Drehbuchformat

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LOFI

Drehbuchformat

von LOFI (07.10.2008, 14:41)
Hi,

habe nun mein Drehbuch zu einem meiner Romane fast fertiggestellt, nach dem sogenannten amerikanischen Format. Nun bekomme ich zu hören, dass dieses veraltet sei und es keine einheitliche Richtlinie zur Drehbucherstellung gibt. Weiß jemand dazu etwas genaueres?

Danke
LG

Lorenz

houdini
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Re:

von houdini (07.10.2008, 15:53)
Veraltet? Kein einheitliches Format? Nein, das wäre mir absolut neu.
Das amerikanische Format ist immer noch der Standart meines Wissens nach.

hwg
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Re:

von hwg (07.10.2008, 16:07)
Ein einheitliches "Format" für Drehbücher gibt es nicht.
Ich habe mehrere Bücher über das Schreiben von Dreh-
büchern, in jeder dieser Anleitungen gibt es unterschiedliche "Vorgaben".
In der Regel richten Regisseure Drehbücher ohnehin nach
ihren Vorstellungen ein. Zudem wird ja in der Praxis
dauernd daran etwas verändert.

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Siegfried
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Re: Drehbuchformat

von Siegfried (07.10.2008, 16:45)
LOFI (Moderator) hat geschrieben:
habe nun mein Drehbuch zu einem meiner Romane fast fertiggestellt, nach dem sogenannten amerikanischen Format. Nun bekomme ich zu hören, dass dieses veraltet sei und es keine einheitliche Richtlinie zur Drehbucherstellung gibt. Weiß jemand dazu etwas genaueres?


Ich habe hier in meinem Bücherschrank mehrere Drehbücher stehen, die rein formal sehr unterschiedlich sind. Der Hauptunterschied liegt in der Nutzungsweise des Drehbuches, also wozu das ausgedruckte Exemplar genutzt werden soll. So gibt es "literarische Drehbücher", die gewisse Strukturen eines Drehbuchs haben, aber eigentlich wie ein Roman zu lesen sind. Und es gibt "Arbeits-Drehbücher", wie sie dann direkt am Set von der Film-Crew benutzt werden.

Ich versuche mal, die Unterschiede so darzustellen, wie sie in den Drehbüchern erscheinen:

Beispiel 1: Federico Fellini - Casanova (literarisches Drehbuch, erschienen bei Diogenes detebe 55/VII, 1977)

Du Bois' Haus. Saal. Innen. Nacht

Im Saal bricht am Ende von Henriettes Barbietung ein Sturm der Begeisterung los.
Das Mädchen gibt dem Musiker das Instrument und den Bogen zurück und steht auf.
    Frauenstimme: Wunderbar! Du hast mich zum Weinen gebracht.
    Andere Frauenstimme: Ihr habt wie eine wirkliche Konzertcellistin gespielt. Wo habt Ihr denn so spielen gelernt?
Henriette antwortet mit anmutiger Bescheidenheit.
    Henriette: Im Kloster. Aber wenn es nicht auf ausdrückliche Anordnung des Bischofs gewesen wäre, hätte mir die Äbtissin niemals die Erlaubnis zum Spielen gegeben.
D'Antoine geht mit entschlossenen Schritten außen am Haus entlang und bleibt auf der Schwelle zum Saal stehen.
    Frauenstimme: Warum nicht?
    Henriette: Weil sie als Braut Christi der Ansicht war, daß ich mit dem Cello immer eine unanständige Haltung einnehmen müßte!
Die Gäste brechen über Henriettes geistreiche bemerkung in schallendes Gelächter aus.
    D'Antoine: Mademoiselle!
Beim Klang dieser Stimme wendet sich das Mädchen ruckartig und plötzlich ernst zur Schwelle um.
D'Antoine, dessen Gesicht man nicht deutlich erkennen kann, weil es im Schatten liegt, sagt mit dumpfer Stimme ...
    D'Antoine: Ich bitte um Entschuldigung, daß ich so spät komme; die Reise ist weit.
Henriettes Gesicht wird von tiefer Traurigkeit überschattet.



Beispiel 2: Volker Schlöndorff - Die Blechtrommel (Auszug aus dem Arbeits-Drehbuch, erschienen bei Zweitausendeins, 1979)

88. POLNISCHE POST / FLUR UND PAKETRAUM Innen - Tag

Männer rennen vorbei, schiessen aus den Fenstern.

Oskar: Jan! Wo ist Jan?

