Stahl-Seelen-Engel

Stellt euren Text vor und holt euch Feedback der BoD Community.


M-F Hakket
Beiträge: 1580
Registriert: 20.08.2009, 13:37

Stahl-Seelen-Engel

von M-F Hakket (31.07.2008, 18:37)
Moin cheezygrin .
Es ist schon eine Weile her, da wollte ich einen (ernsthaften) Manga-Roman für Erwachsene schreiben, bin dann aber daran gescheitert, als mir klar wurde, wieviel ich für die Idee hätte recherchieren müssen.
Trotzdem würde ich euch gerne mal den Prolog vorstellen.
Macht es Sinn? Ist es verständlich? Lohnt es sich, da weiter zu machen? Oder ist es doch eher wirr und unverständlich?
(Geschichtliche Genauigkeit braucht man hier nicht so ernst nehmen, ich habe mir da durchaus ein paar Freiheiten und eigene Meinungen herausgenommen.)

Viel Spaß beim Zerpflücken.



... Fortschritt …

Was ist Fortschritt?
Ist es die Möglichkeit der Menschen sich und alles, was um sie herum existiert immer weiter zu entwickeln?

Ist es das?

Ist es unsere Pflicht - unter allen Umständen -
den Fortschritt voranzutreiben, weil wir dazu fähig sind?
Weil wir es können?

Nur deshalb?

Kann es sein, dass dieser Schritt manchmal in eine
Richtung geht, die wir so gar nicht beabsichtig haben?
Was ist dann dieser Fortschritt -
ein Fortschritt, der uns das nimmt,
was uns zu Menschen macht?


Wir schreiben das Jahr 2176.

Wenn man den Chronisten unserer Zeit Glauben schenken darf, dann müssen wir uns eingestehen, dass es die Menschheit fast geschafft hat, sich selbst zu zerstören. Nicht durch Sturmfluten, Erderwärmung, verrückt spielendes Wetter (obwohl es das natürlich in nennenswertem Maße gab), nein, die Erde entpuppte sich als wesentlich widerstandsfähiger, als wir gedacht hatten. Etwas anderes zeigte uns, dass wir nicht unverletzlich waren, etwas, das wir aller Wahrscheinlichkeit nach selbst geschaffen haben.
Vor rund einhundert Jahren (hier nennen die Geschichtsbücher leicht voneinander abweichende Zahlen) tauchte unvermittelt ein völlig neuartiger Virus auf, der nahezu zwei Drittel der Menschen auslöschte. Niemand konnte mit Sicherheit sagen, woher dieser Virus kam. Einige behaupteten, dass es ein biologischer Kampfstoff war, der aus einem geheimen Versuchslabor entfleuchte. Da dieses angebliche Labor jedoch geheim war, gab es verständlicherweise keine wirkliche Bestätigung dieser Behauptung. Eine andere Meinung, die wohl eher der Wahrheit entspricht, stellte die Sache anders da. Da wir Menschen dem Wahn erlegen waren, uns materiell immer weiterzuentwickeln, immer neue Möglichkeiten zu suchen und zu realisieren, begann unser Planet, sich gegen uns zu wehren. Wir verschmutzten unsere Umwelt, wir bauten rücksichtslos alle Arten von Bodenschätzen und fossilen Brennstoffen ab, ohne die Warnungen, die von Wissenschaftlern und Zukunftsforschern ausgesprochen wurden, ernst zu nehmen. Wir entwickelten immer neue Medikamente gegen Krankheiten, die erst noch erfunden werden mussten, wir schwächten nicht nur unsere Umwelt, wir schwächten uns selbst. Statt uns, den Menschen, weiterzuentwickeln entwickelten wir alles um uns herum weiter. Wir konsumierten und verbrauchten, ohne dass uns bewusst wurde, dass wir diesen Konsum gar nicht nötig hatten.
Wir wurden gewarnt. Wir wurden alle gewarnt. Doch wir Menschen sind nun einmal bequem. Wir wussten, dass früher oder später die Erde kollabieren würde, dass die Blase, die wir immer weiter aufpumpten, irgendwann mit einem gewaltigen Knall platzen würde.
Das war uns bewusst. Jedem einzelnen von uns. Aber jeder Einzelne blieb lieber dort sitzen, wo er saß, auf seine Bequemlichkeit bedacht und argumentierte, dass er alleine schließlich doch nichts ändern könne.
So dachten wir alle. Und wir mussten den Preis dafür bezahlen.
Die Natur hatte genug und fegte uns innerhalb von fünf Jahren nahezu vom Antlitz der Erde.
Der Verlust unserer Familien, unserer Freunde, unserer Weltordnung, ließ uns, die den Virus überlebten, fast wahnsinnig werden.
Doch wir erhielten ein Geschenk, das wir vielleicht gar nicht verdient hatten. Die Evolution oder auch unser Lebenswille half uns, und nach und nach wurden die verbliebenen Menschen gegen den Virus immun, bis er letztlich keine Nahrung mehr fand und ausstarb. Die nun extrem geschrumpfte Weltbevölkerung musste sich neu orientieren.
Wir im alten Europa entwickelten einen visionären Plan des Zusammenlebens, der unter anderem darauf basierte, die Natur um uns herum ernst zu nehmen, zu achten und ihr Respekt entgegen zu bringen. Leider waren nicht alle davon überzeugt, diesen Plan anzunehmen. Der Amerikanische Kontinent - das damalige politische Gegengewicht zu Europa -, der sich schon im zwanzigsten Jahrhundert weigerte, das umweltschützende Kiotoabkommen zu unterschreiben, sah es nicht ein, Verzicht zu üben, ihren maßlosen Konsum einzuschränken, um die Natur zu erhalten. Schließlich war der Virus verschwunden, warum also sollte man nicht weitermachen wie bisher?
Aus diesem Grund brach Amerika im Jahre 2111 alle Verbindungen zu Europa ab und gründete die AUF, die American Union of Freedom. Da Kanada noch ein bedeutendes Vorkommen von Bodenschätzen besaß, war es das erste Land, das von der AUF mehr oder weniger annektiert wurde. Die Kanadier selbst fanden die Idee nicht unbedingt berauschend, schließlich waren sie auf ihre Unabhängigkeit immer sehr stolz gewesen. Sogar noch heute würde ein Kanadier, der die Frage gestellt bekam, welcher Staatsbürgerschaft er denn angehöre, stolz sagen, dass er Kanadier sei. Wäre ihm die Frage von einem Kanadier gestellt worden, so hätten beide die Augen geschlossen, gelächelt und geseufzt. Beide hätten gewusst, dass sie einmal stolz darauf waren, nicht zu Amerika zu gehören, und sie hätten gewusst, dass sie einer Nation angehörten, die auf dem Papier nicht mehr existierte. Vielleicht hätte es sie mit Wehmut erfüllt.
Hätte ein gebürtiger Amerikaner diese Frage gestellt, so hätte er auf die Erkenntnis, dass er vor einem Kanadier stehen würde nur geantwortet: „Es gibt keine Kanadier.“ Und er hätte gelächelt. Alleine.
Südamerika, einst eine reiche, blühende Landschaft wurde durch den Virus so gut wie entvölkert. Doch auch die AUFer waren anpassungsfähig und steckten voller Ideen. Den Reichen und Mächtigen der Union wurde ein Urlaubsdomizil zur Verfügung gestellt, dessen Luxus und Schönheit kaum vorstellbar war.
Da die AUFer eine neue Art der Politik erschufen, eine Politik, die vor allem auf einer Religion fußt, die nun mittlerweile über zweitausend Jahre alt ist und auf den recht seltsamen philosophischen Theorien eines gewissen Aristoteles beruht, konnten die Bewohner der Union davon überzeugt werden, dass Schutz und Verteidigung ihres Glaubens und ihres Wohlstands genügend Grund war, weiter die Bodenschätze abzubauen, weiter die Natur zu verschmutzen, um Waffen zu bauen. Obwohl Amerika früher schon oft Kriege begonnen hatte, die sich letztendlich nicht als wirklich legitim herausstellten, waren alle AUFer der Meinung, dass sie die Krone der Schöpfung waren, dass sie alle Rechte hatten ihren Glauben auszuleben und dass von den Ungläubigen eine stete Gefahr ausging. Nur so ließ sich eine permanente Aufrüstung plausibel vertreten.
Die neuen Waffen, und die Waffen, die Amerika noch aus alten Zeiten besaß, wurden im äußersten Norden des Südamerikanischen Kontinents platziert.
Die Medien, die von der religiösen Regierung gesteuert wurden, sorgten zusätzlich dafür, dass sich das Feindbild von den Ungläubigen in den Köpfen der AUFer festsetzte.

