Schreibblockaden, Ideenlosigkeit

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Nekromant
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Schreibblockaden, Ideenlosigkeit

von Nekromant (09.10.2008, 00:20)
Ich glaube jeder, der schreibt hat so etwas schon mal erlebt. Mich würde interessieren welche unterschiedlichen Arten es gibt damit umzugehen. Wie umgeht man das Hindernis, das was man sich vorstellt nicht niederschreiben zu können?

LOFI

Re:

von LOFI (09.10.2008, 08:32)
Hi, manchmal ist es wirklich so, dass man durch andere Sachen abgelenkt ist und einfach nicht kann, wie man will. Daraus kann aber auch die Angst vor der Angst werden, nach dem Motto: Wenn ich mich jetzt hinsetze, fällt mir bestimmt wieder nichts mehr ein. (Akute Selffullfilling prophecy).

Gegen ertseres kann man was tun. Einfach aufhören und mal was ganz anderes machen. Wenn du Lust am Schreiben hast und deine Geschichte dich wirklich beschäftigt, kommt es schon wieder, da bin ich ziemlich sicher. Unter Druck setzen sollte man sich nie.

Der zweite Fall ist schwieriger, wenngleich auch hier Abschalten hilft mit der Verinnerlichung des Satzes: "Mir sitzt keiner im Genick, ich mache dass, wenn mir danach ist."

LG

Lorenz

andypbc
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Re:

von andypbc (09.10.2008, 10:13)
hallo

sowas habe ich in der Tat schon ein paar Mal erlebt. Du hast eine Idee, weißt genau, wie deine Geschichte weitergeht, hältst daran fast, weißt sogar schon, was erst 4 Kapitel später passiert...

aber aufschreiben... geht nicht. Satz für Satz quälst du dich weiter, bist du endlich wieder an eine Stelle kommst, wo die Finger kaum mit deinen Worten mithalten können.

Da ich so gut wie jeden Tag an meinen Roman denke, versuche ich dann, ganz abzuschalten. Die längste Pause war mal über einen Monat. Irgendwann starte ich dann Word, lade die Datei, lese ein wenig und siehe da... das SChreiben beginnt von neu.

Ich glaube Zeitdruck löst sowas aus. Und ich wünsche jedem, das er unter keinem Zeitdruck steht.

Schöne Grüße

Andy

hwg
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Re:

von hwg (09.10.2008, 10:21)
Also, vorübergehende Unlust am Weiterschreiben kommt bei mir auch hin und wieder vor. Dann mache ich eben einen Tag lang Pause.

Da ich aber viele Auftragsarbeiten erledige, dient mir gerade der damit verbundene Zeitdruck als Motivation. Würde ich den Zeitdruck nicht haben, wäre ich wahrscheinlich viel fauler... :lol:

Wer ein Ziel vor Augen hat, will dieses ja auch erreichen, denke ich jedenfalls. Daher - nur keine Müdigkeit vortäuschen, das Leben (auch als Autor) ist viel zu kurz!

Gruß aus der Steiermark!

Klaus D. Klimke

Re:

