

Ansonsten trägst du viel zu dick auf, vor allem - wenn das Ganze um Einiges früher spielt, und das scheint es - schreibst du den Charakteren viel zu moderne Ansichten und Erkenntnisse zu.

Wenn dies in einer Zeit spielt, in der kutschenartige Autos üblich waren, dann kümmerte es damals kein Schwein, und schon gar keinen Menschen mit Kammerdiener, ob Öl auf dem Wasser schwimmt, Abfälle ungefiltert irgendwohin eingeleitet wurden oder ein Denkmal verdreckt ist. Denkmäler wurden damals übrigens schon gereinigt, allein schon von wegen Respekt zeigen für den Dargestellten.

Das Alles stört weit mehr, als das "Frotzeln" des Kammerdieners, es paßt nämlich wie das Eckige ins Runde zur Ära. Ich erinnere mich noch sehr gut an das erste nagelneue Auto meines Vaters, so circa 1965 gekauft (also wohl weit nach der avisierten Zeit bei dir). Da waren Spikes im Winter normal und ebenso das Ölablassen mit Kleckern überm Dohlen beim Ölwechsel, ganz ohne daß irgendwer irgendein schlechtes Gewissen hatte, nee man machte sich darüber nicht mal Gedanken!

Weil das so wenig ins damalige Gehabe paßt, kommt der Text als extra aufgesetzter Holzhammer rüber, in etwa so: "aha, da ist einer unterwegs, der super öko-müsli ist und damalige Zustände geißeln will".

Entscheide dich lieber, was du möchtest. Wenn du frühere Umweltsünden anprangern willst, dann entweder als Doku oder du schreibst einfach was Sache ist, ohne irgendwas davon zu werten. Vor allem aber, erschlage den Leser nicht. Hier hast du Fingerzeige für schlechtes Umweltverhalten in eine halbe Seite gepackt, die für ein 15-seitiges und längeres Kapitel ausreichen! Das ist dann, neben dem bereits Angemerkten, auch noch zusätzlich moralinsauer. cheezygrin
Gruß,

Zoba

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Re:

von Lilian (31.07.2008, 18:33)
Da hast du natürlich Recht, Zoba, aber der Anfang bleibt ohnehin nicht so ;-)
Das war von vorne herein klar. Danach war aber auch gar nicht gefragt. Sonst hätte ich geschrieben: wie findet ihr den Anfang? ;-)

Vielleicht hätte ich dazu erklären sollen, dass wir immer "so drauf los" schreiben. Man hat eine ungefähre Idee und schaut erst mal, was dabei heraus kommt. Und dann erst entsteht langsam der Plot.

Oder anders ausgedrückt: Wir sind gerade erst dabei, den roten Faden aufzubauen. (Der Text ist also nur eine Skizze und nicht wirklich "ernst" zu nehmen!) Und hierbei drängten sich genau diese beiden Fragen auf.

Ich hatte den Eindruck, dass der Diener in dieser Form verwirrend ist, meine Co-Autorin nicht. Was liegt näher, als jemanden zu fragen, der uns nicht kennt? ;-) Sozusagen ein "neutraler Schlichter".

Und die Testleserin kam mit der Jahreszahl an. Ich denke, dass sie da gut aufgehoben ist, wo sie jetzt platziert ist. Aber wenn sich noch mehr Leute der Meinung der Testleserin anschließen sollten ...

Für uns ist einfach eine neutrale Meinung interessant, um uns darüber klar zu werden, wo wir was im Faden unterbringen wollen, ehe wir überhaupt mit dem "richtigen" Schreiben beginnen.

Wenn es um die Beschreibungen geht, melde ich mich vielleicht noch mal :D In unserer jetzigen Arbeitsphase sind die für uns nicht wichtig ...
Trotzdem danke für die Anregung! :-) Wird sicher mit in die Überlegungen einfließen ...

LG Lilian
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (31.07.2008, 18:40)
Lilian hat geschrieben:
Vielleicht hätte ich dazu erklären sollen, dass wir immer "so drauf los" schreiben. Man hat eine ungefähre Idee und schaut erst mal, was dabei heraus kommt. Und dann erst entsteht langsam der Plot.