Die Ungläubigen, die Feinde, das waren wir. Ungefähr zur gleichen Zeit, in der die AUF zu einem einzigen Staat wurde, setzten wir die Idee der Eurasischen Kontinente um. Unserer Meinung nach war der Zusammenschluss unumgänglich, um zumindest hier allseits gültige Umweltschutzbedingungen aufzustellen. Streitereien über soziale, gesundheitliche und politische Fragen konnten wir beilegen, nicht zuletzt aufgrund der spürbar geschrumpften Bevölkerung. Trotz aller Verluste wurde uns ein Neuanfang gewährt. Und wir konnten unsere Welt nur schützen, die Chance für eine neue, bessere Welt nur wahrnehmen, wenn wir alle an einem Strang zogen. Da nun Skandinavier, Deutsche, Russen, Türken, Griechen, Asiaten und sogar Bayern miteinander leben mussten, wurde den verschiedenen Religionen ihre Macht genommen. Natürlich gab es die Glaubensbekenntnisse noch, jeder konnte seinen eigenen Glauben wählen, aber da uns klar war, dass es keinen einzigen, wahren Glauben geben konnte, akzeptierten wir die Religionen als das, was sie eigentlich sind: Ideen. Ideen, die einem die Möglichkeit geben, seinen Charakter zu formen. Wir lehnten eine Hauptreligion ab. Vielleicht liegt es daran, dass es auf dem eurasischen Kontinenten seitdem keine Unstimmigkeiten und schon gar keine Kriege mehr gibt. Wir vertrauten uns, wir lernten miteinander zu leben, wir lernten mit unserer Umwelt zu leben, wir besannen uns auf das, was wir waren – Menschen. Einfach nur Menschen, die mit ihrer Umwelt leben müssen und nicht gegen sie.
Das war einer der Hauptgründe dafür, dass uns die AUFer als ihre Feinde betrachteten. Ihr geltender Kodex bedeutete, sich die Erde Untertan zu machen, mit allem, was darauf lebte, mit allem, was darauf existierte. Für sie war es nicht wichtig, was in hundert Jahren vielleicht sein könnte, für sie war wichtig, was jetzt war. Sie kümmerten sich nur sporadisch um ihre Umwelt. Sicher, sie hatten zum Beispiel die mittlerweile längst ausgestorbene Rasse der in der Arktis beheimateten Eisbären 2006 offiziell unter Naturschutz gestellt, doch dass das Verschwinden der Tiere im direktem Zusammenhang mit der Erderwärmung und dem daraus resultierendem Abschmelzen der Polkappen stand, für das sie mitverantwortlich waren, sahen sie nicht. Sie kümmerten sich auch nur wenig um neue Wege der Energiegewinnung, um Alternativen zu fossilen Brennstoffen wie ÖL oder Gas. Erz wurde immer weiter abgebaut, um neue Waffen zu schaffen, den Wohlstand zu erhalten und sogar noch zu vergrößern – allein die Neugestaltung von Südamerika verschlang Unsummen -, bis es nahezu keine verwertbaren Rohstoffe mehr gab.