von Klaus D. Klimke (09.10.2008, 10:50)
Hat wohl jeder von uns schon einmal erlebt.
Dieses "Problem" scheint aus dem Nichts zu kommen. Es ist einfach da. Es kommt jedoch nur darauf an, ob wir zulassen, dass es sich manifestiert.
Der Mensch neigt nun einmal dazu, sich in Dinge, gleich welcher Art, hineinzusteigern, und auf diese Weise machen wir uns eine Vielzahl unserer "Probleme" selbst. Das dies zu jeder Zeit, sowohl im positiven (Schaffenswille, Schaffenskraft, Ideenreichtum) als auch im negativen Sinne möglich ist, sollte man sich stets vor Augen halten. Ich kann dieses Wissen aber auch für mich nutzen (Kurzfassung aus einem meiner Bücher):
Wir wissen: "Pro" heißt "für"(griech.: unentschiedene Frage). "Pro"bleme sind also "für" uns gemacht und nicht gegen uns (sonst würden sie ja "Anti"bleme heißen).
Für jede unentschiedene Frage tragen wir aber schon eine Antwort in uns (Antwort selbst geben, alleine Lösung finden, andere fragen, zusammen mit anderen lösen).
Erfolgreiche Menschen fallen auch einmal gelegentlich hin - so wie erfolglose Menschen ständig am Boden kleben.
Im Gegensatz zum Erfolglosen, steht der Erfolgreiche jedoch immer wieder auf. Warum?
Er geht mit sich selbst in Dialog, besinnt sich seiner Fähigkeiten und entwickelt sich weiter.
Es gilt also ein Gefühl dafür zu entwickeln, den eigenen Wert und die eigenen Fähigkeiten zu spüren, sich ihrer bewusst werden, sich ihrer bewusst zu sein und sich ihrer zu bedienen.

In diesem Fall:
Was hindert mich also daran, erst einmal andere "Probleme" in Angriff zu nehmen, oder einer gänzlich anderen Beschäftigung nachzugehen (Auftragsarbeit und Termine einmal dahingestellt)? Irgenwann werde ich mit Sicherheit wieder an meinem Schreibtisch sitzen und die "Warum-Frage" beantworten können. Zum Beispiel die Frage warum entwickelt sich die Story in meinem Kopf nicht weiter? Habe ich etwas vergessen, übersehen, funktioniert der Stream überhaupt so, wie ich es mir vorgestellt habe, fehlt mir irgendeine Recherche, sollte ich mich auf die Suche nach neuen Ideen machen, aufstehen, rausgehen mit Notizbuch und Kamera, bin ich überhaupt genug im Gleichgewicht, stehe ich etwa zu Zeit neben mir (innere Mitte).
Ich denke schon, dass wir uns die Frage der Schreibblockade selbst beantworten können. Wir dürfen nur nicht den Fehler machen, uns nicht mit uns selbst zu beschäftigen, uns selbst also zu vernachlässigen. Geht es uns gut, geht es dem Buch auch gut, also thumbbup .
LG
Klaus

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Juliane Waldeck
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Re:

von Juliane Waldeck (09.10.2008, 11:07)
Ich persönlich glaube, es ist wichtig, den Grund für dieses Hemmnis im tiefen Innern zu finden. Oft streitet der Kopf mit dem Herz. Vielleicht ist das Herz mit dem verbalen Weg, den der Kopf einschlägt nicht einverstanden.
Hier kommt mein Tipp:
In diesem Fall das Manuskript zur Seite legen. (auf Eis legen)
Sich in keiner Weise auf die Sache konzentrieren, sondern nur den Punkt
festhalten, an dem man aufgehört hat. In den meisten Fällen kommen
einem in ungeahnten Situationen (Besuch im Altersheim, Besuch bei Freunden, Spaziergang im Wald, Bus- od. Zugfahrt, Reise etc.) ganz andere Einfälle zur Geschichte, ja, manchmal schreibt man alles wieder um.
Einfach offen bleiben.
Ein Lied sagt mehr als 1000 Worte,
ein Bild spricht schweigend....JW 07

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Vivanini
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Re:

von Vivanini (09.10.2008, 12:03)
Wenn man in einem Text nicht weiterkommt, mag das weglegen und erstmal ruhen lassen, eine richtige Entscheidung sein.

Was ist aber, wenn man vor einem leeren Blatt Papier sitzt und einfach nicht anfangen kann. Ideen sind da keine Frage, aber sie aufs Papier zu zaubern, da gehts bei mir meist nicht weiter. Schon da blockiert sich bei mir alles.

Lange Zeit wußt ich nicht warum, inzwischen hab ich durch die Erfahrungen der letzten Jahre erkennen können/müssen woran es liegt. Und somit hab ich für mich eine Möglichkeit gefunden, daran etwas zu ändern.
In meiner Kindheit wurde durch verletzende Worte mein Selbstbewustsein so zu nichte gemacht, dass ich ich glaubte, ich kann es nicht, hab dazu kein Talent, bin dafür eben zu blöd.