Oder anders ausgedrückt: Wir sind gerade erst dabei, den roten Faden aufzubauen. (Der Text ist also nur eine Skizze und nicht wirklich "ernst" zu nehmen!) Und hierbei drängten sich genau diese beiden Fragen auf.


Merkwürdige Arbeitsmethode. Jedenfalls aus meiner Sicht (aber vielleicht habe ich ja auch die merkwürdige Arbeitsmethode und eure ist die richtige. cheezygrin )

Wenn ihr nicht wisst, wie der Plot aussieht bzw. der rote Faden der Handlung, warum macht ihr euch dann Gedanken um die Rolle des Dieners? Vielleicht ist der Diener ja von entscheidender Bedeutung in der Handlung - wer weiß das denn jetzt schon?

irgendwie wirkt diese Frage nach dem Eindruck, den der Diener hinterlässt, wie die Suche nach ungelegten Eiern. Eigentlich müsstet ihr ganz andere Probleme zu diskutieren haben.

Grüße
Siegfried

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Re:

von Zoba (31.07.2008, 19:02)
Hi Lilian,

ich kanns auch ohne Blumen sagen:

Dadurch daß ihr derart moralinsauer unzeitgemäß schreibt, erübrigt sich jedwede Frage, ob jemand erkennen kann, wann die Geschichte spielt, denn er wird zuerst erkennen, daß da jemand aus dem Jahr 2008 nicht in der Lage ist, sich ins Jahr 1890-1900 hineinzuversetzen und deshalb eh Schwierigkeiten haben, die Story ernst zu nehmen oder einzusortieren. Er wird sich also als Leser selbst nicht in diese Zeit versetzt fühlen.

Das hat auch nix mit Beschreibungen zu tun, das betrifft die Handlungen der Figuren und damit den Plot selbst.

Nu klarer, was ich meinte?
Gruß,



Zoba



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Re:

von Lilian (31.07.2008, 20:35)
Siegfried hat geschrieben:
Merkwürdige Arbeitsmethode. Jedenfalls aus meiner Sicht (aber vielleicht habe ich ja auch die merkwürdige Arbeitsmethode und eure ist die richtige. cheezygrin )

Wenn ihr nicht wisst, wie der Plot aussieht bzw. der rote Faden der Handlung, warum macht ihr euch dann Gedanken um die Rolle des Dieners? Vielleicht ist der Diener ja von entscheidender Bedeutung in der Handlung - wer weiß das denn jetzt schon?

irgendwie wirkt diese Frage nach dem Eindruck, den der Diener hinterlässt, wie die Suche nach ungelegten Eiern. Eigentlich müsstet ihr ganz andere Probleme zu diskutieren haben.

Grüße
Siegfried


Ich glaube nicht, dass es eine "richtige" Methode gibt. ;-)

Doch, einen ungefähren roten Faden gibt es inzwischen natürlich schon. Er wird jetzt nur stärker umrissen, genauer skizziert. Die Frage hat aus unserer Sicht schon ihre Berechtigung. Muss aber sonst keiner verstehen ;-) Es wäre viel zu kompliziert, die einzelnen Arbeitsschritte zu erklären. Interessiert sicher auch keinen ....
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Der Meinige
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Re:

von Der Meinige (31.07.2008, 21:10)
Ich kann mich Zoba und Siegfried nur aschließen. Das, was ihr vorhabt, scheint definitiv eine Nummer zu hoch für euch zu sein; einfach mal drauf los zu schreiben und warten, dass die Figuren den Plot bestimmen, ist ein typischer, wenn auch verständlicher Anfängerfehler.

Es wäre viel zu kompliziert, die einzelnen Arbeitsschritte zu erklären. Interessiert sicher auch keinen ....


Hast du schon einmal einen Architekten gesehen, der ein Haus baut, ohne zu wissen, wie es aussehen soll? Auch als Autor musst du wissen, was du willst. Wenn du das nicht in maximal drei Sätzen plausibel beschreiben kannst,

Und glaub mir: Etwas zu zweit - also miteinander - zu schreiben, ist nochmals ungleich schwieriger. Das verstehen nur wenige und selbst die müssen verdammt lang daran arbeiten ...

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Re:

von ChrisK (01.08.2008, 14:19)
Der Meinige hat geschrieben:
Und glaub mir: Etwas zu zweit - also miteinander - zu schreiben, ist nochmals ungleich schwieriger. Das verstehen nur wenige und selbst die müssen verdammt lang daran arbeiten ...