Wir wollten andere Wege gehen. Schon im auslaufenden zwanzigsten Jahrhundert entwickelte unter anderem Deutschland diverse Methoden, unsere Energieprobleme zu lösen. Damals nahm man die unterbreiteten Ideen nicht wirklich ernst, man verließ sich lieber auf die extrem gefährliche Atomenergie, jetzt sind wir froh darüber, die alten Ideen nicht verworfen zu haben.
Heute sind die Sonne, der Wind und das Wasser unsere stärksten und wichtigsten Verbündeten. Afrika und Australien ist ein einziger Sonnenenergiepark. Unsere Fahrzeuge laufen mit Wasserstoff. Island liefert gewaltige Mengen an Strom, die sie aus Turbinen erhalten, die die natürliche Kraft der Geysire nutzen. Auf weiten Teilen Russlands stehen riesige Ansammlungen von Windrädern. Die eurasischen Völker leben nah beieinander auf dem gemäßigten Klimagebiet des alten Europas, ein Vorteil, denn so konnten wir das, was wir brauchten auf einen Landstrich konzentrieren und mussten nicht weitere, viele tausend Kilometer lange Leitungen bauen, die wiederum eine Belastung für unsere Natur dargestellt hätten.
Wir hatten, was wir brauchten, uns war klar, dass wir umdenken und Verzicht üben mussten. Wir hatten uns weiterentwickelt.
Die AUFer sahen das anders. Die eurasischen Kontinente waren ihrer Meinung nach Gottlos, denn sie nutzten nicht die Möglichkeiten, die sich ihnen boten, was nach ihrem Denken ein Rückschritt war. Die gläubigen AUFer waren immerhin die größte Schöpfung Gottes, und da sie fähig dazu waren, sich die Natur Untertan zu machen, war es auch ihre gottgegebene Pflicht, das zu tun. Eine Bevölkerung, die dem nicht nachkam, die nicht an das glaubte, an was die AUFer glaubten, war demzufolge auch nicht die Krone der Schöpfung. In unseren Augen war das verrückt, aber wie sollte man gegen jemanden argumentieren, der fest daran glaubte? Zwei Ansichten prallten aufeinander.
Wer hatte nun Recht? Welcher Weg war der bessere? Beide große Regierungen beharrten auf ihren Standpunkten, so konnten wir uns nie wirklich annähern. Die AUFer hielten uns aufgrund unserer Gottlosigkeit und unserem Lebensstil für eine potenzielle Gefahr, wir wurden als eher rückständige Wilde betrachtet, während wir die wahnwitzige Rüstungspolitik und den fundamentalistischen Glauben der AUFer für gefährlich hielten.
Man kann von Glück sprechen, dass bisher keine der beiden Seiten ihre Meinung mit militärischen Mitteln durchsetzte.
Wir, die Eurasier lehnen Krieg ohnehin von vorne rein ab. Kriegsgeräte zu erschaffen, hätte unserem Verständnis von einer besseren Welt widersprochen, daher besaßen wir nur wenige, alte Waffen, die noch aus dem letzten Jahrtausend stammten und nicht ernsthaft dazu geeignet waren, sich gegen die AUFer zu wehren, geschweige denn, mit ihnen einen Krieg anzufangen.
Und ein wenig hatten die AUFer aus ihrer Geschichte scheinbar auch gelernt. Sie wussten, dass wir noch gewisse Vorkommen von Bodenschätzen besaßen, doch zum wiederholten Male dafür Kriege zu führen, war der Regierung wohl doch etwas zu heikel. Man beschränkte sich darauf, uns als potenzielle Gefahr für immer ins Bewusstsein der Bürger einzupflanzen.
Für uns war die AUF ein schlafender Riese. Wir wollten und konnten ihnen nicht trauen. Während uns die AUFer für gefährlich hielten, weil wir nicht glaubten, hielten wir die AUFer für gefährlich, weil sie glaubten. Aber wir schafften es zumindest - wenn ein sporadischer Kontakt der Regierenden unumgänglich war - uns doch mit diplomatischem Respekt zu behandeln. Wir sprachen alle die gleiche, bereits 2020 weltweit anerkannte englische Sprache. Freunde wurden wir deshalb trotzdem nie. Das Misstrauen beruhte auf Gegenseitigkeit und war nicht auszuräumen.
Aber Kriege … nein, Kriege führten wir nicht gegeneinander.