Im Pakteraus befinden sich hinter Panzerplatten und Sandsäcken, hinter umgestürzten Schreibtischen verbarrikadiert, polnische Verteidiger. Hier liegen sie, zivilgekleidet, jedoch Stahlhelme auf den Köpfen, und erwidern stockend, fast sparsam das Infanteriefeuer der belagernden Heimwehr.

Oskar: Jan! Onkel Jan, wo ist er?

Bevor er Antwort erhält, gelingt es den Angreifern, das Tor oberhalb der Verladerampe für Postautos in die Luft zu sprengen.

Ein Stosstrupp dringt durch die Bresche. Wütende Schiesserei auf kurze Distanz. Schliesslich Handgemenge mit den Verteidigern, die dem Angriff mit Mühe abschlagen. Überglücklich gratulieren sie sich.

Stimmen (polnisch): Wir schaffen's



Das gebundene Arbeitsdrehbuch ist nur rechtsseitig bedruckt, die linke Seite (also die Rückseite der vorherigen Drehbuchseite) wird für handschriftliche Notizen benutzt. Im vorliegenden Fall ist die Szene 88 in 10 einzelne Kameraeinstellungen aufgelöst.


Beispiel 3: Jerry Lewis - One More Time (Auszug aus dem Arbeits-Drehbuch, erschienen bei rororo "Wie ich Filme mache", 1976)

68-A INT. GREAT HALL

We hear a Drum Roll ... The bandleader steps up to the microphone and announces ...

    TOM
    Ladies and Gentlemen ... In answer to many requests ... here it is ...
    ladies choice ...
    go get 'em ladies ...
    choose your own partners ... Hit it boys ...
The dreary band strikes up the "poor" fox trot (TEMP TRACK)

CLOSE SHOT - CHRIS AT BUFFET TABLE
He is standing there with a drink in his hand ... watching that no one spots him ... and he gulps one down fast ... looks around, puts down the glass ... and starts out ... but is met by MISS TOMPKINS

    TOMPKINS
    I choose YOU!
She takes him by the arm and leads him to the center of the dance floor and they embrace and start dancing ...

CLOSE SHOT - CHRIS and TOMPKINS DANCING
They are really cookin' together ... Chris really taking advantage of the circumstances ... they make one large sweep ... as a hand comes into the shot ... as we hear O.S.

    ABERNATHY
    Excuse me, please ... I'm cutting in ...
Tompkins eases out of the shot and Chris is now dancing with the lovely blonde ...
( 68-A-CONT'D TOP OF SCRIPTED PAGE: 88 )



So sehen die Drehbücher aus, die ich auf die Schnelle finden konnte. Ich habe allerdings auch mal gehört, dass in Deutschland Drehbücher noch ganz anders aussehen können. Die Seite wird in zwei Spalten geteilt, in der einen Spalte wird das Optische (Bild, Hintergrund, Aktion), in der anderen das Akustische (Dialog, Musik, Geräusche) eingetragen. Ob und wie weit dieses Layout heute noch aktuell ist, kann ich aber nicht sagen.

LG
Siegfried

LOFI

Re:

von LOFI (07.10.2008, 17:00)
Danke, danke,

das hilft mir schon. Dann habe ich so oder so nichts verkehrt gemacht (vom Format her gesehen)

LG

Lorenz

Thorsten Boose

Re: Drehbuchformat

von Thorsten Boose (18.11.2008, 12:24)
Siegfried hat geschrieben:
Ich habe allerdings auch mal gehört, dass in Deutschland Drehbücher noch ganz anders aussehen können. Die Seite wird in zwei Spalten geteilt, in der einen Spalte wird das Optische (Bild, Hintergrund, Aktion), in der anderen das Akustische (Dialog, Musik, Geräusche) eingetragen. Ob und wie weit dieses Layout heute noch aktuell ist, kann ich aber nicht sagen.