Vor zwei Jahren, durch eine Krankheit, kam die Wende in meinem Leben. Ein viertel Jahr hat es gebraucht, bis ich anfing die ganzen Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen. Und verstehen war hier das Wichtigere.
Weil meine Ärztin damals sagte, ich müsse mir was suchen, womit ich mal zur Ruhe komme, womit ich abschalten kann. Leichter gesagt als getan.
Der Zufall wollte es aber, das zu dem Zeitpunkt eine Malkurs bei uns in der Nähe abgehalten wurde. Bob Ross, wem der Name was sagt, er verzaubert Millionen am TV mit seinen Bildern. Ein Kurs mit dieser Technik wurde angeboten und ich bin hingegangen.
Was daraus geworden ist, könnt ihr auf meiner HP sehen. Ich hätte TALENT sagte man mir in einem anderen Forum. OK, Talent würd ich das nicht nenne, aber ich bringe was auf die Leinwand, was ich mir sogar in die Wohnung hänge. cheezygrin
Warum bin ich nun aber davon ausgegangen, das ich nicht malen kann? Weil ich in der 10. Klassen zu hören bekam, ich male wie eine Zweitklässlerin :cry:

Mit der Schreiberei ist es nun ähnlich. In der 7. oder 8. Klasse schrieb ich an einem Roman. Der Krieg war zu Ende aber ein Geschwisterpaar hatte in den Kriegswirren die Eltern verloren. Sie waren beide davon überzeugt, dass sie noch leben, deshalb fingen sie an sie zu suchen. Ich schrieb und schrieb. Eine Klassenkameradin wollte das noch nicht fertige Skript lesen, eigentlich wollte ich ihr das nicht so unfertig zeigen, ließ es dann aber doch zu. Und sie war begeistert. Sie hatte nicht erwartet, dass ich sowas kann.
12. Klasse genau das Gegenteil. Eine Aufsatz zurück bekommen mit den Worten "zu naive Schreibweise" :cry:. Wurde mit 3 oder 4 benotet. Bewies mir damals ich kann nicht schreiben.
So ließ ich Malen und Schreiben nach der Schule eben sein.

Heute seh ich das ganz anders. Ich kann malen, werde zwar kein van Gogh, aber für den Hausgebrauch reichts und es macht Spaß und ich kann schreiben, werde aber auch hier keinen Bestseller schreiben, aber auch hier reicht es mir, wenn ich das Geschriebene mal als Buch selber in den Händen halten kann, so ganz für mich :wink: .


Manchmal hilft es darüber nachzudenken. Die Schlüsselmomente zu finden, die einem eine Blockade bescheren, egal in welchen Bereichen.
Man weiß dann woran man arbeiten kann.

Auch heute noch sitz ich vor einer weißen Leinwand oder einem weißen Blatt ppier und finde keinen Anfang, weil ich mich nicht trau. Aber ich werde daran arbeiten diese Blockade zu überwinden. cheezygrin


So nun ich das wieder viel zu lang geworden, nicht böse sein. Aber das sind meine Erfahrungen mit meinen Schreib- und Malblockaden. :wink:
LG Anja

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Ein Merkmal großer Menschen ist, daß sie an andere weit geringere Anforderungen stellen als an sich selbst.
Marie von Ebner-Eschenbach

LOFI

Re:

von LOFI (09.10.2008, 12:08)
Vivanini hat geschrieben:
Was ist aber, wenn man vor einem leeren Blatt Papier sitzt und einfach nicht anfangen kann. Ideen sind da keine Frage, aber sie aufs Papier zu zaubern, da gehts bei mir meist nicht weiter. Schon da blockiert sich bei mir alles.


Da gibt es ein probates Mittel:

Mindmapping. Strukturen in die Ideen bringen, mittels Programm oder Papier. Macht Spass, und man sieht,l wie sich was entwickelt.