Bis …
Bis es unseren Wissenschaftler gelang, etwas Unglaubliches zu erschaffen. Zugegeben, es muss wohl eher als Zufall bezeichnet werden, doch unsere fähigsten Köpfe entdeckten die Möglichkeit, Metall biologisch zu züchten, ohne auf die natürlichen Erzvorkommen zurückgreifen zu müssen. Der Fortschritt, der in dieser Substanz innewohnte war noch nicht zu überblicken. Wir sollten später noch in der Lage sein, Dinge zu erschaffen, die wir uns nicht mal in unseren kühnsten Träumen hätten vorstellen können.
Die möglichen Vorstellungen nahmen uns die AUFer ab. Sie unterstellten uns, das Metall, intern BM genannt, nur für Militärische Projekte einsetzen zu wollen. Und es konnte schließlich nicht sein, dass die Ungläubigen diesen Werkstoff besaßen, wo er doch eigentlich der Krone der Schöpfung hätte zustehen müssen. Es war offensichtlich. Die AUFer wollten uns unsere Erfindung nehmen, um sie für ihre eigenen Vorstellungen zu verwenden.
Wir hätten ihnen geben können, was sie wollten. Doch was wäre dann geschehen? Was wäre, wenn das BM irgendwann an seine Grenzen gestoßen wäre? Wären die AUFer dann wieder vor unseren Toren aufgetaucht, um weiteres zu fordern? Was hätten wir ihnen dann geben können? Unsere Ideen? Unsere Erkenntnis? Unseren Lebensstil? Was wäre uns dann noch geblieben?
Und wer hätte uns garantiert, dass uns die AUFer nicht überfallen würden, mit den Mitteln, die wir selbst erschaffen hatten?
Wir durften ihnen nicht trauen.

Vielleicht sind wir Menschen so. Vielleicht brauchen wir ein Feindbild, um glücklich zu sein.
Vielleicht ist es auch einfacher, auf seinem Sofa sitzen zu bleiben und darauf zu warten, dass sich andere die Köpfe zerbrechen, um sich dann irgendwann das zu nehmen, was man will, ohne Rücksicht, ohne Umsicht. Strom kommt aus der Steckdose. Wasser sprudelt aus dem Wasserhahn. Immer? Für alle Zeit?
Sind wir denn nie zufrieden? Haben wir nie genug? Vielleicht ist das Streben nach Fortschritt, nach neuen Möglichkeiten unser Untergang. Wahrscheinlich hätten wir viel früher über unser Handeln nachdenken sollen, noch lange bevor der Virus die Menschheit fast vernichtete. Vielleicht haben wir alles verkehrt gemacht. Denn sehen wir, dass wir nicht die Dinge, die Möglichkeiten haben, die andere besitzen, oder die Möglichkeiten, die theoretisch bestehen, umsetzen, zweifeln wir, ob wir es nicht noch besser haben könnten, als wir es schon haben.
Ist das falsch?
Sind wir nicht so gut, so vorausschauend, so zivilisiert, so fortschrittlich, wie wir immer tun? Nehmen wir in Kauf, andere Menschen zu verletzen, ihnen Unrecht anzutun, weil wir bequem sind? Weil wir es nicht einsehen, selbst zu denken, vorausschauend zu denken und einzusehen, dass Rückbesinnung manchmal der bessere Weg sein könnte? Sind wir unfähig, darüber nachzudenken, dass ein permanenter Fortschritt und der feste Glaube daran, dass es immer weitergeht - weitergehen muss – früher oder später unser aller Ende sein könnte?
Wann lernen wir, wirklich zufrieden zu sein, mit dem, was wir haben? Wann üben wir Verzicht? Wann sehen wir endlich ein, dass das Leben an sich das entscheidende im selbigen ist? Wann verstehen wir, dass es wichtiger ist, sich und sein Denken weiterzuentwickeln, statt den materiellen Fortschritt immer weiter zu treiben?

Vielleicht ist es für diese Einsicht schon zu spät.

Nun, da ich Eurasier bin, wie ein Eurasier denke und diesen Vorbericht mit Hilfe diverser Eurasischer Geschichtsbücher erstellt habe, werde ich wohl immer voreingenommen sein. Mir ist klar, dass ich subjektiv urteile. Ich bin Eurasier, und ich bin ein Mensch. Menschen können nicht objektiv sein, egal woher sie kommen, egal, wo sie geboren sind. Das ist unsere Natur. Und mir ist auch bewusst, dass Geschichtsbücher nie die ganze Wahrheit erzählen, darum muss ich mir vieles selbst zusammenreimen und komme eventuell zu Schlüssen, die nicht als fair zu bezeichnen sind. Aus diesem Grund werde ich mich nun zurückziehen und der Geschichte ihren freien Lauf lassen.
Aber wer weiß, vielleicht treffen wir uns irgendwann einmal wieder – in einer besseren Welt, in der wir ALLE miteinander in Frieden und gegenseitigem Respekt leben können …


Danke für die Aufmerksamkeit - falls vorhanden.
Gruß
Hakket

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5973
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re: Stahl-Seelen-Engel

von Siegfried (31.07.2008, 20:27)
Hakket (Moderator) hat geschrieben:
Es ist schon eine Weile her, da wollte ich einen (ernsthaften) Manga-Roman für Erwachsene schreiben, bin dann aber daran gescheitert, als mir klar wurde, wieviel ich für die Idee hätte recherchieren müssen.


An dieser Stelle musste ich erst einmal recherchieren, was ein "Manga-Roman für Erwachsene" ist. Und obwohl ich etwa eine halbe Stunde lang kreuz und quer durchs Internet gesurft bin, bin ich so schlau - oder besser: so dumm - wie vorher. "Manga-Roman" habe ich als literarische Gattung nirgendwo gefunden. Was also ist ein "Manga-Roman"?

Was ich natürlich gefunden habe, ist der Begriff "Manga". Das sind, grob gesagt, asiatische Comics, die sich allerdings in der Gestaltungsart deutlich von unseren westlichen Comics unterscheiden. Mangas weisen eine deutlich geringere Bildzahl pro Seite auf und pro Bild erheblich weniger Sprechblasen. Außerdem entspricht die Leserichtung der Manga-Bilder nicht unserem Links-Rechts-Muster. Mangas lassen sich, obwohl mehrere hundert Seiten stark, oftmals extrem schnell lesen. Im Unterschied zum westlichen Comic gibt es beim Manga keine Interpretationslücken, nach dem altbekannten Muster: "Was will mir der Autor damit sagen?"