LG
Siegfried


Dies ist eine ältere Variante des deutschen Drehbuchs, die vor allem in den 60ern und 70ern beliebt war. Der Drehbuchautor hatte so gesehen den gesamten Film, wie er im Rohschnitt vorzufinden ist, niedergeschrieben - damals hatten Drehbuchautoren noch einen höheren Stellenwert als heutzutage und arbeiteten enger mit dem Regisseur zusammen. Mit der Zeit wurden aber immer mehr Filme produziert, auch in anderen Genres, und somit wurde die Zeit immer knapper. Aus dem Grund wurden die präzisen Formulierungen wie Musikeinblendungen, Schnitte, Kameratechniken etc. herausgenommen und in verkürzter Form in Klammern hinter den Namen eines agierenden Dialogpartners, an den Szenenanfang oder in einer Extrazeile, wenn wirklich nicht umgänglich, gesetzt. Ein anderer Grund ist der, dass sowohl Regisseure als auch Produzenten immer mehr Einfluss auf die künstlerische Gestaltung eines Films erlangt hatten. Somit übernahm der Drehbuchautor letztendlich nur noch den Part des Niederschreibens der Geschichte mit ihren Spannungsbögen, den Wendepunkten, den Figurenkonstellationen und eben allem, was damit in Verbindung steht. Was das Filmen, die Filmtechnik angeht, wurde dies ab sofort völlig dem Regisseur, dem Kameramann und natürlich den Produzenten überlassen.

Es gibt weltweit keinen Standard, wie man Drehbücher schreibt, dies richtet sich u.a. nach dem jeweiligen Markt. Während die USA eine amerikanische Variante, die weniger auf Layout und mehr auf Inhalt achtet, bevorzugen, gibt es hierzulande eine deutsche Variante, die sehr auf Layout bedacht ist und weitaus mehr Details als ein amerikanisches Skript enthält. Wenn man sein Drehbuch ausschließlich für den deutschen Markt verfilmen lassen will, sollte man auch den "deutschen Standard" einhalten, um Konflikte zu vermeiden. Eine internationale Produktion lebt besser von der amerikanischen Variante oder einer Mischung aus beiden, was ebenfalls häufig anzutreffen ist.

Mein Tipp: Sich die deutsche Variante aneignen, weil es hierbei übersichtlicher und detaillierter zugeht und außerdem bereits einige, nur hierin enthaltene Aspekte von dem amerikanischen Standard übernommen wurden!

Ein Richtig oder Falsch gibt es aber nicht. Drehbücher werden geschrieben und wieder umgeschrieben, wenn der Agentur, der Produktionsfirma oder dem Produzenten die Form und/oder der Inhalt nicht gefällt. Ein sauber geschriebenes Drehbuch, das auf Hintergrundwissen basiert, wird weniger abfällig gelesen als ein dahingesautes Stück Papier (um es mal extrem zu formulieren).

Genau wie jede andere kreative Arbeit sollte auch ein Drehbuch frei heraus geschrieben werden. Es ist klar, dass es auch hier - wie bei einem Roman, bei Lyrik oder einem Sachbuch - bestimmte Regeln gibt, die einfach dazu beitragen, dass das Konstrukt auch funktioniert. Wenn man diese Regeln kennt, beherrscht und sie auch anwendet, kann man getrost seine Geschichte niederschreiben und sich sicher sein, dass sie funktionieren wird - ob später als Film, ist wiederum eine andere Geschichte.

Beste Grüße,
Thorsten

DavidLiese
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Registriert: 25.10.2008, 14:06
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Re:

von DavidLiese (18.11.2008, 14:02)
Meine Drehbücher wurden bis jetzt immer nach amerikanischen Format formatiert, wobei es auch hier sehr viele Unterschiede gibt. Um das nachzuvollziehen, habe ich mir verschiedene Drehbücher zu mir bekannten Filmen angesehen, und eine wirkliche Richtlinie gibt es da wohl schon, aber eben auch nur das - eine Richtlinie ;).

Was mir mal von einem Drehbuchautor gesagt wurde, ist dass die Nummerierung der Szenen vor dem INN. und AUS. veraltet ist und von vielen Filmern als "unprofessionell" angesehen wird...

Da ich die meisten meiner Drehbücher selbst abdrehe, richte ich mich aber eh kaum nach Formatvorgaben ;)

Thorsten Boose

Re:

von Thorsten Boose (19.11.2008, 11:41)
DavidLiese hat geschrieben:
Was mir mal von einem Drehbuchautor gesagt wurde, ist dass die Nummerierung der Szenen vor dem INN. und AUS. veraltet ist und von vielen Filmern als "unprofessionell" angesehen wird...


Unprofessionell nicht unbedingt - darum bestimmt deine An-/Abführungszeichen - aber schon plump, das kann ich bestätigen, obwohl die Nummerierung wichtig ist/sein kann.

Da ich die meisten meiner Drehbücher selbst abdrehe, richte ich mich aber eh kaum nach Formatvorgaben ;)


Wenn jemand meine Drehbücher sehen würde, die ich selbst abgedreht habe, könnte derjenige sie bestimmt kaum lesen. Mein bombensicherer Ideenklauschutz! :lol:

Beste Grüße,
Thorsten

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