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Vivanini
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Re:

von Vivanini (09.10.2008, 12:14)
LOFI (Moderator) hat geschrieben:
Vivanini hat geschrieben:
Was ist aber, wenn man vor einem leeren Blatt Papier sitzt und einfach nicht anfangen kann. Ideen sind da keine Frage, aber sie aufs Papier zu zaubern, da gehts bei mir meist nicht weiter. Schon da blockiert sich bei mir alles.


Da gibt es ein probates Mittel:

Mindmapping. Strukturen in die Ideen bringen, mittels Programm oder Papier. Macht Spass, und man sieht,l wie sich was entwickelt.


Damit kann ich überhaupt nichts anfangen. Das ist bei mir ein Hilfsmittel, was bei mir nicht hilft. :(
LG Anja



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Klaus D. Klimke

Re:

von Klaus D. Klimke (09.10.2008, 12:24)
@Vivanini
dann schreib' oder male oder zeichne diese Blockaden auf. Knall das Zeug mit Wucht auf's Papier, so wie du gerade empfindest und/oder denkst, und versuche danach zu analysieren, was du da gerade gemacht hast. Finde Schlüsselwörter oder -objekte, und stelle diese in Bezug zu dir selbst, oder eben zu deinen Themen.

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (09.10.2008, 12:29)
Mit dem Anfang eines Romans habe ich eigentlich nie Probleme.

Es gab mal einen Fall, bei dem ich kurz vor dem Showdown wie die Axt vorm Walde stand. Ich fragte mich: Wer bin ich eigentlich, was bin ich eigentlich, was mache ich hier, und was sind das für seltsame schwarze Striche auf dieser Glasscheibe (und was ist das für eine Glasscheibe?)?

Ich habe dann alles ruhen lassen, mir ein Puzzle(!) gekauft, und drei-vier Tage nicht mehr an den Roman gedacht.
Plötzlich machte es "Plopp" und mir fiel wieder ein, wer ich bin.

Den Roman habe ich dann in ein paar Tagen beenden können.

Gruß
Hakket

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Judith
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Re:

von Judith (09.10.2008, 12:33)
Es gibt manchmal Tage, da ist man unkreativer als an anderen. Das habe ich noch viel mehr bei meiner Arbeit als Tanzpädagogin festgestellt. Ich muss ja fast täglich Choreographien machen. Manchmal hängt man an einer Acht total fest. Da kann es dann mal sein, dass ich in der nächsten Stunde das bereits Erlernte wiederholen lasse. Oder wenn ich in den Ferien das neue Programm vorbereiten muss. Manchmal gehe ich schon nach drei Stunden nach Hause, weil nichts vernünftiges rauskommt, am nächsten Tag läuft es wieder gut und da mache ich dann eben zwei Stunden länger.

Ich muss eigentlich auch fast immer unter Zeitdruck kreativ sein, und das ist kein Problem, wenn es nicht innerhalb eines sehr begrenzten Zeitraumes sein muss. In der Schreibgruppe zum Beispiel, da hat man für eine Kurzgeschichte eine halbe Stunde Zeit, genau die halbe Stunde und keine andere. Das fällt mir dann schwer. Wenn ich aber für einen Roman vier Wochen zur Verfügung habe, dann wird der auch in den vier Wochen fertig. An einem Tag wird eben mehr geschrieben, am anderen Tag weniger oder auch nur überarbeitet, wenn mir nichts einfällt.

Vor einem leeren Blatt am Anfang sitze ich nie, weil ich mir schon im Bett oder bei einem Spaziergang überlege, wie ich etwa anfangen könnte.

Grüßle,
Judith
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JulyRose
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Re:

von JulyRose (09.10.2008, 12:46)
Bei mir ist es so, dass ich Tage habe, an denen ich 10 Seiten Text produziere. Und die Tage, an denen ich gar nichts schreibe, gibt es ebenso. Dazwischen ist alles möglich.