Frage also: Ist deine Geschichte - vereinfacht gefragt - als Comci konzipiert, unter Berücksichtigung der Manga-Regeln?

Hakket (Moderator) hat geschrieben:
Trotzdem würde ich euch gerne mal den Prolog vorstellen.
Macht es Sinn? Ist es verständlich? Lohnt es sich, da weiter zu machen? Oder ist es doch eher wirr und unverständlich?
(Geschichtliche Genauigkeit braucht man hier nicht so ernst nehmen, ich habe mir da durchaus ein paar Freiheiten und eigene Meinungen herausgenommen.)


Ich gebe an dieser Stelle ganz offen zu, dass ich mich durch den Prolog gequält habe - im wahrsten Sinne des Wortes. Das mag zu einem guten Teil an meiner Abneigung gegenüber Prologen an sich liegen. Ich halte einen Prolog für eine - man verzeihe mir - billige Ausrede des Autors, die im Prolog dargestellten Inhalte nicht szenisch darzustellen ... darstellen zu müssen. Um sich keine Gedanken um eine szenische Auflösung des Settings machen zu müssen, schiebt man einen Prolog vorweg. Ich mag so was nicht. Das ist für mich immer irgendwie der Holzhammer samt erhobenem Zeigefinger.

Inhaltlich wäre vieles zum Prolog zu sagen, weil ich mit sehr vielen der vorgelegten Situationen des Jahres 2176 nicht konform gehe. Wenn es tatsächlich zu einer globalen Katastrophe kommt, wie hier die Virus-Epidemie dargestellt wird, dann dürften Logik und Rationalität, wie sie der eurasischen Gesellschaft angedichtet werden, auf der Strecke bleiben. In Zeiten der Panik - und nichts anderes würde eine todbringende Pandemie auslösen - wären Mord und Totschlag, Fortfall von staatlicher Autorität, aber auch ein enormes Aufkommen von religiös verbrämten Heilsbringern die Folge sein. Ein Zusammenschmelzen unterschiedlicher Kulturkreise wie Europa, Zentralasien, Indien und Ostasien zu einer einheitlichen Gesellschaftsform halte ich für undenkbar. Die Idealisierung Eurasiens bei gleichzeitiger Verdammun Pan-Amerikas ist mir arg an den Haaren herbeigezogen - ganz abgesehen davon, dass der latent vorhandene Anti-Amerikanismus durch jede Zeile schimmert (aber zumindest Letzteres ist seit den 1920ern im deutschen Bildungsbürgertum sehr populär - es lohnt sich, da mal nachzuforschen, warum z.B. hochangesehene deutsche Schriftsteller eingefleischte Anti-Amerikaner waren. Man bekommt das kalte Grausen ob der "völkischen Argumentation").

Auch eine künstliche, fiktive oder futuristische Welt muss zumindest in sich stimmig sein. Auf Sicht von 170 Jahre Zukunft der Menschheit sehe ich das nicht unbedingt.

Großes Stirnerunzeln setzte bei mir ein, als ich auf das "gezüchtete Metall" gestoßen bin. Wie man chemische Elemente züchten will, ist mir echt zu hoch, selbst im Ansatz. Züchten heißt Leben erzeugen, Fortpflanzung, genetische Veränderung. Wie soll das bei Materie auch nur ansatzweise funktionieren (dem Leser muss das ja irgendwie klar gemacht werden)? Kernverschmelzung, Fusion und was es da noch alles an Möglichkeiten zur Veränderung von Materie gibt, das mag ja noch irgendwie als Zukunftsvision einleuchten, aber Metall züchten?

Wie gesagt: Ich habe mich durch den Prolog quälen müssen. Mag sein, dass sich dahinter eine interessante Idee verbirgt (die ich übrigens nicht gefunden habe), aber vieles von dem, was mir der Prolog erzählen will, halte ich für verquasten Unsinn. Im Buchladen hätte ich den Buchdeckel zugeklappt und das Buch ins Regal zurückgeschoben.

Grüße
Siegfried

Chaos Overlord
Beiträge: 1194
Registriert: 30.03.2008, 18:54

Re:

von Chaos Overlord (31.07.2008, 20:54)
liegt vlt daran dass ich so nen Si-Fi / fantasy kram gern lese, aber mir hat die Story gut gefallen,
zwar waren da doch noch paar Sachen dabei (eben genanntes gezüchtetes Metall) ws mich auch hat schmunzeln lassen,
aber die idee an sich finde ich schon recht interesant ^^

von mir ein
thumbbup

was das Anti-Amerikanische angeht:
die sind zwar heute wirklich schlimm,
aber meinst nicht dass sogar die amis da vlt was lernen können aus ihren Fehlern?
(vorsichtig ausgedrückt glaub ich das zwar auch nich, aber egal cheezygrin )


mfg
Chris
Wenn Kaffee Coffein enthält
dann muss Kakao eigentlich Kokain enthalten...
Leute
ich geh mich ma schnell zudröhnen ^^

--

hast du ein Problem?
dann jag es in die Luft!