Nuja, das würd ich so nicht unbedingt sagen. Z.B. im Bereich Drehbuch und im Journalismus sind Kollaborationen ja nun keine Seltenheit.
Gruß
Chris

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Re:

von Siegfried (01.08.2008, 18:19)
ChrisK hat geschrieben:
Der Meinige hat geschrieben:
Und glaub mir: Etwas zu zweit - also miteinander - zu schreiben, ist nochmals ungleich schwieriger. Das verstehen nur wenige und selbst die müssen verdammt lang daran arbeiten ...

Nuja, das würd ich so nicht unbedingt sagen. Z.B. im Bereich Drehbuch und im Journalismus sind Kollaborationen ja nun keine Seltenheit.
Gruß
Chris



Wenn im Abspann eines Films fünf Namen als Drehbuchautoren genannt werden, heißt das noch lange nicht, dass diese Leute zusammen das Drehbuch verfasst haben. Meist hat einer die Grundstruktur der Story geliefert, ein anderer dann die Szenen ausgearbeitet, der dritte allen komplett überarbeitet, der vierte Anfang und End komplett neu geschrieben und der fünfte auf Anraten der Produktionsfirma gekürzt und umgestellt ohne Ende.

Noch extremer ist das vermeintliche Team Working bei den Daily Soaps im Fernsehen. Da werden die Drehbücher von unterschiedlichen Abteilungen geschrieben: die einen befassen sich mit der Grobstruktur der Handlung über mehrere Folgen, andere definieren die Figuren und ihren Wandel, die nächste Abteilung schreibt nur Dialoge nach Vorgabe (was muss bis zu welcher Sendeminute wie angedeutet werden, wo sind die Cliffhanger usw.).

Einen Roman mit zwei oder gar drei Leuten zu schreiben, ist nahezu unmöglich, weil jeder der Schreiber irgendwann die Geschichte in eine andere Richtung laufen lassen möchte. Ich habe das mal am eigenen Leib erlebt, als wir zu dritt einen Roman schreiben sollten. Schon in der Konzeption gab es Diskussionen ohne Ende.

Grüße
Siegfried

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Re:

von Zoba (01.08.2008, 18:29)
Hi Siegfried,

es gibt schon erfolgreiche Kollaborationen, aber da sind die Bereiche meist ganz dezidiert festgelegt.

Dick Francis schrieb zusammen mit seiner Frau, sie recherchierte, er schrieb die Story. Eines der besten Drehbücher der letzten Jahrzehnte (Witness) wurde von Wallace und Kelley in Gemeinschaftsarbeit geschrieben. Jeder bekam einzelne Szenen zugeteilt, und zwar verteilt nach Amish und Nicht-Amish. Katherine Kurtz schreibt zusammen mit Debbie Harris sehr erfolgreich die Adept-Serie, auch Anne MacCaffrey schreibt immer wieder zusammen mit anderen Autoren.

Aaaaber - du siehst es richtig, es ist in vielen Bereichen schwerer, nicht einfacher, zu zweit zu schreiben.
Gruß,



Zoba



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Re:

von ChrisK (01.08.2008, 19:59)
Siegfried hat geschrieben:
Wenn im Abspann eines Films fünf Namen als Drehbuchautoren genannt werden, heißt das noch lange nicht, dass diese Leute zusammen das Drehbuch verfasst haben...


Nuja, das kann so sein, das muss aber nicht so sein. Ich kenne mehrere ganz erfolgreich und produktiv arbeitende Teams und hab schon in mehreren mitgearbeitet. Wenn die persönlichen Eitelkeiten vor der Tür bleiben und ein klares Ziel definiert ist, ist das ein ganz angenehmes Arbeiten.
Ich hab bei einem Workshoph mal Ellen Fogle kennengelernt, die hat abends ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert. Die meisten Folgen von "Married with Children" sind im Team geschrieben worden, auch wenn nur ein Autor den Credit bekommen hat. Die Plots wurden in der Gruppe entwickelt, ein Autor hat ein first draft geschrieben, und das wurde dann von den verschiedenen Kollegen mehrfach überarbeitet.
Gruß
Chris

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