Ich habe gelernt, mit diesen inneren Blockaden umzugehen. Ich mache mir bewusst, wenn's nicht weitergeht, dass irgendwas mit dem Plot nicht stimmt, mit der Art, wie ich die Geschichte schreibe, nicht in Ordnung ist. Da hilft es mir, den kompletten Text auszudrucken und ihn zu überarbeiten.

Interessant übrigens: als ich den Staufermord schrieb, hatte ich das alle 50 Seiten. Also wieder ausdrucken, lesen, überarbeiten, weitermachen. Meist ist es bei mir ein Fehler in der Plotstruktur, den ich dann beim Durcharbeiten finde. Oder ich weiß tatsächlich nicht, wie's vweitergeht. Auch da hilft eine gründliche Überarbeitung.

Als neue Möglichkeit, solche Blockaden zu umgehen, habe ich letztens das Arbeiten mit Tarotkarten kennengelernt. Total klasse!

Liebe Grüße
Juliane
Das Lied der Sonnenfänger (Januar 2011)
Die Rose der Kreuzritter (März 2011)

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Siegfried
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Re: Schreibblockaden, Ideenlosigkeit

von Siegfried (09.10.2008, 12:55)
Nekromant hat geschrieben:
Ich glaube jeder, der schreibt hat so etwas schon mal erlebt. Mich würde interessieren welche unterschiedlichen Arten es gibt damit umzugehen. Wie umgeht man das Hindernis, das was man sich vorstellt nicht niederschreiben zu können?


Die Frage rund um das Thema "Schreibblockade" taucht hier im Autorenpool immer wieder mal auf, und ich habe dazu immer wieder die gleiche Meinung:

Ich glaube nicht an eine Schreibblockade. Ich bin der Auffassung, dass es so etwas wie eine Schreibblockade nicht gibt. Ich halte das Wort "Schreibblockade" für eine sehr bequeme und modische Ausrede.

Ich will meine Meinung auch erklären:

Unter "Schreibblockade" verstehen viele die Situation, nicht schreiben zu können (oder besser: angeblich nicht schreiben zu können). In den allermeisten Fällen - zumindest die, die ich mir bekannt sind - ist die Schreibblockade Ausdruck persönlicher Bequemlichkeiten. Eigentlich möchte man was ganz anderes machen als Schreiben. Ins Kino gehen, mit Freunden abhängen, sich vom Fernsehen den Kopf zudröhnen lassen, durch den Wald joggen oder sonst was. All das lässt man aber nicht zu, weil man ja jetzt schreiben will oder muss. Nur - das Unterbewusstsein ist auf einem anderen Trip, und weil man sich das selbst nicht zugestehen will, kommt die Idee von der Schreibblockade.

Der zweite Grund, weshalb der Begriff Schreibblockade bemüht wird, ist der innere Zensor. Egal was man in die Tastatur gibt, alles ist irgendwie schlecht, unbrauchbar, löschenswert. Drei Zeilen geschrieben, drei Zeilen lang die Löschtaste festgehalten: "Es geht nicht. Ich habe eine Schreibblockade." - Prima Ausrede. Als nächstes schließt man sein Schreibprogramm, geht ins Internet und chattet eine Stunde lang mit irgend welchen Leute (wo das Schreiben ganz plötzlich wie von selbst geht). Schreibblockade?

Ich glaube nicht an die Mär von einer Schreibblockade. Da stelle ich mir immer vor, eine Betreuerin im Kindergarten soll mit einer Gruppe von Fünfjährigen auf der Wiese ein Spiel spielen und sagt dann zu den Kids: "Tut mir leid, Kinder, ich kann nicht, ich habe eine Spielblockade".

Oder ein Speditionskaufmann soll die Routen für ein Dutzend Lkws planen und geht dann zu seinem Chef: "Ich muss jetzt sofort nach Hause, ich habe eine Planungsblockade".