Der Meinige
Beiträge: 35
Registriert: 20.07.2008, 20:02

Re:

von Der Meinige (31.07.2008, 20:57)
Metall biologisch zu züchten, ohne auf die natürlichen Erzvorkommen zurückgreifen zu müssen


Darüber bin ich leider auch gefallen. Der ansonsten recht intelligente Text wird durch solch eine platte, an die Vorstellung mittelalterlicher Alchimisten erinnernde Trivialisierung regelrecht ins Nirwana befördert. Ein Phänomen, das recht oft bei SF-Autoren vorzufinden ist, die sich der Physik nur in der Absicht eines verbalen Vergewaltigers bedienen (sorry, nicht persönlich gemeint! Aber jemand, der weiß, wie die Elemente über dem primordialen H und He durch Fusion in Supernovae entsteht, muss an so einem Punkt einfach sarkastisch werden). :D

Allerdings könntest du, um glaubhaft zu wirken, einfach behaupten, dass die zu dieser Zeit endlich erfolgreich vorgenommene "kalte Fusion" dafür gesorgt hat.

Gleichzeitig muss ich einräumen, mit dem Begriff Manga-Roman auch nichts anfangen zu können. 8)

M-F Hakket
Beiträge: 1580
Registriert: 20.08.2009, 13:37

Re:

von M-F Hakket (31.07.2008, 21:25)
Thanx für die Meinungen.
"Manga-Roman" beißt sich natürlich schon an sich etwas selbst in den Allerwertesten. Ein Manga ist ein Comic - ganz klar. Es ging mir darum, das Gefühl und die Art und Weise, die Stimmung einer typischen Mangaerzählung in eine Romanform zu bringen.

@ Siegfried: Den (erzählenden) Prolog habe ich gewählt, um ein Ausgangsszenario zu erschaffen, das (relativ) kurz die jetzt herrschenden Verhältnisse beschreibt. Ich schreibe sonst sehr Szenenbezogen. Es ist also eine "Bestandsaufnahme".
Dass du etwas degegen hast, dass ich etwas gegen Amerika (politisch) habe, ist okay - jedem das Seine. Aber die Gründe, die ich hier anführe, müssen ja nicht unbedingt nur für Amerika gelten. Ich habe Amerika gewählt, weil es mir am geeignetsten erschien, um gewisse Dinge zu erläutern. Aber im Kern geht es um jeden Einzelnen von uns, jeder von uns hat - m.M.n. - einen Teil von Amerika und einen Teil von Eurasien in sich. Dass die Umsetzung der Idee der Eurasier evtl. unmöglich ist - kann sein. Kann aber auch nicht sein. Da das letztlich niemand genau wissen kann, schreibt man erfundene Geschichten, dei einfach mal eine Annahme annehmen. cheezygrin

In einem Punkt muss ich dir aber widersprechen. Mangas leben m.M. nach davon, dass in die Geschichte selbst sehr viel interpretiert werden kann. Man denke nur an "Neon Genesis Evangelion", "Ghost in the shell", "Akira", "Gunslinger Girl", um nur einige zu nennen. Gerade da sehe ich den Unterschied zu den eher "dümmlichen", westlichen Comics. Man sollte auch strikt zwischen den "Kindermangas" und den Mangas für Erwachsene unterscheiden, die eher einen philosophischen Exkurs ähneln. Klar, da geht es z.T. sehr brutal zu, und auch die Logik wird gerne mal über Bord geworfen. Aber es geht dabei um das "Ganze", die Idee, und was sie damit eigentlich sagen will. Also genau das Gegenteil von dem, was du da zitiert hast. Okay, ich kann mich auch irren, aber das würde mich doch wundern.

Das "Züchten" des Metalles war ein Grund dafür, warum ich aufgegeben habe. Ich bin kein Chemiker. Das "lebendige, intelligente Metall" sollte jedoch ein wichtiger Bestandteil das Ganzen werden. Es ist natürlich nicht ganz ernstzunehmen, wenn man sich mit den tatsächlichen Möglichkeiten nicht auskennt.
Da aber eben auch die Mangas sich oft dieser "freien" Gestaltung bedienen, habe ich es mir auch erlaubt. cheezygrin In fast jedem Manga schwingt ein bisschen das "Märchen" mit. Es muss nicht logisch sein, es geht um die Kernaussage. Und die ist nicht, ob man Metall tatsächlich züchten kann.

Gruß
Hakket

Benutzeravatar
Zoba
Beiträge: 1309
Registriert: 23.11.2007, 18:15
Wohnort: Süden

Re:

von Zoba (31.07.2008, 21:31)
Hi Hakket,

es gibt Kurzgeschichten und es gibt Romane cheezygrin

DAS ist eigentlich das Expose eines Romans, und es könnte ein guter werden, mich erinnert der Plot an Bücher von Merle (Malevil oder Die geschützten Männer).

Es ist keine Kurzgeschichte, so sorry, Hakket cheezygrin . Dafür umspannst du zu viel, dafür ist die Sache eine Nummer zu groß.

Also setz dich hin und schreib den Roman cool5 cheezygrin
Gruß,

Zoba

-----------
"In Deutschland gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat." - Carl von Ossietzky

Benutzeravatar
Zoba
Beiträge: 1309
Registriert: 23.11.2007, 18:15
Wohnort: Süden

Re:

von Zoba (31.07.2008, 21:35)
Hi,

im übrigen...

So dumm ist die Idee des gezüchteten Metalls nicht, da könnte man auch Einiges an Problemen dranhängen. Metall/Erze sind auch nur in bestimmter Weise zusammengesetzte Atome, wir züchten heute bereits seltsamere Dinge, bei Licht betrachtet. Ich könnte mir eine genmanipulierte Pflanze oder ein Bakterium vorstellen, das z.B. Eisen ausscheidet. Ein bischen Recherche könnte eine plausible Lösung finden.
Gruß,



Zoba



-----------

"In Deutschland gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat." - Carl von Ossietzky

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5973
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re:

von Siegfried (31.07.2008, 21:42)
Hakket (Moderator) hat geschrieben:
In einem Punkt muss ich dir aber widersprechen. Mangas leben m.M. nach davon, dass in die Geschichte selbst sehr viel interpretiert werden kann.


Wie ich schon schrieb: Ich habe von Mangas keine Ahnung und musste mich erst informieren und habe dabei das Interview des deutschen Manga-Zeichners Jürgen Seebeck gefunden - und der hat gesagt:

"Seitenaufteilung, grafische Dramaturgie, verbunden mit der inhaltlichen Dramaturgie und der Verzicht auf überflüssigen Text führen dazu, dass sich Manga sehr schnell lesen lassen. Im Aufnahmeverhalten wiederum dem Film sehr ähnlich.

Man muss nie grübeln, was will mir das sagen? Im Westen muss man sich zwischen zwei Bildern etwas denken, etwas ergänzen, damit die Geschichte anschließt. So einen Bruch wird man bei guten japanischen Arbeiten nicht entdecken. "

Das ganze Interview gibt es hier:

http://www.stern.de/unterhaltung/comic/ ... eid=501566

Grüße
Siegfried

M-F Hakket
Beiträge: 1580
Registriert: 20.08.2009, 13:37

Re:

von M-F Hakket (31.07.2008, 21:43)
@ Zoba:
Nö, sollte auch keine Kurzgeschichte werden.
Die tatsächliche Geschichte geht um eine menschliche Waffe, die von den Eurasiern (dann doch) entwickelt wird. Letztlich zeigt sich dann, dass die Eurasier nicht viel besser (?) als sie AUFer sind (oder doch?). Die "Waffe" ist zwar "geboren" worden, um einen potenziellen Krieg zu gewinnen, da die "Waffe" allerdings menschliche Züge hat und in Eurasien und der dortigen Moralvorstellung aufwächst, ist bei der "Waffe" - der sog. "Stahl-Seelen-Engel" - ein permanenter Zweifel vorhanden, ob das, was er tun soll, überhaupt das Richtige ist.
Eine stählerne Seele ist gemeinhin eine kalte, gefühllose Seele. Das, was beabsichtigt ist. Ein Engel sollte jedoch gutartig und menschlich sein. Doch wer bestimmt, was gutartig und was gefühlskalt ist? Die Eurasier? Die AUFer?
Wir? cheezygrin

Gruß
Hakket

Benutzeravatar
Zoba
Beiträge: 1309
Registriert: 23.11.2007, 18:15
Wohnort: Süden

Re:

von Zoba (31.07.2008, 21:50)
Moinsen Hakket,

ich sagte schon - hört sich wie Merle an, und *das* wäre sicher keine schlechte Sache.

Schreib das Ding, der Plot hat wirklich Potential. Nimm ein bischen den erhobenen Zeigefínger raus und laß die Leute selbst ihre Schlüsse ziehen.

Ich würde überlegen, wie weit sich die Vorgeschichte komprimieren läßt, ohne am Verständnis etwas zu ändern und so weit auch kürzen und dann die Story entwickeln.

Die Prämisse jedenfalls ist sehr interessant.
Gruß,



Zoba



-----------

"In Deutschland gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat." - Carl von Ossietzky

M-F Hakket
Beiträge: 1580
Registriert: 20.08.2009, 13:37

Re:

von M-F Hakket (31.07.2008, 21:51)
@ Siegfried: Was vielleicht daran liegt, dass er Deutscher ist. Ein Zeichner ist erstmal nur ein Zeichner und muss nicht zwingedn etwas mit der Geschichte zu tun haben. Es stellt sich natürlich auch die Frage, was hier mit Interpretation gemeint ist. Wenn es nur um die Übergänge zwischen den Bildern geht, mag er Recht haben. Es geht mir aber, wie gesagt, um die Interpretation der Geschichte und der Aussage, die diese Geschichte verfolgt.
Wenn man z.B. typische amerikanische (sorry) Blockbuster nimmt, so fällt doch auf, dass sie nun wirklich so erzählt werden, dass sogar windelpupsende Vorschulkinder den Plot verstehen.
Bei den asiatischen (Filmen) Geschichten bleibt man oft nachdenklich zurück und kann eine mehrstündige Debatte darüber führen, was genau die Kernaussage ist.
Ich mag diese Geschichten eben lieber, ich möchte am Ende nicht sagen können: "Okay, alles klar", sondern ich möchte nachdeken dürfen. Dreimal Vorgekautes schmeckt nicht so gut, auch wenn es leichter verdaulich ist. Aber wer will schon leicht verdauliches Hirnfutter?
cheezygrin

Gruß
Hakket

Der Meinige
Beiträge: 35
Registriert: 20.07.2008, 20:02

Re:

von Der Meinige (31.07.2008, 22:25)
So dumm ist die Idee des gezüchteten Metalls nicht, da könnte man auch Einiges an Problemen dranhängen. Metall/Erze sind auch nur in bestimmter Weise zusammengesetzte Atome, wir züchten heute bereits seltsamere Dinge, bei Licht betrachtet. Ich könnte mir eine genmanipulierte Pflanze oder ein Bakterium vorstellen, das z.B. Eisen ausscheidet. Ein bischen Recherche könnte eine plausible Lösung finden.