Oder der Titelbildlayouter einer Wochenzeitschrift schaltet den Computer aus und sagt zu seinem Vorgesetzten: "In den nächsten drei Tage bekomme ich nichts zustande, ich habe offenbar eine Layoutblockade".

Schreibblockade hat für mich immer das Image von wohlklingender Ausrede: "Du armer spitzwegscher Poet, du kannst nicht schreiben." Ich halte Schreibblockaden einfach für Unsinn. Sorry, aber das ist nun mal meine Meinung zu dem Thema.

Mein Rat: Den Begriff Schreibblockade ganz schnell vergessen. Sich gar nicht erst auf die Schiene der billigen Ausrede begeben. Und statt dessen einfach schreiben - und wenn es der letzte Müll ist. Egal! Dann landet es irgendwo ganz tief unten im Archiv. Aber gar nichts tun, das öffnet nur die Tür zur modischen Ausrede.

In einem Buch von Jack M. Bickham über die häufigsten Fehler von Autoren beim Schreiben, das ich mir vor gut zehn Jahren aus den USA mitgebracht habe, gibt es im Einleitungskapitel diesen wunderbaren Satz: "Writers write. All others make excuses."

Der Mann hat ja so recht!

Ganz nebenbei: Kennt ihr die Schwester der Schreibblockade? Sie heißt "Ich hatte keine Zeit". Das ist nämlich genau so eine billige Ausrede.

Jeder Mensch hat pro Tag gleich viel Zeit. 86.400 Sekunden. Wieso haben die einen Zeit, die anderen nicht, für ganz bestimmte Dinge? Haben erstere sich irgendwo Zeit gekauft oder geliehen? Haben zweitere irgendwann im Laufe des Tages einen Haufen Sekunden unwiederbringlich verloren und müssen nun einen Tag leben, der nur 70.000 Sekunden lang ist?

Nein.

Das Problem ist, dass die Leute, die angeblich keine Zeit haben, falsche Prioritäten setzen und dann nicht Willens oder in der Lage sind, dies offen zuzugeben. Wenn ich etwas will, dann hat es entsprechende Priorität. Und wenn es zu Kollisionen mit anderen Tagesaufgaben kommt, dann muss ich mich entscheiden, was wichtiger ist: dieses oder jenes. Es gibt an jedem Tage bestimmte Dinge, die ich tun muss. Wo ich keine Wahl habe. Wer einen Job hat, der muss entsprechend Zeit für diesen Job aufwenden. Wer einen langen Arbeitsweg hat, der muss entsprechend Zeit dafür einplanen. Wer seine Kinder zum Kindergarten bringen muss, der muss das tun. Aber irgendwann kommt jeder in den Tageszeitbereich, wo eine eigene Entscheidung ansteht. Ist die Suche nach einer neuen Hose in sechs verschiedenen Boutiquen wichtiger als das Schreiben von zwei Seiten Text? Ist Thomas Gottschalk mit "Wetten dass" den Ausfall von einer Kurzgeschichte wert? Ist es wichtiger, am Samstag nachmittag in aller Ruhe die Tageszeitung zu lesen, anstatt sich an den PC zu setzen und zu schreiben?

Es gibt Menschen, die sagen: "Ja. Ich will Gottschalk sehen und ich will die Tageszeitung lesen und ich gehe ein Mal die Woche in die Stadt, um nach neuen Klamotten zu schauen und ich bin jeden zweiten Tag abends im Fitness-Studio. " Und wenn man diese Leute dann fragt, wie es denn mit dem Roman aussieht, an dem sie arbeiten, dann sagen sie: "Ich hatte keine Zeit." Und genau damit lügen sie sich selbst an. Sie hatten die Zeit. Es war ihnen nur nicht so wichtig. Anderes war wichtiger. Aber das wollen sie vor sich selbst nicht eingestehen.

LG
Siegfried

LOFI

Re:

von LOFI (09.10.2008, 12:59)
Und nicht zu vergessen, die Schere im Kopf! Sie blockiert am aller meisten.

LG

Lorenz

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