Na dann: Willkommen im Mittelalter. Dummerweise würden heutige Leser, die auch nur halbwegs wach den Physik- und Chemieunterricht in der Schule verfolgt haben, sich bei solchen Postulaten fragen, ob sie nicht besser die Bilder in einem Comic ansehen sollten: Bevorzugt Asterix und Obelix, da gibt es wenigstens einen Zaubertrank ...

<Kopf schüttel>

Benutzeravatar
Zoba
Beiträge: 1309
Registriert: 23.11.2007, 18:15
Wohnort: Süden

Re:

von Zoba (31.07.2008, 22:56)
Hi Der Meinige,

es braucht nur plausibel sein, es ist nicht nötig, daß es eine wissenschaftlich bewiesene Theorie ist.

Metalle reichern sich in Pilzen oder anderen Pflanzen an, wir züchten bereits jetzt genetisch manipulierte Pflanzen, die unempfindlich gegen bestimmte Pflanzenschutzmittel sind oder Pflanzen, die Substanzen bilden, die bisher nur von Tieren gebildet wurden. Warum sollte es nicht möglich sein, z.B. Pflanzen zu entwickeln, die dem Boden und den Niederschlägen gezielt Metalle entziehen und in einer verwertbaren Form einlagern? Hätte man Pflanzen, die nur dem Ab- und Oberflächenwasser, das wir produzieren und ableiten, sämtliche Metalle sortiert entzögen, hätten wir wohl mehr Metall zur Verfügung als durch übliches Recycling.

Hat nichts mit Alchemie zu tun:

http://www.wsl.ch/staff/beat.frey/zbaum-de.ehtml

Der erste SF über Klonen wurde m.W. vor mehr als 70 Jahren geschrieben (A. Huxley - Schöne neue Welt), damals gab es nicht mal im Ansatz das dazugehörende Wissen, nicht einmal eine echte Theorie. Heute haben wir lebende Klone von Haustieren und 2006 gab es den ersten Versuch des Klonens von Menschen.
Gruß,



Zoba



-----------

"In Deutschland gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat." - Carl von Ossietzky

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5973
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re:

von Siegfried (01.08.2008, 00:15)
Zoba hat geschrieben:
Metalle reichern sich in Pilzen oder anderen Pflanzen an, wir züchten bereits jetzt genetisch manipulierte Pflanzen, die unempfindlich gegen bestimmte Pflanzenschutzmittel sind oder Pflanzen, die Substanzen bilden, die bisher nur von Tieren gebildet wurden. Warum sollte es nicht möglich sein, z.B. Pflanzen zu entwickeln, die dem Boden und den Niederschlägen gezielt Metalle entziehen und in einer verwertbaren Form einlagern?


Aber genau das konterkariert doch die Intention der Geschichte. Was unterscheidet denn dann die "böse" Gesellschaft, die die Erze mit Schaufeln und Baggern aus der Erde holt, gegenüber jener "guten" Gesellschaft, die statt dessen Pflanzen, Tiere oder Bakterien benutzt? Beide Gesellschaften beuten die Rohstoffe aus, nur die Methoden sind unterschiedlich.

Bei der in dem Prolog genannten "Züchtung von Metall" würde ein Mehr an Metall entstehen und keine Ausbeutung bestehender Bestände. Aber "Züchtung von Metall"? Eine sehr schräge Idee. Von daher wäre die Idee der kalten Fusion weitaus sinniger.

Aber wenn dieser Weg im Jahre 2176 möglich ist - egal ob Züchtung oder kalte Fusion -, warum ist das Verfahren bzw. die Kenntnis darüber nur Eurasiern bekannt und nicht auch den Pan-Amerikanern? Da scheint mir noch ein ziemliches Loch in der Konzeption zu bestehen.

Grüße
Siegfried

Benutzeravatar
Zoba
Beiträge: 1309
Registriert: 23.11.2007, 18:15
Wohnort: Süden

Re:

von Zoba (01.08.2008, 06:06)
Hi,


he he Siegfried - Hakket lehnt sich grad zurück und läßt uns hier seine Arbeit tun.... cheezygrin

Davon ab, es dürfte schon einen Unterschied darstellen, ob zB Pflanzen bereits durch vergangene Nutzung im Regen, der Atmosphäre, Wasser und Boden gelöste Metalle und Schwermetalle in verwendbare Metalle anreichern und vielleicht nebenher noch CO2 abbauen und Sauerstoff produzieren, oder man konventionell Erze abbaut und verhüttet.

Wieso die Amis das nicht haben? Nun ja, vielleicht beerbt Eurasien mit sanft unsanftem Druck ein patentiertes Verfahren einer europäischen Version von Monsanto? Vielleicht ist ausgerechnet die Nutzung von Monsantos BT-Mais & Soja bzw. Roundup Grund warum die eurasischen Pflanzen in den USA und liierten Ländern nicht wachsen können? Oder die Amis sind nach Monsanto gegenüber solchen Verfahren negativ eingestellt?

Wenn man ein wenig hin- und herüberlegt, kommt man auf eine plausible Lösung. Und das Nette an SF ist, daß sie wiegesagt nur plausibel sein muß, nicht bewiesen und sicher auch nicht bereits machbar. cheezygrin
Gruß,



Zoba



-----------

"In Deutschland gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat." - Carl von Ossietzky

Zurück zu „Textfeedback“


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste

Über BoD

BoD™ ist die führende deutsche Self-Publishing-Plattform. Seit mehr als 20 Jahren sind wir die Anlaufstelle für das einfache, schnelle und verlagsunabhängige Veröffentlichen von Büchern und E-Books. Bereits mehr als 40.000 Autoren haben sich mit uns den Traum vom eigenen Buch erfüllt.